u. a., u. A., U. A.unter anderem, unter anderen
StAHStaatsarchiv Hamburg
StAHStaatsarchiv Hamburg622-1/506Familien Siemssen und Vidal (1836–1947)
GStA PKGeheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin
GStA PKGeheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, BerlinI. HA, Rep. 120Ministerium für Handel und Gewerbe
Königlich Preußisch-Asiatische Handlungs-Compagnie von Emden auf ChinaDie Königlich Preußisch-Asiatische Handlungs-Compagnie von Emden auf China wurde 1750 auf Initiative Friedrichs des Großen gegründet, um begehrte Waren wie Porzellan, Tee, Seide und Lackwaren nicht mehr aus zweiter Hand in London beziehen zu müssen und zugleich den preußischen Führungsanspruch im Außenhandel der deutschen Staaten zu unterstreichen. Zuvor hatte ein Erbfall die Stadt Emden mit ihrem direkten Zugang zur Nordsee eher zufällig unter preußische Herrschaft gebracht. Doch diese Handelsgesellschaft, die 1752 mit der Fregatte „König von Preußen“ ein erstes eigenes Schiff auf Handelsexpedition nach Kanton entsandte, das dort auch freundlich aufgenommen wurde, blieb ein extravagantes politisches Prestigeprojekt, das zwar viel Aufsehen bei den europäischen Nachbarstaaten erregte, sich wirtschaftlich aber nicht trug und bald wieder zum Erliegen kam. Insgesamt waren die Schiffe der Königlich Preußisch-Asiatischen Handlungs-Compagnie von Emden auf China nur sechs Mal auf Fahrt gegangen. Vgl.
Ring, Asiatische Handlungscompagnien
;
Schui, Prussia's 'Trans-Oceanic Moment'
, S. 143–160;
Eberstein, Preußen und China
, S. 37–42.
Königlich Preußische Seehandlungs-Societät bzw. Königliche Seehandlung (Preußische Staatsbank), BerlinDie 1772 gegründete Königlich Preußische Seehandlungs-Societät in Berlin wurde zunächst als staatliches Seefahrtsunternehmen tätig, blieb im Vergleich mit ihren englischen und holländischen Vorbildern, der East India Company (EIC) und der Vereenigden Oostindischen Compagnie (VOC), im Überseehandel mit Ostasien aber nahezu bedeutungslos. Im Zuge der Napoleonischen Kriege mit der Verwaltung der Staatsschulden beauftragt, betätigte sich seither verstärkt auch als Bank. 1807 wurde sie dem preußischen Finanzministerium unterstellt, agierte seit 1822 aber als ein selbstständiges Unternehmen und war mit einigen überseeischen Unternehmungen befasst, u. a. zum Zweck des Vertriebs schlesischer Textilwaren in Mittel- und Südamerika. In den 1830er Jahren stieg sie in den Bau von Dampfschiffen ein und war bis 1848 selbst als Dampfschifffahrtsgesellschaft aktiv. Schon seit 1845 überwiegend als Staatsbank tätig, firmierte das Unternehmen 1904 um zur Königlichen Seehandlung (Preußische Staatsbank) und 1918 schließlich zur Preußischen Staatsbank (Seehandlung). Bis 1945 war sie in allen Bereichen des Bankgeschäfts aktiv, wurde 1947 in den Stand einer „ruhenden Altbank“ versetzt und 1983 schließlich liquidiert. Vgl.
Meuß, Unternehmungen
;
Radtke, Preußische Seehandlung
;
Eberstein, Preußen und China
, S. 89–126.
Roß, Vidal & Co., HamburgDie Geschichte der Kaufmannsreederei Roß, Vidal & Co. in Hamburg ist eng verknüpft mit der hugenottischen Kaufmannsfamilie Vidal, deren Spuren sich in Hamburg bis in das frühe 18. Jahrundert zurückverfolgen lassen. Nach dem Tod des Inhabers der Firma Vidal & Co., Charles Louis Vidal (1758–1809) verheiratete sich dessen Witwe Sophie Vidal, geb. Roß (1770-?) mit Johann Heinrich Liebrecht, der zuvor einige Jahre als Prokurist für die Firma tätig gewesen war. Unter dem Namen Witwe Vidal & Co. führten sie das Unternehmen gemeinsam fort und kauften 1823 ein erstes eigenes Segelschiff, das im Sommer 1823 über Rio de Janeiro und Buenos Aires nach Batavia auf Fahrt ging. Mit dem Eintritt von Daniel Roß (1777–?) in die Firma, einem jüngeren Bruder Sophie Vidals, der zuvor als Kaufmann in London tätig gewesen war, änderte diese 1827 ihren Namen zu Roß & Liebrecht. Nur zwei Jahre später etablierten Roß & Liebrecht die erste deutsche Handelsagentur in Batavia, die von Theodor Edmund Vidal und Camille Vidal, zwei Söhnen von Charles Louis und Sophie Vidal, geleitet und später von ihnen unter dem Namen T. E. Vidal & Co. als eigenständige Firma weitergeführt wurde. Roß & Liebrecht firmierte 1830, mit dem Ausscheiden von Johann Heinrich Liebrecht um zu Roß & Co., um nur drei Jahre später, als Daniel Roß seinen Sohn Edgar Daniel Roß und seinen Schwiegersohn Adolph Eduard Vidal in die Firma aufnahm, erneut umbenannt wurde, nun zu Roß, Vidal & Co. Seine Blütezeit als Kaufmannsreederei erlebte das Haus Roß, Vidal & Co. in der zweiten Hälfte der 1850er Jahre, als es die eigenen sieben Segelschiffe, darunter die „Mary Stewart“, das einst größte hamburgische Segelschiff überhaupt, mehrfach nach Batavia, Singapur und China entsandte; in Ostasien betätigten sich diese Schiffe auch in der Küstenschifffahrt und kehrten nach ein, zwei Jahren mit Waren nach Hamburg zurück. Außerdem beteiligten sich Roß, Vidal & Co. an der Finanzierung der Handelsgeschäfte anderer Kaufleute, wobei ihnen nicht zuletzt die guten Verbindungen der ursprünglich aus Schottland stammenden Familie Roß zu verschiedenen Merchant Bankern in London von Nutzen waren. 1856 gehörten Roß, Vidal & Co. zu den Mitbegründern der Norddeutschen Bank AG. - Weitere Informationen zur frühen Unternehmensgeschichte finden sich in: Ernst Hieke, Über die Anfänge des deutschen Handels mit Ostindien. Das hamburgische Handelshaus Ross, Vidal & Co. und die Vorgeschichte von Siemssen & Co., unveröffentlichtes Manuskript, in: Staatsarchiv Hamburg (StAH), 622-1/506, 27. Vgl. außerdem
Schmidt, Bankwesen
.
T. E. Vidal & Co., BataviaAus dem von den beiden Brüdern Theodor Edmund Vidal und Camille Vidal 1828 etablierten Handelsstützpunkt Batavia der Kaufmannsreederei Roß, Vidal & Co. in Hamburg, ging bald darauf die eigenständige Firma T. E. Vidal & Co. hervor. Sie importierte in erster Linie Roheisen aus englischer und schwedischer Produktion nach Java, aber auch Glaswaren, Messer, Spielzeug und Tauwerk, außerdem Leder, Leisten und Seife aus deutscher Herstellung. Zucker, Reis und Gewürze bildeten die
Rückfracht nach Hamburg
. Als 1841 viele etablierte Handelshäuser in Batavia in eine finanzielle Krise gerieten, weil sie von der Javaschen Bank zuvor für den steigenden Import an europäischen Manufaktur- und Fabrikwaren in Ermangelung von Silbermünzen zu großzügig mit Krediten in Form von Papiergeld ausgestattet worden waren, standen T. E. Vidal & Co. relativ gut da. - Weitere Informationen zur Unternehmensgeschichte finden sich in: Ernst Hieke, Über die Anfänge des deutschen Handels mit Ostindien. Das hamburgische Handelshaus Ross, Vidal & Co. und die Vorgeschichte von Siemssen & Co., unveröffentlichtes Manuskript, in: Staatsarchiv Hamburg (StAH), 622-1/506, 27.
De Javasche Bank, BataviaDie 1828 gegründete Javasche Bank mit Sitz in Batavia war von erheblicher Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung Niederländisch-Indiens. Als zentrale Notenbank mit Geschäftsbankfunktion schuf sie die Voraussetzungen dafür, dass Handel und Gewerbe sich nicht länger wechselseitig Kredit einräumen mussten, was infolge der bestehenden Informationsdefizite mit erheblichen Ausfallrisiken verbunden gewesen war. Das Gründungskapital der Bank in Höhe von 1 Millionen fl. wurde zur Hälfte von der niederländischen Regierung, in Höhe von 150.000 fl. von der Nederlandschen Handel-Maatschappij, ansonsten von privaten Handelshäusern aufgebracht. Vgl.
De Bree, Javasche Bank
, Bd. 1, S. 174f., 200f., 205–208; 213f.
Mansvelt, Nederlandsche Handel-Maatschappij
, Bd. 1, S. 191f.;
Claver, Dutch Commerce
, S. 30–33.
L. Kniffler & Co., Nagasaki / YokohamaDie Firma L. Kniffler & Co. wurde im Frühjahr 1859 von Louis L. Kniffler und Martin Hermann Gildemeister, beide zuvor für Pandel & Stiehaus in Batavia tätig, in der niederländischen Konzession auf Dejima vor Nagasaki gegründet. Da sich nach dem Abschluss des Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrages zwischen Preußen und Japan neben Nagasaki auch Yokohama rasch zu einem wichtigen Hafen für den japanischen Außenhandel entwickelte, richteten sie bald auch dort eine Niederlassung ein, deren Leitung Gildemeister übernahm, während Kniffler in Nagasaki blieb. Die Firma L. Kniffler & Co. beteiligte sich am japanischen Außenhandel zunächst ohne spezielles Profil, d. h. sie exportierte vor allem Rohseide, Rohbaumwolle, Tee, Meeresfrüchte sowie Kupfer und Steinkohle über Shanghai nach China und über Batavia nach Niederländisch-Indien, und sie importierte in erster Linie Tuche, gefolgt von Zink, Blei und Eisen sowie Baumwollgarn über Batavia nach Japan. In den 1860er Jahren weitete die Firma L. Kniffler & Co. das Netz ihrer Geschäftsbeziehungen zielstrebig auf Importfirmen in Europa und den USA aus, vor allem in Lyon, Marseille und London sowie San Francisco. Eisen- und Metallwaren gewannen bei den Importen einen wachsenden Stellenwert, hinzu kamen später japanische Regierungsaufträge für Investitions- und Rüstungsgüter. Kniffler selbst kehrte schon 1865 nach Deutschland zurück und eröffnete 1866 eine weitere Niederlassung in Düsseldorf, die als Einkaufsgesellschaft und Koordinationsstelle für Kontakte nach Westeuropa tätig wurde. Auch Gildemeister ging 1868 nach Deutschland zurück, schied aber aus der Firma aus. In Japan übernahmen Gustav Reddelien (Nagasaki) und Carl Illies sen. (Yokohama) die Führung, wobei Yokohama Ende der 1860er Jahre zum Hauptsitz der Firma wurde. Vor dem Hintergrund des Kampfes um die Wiederherstellung der Kaiserherrschaft gewannen Waffen- und Rüstungsimporte einen immer höheren Stellenwert. L. Kniffler & Co. gelang es, die wachsenden Risiken des Zahlungsausfalls durch vertraglich gesicherte Exportwarenlieferungen zu mildern. Weitere Niederlassungen konnten in Hyōgo (später: Kōbe) und Osaka etabliert werden. Im Auftrag der Firma Siemens lieferte die Firma L. Kniffler & Co. in Düsseldorf 1870 eine erste Telegraphenanlage nach Japan und wies damit den Weg für die nachhaltige Veränderung des Importprofils zu Gunsten von Industriewaren, Maschinen und Anlagen in den folgenden Jahren. 1880 wurde das von Louis Kniffler aufgebaute Unternehmen von Carl Illies sen. übernommen und in die Firma C. Illies & Co. überführt. Vgl.
Schmidtpott, Aufstieg
. Vgl. auch die digitale Edition: „Die internationale Geschäftskorrespondenz von L. Kniffler & Co. (1859–1876)“. Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Ostasienwissenschaften, Geschichte Japans. URL: https://kniffler.ub.rub.de .
C. Illies & Co., Yokohama / Hamburg (japanischer Firmenname: Irisu Shōkai)Das von Louis Kniffler
unter der Firma L. Kniffler &
Co. aufgebaute und seit April 1880 von Carl Illies sen. unter der Firma C. Illies & Co. mit Sitz
in Yokohama fortgeführte
Unternehmen stützte sich auch weiterhin auf eine Niederlassung in Kōbe und eine Niederlassung in Düsseldorf, letztere bis 1888
sogar unter dem Firmennamen L. Kniffler & Co.; erst nach dem Tod von Louis Kniffler wurde sie
nach Hamburg verlagert und in das
Handelshaus C. Illies & Co. integriert, das sich nun zu einem von Carl Illies sen. geprägten Familienunternehmen wandelte. In Japan, wo bereits 1885 eine weitere Niederlassung in Tokio eröffnet worden war, rückten die
Importe von Maschinen,
Motoren, Pharmazeutika, Chemikalien und Farben sowie Investitionsgütern für den Infrastrukturausbau zur Modernisierung
und Rüstung Japans in den Mittelpunkt.
C. Illies & Co. übernahmen in die Vertretung namhafter deutscher
Industrieunternehmen, darunter beispielsweise Friedr. Krupp. Doch Carl Illies sen. betrieb zugleich eine
bewusste „Japanisierung“ seines Unternehmens, was in der Verwendung eines
japanischen Firmennamens und der Ernennung japanischer Repräsentanten, die
bis in die höchsten gesellschaftlichen Kreise hinein vernetzt waren, zum
Ausdruck kam, um sich Aufträge von japanischen Regierungs- und
Behördenvertretern zu sichern. Nicht nur die Konkurrenz mit
britischen, französischen und amerikanischen sowie neuen deutschen Firmen,
etwa H. Ahrens & Co., M. Raspe & Co. und Carl Rohde & Co., war
ausgeprägt; hinzu kamen neue japanische, von den dortigen Behörden
bevorzugte Firmen. Die Firmenzentrale von C. Illies & Co. wurde im Mai
1898 nach Hamburg verlagert. In Japan wurden zusätzliche Filialen in
Shimonoseki
bzw.
Moji, Osaka (1900) sowie Kure
(1912/1913) eröffnet, die aber nur als Stützpunkte dienten und personell schwach
besetzt waren. C. Illies & Co. gelang es nun, immer zahlreichere
Vertretungsaufträge von deutschen Industrieunternehmen zu erlangen, die Maschinen und Anlagen
nach Japan lieferten, darunter nun
auch Felten &
Guilleaume. Die Konkurrenz durch andere deutsche und europäischen
Handelsfirmen war allerdings auch gewachsen und zudem hatten sich japanische
Firmen in Hamburg angesiedelt, die
einen wachsenden Anteil des japanischen Exports abwickelten, der um
1900 nur noch zu rund 60 Prozent über ausländische Firmen lief, während es
um 1892 noch rund 80 Prozent gewesen waren. Um die Tendenz zur Etablierung
von Werksvertretungen deutscher Industrieunternehmen in Japan abzuschwächen, wie sie auch von Felten & Guilleaume
erwogen wurde, gründeten C. Illies & Co. vermehrt eigene technische
Abteilungen, z. B.
die Farben-, die Eisen-
sowie die Ingenieur- und Maschinenabteilung. Sinkende Gewinnspannen im Handel
führten dazu, dass man auch den Einstieg in Finanzierungs- und
Beteiligungsgeschäfte erwog, was aber als sehr risikoreich erkannt und
deshalb zurückgestellt wurde. Nach 1905 vermittelte die Firma allerdings
vermehrt japanische Unternehmensanleihen an ausländische Investoren. Ob eine anvisierte engere
Kooperation mit der Deutschen
Bank in diesem Bereich zustande kam, ist mangels überlieferter
Quellen aber fraglich. Als Carl
Illies sen. 1910 verstarb, übernahm sein Sohn Carl Illies jun. die zu dieser Zeit
gut florierenden Geschäfte. Vgl.
Molsen, C. Illies & Co.
;
Bähr/Lesczenzki/Schmidtpott, C. Illies &
Co.
.
Anderson, Hoeber & Co., HamburgDie Firma Anderson, Hoeber & Co. wurde um 1826 als eines der aktivsten und angesehendsten Handelshäuser Hamburgs betrachtet, das mit Britisch-Indien in Verbindung stand.
Boustead & Co. bzw. Boustead, Schwabe & Co., SingapurDie 1828 von Edward Boustead gegründete Firma Boustead & Co. in Singapur ging 1834 eine Verbindung mit dem aus Hamburg stammenden Gustav Christian Schwabe ein und firmierte um zu Boustead, Schwabe & Co. Schwabe war sowohl familiär als auch geschäftlich eng mit der Hamburger Firma P. G. Schwabe verbunden, die sich schon zuvor gemeinsam mit Angehörigen der Familie Boustead an der Etablierung anderer Handelsfirmen in Ostasien beteiligt hatte, u. a. an der Firma Sykes & Co. in Manila. Schwabe vermittelte der Firma Boustead, Schwabe & Co. in Singapur aber nicht nur Kontakte zu P. G. Schwabe und A. J. Hertz in Hamburg, sondern beispielsweise auch zu Joh. Lange Sohn’s Witwe & Co. in Bremen. Als er sich 1867 aus der Firma Boustead, Schwabe & Co. in Singapur zurückgezog, firmierte sie wieder unter ihrem ursprünglichen Namen Boustead & Co., stand aber weiterhin in Verbindung mit deutschen Firmen, darunter auch Behn, Meyer & Co.. Boustead & Co. pflegten außerdem gute Verbindungen zu malayischen und chinesischen Kaufleuten. Vgl.
Buckley, Anecdotal History
, passim;
Wright/Cartwright, Twentieth Century Impressions of British Malaya
, passim;
MacLean, Pattern of Change
, passim;
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 1
, S. 67f.;
Drake, Merchants
, S. 143–171;
Hale, Pioneer Merchants
, passim.
Becher, Chapman & Co., KalkuttaDie Firma Becher, Chapman & Co. war ein in den 1830er Jahren
gegründeten deutsch-britisches Joint Venture.
Müller, Ritchie & Co., KalkuttaDie Firma Müller, Ritchie & Co. war ein in den 1830er Jahren
gegründeten deutsch-britisches Joint Venture.
Huschke, Wattenbach & Co., BombayDie Firma Huschke, Wattenbach & Co. in Bombay wurde um 1840 gegründet von dem aus Hessen stammenden August Heinrich Huschke und dem aus Holstein stammenden T. H. August Wattenbach.
Beide hatte zuvor schon die Firmen Huschke & Co. in Bombay
sowie Wattenbach & Co. in
Kalkutta etabliert. Für die
Firma Huschke, Wattenbach & Co. hatten sie einen britischen Partner hinzugewonnen,
Frederick William Heilgers, der die neue Firma von London aus in Europa vertreten sollte. Die Partner von Huschke, Wattenbach & Co.
lösten ihr Joint Venture allerdings schon 1849 wieder auf, offenbar weil sie
sich nicht über die zu verfolgende Geschäftspolitik verständigen
konnten. Danach bestanden die Firmen Huschke & Co. in Bombay
und Wattenbach, Heilgers
& Co. in Kalkutta
getrennt voneinander fort, wobei vor allem Wattenbach, Heilgers & Co. auch
in China tätig wurde.
Behn, Meyer & Co. (seit 1906: Ltd.), SingapurDas 1840 von Theodor August Behn und Valentin Lorenz Meyer gegründete Handelshaus Behn, Meyer & Co. in Singapur entfaltete eine rege Geschäftstätigkeit, vor allem in Südostasien, geriet 1857 jedoch in eine schwere Krise, die vor allem dank Arnold Otto Meyer, eines jüngeren Bruders von Valentin Lorenz Meyer, der seit 1851 zu den Teilhabern zählte und außerdem kurz zuvor eine eigene Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg etabliert hatte, bewältigt werden konnte. In den 1880er und 1890er Jahren engagierte sich die Firma Behn, Meyer & Co. verstärkt im Schiffsgeschäft und übernahm die Vertretung namhafter Dampfschifffahrtsgesellschaften, darunter seit 1887 der Norddeutsche Lloyd in Bremen, seit 1890 die Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft in Hamburg und seit 1897 die Hamburg-Amerika-Linie in Hamburg. Treibende Kraft in diesem Geschäftsfeld war Franz Heinrich Witthoefft, der seit 1900 neben Eduard Lorenz Meyer und Adolf Laspe zu den drei Teilhabern zählte. 1891 wurde eine erste Niederlassung in Penang eröffnet, die sich dem Handel mit Zinn zuwandte. Im Jahr 1900 versuchte man auf den Philippinen Fuß zu fassen, 1901 wurde eine weitere Niederlassung in Sandakan (Britisch-Nordborneo) eröffnet, die zugleich als Agentur der Chartered Bank of India, Australia and China fungierte. 1906 wurde die Firma in eine britische Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt, die Behn, Meyer & Co. Ltd. mit Sitz in Singapur. Alleinige Aktionäre blieben die drei bisherigen Teilhaber, die sich künftig auf die Leitung der „Schaltzentrale“ Hamburg konzentrierten und sich in Singapur nicht länger auf Teilhaber, sondern auf angestellte Manager stützten. 1906 wurden zudem neue Niederlassungen in Cebu, Zamboanga und Ilo Ilo auf den Philippinen eröffnet sowie eine Beteiligung an der Singapore Rubber Company Ltd. in Singapur erworben, um am „Rubberboom“ partizipieren zu können. 1907 kam eine weitere Niederlassung in Bangkok (Siam) hinzu. Im Jahr darauf erfolgte die Übernahme der Handelsgesellschaft vorheen Helfferich & Rademacher mit Niederlassungen in Batavia, Surabaya, Telok Betong und Samarang in Niederländisch-Indien. 1913 gab es bei Behn, Meyer & Co. Ltd. mehr als einhundert europäische Angestellte. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam 1914 noch eine Niederlassung in Rangun (Britisch-Burma) hinzu. Vgl. ausführlich zur Unternehmensgeschichte, die aufgrund erhalten gebliebenen Überlieferungen eingehend untersucht werden kann:
Arnold Otto Meyer, Hamburg (Behn, Meyer & Co., Singapore, Penang, Manila und Sandokan)
;
Sieveking, Anfänge des Hauses Behn-Meyer & Co.
;
Sieveking, Behn-Meyer & Co.
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 1
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 2
;
Kleinsteuber, Merchants
;
Yacob, Trans-generational Renewal
;
Yacob, Rising of the Phoenix
;
Fiedler, Von Hamburg nach Singapur
.
Arnold Otto Meyer, HamburgDie Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg wurde 1857 von dem in die Hansestadt zurückgekehrten Arnold Otto Meyer gegründet, der zuvor einige Jahre in dem von Theodor August Behn gemeinsam mit seinem älteren Bruder Valentin Lorenz Meyer etablierten Handelshaus Behn, Meyer & Co. in Singapur tätig gewesen war. Die neue Firma in Hamburg sollte die Interessen von Behn, Meyer & Co. in Deutschland und Europa wahrnehmen. Arnold Otto Meyer trug durch seine persönliche Präsenz in Hamburg maßgeblich dazu bei, dass die Firma Behn, Meyer & Co. mit ihren internationalen Verflechtungen die Weltwirtschaftskrise von 1857 weitgehend unbeschadet überstand, denn es gelang ihm, ihre Gläubiger in Hamburg, Bremen und London zu einem langfristigen Zahlungsaufschub zu bewegen. Da er im Sommer 1862 zur Überwindung der Krisenfolgen nochmals für einige Jahre nach Singapur zurückkehrte, spielte die von ihm gegründete Firma Arnold Otto Meyer zunächst nur eine untergeordnete Rolle. Das änderte sich, als Arnold Otto Meyer 1864 nach Hamburg zurückgekehrt war und die Geschicke der beiden Schwesterfirmen nun von Hamburg aus als deren führender Kopf zu lenken begann. Mit den anderen Teilhabern von Behn, Meyer & Co. in Singapur stand er in einem intensiven brieflichen Austausch. Als er sich zur Jahrhundertwende aus den beiden Schwesterfirmen zurückzog, um ihre Geschicke künftig nur noch als stiller Gesellschafter zu begleiten, übernahmen sein Sohn Eduard Lorenz Meyer, Adolf Laspe und Franz Heinrich Witthoefft die verantwortliche Leitung der Geschäfte. Unter ihrer Führung entwickelte sich die Firma Arnold Otto Meyer zur eigentlichen Schaltzentrale des Handelshauses Behn, Meyer & Co. in Singapur, das 1906 in eine Aktiengesellschaft britischen Rechts umgewandelt wurde und nun stark expandierte. Die Firma Arnold Otto Meyer selbst eröffnete vor dem Ersten Weltkrieg keine Niederlassungen in Ostasien, beteiligte sich aber an einigen Gesellschaften, so beispielsweise an dem 1910 gegründeten Straits und Sunda Syndikat, das in die Plantagenwirtschaft Südostasiens investierte. Vgl.
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 1
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 2
;
Kleinsteuber, Merchants
.
Melchers & Co., HongkongDas 1866 durch die Firma C.
Melchers & Co. in Bremen
und die beiden Kaufleute Hermann Melchers und Adolf
André gegründete Unternehmen entwickelte sich rasch zu einem der
grössten deutschen Chinahandelshäuser, das Niederlassungen in Shanghai (seit 1877), Hankou (seit 1884), Kanton (seit 1892), Tianjin (seit 1898), Chinkiang (seit 1901), Ichang (seit 1901), Chunking (seit 1909) und Tsingtau (seit 1910) unterhielt. Melchers
& Co. beteiligten sich an der Hongkong and Shanghai Banking Corporation
(HSBC). 1885 übernahmen Melchers & Co. die Generalvertretung
des Norddeutschen Lloyd
in China und trieben gemeinsam mit
diesem die Entwicklung der Schifffahrt auf dem Jangtsekiang voran. Zu den Teilhabern des Unternehmens gehörte von
1894 bis 1899 auch Gustav
Adolf Melchers, ein Neffe des Mitbegründers. Bei Beginn des Ersten
Weltkriegs betrieben Melchers & Co. mit mehr als 50 Fluss- und
Küstendampfern sowie zehn Überseedampfern insgesamt zwei Haupt- und zwölf
Zweiglinien in Ostasien
und Ozeanien, indem sie
Verbindungen zwischen Hongkong und Neuguinea
sowie den Salomon-Inseln
anboten. Sie beschäftigten zu dieser Zeit mehr als 100 europäische und rund
850 chinesische Angestellte, außerdem waren 3.500 chinesische Arbeiter für das Haus
tätig. - Zur Unternehmensgeschichte liegen einige Selbstdarstellungen und
Jubiläumsschriften, eine knappe Skizze der Entwicklung bis 1918 und die
Ausarbeitungen des langjährigen Mitinhabers Henning Melchers, bisher aber keine
wissenschaftlich fundierte, umfassende Darstellung vor. Vgl.
C. Melchers & Co. Bremen
(1911)
;
150 Jahre C. Melchers & Co. Bremen. 90 Jahre Melchers
& Co. China
;
Treue, C. Melchers & Co.
;
King, Hongkong and
Shanghai Banking Corporation, Bd. 1
, passim;
King, Hongkong and Shanghai
Banking Corporation, Bd. 2
, passim;
Melchers, Geschichte der
Firma Melchers
;
Melchers, China und
Melchers
.
Deutsche Bank (seit 1929: Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft), BerlinDie 1870 gegründete Deutsche Bank in Berlin maß der Finanzierung des deutschen Außenhandels große Bedeutung bei. Ihr Versuch, sich neben den beiden ersten Inlandsfililen in Hamburg und Bremen schon 1872 auch mit jeweils einer Filiale in Shanghai und Yokohama zu etablieren, war allerdings trotz des durchaus erfahrenen Personals, das u. a. vom Comptoir d‛Escompte de Paris angeworbenen wurde, kein dauerhafter Erfolg beschieden. Die beiden Filialen in Ostasien, die Wechsel an- und verkauften, kurzfristige Kredite bewilligten und langfristige Darlehen gegen Sicherheiten gewährten und auch Depositen hereinnahmen, mussten nach nur drei Jahren wieder geschlossen werden. Denn zum einen fielen die Geschäftsmöglichkeiten schwächer aus als erwartet, zum anderen erwies sich die Kapitalausstattung der beiden Filialen mit Silberdotationen angesichts des Verfalls des Silberpreises als problematisch. 1875 wurden die verlustreichen Geschäfte der Filialen Shanghai und Yokohama deshalb auf die im März 1873 etablierte Deutsche Bank London Agency übergeleitet, wo sie nun in Pfund Sterling, einer stabilen Goldwährung, abgewickelt und die hohen Währungsrisiken damit gemildert werden konnten. Die spätere Beteiligung der Deutschen Bank an der Deutsch-Asiatischen Bank war ein weniger riskanter Weg, bei der Finanzierung des deutschen Ostasienhandels, bei Eisenbahn- und Bergbauprojekten sowie bei Emissionsgeschäften in China und Japan mitzuwirken. - Als Überblicksdarstellung zur Geschichte der Deutschen Bank von den Anfängen bis 1914:
Plumpe, Zeitalter der Ersten Globalisierung
.
China Merchants‛ Steam Navigation Company, ShanghaiDie 1873 gegründete China Merchants‛ Steam Navigation Company war die erste moderne Dampfschiffsreederei Chinas, die sich mit staatlicher Unterstützung gegen die Konkurrenz ausländischer Dampfschiffsgesellschaften in der chinesischen Küstenschifffahrt durchsetzten sollte. Diese wurde in den 1870er Jahren von zwei britischen Gesellschaften beherrscht, zum einen der China Navigation Company des Handelshauses John Swire & Sons in London, in Ostasien vertreten durch die Firma Butterfield & Swire, und zum anderen der Indo China Steam Navigation Company des Handelshauses Jardine, Matheson & Co.. Die deutschen Segelschiffe hatten sich zu dieser Zeitz aus der chinesischen Küstenschifffahrt bereits weitgehend zurückgezogen. Vgl.
LIU, Steamship Enterprise
;
LIU, British-Chinese Rivalry
;
HAO, Commercial Revolution
, passim;
Reinhardt, Navigating Semi-Colonialism
, passim.
Wm. Pustau & Co., Kanton / HongkongDie Firma Wm. Pustau & Co., die zum 1. Januar 1845 in Kanton ihre Geschäftstätigkeit aufnahm, gilt als erstes deutsches Handelshaus in China überhaupt. Wilhelm von Pustau und sein Teilhaber Wilhelm Probst bekamen finanzielle Unterstützung durch den Hamburger Privatbankier Salomon Heine. Schon bald wurden Niederlassungen in Hongkong und Shanghai, später auch in Tianjin eröffnet. Von Hongkong aus, wohin der Sitz des Unternehmens verlagert wurde, versuchte Friedrich August Freiherr von Lühdorf, ein weiterer Teilhaber, seit Mitte der 1850er Jahre ein eigenes Handelshaus in Nikolajewsk am Amur sowie auch Handelsbeziehungen nach Japan aufzubauen, was ihm auch gelang. Den Aufbau einer Niederlassung in Yokohama sollte Rudolph Lindau übernehmen, der zugleich als Konsul der Schweizerischen Konföderation in Yokohama tätig war und 1864 unter dem Namen Rudolph Lindau & Co. eine Firma in Yokohama gründete. Wm. Pustau & Co. in Hongkong konzentrierten sich auf den innerasiatischen Küstenhandel, insbesondere zwischen China und Japan. 1876 musste die Firma jedoch Konkurs anmelden. Eine von Theodor von Pustau, einem Sohn des Firmengründers, gemeinsam mit dem früheren Angestellter E. L. Reuter unter dem Namen Pustau & Co. etablierte Firma mit Sitz in Kanton und Hongkong, die sich in Hamburg durch die Gebrüder Cordes vertreten ließ, wurde 1889 umbenannt zu Reuter, Bröckelmann & Co. mit Sitz in Shanghai. Vgl.
Aus den Anfangszeiten, 1. Reuter, Bröckelmann & Co.
.
Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (HAPAG), Hamburg; auch: Hamburg-Amerika-Linie (HAL)Zur Unternehmensgeschichte der 1847 gegründeten HAPAG in Hamburg, die sich zunächst der Transatlantikfahrt zuwandte, ihre Schiffe dann aber auch in der Ostasien- und Australienfahrt einsetzte und sich unter der Leitung ihres Generaldirektor Albert Ballin seit der Jahrhundertwende zu einer der größten Dampfschifffahrtsgesellschaften der Welt entwickelte. Ballin stützte sich u.a. auf ein „Literarisches Bureau“, in dem umfassend und systematisch Informationen über die weltweite Schiffahrt gesammelt und aufbereitet wurden. Vgl.
Witthöft, HAPAG
;
Witthöft, Hapag-Lloyd
,
Seiler, Ostasienfahrt
;
Seiler, Australienfahrt
;
Ritter, Der Kaiser und sein Reeder
;
Wiborg/Wiborg, Unser Feld ist die Welt
.
Hongkong and Shanghai Banking Corporation (HSBC), HongkongDie Hongkong and Shanghai Banking Corporation (HSBC) wurde im März 1865
als Hongkong and Shanghae Banking Company Ltd. von verschiedenen britischen, indischen,
amerikanischen und deutschen Handelshäusern in Hongkong ins Leben gerufen, die sich
auf Initiative von Thomas Sutherland (1834–1922), einem Vertreter der Peninsular & Oriental
Steam Navigation Company zusammengefunden hatten. Zu den
Gründungsmitgliedern gehörte die deutsche Firma Siemssen & Co., die weitere Anteile an
Joh. Berenberg, Gossler &
Co., an Roß, Vidal &
Co. sowie Conrad
Hinrich Donner vermittelte. Die neue Bank verstand sich als eine von den Kaufleuten vor
Ort getragene Einrichtung, die den freien Handel in Ostasien finanzieren und fördern wollte. Noch
im März 1865 eröffnete sie eine Niederlassung in Shanghai und begann, sowohl in Hongkong als auch in Shanghai eigene Banknoten herauszugeben. Im August 1866 wurde
sie von den Behörden offiziell zugelassen, bekam das formelle Recht zur Ausgabe
von Banknoten und zur
Verwaltung von Regierungsgeldern zugesprochen und firmierte um zur Hongkong
and Shanghai Banking Corporation (HSBC). Bald darauf eröffnete sie eine
weitere Niederlassung in Yokohama.
In den 1870er und 1880er Jahren entwickelte sich die HSBC zu einer der
wichtigsten Außenhandelsbanken in Ostasien, die das Vertrauen der Kaufleute vor Ort besaß und sich
gleichzeitig in London refinanzieren
konnte, sodass ihr China- und Japangeschäft fast ausschließlich in Pfund Sterling abgewickelt
wurde, also in einer stabilen Goldwährung. Zu den Kunden der
Bank, die ihr
Niederlassungsnetz in Ostasien kräftig ausbaute, zählten auch zahlreiche
deutsche Firmen, darunter beispielsweise Arnhold, Karberg & Co. sowie Carlowitz & Co., die bis
1914 auch im Board of Directors vertreten waren. 1889 eröffnete die HSBC
eine Niederlassung in Hamburg, die
von Julius Brüssel
geleitet wurde. Im Zweiten Weltkrieg verlagerte die Bank ihren Hauptsitz vorübergehend nach London, kehrte aber schon 1946 nach
Hongkong zurück. Die
kommunistische Machtübernahme in China
beschränkte die erneute Geschäftsausweitung, auch wenn die Niederlassung Shanghai fortbestand und sich
weiterhin der Exportfinanzierung widmen durfte. 1989 änderte die HSBC, die 1959
die Mercantile Bank of India
Ltd. übernommen und danach auf forcierten internationalen
Expansionskurs gegangen war, ihre Rechtsform zur Hongkong and Shanghai
Banking Corporation Ltd. Seit 1991
ist sie eine Tochtergesellschaft der HSBC Holdings plc mit Sitz in London. Vgl. zur
Unternehmensgeschichte die umfassende Darstellung:
King, Hongkong and Shanghai
Banking Corporation
.
M. Raspe & Co., KobeDas von Max Raspe 1877 in Kobe gegründete Handelshaus M. Raspe & Co. widmete sich zunächst vor allem dem Import von Maschinen und dem Export von Textilien. 1885 wurde eine Vertretung in Hamburg eingerichtet, deren Leitung zunächst Georg Kleinwort übernahm, später trat Hans Rudolph Raspe, ein jüngerer Bruder von Max Raspe, an seine Stelle. Auch in Japan expandierte das Unternehmen, so wurden Niederlassungen in Yokohama, Tokio, Shimonoseki und Nagasaki eröffnet. Zum Schwerpunkt entwickelte sich der Import von
Textil- und Eisenwaren
, Chemikalien, Farben und Medikamenten nach Japan. M. Raspe & Co. übernahmen die Vertretung namhafter deutscher Exportfirmen, darunter beispielsweise bis zur Fusion mit Siemens die Firma Schuckert & Co. Ende 1901 schloss auch die Kölner Firma Felten & Guilleaume einen Vertretungvertrag mit M. Raspe & Co. für Japan, was nicht zuletzt zur Erlangung von begehrten japanischen Regierungsaufträgen genutzt werden sollte. 1903 wurde eine Niederlassung in Hamburg eröffnet, 1911 eine weitere in London. Nach dem Ersten Weltkrieg gelang es nicht, die Geschäfte wieder aufzubauen, die Firma ging 1918 in Liquidation. Vgl.
Lepach, Meiji-Porträts
. - Speziell zum Vertretungsvertrag mit Felten & Guilleaume: Vgl.
Vogt, Überseebeziehungen von Felten & Guilleaume
, S. 236–239, 242–246, 253.
Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co., Elberfeld / LeverkusenZur Unternehmensgeschichte der Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co. in Elberfeld bzw. Leverkusen: Überblicksdarstellung :
Verg, Meilensteine
als Überblicksdarstellung und
Plumpe, Carl Duisberg
als Biographie ihres maßgeblichen Protagonisten im späten 19. Jahrundert.
Felten & Guilleaume Carlswerk AG, Mülheim am RheinDie 1826 gegründete Firma Felten & Guilleaume in Köln widmete sich zunächst vor allem der Herstellung von Hanf- und Drahtseilen, in den 1850er Jahren kamen ummantelte Telegraphenkabel hinzu. Mit dem Carlswerk in Mülheim am Rhein wurde 1874 ein zusätzlicher, langfristig ausbaufähiger Produktionsstandort eröffnet, zu dem nach und nach auch die meisten der älteren Fertigungskapazitäten aus der Stadt Köln verlagert wurden. 1899 erfolgte die Umwandlung des Carlswerkes in eine Aktiengesellschaft, die Felten & Guilleaume Carlswerk AG in Mülheim am Rhein. Deren 1. Generaldirektor wurde Emil Guilleaume. Mit Drahtseilen und Kabeln, darunter Telegraphen-, Telefon- und Starkstromkabel, machte sich das Unternehmen weltweit einen Namen. Dazu trug insbesondere die Verlegung des ersten transatlantischen Telefonkabels von Deutschland (Greetsiel) nach New York bei, das im Carlswerk hergestellt worden war. Durch die schon 1895 erfolgte Übernahme der Firma J. Obermeier in Nürnberg, aus der eine Niederlassung der Felten & Guilleaume Carlswerk AG in Nürnberg hervorging, wurden Produktionskapizitäten für Telefonapparate aufgebaut. Die 1899 von der Felten & Guilleaume Carlswerke AG gemeinsam mit der Deutsch-Atlantischen Telegraphengesellschaft gegründeten Norddeutschen Seekabelwerke (NSW) in Nordenham konzentrierten sich ganz auf die Produktion von Seekabeln. 1905 kam es außerdem zu einer engeren Kooperation mit der Elektrizitäts-AG vorm. W. Lahmeyer & Co. in Frankfurt am Main, die ein Dynamowerk unterhielt, in dem auch Elektromotoren produziert wurden. Diese Zusammenarbeit führte zur vorübergehenden Umfirmierung des Gesamtunternehmens: Die Felten & Guilleaume Lahmeyerwerke AG bestand allerdings nur bis Ende 1910, danach kehrte man zum Firmennamen Felten & Guilleaume Carlswerk AG zurück. Ausführlicher zur Unternehmensgeschichte:
Feldenkirchen, Fernostgeschäfte
;
Vogt, Überseebeziehungen von Felten & Guilleaume
;
Widdig, Felten & Guilleaume
.
Bankhaus M. M. Warburg & Co., HamburgDas Bankhaus M. M. Warburg & Co., gegründet 1798 von Moses Marcus Warburg (1763–1830) und Gerson Warburg (1765–1825) in Altona, entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einer der bedeutendsten deutschen Privatbanken. Sie pflegte enge Geschäftsbeziehungen zu den Überseekaufleuten und Reedern der Hansestadt Hamburg, zu anderen renommierten Bankiers in Deutschland, Europa und den USA und sie beteiligte sich nach der Gründung des Deutschen Reichs am auflebenden Wertpapierhandel ebenso wie an internationalen Emissionsgeschäften. Vor allem Moritz M. Warburg, der 1891 als Prokurist in die Bank eintrat, prägte ihre weitere, in die Weltwirtschaft eingebundene Entwicklung, etwa durch den Aufbau enger Geschäftsbeziehungen zu Albert Ballin und der HAPAG, durch sein Enagement für die deutschen kolonialen Bestrebungen und durch seinen wachsenden Einfluss als internationaler Finanzdiplomat. Vgl.
Vagts, M. M. Warburg & Co.
;
Rosenbaum/Sherman, Bankhaus M. M. Warburg & Co.
;
Kleßmann, M. M. Warburg & CO
.
Helfferich & Rademacher, Batavia / Telok BetongDie 1903 von Emil
Helfferich, Georg
Rademacher und Albert
Paulmann gegründete Firma Helfferich & Rademacher in Batavia widmete sich - gestützt auf
eine von Helfferich schon
zwei Jahre zuvor eingerichtete Niederlassung in Telok Betong im Süden Sumatras sowie eine von Rademacher geleitete neue Niederlassung
in Surabaya – insbesondere dem
Export von Pfeffer und
Kopra. Das
prosperierende Unternehmen wurde Anfang 1907 zum Zweck einer Beteiligung von
Arnold Otto Meyer in
eine Aktiengesellschaft niederländischen Rechts überführt, die
Handelsvereeniging voorheen Helfferich & Rademacher, die sowohl von Arnold Otto Meyer als auch
von verschiedenen anderen Firmen großzügige Kredite eingeräumt bekam und zudem mit der Vertretung des Norddeutschen Lloyds
beauftragt wurde. Durch den unerwarteten Verfall der Pfefferpreise
geriet die Firma noch im gleichen Jahr in wachsende finanzielle
Schwierigkeiten und wurde schließlich im Februar 1908 von der Firma Behn, Meyer & Co. Ltd. in
Singapur im Stillen aufgekauft.
Rademacher und Paulmann blieben als
Leiter der Filialen von Behn, Meyer
& Co. Ltd. in Surabaya
und Telok Betong tätig, Helfferich schied zunächst
aus. Vgl.
Helfferich,
Ein Leben
, S. 106–172;
Helfferich, Behn, Meyer
& Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 2
, S. 108–111.
J. C. Godeffroy & Sohn, HamburgDas 1766 von Johan Caesar Godeffroy (1742–1818) gegründete Handelshaus J. C. Godeffroy nahm 1782 einen Teilhaber auf und firmierte seither als J. C. Godeffroy & Co. Als 1806 ein Sohn des Gründers als Teilhaber aufgenommen wurde, erfolgte die Umfirmierung zu J. C. Godeffroy & Sohn, die bis 1879, als das Unternehmen seine Zahlungen einstellte, bestehen blieb. Das Handelshaus betrieb neben dem Handel auch Schiffbau und Reederei und beteiligte sich an zahlreichen anderen Unternehmen, darunter Eisen- und Stahlwerke. 1856 gehörte es zu den Mitbegründern der Norddeutschen Bank. Das starke Engagement des Handelshauses im Südpazifik, wo auf Samoa eigene Kokospalmplantagen betrieben wurden, deren Fruchtfleich getrocknet und dann als Kopra nach Europa verschifft und dort zu Kokosnussöl verarbeitet wurde, brachte dem Teilhaber Johan Caesar Godeffroy (1838–1912) den Titel „Südseekönig“ ein. 1879 geriet das Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten, konnte einen Vergleich mit seinen Gläubigern erzielen, der jedoch keine Wiederaufnahme der Geschäfte ermöglichte. Die offizielle Liquidation des Unternehmens fand erst 1913 statt. Vgl.
Hertz, Seehandelshaus J. C. Godeffroy
;
Schmack, J. C. Godeffroy & Sohn
;
Ahrens, Krisenmanagement 1857 im Schriftwechsel
;
Schmidt, Bankwesen
;
Skřivan, Handelshaus Johan Cesar Godeffroy & Sohn
;
Hoffmann, Haus an der Elbchaussee
;
Naranch, Cosmopolitism
;
Anderhandt, Godeffroys in Ozeanien
.
Deutsch-Asiatische Bank (DAB), Shanghai / BerlinDie Deutsch-Asiatische Bank wurde 1889 auf Wunsch und mit Unterstützung der deutschen Regierung durch ein von der Disconto-Gesellschaft in Berlin geführtes Konsortium gegründet, dem insgesamt dreizehn deutsche Aktienbanken sowie Privatbankhäuser angehörten, überwiegend aus Berlin und Frankfurt am Main. Neben der Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank waren das die Häuser S. Bleichröder (Berlin), Berliner Handels-Gesellschaft KGaA, Bank für Handel und Industrie (Darmstädter Bank), Robert Warschauer & Co. (Berlin), Mendelssohn & Co. (Berlin), Jacob S. H. Stern (Frankfurt am Main), M. A. von Rothschild & Söhne (Frankfurt am Main), Norddeutsche Bank AG (Hamburg), Sal. Oppenheim jr. & Cie. (Köln), die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank AG (München) und die Preußische Seehandlung (Staatsbank). Die Leitung der Hauptniederlassung in Shanghai übernahm Ferdinand Rinkel. Die ursprüngliche Absicht der Gründungsbanken, sich umgehend an der Finanzierung von Eisenbahnprojekten in der Provinz Shandong zu beteiligen, ließ sich nicht umsetzen. Doch nach Überwindung anfänglicher Schwierigkeiten, die u. a. aus dem Verfall des Silberpreises resultierten, konnte sich die DAB in einem von scharfem Wettbewerb geprägten Umfeld in China als eine der führenden Auslandsbanken etablieren, die in allen Bereichen des Bankgeschäfts tätig war, in der wechselbasierten Handelsfinanzierung, im
Einlagen- und Kreditgeschäft
, im Devisenhandel, in der Notenausgabe sowie bald auch im internationalen Emissionsgeschäft. Der Durchbruch in diesem Bereich gelang durch enge Kooperation mit der Hongkong and Shanghai Banking Corporation (HSBC). Weitere Niederlassungen der DAB wurden 1896 in Kalkutta (Britisch-Indien), vor allem aber in China eröffnet: 1897 in Hankou (zunächst als Agentur, 1910 zur Filiale aufgewertet), 1898 in Tsingtau, 1900 in Hongkong, 1904 in
Tsinan
, 1905 in Peking (zunächst als Repräsentanz, 1910 zur Filiale aufgewertet) und 1910 in Kanton. In Japan konnte die DAB 1905 mit der Eröffnung einer Filiale in Yokohama ebenfalls Fuß fassen, 1906 folgte eine weitere Filiale in Kōbe. Noch im gleichen Jahr wurde außerdem eine Niederlassung in Singapur eröffnet. Durch den Ersten Weltkrieg kamen die Geschäftsaktivitäten der DAB weitgehend zum Erliegen, lebten in der Zwischenkriegszeit wieder auf, wurden aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit der schrittweisen Neuordnung der Eigentümerstrukturen und der Überführung in die zur European Bank’s International Company (EBIC) gehörende European Asian Bank auf eine neue Grundlage gestellt. Vgl.
Müller-Jabusch, Deutsch-Asiatische Bank
;
Bauert-Keetman, Unternehmens-Chronik
;
Barth, Hochfinanz
;
Moazzin, Foreign Banks
;
Historische Gesellschaft der Deutschen Bank, Deep Roots
.
Arnhold, Karberg & Co., Kanton / Hongkong (chinesische Firmennamen: Rui-ji-yáng-háng, Soey-che)Die Firma Arnhold, Karberg & Co. wurde im Herbst 1866 von dem Deutschen Jacob Arnhold und dem Dänen Peter Karberg in Kanton gegründet, die beide zuvor für die Firma Oxford & Co. in Kanton tätig gewesen waren. Schon 1867 konnten Arnold, Karberg & Co. eine Niederlassung in Hongkong eröffnen, 1881 folgte eine weitere in Shanghai. In den 1890er Jahren erlebte das Unternehmen eine Phase starker Expansion, sodass es 1901 über nicht weniger als 37 Niederlassungen und Vertretungen in Ostasien, Europa und den USA verfügte, u. a. in Tianjin, Peking, London, Berlin und New York. Über Handelskativitäten hinaus, die sich über eine breite Palette von Produkten bis hin zum Import von Maschinen und elektrotechnischen Anlagen erstreckten, engagierten sich Arnhold, Karberg & Co. im Schiffsgeschäft, im Versicherungswesen und im Bankgeschäft. Beim Import von elektrotechnischen Anlagen arbeiteten Arnhold, Karberg & Co. besonders eng mit der AEG zusammen, zumal sich der Siemens-Konzern nach dem „Boxeraufstand“ angesichts der umfangreichen Zerstörungen von Straßenbahnen, Kraftwerken und Elektroleitungen vorübergehend aus dem China-Geschäft zurückzog. Nach der Jahrhundertwende gerieten Arnhold, Karberg & Co. allerdings in finanzielle Schwierigkeiten, weil sie offenkundig zu schnell gewachsen waren und zu großzügig Kredit gewährt hatten, nicht zuletzt - vermittelt durch ihren Chef-Komprador Woo Chau Chin - an chinesische Geschäftspartner. Nach dem Ersten Weltkrieg gelang mit der Firma Arnhold Brothers Ltd. in Shanghai ein Neuanfang, auch weil sich das Unternehmen nun betont als britische Firma präsentierte. Harry Edward Arnhold und sein jüngerer Bruder Charles Herbert Arnhold konnten sich die Unterstützung von Victor Sassoon sichern, der seit 1923 mit seiner Firma E. D. Sassoon & Co. Mehrheitsaktionär von Arnhold Brothers Ltd. war; ihn interessierte vor allem der Immobilienbesitz des Hauses. Vgl.
Wright/Cartwright, Twentieth Century Impressions of Hongkong
., S. 788–790;
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, S. 21, 26–30;
Baur, China um 1900
, passim;
Dong, Shanghai
, S. 218f.;
Mutz, Ein unendlich weites Gebiet
;
England, Arnholds
;
Drießen, Arnhold, Karberg & Co.
.
Carlowitz & Co., Kanton / ShanghaiNachdem Richard von Carlowitz und Bernhard Harkort beschlossen hatten, ihre gemeinsame Firma Carlowitz, Harkort & Co. in Kanton nach zehn Jahren nicht fortzusetzen, gründete Bernhard Harkort 1856 in Kanton sein eigenes Unternehmen, die Firma Harkort & Co., während die frühere gemeinsame Firma zu Carlowitz & Co. umfirmierte. Von den Beeinträchtigungen durch den Zweiten Opiumkrieg (1856–1860) erholte sie sich rasch. 1863 gewann Richard von Carlowitz den Kaufmann Gustav Hitzeroth als neuen Teilhaber. Hitzeroth übernahm die Geschäftsführung am Hauptsitz in Kanton, während die Leitung einer 1866 etablierten Niederlassung in Hongkong in die Hände des ebenfalls neu gewonnenen Teilhabers Theodor Eimbcke gelegt wurde. Richard von Carlowitz selbst zog sich 1871 nach Deutschland zurück. 1878 verlagerte die Firma ihren Hauptsitz nach Shanghai, wo sie schon im Jahr zuvor eine weitere Niederlassung eröffnet hatte, um von dort Verbindungen nach Nord-, Mittel- und Südamerika zu knüpfen. 1886 wurde eine Dependance in Hamburg eingerichtet. Die Firma Carlowitz & Co. entwickelte sich in den 1890er und 1900er Jahren zu einem der bedeutendsten deutschen Ostasienhandelshäuser, das 1906 durch Übernahme der Firma H. Mandl & Co. die Alleinvertretung der Friedr. Krupp AG in China übernahm, sich außerdem an Eisenbahn- und Bergbauprojekten beteiligte und um 1913 allein in China zwölf Niederlassungen unterhielt, die jeweils eigene Grundstücke mit Kontor-, Wohn- und Lagerhäusern, teils auch mit Trocknungs-, Reinigungs- und Verarbeitungsanlagen besaßen. Hinzu kamen drei Niederlassungen in Japan und eine in New York. Vgl.
Bohner, Von Dresden nach Kanton
;
Beutler, Carlowitz & Co.
;
Merker, Kampf um Chinas Bodenschätze
.
N. V. Behn, Meyer & Co. Handel Maatschappy, BataviaUnmittelbar nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs gründeten Emil Helfferich und Theodor Helfferich die N. V. Behn, Meyer & Co. Maatschappij in Batavia, um die in Niederländisch-Indien gelegenen Niederlassungen des Handelshauses Behn, Meyer & Co. Ltd. in Singapur, das bereits beschlagnahmt worden war, vor dem potenziellen Zugriff der Briten zu schützen. Vgl.
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, S. 142–144.
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Regierung Chinas
Regierung Großbritanniens
Regierung der Niederlande
Seezollverwaltung, chinesischeDie zentrale chinesische Seezollverwaltung wurde nach dem Abschluss der Verträge von Tianjin eingerichtet. Im November 1863 übernahm Robert Hart als Generalinspekteur die Leitung der Behörde, mit deren Hilfe er - gestützt auf internationale Führungskräfte - das traditionelle, für Korruption anfällige chinesische Zollsystem zu einer modernen, effizient arbeitenden Einrichtung umgestaltete, die für sämtliche Im- und Exportzölle zuständig war, eine solide Grundlage für die chinesische Handelsstatistik aufbaute und mit den Zolleinnahmen zur wirtschaftlichen Entwicklung Chinas beitrug. Vgl.
Kries, Seezollverwaltung
;
Brunero, Britain's Imperial Cornerstone
;
Van de Ven, Breaking with the Past
;
Ladds, „The Life Carrer of Us All“
.
Ostasien; auch: East Indies (englisch), Indien, Ostindien, „Osten“Der Begriff Ostasien wird in der vorliegenden Edition in einem ganz weiten Sinne verstanden als Klammer für diejenigen Weltregionen, die für deutsche Kaufleute im langen 19. Jahrhundert auf Segel- und Dampfschiffen durch Umrundung des Kaps der Guten Hoffnung an der Südspitze Südafrikas oder - seit 1869 - nach Durchfahren des Suezkanals über den Indischen Ozean oder durch Umrundung der Südspitze Südamerikas über den Pazifik erreichbar waren. In den historischen Quellen synonym verwendet werden die Begriffe Indien, Ostindien oder einfach „Osten“.
Lissabon
Augsburg
Nürnberg
IndienDie geographische Bezeichnung Indien wurde im 18. und langen 19. Jahrhundert zum einen nahezu synonym verwendet für das unter britischer Vorherrschaft stehende Britisch-Indien, zum anderen wurde sie von Europäern auch genutzt, wenn die Länder Ostasiens insgesamt gemeint waren.
Macau [Portugiesischer Stützpunkt in China]; auch: Aomen (Pinyin), MacaoDie Stadt Macau im Delta des Perlflusses wurde seit Mitte des 16. Jahrhunderts von den Portugiesen als Handelsstützpunkt genutzt und von ihnen 1845 einseitig zum Freihafen erklärt. Der rechtliche Status der Stadt blieb zwischen Chinesen und Portugiesen umstritten.
Perlfluss [Fluss in China]; auch: Cantonfluss, Chu Kiang, Zhu Jiang (Pinyin)
China; auch: chinesisches Kaiserreich, chinesisches Reich, chinesische Republik, Reich der Mitte
Kanton [Stadt in China]; auch: Canton, Guangzhou (Pinyin)
London
Emden
Nordsee
Niederländisch-Indien; auch: holländisch Indien (heute: Indonesien)Gestützt auf die Vereenigde Oostindische Compagnie gelang es den Niederländern um 1600, sich sowohl gegenüber den konkurrierenden Portugiesen als auch gegenüber den verschiedenen Inselkönigreichen auf Java, Sumatra, Borneo, Celebes, Neuguinea und zahlreichen anderen Inseln Südostasiens sich als Kolonialherren durchzusetzen. Ausgehend von der Insel Java bauten sie ihre Kolonie Niederländisch-Indien immer weiter aus und behaupteten sie im frühen 19. Jahrhundert trotz zeitweiliger Abtretungen auch gegenüber den Briten. Erst 1949, nach der japanischen Besatzung und einem mehrjährigen, erbittert geführten Unabhängigkeitskampf, erlangte Indonesien schließlich seine staatliche Souveränität. Vgl.
Schulze, Geschichte Indonesiens
.
Bremen
Großbritannien; auch: England, Great Britain, United Kingdom of Great Britain and Ireland, Vereinigtes Königreich Großbritannien und IrlandNach dem Zusammenschluss des 1707 gebildeten Königreichs Großbritannien mit dem nur noch formell selbständigen Irland im Jahr 1801 lautete die offizielle Staatsbezeichnung Großbritanniens bis 1927 Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland. Das Staatsgebiet umfasste auf den Britischen Inseln die vier Landesteile England, Wales, Schottland und Irland, hinzu kamen abhängige Territorien auf allen Kontinenten, deren größte Ausdehnung 1922 erreicht war. 1927, mit der Bildung des Irischen Freistaats, wurde die offizielle Staatsbezeichnung verändert zu Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland.
Hamburg
HansestädteMit dem Sammelbegriff Hansestädte sind im 19. Jahrhundert in der Regel die drei norddeutschen Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck gemeint.
Kontinentaleuropa; auch: Continent (englisch)
Bombay
Madras [Ort an der Ostküste Indiens]
Kalkutta, auch: Calcutta
Britisch-Indien; auch: British India (englisch), Englisch-Indien, Englisch-Ostindien, Hinter-Indien, Indien, Vorder-IndienDie Bezeichnung Britisch-Indien bezog sich im 17., 18. und der ersten Hälftre des 19. Jahrhunderts auf die Besitzungen der East India Company (EIC). Mit deren Auflösung im Jahr 1858 wurde die Kronkolonie Britisch-Indien geschaffen, seit 1876 auch als „Kaiserreich Indien“ bezeichnet. Bei ihrer größten Ausdehnung umfasste Britisch-Indien die heutige Republik Indien sowie die Territorien der heutigen Staaten Myanmar (früher Britisch-Burma), Bangladesch, Bhutan, Nepal und Pakistan sowie diejenigen Teile der Region Kaschmir, die heute zur Volksrepublik China gehören. Nur die Hälfte der Landfläche und etwa zwei Drittel der Bevölkerung Britisch-Indiens standen jedoch unter direkter britischer Herrschaft, denn diese stützte sich auch auf zahlreiche einheimische Fürstendynastien (Maharadschas). - Einen Überblick über die Geschichte Britisch-Indien gewährt:
Stuchtey, Britisches Empire
.
Frankreich
Vereinigte Staaten von Amerika; auch: United States (US), United States of America (USA), Vereinigte Staaten von Nordamerika
Amerika; auch: America (englisch), Nord-, Mittel- und Südamerika
Manila
Philippinen
Batavia [Stadt auf der Insel Java]
Singapur, auch: Sincapore, Singapore
Lübeck; auch: Lubeck
Portugal
Europa; auch: Europe (englisch)
Afrika
Asien
Niederlande; auch: Holland
Malayische Halbinsel; auch: Britisch-Malaya, Halbinsel Malakka, Malaya,
Rio de Janeiro [Stadt in Braslien]; auch: Rhio
Buenos Aires
Venezuela
Spanien
Chile
Peru
Ecuador
Mexiko
Kalifornien; auch: Californien
Pazifik
Holstein [Herzogtum]
Südamerika; auch: Süd-Amerika
Guayaquil [Stadt in Ecuador]
Mazatlán [Stadt in Mexiko]
San Francisco
Hawaii [Inselgruppe im Pazifik]Die zur Inselgruppe Hawaii gehörenden Inseln wurden im 19. Jahrhundert auch Sandwich-Inseln genannt.
Wetzlar
Japan; auch: Japon (französisch), Jappan
Malakka [Stadt auf der Malayischen Halbinsel]; auch: Malacca
Penang [Insel in der Straße von Malakka]; auch: Prince of Wales Island (englisch), Pulo Pinang (malaiisch)
Straße von Malakka; auch: Malaccastraße, Malakka-Straße
Persien
Preußen
Russland; auch: Russia (englisch), Rußland
Elberfeld
Xiamen (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Amoi, Amoy
Fuzhou (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Faochofoo, Foo-Chow-foo, Foochow, Fu-tšau, Fuh-Chow-foo
Ningbo (Pinyin); auch: Nin-po, Ning-po, Ningpo
Shanghai (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Schanghai, Shang-hae, Shang-hai, Shanghae, Shanhay
Paris
Dresden
Jangtsekiang [Fluss in China]; auch: Changjiang (Pinyin), Jangtse, Yang-tze-Keang, Yangtse, Yangtsye, Yangtsze, Yangtzi, Yangzijiang
Beijing (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Pekin (englisch), Peking
Mecklenburg-Schwerin
Mecklenburg-Strelitz
Skandinavien
Bangkok [Stadt in Siam]; auch: Bangkong, Bankog
Nagasaki [Stadt in Japan]; auch: Nangasaki
Yokohama [Stadt in Japan]; auch: Yokuhama
Berlin
New York; auch: Neuyork, Newyork
Indischer Ozean
Suezkanal; auch: Suez CanalDer von Ferdinand de Lesseps angestoßene und maßgeblich vorangetriebene Bau des Suezkanals in den Jahren 1854/59 bis 1869 erforderte erhebliche finanzielle Mittel und bewirkte eine starke Abhängkeit des bis dahin unter osmanischer Oberherrschaft stehenden Ägyptens von internationalen Anleihen. Formell blieb Ägypten zwar ein selbständiger Staat, doch de facto übernahm die von Großbritannien und Frankreich eingerichtete Staatsschuldenverwaltung die Regierungsgeschäfte. Zudem erwarb Großbritannien die ägyptischen Anteile an der Suezkanal-Gesellschaft und besetzte 1882 schließlich das gesamte Land, um den Seeweg nach Ostasien abzusichern. - Vgl. zum Bau des Kanals und seiner Finanzierung:
Lesseps, Entstehung des Suezkanals
;
Idrissi, Ferdinand de Lesseps
;
Bonin, Suez
. Zu den Auswirkungen auf Ägypten und den Nahen Osten:
Haikal, Lion‛s Tail
;
Huber, Channelling Mobilities
;
Carminati, Seeking Bread
. Zu den Auswirkungen auf die Handelsströme zwischen Europa und Ostasien:
Bogaars, Effect of the Opening
;
Curli, Italy and the Suez Canal
.
Kap der Guten Hoffnung; auch: Caap de bonne Esperance (niederländisch-französisch), Cap der guten Hoffnung
Atlantik; auch: Atlantic (englisch)
Australien; auch: Australia (englisch)
Huangpu [Fluss in China, der durch Shanghai fließt und in den Jangtsekiang mündet]; auch: Hwangpoo, Wang-pu, Whangpoo, Whangpu
Hankou (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Han-kau, Hankau, Hankow
Ozeanien; auch: Südsee
Korea
Mandschurei; auch: Manzhou (Pinyin)Die Mandschurei, eine Landschaft im Nordosten Chinas, war im 19. Jahrhundert und 20. Jahrhundert eine zwischen China, Russland und Japan heftig umstrittene Region.
Liaodong [Halbinsel in China]
Deutschland; auch: Deutsches Kaiserreich, Deutsches ReichBis zur Gründung des Deutschen Reichs im Jahr 1871 kann von Deutschland nicht im Sinne eines Nationalstaates gesprochen werden. Doch in den Quellen wird der Begriff Deutschland auch zuvor häufig verwendet, wenn es den Urhebern nicht um eine Differenzierung zwischen den verschiedenen deutschen Teilstaaten ging.
Tianjin (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Tien-tsin, Tientsin
Kiautschou [deutsches „Pachtgebiet“ in China]Mit der Besetzung der Bucht von Kiautschou im Nordosten Chinas im November 1897 erzwang das Deutsche Reich den Abschluss eines Pachtvertrages für das Gebiet der gesamten Bucht nebst den beiden Halbinseln am Eingang zur Bucht und dem vorgelagerten Küstengewässer, der am 6. März 1898 abgeschlossen wurde und für 99 Jahre gelten sollte. Das Deutsche Reich wollte in der erst noch zu errichtenden Stadt Qingdao rechts des Eingangs zur Bucht einen Flottenstützpunkt für die eigene Marine, einen modernen Hochseehafen mit einer Werft, Verwaltungs- und Gerichtsgebäude, ein Elektrizitätswerk, einen Bahnhof, eine Post, verschiedene Fabriken, mehrere Bildungseinrichtungen bis hin zu einer Universität, ferner Kirchen und Krankenhäuser und ausgehend von Qingdao eine regelrechte „Musterkolonie“ etablieren, die deutschen Handels- und Wirtschaftsinteressen dienen, aber auch zur Entwicklung der benachbarten Provinz Shandong und darüber hinaus des nördlichen Chinas beitragen sollte. Die chinesische Stadt Kiautschou, die der Bucht den Namen gab, gehörte nicht zum Pachtgebiet, lag aber in der sogenannten „Neutralen Zone“ im Radius von 50 Kilometern um das Pachtgebiet herum, in der sich deutsches Militär frei bewegen durfte. Vgl.
Leutner/Mühlhahn, „Musterkolonie Kiautschou“
;
Mühlhahn, Herrschaft und Widerstand
;
So, Germany‛s Colony in China
;
Rathjen, Tsingtau
.
Mülheim am Rhein (heute: Köln-Mülheim)
Südostasien
Surabaya [Stadt auf der Insel Java]; auch: Soerabaiya, Soerabaya, Sourabay, Sourabaya
Telok Betong [Ort auf der Insel Sumatra]
Neuguinea [Insel im Pazifik]
Samoa [Inselgruppe im Südpazifik]Auf Samoa entfaltete neben Briten und Amerikaner auch das Hamburger Handelshaus J. C. Godeffroy & Sohn seit den 1850er Jahren seine Interessen, vor allem im Hinblick auf den Export von Kopra. Wachsende Spannungen zwischen Briten, Amerikanern und Deutschen führten im Sommer 1889 zur Samoa-Konferenz in Berlin, auf der Samoa als formell unabhängiges Königreich bestätigt, zugleich jedoch als „Protektorat“ unter den drei Mächten aufgeteilt wurde. Neue Spannungen mündeten 1899 in die Aufteilung der Inseln zwischen Deutschland und den USA, während Großbritannien mit anderen pazifischen Inseln „entschädigt“ wurde. Westsamoa mit den beiden großen Inseln Savaii und Upolu wurde damit zu einer deutschen, Ostsamoa zu einer amerikanischen Kolonie erklärt. Gleich zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Westsamoa dann von Neuseeland besetzt und übernahm es später mit einem Mandat des Völkerbundes in seine Verwaltung. 1962 erlangte Westsamoa seine Unabhängigkeit, Ostsamoa dagegen gehört bereits seit 1929 zu den USA. Vgl.
Stephenson, Germany‛s Asia-Pacific Empire
, S. 49–66;
Mückler, Kolonialismus
;
Mückler, Australien, Ozeanien, Neuseeland
.
Köln; auch: Cöln, Cöln am Rhein, Deutz, Köln-Deutz
Key-Inseln; auch: Key, Key Eilanden, Kii-InselnDie Key-Inseln sind eine Inselgruppe im Pazifik, südöstlich der Molukken und südwestlich Neuguineas gelegen.
Qingdao (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Tsingtau, Tsingtao
Shandong (Pinyin) [Provinz in China]; auch: Shantung
Zhenjiang (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Chinkiang, Tschinkiang, Tšin-Kian
Pukou [Ort in China]; auch: Pukow
Java [Insel in Niederländisch-Indien]
Französisch-IndochinaVietnam wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts formell noch immer von der Nguyen-Dynastie regiert, die sich gegenüber dem Chinesischen Kaiserreich als tributpflichtig verstand. Doch schon mit dem im Zuge des Zweiten Opiumkrieges zwischen China und Frankreich geschlossenen Vertrag von Tianjin musste China den Norden Vietnams, der von den Franzosen Tonkin genannt wurde, als französisches „Protektorat“ anerkennen. Darüber hinaus annektierten die Franzosen 1862 den Süden Vietnams und erklärte ihn zu ihrer Kolonie Cochinchina. 1870 besetzten sie weitere vietnamesische Städte, darunter nun auch die Hauptstadt Hanoi unweit der chinesischen Grenze. Nach der französischen Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg (1870 bis 1871) stand kurzzeitig zur Debatte, Cochinchina im Zuge der französischen Reparationszahlungen an das Deutsche Reich abzutreten, doch dazu kam es nicht, denn Reichskanzler Otto von Bismarck lehnte einen solchen Vorschlag ab. 1874 bekamen die Franzosen in der nahe Hanoi gelegenen Hafenstadt Haiphong eine eigene Konzession zugesprochen, wo seither ein französischer Konsul residierte und eine französisch-vietnamesische Zollbehörde eingerichtet wurde. In den 1880er Jahren versuchte Frankreich seinen Einfluß in Vietnam noch weiter auszudehnen, wobei nun die zwischen Cochinchina im Süden und Tonkin im Norden liegende Region Annam in den Mittelpunkt rückte. Aus dem dadurch ausgelösten Krieg zwischen Frankreich und China, der im Juni 1884 militärisch entbrannte, ging Frankreich siegreich hervor und erlangte zugleich die volle Kontrolle über die Regionen Tonkin und Annam, das 1884 ebenfalls zum französischen „Protektorat“ erklärt wurde. Im November 1887 etablierte Frankreich schließlich die Union de l’Indochine française (Französisch-Indochina), die Cochinchina, Annam und Tonkin umfasste, und unterstellte sie dem französischen Ministerium für die Kolonien. Ein französischer Generalgouverneur trat an die Spitze der Verwaltung Französisch-Indochinas. - Ein eingehende historische Untersuchung zur Imperial- und Kolonialpolitik Frankreichs in Ostasien liegt bislang nicht vor. Erste Überblicke bieten:
Brötel, Frankreich im Fernen Osten
;
Brocheux/Hémery, Indochina
.
Friedrich II. (Friedrich der Große)Friedrich II.Preußischer König / König von Preußen11853574924.01.171217.08.1786Friedrich II. stammte aus dem Hause Hohenzollern und amtierte seit 1740 als König in Preußen, seit 1772 als König von Preußen. Durch seine Militär- und Reformpolitik trug er maßgeblich dazu bei, Preußen als eine europäische Großmacht zu etablieren. Vgl.
Stolberg-Wernigerode, „Friedrich der Große“
.
Cassel, Carl PhilipCarl Philip CasselSeemann, Kapitän, Kaufmann, Partenreeder13571908901.04.174225.02.1807Carl Philip Cassel wurde in Magdeburg geboren und wuchs in Bremen auf. Mit 13 Jahren von zu Hause entlaufen, stand er als Schiffsjunge, Matrose, Steuermann und Kapitän fast zwanzig Jahre in Diensten der holländischen Vereenigden Oostindischen Compagnie (VOC), auf deren Schiffen er Ostasien kennenlernte. 1773 ließ er sich in Bremen nieder und gründete 1777 gemeinsam mit dem aus der Pfalz stammenden Johann Adam Traub (1745–1822) die Firma Cassel & Traub, die sich dem Weinhandel widmete. Um sich als Partenreeder gemeinsam mit anderen Kaufleuten an der Ausstattung von Schiffen beteiligen zu können, die von Emden auf Spekulationsfahrt nach Ostasien gehen sollten, erwarb Carl Philip Cassel zusätzlich zum Bürgerrecht der Hansestadt Bremen 1781 auch das der Stadt Emden. Die drei mit Beteiligung Carl Philip Cassels 1782 und 1783 nach Ostasien entsandten Schiffe „Präsident von Bremen“, „Asia“ und „Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen“, kehrten bis 1788 sämtlich wieder zurück, das erste bereits im Dezember 1784, das zweite im Juli 1785 und das dritte, sogar zweimal auf Fahrt gehende Schiff erstmals im Februar 1786 und nochmals im Juli 1788. Die Auktionen der aus Niederländisch-Indien und China mitgebrachten Waren erwiesen sich jedoch durchweg als finanzielle Misserfolge. Cassel & Traub blieben im Handel aktiv, verlagerten den Schwerpunkt aber auf das transatlantische Geschäft. Carl Philip Cassel setzte sich für den Aufbau von modernen Navigationsschulen in Emden und Bremen ein. Vgl.
Prüser, „Cassel, Carl Philipp“
;
Schwebel/Platinga, Carl Philipp Cassel
;
Hahn, Carl Philip Cassel
.
Gildemeister, Martin HermannMartin Hermann GildemeisterKaufmann, Konsul11944053928.03.183615.06.1918Martin Hermann Gildemeister absolvierte eine kaufmännische Lehre bei Gildemeister & Ries in Bremen, bevor er sich entschloss, zu dem befreundeten Handelshaus Pandel & Stiehaus nach Batavia in Niederländisch-Indien zu gehen. Dort lernte er Louis Kniffler kennen, mit dem er 1858 gemeinsam nach Japan ging, um sich selbständig zu machen. In der niederländischen Konzession auf Dejima gelang es ihnen, eine kleine Firma einzurichten und Geschäftskontakte nach Hongkong und anderen neu eröffneten Häfen in China anzuknüpfen. Firmierend unter dem Namen L. Kniffler & Co. in Nagasaki erfolgte nach dem Abschluss des Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrages zwischen Preußen und Japan im Januar 1861 die Etablierung einer weiteren Niederlassung in Yokohama, deren Leitung Gildemeister übernahm. 1866 wurde er in Yokohama mit dem Amt eines preußischen Vizekonsuls betraut, schied aber schon 1868 aus der gemeinsamen Firma aus und ging zurück nach Bremen. Vgl.
Prüser, „Gildemeister, Martin Hermann“
;
Möring, Martin Hermann Gildemeister
;
Stielow, Ein Gildemeister
.
Kniffler, Franz Ludwig AlbertFranz Ludwig Albert Kniffler (Louis Kniffler)Kaufmann, Konsul137818664514.01.182720.03.1888Louis Kniffler war für die Firma Pandel & Stiehaus in Batavia tätig und stieg zu deren Teilhaber auf, bevor er sich 1858 entschied, gemeinsam mit Martin Hermann Gildemeister nach Japan zu gehen, um dort ein eigenes Unternehmen zu etablieren. Zum 1. Juli 1859 gründeten die beiden die Firma Louis Kniffler & Co., die ihren Sitz zunächst auf Dejima, dann in Nagasaki nahm und ihre Geschäftskontakte nach dem Abschluß des Handelsvertrages zwischen Preußen und Japan vom 24. Januar 1861 rasch ausbauen konnte. Louis Kniffler übernahm bald darauf das Amt eines preußischen Vizekonsuls und übte es bis zu seiner Rückkehr nach Europa Ende 1865 aus. Er ließ sich in Düsseldorf nieder und pflegte von dort aus die Verbindungen zur Industrie an Rhein und Ruhr, deren Produkte auf dem japanischen Markt zunehmend gefragt waren. 1880 schied Kniffler aus seiner Firma aus, die nun von Carl Illies sen. unter dem Namen C. Illies & Co. weitergeführt wurde und 1888 ihren Sitz nach Hamburg verlagerte. Vgl.
Zielke, Louis Kniffler
;
Bähr/Lesczenzki/Schmidtpott, C. Illies & Co.
.
Raffles, Thomas Stamford Bingley (seit 1817: Sir)Thomas Stamford Bingley Raffles (Thomas Stamford Raffles) Kolonialbeamter11904953805.07.178105.07.1826Thomas Stamford Raffles, der zunächst in London für die East India Company tätig war, bevor er 1805 nach Südostasien entsandt wurde, amtierte von 1811 bis 1816 als Gouverneur der von den Briten beanspruchten Insel Java sowie von 1818 bis 1822 Gouverneur von Bencoolen. 1819 gründete er - nach enstprechenden Verhandlungen mit Vertretern des Sultans von Johore - auf einer kleinen Insel vor der Südspitze der Malayischen Halbinsel die britische Handelsniederlassung Singapur und erklärte sie zu einem Freihafen. Vgl.
Glendinning, Raffles
;
Alatas, Raffles
.
Boustead, EdwardEdward BousteadKaufmann~ 18001888Edward Boustead stammte aus Yorkshire und gründete 1828 die Firma Boustead & Co. in Singapur, die 1834 eine Partnerschaft mit Gustav Christian Schwabe einging und zu Boustead, Schwabe & Co. umfirmierte. Edward Boustead beteiligte sich an der Herausgabe der ersten englischsprachigen Tageszeitung in Singapur, des „Singapore Chronicle“. 1835 zählte er zudem zu den Mitbegündern der zweiten englischsprachigen Tageszeitung in Singapur, der „Singapore Free Press & Mercantile Advertiser“, die insbesondere von Kaufleuten gelesen wurde. Vgl.
Wright/Cartwright, Twentieth Century Impressions of British Malaya
, passim;
MacLean, Pattern of Change
, passim;
THULAJA, Singapore Free Press
;
Hale, Pioneer Merchants
Schwabe, Gustav ChristianGustav Christian SchwabeKaufmann, Kunstsammler12288229618131897Der aus Hamburg stammende Gustav Christian Schwabe gründete 1834 gemeinsam mit Edward Boustead, der bereits seit 1828 mit seiner Firma Boustead & Co. in Singapur ansässig war, die Firma Boustead, Schwabe & Co. in Singapur. Schwabe war sowohl familiär als auch geschäftlich eng mit der Hamburger Firma P. G. Schwabe verbunden, die sich schon zuvor gemeinsam mit Angehörigen der Familie Boustead an anderen Handelsfirmen in Ostasien beteiligt hatte. Schwabe ließ sich 1848, inzwischen selbst Brite geworden, in London nieder und zog sich 1867 schließlich ganz aus der Firma in Singapur zurück, die daraufhin wieder zu ihrem ursprünglichen Namen Boustead & Co. zurückkehrte. Schwabe hatte im Ostasienhandel ein Vermögen gemacht, mit dem er eine Gemäldesammlung aufbaute, die er 1886 der Hamburger Kunsthalle vermachte. Vgl.
Schultz, Gemälde
;
Sieveking, Anfänge des Hauses Behn-Meyer & Co.
, S. 193;
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 1
, S. 67f.
Pustau, Carl Wilhelm Engelbrecht vonCarl Wilhelm Engelbrecht von Pustau (Wilhelm von Pustau)Kaufmann, Konsul, Politiker13399238101.08.18201879Wilhelm von Pustau stammte aus Holstein und durchlief eine käufmännische Lehre bei Conrad Hinrich Donner in Altona. Schon 1842 entsandte er ein eigenes Segelschiff nach China, wo er am 1. Januar 1845 die erste deutsche Firma in China überhaupt etablierte: das Handelshaus Wm. Pustau & Co. in Kanton. 1851 wurde Wilhelm von Pustau zum Konsul der Hansestadt Bremen in Kanton berufen, geriet bei den anderen deutschen Kaufleuten vor Ort jedoch rasch in die Kritik, weil er sein Amt in deren Augen über Gebühr für eigene geschäftliche Belange nutzte. Spätestens 1855 zog er sich aus diesem Amt zurück und kehrte 1858 nach Altona zurück, wo er eine Niederlassung seines Unternehmens etablierte. Er reiste danach noch mehrfach nach China und Japan. Seit 1870 gehörte er dem Verwaltungsrat der gerade gegründeten Deutschen Bank in Berlin an, außerdem war eine einige Jahre Mitglied des Deutschen Reichstags. Sein Handelshaus ging 1876 in Konkurs. Eine Neugründung seines Sohnes Theodor von Pustau führte seit 1889 den Firmennamen Reuter, Bröckelmann & Co. und wählte als Firmensitz Shanghai. Vgl.
Möring, Siemssen & Co.
, S. 28, 34;
Eberstein, Hamburg - China
, S. 37;
Bard, Traders of Hong Kong
, S. 103.
Carlowitz-Maxen, Richard Julius vonRichard Julius von Carlowitz-Maxen (Richard von Carlowitz)Kaufmann, Konsul12886163018171886Richard von Carlowitz entstammte der sächsischen Adelsfamilie von Carlowitz, besuchte die Handelsschule in Leipzig und war anschließend für das Handelskontor von Carl & Gustav Harkort in Leipzig sowie die Verwaltung der Leipzig-Dresdner-Eisenbahn tätig. Um internationale Erfahrung zu sammeln, war er außerdem einige Jahre in New York für das Handelshaus Napier tätig. Im November 1843 ging er gemeinsam mit Bernhard Harkort auf eine von den Leipziger Handelshäusern Carl & Gustav Harkort sowie C. Hirzel & Co. ausgestattete Erkundungsreise nach Ostasien. 1846 gründete er gemeinsam mit Bernhard Harkort das Handelshaus Carlowitz, Harkort & Co. in Kanton, das er 1856 ohne Harkort unter der Firma Carlowitz & Co. weiterführte und das sich zu einem der größten deutschen Handelshäuser in Ostasien entwickelte und zudem verstärkt industrielle Investitionen vornahm. Er selbst zog sich 1871 nach Deutschland zurück und ließ sich, gesundheitlich angeschlagen, wieder in Sachsen nieder. Vgl.
Bohner, Von Dresden nach Kanton
;
Beutler, Carlowitz & Co.
, passim.
Siemssen, Georg TheodorGeorg Theodor SiemssenKaufmann, Konsul101991322315.03.181624.11.1886Georg Theodor Siemssen ging im Auftrag des Handelshauses Roß, Vidal & Co. in den 1830er Jahren auf Expeditionsfahrten nach Ostasien und wurde schließlich für deren Niederlassung in Batavia, die Firma T. E. Vidal & Co. tätig. Er stand im engen Austausch mit seinen früheren Schulfreunden Theodor August Behn und Valentin Lorenz Meyer, die sich 1840 mit der Firma Behn, Meyer & Co., in Singapur selbständig gemacht hatten. Er selbst konnte sich dazu erst 1846 entscheiden und ließ sich mit der Firma Siemssen & Co. in Kanton nieder. 1852 wurde er zum Konsul der Hansestadt Hamburg in Kanton berufen, 1855 bzw. 1856 übernahm er auch die Aufgaben eines Konsuls der Hansestädte Bremen und Lübeck. Das von ihm gegründete Unternehmen entwickelte sich zu einem der bedeutendsten deutschen Handelshäuser in China mit Verbindungen nach Südostasien, Europa und Amerika. Er selbst kehrte 1858 nach Hamburg zurück, konzentrierte sich mit der Firma G. T. Siemssen auf die Pflege der Geschäftsverbindungen in Europa und übernahm verschiedene Ehrenämter. Von 1862 bis 1873 gehörte er der Hamburgischen Bürgerschaft an. Vgl.
Möring, Siemssen & Co.
.
Eulenburg, Friedrich Albrecht Graf zuFriedrich Albrecht Graf zu EulenburgDiplomat, Staatsmann 11917893129.06.181502.04.1881Friedrich Albrecht Graf zu Eulenburg studierte Jura, trat anschließend in den preußischen Verwaltungsdienst und wechselte 1852 in den diplomatischen Dienst Preußens. Von 1859 bis 1862 leitete er die preußische Ostasienexpedition nach Japan, China und Siam, der es gelang, Handelsverträge mit diesen Staaten abzuschließen. Zurück in Deutschland, stieg er 1862 zum preußischen Innenminister und einem der wichtigsten Mitarbeiter Otto von Bismarcks bei der Modernisierung des preußischen Staates auf. Vgl.
Born, „Eulenburg, Friedrich Graf zu“
;
Röhreke, Graf Friedrich Albrecht zu Eulenburg
.
Meyer, Arnold OttoArnold Otto MeyerKaufmann, Kunstsammler und Mäzen11755570301.09.182512.03.1913Arnold Otto Meyer absolvierte eine kaufmännische Lehre bei Burmester & Stavenhagen in Hamburg, ging nach New York und trat in die von Theodor August Behn und seinem älteren Bruder Valentin Lorenz Meyer 1840 gegründete Firma Behn, Meyer & Co. in Singapur ein, denn Valentin Lorenz Meyer wollte sich zurückziehen. Von 1851 bis 1900 war Arnold Otto Meyer Teilhaber des Unternehmens. 1857 kehrte er zurück nach Hamburg, wo er seine eigene Firma Arnold Otto Meyer gründete, die die Vertretung von Behn, Meyer & Co. in Europa übernehmen sollte. Um die Folgen der Weltwirtschaftskrise von 1857 zu überwinden, kehrte Arnold Otto Meyer im September 1862 jedoch nochmals für einige Jahre nach Singapur zurück unbd benannte Johannes Mooyer als seinen Bevollmächtigten in Hamburg. In Singapur übernahm Arnold Otto Meyer das Amt des Konsuls der Hansestadt Hamburg
bzw. des Konsuls der Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck
. Als Teilhaber und führender Kopf der Firma Arnold Otto Meyer verlagerte sich der Schwerpunkt seiner Tätigkeit danach auf Hamburg, Deutschland und Europa. 1899 zog er sich als Teilhaber von Arnold Otto Meyer zurück, blieb aber bis zu seinem Tod stiller Gesellschafter. In Hamburg betätigte er sich auch als Kunstsammler und Mäzen. Vgl.
Gossler, „Meyer, Arnold Otto“
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 1
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 2
.
Roß, Edgar DanielEdgar Daniel RoßKaufmann13400800611.02.180723.03.1885Edgar Daniel Roß war ein Sohn von Daniel Roß, der ihn 1833 gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Adolph Eduard Vidal in die bisher zusammen mit Johann Heinrich Liebrecht geführte Firma Roß & Liebrecht in Hamburg aufnahm, die daraufhin zu Roß, Vidal & Co. umfirmierte. Vgl.
Brietzke, „Ross, Edgar“
. - Weitere detaillierte biografische Informationen zu Mitgliedern der Kaufmannsfamilien Vidal und Roß finden sich in: Ernst Hieke, Über die Anfänge des deutschen Handels mit Ostindien. Das hamburgische Handelshaus Ross, Vidal & Co. und die Vorgeschichte von Siemssen & Co., o. O. [Hamburg], o. D., unveröffentlichtes Manuskript, in: Staatsarchiv Hamburg (StAH), 622-1/506, 27.
Melchers, HermannHermann MelchersKaufmann11687268318.05.184208.07.1918Hermann Melchers, ein Enkel des Mitbegründers der Firma C. Melchers & Co. in Bremen, Carl Melchers, durchlief eine kaufmännische Ausbildung bei Louis F. Kalkmann & Co. in Bremen, war dann als Gehilfe für Rösing Brothers & Co. in London tätig und ging 1864 nach Hongkong, um dort für die Firma Eduard Schellhaß & Co. zu arbeiten. 1866 gründete er - unterstützt durch das Bremer Stammhaus - gemeinsam mit dem befreundeten Kaufmann Adolf André die Firma Melchers & Co. in Hongkong, die sich zu einem der bedeutendsten deutschen Chinahandelshäuser entwickelte. Zum Jahresende 1873 kehrte Hermann Melchers nach Bremen zurück und übernahm 1874 als Teilhaber eine wichtige Rolle für das Familienunternehmen. 1887 ernannte ihn die Bremer Kaufmannschaft zum Präsidenten der Handelskammer Bremen. Angesichts der Auswirkungen des Ersten Weltkriegs, der zur Enteignung der Firma Melchers & Co. in China führte und den wirtschaftlichen Zusammenbruch Deutschlands mit sich brachte, nahm er sich 1918 das Leben. Vgl.
Treue, „Melchers“
;
Melchers, China und Melchers
, S. 18–51;
Maiwald, Leben
, passim.
Witthoefft, Franz HeinrichFranz-Heinrich WitthoefftKaufmann, Wirtschaftsvertreter, Politiker13011735819.11.186306.07.1941Franz Heinrich Witthoefft absolvierte eine kaufmännische Lehre bei der Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg und war von 1885 bis 1896 als leitender Angestellter für deren Schwesterfirma Behn, Meyer & Co. in Singapur tätig. 1896 stieg er zum Teilhaber des Unternehmens auf und blieb es bis 1905. Von 1900 bis 1941 war er zudem Teilhaber der Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg und übernahm zahlreiche Ämter in Wirtschaft und Politik (u.a. als Aufsichtsratsvorsitzender der Commerz- und Privatbank, als Präses der Handelskammer Hamburg, als Präsidiumsmitglied des Hansa-Bundes für Gewerbe, Handel und Industrie, als Vorsitzender des Wirtschaftsrats der Hansestadt Hamburg, als Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft und im Senat der Hansestadt Hamburg). Ausführlicher zum beruflichen und politischen Wirken Witthoeffts:
Krause, „Witthoefft, Franz Heinrich“
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 1
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 2
.
Helfferich, EmilEmil HelfferichKaufmann, 12436165X17.01.187822.05.1972Emil Helfferich stammte - wie sein ältester Bruder Karl Theodor Helfferich und fünf weitere Geschwister - aus Neustadt an der Bergstraße, durchlief eine kaufmännische Lehre in Hamburg und gründete 1903 gemeinsam mit Georg Rademacher und Albert Paulmann die Firma Helfferich & Rademacher in Batavia / Telok Betong. Er selbst übernahm die Leitung der Niederlassung in Telok Betong. Als die 1907 mit Unterstützung von Arnold Otto Meyer in Hamburg in eine Aktiengesellschaft umgewandelte Firma bald darauf durch Pfefferspekulationen in finanzielle Schwierigkeiten geriet und im Februar 1908 von Behn, Meyer & Co. Ltd. in Singapur aufgekauft wurde, schied er zunächst aus, betätigte sich jedoch bald darauf als Berater für die Neuorganisation des Produktengeschäfts von Arnold Otto Meyer. Gemeinsam mit Franz Heinrich Witthoefft trat er für verstärkte deutsche Investitionen in die Plantagenwirtschaft
Südostasiens ein und zählte zu den treibenden Kräften für die Gründung des Straits und Sunda Syndikats, an dem deutsche und belgische Investoren beteiligt waren. Er blieb bis 1928 in Niederländisch-Indien, übernahm nach seiner Rückkehr nach Deutschland politische und wirtschaftliche Ämter, etwa als Hamburgischer Staatsrat, als Vorsitzender des Ostasiatischen Vereins und als Vorsitzender des Aufsichtsrats der HAPAG. 1932 engagierte er sich im sogenannten Keppler-Kreis, dessen Mitglieder Reichspräsident Paul von Hindenburg aufforderten, Adolf Hitler zum Reichskanzler zu berufen. 1933 trat er der NSDAP bei. Vgl.
Helfferich, Ein Leben
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 2
, passim;
Kemper/Rentschler, Handlungsspielräume
, S. 273–281.
Langen, Friedrich AdolfFriedrich Adolf Langen (Adolf Langen)Seemann, Kapitän, Kolonialunternehmer, Versicherungsbeamter03.06.1852nach 1902Adolf Langen war ein Neffe des Kölner Unternehmers Eugen Langen, nämlich ein Sohn von dessen Bruder Otto Langen, absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Kapitän, bevor er sich in den 1880er Jahren mit der Unterstützung seines Onkels und der Firma J. J. Langen & Söhne auf den Key-Inseln in Niederländisch-Indien mit einem eigenen Unternehmen zu etablieren versuchte, was ihm jedoch nicht gelang. Durch den Konkurs zunächst einer Ölmühle auf der Insel Timor, dann eines Sägewerks auf der Insel Toeal verursachte er der Firma J. J. Langen & Söhne einen Verlust in Höhe von 1,2 Millionen Mark. Später wurde er als Versicherungsbeamter in Hamburg tätig. Vgl.
Langen, Chronik der Familie Johann Jakob Langen
, S. 64;
Langen, Die Key- oder Kii-Inseln
;
Oepen-Domschky, Kölner Wirtschaftsbürger
, S. 169f.
Langen, Carl EugenCarl Eugen Langen (Eugen Langen)Erfinder, Ingenieur, Unternehmer, Förderer der deutschen Kolonialbewegung11872643909.10.183302.10.1895Eugen Langen war ein Sohn des Zuckerfabrikanten Johann Jakob Langen, absolvierte eine umfassende technische Ausbildung und führte seit 1858 gemeinsam mit seinen beiden Brüdern Otto Langen und Gustav Langen als Teilhaber das Familienunternehmen J. J. Langen & Söhne in Köln; 1883 trennte er sich geschäftlich von J. J. Langen & Söhne. Er war maßgeblich an der Entwicklung von Zuckerfabriken, von Gasmotoren und Schwebebahnen beteiligt und gründete eigene Unternehmen, darunter die Zuckerfabrik Pfeifer & Langen, die Gasmotoren-Fabrik Deutz und die Waggonfabrik Van der Zypen & Charlier. Er suchte neue Absatzmärkte in Übersee und zählte zu den maßgeblichen Förderern der deutschen Kolonialbewegung. Vgl.
Langen, Chronik der Familie Johann Jakob Langen
, S. 42–47.
Goldbeck/Reuß, „Langen, Eugen“
;
Oepen-Domschky, Kölner Wirtschaftsbürger
;
Treins, Eugen Langen
.
Langen, Heinrich GottfriedHeinrich Gottfried Langen (Gottfried Langen)Seemann, Kapitän, Kolonist, Unternehmer13.07.1859nach 1902Gottfried Langen war ein jüngerer Bruder von Adolf Langen und absolvierte wie dieser eine Ausbildung zum Kapitän, allerdings nicht in Hamburg, sondern in Großbritannien. Von 1885 bis 1888 unterstützte Gottfried Langen seinen Bruder Adolf bei dem Versuch, in Niederländisch-Indien auf den Key-Inseln ein Dampfsägewerks mit angegliederten Plantagen aufzubauen. Doch das Unternehmen scheiterte, wie Gottfried Langen in einem Erinnerungsbericht selbst dokumentierte. Er kehrte nach Europa zurück und war in verschiedenen Zuckerfabriken u. a. als Techniker tätig, bevor er 1895 eine Teilhaberschaft in der Gasmotorenfabrik Langen & Wolf in Wien übernahm. Er war verheiratet mit Frances, geb. Mier, die aus London stammte und ihn nach Niederländisch-Indien begleitete. Vgl.
Langen, Chronik der Familie Johann Jakob Langen
, S. 68;
Langen, Die Key- oder Kii-Inseln
.
Warburg, Max MoritzMax Moritz Warburg (Max M. Warburg)Bankier11880617305.06.186726.12.1946Max M. Warburg absolvierte eine internationale Banklehre, u. a. bei N. M. Rothschild & Sons in London, und trat 1893 als Teilhaber in das von seinem Vater gegründete Bankhaus M. M. Warburg & Co. in Hamburg ein. Er baute die Bank zu einer der führenden deutschen Privatbanken aus, die sich an bedeutenden Emissionen in Europa und Übersee beteiligte und zudem im Kreditgeschäft für Handel und Industrie eine wichtige Rolle spielte. Gemeinsam mit Werner von Melle trieb Max M. Warburg 1908 die Gründung des Hamburgischen Kolonialinstituts voran, aus dem später die Universität Hamburg hervorging. 1910 übernahm er die alleinige Leitung des Bankhauses und betätigte sich seither vermehrt auch als Berater Kaiser Wilhelm II. Nach Beginn der Chinesischen Revolution im Herbst 1911 nahm Max M. Warburg als Repräsentant einer amerikanischen Bankengruppe, die sich zuvor an der Emission chinesischer Staatsanleihen beteiligt hatte, an verschiedenen internationalen Interbanken-Konferenzen teil. Von 1903 bis 1919 gehörte er als Mitglied der Nationalliberalen Partei der Hamburgischen Bürgerschaft an, wandte sich dann aber der Deutschen Volkspartei zu. Gemeinsam mit seinem Teilhaber Carl Melchior gehörte Max M. Warburg zur deutschen Delegation bei den Versailler Friedensverhandlungen. Vgl.
Warburg, Aufzeichnungen
;
Kopper, „Warburg, Max Moritz“
;
Hoffmann, Max M. Warburg
.
Spanier; auch: Spaniards (englisch)
Niederländer; auch: Dutch (englisch), Holländer
Überseehandel; auch: Handel über See
Europäer, Europäerin; auch: Westländer
„Pachtgebiet“; auch: KonzessionsgebietIm 19. Jahrhundert kam es in Ostasien, insbesondere in China, vermehrt zur Einrichtung von so
genannten „Pachtgebieten“. Dabei übernahm ein ausländischer Staat, etwa
weil er an der Errichtung eines Flotten- oder Handelsstützpunktes
interessiert war, die Oberhoheit über ein bestimmtes Gebiet innerhalb
eines anderen Staates. Die zu diesem Zweck geschlossenen Pachtverträge
zwischen den imperialen Großmächten und den souveränen ostasiatischen
Staaten kamen oft durch massiven politischen Druck und Androhung
militärischer Gewalt zustande und wurden für unterschiedlich lange
Zeiträume abgeschlossen. Deutschland beispielsweise schloss 1895 einen
Pachtvertrag mit China für ein Konzessionsgebiet in Hankow und erzwang zwei Jahre später durch
die Besetzung
der Bucht von Kiautschou im März 1898 einen weiteren
Pachtvertrag für das „Pachtgebiet Kiautschou“, der auf 99 Jahre
abgeschlossen wurde; die von Großbritannien und Russland im selben Jahr mit China geschlossenen Pachtverträge für Weihaiwei
bzw.
Port Arthur wurden dagegen
nur auf 25 Jahre abgeschlossen. Die Verwaltung eines Pachtgebietes, das
auch als Konzessionsgebiet bezeichnet wurde, ähnelte der einer Kolonie,
eines Protektorates oder eines Schutzgebietes, weshalb die Begriffe
häufig auch synonym verwendet wurden. - Aus juristischer Perspektive
sind dabei allerdings Unterscheidungen zu treffen. Vgl.
Zollmann, „Schutz“,
„Protektorat“, „Kolonie“
.
Kaufleute, fremde; auch: ausländische Firmen, ausländische Kaufleute, ausländische Unternehmen, fremde Firmen, fremde Unternehmen
Handelsvertrag; auch: commercial treaty (englisch), convention of commerce (englisch), Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag, Handelsabkommen, Handels- und Schifffahrtsvertrag, Schifffahrtsvertrag, Tractat, Zollvertrag
Gewinn; auch: Avanz, Ayanz, Capital Avance (niederländisch), Gewinn, Gewinnbeteiligung, Gewinnst, Gewinst, Netto-Gewinn, Profit, profit (englisch), profit sharing (englisch), Verdienst
Zoll; auch: costums dues (englisch), Differentialabgabe, duty (englisch), measurement duty (englisch), ship duty (englisch), Zollabgaben, Zolltarif
Dänen; auch: Danes (englisch)
Schweden; auch: Swedes (englisch)
Franzosen; auch: French (englisch)
Amerikaner; auch: Americans (englisch)
Flagge; auch: flag (englisch), Flaggenstock, Nationalflagge, SchiffsflaggeDie in der Regel aus Tuch bestehende Flagge eines Schiffes dient der Übertragung von Informationen auf weite Sicht. Dabei geht es zumeist um die Zugehörigkeit zu einer Reederei oder zu einem Staatswesen, in deren Schiffsregister das Schiff eingetragen ist; in letzterem Fall müssen weder die Eigner noch der Kapitän und die anderen Mitglieder der Schiffsmannschaft zwangsläufig ihren Sitz in dem betreffenden Staat haben. Die Nationalflaggen der Europäer wurden im 18. und 19. Jahrhundert in Ostasien auch vermehrt an Land gehisst, etwa vor den ausländischen Faktoreien im chinesischen Kanton oder auf Konsulatsgebäuden.
Tee; auch: tea (englisch), Teehandel, TheeTee und Teehandel sind wegen ihrer großen Bedeutung für die Export- wie die Importländer im 19. Jahrundert schon häufiger Gegenstand eingehender wirtschaftshistorischer Untersuchungen gewesen. Aus der jüngeren Forschungsliteratur seien nur zwei Studien hervorgehoben:
Rappaport, Thirst for Empire
;
LIU, Tea War
.
Seide; auch: Abfallseide, rohe Seide, Rohseide, Seidenhandel, silk (englisch)
Bremer [Angehöriger des Staates Bremen]
PartenreederSchlossen sich mehrere Parteien zusammen, um ein Schiff in ihr gemeinsames Eigentum zu übernehmen und auf eine Handelsfahrt zu entsenden, so spricht man von Partenreederei.
SpekulationsfahrtDie von mehrereren Partenreedern oder einzelnen Kaufmannsreedereien organisierten ersten Spekulationsfahrten nach Ostasien stellten Warensortimente zusammen, von denen sie nicht wussten, ob sie überhaupt auf Interesse und entsprechende kaufkräftige Nachfrage treffen würden. Ihre Geschäfte waren also hochgradig spekulativ.
Textilwaren; auch: Textilhändler, Textilhandel
Silbermünze; auch: Silbergeld
Manufakturwaren; auch: Manufacte, Manufaktur, Manufacturwaaren
Kaffee; auch: Caffe, Caffee, coffee (englisch), coffy (niederländisch), Liberia Kaffee
Silber; auch: Silberladen, Silbermarkt, Silberpreis
Auktion; auch: Auction, auction (englisch), Auktionsverkauf
Freihandel; auch: fair trade (englisch), Handelsfreiheit
MerkantilismusAls Merkantilismus bezeichnet man eine staatliche Wirtschafts- und Finanzpolitik (oder die von einer solchen Politik geprägte Epoche), die darum bemüht war, möglichst viele Waren im eigenen Land zu produzieren und auch zu exportieren, aber möglichst wenig Waren aus dem Ausland zu importieren, also eine positive Leistungsbilanz zu erzielen. Als Mittel zu diesem Zweck wurden die Vereinheitlichung der Währungsverhältnisse, das Vermeiden von Geldabflüssen in s Ausland, die Beseitigung von Binnenzöllen und Zunftprivilegien, die Förderung von Handwerk, Gewerbe und Manufakturen sowie nicht zuletzt die Förderung des Bevölkerungswachstums zum Aufbau eines starken Arbeitskräftepotenzials bei gleichzeitig neidrigem Lohnniveau betrachtet. Viele absolutistische Herrscher des 17. und 18. Jahrhunderts versprachen sich von einer solchen Wirtschafts- und Finanzpolitik steigende Einnahmen, die zur Mehrung ihres Reichtums und zur Finanzierung ihrer wachsenden Staatshaushalte beitragen sollten. - Vgl.
Heckscher, Merkantilismus
;
Rothermund, Europa und Asien
;
Wallerstein, Der Merkantilismus
;
Gömmel, Zeitalter des Merkantilismus
.
KaufmannsreedereiSchafft ein Kaufmann sich eigene Schiffe an, um mit ihnen Handel zu treiben, spricht man von einer Kaufmannsreederei.
Hafen; auch: free port (englisch), Freihafen, port (englisch), VertragshafenHäfen spielten für den Handel mit und in Ostasien im langen 19. Jahrhundert eine zentrale Rolle, zum einen als „Freihäfen“, wie zum Beispiel Singapur, in denen Waren ein- und ausgeführt werden konnten, ohne mit Zöllen belastet oder durch nichttarifäre Handelshemnisse beschränkt zu werden, zum anderen - und das war die häufigere Form - als „Vertragshäfen“, die zumeist nicht freiwillig, sondern unter Androhung von militärischer Gewalt oder auch erst nach einer militärischen Niederlage von den betreffenden Territorialstaaten, vor allem China und Japan, für den internationalen Handel geöffnet wurden. Dies geschah in der Regel auf der Basis eines mehr oder weniger erzwungenen Handelsvertrages, der keine gleichen Rechte für die Vertragspartner vorsah, sondern in erster Linie den Interessen der ausländischen imperialen Mächte entsprach und deshalb als Ungleicher Vertrag bezeichnet wurde. Über die Vertragshäfen wurde in China, Japan und anderen Ländern Ostasiens eine kommerzielle Revolution mit tiefgreifenden Veränderung für alle Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft in Gang gesetzt. Vgl.
Fairbank, Trade and Diplomacy
;
HAO, Commercial Revolution
;
Hoare, Japan‛s Treaty Ports
;
So/MyersTreaty Port Economy
;
Bickers/Jackson, Treaty Ports
;
Brunero/Villalta Puig, Life in Treaty Port China and Japan
.
NavigationsakteDie englische Navigationsakte von 1651, derzufolge Importe nach England ausschließlich auf eigenen Schiffen erfolgen durften, um vor allem den Zwischenhandel der Niederlande und der norddeutschen Hansestädte zu beschränken, wurde seit dem späten 18. Jahrhundert sukzessive gelockert. So gestattete Großbritannien 1797 den Schiffen einiger befreundeter Nationen, darunter auch die Hansestadt Hamburg, die Häfen und Handelsstützpunkte in den britischen Kolonien anzulaufen. Auch die Schifffahrt zwischen den einzelnen britischen Kolonien wurde bald von Beschränkungen und Schutzzöllen befreit, nur für den Handel mit indischem Salz und Opium mussten ausländische Schiffe weiterhin Sonderzölle zahlen. Erst 1849 wurde die Navigationsakte schließlich ganz aufgehoben. Vgl.
Harper, English Navigation Laws
;
Krawehl, Hamburgs Schiffs- und Warenverkehr mit England
, S. 423–471;
Menzel, Ordnung der Welt
, S. 711f.
Importe nach Großbritannien
Schifffahrt; auch: Schifffahrtsbranche, Schifffahrtsgesellschaft
Schutzzoll; auch: Schutzzollpolitik
Opium; auch: Droge, Gift, Rauschgift
Briten; auch: British (englisch), Britons (englisch), Engländer, English (englisch), Englishmen (englisch)
Eigentümer; auch: Eigenthümer
Bank; auch: Aktienbank, Bankenwelt, Bankgeschäft, Bankhaus, banking operations (englisch), Geldgeber, Geldinstitut, Geschäftsbank, Großbank, Investmentbank, issuing bank (englisch), merchant bank (englisch), Privatbankhaus
Kontinentalsperre, französischeDie vom französischen Kaiser Napoleon am 21. November 1806 in Berlin verfügte Kontinentalsperre untersagte es Großbritannien und seine Kolonien, ihre Waren weiterhin nach Kontinentaleuropa einzuführen und verfügte außerdem die Beschlagnahmung sämtlicher bereits importierter britischer Waren sowie die Inhaftierung britischer Staatsangehöriger. Diese Bestimmungen wurden niemal vollständig in die Praxis umgesetzt, hatten aber dennoch ganz erhebliche Auswirkungen auf den europäischen und den globalen Handel, zumal sie von Großbritannien mit einer Gegenblockade beantwortet wurden, die u. a. den französischen Kolonialhandel weitgehend zusammenbrechen ließ. - Zur praktischen Umsetzung und den komplexen Wirkungen der Kontinantalsperre:
Aaslestad/JoorRevisiting Napoleon‛s Continental System
.Gegenblockade.
Schmuggel, Schmuggler; auch: smuggling (englisch)
Wein, Weinhandel; auch: Weingeschäft
Tuchfabrikant, Tuchfabrik, Tuchindustrie
Tuchwaren; auch: Halbtuche, Tuche, Tuchwarenhandel
Lohn; auch: Bezüge, Gage, Gehalt, Salair, salary (englisch), Vergütung, wage (englisch)
Geld; auch: Baares, Geldmittel, Kassa-System, money (englisch), Verkehrsmittel, Zahlungsmittel
ProtektionismusVersucht ein Staat, durch Einfuhrzölle die eigenen Binnenmärkte vor ausländischer Konkurrenz zu schützen, so spricht man von Protektionismus.
Lebensmittel; auch: Esswaaren, Victualien
Exporte aus Großbritannien
Risiko; auch: Risico, Risikokontrolle
Bevölkerung; auch: Bevölkerungswachtum, Bevölkerungszunahme, Einwohner
Arbeiter, Arbeiterin; auch: Handarbeiter, Hilfsarbeiter, Vorarbeiter
Wiener Kongress (18. September 1814 bis 9. Juni 1815)Auf dem unter Leitung des österreichischen Außenministers Klemens von Metternich (1773–1859) durchgeführten internationalen Wiener Kongress berieten Vertreter aus etwa 200 europäischen Staaten, Herrscherhäusern, Städten und Körperschaften über die Neuordnung Europas nach den Napoleonischen Kriegen. Die Beschlüsse des Kongresses wurden in der Wiener Kongressakte niedergelegt, die am 9. Juni 1815 unterzeichnet wurde. Vgl.
Klüber, Acten des Wiener Congresses, Bd. 6
;
Duchhardt, Wiener Kongress
.
Imperialismus des Freihandels
Banknoten; auch: Bankpapier, Papiergeld
Pound Sterling [Währungseinheit]; auch: £, £ st., l., Pfund Englisch, Pfund SterlingDas britische Pound Sterling, üblicherweise abgekürzt mit dem Zeichen £, unterteilt sich in shilling, abgekürzt s oder sh, und pence, abgekürzt d (für „denarius“). Ein Pound Sterling entspricht dabei 20 shilling oder 240 pence (1 shilling = 12 pence).
Kurs; auch: Aktienkurs, Anleihekurs, Cours, Coursnotiz, WechselkursBörsenkurs
Devisen; auch: Devisenhandel, fremde Währungen, Valuta
GoldstandardDie Währungsordnung des Goldstandards setzte sich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts zunächst in den Industriestaaten, dann weltweit durch. Denn immer mehr Zentral- und Notenbanken gingen dazu über, die von ihnen ausgegebenen Banknoten an den Wert des Goldes zu binden, sodass die Inhaber von Banknoten diese stets zu einem bestimmten Umtauschkurs in Gold wechseln konnten. Dabei wurde eher selten ein reiner Goldstandard gewählt, bei dem die Geldmenge genau dem Wert des vorhandenen Goldbestandes entspricht; vielmehr wurden in der Regel Proportionalsysteme eingeführt, bei dem nur eine Teil der Geldmenge durch den Wert des vorhandenen Goldbestandes gedeckt war und andere Sicherheiten wie beispielsweise Devisen mit hinzugezogen wurden, wobei das Versprechen der Einlösung von Banknoten in Gold aber voll aufrechterhalten wurde. Die Währungen derjenigen Länder, die sich an den Goldstandard banden, standen in einem festen Wechselkursverhältnis zueinander, sodass der Handel zwischen ihnen oder der Handel, der in ihren Währungen abgerechnet wurde, nicht mehr mit dem Risiko von Wechselkursschwankungen belastet war. Erst mit Beginn des Ersten Weltkrieges setzte eine wachsende Zahl von Staaten die Einlösungsplicht der eigenen Banknoten in Gold wieder aus, sie hoben den Goldstandard also faktisch - vorübergehend oder sogar dauerhaft - wieder auf. Vgl. zur Etablierung des Goldstandards:
Eichengreen, Globalizing Capital
, S. 13–40.
Handelspolitik, britische
Zucker; auch: Raffinadezucker, Rohzucker, sugar (englisch), zeeker (niederländisch), zuykar (niederländisch), zuyker (niederländisch)
Importe in die Hansestädte
Eisen; auch: iron (englisch), Roheisen
Glaswaren; auch: Glaswaaren, Hohlglas, Kronleuchter, Spiegel
Leisten; auch: Schuhleisten
Seife; auch: Seifenfabrikant
Fracht [Frachtgut]; auch: Ladung, Schiffsladung
Küstenschifffahrt; auch: Cabotage, coast shipping (englisch)
Bankier; auch: banker (englisch), Banquier, merchant banker (englisch), Privatbankier
Handelskrise; auch: Handels Crisis
Kredit; auch: Anleihen an dritte Personen, Ausleihung von Geldern, Blanco Credit, Credit, credit (englisch), Darlehen, Kreditgeschäft
Erster Opiumkrieg (1839–1842)Der Erste Opiumkrieg (1839–1842) zwischen Großbritannien und China entbrannte, nachdem China energische Versuche unternommen hatte, den illegalen Opiumhandel britischer und anderer Kaufleute über den Hafen von Kanton zu unterbinden, der bis dahin für den Ausgleich des britischen Handelsdefizits mit China sorgte. Die Beschlagnahmung umfangreicher Opiumbestände durch den chinesischen Sonderbeauftragten LIN Zexu im Herbst 1839 veranlasste Großbritannien zur Entsendung von Kriegsschiffen, die mehrere chinesische Küstenstädte belagerten und teils eroberten und so den Abschluss des Vertrages von Nanjing (29. August 1842) erzwangen, des ersten der so genannten Ungleichen Verträge. - Aus der umfangreichen Literatur zu Hintergründen, Verlauf und Folgen des Ersten Opiumkrieges vgl. insbesondere:
Fay, Opium War
;
Hunt, India-China Opium Trade
;
Purdue, First Opium War
;
Lovell, Opium War
;
Platt, Imperial Twilight
;
MAO, Qing Empire
;
CHEN, Merchants
.
Teilhaber; auch: Ahsocié, Associé, Gesellschafter, Partner, Theilhaber, Theilnehmer
Monopol; auch: Handelsmonopol, Herstellungsmonopol
Generalkonsul der Hansestädte Lübeck, Bremen und Hamburg
Wollwaren; auch: Wollenwaaren, Wollmaterial, woollens (englisch)
Handelspolitik, russische
Handelspolitik, preußische
Vertrag von Nanjing (29. August 1842)Mit dem Vertrag von Nanjing vom 29. August 1842, dem ersten der so genannten Ungleichen Verträge, wurde das im Ersten Opiumkrieg (1839–1842) unterlegene Kaiserreich China von Großbritannien gezwungen, sich dem internationalen Handel zu öffnen. China musste zusichern, neben Kanton künftig auch die Häfen von Xiamen, Fuzhou, Ningbo und Shanghai zu öffnen und hier einen weitgehend freien Handel zu dulden; zugleich wurde die Cohong-Gilde der chinesischen Händler in Kanton aufgelöst. China musste Großbritannien zudem Reparationen in Höhe von 21 Millionen Silber-Tael für das zu Beginn des Krieges in Kanton beschlagnahmte und zerstörte Opium sowie die britischen Kriegskosten zusagen und außerdem die Insel Hongkong, die von den Briten besetzt und schon im Februar 1842 zum Freihafen erklärt worden war, als Kronkolonie an Großbritannien abtreten. Detaillierte Regelungen zur Abwicklung des Handels in den fünf Vertragshäfen blieben einem Zusatzabkommen vorbehalten, dem im Oktober 1843 unterzeichneten Vertrag von Humen (8. Oktober 1843). Vgl.
Nord, Handelsverträge Chinas
, S. 11–25;
Fairbank, Trade and Diplomacy
, S. 84–103;
HAO, Commercial Revolution
, passim;
MAO, Qing Empire
, S. 416–432.
Vertrag von Humen (8. Oktober 1843)Da mit dem Vertrag von Nanjing (29. August 1842) aus britischer Sicht viele rechtliche Fragen des künftigen Handels zwischen China und Großbritannien offen geblieben waren, wurde ein Zusatzabkommen ausgehandelt: der Vertrag von Humen vom 8. Oktober 1843. Diesem Vertrag wurden detaillierte Regularien für den Handel in den fünf geöffneten Vertragshäfen sowie ein Zolltarif für den chinesischen Außenhandel angefügt, mit dem China die Souveränität über den eigenen Außenhandel weitgehend verlor, weshalb der Vertrag von chinesischer Seite als ein Ungleicher Vertrag eingestuft wurde. Der Vertrag von Humen gestand den Briten die Meistbegünstigung zu, regelte das Aufenthaltsrecht der britischen Staatsbürger und unterstellte sie der Konsulargerichtsbarkeit des eigenen Landes; sie wurden also juristisch exterritorialisiert. Der Opiumhandel wurde allerdings nicht legalisiert, wie britische Händler zunächst gehofft hatten; er wurde von der chinesischen Regierung nur weiter toleriert. Vgl.
Nord, Handelsverträge Chinas
, S. 26–29;
Fairbank, Trade and Diplomacy
, S. 114–151;
MAO, Qing Empire
, S. 433–455.
Handelspolitik, chinesische
Tabak; auch: Rohtabak, Taback
Elfenbein; auch: ivory (englisch)
Soldat; auch: soldier (englisch)
Handelshaus, innere Organisation
Konkurs; auch: Bankrott, faillissement (niederländisch), failure (englisch), Falliment, Insolvenz, Pleite
Investor; auch: Capitalist, Financier, Kapitalist
Reederei; auch: Rederei, Rhederei
Zweiter Opiumkrieg (1856–1860)Mit dem Zweiten Opiumkrieg von 1856–1860, in dessen Verlauf britisch-französische Truppen die Stadt Kanton besetzten und die Dagu-Festungen an der Mündung des Hai He in der Nähe von Tianjin stürmten, wurde das durch den Taipinaufstand erheblich geschwächte chinesische Kaiserreich im Juni 1858 zum Abschluss neuer Handelsverträge mit Großbritannien und Frankreich gezwungen, den Verträgen von Tianjin, deren Ratifizierung vom chinesischen Kaiser Xianfeng jedoch hinausgezögert wurde; erst nachdem die britisch-französischen Truppen auch den kaiserlichen Sommerpalast in Peking gestürmt hatten, traten die Verträge von Tianjin mit Großbritannien und Frankreich, nun ergänzt um die Konvention von Peking, am 18. Oktober 1860 schließlich in Kraft, so dass der Zweite Opiumkrieg tatsächlich als beendet betrachtet werden konnte. Vgl.
WONG, Deadly Dreams
;
Platt, Autumn in the Heavenly Kingdom
.
Verträge von Tianjin (18. Oktober 1860)Im Zuge des Zweiten Opiumkrieges (1856–1860) kam es bereits im Juni 1858 zum Abschluss der Verträge von Tianjin zwischen dem Kaiserreich China auf der einen sowie Großbritannien bzw. Frankreich auf der anderen Seite, die ihre Truppen gemeinsam in diesen Krieg geführt hatten, um zusätzliche Handelszugeständnisse zu erlangen. Da der chinesische Kaiser Xianfeng seine Unterschrift unter diese neuen Ungleichen Verträge jedoch hinauszögerte, zumal zu dieser Zeit der durch den Taipingaufstand ausgelöste Bürgerkrieg große Aufmerksamkeit verlangte, flammten die Kämpfe erneut auf. Erst am 18. Oktober 1860 wurden sie, nun ergänzt um die Konvention von Peking, vom Xianfeng-Kaiser schließlich unterzeichnet. Den Vereinigten Staaten und Rußland, die sich den Vertragsverhandlungen der Briten und Franzosen frühzeitig angeschlossen, aber nicht an den militärischen Handlungen beteiligt hatten, war es schon im Mai 1858 gelungen, inhaltlich weitgehend gleiche Handelsverträgen mit China abzuschließen. Die Verträge von Tianjin sicherten den insgesamt vier Vertragsmächten das Recht zu, künftig diplomatische Vertretungen in der bis dahin für Ausländer verschlossenen chinesischen Hauptstadt Peking zu eröffnen; das führte 1861 zur Etablierung des Zongli Yamen, einer zuvor noch nicht bestehenden Behörde für die chinesischen Außenbeziehungen. Die vier Vertragsmächte bekamen außerdem das Privileg der Konsulargerichtsbarkeit zugesprochen; ihre Untertanen und Bürger unterstanden somit nicht länger allen chinesischen Gesetzen, sondern der Rechtsprechung ihrer eigenen Konsuln. Mit den Verträgen von Tianjin wurden außerdem elf weitere chinesische Häfen für den internationalen Handel geöffnet, darunter nun auch vier Häfen am Jangtsekiang, also im Landesinneren (Nanjing, Zhenjiang, Jiujiang und Hankou). Der umstrittene Opiumhandel wurde legalisiert und mit einem chinesischen Einfuhrzoll belegt. In allen Vertragshäfen wurde darüber hinaus eine zentral organisierte, seit 1863 von dem Briten Robert Hart als Generalinspekteur geführte chinesische Seezollverwaltung eingerichtet, die künftig für den Einzug sämtlicher Im- und Exportzölle verantwortlich war. Ob die Bestimmungen der Verträge von Tianjin für alle Handelsnationen gelten sollten, blieb unklar, weshalb auch in den norddeutschen Hansestädte und Preußen nun verstärkt Überlegungen angestellt wurden, ob nicht eigene Handelsverträge mit China erforderlich seien. Vgl.
WONG, Deadly Dreams
;
Platt, Autumn in the Heavenly Kingdom
.
Kriegsschiff; auch: Kanonenboot, Panzerschiff
Vertragsmächte; auch: treaty powers (englisch)Für diejenigen Staaten, die beginnend mit dem Vertrag von Nanjing (29. August 1842) in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine ganze Serie von so genannten „Ungleichen Verträge“ mit China, Japan, Siam, Vietnam und Korea durchsetzten konnten, bei denen es zu Eingriffen in die Souveränität dieser Staaten kam, hat sich in der einschlägigen Forschungsliteratur der Begriff „Vertragsmächte“ durchgesetzt.
KonsulargerichtsbarkeitDie Handelsverträge des 19. Jahrhunderts, die zwischen europäischen und ostasiatischen Staaten geschlossen wurden, umfassten in der Regel genaue Bestimmungen zur Handhabung der Konsulargerichtsbarkeit, also der von den Konsuln vor Ort auszuübenden Rechtssprechung für die Angehörigen ihrer jeweils eigenen Länder, die sich im „Gastland“ aufhielten und dort Exterritorialität genossen, also nicht oder nur teilweise den Gesetzen und Gerichten des Gastlandes unterlagen. Die zumeist ganz einseitige Einschränkung der Hoheitsrechte des ostasiatischen Gastlandes erzeugte erheblichen Unmut, außerdem ergaben sich in der Praxis sehr komplexe Konfliktlagen zwischen Parteien, die nun unterschiedlichen Jurisdiktionen unterlagen. Schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Konsulargerichtsbarkeit eingeschränkt und später ganz beseitigt. Vgl.
Norton-Kyshe, History of the Laws
;
Pigott, Exterritoriality
;
Chang, Justice of the Western Consular Courts
;
Scully, Bargaining with the State
;
KAYAOGLU, Legal Imperialism
.
Weltwirtschaftskrise von 1857Ausgehend von dem überraschend schnellen Ende des Krimkriegs
(1853–1856) und dem dadurch ausgelösten Preissturz
für Rohstoffe und Eisenbahnaktien kam es 1857 zuerst in den USA, dann auch in Großbritannien und von
dort auf Hamburg und Bremen, Skandinavien, Südamerika und Asien übergreifend zu einer schweren
internationalen Wirtschaftskrise. Ob es sich
dabei um die erste Weltwirtschaftskrise des
Industriezeitalters handelte, ist in der älteren Forschung umstritten
geblieben, doch die Auswirkungen für international tätige Handelshäuser
waren zweifellos erheblich. In Großbritannien stemmte sich die Bank of England gegen
den drohenden Zusammenbruch des von den Londoner
Merchant Bankern
getragenen internationalen Wechselverkehrs, doch es kam trotzdem zu zahlreichen Zahlungseinstellungen, von denen nicht zuletzt Hamburger Kaufleute betroffen waren. Vgl.
Rosenberg,
Weltwirtschaftskrise
;
Ahrens, Krisenmanagement
1857 im Schriftwechsel
;
Ahrens, Krisenmanagement
1857
;
Schmidt, Bankwesen
, S.
111–135;
Wagner,
Geschichte der Krise
.
Krimkrieg (1853–1856)Im Krimkrieg von 1853 bis 1856 standen sich Russland und das geschwächte Osmanische Reich gegenüber, das jedoch von Frankreich, Großbritannien und Sardinien unterstützt wurde, um eine stärkere Expansion Russlands in Europa zu verhindern. Der mit moderner Waffentechnik und großen menschlichen Verlusten geführte Krieg wurde nicht nur auf der Krim, sondern u. a. auch in der Ostsee ausgetragen, endete mit einer russischen Niederlage und erschütterte das Gleichgewicht der fünf Großmächte in Europa schwer, denn Russland geriet nun in die Isolation. Auch Österreich war indirekt in den Krieg involviert gewesen, nur Preußen hatte sich neutral verhalten. - Vgl. die Gesamtdarstellung:
Figes, Crimean War
.
Preis; auch: Außenhandelspreis, Bruttopreis, Einkaufspreis, Facturapreis, Kaufpreis, Listpreis, Preisentwicklung, Preisverfall, price (englisch), Selbstkostenpreis, value (englisch), Verkaufspreis, Waarenwerth, Weerth, Wert, Werthbemessung
Presse; auch: Tageszeitung, Wochenzeitung, Zeitung
Eigentum; auch: Eigenthum, property (englisch)
Einkauf; auch: Einkaufsgesellschaften
Versicherung; auch: Assecuranz, insurance (englisch), policy (englisch), Versicherungsgesellschaft, Versicherungspolice, premium (englisch), Versicherungsprämie, Versicherungswesen
Eisenbahn; auch: Eisenbahnbau, Eisenbahngesellschaft, Eisenbahnlinie, Eisenbahnprojekt, Eisenbahnschienen, Eisenbahnschwellen, Eisenbahnverwaltung, Eisenbahnwerkstätte, Eisenbahnwesen, line (englisch), moderne Verkehrseinrichtung, railway (englisch), rollendes Material, rolling stock (englisch)
Bergbau; auch: mining (englisch)
Plantage; auch: Cultur, Estates-Geschäft, Pflanzung, Plantagengeschäft, Plantagengesellschaft
Wechsel; auch: bill (englisch), draft (englisch), Solawechsel, Tratte, WechselverkehrDer Wechsel ist ein Wertpapier, bei dem grundsätzlich zwischen einem Solawechsel und einer Tratte zu unterscheiden ist.
Vorschussgeschäft; auch: Vorschuß-GeschäftZur Abwicklung chinesischer Regierungsaufträge zur Lieferung von Industriewaren, Ausrüstungen sowie Maschinen und Anlagen gewährten die in China ansässigen Auslandsbanken den jeweiligen Bestellern verzinsliche Vorschüsse, also Kredite, die an das entsprechende Warengeschäft gekoppelt waren, sodass insgesamt von einem Vorschussgeschäft gesprochen wurde.
Zahlung; auch: Auszahlung, Barzahlung, Bezahlung, Disbursement, Einzahlung, Geldüberweisung. Giro Verkehr, payment (englisch), Rückzahlung, Vorausbezahlung, Zahlungsanweisung, Zahlungsausfall, Zahlungsbedingungen, Zahlungsbereitschaft, Zahlungsmethode, Zahlungsmodus, Zahlungsschwierigkeit, Zahlungsverkehr, Zahlungsverweigerung, Zahlungsverzögerung
Depositen; auch: Einlagen, EinlagengeschäftAls „Depositen“ werden die Geldeinlagen bei Banken bezeichnet.
Dampfmaschine; auch: Dampfschiffsmaschine
Dampfschiff; auch: Dampfbarkasse, Dampfboot, Dampfer, steamboat (englisch), steamer (englisch)
Kohlen; auch: Kohlenhandel
Passage; auch: Passagegeld, Passageschein, Passagier, Passagierdampfer, Passagierschifffahrt
Postverkehr; auch: Landverbindung, overland mail (englisch), Overlandmail, Postdampfer, Postschifffahrt, Postverlauf, Sattelkurier, Ueberlandweg
Frachtfahrt; auch: Befrachtung, Frachtschifffahrt, Verfrachtung
Telegrafie; auch: Cabeln, Code, Drahten, Private Code (englisch), Special Code (englisch), Telegraph, telegraph (englisch), Telegraphic Address (englisch), TelegraphieNeben Briefen und anderen schriftlichen Nachrichten wurde die Telegrafie im 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Kommunikationsmedium der im Fernhandel tätigen Kaufleute und Reeder. Nachdem die technischen Infrastrukturen geschaffen worden waren, ging es nicht zuletzt darum, neue Routinen und Rhythmen im Umgang mit dem Medium sowie Wege zu finden, eigene Geschäftsgeheimnisse zu schützen. Zu diesem Zweck wandten die Kaufleute in ihrer telegrafischen Geschäftskorrespondenz häufig eigene, speziell entwickelte Codes an, sodass die übermittelten Informationen, etwa sensible Preisinformationen oder Namen von Auftraggebern und Kunden, nicht ohne Weiteres von Dritten mitgelesen werden konnten. Durch Verkürzung der Wortlängen konnten zudem erhebliche Kosten gespart werden. Vgl. hierzu exemplarisch:
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 2
, S. 78f. - Zur generellen Bedeutung der Telegrafie für die wirtschaftliche Globalisierung:
Wenzlhuemer, Connecting the Nineteenth-Century World
.
Kabel; auch: Luftkabel, Seekabel, Telefonverbindung, Telegrafenverbindung, Telegraphenkabel, Telegraphenlinie, Telephonkabel, Untergrundkabel
Fracht [Frachtkosten]; auch: Frachtpreis, Frachtrate, Frachtspesen
TonnengeldDas bei Ankunft eines Frachtschiffes im Hafen zu entrichtende Tonnengeld wurde nach dem Tonnengehalt des betreffenden Schiffes festgelegt.
Tonne [Registertonne]; auch: Tons British RegisterDie „Registertonne“ diente zur Angabe der Größe von Schiffen, wobei zwischen Brutto- und Nettoregistertonne zur Angabe des gesamten bzw. des für Frachtgüter nutzbaren Schiffsraumes unterschieden wurde. Eine Registertonne entsprach dabei 100 Kubikfuß.
Tonnengehalt [nach Registertonne]Der Tonnengehalt eines Frachtschiffes, der in Bruttoregistertonnen gemessen wurde, bestimmte über die Höhe des bei der Ankunft in einem Hafen zu entrichtenden Tonnengeldes.
Auswanderung; auch: Emigration
Sklaven; auch: Sklavenhandel, Sklaverei
Amerikanischer Bürgerkrieg (1861–1865)Der Amerikanische Bürgerkrieg entbrannte im April 1861, nachdem die meisten Südstaaten in Reaktion auf die Wahl des gemäßigten Sklavereigegners Abraham Lincoln zum US-Präsidenten aus den Vereinigten Staaten von Amerika ausgetreten waren, weil sie mit der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung des Landes unzufrieden waren. Sie schlossen sich zur Konföderation der vereinigten Südstaaten zusammen, griffen im April 1861 Fort Sumters an, unterlagen im Juni 1865 aber endgültig den Truppen der verbliebenen Nordstaaten und wurden schließlich wieder in die Vereinigten Staaten von Amerika aufgenommen. Die Sklaverei wurde endgültig abgeschafft, außerdem gewann die industrielle Entwicklung der USA nach dem Ende des Bürgerkriegs an Gewicht. - Einen Überblick über die Hintergründe, den Verlauf und die Auswirkungen bietet:
Hochgeschwender, Der amerikanische Bürgerkrieg
.
Einwanderung; auch: Immigration
Kuli; auch: Coolie, Koolie, Kulie, Kuliehandel, Kulihandel, Lastenträger„Kuli“ war in China und anderen Ländern Ostasiens im 19. Jahrhundert die übliche Bezeichnung für einen ungelernter Hand- oder Hilfsarbeiter, der vor allem als Lastenträger beschäftigt wurde.
Arbeitsverhältnisse; auch: Arbeits- und Lebensbedingungen
Seeräuber; auch: Flußräuber, Piraten, Piratenwesen
Seemann, Seeleute; auch: sailor (englisch), Seefahrer
Dampfschifffahrt; auch: Dampferlinie, Dampfschifffahrtsgesellschaft
Vertreter, Vertretung; auch: agency (englisch), agent (englisch), Agent, Agentur, Alleinvertretung, Handelsagentur, representation (englisch), representative (englisch), Vertretungsgebiet, Vertretungsvertrag
Subvention, staatliche; auch: Bonification, Government support (englisch)Der Begriff Subvention bezeichnet eine staatliche finanzielle Unterstützung, beispielsweise für die Einrichtung von Dampfschifffahrtslinien oder zur Förderung des Exports bestimmter Waren.
Vercharterung s. auch Schiffsgeschäft
Der Begriff „Vercharterung“ umschreibt das gewerbliche Vermieten eines eigenen oder fremden Schiffes an Dritte.
Industrieunternehmen; auch: Industrieunternehmer, Industrieller
Erster Weltkrieg (1914–1918)
Angestellter; auch: Beamter (Privatbeamter), Employé
Waffen; auch: Beil, Büchse, Degen, Flinte, Gewehr, Kanone, Revolver, Säbel
Industrialisierung Japans
Erster Chinesisch-Japanischer Krieg (1894–1895)Hintergrund des Ersten Chinesisch-Japanischen Krieges waren schon länger bestehende Spannungen zwischen China und Japan um den jeweiligen Einfluss auf Korea. Seit 1875 formal eine eigenständige Monarchie, an deren Spitze König Gojongg (1852–1919) aus dem Hause der Joseon-Dynastie stand, unterhielt Korea traditionelle Tributbeziehungen zu China, die jedoch von Reformkräften im eigenen Land zunehmend kritisch gesehen wurden; diese suchten eine stärke Anbindung an Japan, das sich zu einem modernen Industriestaat zu wandeln begbegann. 1876 hatte Japan einen Handelsvertrag mit Korea erzwungen und das Nachbarland damit – ähnlich wie die Europäer zuvor China und Japan – zu einem Gegenstand der Machtpolitik ausländischer Staaten gemacht. Während König Gojong bei seinen Reformbemühungen den Empfehlungen des chinesischen Vizekönigs LI Hongzhang folgte, westliche Mächte in die Entwicklung Koreas einzubeziehen, um eine Annexion des Landes durch Japan zu unterbinden, wollte Japan unbedingt verhindern, durch die Schwäche Chinas auf die Dauer mit der Dominanz fremder Großmächte in Ostasien konfrontiert zu sein und war statt dessen bestrebt, selbst zur ostasiatischen Hegemonialmacht aufsteigen. Als König Gojong im Juni 1894 chinesische Truppen um Unterstützung bei der Niederschlagung des so genannten Donghak-Aufstandes im eigenen Lande bat, ohne die Japaner vorab zu informieren, wie er ihnen in einem Abkommen zugesichert hatte, nutzte Japan den Vorfall als willkommenen Anlass, nun ebenfalls Truppen nach Korea zu entsenden, von denen die ersten noch im Juni 1894 bei Seoul und Chemulpo landeten, den koreanischen Königspalast besetzten und König Gojong gefangen nahmen. Im Juli 1894 setzten sie eine neue pro-japanische koreanische Regierung ein, die jedoch von China nicht anerkannt wurde, zumal sie begann, Chinesen gewaltsam aus Korea zu vertreiben. Daraufhin erklärte Japan am 1. August 1894 China auch förmlich den Krieg, den die gut ausgerüstete japanische Armee in mehreren Schlachten, bei denen sie bis in die chinesische Mandschurei und auf die Halbinsel Liaodong vorstießen, gewann. China gab sich geschlagen und unterzeichnete am 17. April 1895 den Vertrag von Shimonoseki, durch den der Krieg beendet wurde. Das schmachvoll unterlegene China musste nicht nur die starke Präsenz Japans in Korea akzeptieren, sondern u. a. die Insel Taiwan an Japan abtreten und hohe Entschädigungszahlungen an die Sieger leisten. - Zur Geschichte Koreas und den chinesisch-koreanischen Beziehungen:
Seth, History of Korea
;
Larson, Tradition, Treaties and Trade
. Zu Vorgeschichte, Verlauf und Folgen des Ersten Chinesisch-Japanischen Krieges:
Lensen, Balance of Intrigue
;
Beasley, Japanese Imperialism
;
Wippich, Japan und die deutsche Fernostpolitik
;
Paine, Sino Japanese War
;
Paine, Japanese Empire
.
Vertrag von Shimonoseki (17. April 1895)Mit dem Vertrag von Shimonoseki vom 17. April 1895 konnte der Erste Chinesisch-Japanische Krieg (1894–1895) beeendet werden. Der Vertrag bekräftigte zwar Koreas formale Selbständigkeit, doch de facto unterlag es nun stärkerem japanischen Einfluss als jemals zuvor. Außerdem musste China die östliche Mandschurei einschließlich der Halbinsel Liaodong und die Insel Taiwan mit vorgelagerten kleineren Inseln an Japan abtreten. Japan konnte darüber hinaus die Öffnung von vier weiteren chinesischer Häfen durchsetzen, in denen es künftig auch industrielle Unternehmen gründen durfte. Überdies wurden China exorbitant hohe Entschädigungszahlungen in Höhe von 200 Millionen Taels auferlegt, die in Gold bezahlt werden sollten, das China nicht besaß, sondern einkaufen musste. Der dementsprechend hohe Finanzierungsbedarf führte dazu, dass China nun vermehrt Staatsanleihen auf den internationalen Kapitalmärkten aufnahm. Da das jedoch bei Weitem nicht ausreichte, um die verlangte Entschädigungssumme aufzubringen, sah sich China zu einem regelrechten Ausverkauf des eigenen Landes an ausländische Investoren gezwungen, die Konzessionen für Eisenbahnlinien, Bergbau- und andere Industriebetriebe erwerben wollten. Deutschland, Russland und Frankreich wiederum zwangen Japan unmittelbar nach dem Friedensschluss von Shimonoseki durch eine gemeinsame diplomatische Intervention unter Kriegsandrohung zur Rückgabe der Halbinsel Liaodong an China. Sie taten dies, um den Aufstieg Japans zu einer asiatischen Großmacht zu bremsen, verprellten damit aber sowohl Japan als auch China, das nicht nur weitere 30 Millionen Taels Entschädigung an Japan zahlen musste, sondern sich außerdem mit der Forderung nach gewissen politischen Gegenleistungen für die Intervention konfrontiert sah. Als diese Gegenleistungen nicht freiwillig gewährt wurden, entsandte beispielsweise das Deutsche Reich im November 1897 Kriegsschiffe, um die Bucht von Kiautschou zu besetzen und erzwang auf diese Weise im März 1898 den Abschluss eines Pachtvertrages für das gesamte Gebiet der Bucht sowie die beiden Halbinseln an deren Eingang auf 99 Jahre. In China wurde dieses Vorgehen als ein tiefer Bruch in der bisher nicht auf militärische Gewalt setzenden Politik Deutschlands gewertet. Vgl.
Japan. An Illustrated Encyclopedia
, S. 1373;
Lensen, Balance of Intrigue
;
Wippich, Japan und die deutsche Fernostpolitik
, S. 129–145.
Industrialisierung Chinas
Maschinen und Anlagen; auch: Apparat, Apperrat, machinery (englisch), Maschinenanlage
Regierungsaufträge, japanische
Färber, Färberei; auch: Färberbude, Färbereiprodukte
Farben; auch: Alizarinfarben, Anilinfarben, Benzofarben, dyes (englisch), Farbstoffe, Katigenfarben
Kopra; auch: Copra, CoprahUnter der Bezeichnung „Kopra“ wurden im 19. Jahrhundert große Mengen des in Südostasien und Ozeanien produzierten, getrockneten Kokosnussfleisches nach Europa verbracht, wobei zwischen den beiden Varianten „Sundried“ (in der Sonne getrocknet und von höherer Qualität) und „Kilndried“ (im Ofen getrocknet und von niedrigerer Qualität) unterschieden wurde. In Europa wurde Kopra vor allem zu Kokosnussöl verarbeitet. - Vgl. zu den Arbeits- und Lebensbedingungen in der Kopraerzeugung auf Samoa:
Droessler, Coconut Colonialism
.
Zinn; auch: Rohzinn, tin (englisch), tin business (englisch), Zinngeschäft, Zinnhandel, Zinnhandelsgesellschaft
Zinnmine; auch: tin mine (englisch), Zinnminengesellschaft
Wirtschaftspolitik, deutsche
Kautschukplantage; auch: Hevea, Hevea Anpflanzung, Kautschukbaum, Kautschukkultur, Kautschukpflanze, Rubber Cultur, rubber estate (englisch)
Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
Konsortium; auch: Consortium, great financial group (englisch), Syndikat
Grund und Boden; auch: Grundstück, Land
Reichskanzler des Deutschen Reichs
Kolonialpolitik, deutsche
Kolonialunternehmer, Kolonialunternehmen
Sägewerk; auch: Bandsäge, Gatter, Kreissäge, Säge, Sägeblätter, Sägegatter
Besetzung der Bucht von KiautschouMit der schon in den 1860er Jahren ins Auge gefassten und seit
1896 konkret vorbereiteten Besetzung der Bucht von Kiautschou im Nordosten Chinas im November 1897 durch das
Ostasiatische Geschwader der deutschen Marine erzwang das Deutsche Reich den Abschluss
eines Pachtvertrages für das Gebiet der Bucht nebst den beiden
Halbinseln an deren Eingang und dem vorgelagerten Küstengewässer, der am
6. März 1898 abgeschlossen wurde und für 99 Jahre gelten sollte.
Unmittelbarer Anlaß für die Besetzung war die Ermordung von zwei
Missionaren am 1. November 1897, die unter dem Schutz des Deutschen Reichs gestanden hatten. Das
Deutsche Reich wollte in
der erst noch zu errichtenden Stadt Qingdao auf der Halbinsel rechts des Eingangs zur Bucht einen
Flottenstützpunkt für die eigene Marine, zugleich einen modernen Hochseehafen und
ausgehend von Qingdao eine
regelrechte „Musterkolonie“ etablieren, die deutschen Handels- und
Wirtschaftsinteressen dienen, aber auch zur Entwicklung der benachbarten
Provinz Shandong und darüber
hinaus des nördlichen Chinas
beitragen sollte. Nach der Besetzung verblieb das „Pachtgebiet“ in der
Verwaltung des Reichsmarineamtes. Vgl.
Herold, Deutsche Kolonial- und
Wirtschaftspolitik in China
;
Stephenson, Germany‛s
Asia-Pacific Empire
, S. 17–30;
Herold,
Reichsgewalt
;
Leutner/Mühlhahn, „Musterkolonie
Kiautschou“
;
Mühlhahn, Herrschaft und
Widerstand
;
Lü, Die Rolle des Auswärtigen
Amts
.
Kapital; auch: Aktienkapital, Bankkapital, Capital, Einschuß, Gesellschaftskapital, Privat-Capital, Stamm-Capital, working capital (englisch)
Emission; auch: Begebung, EmissionsgeschäftDer finanztechnische Fachbegriff „Emission“ bezeichnet das Herausbringen und Platzieren von Wertpapieren bei bestimmten Investoren oder an der Börse.
Eisenbahnanleihe; auch: railway loan (englisch)Eine Eisenbahnanleihe dient der Finanzierung des Eisenbahnbaus.
Boxeraufstand (1900–1901); auch: BoxerkriegDer gewaltsame Kampf der chinesisch-nationalistischen Verbände der „Fäuste der Gerechtigkeit und der Harmonie“ (Yihetuan), deren Angehörige in traditionellen Kampftechniken ausgebildet waren und deshalb auch als „Boxer“ bezeichnet wurden, gegen christliche Missionare, zum Christentum übergetretene Chinesen und Ausländer in China, eskalierte im Sommer 1900 zu einem bewaffneten Konflikt Chinas mit den europäischen Großmächten, den USA und Japan. Die Belagerung des Botschaftsviertels in Peking durch die Boxer und die chinesische Armee rief eine Allianz von acht Nationen auf den Plan, die Truppenverbände nach China entsandten, um die Belagerten zu befreien. Die Boxer wiederum erhielten zunächst Unterstützung von der Qing-Regentin Cixi, die den ausländischen Invasionstruppen den Krieg erklärte. Doch die kaiserliche Armee wurde von den alliierten Invasionstruppen besiegt, der Boxeraufstand niedergeschlagen und die Belagerten befreit, wobei es zu wilden Plünderungen und wahllosen Hinrichtungen kam. Mit dem Boxerprotokoll vom 7. September 1901 wurde das Ende der Kämpfe besiegelt, die Stationierung ausländischer Truppen in Peking verfügt und China zudem zu hohen Entschädigungszahlungen an die acht Nationen verpflichtet. - Eine knappe und prägnante Darstellung des Boxeraufstands findet sich in:
Mühlhahn, Geschichte des modernen China
, S. 198–206.
Russisch-Japanischer Krieg (1904–1905)Der mit einem japanischen Angriff auf den Hafen von Port Arthur ausgelöste Russisch-Japanische Krieg von 1904–1905, dem langjährige Spannungen zwischen beiden Ländern wegen ihres umstrittenen Einflusses auf Korea und den Nordosten Chinas vorausgingen, brachte für das russische Zarenreich schwere Niederlagen mit sich, von denen die Landschlacht am chinesisch-koreanischen Grenzfluss Yalu im Frühjahr 1905 hervorzuheben ist, denn hier erzielten die japanischen Truppen einen ersten wichtigen Durchbruch in Richtung Westen. Im weiteren Kriegsverlauf drangen sie dann bis weit in die Mandschurei vor. Mit dem Vertrag von Portsmouth vom 5. September 1905 konnte der Russisch-Japanische Krieg, der als erster Sieg einer asiatischen Macht über eine europäische Großmacht in die Geschichte einging, beendet werden. Die autokratische Herrschaft des Zaren wurden durch diesen Krieg schwer erschüttert. Vgl.
Lensen, Balance of Intrigue
;
Nish, The Russo-Japanese War
;
Connaughton, Rising Sun and Tumbling Bear
;
Steinberg/Wolff, Russo-Japanese War
;
Sprotte/Seifert/Löwe, Der Russisch-Japanische Krieg
.
Deutsche; auch: Germans (englisch)
Gouverneur der britischen Kolonie Hongkong
Kriegsgefangener, Kriegsgefangenschaft
Geschäftsführer, Geschäftsführung
Beschlagnahmung; auch: Confiscation, Confiskation