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Nr. 2.2.1.1.04

Theodor August Behn, Teilhaber der Firma Behn, Meyer & Co., Singapur, an Ludwig Wagener, kaufmännischer Angestellter der Firma Gleichmann & Busse, Hamburg, betr. die eigene Geschäftseröffnung und Preise für Handelsgüter in Singapur, 12. Dezember 1840

Brief

Regest:

Theodor August Behn dankt seinem früheren Schulfreund Heinrich Wagener, der in Hamburg für die Firma Gleichmann & Busse tätig ist, für dessen Informationen über Preisentwicklungen, wahrscheinlich in Hamburg und Europa, und gibt selbst eine Übersicht über aktuelle Preise für Handelsgüter in Singapur, die teils erheblich von dem eskalierenden Konflikt zwischen China und Großbritannien im chinesischen Kanton beeinflusst sind. Zudem geht er auf die Geldknappheit in Batavia ein, die bereits zahlreiche Häuser in Bedrängnis gebracht und zum Bankrott geführt habe. Vgl. Dokument Nr. 2.1.2.06; Dokument Nr. 2.1.2.07. Er informiert Wagener über seinen Eindruck von einem bestimmten, aber nicht genannten Haus, an dem sich Wagener besonders interessiert gezeigt hatte. Behn nutzt für sein Schreiben einen Briefbogen, der das gedruckte Rundschreiben zur Eröffnung seiner gemeinsam mit Valentin Lorenz Meyer gegründeten Firma Behn, Meyer & Co. in Singapur am 1. November 1840 enthält, aus dem zahlreiche Referenzen zu Firmen in Europa und Ostasien hervorgehen.

Singapore 12 Dec. 1840

p Wm. Nicol.

Mein lieber Wagener. Ich habe vor einiger Zeit Deinen lieben Bf/ vom 16t Juny empfangen & nehme an den mir darin mitgetheilten traurigen Verlusten, die Dich betroffen, herzlichen Antheil, sowie ich Deine übrigen Nachrichten, wie es Dir selbst geht mit Interesse gelesen habe.

Meine Zeit ist augenblicklich, da außer dem Wm. Nicol., auch der Wm. Ludwig nach Bremen segelt & Meyer in Batavia ist, sehr in Anspruch genommen, ich kann deshalb nur mit wenigen Zeilen heute erwidern. Deine Berichte über den Markt sind uns sehr willkommen und bitte ich um deren Fortsetzg/ von Zeit zu Zeit. Ich will Dir dafür einige unserer Notirungen geben.

Banca Zinn verkaufte ich heute in einer von Batavia gekommenen Parthie à 17 3/4 $ p. Pic. Straits Zinn 16 3/4 - 17 $ werth. Die in Batavia angekündigte öffentliche Verkaufung des Gouvernements ist wie Du weißt wiederrufen, unsere Notirungen von dort sind 46 fl.

Sapan Holz Manila hier 1 3/8 $ zu haben p. Pic in Manila gewöhnl. à 1 $ oft 75 c.

Reis bester Siam 1 3/4 $ bester Java 1 1/2 $ p. Pic.

Tamarinden in schwarzer Waare 1 3/8 $ angeboten, gelbe kosten hier 2 - 2 1/2 $, die schwarze Farbe ist nur ein Zeichen des Alters.

Arrac verkaufte ich kürzlich à 16 $ p. 1/2 Legger von 80 Gallons, vor Ankunft der Engl. Flotte für China wurde hier 37 1/2 $ p. 1/2 L. bezahlt.1

Stuhlrohr gute Mittelwaare kaufte ich für den W. L. à 1 3/4 $, sehr schönes weisses dünnes Stuhlrohr würde 2 1/2 $ jetzt zu kaufen sein.

Schwarzer Pfeffer 5 $ 60 c für Sumatra, Singapore & Rhio, welche etwas stielig 5 1/4 $ 1/8 $ weisser 12–13 $

Gelbe Terra catechu 2 $ 60 c.

Preise von Zucker, welche für den Bombay Markt aufgekauft werden, sind zu hoch für Europa, Caffee wird von hier nie nach Hamburg rendiren, da die Engländer des Zolls wegen höhere Preise anlegen können.

Cassia ist zu 13 $ begeben.

Bei zeitiger Order kann man immer Chinesische Artikel hier zu billigen Preisen bereit haben, d. h. bei regulärem Verkehr mit Canton, was jetzt wie Du weißt blockirt ist.

Cours auf London 4/7 d. für 6/mt Sicht Wechsel nachgefragt.

Wir schreiben mit dieser Gelegenheit an Gleichmann & Busse & fordern sie zu einer kleinen Probesend. ihrer Lichte auf, sie sollten 5 St/ auf 1 $ gehen & wenn sie gefallen, kann leicht der Absatz davon bedeutend werden.

Ueber das Batavia Haus, wonach Du anfragst & mit dem wir selbst in Verbindung stehen, weiß ich nichts Nachtheiliges; im vorigen Jahr sind freilich mehre ihrer Wechsel für americanische Rechn. auf Rotterdam protestirt. Augenblickl. ist die Geldnoth in Batavia sehr groß & alle Häuser der Bank schuldig 4 Europäische Häuser haben bereits fallirt, worunter eins mit 900/m fl.

Doch ich muß schließen, lieber Wagner, lebe herzlich wohl & grüße alle etwaigen früheren Schulcollegen herzlich von mir.

Dein aufrichtiger

August Behn.

Eine Parthie gelbe Seife in Kisten von 15 Steigen 20 $ p. Kiste verkaufte ich 1 1/2 $. Seife rendirt, wenn sie 7 $ p. Picul verkauft werden kann.

Singapore, 1st November, 1840.


[Handschriftlich vom Autor ergänzt: Hr Wagener Esqr Hamburg]


[Handschriftlich vom Autor ergänzt: Dear Sir],


We beg to inform you, that we have this day established ourselves as a House of Agency in Singapore, under the Firm of BEHN, MEYER & Co., and solicit your attention to the undermentioned references.

We are [handschriftlich vom Autor ergänzt: dear Sir],

Your Most Obedient Servants,

AUGUST BEHN,

V. LORENZ MEYER.


Antwerp Messrs BROTHERS NOTTEBOHM. Hamburg Messrs J. H. Berenberg, Gossler & Co.
Batavia Messrs PAINE, STRICKER & Co. G. C. Lorenz Meyer, Esqre.
Bombay Messrs MACVICAR, BURN & Co. Messrs GORISSEN & LUTZE.
Bordeaux Messrs C. POEHLS & LOMER. London Messrs FREDERICK HUTH & Co.
Bremen Messrs WIDOW JOHN LANG’s SON & Co. Manchester JOHN MACVICAR, Esqre.
Calcutta Messrs CARR, TAGORE & Co. Manila Messrs BUTLER, SYKES & Co.
China Messrs RUSSELL & Co. Messrs RUSSElL & STURGIS.
Messrs AUGUSTINE HEARD & Co. Marseilles Messrs SIEVEKING & Co.
Messrs MACVICAR & Co.

Signature of [vom Autor handschriftlich ergänzt: A] BEHN. Handschriftliche Unterschrift: Behn, Meyer & Co.

Signature of V. L. MEYER. Handschriftliche Unterschrift Behn Meyer & Co.

Herrn Heinr. Wagener

addr. Herren Gleichmann & Busse

Hamburg.