„Was die Weltwirtschaft angeht, so ist sie verflochten“, so spottete Kurt Tucholsky 1931, auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise, über die akademische Nationalökonomie. Diese bediene sich zwar eleganter Begriffe, trage aber wenig zur Lösung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Landes bei. Tatsächlich hatte die Weltwirtschaftskrise in Deutschland aber deshalb so fatale Folgen, weil der internationale Handel und die wirtschaftlichen Verflechtungen sich in rasender Geschwindigkeit aufzulösen begannen.
Die deutsche Wirtschaft zeichnet sich traditionell und bis heute durch eine sehr hohe Integration in die Weltwirtschaft aus. Seinen Wohlstand verdankte das Land seit dem frühen 19 Jahrhundert in wachsendem Maße seinem Außenhandel und seiner weltwirtschaftlichen Verflechtung. Diese Verflechtung hat mehrere Ursachen: Zum einen ist hier die geographische Lage des Landes nennen, das von sehr alten Handelsstrassen durchzogen ist. Zum anderen zwang eine vergleichsweise beschränkte Rohstoffbasis die inländische Wirtschaft zum Handel. Und schließlich erhöhte die politische Zersplitterung Deutschlands die Notwendigkeit, auch dort handelspolitische Einigungen herbeizuführen, wo diese auf politische Gebiet nicht erreichbar waren. Die deutsche Geschichte kann also als eine von Fort- und Rückschritten der ökonomischen Integration geschrieben werden.
Das vorliegende Editionsprojekt der Historischen Kommission bei der BAdW liefert eine Auswahl an historischem Quellenmaterial, das diesen Prozess dokumentiert. Der Zeitraum erstreckt sich auf das 19. und 20. Jahrhundert, von den französischen Revolutionskriegen und der Kontinentalsperre bis zur jüngsten Deglobalisierungswelle. Zur Quellenauswahl wurde der Zeitraum in neun Themenfelder untergliedert („Bände“), die einer chronologischen Grundstruktur folgen, aber zugleich vor dem Hintergrund der jeweiligen Forschungslage und anderer Editionsangebote eine inhaltliche Schwerpunktsetzung vornehmen (Editionskonzept). In längeren Einleitungskapiteln zu den einzelnen „Bänden“ werden die Schwerpunktsetzungen genauer erläutert (Einleitungskapitel). Bei den Quellen handelt es sich überwiegend um weitgehend unbekannte Dokumente, die in aufwändigen Archivrecherchen identifiziert und durch ausführliche Kommentare auch für Leserinnen und Leser erschlossen wurden, die wenig Vorkenntnisse über den jeweiligen historischen Kontext mitbringen.
Das Projekt ist von einem Team bestehend aus Werner Plumpe, Friederike Sattler, Jan-Otmar Hesse und Roman Köster für die Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften konzipiert worden. In einer ersten Projektphase arbeiteten Friederike Sattler am Band 2 („Deutsche Kaufleute in Ostasien im langen 19. Jahrhundert“) und Roman Köster am Band 5 („Deutschland und die Weltwirtschaftsordnung nach dem ersten Weltkrieg (1919–1931)“) zwischen Oktober 2020 und März 2025. Seit Juli 2025 arbeitet Sebastian Knake am Band 6 ("Deutschland zwischen Autarkie und weltwirtschaftlicher Blockbildung (1931–1948)“)
Prof. Dr. Jan-Otmar Hesse, Bayreuth
Mitglied der Historischen Kommission
Herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften durch Jan-Otmar Hesse
Band 2: PD Dr. Friederike Sattler
Band 5: PD Dr. Roman Köster
Band 6: Dr. Sebastian Knake (in Bearbeitung)
Maximilian Schrott, M.A.
Matthias Reinert, M.A.
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Deutschlands weltwirtschaftliche Verflechtungen im 19. und 20. Jahrhundert, hrsg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften durch Jan-Otmar Hesse, München 2026. URL: https://dwwv-edition.de
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