|1. Blatt|
Eur. Magnificenz
habe ich die Ehre hiermit die Anzeige zu machen, daß das hamburger Schiff Louise & Maria, geführt durch Capitain Holmes, am 1t. Februar dieses Jahres bei Anjer an der Küste von Java gestrandet und bis auf einen Theil des Inventars und einiger Frachtgüter total geblieben ist.
Beigehend habe ich die Ehre, Eur. Magnificenz
1. die Seegröße des Schiffes, und
2. eine Copie der Verklarung,
wie sie vor mir von dem Capitain und der Mannschaft, abgelegt und|1. Blatt, Rückseite| beschworen ist, einzusenden.
In Ermangelung eines Bielbriefes habe ich auf dem Kaufbriefe den totalen Verlust dieses Schiffes bescheinigt.
Die ganze Mannschaft ist gerettet, und der größte Theil derselben sogleich auf hier liegenden Schiffen in Dienst getreten. Zwei Matrosen sind indessen erkrankt und habe ich für die Aufnahme derselben in das hiesige Hospital gesorgt. Da nach hiesigen Gesetzen die Mannschaft bis zum Tage der Verklarung auf Beköstigung Anspruch hat, so habe ich die Bezahlung der desfallsigen Rechnung auf den Wunsch des Capitains authorisirt.
Ich nehme mir die Freiheit dieser Mittheilung einige Bemerkungen über den Stand des hiesigen Handels hinzuzufügen.
Die Folgen des seit mehren Jahren von der niederländischen Regierung|2. Blatt, Vorderseite| eingeführten Monopolsystems werden immer drückender. Während die Produktion in Folge der thätigern Verwaltung sehr stark zunahm, und dadurch der Verbrauch von europäischen Manufactur- und Fabrikwaaren bedeutend stieg, wurde es dem Importeur immer schwieriger Retouren zu machen, da die Regierung keine Opfer scheute, dem Mutterlande die Produkte dieser Colonie direkt zuzuführen. Eine starke Geldausfuhr war das erste Uebel, das aus diesen Maaßregeln entsprang. Der Mangel an Silbergeld ward immer fühlbarer, und die natürliche Folge war, daß das Papiergeld der Java Bank, die ein Capital von zwei Millionen Gulden hatte, bald das einzige Verkehrsmittel wurde, zu gleicher Zeit erleichterte diese Bank um ihre Dividende zu vermehren, jede Speculation durch große, weit über ihre Mittel gehende Credite, die sie mit der größten Leichtigkeit jedem, der |2. Blatt, Rückseite| davon Gebrauch machen wollte, bewilligte. Wie sehr diese Credite die Kräfte der Bank überstiegen, läßt sich am besten daraus ersehen, daß während mehrer Jahre eine Dividende von 30 % auf das Capital von 2 Millionen Gulden bezahlt wurde, während der Zinsfuß nur 9 % war.
Anfänglich belebte diese Maaßregel den Handel aufs Neue, bis mehre große Häuser, die sich mit einem an Schwindelei grenzenden Leichtsinn in diesen Papierhandel eingelassen hatten, in Schwierigkeiten kamen und zu spät einsahen, daß sie weit über ihre Kräfte gearbeitet hatten.
Vor ungefähr zwei Jahren war endlich die Bank in Folge dieser Transactionen und der fortdauernden Geldausfuhr genöthigt ihre Baarzahlungen einzustellen und seitdem stieg Silbergeld bis zu 20 % Prämie gegen Bankpapier, das indessen, da es bis jetzt |3. Blatt, Vorderseite| in allen Bruderkassen für voll angenommen wird, noch seinen nominellen Werth behält.
Nachdem die Bank auf diese Weise die Bezahlung ihrer Schulden auf eine unbestimmte Zeit hinausgeschoben hatte, glaubte sie vorsichtiger werden und ihre Forderungen mit größerer Strenge eintreiben zu müssen. Sie wurde bei Ertheilung ihrer Credite schwieriger und verschiedene bedeutende Häuser mußten da ihnen fernerer Credit verweigert wurde, schon im vorigen Jahre fallen. Andere Häuser befinden sich jetzt in einer ähnlichen Lage und wenn die Bank die angefangenen Maaßregeln hätte ausführen wollen, so wäre in einigen Tagen eine Crisis eingetreten, wovon nur wenige Häuser, die sich von Anfang an von diesen Papiergeschäften freigehalten, ausgenommen sein würden.
Um Mittel gegen dieses fast |3. Blatt, Rückseite| allgemeinen Unglück zu ergreifen, wurde gestern eine Generalversammlung der Actionäre der Bank gehalten und darin auf den Antrag der hauptsächlich betheiligten Häuser, denen sich auch fast alle diesen Verhältnissen fernstehenden Häuser angeschlossen hatten, beschlossen, die bis jetzt ausgestellten Accepte, die sich in den Händen der Bank befänden, zu Buchschulden zu machen, um den Häusern, die von diesem Mittel Gebrauch machen müssen, Zeit zu geben, ihre Verpflichtungen erfüllen zu können. Wie zerrüttet die Geldverhältnisse der Häuser sind, deren Papier hauptsächlich das Vermögen der Bank ausmacht, beweist die Thatsache, daß vor dieser Versammlung Bankactien, von 500 fl. die Actie, auf den Fall, daß der eben erwähnte Beschluß nicht gefaßt würde, für 10 fl. die Actie verkauft worden sind.
Daß dies nur ein Palliativmittel|4. Blatt, Vorderseite| ist wird es überflüssig sein zu bemerken und es ist zu fürchten, daß in einiger Zeit diese Schwierigkeiten sich in einem höhern Grade erneuern werden.
Auf den Waarenhandel wird diese Maaßregel auch nur wenig Einfluß haben, da der Mißcredit dadurch nicht hinlänglich vermindert wird, um Verkäufe zu erleichtern.
Da in den letzten Monaten fast gar keine Verkäufe gemacht sind, so sind die Vorräthe aller Importationsartikel ungewöhnlich groß und die Preise derselben so niedrig, daß fast alle Waaren nur mit Verlust abzusetzen sind.
Die Cultur hat in dieser Colonie so schnell in den letzten Jahren zugenommen, daß jetzt schon ein Mangel an Arbeitern fühlbar wird. Die Transportmittel aus dem Innern nach der Küste sind so ungenügend, daß Schiffe, die |4. Blatt, Rückseite| von der Handelmaatschappij befrachtet sind, 5 bis 6 Monate liegen müssen, ehe sie ihre Ladung erhalten können.
In der Caffe-Aernte von 1840 rechnet man auf einem Ausfall von 25 000 Picul gegen die von 1839. Da man auf eine Vermehrung von ca. 10 000 Picul gerechnet hatte, so sind 350,000 Picul weniger als das erwartete Quantum geärntet. Die Produkte in Privathänden bleiben selten und theuer, da unter den jetzigen Verhältnissen, vorzüglich da keine Wechsel auf Europa zu bekommen sind, jeder Waare zu erhalten sucht.
Die Regierung hat von neuem das Ausfuhr-Monopol auch auf Banca Zinn ausgedehnt, das anstatt wie bisher hier in Auktion verkauft zu werden, von jetzt an durch die Factorei nach Holland gesandt werden wird.
Ich habe die Ehre mich mit|5. Blatt, Vorderseite| besonderer Hochachtung zu unterzeichnen
Eur. Magnificenz
ergebener
Camille Vidal
Batavia, d: 6t. März 1841.
An
Seine Magnificenz
den Herrn Syndicus
Sieveking
Eur., Eur:Eurer, Eure, Eures
d, d:den [in einer Datumsangabe]
SHWAStiftung Hanseatisches Wirtschaftsarchiv, Hamburg
SHWAStiftung Hanseatisches Wirtschaftsarchiv, HamburgS/562Consulatsberichte
T. E. Vidal & Co., BataviaAus dem von den beiden Brüdern Theodor Edmund Vidal und Camille Vidal 1828 etablierten Handelsstützpunkt Batavia der Kaufmannsreederei Roß, Vidal & Co. in Hamburg, ging bald darauf die eigenständige Firma T. E. Vidal & Co. hervor. Sie importierte in erster Linie Roheisen aus englischer und schwedischer Produktion nach Java, aber auch Glaswaren, Messer, Spielzeug und Tauwerk, außerdem Leder, Leisten und Seife aus deutscher Herstellung. Zucker, Reis und Gewürze bildeten die
Rückfracht nach Hamburg
. Als 1841 viele etablierte Handelshäuser in Batavia in eine finanzielle Krise gerieten, weil sie von der Javaschen Bank zuvor für den steigenden Import an europäischen Manufaktur- und Fabrikwaren in Ermangelung von Silbermünzen zu großzügig mit Krediten in Form von Papiergeld ausgestattet worden waren, standen T. E. Vidal & Co. relativ gut da. - Weitere Informationen zur Unternehmensgeschichte finden sich in: Ernst Hieke, Über die Anfänge des deutschen Handels mit Ostindien. Das hamburgische Handelshaus Ross, Vidal & Co. und die Vorgeschichte von Siemssen & Co., unveröffentlichtes Manuskript, in: Staatsarchiv Hamburg (StAH), 622-1/506, 27.
Nederlandsche Handel-Maatschappij, AmsterdamDie Nederlandsche Handel-Maatschappij mit Sitz in Amsterdam wurde 1824 gegründet, um nach dem Ende der Napoleonischen Kriege und der Klärung der territorialen Ansprüche Großbritanniens und der Niederlande in Ostasien den Handel zwischen den Niederlanden und Niederländisch-Indien neu zu beleben. Sie wurde von der niederländischen Regierung mit zahlreichen Handelsprivilegien ausgestattet, sodass sie quasi eine Monopolstellung erlangen konnte. 1826 eröffnete sie ein Büro in Batavia, seit 1858 war sie auch in Singapur vertreten, seit 1888 in Penang, seit 1889 in Hongkong und seit 1920 dann auch in Bombay und Kalkutta. Schon seit 1870 betätigte sie sich zunehmend auch im Bankgeschäft. Vgl.
Mansvelt, Nederlandsche Handel-Maatschappij
;
Jonker/Sluyterman, At Home on the World Markets
, passim;
Claver, Dutch Commerce
.
De Javasche Bank, BataviaDie 1828 gegründete Javasche Bank mit Sitz in Batavia war von erheblicher Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung Niederländisch-Indiens. Als zentrale Notenbank mit Geschäftsbankfunktion schuf sie die Voraussetzungen dafür, dass Handel und Gewerbe sich nicht länger wechselseitig Kredit einräumen mussten, was infolge der bestehenden Informationsdefizite mit erheblichen Ausfallrisiken verbunden gewesen war. Das Gründungskapital der Bank in Höhe von 1 Millionen fl. wurde zur Hälfte von der niederländischen Regierung, in Höhe von 150.000 fl. von der Nederlandschen Handel-Maatschappij, ansonsten von privaten Handelshäusern aufgebracht. Vgl.
De Bree, Javasche Bank
, Bd. 1, S. 174f., 200f., 205–208; 213f.
Mansvelt, Nederlandsche Handel-Maatschappij
, Bd. 1, S. 191f.;
Claver, Dutch Commerce
, S. 30–33.
Ueber die Reinheit des ostindischen Banca-Zinns, in: Archiv der Pharmacie, Bd. CXI (1850), 3, S. 311f.
Ueber die Reinheit
1850
Regierung der Niederlande
Verwaltung, niederländisch-indische; auch: niederländisch-indische Behörden
Batavia [Stadt auf der Insel Java]
Hamburg
Anjer [Ort auf der Insel Java]; auch: Angier, Anyer
Java [Insel in Niederländisch-Indien]
Großbritannien; auch: England, Great Britain, United Kingdom of Great Britain and Ireland, Vereinigtes Königreich Großbritannien und IrlandNach dem Zusammenschluss des 1707 gebildeten Königreichs Großbritannien mit dem nur noch formell selbständigen Irland im Jahr 1801 lautete die offizielle Staatsbezeichnung Großbritanniens bis 1927 Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland. Das Staatsgebiet umfasste auf den Britischen Inseln die vier Landesteile England, Wales, Schottland und Irland, hinzu kamen abhängige Territorien auf allen Kontinenten, deren größte Ausdehnung 1922 erreicht war. 1927, mit der Bildung des Irischen Freistaats, wurde die offizielle Staatsbezeichnung verändert zu Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland.
Niederlande; auch: Holland
Ostasien; auch: East Indies (englisch), Indien, Ostindien, „Osten“Der Begriff Ostasien wird in der vorliegenden Edition in einem ganz weiten Sinne verstanden als Klammer für diejenigen Weltregionen, die für deutsche Kaufleute im langen 19. Jahrhundert auf Segel- und Dampfschiffen durch Umrundung des Kaps der Guten Hoffnung an der Südspitze Südafrikas oder - seit 1869 - nach Durchfahren des Suezkanals über den Indischen Ozean oder durch Umrundung der Südspitze Südamerikas über den Pazifik erreichbar waren. In den historischen Quellen synonym verwendet werden die Begriffe Indien, Ostindien oder einfach „Osten“.
Niederländisch-Indien; auch: holländisch Indien (heute: Indonesien)Gestützt auf die Vereenigde Oostindische Compagnie gelang es den Niederländern um 1600, sich sowohl gegenüber den konkurrierenden Portugiesen als auch gegenüber den verschiedenen Inselkönigreichen auf Java, Sumatra, Borneo, Celebes, Neuguinea und zahlreichen anderen Inseln Südostasiens sich als Kolonialherren durchzusetzen. Ausgehend von der Insel Java bauten sie ihre Kolonie Niederländisch-Indien immer weiter aus und behaupteten sie im frühen 19. Jahrhundert trotz zeitweiliger Abtretungen auch gegenüber den Briten. Erst 1949, nach der japanischen Besatzung und einem mehrjährigen, erbittert geführten Unabhängigkeitskampf, erlangte Indonesien schließlich seine staatliche Souveränität. Vgl.
Schulze, Geschichte Indonesiens
.
Europa; auch: Europe (englisch)
Vidal, CamilleCamille VidalKaufmann, Konsul1809Camille Vidal, Sohn von Charles Louis Vidal (1758–1809) und Sophie Vidal, geb. Roß, gründete gemeinsam mit seinem älteren Bruder Theodor Edmund Vidal 1828 in Batavia die erste deutsche Handelsagentur in Niederländisch-Indien, aus der später die Firma T. E. Vidal & Co. hervorging. 1839 übernahm Camille Vidal von seinem nach Hamburg zurückkehrenden Bruder das Amt des Konsuls der Hansestadt Hamburg in Batavia. - Detaillierte biografische Informationen zu den Mitgliedern der Kaufmannsfamilie Vidal finden sich in: Ernst Hieke, Über die Anfänge des deutschen Handels mit Ostindien. Das hamburgische Handelshaus Ross, Vidal & Co. und die Vorgeschichte von Siemssen & Co., o. O. [Hamburg], o. D., unveröffentlichtes Manuskript, in: StAH, 622-1/506, 27.
Sieveking, Karl (seit 1810: Dr.)Karl SievekingJurist, Staatswissenschaftler, Diplomat111737399001.11.178730.06.1847Karl Sieveking stammte aus einer von Westfalen nach Hamburg eingewanderten Familie. Sein Vater war Kaufmann, er selbst studierte u. a. Rechts- und Staatswissenschaften in Heidelberg und Göttigen, wo er promoviert wurde und sich später auch habilitierte. 1819 zum Vertreter der Hansestädte Lübeck, Bremen und Hamburg in
St. Petersburg ernannt, wurde er 1820 zum Senatssyndikus der Hansestadt Hamburg berufen und widmete sich insbesondere der Pflege der auswärtigen Beziehungen. Er stieg zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten Hamburgs auf, auf politisch-diplomatischer Ebene wie im Bereich von Kunst und Kultur. Vgl.
Sillem, „Sieveking, Karl“
;
Sieveking, Der Hamburgische Syndikus Karl Sieveking
;
Sieveking, Karl Sieveking
;
Grolle, „Sieveking, Karl“
;
Emmerink, Hamburger Kolonisationspläne
;
Emmerink, Karl Sieveking
.
Konsul der Hansestadt Hamburg
Senatssyndikus der Hansestadt Hamburg
Teilhaber; auch: Ahsocié, Associé, Gesellschafter, Partner, Theilhaber, Theilnehmer
Manufakturwaren; auch: Manufacte, Manufaktur, Manufacturwaaren
Geldausfuhr; auch: Kapitalexport
Kredit; auch: Anleihen an dritte Personen, Ausleihung von Geldern, Blanco Credit, Credit, credit (englisch), Darlehen, Kreditgeschäft
Banknoten; auch: Bankpapier, Papiergeld
Spekulation, Spekulationsgeschäft; auch: Differenzgeschäft, Speculation
Handelskrise; auch: Handels Crisis
Kapitän; auch: Capitän, Capitain, captain (englisch), Kapitaen, Schiffscapitän
VerklarungDer Begriff „Verklarung“ bezeichnet in der Schifffahrt die eidesstattliche Erklärung des Kapitäns eines verunglückten oder beschädigten Schiffes und seiner Mannschaft über den Ablauf des Seeunfalls und den Umfang des dabei eingetretenen Schadens.
Schiffsmannschaft; auch: Equipage, Mannschaft
Bielbrief; auch: Beilbrief, Beylbrief, BylbriefDer Bielbrief ist ein offizielles Schiffspapier, dem Informationen über den Schiffbau sowie den Schiffskauf und gegebenenfalls die Schiffsbeleihung hervorgehen.
KaufbriefDer Kaufbrief ist ein offizielles Schiffspapier, aus dem Informationen über den Schiffskauf und gegebenenfalls die Schiffsbeleihung hervorgehen.
Kranker; auch: sick (englisch)
Krankenhaus; auch: Hospital
Versorgung; auch: Beköstigung, Kost, Kostgeld, Proviant, Provision
Zahlung; auch: Auszahlung, Barzahlung, Bezahlung, Disbursement, Einzahlung, Geldüberweisung. Giro Verkehr, payment (englisch), Rückzahlung, Vorausbezahlung, Zahlungsanweisung, Zahlungsausfall, Zahlungsbedingungen, Zahlungsbereitschaft, Zahlungsmethode, Zahlungsmodus, Zahlungsschwierigkeit, Zahlungsverkehr, Zahlungsverweigerung, Zahlungsverzögerung
Rechnung; auch: account (englisch), Factur, Factura, Faktur
Napoleonische KriegeNach der Französischen Revolution von 1789 kam es zu einer Serie von kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen der Frankreich und anderen europäischen Staaten, die wegen der mehrfach wechselnden Bündnisse auch Koalitionskriege genannt werden. Da sich die Revolutionskriege der Jahre 1792 bis 1802 (geführt von der ersten und zweiten Koalition der Mächte) mit den Napoleonischen Kriegen der Jahre 1800 bis 1815 (geführt von der zweiten bis siebten Koaltition der Mächte) überschnitten, sind die Begriffe Koalitionskriege und Napoleonische Kriege nicht synonym zu verwenden. Zu den Napoleonischen Kriegen, die zur französischen Besetzung weiter Teile Europas einschließlich der norddeutschen Hansestädte und Preußens führten und sich zudem in veränderten Machtverhältnissen in den europäischen Kolonien in anderen Weltregionen niederschlugen, zählen insbesondere der Russlandfeldzug von 1812 und die gegen die Napoleonische Herrschaft gerichteten Befreiungskriege der Jahre 1813 bis 1815. - Zum komplexen Kriegsgeschehen und seinen langfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen:
Rothenberg, Napoleonische Kriege
;
Pfister, Gewalt, institutionelle Schocks und Entwicklung
.
Geldknappheit; auch: Geldmangel, Mißcredit
Silbermünze; auch: Silbergeld
Kapital; auch: Aktienkapital, Bankkapital, Capital, Einschuß, Gesellschaftskapital, Privat-Capital, Stamm-Capital, working capital (englisch)
Gulden, niederländischer [Währungseinheit]; auch: fl., gld. Der niederländische Gulden, abgekürzt gld., wurde auch florin (französich) oder florijn (niederländisch) genannt, beides abgekürzt fl.
Geld; auch: Baares, Geldmittel, Kassa-System, money (englisch), Verkehrsmittel, Zahlungsmittel
Zins; auch: interest (englisch), Zinsentwicklung, Zinsfuß
Schulden; auch: Buchschulden, Debet
ForderungDer buchhalterische Fachbegriff „Forderung“ bezieht sich auf eine noch ausstehende Zahlung, in der Regel von eigenen Kunden, und ist das Gegenteil einer Verbindlichkeit.
Fallieren; auch: fallenDas Verb „fallieren“ bedeutet „in Konkurs gehen“.
Aktionär; auch: Actionär, Anteilseigner, Interessent, shareholder (englisch)
Tratte s. auch Wechsel
Der finanztechnische Fachbegriff „Tratte“ bezeichnet einen Wechsel, der vom Wechselaussteller (auch Trassant genannt) gezogen, also mit einer unbedingten Zahlungsanweisung auf einen bestimmten Bezogenen (auch Trassat genannt) versehen und in Umlauf gesetzt, von diesem Bezogenen aber noch nicht akzeptiert wurde. Erst mit seiner Unterschrift, dem so genannten Akzept, erkennt der Bezogene die Zahlungsverpflichtung verbindlich an, sodass der Wechsel von einer Tratte zu einem Akzeptwechsel mit einer bestimmten Laufzeit bis zur Zahlung wird. Mit Hilfe von Tratten können also so genannte Trassierungskredite gewährt werden, deren Laufzeit mit dem Akzept des Bezogenen beginnt. - Grundsätzlich von der Tratte zu unterscheiden ist der „Solawechsel“, mit dem der Aussteller selbst ein Zahlungsversprechen abgibt, entweder für einen bestimmten Termin oder bei Sicht.
Geldwirtschaft; auch: circulatie (niederländisch), Geldmarkt, Geldverhältnisse, Geldverkehr, Geldzirkulation
Aktien; auch: Actien, shares (englisch)
Importe nach Niederländisch-Indien
Preis; auch: Außenhandelspreis, Bruttopreis, Einkaufspreis, Facturapreis, Kaufpreis, Listpreis, Preisentwicklung, Preisverfall, price (englisch), Selbstkostenpreis, value (englisch), Verkaufspreis, Waarenwerth, Weerth, Wert, Werthbemessung
Verlust; auch: loss (englisch), Verlustbeteiligung
Plantage; auch: Cultur, Estates-Geschäft, Pflanzung, Plantagengeschäft, Plantagengesellschaft
Arbeiter, Arbeiterin; auch: Handarbeiter, Hilfsarbeiter, Vorarbeiter
Kaffee; auch: Caffe, Caffee, coffee (englisch), coffy (niederländisch), Liberia Kaffee
Picul [Gewichtseinheit]; auch: Pecul, Pekul, Pikkel, pikolIn China und anderen Ländern Ostasien war das „Picul“ im 19. Jahrhundert eine weit verbreitete Gewichtseinheit, die in etwa dem entsprach, was ein erwachsener Mann mittels einer Schulterstange und zwei daran befestigten Körben tragen konnte. Dabei bestand jedoch eine große regionale Variationsbreite, die sich zwischen 39 und 69 Kilogramm für ein Picul bewegte, das sich wiederum in 100 Catties aufteilen lies. In Hongkong versuchten die Briten 1844 eine Vereinheitlichung durchzusetzen: Ein Picul sollte genau 133 1/3 englischen Pfund entsprechen, was sich aber nicht durchsetzen ließ. Nach moderner Definition entspricht ein Picul exakt 60,478982 Kilogramm.
Wechsel; auch: bill (englisch), draft (englisch), Solawechsel, Tratte, WechselverkehrDer Wechsel ist ein Wertpapier, bei dem grundsätzlich zwischen einem Solawechsel und einer Tratte zu unterscheiden ist.
Exporte aus Niederländisch-Indien
Zinn; auch: Rohzinn, tin (englisch), tin business (englisch), Zinngeschäft, Zinnhandel, Zinnhandelsgesellschaft
Auktion; auch: Auction, auction (englisch), Auktionsverkauf
Faktorei; auch: Factorei, factory (englisch)
Syndikus; auch: Sindicus, SyndicusSchon seit der Frühen Neuzeit wurden in den Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck zunächst zeitweise, später dauerhaft Juristen mit Fachausbildung und oft auch Promotion mit dem Amt des „Syndikus“ betraut. Ihre Aufgaben lagen nicht nur in der Leitung von Kanzlei und Archiv sowie in der Rechtsberatung des Rats bzw. Senats der Stadt, sie vertraten diese auch bei Gericht und in Verhandlungen mit anderen Staaten; teils nahmen sie selbst richterliche Aufgaben wart. Mit der Einführung der Gewaltenteilung und entsprechenden Verfassungsreformen zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Aufgaben und Befugnisse der Syndici eingeschränkt. Vgl. exemplarisch:
Bruns, Lübecker Syndiker
.