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Nr. 2.2.1.1.06

Theodor August Behn, Teilhaber der Firma Behn, Meyer & Co., Singapur, an Georg Theodor Siemssen, kaufmännischer Angestellter der Firma T. E. Vidal & Co., Batavia, betr. die allgemeine Geschäftslage, 9. April 1842

Brief

Regest:

Der Kaufmann Theodor August Behn, der im November 1840 gemeinsam mit Valentin Lorenz Meyer die Firma Behn, Meyer & Co. in Singapur etabliert hatte, schreibt seinem Jugendfreund Georg Theodor Siemssen, der zu dieser Zeit für das Handelshaus T. E. Vidal & Co. in Batavia tätig ist, nach Möglichkeit regelmäßig, um Neuigkeiten aller Art zu berichten. Insbesondere informiert er ihn über Geschäftsgelegenheiten in Singapur, das sich zu einem wichtigen Umschlagplatz für den innerasiatischen Küstenhandel wie den internationalen Überseehandel entwickelt. Im vorliegenden Brief berichtet Behn von den Fortschritten beim Ausbau des eigenen Geschäfts und schildert ausführlich die unter mangelnder Nachfrage leidenden Umsatz- und Preisentwicklungen für Tee, Kampfer, Cassia lignea sowie verschiedene andere Gewürze. Er beklagt den Umstand, dass der Handel zwischen Deutschland und Asien noch immer in erster Linie über London abgewickelt werden muss. Außerdem verweist er auf die Zeitung „The Singapore Free Press“ als wichtiges Kommunikationsmedium für die Kaufleute in Singapur. Auch Neuigkeiten über finanzielle Schwierigkeiten von Geschäftspartnern in Deutschland nehmen einen hohen Stellenwert in seinem Bericht ein.

p Tartar

Singapore, 9. April 1842

Mein lieber Siemssen,

Ich finde endlich einen ruhigen Augenblick, um meinen lange gehegten Wunsch, Dir zu schreiben auszuführen, & mußt Du wirklich entschuldigen, daß mein letzter Brief so kurz & eilig abgefaßt war. Seitdem hat sich in Eurem Hause in Batavia Manches verändert & wird es mich sehr freuen, von Dir zu hören, daß alles dabei nach Deinen Wünschen gegangen oder selbst Deine Erwartungen noch übertroffen hat. So wie ich es verstehe, liquidierst Du das Geschäft von V. & Co. & fängt ja wohl mit dem Eintreten Metzendorff‘s sozusagen ein neues Geschäft unter der Firma von V. & Co. an, oder irre ich mich darin?

Hier ist noch Alles beim Alten sozusagen, ausgenommen, daß Meyer wieder hier ist & wir sehr gemüthlich doch still unsere Tage zubringen. Des Morgens stehen wir jetzt sehr früh auf, gewöhnl. ist es noch dunkel & machen einen Ritt. M. hat 2 Manila Ponies mitgebracht, wovon Frick einen gekauft hat. Unsere Last & Mühe, die wir mit unserem Comtoir & verschiedenen Lagerstätten an allen mögl. Ecken & Enden hatten, hat wohl jetzt ihren Gipfel erreicht; es ist aber auch ein Trost dabei, näml. daß es bald ein Ende hat. Unser neues Comtoir & 6 Godowns (3 untere & 3 obere) sind schon fast fertig & in einem Monat denken wir dort einzuziehen, daß ich mit wachsender Sehnsucht diesem Zeitpunkt entgegensehe, versichere ich Dir, es hat aber auch an Ärger & Verdruß beim Bau nichts gefehlt & wird auch noch mehr kommen.[Vom Autor am linken Rand quer zu den Zeilen ergänzt: Es existirt hier jetzt eine neue Art Sago 2 $ 50 p Pic., der groß & ganz gleichkörnig ist, die Körnung ungefähr so groß wie Perlgraupen.]

Ist aber die Geschichte erst einmal fertig, so werden wir unsere Bequemlichkeit nach der überstandenen Mühe um so besser zu würdigen wissen.

Im Handel sieht es schlecht aus, es herrscht eine allgemeine Unlust etwas zu kaufen, dabei sind die Berichte von Europa unter aller Kritik schlecht & der Unternehmungsgeist gelähmt. In Thee ist noch wenig umgegangen, es sollen noch 60.000 Kisten unverkauft in der Rhede liegen & was bis jetzt verkauft ist, ist zu 6 – 6 1/4 $ gemacht, ein nach den letzten Nachrichten von Europa hoher Preis. Camphor ist zieml. viel heruntergekommen, vielleicht im Ganzen 3000 Pic, wenigstens wohl nicht viel weniger. Es ist sehr schöne weisse Waare darunter & der Preis hat sich auf 30 – 32 $ fixirt, was sich nach England auf ca. 8 £ 10 s p Cent calculirt. Ich rechne, daß ungefähr 700 Pic bis 1000 Pic n/ Engl. Indien gehen, so werden noch reichl. 2000 für Europa bleiben, wovon vielleicht 800 direct nach dem Continent gehn. Es soll wenig nach China gegangen sein. Doch ist das Schlimme bei dem Artikel, daß alle Zufuhren fast auf einmal ankommen werden & somit Preise, welche gewiß mit den nächsten Mails noch sehr hoch gehn auf einmal einen Chock erhalten. Nach den letzten Berichten wurde in China für Batavia gekauft. Von Cassia ist nur eine Parthie hier, der Preis in China hielt sich hoch, er kam merkwürdig wenig herunter. Preis ist hier nominell 12 1/2 $, die Parthie, welche im Nautilus an Lagnus & Co. ging, verkauften wir hier 13 $. Der Vorrath in England ult. Dec war 2074 Kisten gegen 8806 gleichzeitig 1840.

Die Home Consumption war 1841: 1.367 Pckges der Export 20.521 ein zieml. gl. Verhältniß 1840: 1.145 Pckges der Export 13.260 welchen unbedeutenden Home & welchen beträchtl. Exporthandel hat England. Wie schade, daß Deutschl. nicht freier & unabhängiger dasteht, um unter die Schiffahrt auf vernünftige Weise beschützenden Gesetzen einen Theil dieses ihres rechtmäßig zukommenden Handels an sich zu ziehen. Einl/ Engl. PrCt. gewährt Dir vielleicht einiges Interesse. Ueber Cassiabuds & Sternanies erhielten wir mit der letzten Mail sehr brillante Abrechnungen [nachträglich ergänzt: v. London], welche auf erstes 100, auf letztes 70 % lassen. Es war unsere Parthie in dem ganzen Jahr die einzigen Importe in London, aber in der letzten Zeit hat man desto mehr hingeschickt. Ich wünsche, daß der Eurige nicht zu lange in Batavia aufgehalten werde, um noch von den schönen Preisen zu profitiren, hat die Hebe ihn genommen, so kommt er in guten Zeiten; denn die Esmeralda & Heloise hatten nichts! Beschädigung im Papier Schtrauss1 ist wieder hier & geht mit dieser Gelegenheit zurück. Das Speculiren nach Singapur wird ihm wohl so zieml. vergehn. Wir haben 800 Kisten Gin, die er durchaus verkaufen wollte, 2 $ weggegeben, & auch das nur noch mit Noth, seinen Arrack verkfte ich 17 1/2 $ p 80 Gallons. Seitdem sind ungefähr 10 Transporte für China angekommen & es soll 18 $ bezahlt sein; für seine Butter machte er 3 1/2 $.

Der Reis ex Tartar ist zu 86 $ p 40 Pic oder 2 1/7 $ ca. p Pic verkauft, der p Cherokin holte 90 $.

Unser Preis Ct. ist wie Du aus der Free Press sehn wirst, wieder belebt, & zwar zur allgemeinen Zufriedenheit, wie denn das ganze Management der Free Press in andere Hände übergegangen ist. Das Free Press PrCt. wird von einem nicht etablirten aber freien Herrn Kaufmann heraus gegeben. Jedes Haus trägt seine Bemerkungen & Veränderungen dazu bei, die in einen verschlossenen Kasten gesteckt werden.[Vom Autor am linken Rand quer zu den Zeilen ergänzt: Hast du Gelegenheit eine kl. Parthie beste Vanille Chocolade dort anzubringen & wozu p Paquet von 4 Tafeln. Sie ist die erste Unternehm/ m/ Bruders G. & möchte ich gern wenigstens verlustfrei verkaufen.]

Eure Glaswaaren verliere ich nicht aus dem Auge & Gedächtniß, Apcar & Stephens haben noch die ganze Pastete & Alles, was Janssen gebracht hat, ist ebenfalls noch unverkauft. Die Elizabeth ist n/ Bali, um eine Ladung Reis zu holen. – Von den Decanters hoffe ich Euch nächstens den Verkauf aufzugeben. In Hamburg sieht es auch höchst traurig aus, nach Santos y Monteiro, die ein höchst merkwürdiges Preclam erlassen, haben auch Dichseldorf Geldmäkler & Fischer & Köhler, Fedder Karsten Nachfolger fallirt, letzterer Credit soll lange schon schwach gewesen sein. Gorrissen schreibt, daß an Import dieses Jahr Millionen verloren wurde. Hoffentl. wird es bald so schlecht, daß es nicht mehr schlechter werden kann, & man einsieht, daß irgend Etwas geschehen muß, um dem Handel durch vernünftige Beschütz/ der Schiffahrt auf die Beine zu helfen. Man unterhandelt schon wegen einer eigenen Nationalflagge für die beiden Bremer Dampfboote nach Newyork. Bremen wird überhaupt wohl zuerst sich dem Zollverband anschließen. Die neue Börse ward in Hamburg eröffnet. Der Falcon ist ein von Calcutta und berichtete davon.

February Nachrichten der Free Press seien dort angekommen. Papier beschädigt durch das Erbrechen des Siegels Brief hat noch Niemand. Die Alma war mit der Janr Mail im Canal. Was hat V. mit seiner Nancy gemacht?2 Die ganze Deutsche Colonie auf Sophienhügel grüßt Dich herzlich wie auch

Dein

A. Behn.

An
Herrn Theodor Siemssen
addr Herren T. E. Vidal & Co.
Batavia


p Tartar