|1. Bogen, 1. Seite|
p
Tartar
Singapore, 9. April 1842
Mein lieber Siemssen,
Ich finde endlich einen ruhigen Augenblick, um meinen lange gehegten Wunsch, Dir
zu schreiben auszuführen, & mußt Du wirklich entschuldigen, daß mein letzter
Brief so kurz & eilig abgefaßt war. Seitdem hat sich in Eurem Hause in Batavia Manches verändert & wird es
mich sehr freuen, von Dir zu hören, daß alles dabei nach Deinen Wünschen
gegangen oder selbst Deine Erwartungen noch übertroffen hat. So wie ich es
verstehe, liquidierst Du das Geschäft von V. & Co. & fängt ja wohl mit dem Eintreten Metzendorff‘s sozusagen ein neues
Geschäft unter der Firma von V. &
Co. an, oder irre ich mich darin?
Hier ist noch Alles beim Alten sozusagen, ausgenommen, daß Meyer wieder hier ist & wir sehr
gemüthlich doch still unsere Tage zubringen. Des Morgens stehen wir jetzt sehr früh auf, gewöhnl. ist es noch dunkel & machen einen
Ritt. M. hat 2 Manila
Ponies mitgebracht, wovon Frick einen gekauft hat. Unsere Last
& Mühe, die wir mit unserem Comtoir & verschiedenen Lagerstätten an
allen mögl. Ecken & Enden
hatten, hat wohl jetzt ihren Gipfel erreicht; es ist aber auch ein Trost dabei,
näml. daß es bald ein Ende hat.
Unser neues Comtoir
& 6 Godowns (3 untere
& 3 obere) sind schon fast fertig & in einem Monat denken wir dort
einzuziehen, daß ich mit wachsender Sehnsucht diesem Zeitpunkt entgegensehe,
versichere ich Dir, es hat aber auch an Ärger & Verdruß beim Bau nichts
gefehlt & wird auch noch mehr kommen.[Vom Autor am linken Rand quer zu den Zeilen ergänzt: Es existirt hier
jetzt eine neue Art Sago 2
$ 50 p
Pic., der groß & ganz gleichkörnig
ist, die Körnung ungefähr so groß wie Perlgraupen.]
|1. Bogen, 2. Seite|
Ist aber die Geschichte erst einmal fertig, so werden wir unsere Bequemlichkeit nach der überstandenen Mühe um so besser zu würdigen wissen.
Im Handel sieht es schlecht aus, es herrscht eine allgemeine Unlust etwas zu
kaufen, dabei sind die Berichte von Europa unter aller Kritik schlecht & der Unternehmungsgeist
gelähmt. In Thee ist noch wenig
umgegangen, es sollen noch 60.000 Kisten unverkauft in der Rhede liegen & was bis jetzt verkauft
ist, ist zu 6 – 6 1/4 $ gemacht, ein nach den letzten Nachrichten von Europa hoher Preis. Camphor ist zieml. viel heruntergekommen, vielleicht im Ganzen 3000 Pic, wenigstens wohl nicht viel weniger. Es
ist sehr schöne weisse Waare darunter & der Preis hat sich auf 30 – 32 $ fixirt, was sich
nach England auf ca. 8 £
10 s
p
Cent calculirt. Ich rechne, daß
ungefähr 700 Pic bis 1000 Pic
n/
Engl. Indien gehen, so
werden noch reichl. 2000 für Europa bleiben, wovon vielleicht 800 direct
nach dem Continent gehn. Es
soll wenig nach China gegangen sein. Doch ist das
Schlimme bei dem Artikel, daß alle Zufuhren fast auf einmal ankommen werden
& somit Preise,
welche gewiß mit den nächsten Mails noch sehr hoch gehn auf einmal einen Chock
erhalten. Nach den letzten Berichten wurde in China
für Batavia gekauft. Von Cassia ist nur eine Parthie hier, der Preis in China hielt sich hoch, er kam merkwürdig wenig herunter. Preis ist hier
nominell 12 1/2 $,
die Parthie, welche im Nautilus an
Lagnus & Co. ging, verkauften
wir hier 13 $. Der
Vorrath in England
ult.
Dec war 2074 Kisten gegen 8806 gleichzeitig 1840.
Die Home Consumption war 1841:
1.367 Pckges der Export 20.521 ein
zieml.
gl. Verhältniß 1840: 1.145 Pckges der Export 13.260
welchen unbedeutenden Home
& welchen beträchtl. Exporthandel|1. Bogen, 3. Seite| hat England. Wie schade, daß Deutschl. nicht freier
& unabhängiger dasteht, um unter die Schiffahrt auf vernünftige Weise beschützenden
Gesetzen einen Theil dieses ihres rechtmäßig zukommenden Handels an sich zu ziehen. Einl/ Engl.
PrCt. gewährt Dir vielleicht einiges
Interesse. Ueber Cassiabuds & Sternanies erhielten wir mit der letzten Mail sehr brillante
Abrechnungen [nachträglich ergänzt: v.
London], welche auf erstes 100,
auf letztes 70 % lassen. Es war unsere Parthie in dem ganzen Jahr die einzigen
Importe in London, aber in der letzten Zeit hat man
desto mehr hingeschickt. Ich wünsche, daß der Eurige nicht zu lange in Batavia aufgehalten werde, um noch von
den schönen Preisen
zu profitiren, hat die Hebe ihn
genommen, so kommt er in guten Zeiten; denn die Esmeralda & Heloise hatten nichts! Beschädigung im
Papier Schtrauss ist wieder hier
& geht mit dieser Gelegenheit zurück. Das Speculiren nach Singapur wird ihm wohl so zieml. vergehn. Wir haben 800 Kisten Gin, die er durchaus verkaufen
wollte, 2 $
weggegeben, & auch das nur noch mit Noth, seinen Arrack
verkfte ich 17 1/2 $
p 80 Gallons. Seitdem sind ungefähr 10 Transporte für China angekommen & es soll 18 $ bezahlt sein; für seine Butter machte er 3 1/2 $.
Der Reis ex Tartar ist zu 86 $
p 40 Pic oder 2 1/7 $
ca.
p
Pic verkauft, der p
Cherokin holte 90 $.
Unser Preis Ct. ist wie Du aus der Free Press sehn
wirst, wieder belebt, & zwar zur allgemeinen Zufriedenheit, wie denn das
ganze Management der Free
Press in andere Hände übergegangen ist. Das Free Press
PrCt. wird von einem nicht etablirten
aber freien Herrn Kaufmann heraus gegeben. Jedes Haus trägt seine Bemerkungen
& Veränderungen dazu bei, die in einen verschlossenen Kasten gesteckt
werden.[Vom Autor am linken Rand quer zu den Zeilen ergänzt: Hast du
Gelegenheit eine kl. Parthie beste
Vanille
Chocolade dort anzubringen & wozu p Paquet von 4 Tafeln. Sie ist die erste Unternehm/
m/ Bruders G. & möchte ich gern
wenigstens verlustfrei verkaufen.]
|1. Bogen, 4. Seite, über dem zur Adressierung freigelassenen Mittelfeld|
Eure Glaswaaren verliere ich
nicht aus dem Auge & Gedächtniß, Apcar & Stephens haben noch die ganze Pastete & Alles, was Janssen gebracht hat, ist ebenfalls
noch unverkauft. Die Elizabeth ist
n/
Bali, um eine Ladung Reis zu holen. – Von den Decanters hoffe ich Euch
nächstens den Verkauf aufzugeben. In Hamburg sieht es auch höchst traurig aus, nach Santos y Monteiro, die ein höchst
merkwürdiges Preclam
erlassen, haben auch Dichseldorf Geldmäkler & Fischer & Köhler, Fedder Karsten Nachfolger fallirt, letzterer Credit soll lange schon
schwach gewesen sein. Gorrissen
schreibt, daß an Import dieses Jahr Millionen verloren wurde. Hoffentl. wird es bald so
schlecht, daß es nicht mehr schlechter werden kann, & man einsieht, daß
irgend Etwas geschehen muß, um dem Handel durch vernünftige Beschütz/ der Schiffahrt auf die Beine
zu helfen. Man unterhandelt schon wegen einer eigenen Nationalflagge für die beiden Bremer Dampfboote nach Newyork. Bremen wird überhaupt wohl zuerst sich dem Zollverband anschließen. Die neue Börse ward in Hamburg eröffnet. Der Falcon ist ein von Calcutta und berichtete davon.
|1. Bogen, 4. Seite, unter dem zur Adressierung freigelasenen Mittelfeld|
February Nachrichten der Free Press seien dort angekommen. Papier beschädigt durch
das Erbrechen des Siegels Brief hat noch Niemand. Die Alma war mit der Janr Mail im Canal. Was hat V. mit seiner Nancy gemacht? Die ganze Deutsche Colonie
auf Sophienhügel grüßt Dich herzlich
wie auch
Dein
A. Behn.
|1. Bogen, 4. Seite, im Mittelfeld, nach dem Zusammenfalten beschriftet|
An
Herrn Theodor Siemssen
addr Herren T. E. Vidal & Co.
Batavia
p
Tartar
p, p., pr.per (lateinisch)
gewöhnl.gewöhnlich
mögl.möglich; möglicher, mögliche, mögliches
näml.nämlich
zieml.ziemlich
ca, ca.circa (lateinisch)
n., n/nach
reichl.reichlich
ult, ult., ulto.ultimo (lateinisch)
Dec, Dec., Decb, Decbr, Decbr.December
gl.gleich, gleiches
Deutschl.Deutschland
einl., einl/einliegender, einliegende, einliegendes
Engl., engl.englisch
v.vom, von
verkfteverkaufte
kl.klein; kleiner, kleine, kleines
Unternehm/Unternehmung
m., m/meiner, mit
hoffentl.hoffentlich
Jan., Janr, Janr.Januar
addraddress (englisch)
BMABehn Meyer Archiv, Hamburg
BMABehn Meyer Archiv, HamburgBM&C, HHFirma Behn, Meyer & Co., Historische Handschriften
Behn, Meyer & Co. (seit 1906: Ltd.), SingapurDas 1840 von Theodor August Behn und Valentin Lorenz Meyer gegründete Handelshaus Behn, Meyer & Co. in Singapur entfaltete eine rege Geschäftstätigkeit, vor allem in Südostasien, geriet 1857 jedoch in eine schwere Krise, die vor allem dank Arnold Otto Meyer, eines jüngeren Bruders von Valentin Lorenz Meyer, der seit 1851 zu den Teilhabern zählte und außerdem kurz zuvor eine eigene Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg etabliert hatte, bewältigt werden konnte. In den 1880er und 1890er Jahren engagierte sich die Firma Behn, Meyer & Co. verstärkt im Schiffsgeschäft und übernahm die Vertretung namhafter Dampfschifffahrtsgesellschaften, darunter seit 1887 der Norddeutsche Lloyd in Bremen, seit 1890 die Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft in Hamburg und seit 1897 die Hamburg-Amerika-Linie in Hamburg. Treibende Kraft in diesem Geschäftsfeld war Franz Heinrich Witthoefft, der seit 1900 neben Eduard Lorenz Meyer und Adolf Laspe zu den drei Teilhabern zählte. 1891 wurde eine erste Niederlassung in Penang eröffnet, die sich dem Handel mit Zinn zuwandte. Im Jahr 1900 versuchte man auf den Philippinen Fuß zu fassen, 1901 wurde eine weitere Niederlassung in Sandakan (Britisch-Nordborneo) eröffnet, die zugleich als Agentur der Chartered Bank of India, Australia and China fungierte. 1906 wurde die Firma in eine britische Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt, die Behn, Meyer & Co. Ltd. mit Sitz in Singapur. Alleinige Aktionäre blieben die drei bisherigen Teilhaber, die sich künftig auf die Leitung der „Schaltzentrale“ Hamburg konzentrierten und sich in Singapur nicht länger auf Teilhaber, sondern auf angestellte Manager stützten. 1906 wurden zudem neue Niederlassungen in Cebu, Zamboanga und Ilo Ilo auf den Philippinen eröffnet sowie eine Beteiligung an der Singapore Rubber Company Ltd. in Singapur erworben, um am „Rubberboom“ partizipieren zu können. 1907 kam eine weitere Niederlassung in Bangkok (Siam) hinzu. Im Jahr darauf erfolgte die Übernahme der Handelsgesellschaft vorheen Helfferich & Rademacher mit Niederlassungen in Batavia, Surabaya, Telok Betong und Samarang in Niederländisch-Indien. 1913 gab es bei Behn, Meyer & Co. Ltd. mehr als einhundert europäische Angestellte. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam 1914 noch eine Niederlassung in Rangun (Britisch-Burma) hinzu. Vgl. ausführlich zur Unternehmensgeschichte, die aufgrund erhalten gebliebenen Überlieferungen eingehend untersucht werden kann:
Arnold Otto Meyer, Hamburg (Behn, Meyer & Co., Singapore, Penang, Manila und Sandokan)
;
Sieveking, Anfänge des Hauses Behn-Meyer & Co.
;
Sieveking, Behn-Meyer & Co.
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 1
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 2
;
Kleinsteuber, Merchants
;
Yacob, Trans-generational Renewal
;
Yacob, Rising of the Phoenix
;
Fiedler, Von Hamburg nach Singapur
.
T. E. Vidal & Co., BataviaAus dem von den beiden Brüdern Theodor Edmund Vidal und Camille Vidal 1828 etablierten Handelsstützpunkt Batavia der Kaufmannsreederei Roß, Vidal & Co. in Hamburg, ging bald darauf die eigenständige Firma T. E. Vidal & Co. hervor. Sie importierte in erster Linie Roheisen aus englischer und schwedischer Produktion nach Java, aber auch Glaswaren, Messer, Spielzeug und Tauwerk, außerdem Leder, Leisten und Seife aus deutscher Herstellung. Zucker, Reis und Gewürze bildeten die
Rückfracht nach Hamburg
. Als 1841 viele etablierte Handelshäuser in Batavia in eine finanzielle Krise gerieten, weil sie von der Javaschen Bank zuvor für den steigenden Import an europäischen Manufaktur- und Fabrikwaren in Ermangelung von Silbermünzen zu großzügig mit Krediten in Form von Papiergeld ausgestattet worden waren, standen T. E. Vidal & Co. relativ gut da. - Weitere Informationen zur Unternehmensgeschichte finden sich in: Ernst Hieke, Über die Anfänge des deutschen Handels mit Ostindien. Das hamburgische Handelshaus Ross, Vidal & Co. und die Vorgeschichte von Siemssen & Co., unveröffentlichtes Manuskript, in: Staatsarchiv Hamburg (StAH), 622-1/506, 27.
Lagnus & Co.
Apcar & Stephens, SingapurDas mit der traditionsreichen indisch-armenischen Firma Apcar & Co. in Britisch-Indien in Verbindung stehende Handelshaus Apcar & Stephens in Singapur veranstaltete regelmäßig öffentliche Auktionen von importierten Waren. Vgl.
Allen/Donnithorne, Western Enterprise
, S. 214.
Santos y Monteiro, AltonaInhaber des Handelshauses Santos y Monteiro in Altona waren zwei portugiesische Kaufleute, darunter Jozé Ribeira do Santos, die sich Mitte der 1820er Jahre im damals dänischen Altona bei Hamburg niedergelassen hatten und zunächst vor allem im Handel mit Brasilien tätig wurden, bevor sie ihre Geschäfte in der zweiten Hälfte der 1830er Jahre nach Westafrika ausdehnten. 1842 verlor das Handelshaus, konfrontiert mit dem - wie sich später herausstellte falschen - Vorwurf der britischen Regierung, der Bankenwelt und der Presse, dem Sklavenhandel Vorschub zu leisten, massiv an Vertrauen bei seinen Kunden und brach zusammen. Vgl.
Schramm, Deutschland und Übersee
, S. 193–196.
Dichseldorf Geldmakler, Hamburg
Fischer & Köhler, Hamburg
Fedder Karsten Nachfolger, HamburgDie in Hamburg ansässige Firma Fedder Karsten Nachfolger ging 1842 in Konkurs.
Deutscher Zollverein
Börse von Hamburg
Singapur, auch: Sincapore, Singapore
Batavia [Stadt auf der Insel Java]
Deutschland; auch: Deutsches Kaiserreich, Deutsches ReichBis zur Gründung des Deutschen Reichs im Jahr 1871 kann von Deutschland nicht im Sinne eines Nationalstaates gesprochen werden. Doch in den Quellen wird der Begriff Deutschland auch zuvor häufig verwendet, wenn es den Urhebern nicht um eine Differenzierung zwischen den verschiedenen deutschen Teilstaaten ging.
Asien
London
Manila
Europa; auch: Europe (englisch)
Britisch-Indien; auch: British India (englisch), Englisch-Indien, Englisch-Ostindien, Hinter-Indien, Indien, Vorder-IndienDie Bezeichnung Britisch-Indien bezog sich im 17., 18. und der ersten Hälftre des 19. Jahrhunderts auf die Besitzungen der East India Company (EIC). Mit deren Auflösung im Jahr 1858 wurde die Kronkolonie Britisch-Indien geschaffen, seit 1876 auch als „Kaiserreich Indien“ bezeichnet. Bei ihrer größten Ausdehnung umfasste Britisch-Indien die heutige Republik Indien sowie die Territorien der heutigen Staaten Myanmar (früher Britisch-Burma), Bangladesch, Bhutan, Nepal und Pakistan sowie diejenigen Teile der Region Kaschmir, die heute zur Volksrepublik China gehören. Nur die Hälfte der Landfläche und etwa zwei Drittel der Bevölkerung Britisch-Indiens standen jedoch unter direkter britischer Herrschaft, denn diese stützte sich auch auf zahlreiche einheimische Fürstendynastien (Maharadschas). - Einen Überblick über die Geschichte Britisch-Indien gewährt:
Stuchtey, Britisches Empire
.
Kontinentaleuropa; auch: Continent (englisch)
China; auch: chinesisches Kaiserreich, chinesisches Reich, chinesische Republik, Reich der Mitte
Großbritannien; auch: England, Great Britain, United Kingdom of Great Britain and Ireland, Vereinigtes Königreich Großbritannien und IrlandNach dem Zusammenschluss des 1707 gebildeten Königreichs Großbritannien mit dem nur noch formell selbständigen Irland im Jahr 1801 lautete die offizielle Staatsbezeichnung Großbritanniens bis 1927 Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland. Das Staatsgebiet umfasste auf den Britischen Inseln die vier Landesteile England, Wales, Schottland und Irland, hinzu kamen abhängige Territorien auf allen Kontinenten, deren größte Ausdehnung 1922 erreicht war. 1927, mit der Bildung des Irischen Freistaats, wurde die offizielle Staatsbezeichnung verändert zu Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland.
Bali [Insel in Niederländisch-Indien]
Hamburg
Bremen
New York; auch: Neuyork, Newyork
Kalkutta, auch: Calcutta
Ärmelkanal; auch: Canal (englisch)
Mount Sophia [Singapur]; auch: Sophienhügel
Behn, Theodor AugustTheodor August Behn (August Behn)Kaufmann, Konsul11610978523.12.181605.06.1886August Behn verlor noch als Kind beide Eltern und wuchs bei entfernten Verwandten in Harburg auf. Seine gesetzlichen Vormünder ermöglichten ihm den Besuch einer bei Hamburger Kaufleuten beliebten Privatschule in Hamburg, wo er von 1828 bis 1833 in Pension unterkam. Hier lernte er u. a. seinen späteren Geschäftspartner Valentin Lorenz Meyer kennen. Nach einer kaufmännischen Lehre bei der Firma Gorrissen & Lutze in Hamburg wechselte er als erster Commis zum Handelshaus Joh. Lange Sohn‛s Witwe & Co. in Bremen, das ihn Ende 1838 als Supercargo des Segelschiffs Heloise nach Ostasien entsandte. Gemeinsam mit Valentin Lorenz Meyer gründete er die Firma Behn, Meyer & Co. in Singapur, die sich zu einem bedeutenden Handelshaus entwickelte. Nach dem Ausscheiden Valentin Lorenz Meyers Ende 1849 führte August Behn die Firma gemeinsam mit Friedrich Albert Schreiber und Arnold Otto Meyer fort. 1852 entschloss er sich, nach Europa zurückzukehren und gründete noch im selben Jahr die Firma August Behn in Hamburg, die als Reederei tätig wurde und in den 1860er Jahren über zehn eigene Schiffe verfügte. 1856 schied August Behn als Teilhaber aus der Firma Behn, Meyer & Co. in Singapur aus, blieb aber mit ihren Teilhabern in enger Verbindung. August Behn war insgesamt dreimal verheiratet und Vater von 15 Kindern. Vgl.
Gossler, „Behn, Theodor August“
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 1
.
Siemssen, Georg TheodorGeorg Theodor SiemssenKaufmann, Konsul101991322315.03.181624.11.1886Georg Theodor Siemssen ging im Auftrag des Handelshauses Roß, Vidal & Co. in den 1830er Jahren auf Expeditionsfahrten nach Ostasien und wurde schließlich für deren Niederlassung in Batavia, die Firma T. E. Vidal & Co. tätig. Er stand im engen Austausch mit seinen früheren Schulfreunden Theodor August Behn und Valentin Lorenz Meyer, die sich 1840 mit der Firma Behn, Meyer & Co., in Singapur selbständig gemacht hatten. Er selbst konnte sich dazu erst 1846 entscheiden und ließ sich mit der Firma Siemssen & Co. in Kanton nieder. 1852 wurde er zum Konsul der Hansestadt Hamburg in Kanton berufen, 1855 bzw. 1856 übernahm er auch die Aufgaben eines Konsuls der Hansestädte Bremen und Lübeck. Das von ihm gegründete Unternehmen entwickelte sich zu einem der bedeutendsten deutschen Handelshäuser in China mit Verbindungen nach Südostasien, Europa und Amerika. Er selbst kehrte 1858 nach Hamburg zurück, konzentrierte sich mit der Firma G. T. Siemssen auf die Pflege der Geschäftsverbindungen in Europa und übernahm verschiedene Ehrenämter. Von 1862 bis 1873 gehörte er der Hamburgischen Bürgerschaft an. Vgl.
Möring, Siemssen & Co.
.
Meyer, Valentin LorenzValentin Lorenz MeyerKaufmann13233047423.10.181701.03.1901Gemeinsam mit seinem Jugendfreund Theodor August Behn gründete Valentin Lorenz Meyer im Herbst 1840 das Handelshaus Behn, Meyer & Co. in Singapur, schied jedoch infolge von Differenzen über den Handel mit Opium zum Jahresende 1849 als Teilhaber aus und ging zurück nach Hamburg, um sich anderen Geschäften zuzuwenden. Vgl.
Grolle, „Meyer, Valentin Lorenz“
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 1
, passim.
Metzendorff, Christian MartinChristian Martin MetzendorffKaufmannAnfang 1842 trat Christian Martin Metzendorff als Teilhaber in die Firma T. E. Vidal & Co. in Batavia ein, aus der später die Firma Metzendorff & Wilmans hervorging. Vgl. Ernst Hieke, Über die Anfänge des deutschen Handels mit Ostindien. Das hamburgische Handelshaus Ross, Vidal & Co. und die Vorgeschichte von Siemssen & Co., unveröffentlichtes Manuskript, in: Staatsarchiv Hamburg (StAH), 622-1/506, 27.
Nautilus
Esmeralda
Heloise
Cherokin
Elizabeth
Falcon
Alma
Teilhaber; auch: Ahsocié, Associé, Gesellschafter, Partner, Theilhaber, Theilnehmer
Angestellter; auch: Beamter (Privatbeamter), Employé
Kaufmann, Kaufleute; auch: Händler
Überseehandel; auch: Handel über See
Umsatz, Umsatzentwicklung
Preis; auch: Außenhandelspreis, Bruttopreis, Einkaufspreis, Facturapreis, Kaufpreis, Listpreis, Preisentwicklung, Preisverfall, price (englisch), Selbstkostenpreis, value (englisch), Verkaufspreis, Waarenwerth, Weerth, Wert, Werthbemessung
Tee; auch: tea (englisch), Teehandel, TheeTee und Teehandel sind wegen ihrer großen Bedeutung für die Export- wie die Importländer im 19. Jahrundert schon häufiger Gegenstand eingehender wirtschaftshistorischer Untersuchungen gewesen. Aus der jüngeren Forschungsliteratur seien nur zwei Studien hervorgehoben:
Rappaport, Thirst for Empire
;
LIU, Tea War
.
Kampfer; auch: Campher, CamphorDer aus den Bestandteilen des in Asien weit verbreiteten Kampferbaums gewonnene Kampfer, ein farbloses oder weißes Pulver, wurde im 19. Jahrhundert vor allem für medizinische Zwecke verwendet.
Cassia lignea (lateinisch); auch: Cassia, Cassia buds (englisch), Cassia fleurs (französisch), Cassia flores (lateinisch), Cassia-lignea, Flores Cassiae (lateinisch)Der chinesische Zimtbaum (Cinnamomum cassia) aus der Gattung der Lorbeergewächse wird vor allem wegen seiner Gewürzrinde (Cassia lignea), aber auch wegen seiner Blütenstände (Cassia flores) geschätzt. Beides kann als zimtartiges Gewürz oder zu medizinischen Zwecken verwendet werden, ist aber kein echter Zimt.
Presse; auch: Tageszeitung, Wochenzeitung, Zeitung
The Singapore Free Press & Mercantile AdvertiserDie Zeitung „The Singapore Free Press & Mercantile Advertiser“ erschien von 1835 bis 1869 in erster Serie, von 1884 bis 1918 in zweiter Serie und von 1946 bis 1962 in dritter Serie, wobei sie 1946 von „The Straits Times“ übernommen wurde. 1962 ging sie in „The Malay Mail“ auf. Gegründet wurde diese zweite englischsprachige Zeitung Singapurs - nach dem „The Singapore Chronicle“ - am 1. Oktober 1835 durch William Napier gemeinsam mit Edward Boustead, Walter Scott Lorrain und George Drumgoole Coleman. Da 1835 für Singapur der so genannte „Gagging Act“ aufgehoben wurde, unterlag die Zeitung keiner Zensur hinsichtlich kritischer Äußerungen über die East India Company sowie die britische Regierung und ihre Politik mehr. Herausgeber war zunächst William Napier (1835 bis 1846), gefolgt von Abraham Logan (1846 bis Ende der 1860er Jahre) und Jonas Daniel Vaughan (1869). Die Zeitung erschien anfangs wöchentlich und umfasste vier Seiten mit Artikeln, Werbeanzeigen sowie gebündelten Informationen über Handel und Schifffahrt (ein- und auslaufende Schiffe samt ihrer Ladung, Preislisten für Waren, Frachten und Versicherungen, allgemeine Marktberichte etc.). 1869 wurde das Erscheinen des Blattes vorübergehend eingestellt, da sich die 1845 gegründete „The Straits Times“ im Wettbewerb besser behauptete. 1884 unternahm Charles Burton Buckley als neuer Herausgeber jedoch einen erfolgreichen Versuch, „The Singapore Free Press“ wieder in Umlauf zu bringen; sie erschien seit Juli 1887 sogar täglich. Vgl.
Buckley, Anecdotal History
;
THULAJA, Singapore Free Press
.
Geschäftsraum; auch: Büro, Bureau, Comptoir, Comtoir
Godown„Godown“ war die in China und anderen Ländern Ost- und Südostasiens im 19. Jahrhundert übliche Bezeichnung für ein Lagerhaus oder einen Lagerraum, in dem Handelswaren aufbewart wurden.
Picul [Gewichtseinheit]; auch: Pecul, Pekul, Pikkel, pikolIn China und anderen Ländern Ostasien war das „Picul“ im 19. Jahrhundert eine weit verbreitete Gewichtseinheit, die in etwa dem entsprach, was ein erwachsener Mann mittels einer Schulterstange und zwei daran befestigten Körben tragen konnte. Dabei bestand jedoch eine große regionale Variationsbreite, die sich zwischen 39 und 69 Kilogramm für ein Picul bewegte, das sich wiederum in 100 Catties aufteilen lies. In Hongkong versuchten die Briten 1844 eine Vereinheitlichung durchzusetzen: Ein Picul sollte genau 133 1/3 englischen Pfund entsprechen, was sich aber nicht durchsetzen ließ. Nach moderner Definition entspricht ein Picul exakt 60,478982 Kilogramm.
Picul [Gewichtseinheit]; auch: Pecul, Pekul, Pikkel, pikolIn China und anderen Ländern Ostasien war das „Picul“ im 19. Jahrhundert eine weit verbreitete Gewichtseinheit, die in etwa dem entsprach, was ein erwachsener Mann mittels einer Schulterstange und zwei daran befestigten Körben tragen konnte. Dabei bestand jedoch eine große regionale Variationsbreite, die sich zwischen 39 und 69 Kilogramm für ein Picul bewegte, das sich wiederum in 100 Catties aufteilen lies. In Hongkong versuchten die Briten 1844 eine Vereinheitlichung durchzusetzen: Ein Picul sollte genau 133 1/3 englischen Pfund entsprechen, was sich aber nicht durchsetzen ließ. Nach moderner Definition entspricht ein Picul exakt 60,478982 Kilogramm.
Kiste [Raummaß]; auch: chest (englisch)Die Kiste ist ein vor allem im Teehandel übliches Raummaß, das im 19. Jahrhundert regional noch stark schwankte. Nicht nur unterschiedliche Kantenlängen, auch die schwankende Feuchtigkeit des Tees machen eine präzise Umrechung in standardisierte Gewichtseinheiten schwierig. In Hamburg wurde eine Kiste Tee in den 1840er Jahren üblicherweise mit 25 Kilogramm veranschlagt.
Pound Sterling [Währungseinheit]; auch: £, £ st., l., Pfund Englisch, Pfund SterlingDas britische Pound Sterling, üblicherweise abgekürzt mit dem Zeichen £, unterteilt sich in shilling, abgekürzt s oder sh, und pence, abgekürzt d (für „denarius“). Ein Pound Sterling entspricht dabei 20 shilling oder 240 pence (1 shilling = 12 pence).
Shilling [Währungseinheit]; auch: s, shDas britische Pound Sterling unterteilt sich in shilling, abgekürzt s oder sh, und 240 pence, abgekürzt d (für „denarius“). Ein Pound Sterling entspricht dabei 20 shilling oder 240 pence (1 shilling = 12 pence).
Importe nach Niederländisch-Indien
Konsum; auch: Consumption, Consumtion, Konsument, Verbrauch, Verbraucher
Exporte aus Großbritannien
Schifffahrt; auch: Schifffahrtsbranche, Schifffahrtsgesellschaft
Preisliste; auch: Preis-Courant
Importe nach Großbritannien
Arak; auch: Arrac, Arrack, Arrak
Gallone [Raummaß]; auch: gallon (englisch)Das Raummaß „Gallone“, das im Handel des 19. Jahrhunderts sowohl für Flüssigkeiten als auch für trockene Stoffe verwendet wurde, beruhte auf einem mittelalterlichen englischen Biermaß und entsprach nach dem britischen imperialen Maßsystem genau 4,54609 Litern destillierten Wassers.
Schokolade; auch: Chokoladen-Bonbons, Vanille Choloade, Vanilleschokolade
Glaswaren; auch: Glaswaaren, Hohlglas, Kronleuchter, Spiegel
DecanterAls „Decanter“ werden Gefäße bezeichnet, die zum Klären und Abgießen von Flüssigkeiten von ihrem Bodensatz genutzt werden können.
PreclamDer aus dem Latreinischen stammende
Begriff „Preclam“ steht für eine öffentliche Erklärung.
Fallieren; auch: fallenDas Verb „fallieren“ bedeutet „in Konkurs gehen“.
Kredit; auch: Anleihen an dritte Personen, Ausleihung von Geldern, Blanco Credit, Credit, credit (englisch), Darlehen, Kreditgeschäft
Flagge; auch: flag (englisch), Flaggenstock, Nationalflagge, SchiffsflaggeDie in der Regel aus Tuch bestehende Flagge eines Schiffes dient der Übertragung von Informationen auf weite Sicht. Dabei geht es zumeist um die Zugehörigkeit zu einer Reederei oder zu einem Staatswesen, in deren Schiffsregister das Schiff eingetragen ist; in letzterem Fall müssen weder die Eigner noch der Kapitän und die anderen Mitglieder der Schiffsmannschaft zwangsläufig ihren Sitz in dem betreffenden Staat haben. Die Nationalflaggen der Europäer wurden im 18. und 19. Jahrhundert in Ostasien auch vermehrt an Land gehisst, etwa vor den ausländischen Faktoreien im chinesischen Kanton oder auf Konsulatsgebäuden.
Dampfschiff; auch: Dampfbarkasse, Dampfboot, Dampfer, steamboat (englisch), steamer (englisch)