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Nr. 2.2.1.1.07

Valentin Lorenz Meyer, Teilhaber der Firma Behn, Meyer & Co., Singapur, an Georg Theodor Siemssen, kaufmännischer Angestellter der Firma T. E. Vidal & Co., Batavia, betr. den Einkauf von Cassia lignea minderer Qualität in China, die Zahlungsschwierigkeiten eines gemeinsamen Geschäftspartners, deutsche Neuankömmlinge in Singapur und Nachrichten von Theodor August Behn aus Kalkutta, 21. September 1843

Brief

Regest:

Valentin Lorenz Meyer, Teilhaber des Handelshauses Behn, Meyer & Co. in Singapur, legt seinem Freund Georg Theodor Siemssen in einem kurzen, unter Zeitdruck geschriebenen Brief dar, wie es zu dem von ihm getätigten Einkauf von Cassia lignea minderer Qualität für T. E. Vidal & Co. in Batavia kommen konnte und beteuert, in Unkenntnis, nicht in schlechter Absicht gehandelt zu haben. Er berichtet zudem von den offenkundigen Zahlungsschwierigkeiten des Handelshauses J. d‛Almeida & Sons in Singapur, von deutschen Neuankömmlingen in Singapur und aktuellen Nachrichten von dem auf der Heimreise nach Europa befindlichen Theodor August Behn aus Kalkutta.

Singapore 21 Sept 1843

Lieber Siemssen

Deinen lieben Brief p. Esmeralda & p. Sattelkurir1 habe ich richtig empfangen und danke Dir bestens dafür. Ich werde mit Vergnügen alle mögliche Auskunft über eine Reise nach China zu geben suchen.2 Im Geschäftsbriefe ist bereits der Cassiabuds erwähnt. Ich muß bekennen, daß ich den Artikel erst hier im Osten kennen gelernt habe, übrigens selbst in China die Waare nicht anders gesehen als die Euch gesandte. Hier erhielten wir vor einem Jahre eine Parthie, die wohl etwas stärker von Geruch war, jedoch von dem was hier jetzt ist, ist nichts besser. Hätte ich den großen Unterschied geahnt, den Ihr damit macht, ich hätte ja natürlich nicht gekauft, im Gegentheil meinte ich recht einen Vogel abgeschossen zu haben. Es ist jedoch geschehen und wird mir eine derbe Lehre sein. Wie ihr übrigens die mir schmeichelhafte Meinung haben konntet, ich hätte Euch den wie eine alte Parthie in die Schuh gießen wollen, begreife ich nicht. Ich hätte (selbst wenn ich mir nicht das Zeugniß geben könnte, daß dies nicht mein Princip) verselig andre mir selbst bedeutend vortheilhaftere Wege dafür nehmen können. Ich mag es im Geschäftsbriefe nicht so sagen aber Almeida, dessen Mark auch wenn ich nicht irre auf den Kisten ist, hatte sich in Bankgeschichten eingelassen & da dieser refüsirte ferneren Wechselreitereien Vorschub zu leisten und wegen der fälligen Posten drängte so war er fast außer sich. Es war ihm ganz unmöglich die Posten aufzubringen und er kam zu mir um Geld zu leihen. Da ich grade ziemlich viel Güter eingekauft hatte und kein Mensch in Platz dazumal der Veränderung in der Bank wegen mir bezahlen konnte,3 so war ich selbst ziemlich auf dem trockenen & machte ihm aber die im [nachträglich vom Autor ergänzt: Geschäfts-]Briefe besagte Offerte.4

Plumpes Pech in Batavia ist mir nicht unerwartet. Einliegenden Brief bitte ich Dich ihm zu geben. Ich habe hier noch einen [nachträglich vom Autor ergänzt: Kerl] der mit ausgekommen hier aber fest sitzt, d. h. nicht gut wegkommen kann, weil ihm das baare Geld fehlt, der arme Teufel ist schlimm dran. Der Passagier p. Esmeralda ist gleichfalls in einer fatalen Lage und noch schlimmer da er ein älterer Mann ist. Ich habe ihn noch nicht gesehen, da er sich glücklicher Weise a. Johnston & Co. adressirt hatte, xxx die er von Hamburg aus Briefen erhalten hatte. Er kann kein Wort englisch soll sich jedoch auf hochdeutsch sehr gut durchhelfen, besonders mit den Malaiern. Verzeih daß ich heute so kurz mich fasse, da ich den W. L. expedire. Ich muß Dir übrigens noch melden, daß ich gestern endlich Brief von Behn bis zum elften August aus Calcutta & von Kedgeree dem Carehaven von Calcutta habe.5 Denk Dir Behn kam nur 21 Stunden vor Ankunft Abgang des Hindostan Steamers an. Nur so wenig Stunden später und er hätte 3 Monate warten müssen. Termöhlen von Batavia ist auf derselben Gelegenheit gegangen, nachdem er 3 Monat lang sich in Calcutta gelangweilt hatte. Während der Regenzeit kann Land kommen, um nach Bombay zu gehen.

Am Hindostan Steamer sind die Passagire bei aller Pracht des Fahrzeugs doch schlechter aufgehoben als an irgend einer kleinen holländischen Smak. Die Hitze ist ganz unausstehlich und jede Nacht die Koje wie ein vollkommenes Bad im Schweiß. Ich höre daß er schon 6 Tage später aus Madras nach Calcutta geschrieben haben soll.

Mit meinen besten Grüßen von Allen Dein

aufrichtiger

V Lorenz Meyer


Herrn G. T. Siemssen

Batavia