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Nr. 2.2.1.2.05

Georg Theodor Siemssen, Angestellter der Firma T. E. Vidal & Co. in Batavia, aus Kanton, an die Firma Roß, Vidal & Co., Hamburg, betr. bereits getätigte und noch geplante Einkäufe in China, 13. Dezember 1844

Brief

Regest:

Georg Theodor Siemssen, Angestellter der Firma T. E. Vidal & Co. in Batavia, der sich noch in China aufhält, aber bereits seine Heimreise via Singapur nach Batavia plant, berichtet an die Firma Roß, Vidal & Co. in Hamburg, welche geschäftlichen Kontakte er in Macao geknüpft und welche Waren er dort sowie in Kanton für sie eingekauft hat. Nach dem Ende des Ersten Opiumkrieges, so legt er dar, habe sich der Handel wieder mehr nach Kanton verlagert. Siemssen hofft darauf, seine Einkäufe bis Anfang 1845 noch ergänzen zu können, insbesondere um Cassia lignea und Thee. Eine volle Frachtladung für den Christian VIII, das Schiff der Firma T. E. Vidal & Co. nach Europa zusammenstellen zu können, erscheint ihm jedoch aussichtslos, auch weil die mit fremder Fracht zu verdienenden Frachtraten zu niedrig sind. Für die Mitnahme der in China nicht verausgabten Carolus-Dollar nach Singapur, wo weitere Einkäufe getätigt werden sollen, bittet er Roß, Vidal & Co. eine Versicherung in Hamburg zu veranlassen. Nähere Informationen über den Markt für Importwaren aus Deutschland einzuziehen, hat sich - abgesehen von Gesprächen mit den beiden aus Leipzig entsandten Kaufleuten Richard von Carlowitz und Bernhard Harkort in Kanton - bisher als schwierig erwiesen.

p. Overlandmail via Singapore.

Canton d: 13t. Decbr. 1844.

Herren Ross, Vidal & Co.

Hamburg.


Seit dem 5t. ds. in Macao angekommen, benutze ich diese Gelegenheit, Ihnen über den hiesigen Markt und den bisherigen Erfolg meiner Bemühungen, eine Ladung für Sie zu kaufen, zu berichten.

In Macao wandte ich mich an das Haus Reynvaan & Co. welches freilich keines der bedeutendsten ist, aber vielleicht gerade deshalb besonders geeignet, um eine solche Versuchs-Unternehmung wie p. Christian VIII sorgfältig wahrzunehmen auch hoffe ich mit Hülfe desselben, welches mit mehreren holländischen Häusern in Geschäftsverbindung steht, besser mit dem Einfuhrhandel deutscher Fabrikate bekannt zu werden, als wenn ich mich an eines der größeren englischen oder americanischen Häuser gewandt hätte.

Von Macao hat sich in der letzten Zeit fast aller Handel weggezogen und in Canton concentrirt, so daß es nothwendig sein wird, das Schiff nach Whampoa kommen zu lassen, im Falle ich so viele Ladung einnehme, daß die Hafen- & Lootsgelder bis Whampoa weniger betragen als die sehr theure Leichterfracht nach Macao. Mit Capt. Bruhns mit dem sich xxx sehr gut reden läßt, hat bereits eingewilligt, unter ohne andere Vergütung als die additionellen Loots- & Hafengelder, welche für sein Schiff ca. $ 220, 250 betragen werden, den Fluß heraufzukommen, falls ich es wünsche. Da wir das Unglück hatten auf einer Klippe in der chinesischen See zu stoßen und das Schiff reparieren muß, weil es etwas Wasser zieht, so wird es wahrscheinlich nicht vor Anfang nächsten Jahres Ladung einnehmen können, was unter bei dem augenblicklichen Stande des Marktes keineswegs unangenehm ist. Von Cassia-lignea sind nämlich in diesem Jahre bis jetzt erst höchst unbedeutende Kleinigkeiten angekommen, obgleich in früheren Jahren um diese Zeit fast schon das ganze Quantum verschifft war. Die Ursache sollen Streitigkeiten mit den Mandarinen im Innern sein & da die Chinesen selbst nicht in 3, 4 Wochen zu liefern contractiren wollen, so ist es ganz gut, daß ich noch längere Zeit zu warten habe: Die Esmeralda welche morgen nach Macao & Singapore geht, hat hier 2 Monate nach Cassia gewartet, indessen nicht mehr als 250 Pic. bekommen, die letzten 50 Pic. à 13 $ a. B. wie ich höre. Sollte ich, wie ich hoffe im Janner Cassia lignea bekommen können, so werde ich jedenfalls viel billiger vielleicht 10 1/2, 11 $ a. B. kaufen können, da dann das ganze Quantum auf einmal ankommen wird und die Chinesen gegen das Neujahr hin, welches Anfang Februar ist, sehr willig zu verkaufen sind.

Von schwarzen Theeen ist im letz von dieser Aernte bereits ein Quantum von ca. 13 Mill. $ verschifft und die Preise, welche bisher sehr hoch waren, werden niedriger erwartet. Von grünen Theeen ist erst wenig an den Markt gekommen und 30 % höhere Preise als letztes Jahr werden willig bezahlt. Ich fürchte also darin nichts für Sie thun zu können, wenn nicht vielleicht die Septb. Mail welche täglich erwartet wird, die Käufer flauer stimmt oder die baaren Dollars, vorzüglich später wenn das neue Jahr näher rückt den Kauf einiger billiger chops erleichtern. Die vorigjährige Aernte ist reichlich gewesen und werde ich darauf bei dem Einkauf Rücksicht nehmen. Da ich seit gestern hier bin, habe ich noch nicht genau über Theepreise mich unterrichten können und werde morgen erst mit dem teataster Rücksprache nehmen. Die augenblicklichen Preise sowohl von schwarzem als grünem Thee müssen noch fallen, ehe ich für Sie kaufen kann.

Sternanies 9 1/2 $ a. B. ist zu theuer, China-Wurzeln à 3 $ & Galanga à 3 $, so wie Rhabarber à 40, 60 $. nach Qualität ist gleichfalls zu theuer, von diesen Artikeln werden Preise aber billiger erwartet.

Billig fand ich & kaufte 140 Pic. Camphor à 19 $ a. B. mit 2 % Decort für baare Zahlung. Dies steht unter ₤ 5, ca. 4 3/4 ₤ ein, und die Qualität ist gut. Der Preis von 15 $ welcher letztes Jahr in Singapore bezahlt wurde, ist nur etwas billiger, da die Kisten & sonstigen Kosten ca. 2, 2 1/2 $ betragen & vom Norden wird schwerlich ein ähnliches Quantum wieder nach S. gehen. Von hier soll nur wenig in den letzten Monaten verschifft sein.

Von cand. Ingber in sehr guter frischer Waare kaufte ich 200 K. à 3 $ 55 cs. a. B. mit 2 % Decort, welcher nur ca. 8, 8 1/2 s einsteht, so wie 10 Kisten à ca. 62 $ Zinnober à 50.90 $ = ca. 53 1/2 $ a. B. p Kiste. Zum Versuch nahm ich gleichfalls 10 Pic. Soya, viel dicker & nicht so salzig als die Japansche à 10 $ p Pic. a. B.

Darauf beschränken sich bis jetzt meine Einkäufe, ich hoffe aber in 3, 4 Wochen größere machen zu können.

Die Carolus Dollars werden, wenn es die richtige Sorte ist, da nicht alle Carolus gleich gut sind à 6, 8 % Prämie bedingen und obgleich sie mit Fracht & Zinsen ziemlich hoch einstehen, sind geben sie doch gegen Wechsel, da der Cours wieder auf 4/6 s. p $ gefallen ist und selbst billiger erwartet wird, keinen Verlust.

Frachten nach England sind ₤ 3.10 – 15 s, an eine Fracht für den Christian VIII für den Continent ist aber selbst zu dieser Rate nicht zu denken, und bietet sich für den Pilot, welcher gleichfalls hier ist & eine Fracht sucht, keine Gelegenheit dar.

In Ihrem Briefe vom 18t. Juni schreiben Sie vor, die Dollars, welche ich von hier mit nach Singapore nehme, hier zu versichern, und ich würde dies auch thun können. Aus dem obigen werden Sie aber sehen, daß ich Ihnen jetzt noch nicht auch nur annähernd sagen kann, wie viele Producte ich laden kann werde. Da Sie nicht vorschreiben, diese auch hier zu versichern, so bin ich so frei, von diesem Puncte abzuweichen & Sie zu ersuchen, die ganze Summe von ca. $ 18500.-. (mit Prämie für die Carolus $) entweder in Waaren oder Specie dort zu versichern. Bei der Schnelligkeit der Overland Communication ist es leicht möglich, daß die Nachricht eines etwaigen Unglücks ebenso schnell dort ankommt als meine Aufgabe für die Assecuranz der an Bord befindlichen Waaren, welche ich Ihnen, da ich für den Einkauf von Cassia & Theeen so lange als möglich werde warten müssen, nur kurz vor meiner Abreise würde geben können. Würde ich also die Dollars hier versichern & Sie auf meine Aufgabe der Ladung um dort zu versichern, warten, so könnte es sich leicht ereignen, daß die letzeren in einem Unglücksfalle ungedeckt wären, weshalb es gewiß vorzuziehen, daß Sie sowohl Dollars als Waaren nach Singapore & weiter versichern.

Ueber Importen bin ich noch nicht im Stande gewesen etwas mehr als allgemeine Berichte zu hören, ich werde keine Gelegenheit vorübergehen, darüber genaue Erkundigungen einzuziehen und hoffe, daß die längere Zeit, die ich mich hier aufhalten werden, mir dazu hinreichende Gelegenheit bieten wird, obgleich es nicht leicht, ohne Waaren zum Verkauf zu haben, genaue Assortimentsaufgaben zu erhalten. Deutsche Wollenwaaren sollen flau sein & vCarlowitz & Harkort „vCarlowitz & Harkort“ wurde nachträglich rot unterstrichen, welche noch hier sind, klagen, indessen haben sie die besten Sorten in Shanghai zu guten Preisen verkauft und was Sie jetzt noch haben, ist wol nur der refus, da sie schon in S. angefangen haben, immer das beste zu verkaufen.

Sowohl Macao als Hongkong sind jetzt nur Ports of Call und aller Handel [nachträglich von gleicher Hand ergänzt: ist] in Canton, wo die meisten Häuser ihre Etablissemente und in M. & H. nur Agenten haben. Die wenigen Häuser die noch in M. & H. sind, warten nur auf Häuser in Canton wo viele neue im Bau begriffen sind um hierher überzusiedeln.

Ich werde die nächste Gelegenheit benutzen, um Ihnen ausführlicher über den hiesigen Handel zu berichten und verbleibe ohne Mehres für heute mit besonderer Achtung

Ergebenst

G. T. Siemssen.