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Nr. 2.2.1.1.10

Georg Theodor Siemssen, kaufmännischer Angestellter der Firma T. E. Vidal & Co., Macao, an die Firma Roß, Vidal & Co., Hamburg, betr. den Ein- und Verkauf von Waren in China und Singapur, 13. Januar 1845

Brief

Regest:

Der bei dem Handelshaus T. E. Vidal & Co. in Batavia angestellte Kaufmann Georg Theodor Siemssen, der sich gerade in Macao aufhält, wendet sich mit diesem Schreiben an die Firma Roß, Vidal & Co. in Hamburg, um sie über die in ihrem Auftrag und in enger Absprache mit T. E. Vidal & Co. getätigten und noch geplanten Ein- und Verkäufe von Waren in Macao, Kanton und Singapur zu informieren. Er gibt Rechenschaft über seine bisherigen Ausgaben und geht dabei ausführlich auf die jeweiligen Einkaufs- und Einstandspreise für die einzelnen Waren ein, darunter Cassia lignea, Kampfer, Rhabarber und Tee. Ferner legt er dar, zu welchen Bedingungen er die nach China auf dem Schiff mitgebrachten Silbermünzen verkaufen bzw. eintauschen konnte. Aus zeitlichen Erwägungen bittet er seine Auftraggeber, die Versicherung von Geld, Waren und bereits abgeschlossenen neuen Kaufverträgen für seine bevorstehende Überfahrt von Macao über Kanton nach Singapur in Hamburg vorzunehmen.

p. Overlandmail

Macao d. 13t. Janr. 1845


Herren Roß, Vidal & Co.
Hamburg.

Am 13t. & 19t. v. Mts hatte ich das Vergnügen, Ihnen auf verschiedenen Wegen p. Overlandmail zu schreiben und benütze die heutige Gelegenheit für die März-Mail um Sie von dem bisher Vorgefallenen in Kenntniß zu setzen.

Der Christian VIII hat seine Reparatur beendet und ist am 9t. ds. zur Einnahme von Ladung fertig gewesen. Morgen werde ich auf dem Schiffe nach Whampoa gehen um dort laden zu können. Dies verursacht leider eine Mehrausgabe von ca. $ 240.-. aber so wie der Handel sich jetzt gestaltet hat, war es durchaus nothwendig. Die Fracht & Assecuranz des Geldes nach Canton und der bis jetzt gekauften Waaren von Canton nach Macao würde ca. $ 200 betragen. Wenn ich dazu noch 200 $ Fracht & Assec. für ca. 1000–1200 K. Cassia rechne, welche ich hierher zu bekommen hoffe, so ist es jedenfalls vortheilhafter, das Schiff hinaufgehen zu lassen. Aber selbst wenn ich keine Cassia bekomme, ist die etwas größere Ausgabe der Beschädigung vorzuziehen, welche die wie Sie wissen leicht verpackten chinesischen Waaren bei dem 2 bis 3 maligen Neuladen in kleinen Böten erleiden. Da ich mit dem Kauf der Cassia bei den jetzt weichenden Preisen so lange als möglich warten muß, so konnte ich auch nicht das Schiff so lange hier liegen lassen, bis ich gekauft hätte, da dieses einen ferneren Zeitverlust von 4–5 Tagen verursachen würde. Jetzt hoffe ich jedenfalls vor dem chinesischen Neujahr welches d. 7t. Febr. ist und für 8 Tage alle Geschäfte unterbricht, von hier nach Singapore gehen zu können. Von dem Survey, welches das Schiff jetzt nach seiner Reparatur wieder für seefähig erklärt, sende ich Ihnen einliegend eine Copie, welche ich indessen da dort es nicht nöthig ist, nicht beglaubigen ließ.1

Die Ihnen bereits gemeldeten Verkäufe bestanden in:

140 Pic. Camphor – 19 $

200 Kisten cand. Ingwer – 3.55} an Bord mit 2 % Decort.

10 Pic. Soya – 10 $} an Bord mit 2 % Decort.

10 Kisten – 1/2 Pic Zinnober – 50 $ 90 cs. p. Kiste

Die 140 Pic. Camphor, der Probe nach sehr schön, fielen so gemischt, daß ich sie refüsiren mußte, dagegen kaufte ich seitdem ca. 30 Pic. in Macao – 18 1/2 $ & hoffe noch 70 Pic. zu einem ähnlichen Preise zu bekommen. Dies steht ca. 9 1/2 s oder 4 1/2 Pfund nach London ein und scheint mir selbst bei bedeutenden Zufuhren nach Singapore ein billiger Preis.2 Von hier ist unbedeutend verschifft und der Vorrath von guter Waare ist sehr klein.

Von Rhabarber kaufte ich ca. 46 Pic. sehr schöne schwere Waare 2/3 runde & 1/3 flasche, fast ohne Wurmstich – 54 1/2 $ an Bord mit 2 % Decort, was ca. 25 1/2 s einsteht. Ich habe bis jetzt nur einige Probekisten gesehen, hoffe aber, daß die Parthie gut ausfällt, da ich sie sehr preiswürdig halte. Von alter wurmstichiger inwendig schwarzer Waare ist vieles hier [nachträglich ergänzt: in Canton] Preise von 30–40 $, von guter Waare habe ich nur diese Parthie gesehen.

Von Cassia kommt jetzt mehrs an & die Preise weichen allmählig. Würde ich noch 4 Wochen be mit dem Kaufen warten können, so bin ich überzeugt, gute, frische Waare unter 10 $ an Bord kaufen zu können; in der Zeit welche mir übrig bleibt hoffe ich jedenfalls zu 10 ½ $ anzukommen, welches ca. 6 1/4 s einsteht, aber selbst zu 11 $ würde ich 1200 Kisten kaufen. Dies steht 6 1/2 s ein & läßt bei der vortheilhaften Fracht p. 8 cwt. anstatt p. 50 Cfuß nach Ihren Notirungen noch einen hübschen Avanz. Wie vortheilhaft dieser Artikel zu Zeiten ist, können Sie daraus schließen, daß im Septb. & Octb. zu 9–9 1/4 $ an Bord ohne Vorausbezahlung contractirt ist, was nur 5 1/2 - 5/8 s einsteht. Obgleich die Septb. Mail welche vor einigen Tagen erst ankam, für Cassia fleurs lautet, glaube ich doch nicht, daß Preise niedriger gehen werden, da die letzte Aernte nicht reichlicher, eher geringer ausfallen wird und dieselbe so ungewöhnlich spät kommt, daß die Vorräthe in Europa sehr erschöpft sein müssen.

Die Theepreise sind noch immer namentlich von grünen Theen hoch. Ich habe die von Ihnen erhaltenen Proben taxiren lassen und finde, daß nur feine schwarze & ordinaire grüne Theen eine Marge lassen. Die Calculationen machte ich nach dem Durchschnittsgewichten der verschiedenen Sorten, aber ich gestehe, daß sich bei den verwickelten Theenverhältnissen und den sehr verschiedenen Gewichten keine genaue Calculationen machen konnte ließ. Auch zwischen den Preisnotirungen d/ Westphal & Kühn ist ein so bedeutender Unterschied, daß ich mich kaum darin zu finden weiß. Westphal & Co. schätzen je Pfund die Haysan-Probe auf 28–30 s.3 Dieselbe wird hier für feine Waare gehalten, wofür Kühn 40–44 s notirt, welches mit der hiesigen Taxe dieser Thees 65 Taels p. Pic. so ziemlich übereinstimmt und welches 46–47 s p Pfund einsteht. Um Sie nun über diesen Artikel möglichst au fait zu setzen, habe ich mich entschlossen ein kleines Assortiment von ca. 100 Kisten, möglichst genau nach Kühn’s Aufgabe der Qualität & Quantität der verschiedenen Sorten zu nehmen und hoffe ich daß im Ganzen kein Verlust dabei sein wird.

Von verschiedenen Sorten Stöcken habe ich 1600 St/ gekauft, welche zu den billigen Preisen von ca. 5 $ für black Bambus & ca. 12 $ p 100 für Partridge gute Rechnung geben werden wie ich hoffe.

Rad. Chinae in guter halbgeschälter frischer Waare ist nicht unter 3 $ zu kaufen, welches ca. 14 s einsteht.

Da ich hier schon so lange aufgehalten wurde & nicht auch in Singapore unnöthig lange bleiben will, lege ich heute einen Auftrag hin auf Sago & Gambier dessen Anschaffung gewöhnlich einige Zeit erfordert.4 300 Kisten Sago hoffe ich zu 2 $ 90. = 2 1/8 s und 300 Körbe Gambier - 1.60 = ca. 9 s zu erhalten. Dies läßt einigen Avanz und das Schiff, welches jedenfalls etwas schweres Gut haben muß kommt in Batavia zur ungünstigsten Zeit zum Einkauf von Producten an.5

Um Fracht nach Singapore zu erhalten ist wenig Aussicht vorhanden, dagegen hoffe ich den Raum, welchen ich nicht für Waaren, in Singapore einzunehmen, gebrauche, vortheilhaft mit Frachtgütern für Batavia anfüllen zu können.

Von den spanischen Thalern verkaufte ich die Carolus IIII old head zu 8 1/2 % mit den Cowcheens (d. h. solchen Säulenpiastern, welche in Guadalavara gemünzt sind) zu pari. Diese letzteren geben gewöhnlich 3 % Disconto und der bedungene Preis ist daher vortheilhaft. Leider befanden sich unter sämmtlichen 16000 $ nur 4706 Carolus IIII old head dagegen 1163 Cowcheens, so daß die ganze Prämie ca. 400 $ beträgt. Es ist sehr schwierig, die richtige Sorte in Europa auszufinden und ich werde Ihnen von denjenigen Sorten, worin hier der größte Unterschied gemacht wird, Proben senden. Dies ist auch für Batavia von vielem Nutzen. Ferdinandus & Carolus new head sind pari oder geben 1–1 1/2 % Prämie, Cowcheens geben dagegen in der Regel 3–4 % Disconto & nur Carolus IIII old head & einige Carolus III geben 8–9 % Prämie. Viele von den Carolus IIII waren auch in den Fäßern, welche angeblich nur Ferdinandus enthalten sollten. Beide Facturen werde ich getrennt halten & später Abrechnung geben. Auch die Waaren werde ich Ihrer Vorschrift gemäß in zwei Hälften theilen lass & verschieden marken lassen.6 Nur bei dem Thee wo die Kosten durch verschiedene Marken sehr vermehrt werden würden, wird es hinreichend sein, ein Mark zu nehmen & in der Factur verschiedene Antheile zu geben.

In allen Bereichen des Importhandels ist es augenblicklich des chines. Neujahrs wegen sehr stille und Verkäufe lassen sich nur schwer bewerkstelligen. Nach Neujahr wird aber jedenfalls ein lebhaftes Geschäft erwartet. Ich habe bereits manche Notizen über den Importhandel hier in Canton & in Shanghai, welches sehr bedeutend zu werden verspricht, gesammelt und werde mir das Vergnügen machen Ihnen später einen ausführlichen Bericht darüber zu geben. Von Wollen & baumwollen Geweben hoffe ich, nicht ohne Mühe, eine ziemlich vollständige Probensammlung zu erhalten.

Wenn mir der Kauf von Cassia gelingt, xxxxxx werde ich nur wenige Dollars mit nach Singapore nehmen. Ueber Assecuranz schrieb ich Ihnen bereits neulich & erlaube ich mir, der größeren Sicherheit wegen, dasselbe hier zu wiederholen: In Ihrem Briefe vom 18t. Juni schreiben Sie wo die Dollars, welche ich mit nach Singapore nehme, hier zu versichern welches ich auch würde thun können. Da Sie indeß nicht vorschreiben auch die Ladung hier zu versichern und Sie aus dem Obigen sehen, daß ich Ihnen jetzt noch nicht aufgeben kann, wie viel ich in Contracten & wie viel in Waaren nehmen werde, so erlaube ich mir Sie von der obigen Vorschrift abzuweichen und Sie zu ersuchen den ganzen Betrag von $ 17350.-. entweder Waaren oder Contracten dort zu versichern. Bei der Schnelligkeit der Landverbindung könnte es leicht möglich sein, daß die Nachricht eines etwaigen Unglücks ebenso schnell dort ankäme, als meine Aufgabe zur Assecuranz der an Bord befindlichen Waaren, welche also wenn Sie darauf die Aufgabe warten würden, ungedeckt wären.

Die an Bord befindlichen Dollars betrugen 17875 oder mit Prämie 18275 St/ dagegen brauche ich hier für Fracht von 10000 St/ $ 100.-. Hafengeld in Whampoa, [nachträglich ergänzt: $ 250] meine Ausgaben & die für das Schiff, so wie Passage nach Singapore ca. 600 $, so daß ich die obige Summe wieder in Geld oder Waaren von Canton mitnehmen werde.

Der größte Theil der September Mail ist noch immer nicht hier & man fürchtet den Verlust des Schiffes, welches dieselbe an Bord hat. Die Nachrichten, welche vor einigen Tagen über Calcutta hier ankamen, haben keine Veränderung im Markte verursacht.

Indem ich Ihnen noch zu dem angebrochenen neuen Jahr meine aufrichtigen Wünsche für Ihr Wohlsein & den besten Erfolg Ihrer Unternehmungen darbringe, verbleibe ich mit Hochachtung

Ihr Ergebener
G. T. Siemssen