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Nr. 2.2.1.2.06

Georg Theodor Siemssen, Angestellter der Firma T. E. Vidal & Co. in Batavia, aus Singapur, an die Firma Roß, Vidal & Co., Hamburg, betr. bereits getätigte und noch geplante Ein- und Verkäufe, 28. Februar / 2. März 1845

Brief

Regest:

Georg Theodor Siemssen, Angestellter der Firma T. E. Vidal & Co. in Batavia, der sich auf der Heimreise von China nach Batavia gerade in Singapur aufhält, berichtet an die Firma Roß, Vidal & Co. in Hamburg, welche Waren er in China und jetzt vor allem auch in Singapur für sie eingekauft hat und wie sich jeweils die reinen Einkaufspreise zu den Einstandspreisen, bei denen auch Fracht, Versicherung und Provisionen zu berücksichtigen sind, verhalten. Singapur als Umschlagplatz für Waren aus China, die für Europa bestimmt sind, scheint nach dem Ende des Ersten Opiumkrieges belebt.

p Zoe via Bombay

Singapore d. 28t. Febr. 1845.

Herren Ross, Vidal & Co.

Hamburg.

Bezugnehmend an meinen ergebenen Brief vom 21t. ds. wovon inliegend Duplicat, habe ich mich zum Empfange Ihrer werthen Briefe vom 3t. Septb. & 3t. Octb. zu bekennen, welche hier erst am 24t. ds. ankamen. Ich habe dieselben heute nach Batavia weiter befördert und dagegen gestern die Einlage von dort für Sie erhalten.

Von Camphor ist seit ich Ihnen zuletzt schrieb nichts weiter angekommen und für Kleinigkeiten ist bereits wieder 14 3/4 – 15 $ bezahlt. Nach Frankreich sind in den letzten Tagen ca. 300 Pic. gegangen, dagegen nach Madras ca. 1000 Pic. welche man als der [nachträglich von gleicher Hand ergänzt: europ.] Konsumption entzogen annehmen kann, da dort der Verbrauch von Camphor zum Einbalsamieren von Leichen in Folge der niedrigen Preise außerordentlich wächst. Ueberhaupt scheint der Verbrauch von Camphor in Europa allgemeiner zu sein, als gewöhnlich angenommen wird, da nun schon seit mehren Jahren die Befürchtungen für ein bedeutendes Fallen der Preise sich nie bei wirklicher Ankunft der Waare in demselben Maaße als vermuthet realisirt, selbst nach den vorigjährigen bedeutenden Zufuhren ist der Preis schnell wieder auf £ 6.5 s. gestiegen, nachdem der erste Schrecken vorüber war, & somit hoffe ich, daß auch der am Bord des Christian VIII befindliche Camphor nutzenbringend verkauft werden wird, obgleich nicht zum billigsten Preise eingekauft. Sollte ich während meiner Anwesenheit hier noch zu 12 – 13 $ kaufen können, was ich aber bezweifele, so werde ich noch 100 Pic. nehmen, um die ganze Parthie billiger zu stellen.

Hier habe ich seit meiner Ankunft noch gekauft & theils verladen, außer dem bereits erwähnten 300 Pic. Gambier à 1 $ 70 cs. & 200 Pic. Sago à 2 $ 90 für ca. 150 P. & 3 $ für 50 Pic. noch ferner ca. 150 P. Sago à 2 $ 95 cs. welcher ca. 2 1/8 s. einsteht. Dies läßt freilich nach Ihren letzten Berichten keinen Nutzen & selbst etwas Schaden, aber theils war es nothwendig dem Schiffe mehr schweres Gut zu geben, theils sind die Berichte von England mit der Decb. Mail bedeutend besser für diesen Artikel.

Von Perlmutterschaalen kaufte ich, gleichfalls weil es schwere Ladung ca. 100 Pic. à 11 $. Die Waare ist nicht allerbeste Waare, sondern hat theilweise gelbliche Ränder, dagegen steht sie auch nur 5 1/3 s. ein.

Von Stöcken /Malacca in solcher Waare wir sie im vergangenen Jahre viel von Batavia erhielten, kaufte ich 15000 Stück à ca. 13 $ p 1000 Stück, welches ca. 7 1/4 p p. 100 Stück einsteht & 4000 St. 30 – 32 in. lang in guter Waare à 65 $ p mille = ca. 24 p dort.

Pfeffer ist hier augenblicklich sehr billig und von sehr guter Singapore Waare, schwarz & ziemlich schwer & frei von Staub & Stempeln kaufte ich 300 Pic. à 4 $ 35 cs., welches viel billiger als 15 fl. von Batavia, nur ca. 2 5/8 s. einsteht.

Von Ebenholz in schöner Waare, welches im letzten Jahre sich gut in Hamburg verkauft haben soll, nahm ich 100 Pic. à 1 $ & von Sapanholz zum Stauen gleichfalls 100 Pic. à 1 $ 75 cs. so wie ca. 15 Pic. gute Büffelhörner à 5 $ und zum Versuch einige Pic Gum. Sanguis Dracon. Von Gum. Guttae & Benzoe ist leider nichts hier, obgleich ich mich vielfach danach umhörte.

Die obenangeführten Waaren werden einen Betrag bilden von höchstens $ 6000. – . welches ich Sie der Assecuranz wegen zu bemerken bitte, mit den in China geladenen Waaren zusammen, wird also der Werth der Ladung bei Abgang von hier ca. $ 20600. – . betragen, falls ich nicht noch Gelegenheit finde, andere Producte billig zu kaufen. Sternanies würde zu 8 $ zu kaufen sein, welches nur etwas über 4 3/4 s. einsteht. Die Waare ist gut, ich bot für 50 Kisten 7 3/4 $ bis jetzt indessen vergebens.

Von andern Producten ist wenig am Markt & nicht zu billigen Preisen. Von Cochin China kamen dieser Tage 3 Schiffe mit Zucker herein, die Proben habe ich noch nicht gesehen.

Da der Junkenhandel dieses Jahr wieder bedeutender als letztes Jahr ist, so ist auch im Importhandel mehr Leben & manche Manufacturen, namentlich Greyshirtings verkaufen sich sehr nutzenbringend. Grey Shirting, 72 reeds bedingen 3 $ 15 = 25 cs., geringen Longcloth. 36 Yrd, welche 2 $ 40 cs. einstehen, wurden zu 2 $ 65 cs. baar verkauft. Spanish Stripes 60 in. an den Leisten 1 1/4 $. Zink 8 $, Tauwerk 11 $. Blei ist nicht am Platze & augenblicklich für Camphorkisten so begehrt, daß 7 – 8 $ p Pic zu bedingen sein würden.


d: 2t. März 1845.

Die Zoe geht erst heute nach Bombay, da es indessen die einzige Gelegenheit für die Overlandmail via Bombay bisher war, so konnte ich obigen Brief nicht früher senden, obgleich es jetzt fraglich ist, ob er in Zeiten für die April Mail ankommt.

Von Camphor ist bisher noch nichts wieder angekommen. Der obenerwähnte Betrag der Ladung wird also höchst wahrscheinlich unverändert bleiben. Am 5t. dss. oder 6t. dss. werde ich wohl erst segeln können, da Capt. Bruhn mit dem Stauen der Ladung nicht eher fertig werden wird.

Gegen den Theil der Ladung, welcher nicht durch die mitgebrachten Dollars gedeckt wird, werde ich auf Sie zu ziehen so frei sein und ersuche vorkommend um Ihren gefälligen Schutz. Verkauft habe ich die Wechsel noch nicht.

Für den cochinchinesischen Zucker dessen ich oben erwähnte & der sehr gut fällt wird 5 1/2 $ gefordert, welches ca. 6 1/8 – 1/4 d. einsteht.

Ohne Veranlassung zu einem Mehren für heute verbleibe ich mit besonderer Achtung

Ihr ergebener

G. T. Siemssen.