|1. Blatt, Vorderseite|
Singapore 10 Sept 1845
Angelegen erlaube ich mir Ihnen Copie einer kürzlich zwischen mir und dem hiesigen
Gouvernement stattgehabten Correspondenz wegen der Zulassung eines hanseatischen
Schiff mit Kohlen
direct von Newport zu
behändigen mit der Bitte, selbiges einem hochweisen Senat in Bremen
gefl. vorzulegen. Es ist hiermit die
Frage, was das hiesige
Gouvernement betrifft, freilich entschieden, aber ob die Navigationsakte nicht
dagegen einschreiten kann, ist wohl die Frage & möchte es, da wir in unserem
Tractat mit
England nicht den Punkt der
meistbegünstigten
Nation haben, nicht gerathen sein, deshalb die nöthigen Schritte zu
thun.
Ich habe abschriftlich die Anfrage an das hiesige Gouvernement wie nebenstehend
gestellt, weil die Russen
nebst den Schweden & Oesterreichern in ihren
Tractaten mit England die Clausel der meistbegünstigten Nation haben nachträgliche
Einfügung: was den Verkehr mit den ostindischen Besitzungen
anbetrifft; dies ist die americanische, welche jede Brigg von England direct seit 1839 hier einführen
können. Den Russen stand es
von nun an hier frei & hätte man uns Schwierigkeiten gemacht, so hatte ich
mir vorgenommen auf einen Treasury Letter von October 1844 hinzuweisen, wonach hanseatische
Schiffe bei dem Export von|1. Blatt, Rückseite|
Kohlen nach nicht hanseatischen
Häfen auf Ansuchen des Herrn
Colquhoun auf denselben Fuß gestellt sind, wie russische, wenngleich
sich eigentlich dies wohl nur auf die Exportzölle bezieht.
Die übrigen fremden Consuln
haben zur Erbauung eines Permanent Hospitals jeder 100 $ unterschrieben & ich bin aufgefordert für Bremen & Hamburg auch dazu beizutragen, wozu ich mich zu
authorisiren bitte. 50 $ für
beide würde das Minimum sein.
Die hanseatischen Schiffe kommen ohne Konsuln an der Küste Chinas besser weg, als die Engländer, deren Consuln dem Schiffe gewöhnl. Aufenthalt verursachen.
Ich habe die Ehre mich Eurer Excellenz ganz gehorsamst zu empfehlen & zeichne mit bekannter Hochachtung
Ergebenst, T. August Behn, Consul für Bremen und Hamburg zu Singapore|1. Anlage, 1. Blatt, Vorderseite|
Abschrift des Briefwechsels zwischen Theodor August Behn und William John Butterworth vom 4. und 5. September 1845|1. Anlage, 1. Blatt, Rückseite, im Mittelfeld|
via Marseille
Seiner Excellenz
dem Herrn Syndicus J. Schmidt
Hochwohlgeboren
Bremen
Sep., Sept, Sept., Septb., Septr., Septbr, Septbr.September
gefl.geflissentlich
gewöhnl.gewöhnlich
StABStaatsarchiv Bremen
StABStaatsarchiv BremenC-2, 4.b.6.c.2.Verhältnisse der Hansestädte mit England, Hanseatische Konsuln und Agenten in den britischen Besitzungen in Asien, hier: Singapur (1843–1868)
Behn, Meyer & Co. (seit 1906: Ltd.), SingapurDas 1840 von Theodor August Behn und Valentin Lorenz Meyer gegründete Handelshaus Behn, Meyer & Co. in Singapur entfaltete eine rege Geschäftstätigkeit, vor allem in Südostasien, geriet 1857 jedoch in eine schwere Krise, die vor allem dank Arnold Otto Meyer, eines jüngeren Bruders von Valentin Lorenz Meyer, der seit 1851 zu den Teilhabern zählte und außerdem kurz zuvor eine eigene Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg etabliert hatte, bewältigt werden konnte. In den 1880er und 1890er Jahren engagierte sich die Firma Behn, Meyer & Co. verstärkt im Schiffsgeschäft und übernahm die Vertretung namhafter Dampfschifffahrtsgesellschaften, darunter seit 1887 der Norddeutsche Lloyd in Bremen, seit 1890 die Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft in Hamburg und seit 1897 die Hamburg-Amerika-Linie in Hamburg. Treibende Kraft in diesem Geschäftsfeld war Franz Heinrich Witthoefft, der seit 1900 neben Eduard Lorenz Meyer und Adolf Laspe zu den drei Teilhabern zählte. 1891 wurde eine erste Niederlassung in Penang eröffnet, die sich dem Handel mit Zinn zuwandte. Im Jahr 1900 versuchte man auf den Philippinen Fuß zu fassen, 1901 wurde eine weitere Niederlassung in Sandakan (Britisch-Nordborneo) eröffnet, die zugleich als Agentur der Chartered Bank of India, Australia and China fungierte. 1906 wurde die Firma in eine britische Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt, die Behn, Meyer & Co. Ltd. mit Sitz in Singapur. Alleinige Aktionäre blieben die drei bisherigen Teilhaber, die sich künftig auf die Leitung der „Schaltzentrale“ Hamburg konzentrierten und sich in Singapur nicht länger auf Teilhaber, sondern auf angestellte Manager stützten. 1906 wurden zudem neue Niederlassungen in Cebu, Zamboanga und Ilo Ilo auf den Philippinen eröffnet sowie eine Beteiligung an der Singapore Rubber Company Ltd. in Singapur erworben, um am „Rubberboom“ partizipieren zu können. 1907 kam eine weitere Niederlassung in Bangkok (Siam) hinzu. Im Jahr darauf erfolgte die Übernahme der Handelsgesellschaft vorheen Helfferich & Rademacher mit Niederlassungen in Batavia, Surabaya, Telok Betong und Samarang in Niederländisch-Indien. 1913 gab es bei Behn, Meyer & Co. Ltd. mehr als einhundert europäische Angestellte. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam 1914 noch eine Niederlassung in Rangun (Britisch-Burma) hinzu. Vgl. ausführlich zur Unternehmensgeschichte, die aufgrund erhalten gebliebenen Überlieferungen eingehend untersucht werden kann:
Arnold Otto Meyer, Hamburg (Behn, Meyer & Co., Singapore, Penang, Manila und Sandokan)
;
Sieveking, Anfänge des Hauses Behn-Meyer & Co.
;
Sieveking, Behn-Meyer & Co.
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 1
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 2
;
Kleinsteuber, Merchants
;
Yacob, Trans-generational Renewal
;
Yacob, Rising of the Phoenix
;
Fiedler, Von Hamburg nach Singapur
.
Krawehl
, Otto-Ernst: Hamburgs Schiffs- und Warenverkehr mit England und den englischen Kolonien 1814–1860, Köln 1977
Krawehl
, Hamburgs Schiffs- und Warenverkehr mit England
1977
Senat der Hansestadt Bremen
Gouvernement der Straits Settlements
Bremen
Hamburg
Singapur, auch: Sincapore, Singapore
Alexandria; auch: Alexandrien
Marseille; auch: Marseilles
Großbritannien; auch: England, Great Britain, United Kingdom of Great Britain and Ireland, Vereinigtes Königreich Großbritannien und IrlandNach dem Zusammenschluss des 1707 gebildeten Königreichs Großbritannien mit dem nur noch formell selbständigen Irland im Jahr 1801 lautete die offizielle Staatsbezeichnung Großbritanniens bis 1927 Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland. Das Staatsgebiet umfasste auf den Britischen Inseln die vier Landesteile England, Wales, Schottland und Irland, hinzu kamen abhängige Territorien auf allen Kontinenten, deren größte Ausdehnung 1922 erreicht war. 1927, mit der Bildung des Irischen Freistaats, wurde die offizielle Staatsbezeichnung verändert zu Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland.
Vereinigte Staaten von Amerika; auch: United States (US), United States of America (USA), Vereinigte Staaten von Nordamerika
Russland; auch: Russia (englisch), Rußland
Schweden
Österreich bzw. (seit 1867:) Österreich-Ungarn
Newport [Stadt in Großbritannien]
Lübeck; auch: Lubeck
Pearl‛s HillBerg, der schon 1845 im Stadtgebiet von Singapur lag.
China; auch: chinesisches Kaiserreich, chinesisches Reich, chinesische Republik, Reich der Mitte
Behn, Theodor AugustTheodor August Behn (August Behn)Kaufmann, Konsul11610978523.12.181605.06.1886August Behn verlor noch als Kind beide Eltern und wuchs bei entfernten Verwandten in Harburg auf. Seine gesetzlichen Vormünder ermöglichten ihm den Besuch einer bei Hamburger Kaufleuten beliebten Privatschule in Hamburg, wo er von 1828 bis 1833 in Pension unterkam. Hier lernte er u. a. seinen späteren Geschäftspartner Valentin Lorenz Meyer kennen. Nach einer kaufmännischen Lehre bei der Firma Gorrissen & Lutze in Hamburg wechselte er als erster Commis zum Handelshaus Joh. Lange Sohn‛s Witwe & Co. in Bremen, das ihn Ende 1838 als Supercargo des Segelschiffs Heloise nach Ostasien entsandte. Gemeinsam mit Valentin Lorenz Meyer gründete er die Firma Behn, Meyer & Co. in Singapur, die sich zu einem bedeutenden Handelshaus entwickelte. Nach dem Ausscheiden Valentin Lorenz Meyers Ende 1849 führte August Behn die Firma gemeinsam mit Friedrich Albert Schreiber und Arnold Otto Meyer fort. 1852 entschloss er sich, nach Europa zurückzukehren und gründete noch im selben Jahr die Firma August Behn in Hamburg, die als Reederei tätig wurde und in den 1860er Jahren über zehn eigene Schiffe verfügte. 1856 schied August Behn als Teilhaber aus der Firma Behn, Meyer & Co. in Singapur aus, blieb aber mit ihren Teilhabern in enger Verbindung. August Behn war insgesamt dreimal verheiratet und Vater von 15 Kindern. Vgl.
Gossler, „Behn, Theodor August“
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 1
.
Meyer, Valentin LorenzValentin Lorenz MeyerKaufmann13233047423.10.181701.03.1901Gemeinsam mit seinem Jugendfreund Theodor August Behn gründete Valentin Lorenz Meyer im Herbst 1840 das Handelshaus Behn, Meyer & Co. in Singapur, schied jedoch infolge von Differenzen über den Handel mit Opium zum Jahresende 1849 als Teilhaber aus und ging zurück nach Hamburg, um sich anderen Geschäften zuzuwenden. Vgl.
Grolle, „Meyer, Valentin Lorenz“
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 1
, passim.
Senatssyndikus der Hansestadt Bremen
Syndikus; auch: Sindicus, SyndicusSchon seit der Frühen Neuzeit wurden in den Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck zunächst zeitweise, später dauerhaft Juristen mit Fachausbildung und oft auch Promotion mit dem Amt des „Syndikus“ betraut. Ihre Aufgaben lagen nicht nur in der Leitung von Kanzlei und Archiv sowie in der Rechtsberatung des Rats bzw. Senats der Stadt, sie vertraten diese auch bei Gericht und in Verhandlungen mit anderen Staaten; teils nahmen sie selbst richterliche Aufgaben wart. Mit der Einführung der Gewaltenteilung und entsprechenden Verfassungsreformen zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Aufgaben und Befugnisse der Syndici eingeschränkt. Vgl. exemplarisch:
Bruns, Lübecker Syndiker
.
Kaufmann, Kaufleute; auch: Händler
Schiff, hanseatischesDer in der Korrespondenz deutscher Kaufleute im 19. Jahrhundert häufig genutzte Begriff „hanseatisches Schiff“ ist unpräzise, denn es gab keine gemeinsame „hanseatische Flagge“ unter der die aus den Hansestädten Hamburg, Bremen und Lübeck stammenden Schiffe hätten segeln können.
Kohlen; auch: Kohlenhandel
Schifffahrt; auch: Schifffahrtsbranche, Schifffahrtsgesellschaft
NavigationsakteDie englische Navigationsakte von 1651, derzufolge Importe nach England ausschließlich auf eigenen Schiffen erfolgen durften, um vor allem den Zwischenhandel der Niederlande und der norddeutschen Hansestädte zu beschränken, wurde seit dem späten 18. Jahrhundert sukzessive gelockert. So gestattete Großbritannien 1797 den Schiffen einiger befreundeter Nationen, darunter auch die Hansestadt Hamburg, die Häfen und Handelsstützpunkte in den britischen Kolonien anzulaufen. Auch die Schifffahrt zwischen den einzelnen britischen Kolonien wurde bald von Beschränkungen und Schutzzöllen befreit, nur für den Handel mit indischem Salz und Opium mussten ausländische Schiffe weiterhin Sonderzölle zahlen. Erst 1849 wurde die Navigationsakte schließlich ganz aufgehoben. Vgl.
Harper, English Navigation Laws
;
Krawehl, Hamburgs Schiffs- und Warenverkehr mit England
, S. 423–471;
Menzel, Ordnung der Welt
, S. 711f.
Handelsvertrag; auch: commercial treaty (englisch), convention of commerce (englisch), Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag, Handelsabkommen, Handels- und Schifffahrtsvertrag, Schifffahrtsvertrag, Tractat, Zollvertrag
Russen; auch: Russians (englisch)
Schweden; auch: Swedes (englisch)
Brigg; auch: BrigBrigg ist die Bezeichnung für ein Segelschiff mit zwei Masten.
Zoll; auch: costums dues (englisch), Differentialabgabe, duty (englisch), measurement duty (englisch), ship duty (englisch), Zollabgaben, Zolltarif
Krankenhaus; auch: Hospital
The Straits TimesDie „Straits Times“ ist eine seit 1831 in Singapur erscheinende englischsprachige Tageszeitung, die lange Zeit durch die beiden Wochenblätter „The Straits Times - Weekly Issue“ und „The Straits Budget“ ergänzt wurde und auch heute noch existiert. Sie ist inzwischen eine der am meisten gelesenenen Zeitungen Singapurs.
Konsul der Hansestadt Bremen
Konsul der Hansestadt Hamburg