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Nr. 2.2.1.2.10

Theodor August Behn, Konsul der Hansestadt Bremen in Singapur, an Johann Heinrich Wilhelm Smidt, Senatssyndikus der Hansestadt Bremen, betr. ein deutsches Konsulat in China, 3. November 1846

Konsulatsbericht

Regest:

Theodor August Behn, seit 1844 Konsul der Hansestädte Bremen und Hamburg in Singapur, nimmt in seinem Schreiben an Johann Heinrich Wilhelm Smidt, den Senatssyndikus der Hansestadt Bremen, Stellung zur Berufung eines deutschen Konsuls für China. Er dankt für die vorausgegangene Aufforderung Smidts, sich selbst um dieses Amt zu bemühen, lehnt das aber ab, zum einen weil das von ihm mitgegründete Handelshaus Behn, Meyer & Co. in Singapur inzwischen den Plan aufgegeben hat, eine eigene Niederlassung in China zu etablieren, zum anderen weil er gar keine dringende Notwendigkeit zur Berufung eines deutschen oder gar verschiedener deutscher, etwa preußischer, sächsischer und hanseatischer Konsuln in China sieht. Der Handel werde sich auch so weiter entfalten.

Singapore 3 Novbr 1846

Geehrter Herr Syndicus

Ihren sehr werthen Brief vom 18 July empfing ich am 5 Sept. & sage Ihnen meinen herzlichen Dank für Ihre gefälligen Mittheilungen. Angebogen Copie des Anerkennungsschreibens vom hiesigen Resident Councillor nebst seinem Danke für die dem hiesigen Seemannshospital bewilligten 25 $, welche ich demselben Ihrem Auftrage zufolge gezahlt habe, & wofür ich Sie bitte mich zu erkennen.

Sehr lieb war es mir zu sehen, daß man in Bremen Energie genug besitzt, um ein bestehendes Recht geltend zu machen & den Versuch machen will, eine directe Ladung Steinkohlen von einem Hafen Großbrittanniens unter Bremer Flagge hier zu importiren. Ich sehe nicht die geringste Schwierigkeit in der Zulassung einer solchen Ladung & werde mich mit der größten Thätigkeit für das Interesse Bremens dabei verwenden. Mehr als alle Unterhandlungen wird ein solcher Versuch den Beweis klar darstellen, daß unseren Flaggen diese Importation freisteht, wie es in dem gedruckten Artikel, wovon ich Ihnen einen Auszug zu senden mir erlaubte, unverholen ausgesprochen ist & sind sogar die Hansestädte einzeln nahmhaft gemacht, wozu also noch Unterhandlungen, die zu Nichts führen & wo wir England gegenüber doch immer nur als die Bittenden auftreten können? Neuerdings ist das schwedische Schiff Iris, Capt Sachstroem hier direct von Newport mit einer Ladung Kohlen angekommen.

Was das Consulat in China anbetrifft, so stehen wir, sowohl mein Associé Herr Meyer, wie auch ich selbst schon aus dem Grunde von demselben ab, weil wir die Idee eines Etablissements in China ganz aufgegeben, doch auch wenn dem nicht so, würde ich großes Bedenken tragen, eine solche Charge auf mich zu nehmen, obgleich ich die in Ihrem werthen Briefe ausgesprochenen freundlichen Ermunterungen zur Meldung für eine solche Stelle mit aufrichtigem Dank anerkenne. Wenn meine persönliche Ansicht irgend eine Berücksichtigung verdient, so möchte ich sagen: die Nothwendigkeit eines hanseatischen Consulats liege nicht vor. Der Handel mit China wird ebenso ungestört als bisher auch ohne Consul betrieben werden können. Schon vor Ansicht dieses werden Sie wahrscheinlich ein Schreiben aller augenblicklich in China anwesenden Deutschen erhalten haben, wenn es indes circulirt hat, mit dem Ersuchen um Anstellung eines deutschen Consuls.1 Soll derselbe dazu da sein, um die Deutschen & deren Eigenthum in China zu beschützen so muß er auf eine Macht im Fall der Gefahr rechnen können oder einmal insultirt, ohne Revange fordern oder nehmen zu können, – ist es um seine Autorität in den Augen der Chinesen geschehen. Nur das Bewußtsein (jetzt auf Erfahrung gegründet) daß ein Englisches, Americanisches oder Französisches Kriegsschiff in kurzer Zeit Genugthuung für etwaige Fehlgriffe fordern würde verleiht den Consuln dieser Nationen Geltung in den Augen der Chinesen, ein Consul ohne solchen Rückhalt würde eine traurige Rolle spielen. Die Chinesen sind ein eigenes Volk & müssen deshalb auf ihre Weise, nicht auf die unsrige genommen werden. Die Idee, daß der Handel mit uns eine Vergünstigung ihrerseits ist, sitzt zu fest bei Ihnen. Japan hat noch neulich den Franzosen & Amerikanern abschlägige Antworten ertheilt, China handelt mit uns nur, weil es diesen Verkehr nicht verhindern kann. Eine andere Frage ist, wer sollte den Consul ernennen? Preußen, Sachsen oder die Hansestädte, oder jeder einen besonderen? Letzteres würde die Chinesen ganz verwirren, ebenso wenn ein Amerikaner Consul für die Hansestädte würde. Sie haben zu wenig Kenntniß unserer Verhältnisse um einzusehen wie sich das verträgt. Ich glaube, daß diese nämlichen Ansichten den jungen McGregor der mit der letzten Mail nach Hause gegangen ist, veranlaßt haben, seine Bewerbung zurückzuziehen, doch mag ich mich damit irren. Auf eine Ausdehnung des Verkehrs von Bremen mit China ist nicht zu rechnen, wir können wenig daher die Consumption von Thee, deren Hauptexportartikel ist bei uns zu gering. Ich glaube daher, der richtigste Plan ist, man lasse die Sache wie jetzt fortbestehn, bis dringendere Veranlassungen, die jetzt nicht anliegt einen Consul n. China senden.


1. Bogen, 4. Seite, unter dem zur Adressierung freigelassenen Mittelfeld


Schließlich ersuche ich Sie, Ihren Herrn Vater noch nachträglich meinen ergebenen Glückwunsch zu seinem Amtsjubiläum zu bringen, wir haben in den Zeitungen die Details mit aufrichtigem Interesse verfolgt. Mit ganz besonderen Hochachtung zeichnet

ergebenst

Th. August Behn

Bremer Schiffsliste von 1847 nächsten Gelegenheit an Hamburg.

1. Bogen, 4. Seite, um 90 Grad nach links gedreht, im Mittelfeld, mit erhaltenem Siegel und drei Poststempeln


Herrn Syndicus J. Smidt

Bremen