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Nr. 2.2.3.03

Eduard Reimers, Konsul der Hansestadt Hamburg in Hongkong, an Carl Hermann Merck, Senatssyndikus der Hansestadt Hamburg, betr. den Schiffsverkehr und Handel in Hongkong, 10. Januar 1854

Konsulatsbericht

Regest:

Eduard Reimers, der 1846 zu den Mitbegründern der Firma Fischer & Co. in Kanton zählte, berichtet dem Senatssyndikus Carl Hermann Merck, dass er mit der alsbaldigen Bestätigung seines Exequaturs als Konsul der Hansestadt Hamburg in Hongkong rechne und übermittelt eine Liste der 1853 in Hongkong eingelaufenen Schiffe aus Hamburg. In seinem begleitenden Bericht hebt er hervor, dass diese Schiffe den Hafen Hongkong via Batavia und Singapur auch zum Proviantieren und als Umschlagplatz für den Handel mit China, den Philippinen, Kalifornien und Australien nutzten, ehe sie nach Europa zurückkehrten, teilweise also gleich mehrmals im Verlauf des Jahres in Hongkong ein- und ausliefen. Genaue Angaben über die zahlreichen dabei umgeschlagenen Waren zu machen, sei infolge des laxen Umgangs mit den vorgesehenen Formularen und dem verbreiteten Warenschmuggel etwa auf chinesischen Dschunken schwierig. Ferner weist Reimers auf die Bedeutung von Passagierfahrten hin, die zum einen nach Kalifornien, zum anderen nach Australien stattfinden. Für diese Fahrten seien Schiffe aus Hamburg wegen ihrer guten Beschaffenheit und des guten Betragens ihrer Mannschaften besonders beliebt.

Hongkong.

Abschrift


Ew. Magnificenz


Mich auf mein Ergebenes Letztes v. 8t. v. Mts. beziehend erlaube ich mir jetzt Ew. Magnificenz anzuzeigen, daß der üblichen Form gemäß das Königl. Englische Gouvernement beim hiesigen Gouverneur angefragt, ob irgend etwas wegen meiner Ernennung als Hamburger Consul hieselbst im Wege stehe, und daß mit der Mail v. 11. Decbr. eine zufriedenstellende Antwort von Sir George Bonham Bart dem Gouverneur für die Insel Hongkong an die Königl: Engl: Regierung gegangen und ich also Ende März dieses Jahres mein Exequatur gehörig confirmirt erhalten werde. –

Zu gleicher Zeit erlaube ich mir auch Ew. Magnificenz beiliegend eine Liste der angekommenen hamburger Schiffe während des Jahres 1853 zu schicken, mehrere von diesen Schiffen haben interimistischen Reisen nach Amoy, Shanghae, Singapore, Californien gemacht und haben diesen Platz in Folge mehrere Mal während des Jahres berührt. –

Was den Bestand der eingebrachten und mitgenommenen Ladungen dieser Schiffe anbetrifft so ist es unmöglich davon eine richtige und richtige und treue Beschreibung zu geben indem die Insel Hongkong ein Freihafen und obgleich den Capitainen und Agenten der Schiffe vom Hafenmeister ein Import- und Export-Manifest zum Einfüllen gegeben, so wird nicht mehr in diesen Documenten eingefüllt, wie es die Capitaine oder Agenten für nöthig halten ferner ist die Ausfuhr von Hongkong außer nach San Francisco wohin hauptsächlich Seidenwaaren, Reis, Zucker, hölzerne Häuser, Granitblöcke und Ziegel, sowie Mauersteine zum Bauen, Lebensmittel für die chinesische Bevölkerung in Californien, Manila Cigarren, etwas Thee und Caffe, wenig oder nicht der Mühe werth, die Hamburger Schiffe, wenn sie hier von Hamburg via Batavia oder Singapore ankommen, löschen und solche Artikel hier, welche zum Schiffsbedarf nothwendig, wie zum Beispiel Tauwerk, Salz, Fleisch, Brandwein, Cordials, so wie verschiedene Artikel zum Luxus der Europaer und Chinesen einige Ballen Wollenzeuge, wollene Decken &c. ein großen Theil von den Letzteren, wird aber wieder nach dem Norden von China oder anderen Gegenden verschifft. – Nachdem das Schiff seine Löschung hier beendet welches von 10 Tagen bis 3 Wochen dauert, so segeln sie nach Whampoa, 80 Meilen von hier im Canton River, um die gänzliche Ladung zu entlöschen, und gehen entweder mit Theen oder Drogen befrachtet direct von dort oder via Batavia, Manila & Singapore nach Haus, oder kommen zurück nach Hongkong nur um Passagiere nach San Francisco oder Australien zu bringen, oder Reis von Akyab zu laden, oft gehen diese Schiffe auch mit etwas Opium und Stückgüter nach Amoy oder Shanghae, oder wie es vor 1 Monat geschah, werden gechartert von Foochow Foo mit Theen nach England zu gehen; die größeren Schiffe werden gewöhnlich wegen ihrer guten Accomodation für Passagiere nach Californien oder Australien aufgenommen, welches ihnen zugleich eine gute Fracht giebt, indem sie gewöhnlich $ 50 à 60 pr. Kopf bekommen und von 2 bis 400 Passagiere nehmen. – Ich bin stolz darauf sagen zu können, daß die meisten Hamburger Schiffe hier in China vor allen andern Schiffen von Engländern sowohl wie von Amerikanern, wegen des guten Betragens der [nachträglich ergänzt: Capitaine und] Mannschaft & der guten Beschaffenheit der Schiffe vorgezogen werden.

Was den sonstigen Handel von Hongkong anbetrifft, so ist es nicht von Bedeutung, es ist ein Transito Platz, die Schiffe berühren gewöhnlich diesen Hafen erst, und die Waaren, welche nicht für Whampoa bestimmt, werden hier gelöscht, und nachher wieder verschifft. Opium ist vorzüglich ein Artikel der hier nur oder in Cumsing Moon, 40 Meilen von hier am Eingange des Cantonrivers gelagert werden kann, und von hier wird die ganze Küste Chinas damit versorgt, welches ca. 50,000 Kisten pr. Jahr im Geldbetrage von 25 Millionen Dollars beträgt. – Schiffe kommen auch oft hier an um zu repariren, indem gewöhnlich der Markt mit Masten und gutem Bauholz wohl versehen ist. –

Zölle oder Schiffsabgaben existiren hier nicht, die Lootsen sind Chinesen, und warten gewöhnlich außerhalb den Inseln auf Schiffe um sie in den Hafen zu bringen, sie sind sehr tüchtige Leute, welche das Fahrwasser gut verstehen ihre Kosten sind gewöhnlich 12 bis 30 $ je nach der Freigebigkeit der Capitaine und Größe der Schiffe. – Der Hafen von Hongkong und Eingang desselben ist so gut bekannt und mit so wenigen Gefahren verbunden daß jede weitere Erörterung unnöthig ware, die Tiefe des Hafens ist von 5 bis 7 Faden, und sicherer Haltungsgrund gegen jede Winde.

Der übrige Handel von Hongkong wird meistentheils in Junken oder chinesischen Fahrzeugen betrieben, die Zahl derselben welche jährlich im Hafen hier ankommen ist verschieden, in 1851 arrivirten hier 1004 Junken von auswärts, die Ladungen derselben bestehen aus trockenen Fischen, Früchte, Reis, Holz, Eisen, grasscloth, Oel, Thee, Zucker, Drogum von Siam und den indischen Inseln, und andere Artikel welche meistentheils zum Gebrauch der Chinesen verwandt werden. – Salz & Salpeter werden hier in großen Quantitäten, vorzüglich Erstens ca. 280,000 Peculs (133 1/3 $ pr. pecul) jährlich eingeführt, und von hier wieder von Smuggle Böten, nach Canton und dem Innern von China befördert, beides sind Monopol-Artikel der chinesischen Regierung. – Hongkong ist also vorzüglich gelegen, um diese Artikel hier zu landen und die Ankunft der Böte abzuwarten. – Im Jahre 1852 wurde auch eine große Menge Schiffsprovision und Bauholz verbraucht, indem während 3 Monaten 37 Wallfischfänger hier ankamen, man schmeichelte sich schon daß eine neue Quelle für Absatz dergleichen Artikel gefunden wäre, leider indessen hat sich dieser wieder zerschlagen, indem die Sandwichs Inseln diesen Schiffen näher und bequemer liege, es liefen also auch nur sehr wenige hier im vorigen Jahre an, sollten jedoch die Lebensmittel auf diesen Inseln wie in 1852 theuer und selten werden, so ist kein Zweifel daran, daß diese Schiffe hier wieder proviantiren müssen, und welches sehr zu wünschen wäre.

Die Zahl der Einwohner nach dem letzten Census v. 1. Janr. 185 betrug Europaer & Americaner 1004. Farbige und Chinesen 37000. – Das Klima von Hongkong hat sich seit den letzten Paar Jahren sehr verbessert, indem das englische Gouvernement gehörige Ablässe und Siele für das Wasser, welches von den Hügeln kommt gebaut hat, die Hitze des Sommers von April bis Septbr. ist von 68° bis 90° und den übrigen Theil des Jahres von 60 bis 70°. Ansteckende Krankheiten haben auf dieser Insel bis jetzt noch nicht existirt. –

Obgleich der letzte Paragraph meines ergebenen Schreibens, nicht zu den merkantilistischen gehört, so habe ich mir die Freiheit genommen Selbigen hinzuzufügen indem es vielleicht von Interesse sein mögte so wie ich mir auch erlaube unter Kreuzcouvert die letzte Gouvernement Gazette zu schicken welches die neuen Regulationen für Passagierschiffe enthält, welches vielleicht von Interesse für Rheder sein könnte.

Wir haben jetzt in Hongkong zwei Overland-Posten von England v. 8t. und 24te. jeden Monats, welche in ca. 42 bis 48 Tagen hier ankommen, so daß die Communication mit Europa sehr erleichtert worden.

Ich habe sonst nichts von Interesse hinzuzufügen, und verbleibe deshalb

Ew. Magnificenz

Ergebener Diener

gez. Eduard Reimers


Hongkong

d: 10 Janr. 1854.


Sr. Magnificenz

Herrn Syndicus Dr. Merck.