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Nr. 2.2.3.04

Arnold Otto Meyer, Teilhaber der Firma Behn, Meyer & Co. in Singapur, aus Bremen, an Theodor August Behn, Teilhaber der Firma Behn, Meyer & Co. in Singapur und Inhaber der Firma August Behn in Hamburg, betr. die geführten Gespräche mit Geschäftspartnern in Bremen, 27. Januar 1855

Brief

Regest:

Arnold Otto Meyer, Teilhaber der Firma Behn, Meyer & Co. in Singapur, der sich gerade in Europa aufhält, berichtet seinem Schwager und Geschäftspartner Theodor August Behn, der inzwischen wieder in Hamburg lebt, von seinen persönlich geführten Gespräche mit verschiedenen Geschäftspartnern in Bremen. Besonders detailliert gibt er das Gespräch mit Carl Friedrich Ludwig Hartlaub und Wilhelm Ludwig Oelrich wieder, den beiden Teilhabern des Bremer Traditionshauses Johann Lange Sohn‛s Witwe & Co., bei denen erhebliche Verstimmung über Unregelmäßigkeiten bei den Buchungen und der Abwicklung des Zahlungsverkehrs für die letzten gemeinsam abgewickelten Geschäfte besteht, in die auch die Londoner Merchant Banken C. J. Hambro & Son und Frederick Huth & Co. einbezogen waren. Im Mittelpunkt der Geschäftsinteressen steht der Reishandel zwischen Bremen und Ostasien, der erheblich an Bedeutung gewonnen hat. Behn, Meyer & Co. sehen sich nicht in der Lage, die starke Nachfrage zur Zufriedenheit von Johann Lange Sohn‛s Witwe & Co. zu bedienen. Arnold Otto Meyer informiert einen Schwager darüber hinaus über zahlreiche informelle Gespräche, die er mit namhaften Kaufleuten und Reedern geführt hat.

Bremen 27. Janr 1855,


Mein theurer August,

Hoffentlich hat sich bei Dir die Sorge um Deine lieben Kinder schon bedeutend vermindert wenn Dir diese Zeilen eingehändigt werden; Gott wolle Euch in Seinen gnädigen Schutz nehmen und Alles zum Besten hinausführen. – Grüß die lieben Kleinen viel tausendmal von mir & sag ihnen ich gedächte ihrer sehr häufig.1 –

Statt um 4 Uhr fuhr ich gestern erst um halb fünf fort, ging dann zu Fuß beim Graßbrook über die Elbe und setzte nachher in einem über. Auf jener Seite wird ein klarer Fluß mitten im Eise noch offen gehalten. Von Harburg ging es um 3/4 auf acht weg & ich langte hier wohlbehalten um 3/4 auf sieben an. Auf den Rath von George Gorrissen ging ich nach Hillmann’s Hotel wo man sehr gut aufgehoben ist mit der Ausnahme daß die eisernen Oefen immer im Augenblick kalt werden & keine Kohle halten. – Ich legte mich noch etwas hin und machte mich dann etwa um halb eilf Uhr auf den Weg p. Droschke sonst hätte ich lange laufen können. Zuerst n/ Kirschfeldt wo ich ihn sah; J. Gorrissen war schon weg also konnte der mich nicht introduciren & das war auch ganz gut denn Langes legten mir denn auch im Augenblick alle Klagen vor; ich stand vor dem halb auf seinem Bock sitzenden Hartlaub & dem Consul deckte seine bedrohte aber dadurch meine Flanke. ha ha Da hatten sie mich so recht in der Klammer & meinten: so mein Junge nun sollst du mal herhalten. Also folgt nun Conversation. –

der Senator. (S.) Consul. (C.) ich (E.)

S. Freut mich sehr Sie hier zu sehen; sehen gesund aus Clima wohl nicht so schlecht. Herr G. C. Oelrichs.

C. Freut mich &c &c

E. Antwort auf Beides –

S. Sie werden schon gehört haben, daß 4000 S. Reis in Singapore verkauft sind; da wird auch nicht viel bei herauskommen, sehe garnicht ein warum das geschehen ist weil man uns noch dazu mittheilt daß die Qualität recht gut fällt

E. So viel wie ich weiß fällt die Qualität sehr mittelmäßig voll von Käfern, wodurch es nicht rathsam zu viel nach hier zu senden. –

S. Wir hätten das Quantum lieber im Schiff. Leider muß ich Ihnen die Unregelmäßigkeiten dringend erwähnen welche in Ihren Buchungen vorkommen; wir gehen niemals accordo; da haben wir nun aber den Saldo Ihrer Rechn. an Herrn Behn remittirt und nun zieht Ihr Haus wider dagegen! Dann trassiren Sie 3000 £ auf Hambros nachdem der Credit schon erschöpft ist. Da alle Authorisation zum Accept solcher Tratten fehlte so war die Folge davon daß sie einen Tag aufgesprochen wurden. Dieses traf nun gerade mit dem Wechsel auf F. Huth & Co. zusammen & wenn es nun auch durch die Antwort dieser Herren aufgeklärt worden ist, so kann ich Ihnen doch nicht verhehlen daß Geschehenes einen recht unvortheilhaften Eindruck macht ja daß Hambros mir privatim geschrieben haben & mir ausgesprochen daß sie ihr Haus mit einigem Mistrauen ansehen! – Wollte Ihr Haus gegen den Privatbrief trassiren so hätten Sie eine Post davon schreiben müssen dann würden wir die nöthigen Vorkehrungen getroffen haben um Annahme zu sichern.

E. Es wird Ihnen bekannt sein daß, will man seine Wechsel gegen baar Geld verkaufen, man sie gegen einen Privatbrief ausstellen muß, daher der Schritt meines Hauses der aber freilich so wie er geschehen nicht zu billigen ist. Es soll nicht wieder geschehen.

S. Dann haben Sie noch solch einen großen Posten C : Rs2 nach Akyab gesandt wofür 15000 Ks ganz genügt hätten. Für den Tabacksankauf konnten Sie für u/ Rechnung damals noch nichts remittirt haben weil Sie noch garnicht wußten daß solcher für unsere Rechnung valediren solle. –

E. Das läßt sich nicht immer so genau abpassen und wer konnte denn auch erwarten daß d. N.3 so lange ausbleiben würde. –

S. Ja das ist ganz recht, allein es hätte doch wohl mit mehr Umsicht geschehen können. Da haben Sie nun auch Gewürze angekauft an denen wir noch immer Geld verlohren haben; es ist nur eine Kleinigkeit aber warum nicht lieber Reis im Schiff lassen als solche Artikel wählen!

E. Man kann nicht immer wissen wie sich Preise später gestalten werden, so liegt Reis gleichfalls im Argen d. h. man kann unter jetzigen Verhältnissen ebenso viel verlieren als gewinnen; kommt Friede geht’s schlecht bleibts beim Kriege so verdienen wir &c.

S. Meine Meinung ist daß Reis unter allen Umständen Aufmerksamkeit verdient, denn der Consum bleibt sehr bedeutend, so daß selbst eine Mehranfuhr von Getreide dem Artikel selber nicht schaden könne. –

E. Wenn dies in Erfüllung geht so bin ichs schon zufrieden.

S. Ihr Haus schreibt uns daß es noch ein Schiff für Reis aufnehmen wolle und ist uns das ganz recht mehr aber möchten wir nicht. –

E. Dahin geht auch meine Ansicht; wir müssen im Geschäft bleiben thun aber wohl besser beim Kriege4 uns nun mäßig zu betheiligen. –

S. Ja ganz recht. Da liegen bei Ihnen noch immer Korbflaschen die wir auf Ihren Wunsch für Cocosoel hinaussandten die aber nun wohl nach & nach ihre Korbbeflechtung durch Würmer verlieren werden.

E. Herr S. die Flaschen passen nicht für Oel sie sind zu dünn und können dem Arbeiten des Oels nicht widerstehen.

S. Nun es ist nur eine Kleinigkeit wir wünschen sie aber gern beendet; suchen Sie die Flaschen mit Oel hierher zu spediren. –

Da trat ein Jüngling herein der meldete die A. & Meline sei am 28 Novb in Melbourne angekommen & darüber kam unser Gespräch zu Ende. – An der Börse suchte ich ihn auch auf, wo wir über Consulats Angelegenheiten deliberirten. Siemssen & Carlowitz machen sich furchtbare Concurrenz wegen des Consulates; ich unterstützte Siemssen, dem auch H. wohl will.5 Ich sprach ihm noch meinen Dank aus über seine freundliche Vermittelung. Schmidt scheint uns denn so recht nach Herzens‘s Lust Schaden zu thun wo & wann er kann; eine erbärmliche Seele entwickelte sich da in diesem Jüngling. Du mein lieber August hast auch sehr viel Mühe von meinem Consulat gehabt, mehr wie ich eigentlich glaubte und da dankte ich Dir noch vielmals so recht dafür! Ich undankbarer Mensch nun laß es mich jetzt mit doppeltem Nachdruck einholen. Es werden neue Consulats Reglements in Bremen ausgearbeitet von denen ich eines sogleich erhalten habe. Ich soll morgen um 2 Uhr beim Senator essen. Auch Quentell hat mich soeben eingeladen auf den selben Tag; ich schlug ihm Dienstag vor woraus er sieht daß ich gern komme.6 Diese Herren waren recht freundlich; ihre Reisladungen haben sie verkauft mit der Bedingung daß sie nicht von BM&Co. n/ China dirigirt würden! Damit wird’s wohl nicht viel auf sich haben. Von Capitalisten sollen im nächsten Jahr noch 5 Reismühlen angelegt werden; eine solche kann ganz gut 100,000 Säcke über die Räder laufen lassen wo soll man aber 800,000 Säcke herbekommen? Von Watjen’s Ladungen soll eine zu 12/6 Pfund in England verkauft sein & zwei in Bremen à 3 $ 40 & 3 $ 60! Ein recht schöner Preis. –

Sonntag

20 Schiffe sind im Ganzen [nachträglich ergänzt: von] hier nach Akyab gesegelt wieviele aber davon verkauft sind hat mir keiner sagen können.

Wätjen traf ich nicht. – H. H. Meyer war recht freundlich & wollte von mir erfahren was mit den Waaren des Wester in der Geshar Straße7 verlohren geschehen sei. Er ist sehr ungehalten, daß der Rheder ihn nicht informirt. Ich sagte ihm er solle sich ein mal an R S & Co. die Bevollmächtigten der Bremer A8 wenden glaube aber nicht, daß diese etwas für ihn thun können weil sie keine Neigung empfinden würden auf ihren eigenen Risico Expeditionen nach dem Wrack zu unternehmen. – Clemens Caesar hatte Kopfschmerzen war aber froh mich zu sehen weil ich ihn aus der schlaffen Hingebung herausriß. Es ist noch unbestimmt ob der Caesar n/ Singapore oder Batavia & Soerabaya geht; es ist das frühere Rajastan. – Boedecker sehr freundlich meint wir würden wohl bald wieder in Correspondence treten seiner Schiffe wegen um sie dort in Indien mit Zwischenfrachten zu beschäftigen. –

Pavenstedt wohnt famös eingerichtet er lag am Drachenschuß krank.

Mädchen Spange sehr vergnügt über meinen Besuch; am Dienstag gehe ich mit ihr aus ein Kleid zu kaufen. Senator Smidt war nicht zu Hause. Heute gehe ich wieder hin, nach der Kirche. Ich will Pastor Treviranus hören & von da meine anderen Besuche machen. –

Morgen geht’s nach Vegesack & wahrscheinlich Dienstag Abend nach Hamburg, ich muß mich aber noch einmal mit dem Senator unterhalten möglich daß es sich dann bis Mittwoch Abend hinzögert. Hier ist viel Schnee gefallen.

Gott sei mit Dir mein theurer August

Dein treuer Bruder

A. Otto Meyer