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Ew. Wohlgeboren
werden ohne Zweifel bei Ansicht dieses meinen Brief vom 18. Juni erhalten haben,
in Begleitung eines via Southampton
gesandten Buches den Tractat
Ihrer Majestät der Königin von Großbritannien mit den Königen von Siam enthaltend.
Meine schon unter obigem Datum gegebenen Winke wegen der Art und Weise wie sich die Hansestädte am Genügentsten dem so eben definitive abgeschlossenen Vertrag anschließen können, muß ich heute durchaus bestätigen.
Ich habe mich genau und vielseitig erkundigt wie ein Anschluß am leichtesten zu bewerkstelligen sei und habe ich einstimmig die Antwort erhalten daß ein jedes Land einen Bevollmächtigten nach Siam zu schicken habe; daß ein Handelsvertrag durch einfache Correspondence dagen nicht abzuschließen möglich sei.
Mein Vorschlag geht demnach dahin daß Sie in Vereinigung mit den übrigen Hansestädten einen in diplomatischen Angelegenheiten bewanderten Herrn heraussenden begleitet von den nöthigen Accreditionen und Geschenken an die beiden Könige. –
Ich rathe dann zur möglichst raschen Expedition dieses Herrn, damit wir „das
Eisen schmieden weil es warm ist“ denn es ist bekannt genug, daß die Großen des
Landes den Absichten der Könige sehr zuwider sind, daß, sollte einer derselben sterben, es sehr
zweifelhaft werden würde daß ähnliche Tractate abgeschlossen werden könnten.
–
Von dem ersten Minister an bis auf die untersten Würdenträger hegen die Siamesen eine große Angst vor dem Einfluß der englischen Nation. Sie haben
Sr. Wohlgeboren
Herrn C. H. Merck Dr.
Syndicus der auswärtigen Angelegenheiten
Hamburg|2. Blatt, Vorderseite|
von der Geschichte Calcutta’s gehört und
wenden diese im Voraus auf Bangkok an!
Daher haben die Siamesen es
ungern gesehen daß ihnen sogleich ein Consul, in der Person des Herrn Hillier von Hongkong, von England zugeschickt worden ist. – Es ruht
das gute Einverständniß demnach nur bei den Königen; von den
Würdenträgern dürfen die Engländer nur Opposition erwarten.
Diese Abneigung scheint mir aber als gegründete Veranlassung daß alle fremden
Nationen sich so rasch als möglich ähnliche Rechte auswirken als es die Engländer gethan, denn nur durch die Ausgleichung
fremden Einflusses wird das Vertrauen der eifersüchtigen Eingeborenen wieder
hergestellt werden.
Die hanseatischen Flaggen dürfen also auf günstige Aufnahme rechnen.
Für den Augenblick ist es nicht so sehr der directe Handel zwischen den drei Städten und Siam der mir einen Anschluß an den Tractat wünschenswerth scheinen läßt, als die Möglichkeit unsere Schiffe für die Fahrt nach Bangkok und zurück oder von B. nach China zu verchartern. – Bis heute kommen unsere Schiffe noch unter den alten Tractat, nach welchem sie die Abgabe nach Länge und Breite und Tiefe des Schiffes zu entrichten haben während einheimische Schiffe d. h. die des Königs davon frei sind! Für unsere Rheder strebe ich also jetzt; manche günstige Charter dürfte sich für unsere Schiffe bieten über Siam nach China zu gehen, oder Produckte hierherzubringen. – Wie unangenehm wenn wir noch für längere Zeit diesen Ausweg für unsere Fahrzeuge unbenutzt lassen müßten.
Der Handel in Landesproduckten liegt noch zu sehr in den Händen der Chinesen, welche ihn seit Jahren betrieben und daher gleichsam ein Monopol in demselben erlangt haben. Diese Leute lassen selbstverständlich|3. Blatt, Vorderseite| ungern einen Dritten zu um ihnen Concurrenz zu machen. Daher kommt es denn auch daß die Belader des französischen Schiffes „Pur Sang“ mit den undenklichsten Schwierigkeiten zu kämpfen haben um Produckte für dasselbe zu bekommen, und diese selbst kosten viel mehr als wofür man sie hier bei uns kaufen kann! – So versicherte mich ein eben von Bangkok zurückgekehrter Kaufmann der nur aus dem Grunde die Reise dahin unternommen um sich von der Wichtigkeit des Platzes als Export-Hafen zu überzeugen. –
Erst nach und nach muß sich die Regierung, die eingeborenen Kaufleute und das Volk, an den Handel mit
Europäern gewöhnen, und
dann erst wird Siam als den Europäern wichtiger
Handelsplatz wichtig werden. –
Um nur eins anzuführen. Bis heute kennt man in Bangkong eingeborenerseits garnicht den Werth der Zeit. – Gefällt es den Großen nicht ein Schiff zu expediren, so muß es warten & so lange warten bis man irgend einer Forderung des Mächtigen nachgegeben oder ihn durch Geschenke günstig gestimmt hat! –
Der neue Vertrag stellt nun freilich die Engländer gegen solche despotische Handlungsweise sicher allein versuchen werden es die Beamten immer dem Handel, der ihnen, wie bisher, keinen Vortheil bringt, störend in den Weg zu treten. –
Der americanische Gesandte Mr. Harris ist mit der Rectification des Tractates für die Vereinigten-Staaten zu Stande gekommen. Man sagt officiell solcher sei Wort für Wort wie der englische abgefaßt, nur mit den nothwendigen Namens-Veränderungen. –
Ein Gerücht dagegen will wissen es sei noch ein geheimer Articel hinzugefügt nach dem die V. Staaten sich anheischig machen Siam gegen den kriegerischen Angriff irgend einer|4. Blatt, Vorderseite| Nation in Schutz zu nehmen. Verbürgen kann ich diese Nachricht nicht dagegen liegt sie sehr im Bereich der Wahrscheinlichkeit wenn man die politische Stimmung der Vereinigten Staaten Nord-Americas, England gegenüber, berücksichtigt. –
Der französische Gesandte welcher uns mit seinem Geschwader verlassen hat, ist von diesem Gerücht informirt. – Möglich daß er heraus findet wie viel Wahres daran ist. – Der Punkt muß ihm ebenso wichtig sein als jeder andern großen Seemacht. –
Ich komme nun noch auf die Geschenke zurück die eventualiter den Königen gemacht werden
müssen. – Ich schreibe „müssen“ denn es ist eine althergebrachte Sitte, und es
wird demnach als selbstverständlich erwartet daß irgend eine europäische Macht
die ein Freundschaftsbündniß mit den Herrschern von Siam zu schließen wünscht, diesen Geschenke darbringt
oder besser, solche mit ihnen auswechselt. –
Alle die letzten Gesandtschaften haben denn auch diese Etiquette beobachtet. –
Sir John Bowring brachte, für Großbritanien nicht sehr
werthvolle Geschenke: für jeden der beiden Könige eine mit Diamanten gefaßte Uhr mit sinnbildlichen Gravirungen von Großbritannien & Siam, Pettschaften
& s. w. zum Werth von circa $ 800.–. und außerdem für den
ersten König einen Schreibtisch dessen Geräth ganz von Gold! – Die werthvolleren Gaben, welche bei der
Rectification des Vertrages überliefert werden sollten, sind leider beim
Ueberschiffen auf unserer Rhede verunglückt. –
Mr. Harris, der Amerikanische Gesandte überreichte Folgendes: Große Spiegel und brilliante Kronleuchter, Solar Microscope, eine Electrisir-Maschiene und wurden ähnliche Apperrate, reich gebundene Amerikanische Bücher & Feuerwaffen neuester Construction, einige mit vergoldeter Garnitur. –
Man hatte den Americanischen Gesandten vergeblich ersucht ein Modell des Electro Magnetischen Telegraphen, oder Modelle anderer nützlicher|5. Blatt, Vorderseite| Maschinen mitzunehmen als eine Sprütze wie man sie in den V Staaten anfertigt und andere mehr.
Eine solche Feuersprütze oder noch besser ein Thelegraphen Apparrat würde sicher sehr willkommen sein. –
Der erste König versteht
sich sehr gut auf Astronomie. Sir James
Brooke schickte ihm daher vor einigen Jahren ein Fernrohr zum Werth
von $ 400.–.
Der zweite König
interessirt sich für’s Militair; irgend etwas wirklich Schönes was in dies Fach
schlägt würde sehr gnädig aufgenommen & gewürdigt werden. – Revolver von Colt & Minie
Büchsen besitzt er aber schon lange; es wird uns Deutschen
nicht schwer fallen in dieser Branche Vorzügliches zu liefern. Büchsen von Herzberg oder aus Bayern, blanke Waffen aus Solingen, die vollständige Equipirung unseres nordischen Militairs aus
dem schönsten Material würden das Interesse des Königs rege machen.
Dieser besizt auch Talent für Mechanic und wünscht ferner sehr seine Bibliothek mit werthvollen und glänzenden, illustrirten, Werken zu füllen.
Letzteres paßt außerordentlich gut für uns weil unsere deutschen Künstler jede andere Nation in diesem Genre überstrahlen.
Mit Globussen & deutschen Glaswaaren sind die königlichen Wohnungen gefüllt, allein Kunstwerke, als Oelgemälde und Statuen würden sehr gefallen.
Der erste König schnupft;
eine Dose wäre
also willkommen. –
Die Geschenke an den zweiten König müssen ungefähr ein Drittel des Werthes sein von denen welche
dem ersten überreicht werden.
Einige der ersten Minister & Fürsten dürften auch Etwas erwarten, als einen Staatsdegen oder Parade Säbel. –
Aus dem Angeführten wird es nicht schwer sein dasjenige herauszufinden|6. Blatt, Vorderseite| welches von unseren Städten gewählt werden sollte. –
Sollte ich noch vor Abgang der Post anderweitig Erkundigungen über Siam einziehen können so werde ich mir erlauben ein P. S. nachfolgen zu lassen. –
Beigehend empfangen Sie Abschrift des bis jetzt von mir geführten Protocolles welches Sie über hier in Consulatsangelegenheiten Geschehenes unterrichtet.
Ich verbleibe
Ergebenst
A. Otto Meyer.
Consul
Singapore
4. July 1856
Ew., Ew: Eure [Magnificenz]
Se., Sr.Seiner
Dr.Doktor
d. h. das heißt
u. s. w., usw., & s. w.und so weiter
P. S.post scriptum (lateinisch)
StAHStaatsarchiv Hamburg
StAHStaatsarchiv Hamburg111-1Senat, Hamburgs Beziehungen zu fremden Staaten
StABStaatsarchiv Bremen
StABStaatsarchiv BremenC-2, 33.a.Verhältnisse der Hansestädte mit Siam (Thailand), Generalia et diversa (1856–1861)
Behn, Meyer & Co. (seit 1906: Ltd.), SingapurDas 1840 von Theodor August Behn und Valentin Lorenz Meyer gegründete Handelshaus Behn, Meyer & Co. in Singapur entfaltete eine rege Geschäftstätigkeit, vor allem in Südostasien, geriet 1857 jedoch in eine schwere Krise, die vor allem dank Arnold Otto Meyer, eines jüngeren Bruders von Valentin Lorenz Meyer, der seit 1851 zu den Teilhabern zählte und außerdem kurz zuvor eine eigene Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg etabliert hatte, bewältigt werden konnte. In den 1880er und 1890er Jahren engagierte sich die Firma Behn, Meyer & Co. verstärkt im Schiffsgeschäft und übernahm die Vertretung namhafter Dampfschifffahrtsgesellschaften, darunter seit 1887 der Norddeutsche Lloyd in Bremen, seit 1890 die Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft in Hamburg und seit 1897 die Hamburg-Amerika-Linie in Hamburg. Treibende Kraft in diesem Geschäftsfeld war Franz Heinrich Witthoefft, der seit 1900 neben Eduard Lorenz Meyer und Adolf Laspe zu den drei Teilhabern zählte. 1891 wurde eine erste Niederlassung in Penang eröffnet, die sich dem Handel mit Zinn zuwandte. Im Jahr 1900 versuchte man auf den Philippinen Fuß zu fassen, 1901 wurde eine weitere Niederlassung in Sandakan (Britisch-Nordborneo) eröffnet, die zugleich als Agentur der Chartered Bank of India, Australia and China fungierte. 1906 wurde die Firma in eine britische Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt, die Behn, Meyer & Co. Ltd. mit Sitz in Singapur. Alleinige Aktionäre blieben die drei bisherigen Teilhaber, die sich künftig auf die Leitung der „Schaltzentrale“ Hamburg konzentrierten und sich in Singapur nicht länger auf Teilhaber, sondern auf angestellte Manager stützten. 1906 wurden zudem neue Niederlassungen in Cebu, Zamboanga und Ilo Ilo auf den Philippinen eröffnet sowie eine Beteiligung an der Singapore Rubber Company Ltd. in Singapur erworben, um am „Rubberboom“ partizipieren zu können. 1907 kam eine weitere Niederlassung in Bangkok (Siam) hinzu. Im Jahr darauf erfolgte die Übernahme der Handelsgesellschaft vorheen Helfferich & Rademacher mit Niederlassungen in Batavia, Surabaya, Telok Betong und Samarang in Niederländisch-Indien. 1913 gab es bei Behn, Meyer & Co. Ltd. mehr als einhundert europäische Angestellte. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam 1914 noch eine Niederlassung in Rangun (Britisch-Burma) hinzu. Vgl. ausführlich zur Unternehmensgeschichte, die aufgrund erhalten gebliebenen Überlieferungen eingehend untersucht werden kann:
Arnold Otto Meyer, Hamburg (Behn, Meyer & Co., Singapore, Penang, Manila und Sandokan)
;
Sieveking, Anfänge des Hauses Behn-Meyer & Co.
;
Sieveking, Behn-Meyer & Co.
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 1
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 2
;
Kleinsteuber, Merchants
;
Yacob, Trans-generational Renewal
;
Yacob, Rising of the Phoenix
;
Fiedler, Von Hamburg nach Singapur
.
Colt‛s Patent Fire Arms Manufacturing Company, Hartford (Connecticut)Colt‛s Patent Fire Arms Manufacturing Company in Hartford (Connecticut) zählte im 19. Jahrhundert zu den größten amerikanischer Waffenherstellern.
Fiedler
, Marine: Auf den Fersen der Briten.
Handelsvertragsprojekt eines Konsuls der drei Hansestädte mit Siam für
eine hanseatische Expansion in Südostasien (1856), in: Themenportal
Europäische Geschichte, 2022, URL:
https://www.europa.clio-online.de/essay/id/fdae-
98963
Fiedler
, Auf den Fersen der Briten
2022
Terwiel
, Barend Jan: Thailand‛s Political History. From the Fall of Ayutthaya in 1767 to Recent Times, Bangkok 2005
Terwiel
, Thailand's Political History
2005
Verwaltung, siamesische; auch: siamesische Behörden
Singapur, auch: Sincapore, Singapore
Hamburg
Beclan Bay [Bucht mit Hafen nahe Singapur]
HansestädteMit dem Sammelbegriff Hansestädte sind im 19. Jahrhundert in der Regel die drei norddeutschen Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck gemeint.
Großbritannien; auch: England, Great Britain, United Kingdom of Great Britain and Ireland, Vereinigtes Königreich Großbritannien und IrlandNach dem Zusammenschluss des 1707 gebildeten Königreichs Großbritannien mit dem nur noch formell selbständigen Irland im Jahr 1801 lautete die offizielle Staatsbezeichnung Großbritanniens bis 1927 Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland. Das Staatsgebiet umfasste auf den Britischen Inseln die vier Landesteile England, Wales, Schottland und Irland, hinzu kamen abhängige Territorien auf allen Kontinenten, deren größte Ausdehnung 1922 erreicht war. 1927, mit der Bildung des Irischen Freistaats, wurde die offizielle Staatsbezeichnung verändert zu Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland.
China; auch: chinesisches Kaiserreich, chinesisches Reich, chinesische Republik, Reich der Mitte
Southampton [Stadt in Großbritannien]
Kalkutta, auch: Calcutta
Bangkok [Stadt in Siam]; auch: Bangkong, Bankog
Vereinigte Staaten von Amerika; auch: United States (US), United States of America (USA), Vereinigte Staaten von Nordamerika
Herzberg [Stadt im Harz]Herzberg war im 18. und 19. Jahrhundert bekannt für seine Waffenproduktion.
Bayern
Solingen
Meyer, Arnold OttoArnold Otto MeyerKaufmann, Kunstsammler und Mäzen11755570301.09.182512.03.1913Arnold Otto Meyer absolvierte eine kaufmännische Lehre bei Burmester & Stavenhagen in Hamburg, ging nach New York und trat in die von Theodor August Behn und seinem älteren Bruder Valentin Lorenz Meyer 1840 gegründete Firma Behn, Meyer & Co. in Singapur ein, denn Valentin Lorenz Meyer wollte sich zurückziehen. Von 1851 bis 1900 war Arnold Otto Meyer Teilhaber des Unternehmens. 1857 kehrte er zurück nach Hamburg, wo er seine eigene Firma Arnold Otto Meyer gründete, die die Vertretung von Behn, Meyer & Co. in Europa übernehmen sollte. Um die Folgen der Weltwirtschaftskrise von 1857 zu überwinden, kehrte Arnold Otto Meyer im September 1862 jedoch nochmals für einige Jahre nach Singapur zurück unbd benannte Johannes Mooyer als seinen Bevollmächtigten in Hamburg. In Singapur übernahm Arnold Otto Meyer das Amt des Konsuls der Hansestadt Hamburg
bzw. des Konsuls der Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck
. Als Teilhaber und führender Kopf der Firma Arnold Otto Meyer verlagerte sich der Schwerpunkt seiner Tätigkeit danach auf Hamburg, Deutschland und Europa. 1899 zog er sich als Teilhaber von Arnold Otto Meyer zurück, blieb aber bis zu seinem Tod stiller Gesellschafter. In Hamburg betätigte er sich auch als Kunstsammler und Mäzen. Vgl.
Gossler, „Meyer, Arnold Otto“
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 1
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 2
.
Merck, Carl Hermann (seit 1831: Dr.)Carl Hermann MerckJurist, Politiker11689138603.05.180916.10.1880Carl Hermann Merck studierte Jura und wurde 1831 promoviert. Anschließend ging er für einige Jahre auf Reisen, was ihm durch ein ererbtes Vermögen möglich war. Nach seiner Rückkehr nach Hamburg im Jahr 1839 engagierte er sich u.a. für den Eisenbahnbau. 1843 zum Ratssekretär berufen, wählte man ihn 1847 zum Senatssyndikus und betraute ihn wenig später zugleich mit den auswärtigen Angelegenheiten Hamburgs - eine Aufgabe, die er bis zu seinem Tod mehr als 30 Jahre lang wahrnahm. Für die Konsuln der Hansestadt in anderen Ländern war er über Jahre der wichtigste Ansprechpartner, der erheblichen politischen Einfluss besaß. Vgl.
Beneke, „Merck“
.
VictoriaVictoriaKönigin des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Irland, Kaiserin von Indien11862687624.05.181922.01.1901Victoria, geboren als Princess Alexandrina Victoria of Kent, war von 1837 bis zu ihrem Tod Königin des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Irland. Seit 1876 trug sie außerdem den Titel Kaiserin von Indien. Unter ihrer Regentschaft erreichte das Britische Empire den Höhepunkt seiner territorialen Expansion und Machtentfaltung. Vgl.
Matthew/Reynolds, „Victoria“
.
Rama IV. (Eigenname: Mongkut)Rama IV.König von Siam11913700318.10.180401.10.1868Geboren unter dem Namen Mongkut und ausgebildet zum buddistischen Mönch, amtierte Rama IV. von 1851 bis zu seinem Tod als König von Siam. Sein offizieller Titel lautete Phra Bard Somdetch Phra Paramendr Maha Mongkut, Phra Chom Klau, Chau Yu Hua. Er ging als Modernisierer seines Landes in die Geschichte ein, der sich für das Bildungswesen einsetzte und zur Stärkung der Wirtschaft zahlreiche Handelsabkommen mit europäischen Staaten abschloss. Es gelang ihm, die Unabhängkeit Siams zu wahren. Vgl.
Terwiel, Thailand's Political History
.
Hillier, Edward GuyEdward Guy HillierSinologe, Bankier11.03.185712.04.1924Edward Guy Hillier studierte an der University of Cambridge die chinesische Sprache, war danach u. a. als Sprachlehrer und für das Handelshaus Jardine, Matheson & Co. in Hongkong als Dolmetscher tätig. 1883 trat er in die Hongkong and Shanghai Banking Corporation (HSBC) ein, für die er zunächst in Shanghai und Tianjin tätig war, bevor er 1885 den Auftrag erhielt, eine Niederlassung der Bank in Peking aufzubauen, was allerdings auf Vorbehalte der chinesischen Behörden stieß und schließlich erst 1891 gelang. Nach Beginn der Chinesischen Revolution im Herbst 1911 nahm Edward Guy Hillier als Repräsentant einer britischen Bankengruppe, die sich zuvor an der Emission chinesischer Staatsanleihen beteiligt hatte, an verschiedenen internationalen Interbanken-Konferenzen teil. Vgl.
King, Hongkong and Shanghai Banking Corporation, Bd. 1
, S. 524f.;
King, Hongkong and Shanghai Banking Corporation, Bd. 2
, passim.
Harris, TownsendTownsend HarrisKaufmann, Konsul11908203903.10.180425.02.1878Townsend Harris war seit 1847 mit einer eigenen, in Kalifornien basierten Firma im Handel mit China, Niederländisch-Indien und Britisch-Indien tätig. 1853 zum amerikanischen Konsul in Ningbo berufen, übernahm er nur zwei Jahre später, als auch Japan zur Öffnung seiner Häfen für den internationalen Handel gedrängt wurde, das Amt des amerikanischen Konsuls in Japan und wurde als solcher mit der Aufgabe betraut, ein Handelsabkommen zwischen den USA und Japan auszuhandeln, was ihm mit dem Abschluss des japanisch-amerikanischen Freundschafts- und Handelsvertrages vom 29. Juli 1858, auch Harris-Vertrag genannt, schließlich gelang. 1861 kehrte Harris aus Japan in die USA zurück. Vgl.
Cosenza, Townsend Harris
;
Kennedy, The American Consul
, S. 117–126;
Notehelfer, Japan Through American Eyes
, passim.
Bowring, John (seit 1854: Sir)John BowringKaufmann, Politischer Ökonom, Diplomat und Politiker11945907817.10.179223.11.1872John Bowring verfasste in den 1830er Jahren zahlreiche Berichte über die europäischen und außereuropäischen Handelsbeziehungen für das britische Unterhaus und trat dabei für den Freihandel ein. 1849 wurde er zum britischen Konsul in Kanton und zugleich zum Superintendanten für den britischen Handel in China. 1854 erfolgte seine Ernennung zum Gouverneur der britischen Kronkolonie Hongkong und noch im gleichen Jahr wurde er zum Ritter geschlagen. Er galt als energischer Reformpolitiker. Im Auftrag der britischen Königin gelang es ihm, 1855 einen Freundschafts- und Handelsvertrag zwischen Großbritannien und Siam abzuschließen. Als Gouverneur von Hongkong trug Bowring auch dazu bei, dass es 1856 zum Zweiten Opiumkrieg kam, um weitere Handelszugeständnisse von China zu erlangen. Bis 1859 im Amt, mehrte sich die Kritik an Bowrings Amtsführung. 1867 wurde er zum Botschafter des Königreichs Siam in Europa berufen. Vgl.
Stone, „Bowring, Sir John“
;
Bowring, Free Trade‛s First Missionary
.
Brooke, James (seit 1848: Sir)James BrookeSoldat, Abenteurer, Raja von Sarawak11867433129.04.180311.06.1868James Brooke war seit 1817 für die East India Company als Soldat in Britisch-Indien tätig. 1839 kam er mit einem eigenen Schiff nach Borneo und unterstützte den Sultan von Brunei dabei, einen Aufstand friedlich beizulegen. Dafür wurde er 1841 mit einem großen persönlichen Lehen belohnt und zum Raja von Sarawak erklärt. Es gelang ihm, dieses Gebiet in eigener Souveränität zu verwalten und eine weiße Dynastie der Rajas von Sarawak zu begründen. Die britische Königiun Victoria schlug ihn 1848 zum Ritter. Außerdem wurde er zum britischen Generalkonsul in Borneo ernannt. Das von ihm beherrschte Gebiet wurde 1888 zum Protektorat Großbritanniens erklärt. Vgl.
Barley, White Raja
.
Pur SangDie „Pur Sang“ war ein französisches Schiff, das um 1856 in den Häfen von Bangkok und Singapur verkehrte.
Konsul der Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck (Hanseatischer Konsul)
Senatssyndikus der Hansestadt Hamburg
Teilhaber; auch: Ahsocié, Associé, Gesellschafter, Partner, Theilhaber, Theilnehmer
Handelsvertrag; auch: commercial treaty (englisch), convention of commerce (englisch), Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag, Handelsabkommen, Handels- und Schifffahrtsvertrag, Schifffahrtsvertrag, Tractat, Zollvertrag
Amerikaner; auch: Americans (englisch)
Küstenschifffahrt; auch: Cabotage, coast shipping (englisch)
KaufmannsreedereiSchafft ein Kaufmann sich eigene Schiffe an, um mit ihnen Handel zu treiben, spricht man von einer Kaufmannsreederei.
Syndikus; auch: Sindicus, SyndicusSchon seit der Frühen Neuzeit wurden in den Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck zunächst zeitweise, später dauerhaft Juristen mit Fachausbildung und oft auch Promotion mit dem Amt des „Syndikus“ betraut. Ihre Aufgaben lagen nicht nur in der Leitung von Kanzlei und Archiv sowie in der Rechtsberatung des Rats bzw. Senats der Stadt, sie vertraten diese auch bei Gericht und in Verhandlungen mit anderen Staaten; teils nahmen sie selbst richterliche Aufgaben wart. Mit der Einführung der Gewaltenteilung und entsprechenden Verfassungsreformen zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Aufgaben und Befugnisse der Syndici eingeschränkt. Vgl. exemplarisch:
Bruns, Lübecker Syndiker
.
Briten; auch: British (englisch), Britons (englisch), Engländer, English (englisch), Englishmen (englisch)
Flagge; auch: flag (englisch), Flaggenstock, Nationalflagge, SchiffsflaggeDie in der Regel aus Tuch bestehende Flagge eines Schiffes dient der Übertragung von Informationen auf weite Sicht. Dabei geht es zumeist um die Zugehörigkeit zu einer Reederei oder zu einem Staatswesen, in deren Schiffsregister das Schiff eingetragen ist; in letzterem Fall müssen weder die Eigner noch der Kapitän und die anderen Mitglieder der Schiffsmannschaft zwangsläufig ihren Sitz in dem betreffenden Staat haben. Die Nationalflaggen der Europäer wurden im 18. und 19. Jahrhundert in Ostasien auch vermehrt an Land gehisst, etwa vor den ausländischen Faktoreien im chinesischen Kanton oder auf Konsulatsgebäuden.
Vercharterung s. auch Schiffsgeschäft
Der Begriff „Vercharterung“ umschreibt das gewerbliche Vermieten eines eigenen oder fremden Schiffes an Dritte.
Chinesen; auch: Chinese (englisch)
Hafen; auch: free port (englisch), Freihafen, port (englisch), VertragshafenHäfen spielten für den Handel mit und in Ostasien im langen 19. Jahrhundert eine zentrale Rolle, zum einen als „Freihäfen“, wie zum Beispiel Singapur, in denen Waren ein- und ausgeführt werden konnten, ohne mit Zöllen belastet oder durch nichttarifäre Handelshemnisse beschränkt zu werden, zum anderen - und das war die häufigere Form - als „Vertragshäfen“, die zumeist nicht freiwillig, sondern unter Androhung von militärischer Gewalt oder auch erst nach einer militärischen Niederlage von den betreffenden Territorialstaaten, vor allem China und Japan, für den internationalen Handel geöffnet wurden. Dies geschah in der Regel auf der Basis eines mehr oder weniger erzwungenen Handelsvertrages, der keine gleichen Rechte für die Vertragspartner vorsah, sondern in erster Linie den Interessen der ausländischen imperialen Mächte entsprach und deshalb als Ungleicher Vertrag bezeichnet wurde. Über die Vertragshäfen wurde in China, Japan und anderen Ländern Ostasiens eine kommerzielle Revolution mit tiefgreifenden Veränderung für alle Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft in Gang gesetzt. Vgl.
Fairbank, Trade and Diplomacy
;
HAO, Commercial Revolution
;
Hoare, Japan‛s Treaty Ports
;
So/MyersTreaty Port Economy
;
Bickers/Jackson, Treaty Ports
;
Brunero/Villalta Puig, Life in Treaty Port China and Japan
.
Europäer, Europäerin; auch: Westländer
Gesandter, amerikanischer
Uhren; auch: clock-works (englisch)
Petschaft; auch PettschaftDer Begriff „Petschaft“ bezeichnet einen Stempel aus Metall oder anderen harten Materialien zum Siegeln von Briefen.
Glaswaren; auch: Glaswaaren, Hohlglas, Kronleuchter, Spiegel
Optische Geräte; auch: Fernrohr, Microscope
Maschinen und Anlagen; auch: Apparat, Apperrat, machinery (englisch), Maschinenanlage
Waffen; auch: Beil, Büchse, Degen, Flinte, Gewehr, Kanone, Revolver, Säbel
Telegrafie; auch: Cabeln, Code, Drahten, Private Code (englisch), Special Code (englisch), Telegraph, telegraph (englisch), Telegraphic Address (englisch), TelegraphieNeben Briefen und anderen schriftlichen Nachrichten wurde die Telegrafie im 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Kommunikationsmedium der im Fernhandel tätigen Kaufleute und Reeder. Nachdem die technischen Infrastrukturen geschaffen worden waren, ging es nicht zuletzt darum, neue Routinen und Rhythmen im Umgang mit dem Medium sowie Wege zu finden, eigene Geschäftsgeheimnisse zu schützen. Zu diesem Zweck wandten die Kaufleute in ihrer telegrafischen Geschäftskorrespondenz häufig eigene, speziell entwickelte Codes an, sodass die übermittelten Informationen, etwa sensible Preisinformationen oder Namen von Auftraggebern und Kunden, nicht ohne Weiteres von Dritten mitgelesen werden konnten. Durch Verkürzung der Wortlängen konnten zudem erhebliche Kosten gespart werden. Vgl. hierzu exemplarisch:
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 2
, S. 78f. - Zur generellen Bedeutung der Telegrafie für die wirtschaftliche Globalisierung:
Wenzlhuemer, Connecting the Nineteenth-Century World
.
Minié-GewehrDas nach seinem französischen Entwickler Claude Etienne Minié (1804–1879) benannte Gewehr, eine Handfeuerwaffe mit Bleigeschoss, zeichnete sich durch eine hohe Reichweite und hohe Treffsicherheit aus.
Postverkehr; auch: Landverbindung, overland mail (englisch), Overlandmail, Postdampfer, Postschifffahrt, Postverlauf, Sattelkurier, Ueberlandweg