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Nr. 2.2.2.05

H. C. Wilmans, Konsul der Hansestadt Hamburg in Batavia, an Carl Hermann Merck, Senatssyndikus der Hansestadt Hamburg, betr. die Entwicklung des Handels in Batavia und in Japan, 20. Mai 1859

Konsulatsbericht

Regest:

H. C. Wilmans, Teilhaber der Firma Metzendorff & Wilmans und zugleich Konsul der Hansestadt Hamburg in Batavia, übermittelt Carl Hermann Merck, dem Senatssyndikus der Hansestadt Hamburg, einen Bericht über die Belebung des Handels in Batavia und in Japan. Einfuhren von Manufakturwaren aus Europa werden nach seiner Einschätzung in beiden Fällen vorerst schwierig bleiben, zum einen wegen des Widerstands der niederländischen Handelskammern, die entgegen den Liberalisierungsbestrebungen der Niederländischen Regierung ihre Privilegien in Niederländisch-Indien nicht verlieren wollen, zum anderen wegen der in Japan vorerst nur schwer zu erhaltenden Rückfracht. Da er den Handel mit Japan aber für sehr vielversprechend hält und das Land sich für den internationalen Handel zu öffnen beginne, empfiehlt er, einen Handelsvertrag mit Japan abzuschließen; er traut sich sogar zu, einen solchen Vertrag selbst erfolgreich verhandeln zu können.

Abschrift

Batavia d. 20 May 1859.

Ew. Magnificenz

Erlaube ich mir einliegend den schon vor längerer Zeit versprochenen Bericht über den Handel mit Japan zu behändigen; Liste dort gehender Waaren ist aus ganz sicherer Quelle, immerhin bei dem nun auf kommenden freien Verkehr einer größeren Vervollständigung fähig.

Einen Tractat mit Japan zu schließen erlaube ich mir hier nochmals Ew. Magnificenz Aufmerksamkeit zu empfehlen. – Japan hat die Bereitwilligkeit erklärt mit allen Nationen gleiche Uebereinkünfte wie mit den Niederländern schließen zu wolle, und glaube ich, wenn vom hiesigen Gouvernement unterstützt, ich die Unterhandlung leicht zu einem gewünschten Ziele bringen würde.

Am 1 Juny findet hier nun auf Java die Offenstellung der verschiedenen kleinen Häfen für den directen Handel mit Europa statt. Specification dieser Plätze sandte ich Ew. Magnificenz schon unterm 20. Octbr. 1858 ein. Die directe Einfuhr von Manufacturen bleibt indeß vorläufig noch untersagt, diese neue Maaßregel mag seinen Grund darin haben, daß die Offenstellung der Häfen in den holländ. Kammern eine große Opposition fand, hauptsächlich wohl weil eine Verordnung v. 1841 nach der Holländische Manufacturen mit Anspruchs-Certificate unter Zollbegünstigung nur auf Batavia, Samarang, Sourabay u. Padang eingeführt werden dürfen, nicht gleichzeitig eingezogen wurde; demnach hätten holländ: Manufacturen, während dafür der Zoll Schutz noch in voller Kraft ist, auf allen diesen Sätzen gleich den fremden Fabrikanten Zoll zahlen müssen.

Ein neuer höchst liberaler Tarif für die hiesige Colonie, wird übrigens in nächster Zeit zur Berathung der Kammer in Holland vorgelegt werden. – Nach diesem werden alle Indisfferential-Zölle abgeschafft, Einfuhr u. Ausfuhr-Zölle auf ein Maximum von 6 % heruntergebracht, während die Einfuhr vieler Rohstoffe, wie auch die Ausfuhr mancher Producte, ganz frei gegeben werden. Eine englische Uebersetzung des Tarif, so wie er proponirt wird, sende ich Ew. Magnificenz mit heutiger Post unter Kreuzband. Einer Kommission von Kaufleuten, durch die hiesige Regierung ernannt, ist derselbe zur Beurtheilung vorgelegt worden, und ihr Bericht darüber geht mit einer der nächsten Posten nach Holland. Unter den hiesigen holländ. Häusern findet natürlich die Abschaffung aller Differenzial Zölle manche Opposition, doch im Allgemeinen bleibt man dennoch den liberalen Vorschlägen sehr zugethan.

Mit hochachtungsvoller Ergebenheit habe ich die Ehre zu verharren

Ew: Magnificenz

Ergebenster Diener

gez. H. C. Wilmans


Sr. Magnificenz

Herrn Syndicus C. H. Merck Dr.

Hamburg

Der Handel mit Japan.

Die beifolgende Liste über nach Japan vor einigen Jahren ab hier gesandte Waaren, habe ich nach glaubwürdiger Factura aufgemacht, die ich Gelegenheit fand zur Einsicht zu erhalten.

Wie zu erwarten war ist, nach dem die Japanische Regierung den Verkehr mit dem Auslande erlaubt hat, die allgemeine Aufmerksamkeit auf dieses Land sehr gerichtet gewesen; auf Decima bestehen jetzt zwei holländische Handlungshäuser, ein deutsches1 und verschiedene Engländer u. Americaner haben sich dort auch niedergelassen, die indeß sich namentlich auf den Verkehr zwischen Japan u. China beschränken. Das Japanesische Volk durchschnittlich sehr industriel, ist seit Jahrhunderten fast ausschließlich auf sich selbst beschränkt gewesen, und so ist es sehr erklärlich, daß augenblicklich noch, für Alles was vom Auslande kommt ein sehr geringer Consum besteht, der dann auch bei den gleichzeitig mangelhaften Auswahl passender Retouren das Geschäft dorthin im Allgemeinen noch kein besonderes günstiges hat werden lassen.

Unter Kreuzband erfolgt hierneben ein Exemplar des neuen Niederländischen Tractats mit Japan,2 dem ich den einliegend gedruckten Berichte eines Hauses auf Japan diejenigen Puncte, welche für’s Geschäft am wichtigsten sind, enthält, beifüge.

Daß die Häfen Kanahawa vom 4 July 1859. – Jedo im Jahre 1862, Hiogo im Jahre 1863. Und Osaka im Jahre 1863 dem Verkehr mit dem Auslande geöffnet werden sollen, ferner daß künftig die Ausfuhr von Gold und Silber gestattet sein soll und die lästige Vermittlung der Schatzkammer des Reichs aufhört, wird für sehr wichtig gehalten, überhaupt dürfte der Handel selbst sich nach und nach immer bedeutenderen Absatz von europäischen Industrie-Artikeln aufsuchen, die in einem Reiche dessen Bevölkerung man auf reichlich 30 Millionen schätzt, bedeutend genug werden kann, bisher dahin gemachte Unternehmungen sollen indeß mit wenigen Ausnahmen keine sonderliche Resultate geleistet haben.

Der größte Nachtheil des Geschäfts ist das es an Retouren, passend für den europäischen Markt fehlt. Ob dem Uebelstande durch die jetzt freigegebene Ausfuhr edler Metalle zur Genüge abgeholfen wird, muß erst die Erfahrung zeigen; – für Kupfer hat die Niederländische Regierung noch einen Contract, den man wenn damit die Japanische Schuld getilgt ist, wohl wird ablaufen lassen. – In diesem Falle wird der Artikel dann auch in den Handel kommen, man glaubt indeß, daß bei dem hohen Arbeitslohn in Japan Kupfererz sich für den Export, besser, als gereinigtes Kupfer in Stangen bezahlt machen wird. – Von allen anderen Japanischen Producten hat sich nur vegatabilisches Wachs bis jetzt von einiger Wichtigkeit gezeigt, davon schienen bedeutende Quantitäten geliefert werden zu können, und in Europa hat man dafür eine gute Verwendung ausgefunden. Camphor producirt Japan nur wenig Kleinigkeiten und Soya, Lackirte Waaren etc: sind Artikel von soch untergeordnetem Range, daß sie für einen bedeutenden geschäftlichen Verkehr kaum in Anwendung kommen. – Seide producirt Japan zeither nur hinreichend für den eigenen Bedarf; man glaubt die Cultur aber noch stark ausdehnen zu können.

Eine vor ca. drei Monaten auf Decima stattgefundene Feuersbrunst, soll verschiedene der neuen [nachträglich ergänzt: europäischen] Etablissemente mehr oder minder empfindliche Verlüste bereitet haben, Gebäude in dem fremden Bezirk, zum größtentheils [nachträglich ergänzt: in Eile] von Holz errichte, sollen bis auf einige in Asche gelegt sein, die massiven Gebäude, der holländ. Regierung gehörend, sind indeß ganz unversehrt geblieben und man dürfe darauf Bedacht nehme, hier die neuen Locale nur in dieser Art wieder auszuführen. Bei Gelegenheit dieses Feuers wurden übrigens abseiten der Fremden bittere Klage laut, über den äußerst mangelhaften Schutz, den die Japanische Regierung den Fremden bietet, viel soll von dem, was aus dem Feuer gerettet wurde, gestohlen worden sein, ohne daß die Japanische Regierung solches zu verhindern wußte. – Ueberhaupt soll sich der geringere Japanese sehr brutal und diebisch dem Europäer gegenüber benehmen und dieser abseiten der einheimischen Polizei wenig oder gar kein Schutz genießen.

Hamburg sollte übrigens sobald wie thunlich einen Tractat mit Japan zu schließen suchen, ohne einen solchen wird die Hamburger Flagge dort nicht zugelassen werden, es wird ihr dann ebenso gehe, wie vor Kurzem einem dänischen Schiffe welches von Hongkong nach Decima ging und unverrichteter Sache wieder umkehren mußte; Unterthanen von Nationen die noch keinen Tractat haben, dürfte es nicht besser gehen, zwar sind mehrere Deutsche von hier dorthin gegangen und zugelassen worden, solches dürfte aber vielleicht nur dadurch gekommen sei, daß sie mit holländischen Pässen versehen waren.

Batavia d. 20 May 1859.

gez: H. C. Wilmans.