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Nr. 2.2.3.12

Paul Pickenpack, Verwalter des Hanseatischen Konsulats in Bangkok, an Carl Hermann Merck, Senatssyndikus der Hansestadt Hamburg, betr. die Entwicklung des Handels in Bangkok, 26. Januar 1860

Konsulatsbericht

Regest:

Als Verwalter des Hanseatischen Konsulats in Bangkok übermittelt Paul Pickenpack, Teilhaber der Firma Pickenpack, Thies & Co. in Bangkok, dem Senatssyndikus der Hansestadt Hamburg Carl Hermann Merck Auszüge aus den Listen über die ein- und ausgelaufenen Schiffe im Hafen von Bangkok für das Jahr 1859. Ergänzend fügt er eine vergleichende Übersicht für die Exporte der Jahre 1859 zu denen der Jahre 1858 und 1857, bei der zwischen fremden und einheimischen Schiffen unterschieden wird. Erläuternd führt er aus, dass der Export bei den meisten Artikeln infolge der geringeren Nachfrage vor allem aus China zurückgegangen sei. Der Produktion habe das keinen Abbruch getan, sie sei seit der Öffnung des Hafens von Bangkok für den internationalen Handel beständig gestiegen, sodass sich auch die Preise weitgehend stablisiert hätten und nicht bei jedem kleinen Anstieg der Nachfrage nach oben entwickeln würden. Die Perspketiven für künftige Importe aus Europa beurteilt Pickenpack günstig, auch wenn der Import bisher noch weitgehend in den Händen von Siamesen chinesischer Abstammung liege, die ihre Wettbewerbsvorteile gegenüber europäischen Kaufleuten auszunutzen wüssten.

Abschrift


Hanseatisches Consulat

Bangkok, Siam 26. Januar 1860


Auf Herrn Consul Th. Thies‘s Depesche vom 4. August v. J. Bezug nehmend, beehre ich mich Ew. Magnificenz mit einem Auszug der in letztem Jahre im hiesigen Consulate ein- und ausclarirten Schiffe, nebst deren Import- und Exportladungen aufzuwarten. Ferner mit einer Uebersicht der Exporten in 1859 in fremden und Native-Schiffen im Vergleich zu denen in 1858 und 1857.

Ew. Magnificenz werden diesen Statistiken entnehmen, daß die Ausfuhr 1859, mit Ausnahme einiger Artikel geringer wie in 1858, was jedoch keineswegs seinen Grund in einer verminderten Production, sondern nur darin hat, daß bei hergestelltem Frieden im Süden Chinas1 und den guten Reis-Erndten daselbst, genügend für den Consum, weniger Schiffe unseren Hafen besuchten, als in den Jahren 1857 und 1858. – Die Artikel, die wie erwähnt eine Ausnahme bilden, sind:

Zucker, wovon Preise hier meist nach Singapore und respect: Europa-Preisen regulirt, und demnach eine regelmäßige Exportation zulassen, dann:

Häute & Hörner, in Folge einer ansteckenden Seuche, die in den heißen Sommermonaten Tausende von Büffeln tödtete, und erst mit dem Eintreten der nassen Jahreszeit endete.

Die Production meist aller Artikel und besonders solcher für den Export, ist mit jedem Jahre, seit fremde Schiffe diesen Platz besuchen, fortgeschritten, wofür der Umstand das beste Zeugniß giebt, daß nicht mehr wie im ersten Jahre Preise bei eintretendem starken Begehr sofort bedeutend stiegen, sondern jetzt Preise gewöhnlich eine gute Marge zwischen hier und den benachbarten Häfen lassen.

Auch unser Import-Handel hat sich bei steigendem Wohlstand der Eingeborenen bedeutend vermehrt, und dürfte mit der Zeit nicht allein eine Quelle des Verdiensts für Europäische Kaufleute am Platz und für Europ. Fabrikanten daheim werden, sondern wäre auch wünschenswerth als eine Rimesse gegen hiesige Producte, zu deren Einkauf die Fonds jetzt meistens baar hergelegt werden müssen.

Bis jetzt ist der Import-Handel noch zum großen Theil in den Händen unserer eingeborenen Chinesen, die ihre Waaren (mit Ausnahmen einiger Maschinerien, die von Amerika und England für Siames:Fluß-Dampfböte bezogen werden), in Singapore auf 3 – 6 Monat Credit kaufen; dieselben in ihren eigenen Schiffen herbringen, und hier auf 1 a 2 Monat Credit wieder verkaufen, wodurch das Geschäft für Europäer, die auf größeren Unkosten sitzen und nicht die Facilitäten haben, ausstehende Gelder von Detaillisten einzucassiren unprofitabel und unsicher ist. Auf der anderen Seite sind von China hier importirte Waaren, meist wirklich Chines: Manufacturen und Seidenstoffe, denen unsere Eingeborenen, zum größten Theil aus eingewanderten Chinesen bestehend, – viel den Vorzug geben. Im Laufe der Zeit bei directer Communication möchten jedoch auch diese den Europ: Waaren das Feld räumen.

Ich unterlasse es daher eine Aufmachung der Importe beizuschließen, da es sehr schwer, eine einigermaßen richtige Schätzung der in Siamesischen Schiffen eingeführten Ladungen zu machen.

Die Reis- und Zucker-Erndten sind äußerst befriedigend ausgefallen, und bei guter Frage dürfen wir in diesem Jahr auf ein lebhaftes Geschäft rechnen.

Auch der Gesundheits-Zustand der hier verweilenden Europäer war im Allgemeinen befriedigend; Krankheit und Todesfälle kommen meist nur vor, wo Leute sich unvorsichtig den Einflüssen des Climas aussetzten oder eine unregelmäßige Lebensweise führten.

Politisch bleibt hier Alles unverändert. Seitdem französische Truppen einen Theil Cochin China’s beherrschen, halten die Grenzstreitigkeiten zwischen den Cochin Chinesen und Siamesen auf.2

Indem ich mich Ew. Magnificenz etc. etc.

(gez:) Paul Pickenpack

Consulatsverweser