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Nr. 2.2.3.13

Woldemar Nissen, Konsul der Hansestadt Hamburg in Kanton, an Carl Hermann Merck, Senatssyndikus der Hansestadt Hamburg, betr. die Entwicklung des Handels in Kanton und die erhoffte Entsendung preußischer Kriegsschiffe, 20. März 1862

Konsulatsbericht

Regest:

Agathon Friedrich Woldemar Nissen, Konsul der Hansestadt Hamburg in Kanton, verbindet die Übermittlung von Listen über die ein- und ausgelaufenen Schiffe aus Hamburg und Bremen in den Jahren 1857 bis 1861 an den Senatssyndikus Carl Hermann Merck in Hamburg mit der Erläuterung, dass Kanton erheblich unter den Folgen des Zweiten Opiumkrieges gelitten habe, zum einen wegen der Besetzung der Stadt durch britische und französische Truppen, zum anderen wegen der Etablierung einer neuen Zollbehörde unter europäischer Aufsicht. Dies habe zur Verlagerung des Handels nach Hongkong und Macao geführt. Nissen hofft auf einen neuen Aufschwung, weil die Besetzung Kantons inzwischen aufgehoben wurde und der von Friedrich Albrecht Graf zu Eulenburg für den Deutschen Zollverein und die Hansestädte erzielte Vertragsabschluss die Stationierung eines oder sogar mehrerer preußischer Kriegsschiffe auf der Rhede vor Whampoa zum Schutz deutscher Interessen vorsehe.

Canton, d. 20 März 1862.

Ew. Magnificenz

Habe ich heute die Ehre beifolgend die jährlichen Listen der während des verflossenen Jahres in unserem Hafenplatz Whampoa Statt gehabten Schiffsbewegungen der hamburgischen Schiffe in

Anlagen A & B. Aufgabe der angekommenen respect: abgegangenen Schiffe unter hamburger Flagge

Anlagen C. & D. Aufgabe der während der Z. 1857/61 angekommenen und abgegangenen Schiffe unter hamburger und bremer Flagge

zu behändigen.

Leider zeigt dieselbe einen nicht unerheblichen Abfall in der Zahl der unseren Hafen besuchenden Schiffe gegen die vorhergegangenen Jahre, welches seinen Grund allerdings nicht in einer Abnahme unserer Flagge in den chinesischen Gewässern überhaupt; sondern mehr localen Verhältnissen zugeschrieben werden muß und zunächst in den während des verflossenen Jahres darniederliegenden Handel an diesem Platze zu suchen, der durch neue Zolleinrichtungen der chinesischen Regierung unter Leitung europäischer Beamten einen nicht unerheblichen Theil derselben dem benachbarten Hongkong und Macao zugeführt und die namentlich dann für unsere Schiffe wichtigen Küsten- und Reishandel beeinträchtigt haben.

Die Stadt Canton welche seit dem Ausbruche der Feindseligkeiten zwischen der chinesischen Regierung und den Westmächten von England und Frankreich gemeinschaftlich besetzt gehalten, ist am 21 Octbr wieder den Chinesen zurückgegeben worden, und haben dieselben seitdem mit Wiederaufbau des zerstörten Theils der Stadt einen Anfang gemacht, es macht sich dadurch mit herbeigeführt im Allgemeinen eine günstige Stimmung während der letzten Wochen im Geschäfte bemerkbar und steht zu hoffen, daß das angefangene Jahr gegen das verflossene wieder eine Zunahme in geschäftlicher Bewegung an diesem Platze zeigen wird. –

Ueber den inzwischen durch Sr. Excellenz Herrn Graf zu Eulenburg mit der chinesischen Regierung auch für die Hansestädte abgeschlossenen Vertrag werden Ew. Magnificenz zweifelsohne directe Mittheilungen geworden sein, und hoffe ich sehr, daß auch der Ratificirung dieses für deutsche Interessen so wichtigen Handelstractats die im Laufe dieses Jahres statt finden muß keine Hindernisse bereitet werden und daß die höheren Orts von den Herrn Grafen Eulenburg befürwortete permanente Placirung eines oder wenn möglich mehrerer Fahrzeuge der Königl. Preußischen Marine in hiesigen Gewässern zur Wahrnehmung deutscher Interessen in nächster Zeit zur Ausführung kommen möge, da es nicht zu leugnen daß durch die Anwesenheit solcher unseren Handel beschützenden Kriegsfahrzeuge die Stellung der deutschen Kaufleute in China, welcher bisher allen directen Schutzes entbehrt, eine viel gesicherte erschienen würde und dadurch dem jetzt schon nicht unerheblichen Antheile den wir Deutsche an dem hiesigen Handel nehmen, eine weitere Ausdehnung zu geben versprächen.

Schließlich habe ich mich noch zum Empfange Ew. Magnificenz Circular-Depesche vom 19t. Aug. v. Js, die Aufhebung des Stader-Zolls betreffend, zu bekennen, von deren Inhalte gebührende Vermerkung genommen habe.

Ich verbleibe mit aller Achtung

Ew. Magnificenz ergebener

gez: W. Nissen

Consul


Sr. Magnificenz

Herrn Syndicus C. H. Merck Dr.

Hamburg.