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Nr. 2.2.3.15

Wilhelm Pustau, Teilhaber der Firma Wilhelm Pustau & Co. in Kanton, aus Shanghai, an Louis Kniffler, Teilhaber der Firma Louis Kniffler & Co. in Nagasaki, betr. die geschäftliche Zusammenarbeit, 3. Juni 1862

Geschäftsbrief

Regest:

Zurück von einem Besuch in Japan bei der Firma Louis Kniffler & Co. in Nagasaki bedankt sich Wilhelm Pustau, der gerade in Shanghai angekommen ist, bei seinem Gastgeber Louis Kniffler für die freundliche Aufnahme, informiert ihn über verschiedene Schiffe, die zwischen China und Japan unterwegs sind und legt dar, wie er mit der von Louis Kniffler & Co. gekauften Seide weiter verfahren will. Er steht mit verschiedenen potenziellen Endabnehmern in Europa in Verbindung, die jedoch unterschiedliche Preisvorstellungen haben. Er bittet Kniffler, seine genauen Dispositionen an Wilhelm Probst, den Leiter der Niederlassung Shanghai des Hauses Wilhelm Pustau & Co., durchzugeben. Pustau spricht Versicherungsfragen an, bestätigt außerdem, sich um die versprochenen Besorgungen für Mitarbeiter der Firma Louis Kniffler & Co. zu kümmern und bringt zum Ausdruck, dass er sich über die Wiederaufnahme der Geschäftsbeziehung freut.

Shanghai 3 Juni 1862.

Lieber Herr Kniffler!

Ich danke Ihnen für die freundschaftliche Aufnahme welche Sie mir haben zu Theil werden lassen, und die den Aufenthalt bei Ihnen zu einem so angenehmen mir gemacht daß das Bild in willkommener Rückerinnerung mir verbleiben wird.

Am 31 Mai Abds trafen wir mit der Flora in Woosung ein und sofort ging ich overland hierher mit dem Capit: Pedersen der das Aeußerste gethan die Reise mir zu einer gemüthlichen zu gestalten. Ich hatte ihn gestern Abend bei mir zu Tische und wir freuten uns Beide unserer schnellen Ueberkunft. Erst heute Morgen sind die Waterwitch und Armistice angekommen, während ich schon fertig gesattelt dastehe, heute Abend mit dem Ste Pekin n/ HongKong und dann 14 Tage oder jedenfalls einen Monat später nach Europa abgehe.

Den Ste St. Louis trafen wir beim LightShip ausgehend und haben einen Flaggengruß ausgewechselt. Ob der Sauermann diesen nach Kanagawa expedirten Steamr. bei Ihnen noch immer erwartet? Grüßen Sie ihn inzwischen freundlichst, wenn er noch in Nagasaki.

Die Seide ex Flora ist noch nicht entlöscht und das Urtheil unseres Silk Inspectors über die Muster ist nicht erschöpfend. Nach hiesigen Preisen wird mein Ankauf billig genannt. Nach London Preisen wage ich es nicht für Kaysers Rechnung mehr als Zehn Peculs zu disponiren, denn er bleibt noch immer bei seinen zu niedrigen Limiten um für ihn operiren zu können. Er hat kein Vertrauen zu der letzten Speculations Erhöhung, behauptet die Motive dafür durchaus unhaltbar, bis die Wirren der V. ht.1 gelöst worüber noch Jahre vergehen können.

Für das Ihnen genannte Engl. Haus aber werden wir die Waare facturiren dürfen und ich erwarte nun mit der Marmora oder sonstiger erster Gelegenheit von Ihnen zu hören wie Sie die 120 Pecs. geschlossen und wie Sie Ihre Betheiligung eventuel dabei wünschen. In HongKong hoffe ich diese Nachricht zu erhalten, und inzwischen habe ich m/ Probst verabredet, daß er Ihrer Disposition sei es durch Ihre Tratte, sei es durch Dollar Sendung promptestens nachkommt.

In Betreff der Assecuranzen ist hier die nöthige Annotation gemacht. Aber ich glaube es wünschenswerth, wenn Sie nach jedesmaliger Abladung Adrian & Co.2 Notiz geben, „for acct. WmP. & Co. Shipped value $ …….. per …… for which WmP: & Co. have open policy covered at Shanghai in the Batavia Sea & Fire Insurance Comp.“.

Nach unserer Unterhaltung hatte ich gehofft Sie würden Kayser's Comm: Ansatz 2 % in Allem für Rohseiden Ankäufe als Maasstaab gelten lassen. Bitte überlegen Sie sich dies und geben Sie dadurch Probst die Veranlassung auch Ihrem Yokuhama Hause Seiden Ordres zu geben.

In Betreff Schildplatt mache ich Nachforschung in Hongkg & Canton.

Essig Säure für Cusoni habe ich Probst für mich zu besorgen gebeten, so auch zwei junge Hunde für Lehmann und Adrian, die ich davon zu unterrichten bitte.

Hinsichtlich der „Glendoveer” kann ich noch nichts sagen da der Capitain noch nicht hier. Frachten scheinen mir hier jedoch zu hoch um zu £ 5.– reussiren zu können. Ihre Kohlen sollen beste Sorgfalt finden wie überhaupt Alles was Sie nach der jetzt wiedereröffneten Geschäftssache meiner Firma auftragen & zuwenden wollen.3

Und somit Adieu! Wenn nicht früher in Europa dann in drei Jahren in Japan sehen wir uns wieder. Die freundlichsten Grüße noch den dortigen Bekannten und Ihren beiden dienstfertigen zuvorkommenden jungen Leuten.

Der Ihrige

Wm Pustau