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Shanghai 3 Juni 1862.
Lieber Herr Kniffler!
Ich danke Ihnen für die freundschaftliche Aufnahme welche Sie mir haben zu Theil werden lassen, und die den Aufenthalt bei Ihnen zu einem so angenehmen mir gemacht daß das Bild in willkommener Rückerinnerung mir verbleiben wird.
Am 31 Mai Abds trafen wir mit der Flora in Woosung ein und sofort ging ich overland hierher
mit dem Capit:
Pedersen der das Aeußerste gethan
die Reise mir zu einer gemüthlichen zu gestalten. Ich hatte ihn gestern Abend
bei mir zu Tische und wir freuten uns Beide unserer schnellen Ueberkunft. Erst
heute Morgen sind die Waterwitch
und Armistice angekommen, während
ich schon fertig gesattelt dastehe, heute Abend mit dem Ste Pekin
n/
HongKong und dann 14 Tage oder
jedenfalls einen Monat später nach Europa
abgehe.
Den Ste St. Louis trafen wir beim LightShip ausgehend und haben einen Flaggengruß ausgewechselt. Ob der Sauermann diesen nach Kanagawa expedirten Steamr. bei Ihnen noch immer erwartet? Grüßen Sie ihn inzwischen freundlichst, wenn er noch in Nagasaki.|1. Bogen, 2. Seite|
Die Seide ex Flora ist noch nicht entlöscht und das Urtheil unseres Silk Inspectors über die Muster ist nicht erschöpfend. Nach hiesigen Preisen wird mein Ankauf billig genannt. Nach London Preisen wage ich es nicht für Kaysers Rechnung mehr als Zehn Peculs zu disponiren, denn er bleibt noch immer bei seinen zu niedrigen Limiten um für ihn operiren zu können. Er hat kein Vertrauen zu der letzten Speculations Erhöhung, behauptet die Motive dafür durchaus unhaltbar, bis die Wirren der V. ht. gelöst worüber noch Jahre vergehen können.
Für das Ihnen genannte Engl. Haus aber werden wir die Waare facturiren dürfen und ich erwarte nun mit der Marmora oder sonstiger erster Gelegenheit von Ihnen zu hören wie Sie die 120 Pecs. geschlossen und wie Sie Ihre Betheiligung eventuel dabei wünschen. In HongKong hoffe ich diese Nachricht zu erhalten, und inzwischen habe ich m/ Probst verabredet, daß er Ihrer Disposition sei es durch Ihre Tratte, sei es durch Dollar Sendung promptestens nachkommt.|1. Bogen, 3. Seite|
In Betreff der Assecuranzen ist hier die nöthige Annotation gemacht. Aber ich glaube es wünschenswerth, wenn Sie nach jedesmaliger Abladung Adrian & Co. Notiz geben, „for acct. WmP. & Co. Shipped value $ …….. per …… for which WmP: & Co. have open policy covered at Shanghai in the Batavia Sea & Fire Insurance Comp.“.
Nach unserer Unterhaltung hatte ich gehofft Sie würden Kayser's Comm: Ansatz 2 % in Allem für Rohseiden Ankäufe als Maasstaab gelten lassen. Bitte überlegen Sie sich dies und geben Sie dadurch Probst die Veranlassung auch Ihrem Yokuhama Hause Seiden Ordres zu geben.
In Betreff Schildplatt mache ich Nachforschung in Hongkg & Canton.
Essig Säure für Cusoni habe ich Probst für mich zu besorgen gebeten, so auch zwei junge Hunde für Lehmann und Adrian, die ich davon zu unterrichten bitte.
Hinsichtlich der „Glendoveer” kann ich noch nichts sagen da der Capitain noch nicht hier. Frachten scheinen mir hier jedoch zu hoch um zu £ 5.– reussiren zu können. Ihre Kohlen sollen beste Sorgfalt finden wie überhaupt Alles was Sie nach der jetzt wiedereröffneten Geschäftssache meiner Firma auftragen & zuwenden wollen.|1. Bogen, 4. Seite|
Und somit Adieu! Wenn nicht früher in Europa dann in drei Jahren in Japan sehen wir uns wieder. Die freundlichsten Grüße noch den dortigen Bekannten und Ihren beiden dienstfertigen zuvorkommenden jungen Leuten.
Der Ihrige
Wm Pustau
AbdsAbends
n., n/nach
St.Sankt [z. B. in Sankt Petersburg]
Engl., engl.englisch
m., m/meiner, mit
acct.account (englisch)
Comm., Comm:Commission [Gremium]
Wm. Pustau & Co., Kanton / HongkongDie Firma Wm. Pustau & Co., die zum 1. Januar 1845 in Kanton ihre Geschäftstätigkeit aufnahm, gilt als erstes deutsches Handelshaus in China überhaupt. Wilhelm von Pustau und sein Teilhaber Wilhelm Probst bekamen finanzielle Unterstützung durch den Hamburger Privatbankier Salomon Heine. Schon bald wurden Niederlassungen in Hongkong und Shanghai, später auch in Tianjin eröffnet. Von Hongkong aus, wohin der Sitz des Unternehmens verlagert wurde, versuchte Friedrich August Freiherr von Lühdorf, ein weiterer Teilhaber, seit Mitte der 1850er Jahre ein eigenes Handelshaus in Nikolajewsk am Amur sowie auch Handelsbeziehungen nach Japan aufzubauen, was ihm auch gelang. Den Aufbau einer Niederlassung in Yokohama sollte Rudolph Lindau übernehmen, der zugleich als Konsul der Schweizerischen Konföderation in Yokohama tätig war und 1864 unter dem Namen Rudolph Lindau & Co. eine Firma in Yokohama gründete. Wm. Pustau & Co. in Hongkong konzentrierten sich auf den innerasiatischen Küstenhandel, insbesondere zwischen China und Japan. 1876 musste die Firma jedoch Konkurs anmelden. Eine von Theodor von Pustau, einem Sohn des Firmengründers, gemeinsam mit dem früheren Angestellter E. L. Reuter unter dem Namen Pustau & Co. etablierte Firma mit Sitz in Kanton und Hongkong, die sich in Hamburg durch die Gebrüder Cordes vertreten ließ, wurde 1889 umbenannt zu Reuter, Bröckelmann & Co. mit Sitz in Shanghai. Vgl.
Aus den Anfangszeiten, 1. Reuter, Bröckelmann & Co.
.
L. Kniffler & Co., Nagasaki / YokohamaDie Firma L. Kniffler & Co. wurde im Frühjahr 1859 von Louis L. Kniffler und Martin Hermann Gildemeister, beide zuvor für Pandel & Stiehaus in Batavia tätig, in der niederländischen Konzession auf Dejima vor Nagasaki gegründet. Da sich nach dem Abschluss des Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrages zwischen Preußen und Japan neben Nagasaki auch Yokohama rasch zu einem wichtigen Hafen für den japanischen Außenhandel entwickelte, richteten sie bald auch dort eine Niederlassung ein, deren Leitung Gildemeister übernahm, während Kniffler in Nagasaki blieb. Die Firma L. Kniffler & Co. beteiligte sich am japanischen Außenhandel zunächst ohne spezielles Profil, d. h. sie exportierte vor allem Rohseide, Rohbaumwolle, Tee, Meeresfrüchte sowie Kupfer und Steinkohle über Shanghai nach China und über Batavia nach Niederländisch-Indien, und sie importierte in erster Linie Tuche, gefolgt von Zink, Blei und Eisen sowie Baumwollgarn über Batavia nach Japan. In den 1860er Jahren weitete die Firma L. Kniffler & Co. das Netz ihrer Geschäftsbeziehungen zielstrebig auf Importfirmen in Europa und den USA aus, vor allem in Lyon, Marseille und London sowie San Francisco. Eisen- und Metallwaren gewannen bei den Importen einen wachsenden Stellenwert, hinzu kamen später japanische Regierungsaufträge für Investitions- und Rüstungsgüter. Kniffler selbst kehrte schon 1865 nach Deutschland zurück und eröffnete 1866 eine weitere Niederlassung in Düsseldorf, die als Einkaufsgesellschaft und Koordinationsstelle für Kontakte nach Westeuropa tätig wurde. Auch Gildemeister ging 1868 nach Deutschland zurück, schied aber aus der Firma aus. In Japan übernahmen Gustav Reddelien (Nagasaki) und Carl Illies sen. (Yokohama) die Führung, wobei Yokohama Ende der 1860er Jahre zum Hauptsitz der Firma wurde. Vor dem Hintergrund des Kampfes um die Wiederherstellung der Kaiserherrschaft gewannen Waffen- und Rüstungsimporte einen immer höheren Stellenwert. L. Kniffler & Co. gelang es, die wachsenden Risiken des Zahlungsausfalls durch vertraglich gesicherte Exportwarenlieferungen zu mildern. Weitere Niederlassungen konnten in Hyōgo (später: Kōbe) und Osaka etabliert werden. Im Auftrag der Firma Siemens lieferte die Firma L. Kniffler & Co. in Düsseldorf 1870 eine erste Telegraphenanlage nach Japan und wies damit den Weg für die nachhaltige Veränderung des Importprofils zu Gunsten von Industriewaren, Maschinen und Anlagen in den folgenden Jahren. 1880 wurde das von Louis Kniffler aufgebaute Unternehmen von Carl Illies sen. übernommen und in die Firma C. Illies & Co. überführt. Vgl.
Schmidtpott, Aufstieg
. Vgl. auch die digitale Edition: „Die internationale Geschäftskorrespondenz von L. Kniffler & Co. (1859–1876)“. Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Ostasienwissenschaften, Geschichte Japans. URL: https://kniffler.ub.rub.de .
Kanton [Stadt in China]; auch: Canton, Guangzhou (Pinyin)
Nagasaki [Stadt in Japan]; auch: Nangasaki
Shimonoseki [Stadt in Japan]; auch: Bakan
Dejima [künstlich angelegte Insel in der Bucht von Nagasaki, Japan]; auch: Decima
Shanghai (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Schanghai, Shang-hae, Shang-hai, Shanghae, Shanhay
Amur [Fluß zwischen China und Russland]
Europa; auch: Europe (englisch)
Wusung [Fluss in China, der nördlich der Stadt Shanghai in den Huangpu mündet, kurz bevor dieser wiederum in den Jangtsekiang mündet]; auch: Woosung
Kanagawa [Stadt in Japan]; auch: Kanagara, Kanagava, Kanahawa
London
Batavia [Stadt auf der Insel Java]
Japan; auch: Japon (französisch), Jappan
Pustau, Carl Wilhelm Engelbrecht vonCarl Wilhelm Engelbrecht von Pustau (Wilhelm von Pustau)Kaufmann, Konsul, Politiker13399238101.08.18201879Wilhelm von Pustau stammte aus Holstein und durchlief eine käufmännische Lehre bei Conrad Hinrich Donner in Altona. Schon 1842 entsandte er ein eigenes Segelschiff nach China, wo er am 1. Januar 1845 die erste deutsche Firma in China überhaupt etablierte: das Handelshaus Wm. Pustau & Co. in Kanton. 1851 wurde Wilhelm von Pustau zum Konsul der Hansestadt Bremen in Kanton berufen, geriet bei den anderen deutschen Kaufleuten vor Ort jedoch rasch in die Kritik, weil er sein Amt in deren Augen über Gebühr für eigene geschäftliche Belange nutzte. Spätestens 1855 zog er sich aus diesem Amt zurück und kehrte 1858 nach Altona zurück, wo er eine Niederlassung seines Unternehmens etablierte. Er reiste danach noch mehrfach nach China und Japan. Seit 1870 gehörte er dem Verwaltungsrat der gerade gegründeten Deutschen Bank in Berlin an, außerdem war eine einige Jahre Mitglied des Deutschen Reichstags. Sein Handelshaus ging 1876 in Konkurs. Eine Neugründung seines Sohnes Theodor von Pustau führte seit 1889 den Firmennamen Reuter, Bröckelmann & Co. und wählte als Firmensitz Shanghai. Vgl.
Möring, Siemssen & Co.
, S. 28, 34;
Eberstein, Hamburg - China
, S. 37;
Bard, Traders of Hong Kong
, S. 103.
Kniffler, Franz Ludwig AlbertFranz Ludwig Albert Kniffler (Louis Kniffler)Kaufmann, Konsul137818664514.01.182720.03.1888Louis Kniffler war für die Firma Pandel & Stiehaus in Batavia tätig und stieg zu deren Teilhaber auf, bevor er sich 1858 entschied, gemeinsam mit Martin Hermann Gildemeister nach Japan zu gehen, um dort ein eigenes Unternehmen zu etablieren. Zum 1. Juli 1859 gründeten die beiden die Firma Louis Kniffler & Co., die ihren Sitz zunächst auf Dejima, dann in Nagasaki nahm und ihre Geschäftskontakte nach dem Abschluß des Handelsvertrages zwischen Preußen und Japan vom 24. Januar 1861 rasch ausbauen konnte. Louis Kniffler übernahm bald darauf das Amt eines preußischen Vizekonsuls und übte es bis zu seiner Rückkehr nach Europa Ende 1865 aus. Er ließ sich in Düsseldorf nieder und pflegte von dort aus die Verbindungen zur Industrie an Rhein und Ruhr, deren Produkte auf dem japanischen Markt zunehmend gefragt waren. 1880 schied Kniffler aus seiner Firma aus, die nun von Carl Illies sen. unter dem Namen C. Illies & Co. weitergeführt wurde und 1888 ihren Sitz nach Hamburg verlagerte. Vgl.
Zielke, Louis Kniffler
;
Bähr/Lesczenzki/Schmidtpott, C. Illies & Co.
.
SauermannSauermann war um 1862 ein in Nagasaki tätiger Kaufmann.
Flora
Waterwitch
Armistice
Pekin
Sankt Louis
Marmora
Glendoveer
Teilhaber; auch: Ahsocié, Associé, Gesellschafter, Partner, Theilhaber, Theilnehmer
Preis; auch: Außenhandelspreis, Bruttopreis, Einkaufspreis, Facturapreis, Kaufpreis, Listpreis, Preisentwicklung, Preisverfall, price (englisch), Selbstkostenpreis, value (englisch), Verkaufspreis, Waarenwerth, Weerth, Wert, Werthbemessung
Versicherung; auch: Assecuranz, insurance (englisch), policy (englisch), Versicherungsgesellschaft, Versicherungspolice, premium (englisch), Versicherungsprämie, Versicherungswesen
Kapitän; auch: Capitän, Capitain, captain (englisch), Kapitaen, Schiffscapitän
Seide; auch: Abfallseide, rohe Seide, Rohseide, Seidenhandel, silk (englisch)
Seideninspekteur; auch: silk inspector (englisch)
Warenmuster; auch: Muster, sample (englisch)
Picul [Gewichtseinheit]; auch: Pecul, Pekul, Pikkel, pikolIn China und anderen Ländern Ostasien war das „Picul“ im 19. Jahrhundert eine weit verbreitete Gewichtseinheit, die in etwa dem entsprach, was ein erwachsener Mann mittels einer Schulterstange und zwei daran befestigten Körben tragen konnte. Dabei bestand jedoch eine große regionale Variationsbreite, die sich zwischen 39 und 69 Kilogramm für ein Picul bewegte, das sich wiederum in 100 Catties aufteilen lies. In Hongkong versuchten die Briten 1844 eine Vereinheitlichung durchzusetzen: Ein Picul sollte genau 133 1/3 englischen Pfund entsprechen, was sich aber nicht durchsetzen ließ. Nach moderner Definition entspricht ein Picul exakt 60,478982 Kilogramm.
Tratte s. auch Wechsel
Der finanztechnische Fachbegriff „Tratte“ bezeichnet einen Wechsel, der vom Wechselaussteller (auch Trassant genannt) gezogen, also mit einer unbedingten Zahlungsanweisung auf einen bestimmten Bezogenen (auch Trassat genannt) versehen und in Umlauf gesetzt, von diesem Bezogenen aber noch nicht akzeptiert wurde. Erst mit seiner Unterschrift, dem so genannten Akzept, erkennt der Bezogene die Zahlungsverpflichtung verbindlich an, sodass der Wechsel von einer Tratte zu einem Akzeptwechsel mit einer bestimmten Laufzeit bis zur Zahlung wird. Mit Hilfe von Tratten können also so genannte Trassierungskredite gewährt werden, deren Laufzeit mit dem Akzept des Bezogenen beginnt. - Grundsätzlich von der Tratte zu unterscheiden ist der „Solawechsel“, mit dem der Aussteller selbst ein Zahlungsversprechen abgibt, entweder für einen bestimmten Termin oder bei Sicht.
Fracht [Frachtkosten]; auch: Frachtpreis, Frachtrate, Frachtspesen
Pound Sterling [Währungseinheit]; auch: £, £ st., l., Pfund Englisch, Pfund SterlingDas britische Pound Sterling, üblicherweise abgekürzt mit dem Zeichen £, unterteilt sich in shilling, abgekürzt s oder sh, und pence, abgekürzt d (für „denarius“). Ein Pound Sterling entspricht dabei 20 shilling oder 240 pence (1 shilling = 12 pence).
Kohlen; auch: Kohlenhandel