| Regest: |
Rudolph Lindau, Konsul der Schweizerischen Konföderation in Yokohama, berichtet Julius Menke, dem in Hongkong ansässigen Teilhaber der Firma Wilhelm Pustau & Co., die zu dieser Zeit gerade Überlegungen anstellt, Lindau mit der Etablierung einer Niederlassung in Yokohama zu betrauen, dass er vor wenigen Tagen in Japan angekommen sei. Im Verhältnis zwischen Japanern und Europäern hat sich nach seinem Eindruck seit seinem letzten Aufenthalt vor zwei Jahren nicht sehr viel verbessert: Es sei noch immer vom Widerwillen der Japaner gegenüber den Fremden und von Überheblichkeit der Europäer gegenüber den Japanern geprägt. Dennoch ist Lindau überzeugt, dass der Handel mit Japan in den nächsten Jahren weiter kräftig wachsen werde, da inzwischen zahlreiche Nationen Handelsverträge mit Japan abgeschlossen hätten, so wie auch die Schweiz, für die er schon 1859 das Konsulat in Yokohama übernommen hat. Er rät Menke, sich bei seinem anstehenden Besuch in Deutschland nochmals für den Abschluß eines Vertrages der Hansestädte mit Japan einzusetzen, denn der amtierende preußische Konsul - gemeint ist Louis Kniffler - sei zwar ein energischer Mann, habe aber nicht das Recht, andere als preußische Schiffe einzuklarieren. |
| Formalia: | 2 Blätter, handschriftlich beschrieben, teils beidseitig, teils einseitig, als Abschrift gekennzeichnet, mit nachträglichen Vermerken von anderer Hand, die - sofern sie nur der Registration dienten - in der Transkription nicht berücksichtig werden. |
Consulat
de la Confédération suisse
au Japon
Yokuhama, 10. Juli 1864.
Lieber Menke,
Ich bin vor einigen Tagen hier angekommen und habe gefunden, daß die Sachen hier gerade so standen, wie ich es erwartet hatte, das heißt wie ich sie vor zwei Jahren verlassen hatte.1 Die Japanesen haben sich noch immer nicht mit dem Gedanken versöhnen können, daß die Fremden, denen sie erlaubt haben sich hier niederzulassen, nun ungestraft als Herren von Japan auftreten sollten & die Europäer ihrerseits können es nicht über’s Herz bringen die Japanesen als Ebenbürtige zu betrachten & fahren fort sie, im Allgemeinen, in einer Weise zu behandeln, die der Kritik & dem Tadel ein weites Feld offen läßt. – Im ganzen sind die Zustände also [nachträglich ergänzt: nicht] befriedigend. Dem ungeachtet halte ich daran fest, daß dieselben keine ernstlichen Besorgnisse einflössen dürfen & daß sie auf eine vielversprechende Zukunft hindeuten. Der Handel mit Japan hat in erstaunlich kurzer Zeit einen großen Umfang genommen & alles deutet darauf hin, daß derselbe noch während langer Zeit im Wachsen bleiben wird. Alle handeltreibenden Nationen sind deshalb auch hier vertreten & selbst Staaten zweiten und dritten Ranges lassen es sich jetzt angelegen sein, Verbindung mit Japan zu suchen. Ein dänischer Gesandter ist mit letzter Mail in Shanghai angekommen und wird täglich hier erwartet. Ich zweifele gar nicht daran, daß es auch ihm gelingen werde, einen Vertrag mit Japan abzuschließen. Die Japanesen werden zwar zu Anfang einige Schwierigkeiten machen, aber wenn sie sehen werden daß sie mit einem geduldigen Mann zu thun haben, dem es nicht darauf ankömmt etwas, wenn auch lange, zu warten, so werden sie selbst froh sein den Unterhandlungen, die ihnen Zeit und Unruhe kosten, ein Ende zu machen und werden finaliter zu allen billigen Forderungen Ja sagen. –
Andern Staaten würde es ebenso gehen. Und dies bringt mich zu eigentlichen Grunde meines heutigen Briefes. – Ich wollte Ihnen, im allgemeinen Interesse, anrathen Ihren Aufenthalt in Deutschland zu benutzen, um gehörigen Ortes verständlich zu machen, daß die verschiedenen handeltreibenden Staaten Separatverträge mit Japan abschließen sollten. Der hier ansässige Preußische Consul, ein sehr liebenswürdiger & energischer Mann übrigens, übernimmt es zwar gern, allen hier anwesenden Deutschen seine Protection angedeihen zu lassen, aber er hat kein Recht andere als preußische Schiffe hier einzuklariren und die Oldenburger, Hamburger & andere Rheder & Schiffe können also bis jetzt gar keinen Nutzen von dem deutschen Vertrage mit Japan ziehen. – Sie wissen, wie sehr ich mich für unsere Schifffahrt interessire & Sie werden es also natürlich finden, daß ich es bedaure, wenn ich den Anblick der deutschen Flaggen, die in Hongkong, Canton, Shanghai und auf den ganzen Küste einen guten Namen haben, hier ganz entbehren muß. – Unsere Schiffe werden hier gute Geschäfte machen, glauben Sie es mir & daß dies dem ganzen deutschen Handel zu mehr oder weniger bedeutendem Nutzen gereichen werde, darüber kann wohl gar kein Zweifel sein. Ich empfehle Ihnen deshalb auch an, die Geschichte ordentlich in die Hand zu nehmen. Die Kosten einer Mission werden nicht bedeutend sein & die Vertretung eines deutschen Staates könnte gratis von einem hiesigen Consul übernommen werden. –
Ich bin sehr beschäftigt, habe Ihnen nur Obiges mittheilen wollen & sage Ihnen nun, nachdem ich dies gethan habe, Adieu.
Mit bestem Gruße
der Ihrige
[Nachträglich von anderer Hand vermerkt: Associé Menke wird in diesen Tagen hier erwartet.]