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Nr. 2.3.1.02

Rudolph Heinsen, Hanseatischer Konsul in Shanghai, an Carl Hermann Merck, Senatssyndikus der Hansestadt Hamburg, betr. die Schifffahrt auf dem Jangtsekiang und dem Huangpu sowie den ersten Dampfer der Hamburger Handelsflotte, 7. April 1866

Konsulatsbericht

Regest:

Rudolph Heinsen, der Hanseatische Konsul in Shanghai, berichtet Carl Hermann Merck, dem Senatssyndikus der Hansestadt Hamburg über Neuerungen im Schiffsverkehr, u. a. im Hinblick auf die Beförderung von chinesischen Auswanderern, die als Kulis arbeiten wollen, sowie die in der innerasiatischen Küstenschifffahrt zwischen Cochinchina, China und Japan zu entrichtenden Tonnengelder, die bei vergleichsweise kurzen Frachtfahrten besonders ins Gewicht fallen. Er wirft die Frage auf, warum er als Hanseatischer Konsul die Informationen über Erlasse von solcher Bedeutung nicht direkt von der preußischen Gesandtschaft in Peking erhalte, sondern sie zuerst aus der Zeitung erfahre. Heinsen legt ferner dar, dass er gemeinsam mit den Konsuln anderer Staaten beim Daotai von Shanghai dafür eingetreten sei, die Einnahmen aus den Tonnengeldern bevorzugt für die Verbesserung der Schiffbarkeit des Huangpu und Jangtsekiang zu verwenden, nicht zuletzt für die Ausbaggerung des Huangpu bei seiner Mündung in den Jangtsekiang. Die Zahl der Hamburgischen Seeschiffe im Hafen von Shanghai sei im Jahr 1864 zurückgegangen, letztlich eine Folge der sinkenden Frachtraten. Gute Geschäfte in den chinesischen Gewässern mache jedoch das erste aus Hamburg stammende Dampfschiff.

Auszug

aus dem Berichte des Hamburgischen Consuls

zu Shanghai Herrn R. Heinsen d. d. 7 April 1866


Wie Ew. Magnificenz aus dem anliegenden Ausschnitt aus einer hiesigen Zeitung zu ersehen belieben, sind die zwischen den im französischen Besitz befindlichen Häfen Cochin Chinas, sowie den Häfen Japan‘s und Chinas fahrenden Schiffe in Zukunft genöthigt, nur einmal während 4 Monaten Tonnengelder zu bezahlen, eine Maßregel, welche die Fahrten der Schiffe zwischen Cochin China sowie Japan und China bedeutend erleichtern dürfte, da die hohen Tonnengelder bei der Annahme derartiger Frachten sehr in’s Gewicht fielen, wenn leider auch die Hamburgische Flagge durch die Japan betreffende Bestimmung noch keinen Vortheil hat. –

Ferner lege ich eine Veröffentlichung betreffend die Auswanderung von Coolies bei. –

Ich erlaube mir an Ew. Magnificenz hierbei die Anfrage, ob solche Erlasse nicht eigentlich direct von der Preussischen Gesandtschaft in Pekin oder durch Vermittlung des hiesigen General Consulats mir mitgetheilt werden sollten, laut Vertrag genießen die Hanseatischen Staatsangehörigen zwar vollständig die Rechte der meistbegünstigten Nationen, etwaige Verfügungen werden aber nur den Gesandten in Pekin mitgetheilt und erscheint es mir der Würde der Hansestädte nicht angemessen, daß sie solche Vortheile erst durch allgemeine Zeitungsanzeigen kennen lernen. – Mit der chinesischen Regierung ist in dieser Hinsicht nichts zu machen. –

Im Verein mit den übrigen Consuln der hier vertretenen fremden Mächte sah ich mich veranlaßt an den hiesigen Taoutai eine Depesche zu richten, worin er dringend aufgefordert wird Maßregeln zur Verbesserung der Schiffahrt auf den Yangtsye und Hwangpoo Flüssen zu treffen. – Da keine officielle Nachweise über die Verwendung der beträchtlichen Ueberschüsse aus den Einnahmen für Tonnengelder existirt, so sollte er zu diesem Zwecke genügende Fonds in Händen haben und nach dem Ausspruche der Sachverständigen ist es durchaus nothwendig eine Baggerung der Barre am Eingang des Flusses vorzunehmen, so wie Leuchtthürme zu errichten, Bojen zu legen etc. etc. Eine Antwort ist noch nicht erfolgt. Endlich habe ich Ew. Magnificenz, noch eine Liste der im Laufe des vergangenen Jahres hier eingetroffenen und abgegangenen Hamburgischen Seeschiffe zu behändigen, welche leider wiederum einen Ausfall von 39 Schiffen oder 3554 Lasten zeigt; es ist dieser wohl hauptsächlich eine Folge davon, daß eine Menge Schiffe in Folge andauernd ungünstiger Frachtverhältnisse diese Küste verlassen haben und nach Hause zurückgekehrt sind, doch ist die Hamburgische Handelsflotille in den Chinesischen Gewässern durch einen Steamer vermehrt worden, der dem Anschein nach hier gut gefällt und gute Geschäfte macht. –

In Betreff des Handels an dem hiesigen Platze erlaube ich mir vorläufige Bezugnahme an die unter Kreuzband beifolgenden Returns of Trade zu nehmen und werde mir erlauben weiter darauf zurückzukommen, sobald die officiellen Berichte im Druck erschienen sind.