|1. Blatt, Vorderseite|
Auszug
aus dem Berichte des Hamburgischen Consuls
zu Shanghai Herrn R. Heinsen d. d. 7 April 1866
Wie Ew. Magnificenz aus dem anliegenden Ausschnitt aus einer hiesigen Zeitung zu ersehen belieben, sind die zwischen den im französischen Besitz befindlichen Häfen Cochin Chinas, sowie den Häfen Japan‘s und Chinas fahrenden Schiffe in Zukunft genöthigt, nur einmal während 4 Monaten Tonnengelder zu bezahlen, eine Maßregel, welche die Fahrten der Schiffe zwischen Cochin China sowie Japan und China bedeutend erleichtern dürfte, da die hohen Tonnengelder bei der Annahme derartiger Frachten sehr in’s Gewicht fielen, wenn leider auch die Hamburgische Flagge durch die Japan betreffende Bestimmung noch keinen Vortheil hat. –
Ferner lege ich eine Veröffentlichung betreffend die Auswanderung von Coolies bei. –
Ich erlaube mir an Ew. Magnificenz
hierbei die Anfrage, ob solche Erlasse nicht eigentlich direct von der Preussischen Gesandtschaft
in Pekin oder durch Vermittlung des
hiesigen General
Consulats mir mitgetheilt werden sollten,|1. Blatt, Rückseite| laut Vertrag genießen die Hanseatischen Staatsangehörigen zwar vollständig die Rechte der meistbegünstigten
Nationen, etwaige Verfügungen werden aber nur den Gesandten in Pekin mitgetheilt und erscheint es mir
der Würde der Hansestädte nicht
angemessen, daß sie solche Vortheile erst durch allgemeine Zeitungsanzeigen kennen
lernen. – Mit der chinesischen Regierung ist in dieser Hinsicht nichts zu machen. –
Im Verein mit den übrigen Consuln der hier vertretenen fremden Mächte sah ich mich veranlaßt an den hiesigen Taoutai eine Depesche zu richten, worin er dringend aufgefordert wird Maßregeln zur Verbesserung der Schiffahrt auf den Yangtsye und Hwangpoo Flüssen zu treffen. – Da keine officielle Nachweise über die Verwendung der beträchtlichen Ueberschüsse aus den Einnahmen für Tonnengelder existirt, so sollte er zu diesem Zwecke genügende Fonds in Händen haben und nach dem Ausspruche der Sachverständigen ist es durchaus nothwendig eine Baggerung der Barre am Eingang des Flusses vorzunehmen, so wie Leuchtthürme zu errichten, Bojen zu legen etc. etc. Eine|2. Blatt, Vorderseite| Antwort ist noch nicht erfolgt. Endlich habe ich Ew. Magnificenz, noch eine Liste der im Laufe des vergangenen Jahres hier eingetroffenen und abgegangenen Hamburgischen Seeschiffe zu behändigen, welche leider wiederum einen Ausfall von 39 Schiffen oder 3554 Lasten zeigt; es ist dieser wohl hauptsächlich eine Folge davon, daß eine Menge Schiffe in Folge andauernd ungünstiger Frachtverhältnisse diese Küste verlassen haben und nach Hause zurückgekehrt sind, doch ist die Hamburgische Handelsflotille in den Chinesischen Gewässern durch einen Steamer vermehrt worden, der dem Anschein nach hier gut gefällt und gute Geschäfte macht. –
In Betreff des Handels an dem hiesigen Platze erlaube ich mir vorläufige Bezugnahme an die unter Kreuzband beifolgenden Returns of Trade zu nehmen und werde mir erlauben weiter darauf zurückzukommen, sobald die officiellen Berichte im Druck erschienen sind.
u. a., u. A., U. A.unter anderem, unter anderen
d.datierend
d.der, die, das
Ew., Ew: Eure [Magnificenz]
etc, etc., &c., &ct.et cetera (lateinisch)
SHWAStiftung Hanseatisches Wirtschaftsarchiv, Hamburg
SHWAStiftung Hanseatisches Wirtschaftsarchiv, HamburgS/562Consulatsberichte
Gesandtschaft, preußische
Generalkonsulat Preußens
Regierung Chinas
Shanghai (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Schanghai, Shang-hae, Shang-hai, Shanghae, Shanhay
Hamburg
China; auch: chinesisches Kaiserreich, chinesisches Reich, chinesische Republik, Reich der Mitte
Japan; auch: Japon (französisch), Jappan
Beijing (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Pekin (englisch), Peking
Huangpu [Fluss in China, der durch Shanghai fließt und in den Jangtsekiang mündet]; auch: Hwangpoo, Wang-pu, Whangpoo, Whangpu
Jangtsekiang [Fluss in China]; auch: Changjiang (Pinyin), Jangtse, Yang-tze-Keang, Yangtse, Yangtsye, Yangtsze, Yangtzi, Yangzijiang
HansestädteMit dem Sammelbegriff Hansestädte sind im 19. Jahrhundert in der Regel die drei norddeutschen Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck gemeint.
Heinsen, RudolphRudolph HeinsenKaufmann, KonsulRudolph Heinsen, der für das Handelshaus Siemssen & Co. in Shanghai tätig war, seit 1856 als Leiter der dortigen Niederlassung mit Prokura ausgestattet, seit Dezember 1859 dann als Teilhaber, trat dafür ein, die Geschäfte nach Japan auszuweiten. 1859 wurde er zum Konsul der Hansestadt Hamburg in Shanghai berufen, im April 1862 zum Konsul der Hansestädte Lübeck, Bremen und Hamburg (Hanseatischer Konsul). Nachdem sich die Hansestädte im Sommer 1867 dem Norddeutschen Bund angeschlossen hatten, übergab Heinsen das Hanseatische Konsulat im Herbst 1868 an den preußischen Generalkonsul in Shanghai, damit es mit den Konsulaten der anderen deutschen Staaten zu einem Konsulat des Norddeutschen Bundes zusammengeführt werden konnte. Vgl.
Möring, Siemssen & Co.
, S. 35f.;
Herold, Vertretung Bremens in Shanghai
, S. 78–80, 82.
Merck, Carl Hermann (seit 1831: Dr.)Carl Hermann MerckJurist, Politiker11689138603.05.180916.10.1880Carl Hermann Merck studierte Jura und wurde 1831 promoviert. Anschließend ging er für einige Jahre auf Reisen, was ihm durch ein ererbtes Vermögen möglich war. Nach seiner Rückkehr nach Hamburg im Jahr 1839 engagierte er sich u.a. für den Eisenbahnbau. 1843 zum Ratssekretär berufen, wählte man ihn 1847 zum Senatssyndikus und betraute ihn wenig später zugleich mit den auswärtigen Angelegenheiten Hamburgs - eine Aufgabe, die er bis zu seinem Tod mehr als 30 Jahre lang wahrnahm. Für die Konsuln der Hansestadt in anderen Ländern war er über Jahre der wichtigste Ansprechpartner, der erheblichen politischen Einfluss besaß. Vgl.
Beneke, „Merck“
.
Konsul der Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck (Hanseatischer Konsul)
Senatssyndikus der Hansestadt Hamburg
Auswanderung; auch: Emigration
Kuli; auch: Coolie, Koolie, Kulie, Kuliehandel, Kulihandel, Lastenträger„Kuli“ war in China und anderen Ländern Ostasiens im 19. Jahrhundert die übliche Bezeichnung für einen ungelernter Hand- oder Hilfsarbeiter, der vor allem als Lastenträger beschäftigt wurde.
Küstenschifffahrt; auch: Cabotage, coast shipping (englisch)
TonnengeldDas bei Ankunft eines Frachtschiffes im Hafen zu entrichtende Tonnengeld wurde nach dem Tonnengehalt des betreffenden Schiffes festgelegt.
Frachtfahrt; auch: Befrachtung, Frachtschifffahrt, Verfrachtung
Daotai (Pinyin); auch: tao tai, taotai, Taoutai, ZolltautaiDer aus dem Chinesischen stammende Begriff „Daotai“ bezeichnete im 19. und frühen 20. Jahrhundert einen lokalen chinesischen Beamten, der in einer Stadt für das Gericht, die Zivilverteidigung, die Kanäle und/oder die Zolleinnahmen verantwortlich war.
Hafen; auch: free port (englisch), Freihafen, port (englisch), VertragshafenHäfen spielten für den Handel mit und in Ostasien im langen 19. Jahrhundert eine zentrale Rolle, zum einen als „Freihäfen“, wie zum Beispiel Singapur, in denen Waren ein- und ausgeführt werden konnten, ohne mit Zöllen belastet oder durch nichttarifäre Handelshemnisse beschränkt zu werden, zum anderen - und das war die häufigere Form - als „Vertragshäfen“, die zumeist nicht freiwillig, sondern unter Androhung von militärischer Gewalt oder auch erst nach einer militärischen Niederlage von den betreffenden Territorialstaaten, vor allem China und Japan, für den internationalen Handel geöffnet wurden. Dies geschah in der Regel auf der Basis eines mehr oder weniger erzwungenen Handelsvertrages, der keine gleichen Rechte für die Vertragspartner vorsah, sondern in erster Linie den Interessen der ausländischen imperialen Mächte entsprach und deshalb als Ungleicher Vertrag bezeichnet wurde. Über die Vertragshäfen wurde in China, Japan und anderen Ländern Ostasiens eine kommerzielle Revolution mit tiefgreifenden Veränderung für alle Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft in Gang gesetzt. Vgl.
Fairbank, Trade and Diplomacy
;
HAO, Commercial Revolution
;
Hoare, Japan‛s Treaty Ports
;
So/MyersTreaty Port Economy
;
Bickers/Jackson, Treaty Ports
;
Brunero/Villalta Puig, Life in Treaty Port China and Japan
.
Fracht [Frachtkosten]; auch: Frachtpreis, Frachtrate, Frachtspesen
Dampfschiff; auch: Dampfbarkasse, Dampfboot, Dampfer, steamboat (englisch), steamer (englisch)
Konsul der Hansestadt Hamburg
Presse; auch: Tageszeitung, Wochenzeitung, Zeitung
Flagge; auch: flag (englisch), Flaggenstock, Nationalflagge, SchiffsflaggeDie in der Regel aus Tuch bestehende Flagge eines Schiffes dient der Übertragung von Informationen auf weite Sicht. Dabei geht es zumeist um die Zugehörigkeit zu einer Reederei oder zu einem Staatswesen, in deren Schiffsregister das Schiff eingetragen ist; in letzterem Fall müssen weder die Eigner noch der Kapitän und die anderen Mitglieder der Schiffsmannschaft zwangsläufig ihren Sitz in dem betreffenden Staat haben. Die Nationalflaggen der Europäer wurden im 18. und 19. Jahrhundert in Ostasien auch vermehrt an Land gehisst, etwa vor den ausländischen Faktoreien im chinesischen Kanton oder auf Konsulatsgebäuden.
Hanseaten; auch: hanseatische Bürger, hanseatische Staatsangehörige, hanseatische Unterthanen
Telegramm; auch: Depesche, Kabel
Wusung-Barre; auch: Woosung Bar (englisch), Woosung-Barre, Whangpoo-KorrektionDie Versandung des Flusses Huangpu nördlich von Shanghai, bei der Mündung des Wusung in den Huangpu, kurz bevor dieser selbst in den Jangtsekiang mündet, wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als wachsende Barriere für die Schifffahrt betrachtet, gerade für größere Schiffe, und war deshalb Gegenstand langwieriger Diskussionen über die technischen Möglichkeiten und die Kosten der dauerhaften Freihaltung. Auch die deutsche Regierung beteiligte sich schließlich an der Behebung des Problems.