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Nr. 2.2.3.18

Friedrich Wilhelm Mathieu, Generalkonsul der Hansestadt Hamburg in Batavia, an Carl Hermann Merck, Senatssyndikus der Hansestadt Hamburg, betr. die Entwicklung des Handels in Niederländisch-Indien und den reisanbau auf Java, 14. Juni 1866

Konsulatsbericht

Regest:

Friedrich Wilhelm Mathieu, seit 1862 als Generalkonsul der Hansestadt Hamburg in Batavia tätig, berichtet dem Senatssyndikus Carl Hermann Merck über die bisher wenig erfolgreichen Bemühungen, die für den Handel mit Niederländisch-Indien geltenden Differentialzölle tatsächlich moderater zu gestalten. Bei den Importen werden niederländische Fabrikanten weiterhin generell stark begünstigt, bei den Exporten vor allem die von Zucker und Kaffee nach den Niederlanden. Es bestehe allerdings Hoffnung, dass die darüber geführte Klage höheren Orts, also der Regierung der Niederlande, Berücksichtigung finden werde. Die von Mathieu übermittelten Schiffslisten zeigen, wie er kommentierend bemerkt, dass Schiffe aus Hamburg 1865 im Vergleich zum Vorjahr wieder etwas zahlreicher in Batavia verkehrten und sich vor allem in der innerasiatischen Küstenfahrt betätigten. Der Handel der Insel Java insgesamt leidet nach seinen Ausführungen unter hohen Preisen und abnehmendem Wohlstand der Bevölkerung. Der Reisanbau, der in früheren Jahren ein wichtiges Exportgut geliefert habe, sei stark zurückgegangen, auch weil die Regierung Niederländisch-Indiens nichts zu seiner Förderung unternehme. Der Zuckeranbau leide vor allem darunter, dass die Regierung nicht mehr ausreichend gezwungene Arbeiter liefere und die Lohnkosten erheblich gestiegen seien.

Abschrift.


Hamburger General-Consulat zu Batavia

d. 14 Juni 1866.


Ew. Magnificenz

geehrte Zuschrift vom 13. October v. J. gelangte richtig in meinen Besitz.

Von den triftigen Gründen, die vorliegen dem L. A. Ilsohn seine Papiere nicht einsenden zu können, und von welchen ich selbstredend bei meinem Gesuche keine Ahnung hatte, habe ich gebührend Note genommen und dem g. Ilsohn die nöthige Mittheilung gemacht. Ich vermuthe aus seinen Aeußerungen schließen zu müssen, daß er die Absicht hatte einem Hohen Senate ein Gnadengesuch einzureichen.

Ich beehre mich ferner den Empfang anzuzeigen des Circular von ult: December 1865, nebst den darin erwähnten Drucksachen, welche ich nach Einsicht dem Archive einverleibte; sodann „der General-Instruction und Special-Instruction zur Schließung von Civilehen und zur Führung von Civilstands-Registern“ die meine ganze Aufmerksamkeit genießen. –

Der in Ew. Magnificenz geehrter Zuschrift ausgesprochene Wunsch, durch ein modificirtes Differentialzollsystem die Entwicklung der dortigen und der deutschen Verkehrsbeziehungen zu Java befördert zu haben, sollte leider bis heute noch nicht in Erfüllung gehen.

Der mit meinen ergebenen Zeilen vom 5. August v. J. Ew. Magnificenz mitgetheilte neue Tarif über Ein- und Ausfuhrzoll ist mit dem 1. Januar 1866 in Kraft getreten. Wenn die neuen Zollsätze, besonders, bei Importen der den holländischen Fabrikanten gewährte Schutz, bei Exporten der bedeutende Unterschied bei den Hauptartikeln Zucker und Kaffe zwischen der Ausfuhr nach Holland und nach fremden Ländern, den gehegten Erwartungen sehr wenig entsprachen, so war indessen nicht vorauszusehen, daß der zu entrichtende Zoll im Grunde genommen wenigstens derselbe bleiben würde. Die Regierung bediente sich dazu des einfachen Mittels viele Importartikel, und besonders Baumwollen Manufacturen, in der Weise höher zu taxiren, daß die jetzt darauf zu erhebenden 20 % Zoll (wenn nicht mit Certificaten von holländischem Ursprunge), die früheren 25 % reichlich decken.

Es besteht indessen Aussicht, daß die darüber entstandenen gerechten Klagen höheren Orts Berücksichtigung finden werden.

Ew. Magnificenz beehre ich mich einliegend die Liste der im vorigen Jahre hier eingetroffenen und abgegangenen Hamburger Schiffe zu überreichen, die einen etwas größeren Verkehr mit unserer Insel zeigt, als im Jahre 1864. Obwohl die Frachten im Allgemeinen im verflossenen Jahre sehr niedrig waren, besonders die nach Europa, haben die meisten der angekommenen Schiffe noch leidliche Zwischenfrachten gefunden, größtentheils von hier direct oder via Samarang und Sourabaya nach China, woselbst die hamburgische Flagge, ebenso wie bei den hiesigen Chinesen, vor allen andern den Vorzug genießt.

Mit dem holländischen Schiffe „Europa“, am 2 dss. Mts. von hier nach Rotterdam versegelt, hatte ich die Ehre Ew. Magnificenz ein Exemplar der officiellen Aufgaben über Ein- und Ausfuhr auf Java und Madura in 1864 zu senden. –

Der Handel auf unserer Insel ließ im Allgemeinen im verflossenen Jahre wieder viel zu wünschen übrig. Durch die hohen Kattunpreise in Europa kamen die meisten Importartikel hier so hoch zu stehen, daß bei den theuren Reispreisen, bei dem mit jedem Jahre mehr abnehmenden Wohlstande unter den Inländern letztern die dafür gefragten Preise nicht erschwingen konnten und ein Jahr verminderter Consum die natürliche Folge war.

Die diesjährige Reiserndte, bereits begonnen, verspricht in den meisten Districten günstig auszufallen, eine einzelne Erndte ist indessen nicht hinreichend den seit Jahren untergrabenen Wohlstand zu heben. Durch verschiedene Culturen und besonders durch die gezwungene Gouvernements-Kaffe Cultur, scheint der Reisbau auf Java sehr zurückgegangen zu sein und während dasselbe in früheren Jahren bedeutend Reis nach Europa und China exportirte, fanden in den letzten Jahren fortwährend Anfuhren von Rangoon und Padang (Sumatra) statt.

Zur Verbesserung der Reiscultur geschieht von Seiten der Regierung Nichts, obgleich seit vielen Jahren die Pläne zu bedeutenden Irrigations-Werken fertig liegen, die unabsehbaren Hochebenen unter Wasser bringen und für den Reisbau geeignet machen würden, während sie jetzt unbenutzt und unbrauchbar daliegen.

Es ist nicht zu viel gesagt, daß Java von dem sogenannten Mutterlande recht stiefmütterlich behandelt wird, trotz der ca. 40 Millionen Gulden, die es jährlich als Reinertrag abwirft. –

Unser Productenmarkt bot im verflossenen Jahre wenig Neues dar, außer daß Reis durch die hiesigen hohen Preise, für den europäischen Markt unmöglich geworden ist. Durch vermehrte Concurrenz und in Folge davon durch getriebene Preise, waren wir hier beinahe stets über europäischen Marktwerth, Orders auf letzteren basirt waren deshalb in den meisten Fällen unausführbar und das Productengeschäft beschränkte sich größtentheils auf Speculationen für hiesige Rechnung, die wohl nicht immer nach Wunsch ausfielen.

Den Zuckerpflanzern auf Java steht ebenfalls eine zweifelhafte Zukunft in Aussicht. Während die Regierung früher gezwungene Arbeiter (Kulies) zum Pflanzen, Erndten und Mahlen lieferte, allerdings gegen einen sehr kärglichen Lohn, dafür von dem Fabrikanten einen bestimmten Theil seiner Erndte beanspruchte, ist seitdem dieser Beschluß eingezogen. Die Regierung liefert nur mehr Arbeiter zum Pflanzen, während die Erndte und Fabrication dem Fabrikanten überlassen bleibt. Das Resultat dieser Maßregel ist, daß verschiedene Fabriken mit Mahlen haben inne halten müssen, andere mit der Erndte noch gar nicht beginnen konnten, da es ihnen, obwohl gegen einen verhältnißmäßig viel höheren Lohn, an freiwilligen Arbeitern fehlt.

Aus demselben Grunde schreitet die erste Eisenbahn auf Java, von Samarang via Sourakarta nach Djocjokarta auch nur sehr langsam vorwärts. –

Mit ausgezeichneter Hochachtung habe ich die Ehre zu zeichnen


Ew. Magnificenz

ganz ergebener

(:untz:) Wm. Mathieu

Hamburgischer General-Consul.


Sr. Magnificenz

Herrn Syndicus C. H. Merck Dr.

in

Hamburg.