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Karl Christian Hagen, Teilhaber der Firma Hagen, da Silva & Co. und Hanseatischer Konsul in Takao auf der Insel Taiwan, übermittelt dem Senatssyndikus Carl Hermann Merck eine Denkschrift, mit der die in Xiamen ansässigen ausländischen Konsuln bereits im Juli 1866 gegen das von der chinesischen Regierung für die Insel Taiwan erlassene Ausfuhrverbot von Reis protestierten. Hagen, dessen Firma selbst im Reishandel tätig ist, stellt sich hinter deren Auffassung, dass die chinesische Regierung dazu ohne Abstimmung mit den Vertragsmächten gar kein Recht habe, selbst bei einer wirklichen Reisknappheit. Wenn man ihr dieses Recht zugestehe, so malt Hagen an die Wand, erlaube man ihr im Prinzip, auch den Handel in anderen Artikeln nach Belieben zu untersagen. Der preußische Gesandte in Peking scheine bisher nicht wirklich beunruhigt zu sein, für die Hansestädte aber sei die Frage angesichts der Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Reisexporte allein im Hafen von Takao auf Hamburger oder Bremer Schiffen erfolge, von großer Bedeutung. Er appelliert an Merck, sich seinerseits an die preußische Regierung zu wenden, um Abhilfe zu schaffen und als Gegenleistung für den Vertragsbruch zudem die Öffnung weiterer Häfen auf Taiwan und des vorgelagerten Pescadore Inseln zu erreichen. |
| Formalia: | 1 Bogen à 4 Seiten, handschriftlich beschrieben, als Abschrift gekennzeichnet. |
Abschrift
Ew. Wohlgeboren
erlaube ich mir hiermit die Abschrift einer Denkschrift einzusenden, welche im Juli v. J. von den Consuln zu Amoy an die verschiedenen Gesandten der Vertragsmächte zu Peking übersandt wurde.1 Dieselbe betrifft das von den chinesischen Behörden erlassene Verbot der Reisausfuhr von hier. Die verschiedenen Seiten der Frage sind in der Denkschrift erschöpfend erörtert, und erlaube ich mir daher Ew. Wohlgeboren auf die beifolgende Copie derselben zu verweisen. Speciell erlaube ich mir auf Resolution 2 aufmerksam zu machen, in welcher die Consuln die Meinung zur Geltung bringen, daß selbst im Fall einer wirklichen Reisknappheit die chinesischen Behörden vertragsgemäß nicht berechtigt sind, ohne vorher eingeholte Zustimmung der Vertreter der Vertragsmächte, die Reisausfuhr zu verbieten.
Bis jetzt hat jene Denkschrift noch nicht die Aufhebung der Reisausfuhrverbots herbeigeführt. So viel mir bekannt ist, hat
Sr. Wohlgeboren
Herrn C. H. Merck Dr,
Syndicus für die ausw: Angelegenheiten,
Hamburg
bisher nur der preußische Consul eine officielle Antwort von seinem Gesandten bekommen. Letzterer erklärt das Verfahren in der „Tenlee“ Angelegenheit für illegal, weil jenes Schiff ohne die vertragsmäßig vorgeschriebene Klarirung vom hiesigen Zollamt (welche dieses illegaler Weise verweigerte) in Amoy ankam.
Wenn es den chinesischen Behörden eingeräumt werden müßte, daß sie das Recht haben ohne vorher eingeholte Zustimmung der Vertreter der Vertragsmächte, den vertragsmäßig erlaubten Handel in Reis zu verbieten, dann müßte ihnen consequenter Weise auch das Recht zugestanden werde, den Handel in allen andern Handelsartikeln zu verbieten. Dies würde gleichbedeutend sein mit dem recht, die geschlossenen Verträge aufzuheben, denn diese geben den Unterthanen der Vertragsmächte das recht, in China Handel zu treiben. Durch das Ausfuhrverbot haben die chinesischen Behörden sich also das Recht angemaßt, wenigstens im Princip, die Verträge nach ihrem Belieben aufzuheben. Ein solches Verfahren, wenn es zwischen zwei europäischen Mächten sich ereignet, würde ohne Zweifel sehr ernste Folgen haben!
Das Interesse, welches die Hansestädte in dieser Angelegenheit haben, geht aus folgenden Zahlen hervor. Im Jahre 1865 betrug der Tonnengehalt der Schiffe, welche nur von hier, (nicht Taiwanfoo) ausklarirten 20,000 Tonnen. Davon kamen etwa 11000 Tonnen auf Schiffe unter Hamburger und Bremer Flagge wäre die Reisausfuhr erlaubt gewesen, dann würde zum Wenigsten der doppelte Tonnengehalt hier Beschäftigung gefunden haben. Ich bitte Ew. Wohlgeboren womöglich bei der preußischen Regierung zu bewirken, daß in Peking Schritte gethan werden, um den dem hiesigen Handel so nachtheiligen Zustand zu beseitigen. –
Vielleicht könnte der oben besprochene Vertragsbruch durch die chinesischen Behörden dazu benutzt werde, um von der chinesischen Regierung für den Handel vortheilhafte Zugeständnisse zu erlangen. Dahin würde gehören die Eröffnung mehrerer Häfen auf Formosa und der Pescadore Inseln nämlich Saoubay auf der Ostküste der Insel und Makung und Pinghoo harbor auf den Pescadore Inseln. Alle drei Häfen sind sehr gute Häfen. Saoubay ist der beste auf der Insel. In Making sollen vor Kurzem Kohlenminen entdeckt sein.
Genehmige cr.