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Nr. 2.2.3.20

William Robertson, Stellvertretender Hanseatischer Konsul in Ningbo, an Carl Hermann Merck, Senatssyndikus der Hansestadt Hamburg, betr. die Verlagerung des Handels nach Shanghai, 14. Februar 1868

Konsulatsbericht

Regest:

William Robertson, der Stellvertrende Hanseatische Konsul in Ningbo, übermittelt Carl Hermann Merck, dem Senatssyndikus der Hansestadt Hamburg, eine Liste der im Jahr 1867 im Hafen von Ningbo ein- und ausklarierten Hamburger und Bremer Schiffe. Erläuternd fügt er an, dass sich der Handel mit Tee, Seide und Baumwolle in chinesischer Hand zwar gut entwickelt habe, der Handel ausländischer Kaufleute jedoch zurückgegangen sei. Als ausschlaggebende Gründe dafür nennt er zum einen den sinkenden Importbedarf an Reis, zum anderen die Verlagerung des Handels nach Shanghai, das mit Dampfschiffen in 12 bis 14 Stunden zu erreichen ist. Vor allem chinesische Händler wüssten davon zu profitieren, sodass europäische Kaufleute Ningbo wieder verlassen hätten. Ferner teilt Robertson mit, dass die chinesische Regierung eine allgemeine Lotsenordnung für die geöffneten Häfen zu erlassen plane.

Hanseatisches Consulat zu

Ningpo, 14ten. Februar 1868.


Ew. Magnificenz

Habe ich hiermit die Ehre nachträglich den Empfang des geehrten Schreibens vom 26ten. Juli v. J, worin Ew. Magnificenz geruhen mich interimistisch die hiesigen Consulatsgeschäfte wahrnehmen zu lassen, zu bestätigen und erlaube mir nun in den Einlagen Ihnen eine Liste der im Jahre 1867 hier angekommenen und abgegangenen Hamburgischen Seeschiffe zu behändigen sowie einige kurze Mittheilungen über den Handel am hiesigen Platze hinzuzufügen.1

Unsere Provinz hat sich im letzten Jahr ungetrübten Friedens erfreut und der Handel der Eingeborenen sich im Allgemein günstig gestaltet indem für die hauptsächlichsten Landes Producte, besonders für Grüne Theen, Seide und Baumwolle zu verhältnißmäßig hohen Preisen guter Absatz erzielt werden konnte und wenngleich von Zeit zu Zeit beunruhigende Gerüchte über eine Annäherung der im Norden des Reiches laufenden Rebellion im Umlauf waren so ist


Sr. Magnificenz

Herrn Syndicus C. H. Merck Dr.

Hamburg

doch vor der Hand kein Grund vorhanden ähnliche Befürchtungen bestätigt zu sehen.

Was den Handel in Händen der Fremden anbelangt, so kann ich leider nur wenig günstig darüber berichten. Wie bereits im vorigen Jahre erwähnt nimmt die Cultur des Landes immer nach und nach zu und erzeugt der Boden hiesiger Provinz schon fast genügend Cerealien um dem Bedarf selbständig zu genügen. Aus diesem Grunde hat denn auch im verflossenen Jahre die Einfuhr von Reis sich weiterverringert und belief sich nur auf ca. 300,000 Piculs (zu 133 1/3 Pfund Engl.) und steht zu befürchten daß dieser bislang so bedeutende Geschäftszweig für Europäer schwerlich wieder von größerer Ausdehnung werden dürfte. –

Eine fernere Verminderung des Handels für Fremde hat seinen grund in der nahen Lage unseres Hafens zu Shanghai mit welchem Platze eine tägliche Verbindung durch große Dampfschiffe unterhalten wird, welche die Reise in 12 bis 14 Stunden zurücklegen. Chinesen, welche die Vortheile eines größeren Marktes wohl zu schätzen wissen bedienen sich mehr und mehr dieser Dampfschiffe um ihre Producte direct nach Shanghai an den Markt zu bringen anstatt dieselben wie früher hier am Platze zum Verkauf anzubieten und machen auf der anderen Seite fast ihre sämmtlichen Ankäufe von Importen als Manufacturwaaren, Metalle &c &c in Shanghai und bringen dieselben dann selbst nach hier, auf diese Weise das Geschäft fast ausschließlich in ihre Hände bekommend, wodurch sich manche Europäer gezwungen sahen unseren Platz wieder zu verlassen. –

Eine genaue Aufstellung der Handelsbewegungen d/ Hafens befindet sich augenblicklich noch unter der Presse, sobald solche erhältlich, werde ich mir erlauben Ew: Magnificenz ein Exemplar derselben zugängig zu machen. –

Ich habe noch zu erwähnen daß es von der Chinesischen Regierung im Verein mit den verschiedenen Gesandtschaften in Peking beabsichtigt wird eine allgemeine Lootsen-Ordnung für sämmtliche dem Europäischen Verkehr geöffneten chinesischen Häfen einzuführen, worüber Ihnen ohne Zweifel von Shanghai aus bereits Details zugegangen sein dürften und wenngleich einige der intendirten Bestimmungen nicht ganz nach Wunsch der hiesigen Kaufleute abgefaßt sein dürften, so ist es doch wünschenswerth daß dem Loots-Wesen gehörige Aufmerksamkeit zugewandt wird, was bisher nur in geringem Maaße geschehen.

Ueber Geburten, Civilehen & Sterbefälle habe ich keine Register beizuschließen, da solche nicht vorgenommen.

Ich habe die Ehre mich zu zeichnen als

Ew. Magnificenz

Ganz Ergebener

W. Robertson

Stellvertretender Consul