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Bremisches Consulat
Hongkong, den 19t. April 1869.
Ew. Hochwohlgeboren
Habe ich die Ehre in der Anlage ein Verzeichniß der Bremischen Schiffe, welche Hongkong während des Jahres 1868 besuchten, ganz ergebenst vorzulegen; es ergiebt sich daraus leider eine Abnahme von 23 Schiffen oder 6245 1/2 Bremer Lasten gegen das vorhergehende Jahr; indem im Jahre 1868 nur 57 Schiffe mit 11808 Lasten Hongkong besuchten gegen 80 Schiffe mit 18053 1/2 Lasten in 1867
Ich erlaube mir gleichzeitig Verzeichniße der Hamburgischen und Preussischen Schiffe beizulegen. Es stellt sich der Nord Deutsche Schiffahrts-Verkehr in Hongkong für 1868 auf 252 Schiffe mit zusammen 62285 1/2 Lasten à 4000 Pfund gegen 386 Schiffe mit zusammen 93736 1/2 Lasten à 4000 Pfund für das Jahr 1867.
Der gesamte Schiffahrts-Verkehr unter Europäischen und Amerikanischen Flaggen ergiebt für das Jahr 1868 ein Total von 1935 eingetroffenen Schiffen mit 944,102 Tons gegen 2343 Schiffe oder 1,147,122 Tons in 1867, und von ausgegangenen Schiffen für 1868 – 1948 Schiffe mit 937,810 Tons, gegen 2324 Schiffe mit 1,128,847 Tons in 1867, mithin
Se. Hochwohlgeboren
Herrn Senator J. Smidt
für die Auswärtigen Angelegenheiten
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zeigte sich für das Jahr 1868 eine Abnahme gegen das Jahr 1867 von eingetroffenen Schiffen: 408 oder 203.020 Tons – und von ausgegangenen Schiffen: 376 oder 191,037 Tons –
Wie bereits in dem Consularischen Berichte für 1867 bemerkt wurde, sind viele der früher in den hiesigen Gewässern beschäftigten Schiffe von den Reisplätzen Saigon und Bangkok nach Europa versegelt und haben auch während des Jahres 1868 viele Schiffe derartige Charters angenommen zu hohen Raten. – Dagegen trafen verhältnißmäßig wenige Schiffe von Europa ein. – Während des verfloßenen Jahres bedangen namentlich Deutsche Schiff, welche von den Chinesen der Vorzug gegeben wird, gute Frachten, eben weil die Anzahl derselben verhältnißmäßig klein war.
Ich erlaube mir, Ew. Hochwohlgeboren den officiellen Jahres-Bericht des Hafenmeisters für das Jahr 1868 zur gefälligen Beachtung, ganz ergebenst zu unterbreiten, derselbe geht zur Ersparung des Porto’s, unter Kreuzband.
Leider ist dem Unwesen der Piraten noch immer nicht ganz gesteuert worden, und wenn auch glücklicher Weise eine Abnahme bemerkbar ist, so sind im verfloßenen Jahre doch wieder ein Nord Deutsches Schiff, die Lesmona, von Bremen, den Seeräubern zum Opfer.
Ich habe die Ehre zu verharren
Ew. Hochwohlgeboren
ganz ergebener Diener
JMenke
Stellvertretender Consul
Ew., Ew: Eure [Magnificenz]
Se., Sr.Seiner
StABStaatsarchiv Bremen
StABStaatsarchiv BremenC-2, 4.b.6.c.5.Verhältnisse der Hansestädte mit England, Hanseatische Konsuln und Agenten in den britischen Besitzungen in Asien, hier: Hongkong (1856–1869)
Wm. Pustau & Co., Kanton / HongkongDie Firma Wm. Pustau & Co., die zum 1. Januar 1845 in Kanton ihre Geschäftstätigkeit aufnahm, gilt als erstes deutsches Handelshaus in China überhaupt. Wilhelm von Pustau und sein Teilhaber Wilhelm Probst bekamen finanzielle Unterstützung durch den Hamburger Privatbankier Salomon Heine. Schon bald wurden Niederlassungen in Hongkong und Shanghai, später auch in Tianjin eröffnet. Von Hongkong aus, wohin der Sitz des Unternehmens verlagert wurde, versuchte Friedrich August Freiherr von Lühdorf, ein weiterer Teilhaber, seit Mitte der 1850er Jahre ein eigenes Handelshaus in Nikolajewsk am Amur sowie auch Handelsbeziehungen nach Japan aufzubauen, was ihm auch gelang. Den Aufbau einer Niederlassung in Yokohama sollte Rudolph Lindau übernehmen, der zugleich als Konsul der Schweizerischen Konföderation in Yokohama tätig war und 1864 unter dem Namen Rudolph Lindau & Co. eine Firma in Yokohama gründete. Wm. Pustau & Co. in Hongkong konzentrierten sich auf den innerasiatischen Küstenhandel, insbesondere zwischen China und Japan. 1876 musste die Firma jedoch Konkurs anmelden. Eine von Theodor von Pustau, einem Sohn des Firmengründers, gemeinsam mit dem früheren Angestellter E. L. Reuter unter dem Namen Pustau & Co. etablierte Firma mit Sitz in Kanton und Hongkong, die sich in Hamburg durch die Gebrüder Cordes vertreten ließ, wurde 1889 umbenannt zu Reuter, Bröckelmann & Co. mit Sitz in Shanghai. Vgl.
Aus den Anfangszeiten, 1. Reuter, Bröckelmann & Co.
.
Konsulat der Hansestadt Bremen
Schiffahrer-Gesellschaft Vegesack
Handelskammer Bremen
Bremen
Cumsing Moon [Ort in China, nahe Hongkong]
Hamburg
Preußen
Europa; auch: Europe (englisch)
Saigon [Stadt in Vietnam]
Bangkok [Stadt in Siam]; auch: Bangkong, Bankog
Smidt, JohannJohann SmidtTheologe, Politiker, Bürgermeister der Hansestadt Bremen11784853X05.11.177307.05.1857Johann Smidt amtierte von 1813 bis 1821 als Senator, von 1821 bis zu seinem Tod als Bürgermeister der Hansestadt Bremen und gilt als einer ihrer bedeutendsten Politiker, vor allem auf dem Gebiet der auswärtigen Angelegenheiten und der Förderung von Handel und Schifffahrt. Als konservativer Politiker wandte er sich zugleich gegen eine liberale Verfassung und sorgte für die Rücknahme der rechtlichen Emazipation der Juden. Vgl.
Schulte, „Smidt, Johann“
;
Wurthmann, Senatoren, Freunde und Familie
, passim.
LesmonaDie „Lesmona“ war ein Schiff aus Norddeutschland, das 1868 in chinesischen Gewässern den Piraten zum Opfer fiel.
Konsul der Hansestadt Bremen
Senator der Hansestadt Bremen
Teilhaber; auch: Ahsocié, Associé, Gesellschafter, Partner, Theilhaber, Theilnehmer
Hafen; auch: free port (englisch), Freihafen, port (englisch), VertragshafenHäfen spielten für den Handel mit und in Ostasien im langen 19. Jahrhundert eine zentrale Rolle, zum einen als „Freihäfen“, wie zum Beispiel Singapur, in denen Waren ein- und ausgeführt werden konnten, ohne mit Zöllen belastet oder durch nichttarifäre Handelshemnisse beschränkt zu werden, zum anderen - und das war die häufigere Form - als „Vertragshäfen“, die zumeist nicht freiwillig, sondern unter Androhung von militärischer Gewalt oder auch erst nach einer militärischen Niederlage von den betreffenden Territorialstaaten, vor allem China und Japan, für den internationalen Handel geöffnet wurden. Dies geschah in der Regel auf der Basis eines mehr oder weniger erzwungenen Handelsvertrages, der keine gleichen Rechte für die Vertragspartner vorsah, sondern in erster Linie den Interessen der ausländischen imperialen Mächte entsprach und deshalb als Ungleicher Vertrag bezeichnet wurde. Über die Vertragshäfen wurde in China, Japan und anderen Ländern Ostasiens eine kommerzielle Revolution mit tiefgreifenden Veränderung für alle Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft in Gang gesetzt. Vgl.
Fairbank, Trade and Diplomacy
;
HAO, Commercial Revolution
;
Hoare, Japan‛s Treaty Ports
;
So/MyersTreaty Port Economy
;
Bickers/Jackson, Treaty Ports
;
Brunero/Villalta Puig, Life in Treaty Port China and Japan
.
Fracht [Frachtkosten]; auch: Frachtpreis, Frachtrate, Frachtspesen
Küstenschifffahrt; auch: Cabotage, coast shipping (englisch)
Auftrag; auch: Bestellung, Order, Ordre
Seeräuber; auch: Flußräuber, Piraten, Piratenwesen
Last [Gewichtseinheit]; auch: CommerzlastDie im Handel des 18. und 19. Jahrhunderts für Schiffsladungen übliche Gewichtseinheit „Last“ war von unterschiedlicher Größe, oft entsprach sie 36 bis 40 Zentnern, 4000 Pfund oder 2–3 Tonnen.
Pfund [Gewichtseinheit]; auch: ℔, lb., lbs., libra (lateinisch), pound (englisch)Die aus dem lateinischen Begriff „libra“ abgeleitete Gewichtseinheit Pfund wird sowohl für das englische Pfund, das etwa 453,592 Gramm entspricht, als auch für das deutsche Pfund verwendet, das 500 Gramm entspricht.
Flagge; auch: flag (englisch), Flaggenstock, Nationalflagge, SchiffsflaggeDie in der Regel aus Tuch bestehende Flagge eines Schiffes dient der Übertragung von Informationen auf weite Sicht. Dabei geht es zumeist um die Zugehörigkeit zu einer Reederei oder zu einem Staatswesen, in deren Schiffsregister das Schiff eingetragen ist; in letzterem Fall müssen weder die Eigner noch der Kapitän und die anderen Mitglieder der Schiffsmannschaft zwangsläufig ihren Sitz in dem betreffenden Staat haben. Die Nationalflaggen der Europäer wurden im 18. und 19. Jahrhundert in Ostasien auch vermehrt an Land gehisst, etwa vor den ausländischen Faktoreien im chinesischen Kanton oder auf Konsulatsgebäuden.
Tonne [Gewichtseinheit]; auch: t., ts., ton (englisch) Die Gewichtseinheit Tonne war im 19. Jahrhundert noch nicht normiert. Sie wurde teilweise auch noch als ein Raummaß verwendet, also etwa für eine Tonne voll Bier, Getreide, Fisch oder Salz mit ganz unterschiedlichem Gewicht. Für die Tonne als Gewichtseinheit setzte sich im 19. Jahrhundert im deutschen Sprachraum das metrische Maß von 1.000 Kilogramm durch. Im angelsäsischen Sprachraum dagegen ist weiterhin zwischen der metrischen Tonne (metric ton), der britischen „long ton“ (~ 1.016 Kilogramm) und amerikanischen „short ton“ (~ 907 Kilogramm) zu unterscheiden.
Charterung s. Schiffsgeschäft
Der Begriff „Charterung“ umschreibt das Anmieten eines fremden Schiffes.
Chinesen; auch: Chinese (englisch)
Hafenbehörde; auch: Hafenmeister
Kriegsschiff; auch: Kanonenboot, Panzerschiff