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Shanghai 18. Januar 1877.
Die Actionäre der hiesigen Shanghai-Steam-Navigation-Company haben in einer außerordentlichen General-Versammlung am 15. d. Mts. den Verkauf ihrer sämmtlichen Dampfer und sonstigen Gesellschaftseigenthums an die Dampfschiffahrt-Gesellschaft Chinesischer Kaufleute in Shanghai genehmigt. Der Kaufpreis ist auf zwei Millionen Taels (: ca 12 Millionen M.) festgesetzt, von denen eine Million bis zum 31. März d. Js., die zweite in vierteljährlichen Raten von 50,000 Taels, spätestens in 5 Jahren bezahlt werden soll.
Dieser Verkauf hat eine über das rein commerzielle Interesse weit hinausreichende handelspolitische Bedeutung.
Die Shanghai-Steam-Navigation-Company war hier im Jahre 1866 zur Ausnutzung der Chinesischen Küstenfahrt gegründet.
Die Dampfer derselben fuhren von Shanghai aus regelmäßig auf drei verschiedenen Routen. Erstens nach den drei am Yangtsze gelegenen Vertragshäfen: Chinkiang, Kiukiang und Hankou; zweitens, nach den Häfen im Norden China‛s – Chefoo, Tientsin und Newchwang; drittens nach Ningpo. Auf diesen verschiedenen Fahrten beschäftigte die Gesellschaft am Schluß des vorigen Jahres: 11 Rad-|2. Blatt, Vorderseite| und 5 Schrauben-Dampfer mit einem Inhalt von im Ganzen 12,205 Tons Brit. Register, wovon 8 aus Eisen und 8 aus Holz erbaut sind.
Die geschäftlichen Ergebnisse dieser Dampfschiffahrts-Compagnie waren während der ersten 7 Jahre sehr befriedigend gewesen. Die Aktionaire pflegten durchgängig eine jährliche Dividende von 12 % zu erhalten.
Ein Umschwung hierin trat mit dem Jahre 1873 ein, wo sich außer der bisher glücklich bestandenen Concurrenz zweier Englischer Linien, der Einfluß der neugegründeten Dampfschiffahrts-Gesellschaft Chinesischer Kaufleute in Shanghai geltend machte. Letztere vermochte vermittelst der ihr von der Chinesischen Regierung direkt und indirekt zugewandten Unterstützung, den Frachtenmarkt derartig zu drücken, daß es der Shanghai-Steam-Navigation-Company nur noch unter Opfern möglich war, ihre Fahrten fortzusetzen und die Aktien derselben eine stetig sinkende Tendenz zeigten. Trotzdem wäre an ein vollständiges Eingehen der Gesellschaft für die nächste Zeit noch nicht zu denken gewesen, wenn nicht die Chinesische Dampfer-Compagnie durch das Anerbieten sämmtlicher Schiffe ihrer Concurrenten zu einem sehr liberal bemessenen Preise käuflich zu erwerben, die Entscheidung mit einem Schlage herbeigeführt hätte. Die Annahme dieser Offerte war für die Aktionäre der Shanghai-Steam-Navigation-Company vom kaufmännischen Standpunkte aus, ein außerordentlich|2. Blatt, Rückseite| günstiges Geschäft und ist daher auch einstimmig beschlossen worden.
Auf chinesischer Seite waren es wohl hauptsächlich Motive politischer Natur welche zum Abschluß des Kaufgeschäftes führten.
Dem aufmerksamen Beobachter der hiesigen Verhältnisse konnte es schon seit langer Zeit nicht entgangen sein, daß China das Uebergewicht der fremden Flagge an seinen Küsten nur mit Unwillen ertrug und daß eine mächtige Partei im Lande dahin strebte, durch Adoptirung der fremden Verkehrsmittel für die heimische Schiffahrt, die Fremden selbst aus dem Felde zu schlagen. Die Gründung der Chinesischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft in Shanghai unter den Auspicien eines Mannes von der geistigen Bedeutung und den materiellen Hülsquellen, wie der General-Gouverneur Li-Hung-Chang sie besitzt, war herzu der erste Schritt. Die Art und weise wie diese Gesellschaft durch die einheimischen Behörden subventionirt und begünstigt wurde, zeigte deutlich daß man auf der einmal eingeschlagenen Bahn mit bewußter Consequenz vorwärts rückte. Es scheint kaum zweifelhaft, daß man die Cabotage in China für einheimische Schiffe zu monopolisiren wünscht. So verlangte Li-Hung-Chang in einem Memorial an den Thron unter Bezugnahme auf die Schiffahrtsgesetze Amerika’s und Europa’s, daß man die fremden Flaggen vertragsmäßig von der|3. Blatt, Vorderseite| Küstenschiffahrt in China ausschließen sollte, und der in Chinesischen Diensten stehende General-Direktor der Zölle Robert Hart verstieg sich schon im März 1874 gelegentlich eines Gutachten über die Woosung-Barre zu der Prophezeihung, daß in 10 oder 20 Jahren die Chinesische Rhederei die Fremde von den chinesischen Küsten verdrängt haben und die Chinesische Flagge in den Docks von London und Liverpool wehen würde.
Eine so schnelle Erreichung der Ziele chinesischer Handelspolitik war freilich nicht im Wege der gewöhnlichen kaufmännischen Concurrenz, sondern nur durch künstliche Mittel möglich.
Die Chinesische Dampfschiffahrts-Gesellschaft prosperirte selbstverständlich bei den durch sie hervorgerufenen niedrigen Frachtpreisen so wenig, wie ihre fremden Rivalinnen. Ihre Aktionäre, soweit sie aus privaten Kaufleuten bestehen, hätten nie daran denken könne, durch Aufwendung von zwei Millionen Taels ihr Betriebsmaterial in so ausgedehnter Weise zu vergrößern. Zwei dem Ankauf der Aktien der Shanghai-Steam-Navigation-Company vorhergehende Versuche, sich das erforderliche Geld von fremden Banken zu verschaffen, schlugen fehl, und so blieb denn der Partei welche die Chinesische Dampfschiffahrts-Gesellschaft aus politischen Gründen begünstigt, nichts über, als aus den Kreisen der Beamten und Beamten-Kandidaten das Kaufgeld zusammenzubringen. Verschiedene vermögende Anhänger von Li- Hung-Chang sollen in|3. Blatt, Rückseite| Contribution gesetzt, vom General-Gouverneur selbst wiederum eine beträchtliche Summe vorgeschossen und so die Bezahlung der ersten Million des Preises für Schiffe und sonstiges Eigenthum der Conkurrenz-Gesellschaft gesichert sein.
Aus der so herbeigeführten Amalgamirung der beiden Dampfer-Linien unter einheitlicher Chinesischer Leitung und unter Chinesischer Flagge dürften sich für die fremde Küstenschiffahrt in China zunächst folgende Resultate ergeben.
Die Flagge der „Vereinigten Staaten“, unter welcher in Folge spezieller Regulationen die Dampfer der Shanghai-Steam-Navigation-Company bisher fuhren, wird fast gänzlich von der Küste verschwinden, da sonstige Amerikanische Dampfer und Americanische Segelschiffe nur vereinzelt in der hiesigen Cabotage beschäftigt sind. Deutschland, dessen Dampfschiffahrt in China unbedeutend, dessen Segelschiffahrt seit Eröffnung des Suez-Kanals im schnellen Rückgange begriffen ist, wird sich gleichfalls auf eine Verminderung seiner Tonnage gefaßt machen müssen. So bleibt für den Augenblick England allein als leistungsfähiger Concurrent über, dessen gut fundierte, mit Dampfern neuester Construction arbeitende Gesellschaften sich an den hiesigen Küsten noch für geraume Zeit halten dürften.
Das Bestreben der Chinesischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft dürfte sich zunächst darauf richten, die Fahrt auf dem Yangtsze und nach den nördlichen Häfen China‛s zu monopolisiren.|4. Blatt, Vorderseite|
Die Eröffnung von zwei neuen Traktats-Häfen am Yangtsze, sowie von sechs weiteren Halteplätzen an den Ufern desselben zur Beförderung von Personen und Güter, lassen auf diesem Gebiete einen Aufschwung der Schiffahrt erwarten, deren Vortheile China allein zu genießen hofft, da der Yangtsze augenblicklich nur von einer Englischen Linie, welche über 5 Dampfer verfügt, befahren wird. So ist anzunehmen, daß die Chinesische Flagge sowohl was den Tonnengehalt als die Zahl der Schiffe angeht, in diesem Jahre den ersten Rang in allen Yangtsze-Häfen einnehmen wird. Dergleichen dürfte die Chinesische Dampferflotte in den Häfen von Newchwang, Tientsin, Chefoo und Ningpo dominiren, während in Shanghai selbst, sowie in den südlichen Häfen China‛s, Großbritannien vor der Hand sein altes Uebergewicht behalten wird.
Diese der fremden Schiffahrt wenig günstigen Aussichten können sich meiner Ansicht nach, auch dann nicht bessern, wenn der jetzt in Vorbereitung begriffene Versuch gelingen sollte, der Dampfschiffs-Gesellschaft Chinesischer Kaufleute gegenüber eine neue Concurrenz-Linie in’s Leben zu rufen.
Ich fürchte daß bei dem gegenwärtigen Stande des Handels in China sich bei einer solchen Gründung, hauptsächlich Chinesisches und nur wenig fremdes Kapital betheiligen wird, daß daher die Schiffe, wenn|4. Blatt, Rückseite| sie auch, um Conflicte mit den Behörden zu vermeiden, vorläufig unter fremder Flagge fahren mögen, in Wirklichkeit im Chinesischen Eigenthum stehen und Chinesischen Interessen dienen werden. Wir würden dann freilich eine Schädigung der jetzt bestehenden, einzigen chinesischen Dampfer-Gesellschaft, aber damit nicht einen Aufschwung der fremden Schiffahrt erleben. Man muß sich überhaupt hüten, das Gedeihen und den Bestand jener Dampfer-Gesellschaft mit der Zukunft der einheimischen Dampfschiffs-Rhedereien in China überhaupt zu identificiren. Jene unter der Obhut von Beamten stehende, nach einem Monopol strebende Compagnie, mag früher oder später zu Grunde gehen und sie wird es glaube ich, sobald ihr Protektor Li-Hung-Chang einmal die Hand von ihr abziehen sollte – aber Ausländer werden die Erbschaft nicht antreten. Dem großen Antheile entsprechend, den die Chinesischen Kaufleute sich an dem Import- und Exporthandel ihres Landes erworben haben, kann die Bildung anderer Dampfschiffs-Rhedereien durch einheimische Privatleute nicht ausbleiben, und das Resultat für die fremde Schiffahrt stellt sich nicht günstiger.
Für den Augenblick ist die Macht der Dampfschiffahrts-Gesellschaft Chinesischer Kaufleute in Shanghai was immer ihre Zukunft sein mag, jedenfalls eine sehr große. Ihre Flotte besteht mit Hinzurechnung der neuen Ankäufe aus 30 Dampfern von zusammen 23,387 Register Tons, eine Ladungsfähigkeit die derjenigen aller Dampfer in den 53 Rhederei-Plätzen des Preußischen Ostseegebiets nahezu gleichkommt.
(gez:) Krauel.
d.der, die, das
M., Mon, Mt.; Mts, Mts.Monat, Monate; [vorigen] Monats
ca, ca.circa (lateinisch)
d. J., d Js, d. Js., ds. Js.dieses Jahres
gez., gez:gezeichnet
China Merchants‛ Steam Navigation Company, ShanghaiDie 1873 gegründete China Merchants‛ Steam Navigation Company war die erste moderne Dampfschiffsreederei Chinas, die sich mit staatlicher Unterstützung gegen die Konkurrenz ausländischer Dampfschiffsgesellschaften in der chinesischen Küstenschifffahrt durchsetzten sollte. Diese wurde in den 1870er Jahren von zwei britischen Gesellschaften beherrscht, zum einen der China Navigation Company des Handelshauses John Swire & Sons in London, in Ostasien vertreten durch die Firma Butterfield & Swire, und zum anderen der Indo China Steam Navigation Company des Handelshauses Jardine, Matheson & Co.. Die deutschen Segelschiffe hatten sich zu dieser Zeitz aus der chinesischen Küstenschifffahrt bereits weitgehend zurückgezogen. Vgl.
LIU, Steamship Enterprise
;
LIU, British-Chinese Rivalry
;
HAO, Commercial Revolution
, passim;
Reinhardt, Navigating Semi-Colonialism
, passim.
Generalkonsulat des Deutschen Reichs
Regierung Chinas
Verwaltung, chinesische; auch: chinesische Behörden
Shanghai (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Schanghai, Shang-hae, Shang-hai, Shanghae, Shanhay
China; auch: chinesisches Kaiserreich, chinesisches Reich, chinesische Republik, Reich der Mitte
Zhili (Pinyin) [Provinz in China]; auch: Chihli (heute: Hebei)In der Provinz Zhili lag auch die Hauptstadt Chinas, Peking, weshalb das Amt des Gouverneurs der Provinz Zhili als besonders einflussreich und prestigeträchtig galt.
Suezkanal; auch: Suez CanalDer von Ferdinand de Lesseps angestoßene und maßgeblich vorangetriebene Bau des Suezkanals in den Jahren 1854/59 bis 1869 erforderte erhebliche finanzielle Mittel und bewirkte eine starke Abhängkeit des bis dahin unter osmanischer Oberherrschaft stehenden Ägyptens von internationalen Anleihen. Formell blieb Ägypten zwar ein selbständiger Staat, doch de facto übernahm die von Großbritannien und Frankreich eingerichtete Staatsschuldenverwaltung die Regierungsgeschäfte. Zudem erwarb Großbritannien die ägyptischen Anteile an der Suezkanal-Gesellschaft und besetzte 1882 schließlich das gesamte Land, um den Seeweg nach Ostasien abzusichern. - Vgl. zum Bau des Kanals und seiner Finanzierung:
Lesseps, Entstehung des Suezkanals
;
Idrissi, Ferdinand de Lesseps
;
Bonin, Suez
. Zu den Auswirkungen auf Ägypten und den Nahen Osten:
Haikal, Lion‛s Tail
;
Huber, Channelling Mobilities
;
Carminati, Seeking Bread
. Zu den Auswirkungen auf die Handelsströme zwischen Europa und Ostasien:
Bogaars, Effect of the Opening
;
Curli, Italy and the Suez Canal
.
Jangtsekiang [Fluss in China]; auch: Changjiang (Pinyin), Jangtse, Yang-tze-Keang, Yangtse, Yangtsye, Yangtsze, Yangtzi, Yangzijiang
Zhenjiang (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Chinkiang, Tschinkiang, Tšin-Kian
Jiujiang [Stadt in China]; auch: Kiu-kiang, Kiukiang
Hankou (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Han-kau, Hankau, Hankow
Zhifu (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Chefoo, Tschifu
Tianjin (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Tien-tsin, Tientsin
Newchwang [Stadt in China]; auch: Newchang, Niutšwan
Ningbo (Pinyin); auch: Nin-po, Ning-po, Ningpo
Vereinigte Staaten von Amerika; auch: United States (US), United States of America (USA), Vereinigte Staaten von Nordamerika
Europa; auch: Europe (englisch)
London
Liverpool
Deutschland; auch: Deutsches Kaiserreich, Deutsches ReichBis zur Gründung des Deutschen Reichs im Jahr 1871 kann von Deutschland nicht im Sinne eines Nationalstaates gesprochen werden. Doch in den Quellen wird der Begriff Deutschland auch zuvor häufig verwendet, wenn es den Urhebern nicht um eine Differenzierung zwischen den verschiedenen deutschen Teilstaaten ging.
Großbritannien; auch: England, Great Britain, United Kingdom of Great Britain and Ireland, Vereinigtes Königreich Großbritannien und IrlandNach dem Zusammenschluss des 1707 gebildeten Königreichs Großbritannien mit dem nur noch formell selbständigen Irland im Jahr 1801 lautete die offizielle Staatsbezeichnung Großbritanniens bis 1927 Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland. Das Staatsgebiet umfasste auf den Britischen Inseln die vier Landesteile England, Wales, Schottland und Irland, hinzu kamen abhängige Territorien auf allen Kontinenten, deren größte Ausdehnung 1922 erreicht war. 1927, mit der Bildung des Irischen Freistaats, wurde die offizielle Staatsbezeichnung verändert zu Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland.
Preußen
Ostsee
LI Hongzhang; auch: Li Hong chang, LI Hung-changLI HongzhangGeneral, Politiker, Staatsmann11872803215.02.182307.11.1901LI Hongzhang bestand 1847 erfolgreich die chinesische Beamtenprüfung, besuchte die Hanlin-Akademie und machte sich anschließend als General der Hunan-Armee von ZENG Guofang sowie seiner selbst aufgestellten Huai-Armee einen Namen, weil er erfolgreich half, den Taiping-Aufstand niederzuschlagen. 1865 wurde er zum Gouverneur der Provinzen Jiangsu, Jiangxi und Anhui berufen, 1870 zum Gouverneur der Provinz Zhili, in der auch Peking als Hauptstadt Chinas lag. LI Hongzhang verfolgte in den 1870er und 1880er Jahre eine Reformpolitik, die auf die militärische und wirtschaftliche „Selbststärkung“ Chinas zielte. Als sein Vorbild galt der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck. LI Hongzhang gründete 1880 eine Marineakademie und 1885 eine Militärakademie in Tianjin, wodurch die Stadt zu einem Anziehungspunkt für ausländische Handelshäuser wurde, die auf chinesische Regierungsaufträge hofften. Zudem betrieb LI Hongzhang den Aufbau der Beiyang-Flotte, die Kriegsschiffe deutscher Produktion umfasste. Während des Ersten Chinesisch-Japanischen Krieges (1894–1895) wurde diese Flotte geschlagen, was dem Ansehen LI Hongzhangs (und seiner Protegés, wie etwa Gustav Detring) sehr abträglich war. Dennoch blieb er politisch-diplomatisch aktiv und unterzeichnete am 3. Juni 1896 ein geheimes Abkommen mit Russland, in dem das Zarenreich das Recht zugestanden wurde, die Transsibirische Eisenbahn durch die chinesische Mandschurei bis nach Wladiwostok auszubauen. Da LI Hongzhang vom russischen Finanzminister Sergei Juljewitsch Witte für dieses Zugeständnis nachweislich ein Bestechungsgeld annahm, sank sein Ansehen in China weiter. Vgl.
Hail, „LI Hung-chang“
;
WU, Zheng Guanying
, passim;
Platt, Autumn in the Heavenly Kingdom
, passim;
Lappenküper/Ohnezeit, Li Hongzhang
.
Hart, Robert (seit 1893: Sir)Robert HartDiplomat, Zollinspektor11872054620.02.183520.09.1911Robert Hart, der aus Irland stammte und 1854 als Übersetzer für Chinesisch in den diplomatischen Dienst Großbritanniens eintrat, wurde im November 1863 zum Generalinspekteur der chinesischen Seezollverwaltung berufen, die nach dem Abschluss der Verträge von Tianjin errichtet worden war. Robert Hart stand bis 1910 an der Spitze dieser chinesischen Behörde, mit deren Hilfe er - gestützt auf multinationale Führungskräfte - das chinesische Zollsystem zu einer modernen, effizient arbeitenden Einrichtung umgestaltete, die mit ihren Einnahmen viel zur wirtschaftlichen Entwicklung Chinas beitrug. Vgl.
King, „Hart, Sir Robert, first baronet“
;
Van de Ven, Breaking with the Past
;
Fairbank/Frost Bruner/MacLeod Matheson, The I. G. in Peking
;
Ladds, „The Life Carrer of Us All“
.
Handelspolitik, chinesische
Dampfschiff; auch: Dampfbarkasse, Dampfboot, Dampfer, steamboat (englisch), steamer (englisch)
Küstenschifffahrt; auch: Cabotage, coast shipping (englisch)
Subvention, staatliche; auch: Bonification, Government support (englisch)Der Begriff Subvention bezeichnet eine staatliche finanzielle Unterstützung, beispielsweise für die Einrichtung von Dampfschifffahrtslinien oder zur Förderung des Exports bestimmter Waren.
Aktionär; auch: Actionär, Anteilseigner, Interessent, shareholder (englisch)
Flagge; auch: flag (englisch), Flaggenstock, Nationalflagge, SchiffsflaggeDie in der Regel aus Tuch bestehende Flagge eines Schiffes dient der Übertragung von Informationen auf weite Sicht. Dabei geht es zumeist um die Zugehörigkeit zu einer Reederei oder zu einem Staatswesen, in deren Schiffsregister das Schiff eingetragen ist; in letzterem Fall müssen weder die Eigner noch der Kapitän und die anderen Mitglieder der Schiffsmannschaft zwangsläufig ihren Sitz in dem betreffenden Staat haben. Die Nationalflaggen der Europäer wurden im 18. und 19. Jahrhundert in Ostasien auch vermehrt an Land gehisst, etwa vor den ausländischen Faktoreien im chinesischen Kanton oder auf Konsulatsgebäuden.
Generalgouverneur, chinesischer (Provinzebene); auch: Gouverneur, Vice-König, Vizekönig
Preis; auch: Außenhandelspreis, Bruttopreis, Einkaufspreis, Facturapreis, Kaufpreis, Listpreis, Preisentwicklung, Preisverfall, price (englisch), Selbstkostenpreis, value (englisch), Verkaufspreis, Waarenwerth, Weerth, Wert, Werthbemessung
Tael [chinesische Währungseinheit]; auch: Tl., Tls., Ts., Silber-Tael, Tail; s. auch Shanghai-Tael
Die chinesische Währungseinheit Tael, die ursprünglich eine Gewichtseinheit für Silber war, lässt sich unterteilen in 10 mazes, 1 maz (m.) wiederum entspricht 10 candareen (cand.), 1 candareen 10 cashes (c.). Der Wert des Taels war er abhängig vom schwankenden Silberpreis, variierte aber auch regional sehr stark, so wurde im späten 19. Jahrhundert 1 Kanton-Tael mit 33,816 Gramm Silber gleichgesetzt, ein Shanghai-Tael dagegen mit 37,759 Gramm Silber. - Grundlegend zu den chinesischen Geld- und Währungsverhältnissen:
King, Money and Monetary Policy
;
Horesh, Shanghai‛s Bund
.
Zahlung; auch: Auszahlung, Barzahlung, Bezahlung, Disbursement, Einzahlung, Geldüberweisung. Giro Verkehr, payment (englisch), Rückzahlung, Vorausbezahlung, Zahlungsanweisung, Zahlungsausfall, Zahlungsbedingungen, Zahlungsbereitschaft, Zahlungsmethode, Zahlungsmodus, Zahlungsschwierigkeit, Zahlungsverkehr, Zahlungsverweigerung, Zahlungsverzögerung
Hafen; auch: free port (englisch), Freihafen, port (englisch), VertragshafenHäfen spielten für den Handel mit und in Ostasien im langen 19. Jahrhundert eine zentrale Rolle, zum einen als „Freihäfen“, wie zum Beispiel Singapur, in denen Waren ein- und ausgeführt werden konnten, ohne mit Zöllen belastet oder durch nichttarifäre Handelshemnisse beschränkt zu werden, zum anderen - und das war die häufigere Form - als „Vertragshäfen“, die zumeist nicht freiwillig, sondern unter Androhung von militärischer Gewalt oder auch erst nach einer militärischen Niederlage von den betreffenden Territorialstaaten, vor allem China und Japan, für den internationalen Handel geöffnet wurden. Dies geschah in der Regel auf der Basis eines mehr oder weniger erzwungenen Handelsvertrages, der keine gleichen Rechte für die Vertragspartner vorsah, sondern in erster Linie den Interessen der ausländischen imperialen Mächte entsprach und deshalb als Ungleicher Vertrag bezeichnet wurde. Über die Vertragshäfen wurde in China, Japan und anderen Ländern Ostasiens eine kommerzielle Revolution mit tiefgreifenden Veränderung für alle Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft in Gang gesetzt. Vgl.
Fairbank, Trade and Diplomacy
;
HAO, Commercial Revolution
;
Hoare, Japan‛s Treaty Ports
;
So/MyersTreaty Port Economy
;
Bickers/Jackson, Treaty Ports
;
Brunero/Villalta Puig, Life in Treaty Port China and Japan
.
Tonne [Gewichtseinheit]; auch: t., ts., ton (englisch) Die Gewichtseinheit Tonne war im 19. Jahrhundert noch nicht normiert. Sie wurde teilweise auch noch als ein Raummaß verwendet, also etwa für eine Tonne voll Bier, Getreide, Fisch oder Salz mit ganz unterschiedlichem Gewicht. Für die Tonne als Gewichtseinheit setzte sich im 19. Jahrhundert im deutschen Sprachraum das metrische Maß von 1.000 Kilogramm durch. Im angelsäsischen Sprachraum dagegen ist weiterhin zwischen der metrischen Tonne (metric ton), der britischen „long ton“ (~ 1.016 Kilogramm) und amerikanischen „short ton“ (~ 907 Kilogramm) zu unterscheiden.
Eisen; auch: iron (englisch), Roheisen
Holz; auch: Balken, Baumstamm, Bretter, Holtz, Holzlager, Holzmuster, Holzsplitter, Planken, Rinde, Sägemehl, Stamm
Fracht [Frachtkosten]; auch: Frachtpreis, Frachtrate, Frachtspesen
Aktien; auch: Actien, shares (englisch)
Monopol; auch: Handelsmonopol, Herstellungsmonopol
Zollinspektor; auch: Commissioner of Customs (englisch), Generalinspekteur der Seezollbehörde, Zollbeamter, Zolldirector, Zollinspector
Wusung-Barre; auch: Woosung Bar (englisch), Woosung-Barre, Whangpoo-KorrektionDie Versandung des Flusses Huangpu nördlich von Shanghai, bei der Mündung des Wusung in den Huangpu, kurz bevor dieser selbst in den Jangtsekiang mündet, wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als wachsende Barriere für die Schifffahrt betrachtet, gerade für größere Schiffe, und war deshalb Gegenstand langwieriger Diskussionen über die technischen Möglichkeiten und die Kosten der dauerhaften Freihaltung. Auch die deutsche Regierung beteiligte sich schließlich an der Behebung des Problems.
Reederei; auch: Rederei, Rhederei
Bank; auch: Aktienbank, Bankenwelt, Bankgeschäft, Bankhaus, banking operations (englisch), Geldgeber, Geldinstitut, Geschäftsbank, Großbank, Investmentbank, issuing bank (englisch), merchant bank (englisch), Privatbankhaus
Beamter, chinesischer; auch: officer (englisch)
Eigentum; auch: Eigenthum, property (englisch)
Dampfschifffahrt; auch: Dampferlinie, Dampfschifffahrtsgesellschaft
Passage; auch: Passagegeld, Passageschein, Passagier, Passagierdampfer, Passagierschifffahrt
Frachtfahrt; auch: Befrachtung, Frachtschifffahrt, Verfrachtung
Kapital; auch: Aktienkapital, Bankkapital, Capital, Einschuß, Gesellschaftskapital, Privat-Capital, Stamm-Capital, working capital (englisch)
Konflikt; auch: Streit, StreitigkeitPrivatrechtliche Konflikte, etwa zwischen Kapitänen und Schiffsmannschaften oder zwischen den ausländischen und einheimischen Kaufleuten im Hinblick auf die Gewichts- und Wertbestimmung der von ihnen gehandelten Waren, kamen im 19. Jahrhundert häufig vor und wurden in vielen Fällen von den vor Ort ansässigen Konsuln geschlichtet, auch wenn diese - wie im deutschen Fall bis zu den Vertragsabschlüssen mit Japan, China und Siam in den frühen 1860er Jahren - noch nicht mit der Konsulargerichtsbarkeit betraut waren.
Chinesen; auch: Chinese (englisch)