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Nr. 2.3.2.03

Benjamin Telge, Teilhaber der Firma Telge, Nölting & Co., Shanghai / Hamburg, aus Hamburg, an Max von Brandt, deutscher Gesandter in Peking, nach London, betr. einen Großauftrag zur Lieferung deutscher Maschinen nach Shanghai, 14. September 1878

Geschäftsbrief

Regest:

Benjamin Telge, Teilhaber der Firma Telge, Nölting & Co., die sich mit ihren beiden Niederlassungen in Shanghai und Hamburg seit den 1860er Jahren einen Namen im Handel mit Waffen und Rüstungsgütern für China und Japan gemacht hat, informiert Max von Brandt, den deutschen Gesandten in Peking, der sich gerade in London aufhält, über die bevorstehende Auslieferung von Maschinen und die Entsendung von einigen deutschen Fachleuten nach Shanghai für den Aufbau einer Tuchfabrik in der Provinz Gansu im Innern Chinas. Den Auftrag dazu erteilte Generalgouverneur ZUO Zongtang, vermittelt über den in Shanghai ansässigen chinesischen Unternehmer HU Guangyong, zu dem Telge schon länger gute Verbindungen pflegt und der die Lieferung bereits bezahlt hat. Telge legt dar, dass er mit Folgeaufträgen rechnet, gerade auch im Bereich des Bergbaus, zu dessen Erkundung er einen Bergwerksingenieur mit nach Shanghai entsende. Er bittet Max von Brandt, dem deutschen Generalkonsul in Shanghai die Unterstützung seines Unternehmens zu empfehlen. Dieser Bitte kommt Max von Brandt, wie einem beiliegenden Schreiben an Bernhard von Bülow, den Staatssekretär im Auswärtigen Amt, zu entnehmen ist, am 19. September 1878 nach.

Gedruckter Briefkopf:

B. TELGE.

SHANGHAI & HAMBURG.

Hamburg, Ferdinandstrasse 57, 14. September 1878

Ew. Excellenz,

beehre ich mich nachstehend in Verfolg meiner mündlichen Mittheilungen das Wort „Mittheilungen“ wurde nachträglich unterstrichen eine Aufstellung meiner für China bestimmten Aussendungen zu geben.

Durch Sr. Excellenz Hoo Chuong Young in Shanghai wurde meine Firma in Shanghai der Auftrag laut Authorisation von Tso Tsung Tang der Name „Tso Tsung Tang“ wurde nachträglich unterstrichen und am linken Rand in Reinschrift wiederholt General-Gouverneur (Vicekönig) der Provinzen Kangsut und Shenzi und für dessen Rechnung folgende Maschinen in Europa zu kaufen und die dazugehörigen Fachleute für deren Betrieb und für einen Zeitraum von 2 á 3 Jahren die Passage „2 á 3 Jahren“ wurde nachträglich unterstrichen und am linken Rand angestrichen zu engagiren. Selbstverständlich werden sich diese Fachleute nach Kangsut verfügen, um genannte Zeit dort zu verbleiben.

1. Die complete Einrichtung einer Tuchfabrik mit allen dazu nöthigen Maschinen, Dampfkesseln und Zubehör. Ich muß dabei von der Idee ausgehen, daß an Ort und Stelle (der Hauptstadt Langtechow in Kangsut) gar nichts zu finden ist, um den Aufbau und den Betrieb zu unterstützen, weshalb nichts auch nicht das Geringste fehlen darf, da sonst eine halbjährliche Verzögerung des ganzen Betriebes entstehen könnte. – Da die Provinz Kangsut, wie Ew. Exzellenz bekannt sein wird reich an Wollmaterial ist, so dürfte die Unternehmung entschieden eine gut zahlende werden und falls dieser erste Versuch gut ausfällt ist es die Absicht des genannten Tso Tsung Dang sofort einige größere Fabriken nachkommen zu lassen. – Wenngleich für überseeische Plätze bisher größere Maschinensendungen eigentlich ohne Ausnahme von England aus gemacht worden die Passage „von England aus gemacht worden“ wurde nachträglich unterstrichen sind, so entschloß ich mich doch, da ich England überhaupt bisher bei meinen Lieferungen für die chinesische Regierung möglichst umgangen


Sr. Excellenz

Herrn M. von Brandt

Deutscher Minister für China

etc. etc. etc.

p. p. London

Diese Bestellung einer großen Fabrik in Sachsen zu übertragen, die für Deutschland schon viele derartige Aufträge beschafft hat und bürgt mir das gute Renommé und die Realität derselben für eine gewissenhafte Ausführung.

Ich engagirte nun für diese Tuchfabrik:

Einen Direktor (Aachener) der schon mehrere Fabriken der Art in Deutschland vorgestanden hat.

Einen Architekten, der den Bau des Fabrikgebäudes nach hier festgestellten Plänen, die Aufstellung der Maschinen, den Bau der Beamtenwohnungen u. s. w. zu leiten hat.

Sechs Meister und Monteure, welche letztere gleich Maschinisten sind.

Das jährliche Gehalt dieser Leute beträgt zusammen an 80,000 Mark p. Person.

2. Ein eiserner Bagger, welcher von einem Fluß oder See aus seinen Weg in’s Land zu baggern im Stande ist und auf diese Weise seine Bestimmung etwa 50 Fuß breit und 10 Fuß tiefe Canäle zu graben, erfüllen kann. Auch diesen habe ich in Deutschland bestellt, wenngleich den Engländern mit Baggermaschinen für Canalbauten (speciell in Indien) große Erfahrungen zur Seite stehen, doch habe ich eine mir vom Indian Office empfohlene Construktion dem in Deutschland bestellten zu Grunde gelegt. – Die Leistungsfähigkeit dieses Baggers, durch eine sehr starke Maschinen xxx getrieben, ist eine sehr bedeutende und wird selbe eine Förderung von 100,000 Kilo p. Stunde betragen. – Für den Betrieb sende ich

Drei Fachleute, deren jährliches Gehalt 30,000 Mark beträgt.

3. Ein completer Bohrapparat, der ebenfalls mit Dampfkraft versehen, bis zu einer Tiefe von 1000 Fuß dringen kann. Mit diesem wird

Ein sehr befähigter Arbeiter, der schon vielen Bohrungen in Deutschland vorgestanden hat, hinüber gehen und erhält derselbe ein Salair von 10,000 Mark. –

Der Preis dieser Maschinen und der für einen einjährigen Betrieb nöthigen Zuthaten beträgt etwa 500,000 Mark und sind die Zahlungen praenumerando von Sr. Excellenz Hoo Chuong Young geleistet die Passage „sind die Zahlungen praenumerando von Sr. Excellenz Hoo Chuong Young geleistet“ wurde nachträglich am linken Rand angestrichen. –

Außer eben erwähnten Fachleuten geht Ende dieses Monats ebenfalls ein Bergwerks Ingenieur nach Shanghai, der mit dem Direktor der Tuchfabrik, dem Architekten und meinem jetzigen Vertreter in Shanghai im December nach Kangsut reisen wird. Es ist dieser Ingenieur für meine Rechnung engagirt, da es der Wunsch des vorgenannten Tso Tsung DTang ist, die unter seiner Regierung stehenden Provinzen nach allen Richtungen hin in Betreff etwa vorhandener Bergwerksprodukte auszubeuten und wird die Aufgabe des Ingenieurs vorläufig dahin gehen die zur Ausführung und Ausbeutung solcher Produkte nöthigen Arbeiten vorzunehmen, das Abbehren gefundener Flötze zu leiten (selbstverständlich nimmt derselbe alle dazu nöthigen Maschinen und Werkzeuge mit), prognostische Karten zu entwerfen, Analysen der gefundenen Produkte zu machen und falls vorhandene oder neu anzulegende Bergwerke ausgebeutet werden sollen die nöthigen Angaben über Maschinenbeschaffung in so eingehender Weise nach hier zu übermitteln, daß danach die betreffenden Bestellungen ausgeführt werden können. – Natürlich werden ihm die vorhandenen Berichte über die Forschungen des Herrn Baron von Richthofen, Präsident der Geographischen Gesellschaft in Berlin in diesen Provinzen von großem Nutzen sein. –

Ich möchte mir erlauben Ew. Excellenz noch zu erwähnen, daß speciell die Bestellung einer Tuchfabrik und das Engagement dazu nöthiger Fachleute der allererste Schritt der chinesischen Regierung ist einem industriellen Unternehmen den Weg zu bahnen und damit der erste Beweis geliefert ist, daß China sich mit der Zeit ähnlichen Neuerungen nicht verschließen kann und wird. – Der Abbruch der Eisenbahn im vorigen Jahre, welcher so sehr großes Aufsehen in ganz Europa erregt und aus welchem Ereigniß einmüthig der Schluß gezogen wurde, die Regierung wolle unter keiner Bedingung das Land dem Fortschritt, neueren Erfindungen und der Civilisation im Allgemeinen erschließen, scheint mir kein genügender Grund, um zu dem Schluß zu kommen, denn ein mit der Sachlage Vertrauter kann sich doch nicht verschweigen, daß die betheiligten Unternehmer der chinesischen Regierung diese Neuerung octroyieren wollten und wohl keine Regierung der Welt würde sich einen modus operandi, wie er bei dieser Gelegenheit in China vorgekommen, gefallen lassen. Ähnliche Unternehmungen, wie sie jetzt von mir zur Ausführung gebracht werde, müssen andere Neuerungen zur Folge haben und scheint mir sogar die Einführung von Eisenbahnen, die im Kleinen ja schon bei Kohlenbergwerken nothwendig wird, durchaus wahrscheinlich. – Ich brauche wohl kaum hinzuzufügen, daß ich gewiß alles thun werde, um ausschließlich dabei die Handelsinteressen Deutschlands dabei im Auge zu behalten.

Schließlich möchte ich Ew. Excellenz ersuchen dem General-Consul des Deutschen Reichs in Shanghai eine direkte und indirekte Unterstützung des Unternehmens zu empfehlen und solches demselben gegenüber als ein für den deutschen Handel, sowie auch gegenseitige Beziehungen der Regierungen betreffend, angenehmes und wichtiges hinzustellen. –

Ich habe die Ehre zu zeichnen,

Ew. Excellenz gehorsamster Diener

B. Telge