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Der deutsche Ausfuhrhandel nach Ostasien
Die Entwicklung des deutschen Ausfuhrhandels nach Ostasien, Australien und der Südsee hat uns bereits zu einigen allgemeineren Ausführungen Veranlassung gegeben. Es verlohnt sich aber gewiß der Mühe, diese Denkschriften, welche anscheinend zu den ständigen Lehrmitteln des Reichstags erhoben werden sollen, auch einmal im Einzelnen zu prüfen. Es ist ein merkwürdiges Unternehmen der Regierung, einer Kaufmannschaft, welche mitten in einem internationalen Geschäftsverkehr steht, auf wenigen Druckseiten auseinandersetzen zu wollen, wie sie ihre Geschäfte zu verrichten habe. Es gehört dazu eine sozialistische Zuversicht in die Staatsweisheit, welche es nicht eben wahrscheinlich macht, daß die Verfasser derartiger Denkschriften einen deutlichen Begriff von der Complicirtheit jener Verhältnisse haben, über welche sie leichter Hand aburtheilen. Diese Vermuthung wird zur Gewißheit, wenn man die neueste Denkschrift aufmerksam durchstudirt. Unterwerfen wir z. B. das in der Denkschrift vom 27. Mai über den Ausfuhrhandel mit China Gesagte einmal einer etwas genaueren Kritik.
Drei Hauptmängel erblickt die Denkschrift in den jetzigen Verhältnissen des Ausfuhrhandels mit China: es fehlt nach der Denkschrift an Commissionshäusern für den Export – an deutschen Banken in Ostasien – und an directen Dampferlinien.
Diesen Mängeln soll es angeblich zuzuschreiben sein, „daß der deutsche Handel mit China in letzter Zeit von seiner bereits eingenommenen Stellung in bedauerlicher Weise herabgesunken ist.“
Zunächst müssen wir bedauern, daß für diese letztere so positiv hingestellte Behauptung keinerlei Belege beigebracht sind. Retorisch ist der behauptete Umstand gewiss nicht,|2. Seite|Geschäftsleute, welche den deutsch-chinesischen Handel selbst betreiben, bestreiten die Thatsache durchaus. Uns sind deutsche in China etablirte und hauptsächlich mit Deutschland arbeitende Firmen bekannt, welche jährlich allein über 100,000 M. Depeschenkosten aufwenden. Eins dieser Häuser bezog im verflossenen Jahre aus Deutschland nur an Anilinfarben – um einen relativ unbedeutenden Exportartikel zu nennen – für eine Million Mark.
Das größere Quantum der verschifften Waaren ging allerdings über England nach China, speciell nach Schanghai und Hongkong. Was aber in Schanghai aus England in englischen Schiffen anlangt, kommt stets als englischer Export zur statistischen Anschreibungen, während das, was im Freihafen Hongkong gelandet wird, sich einer auch nur einigermaßen genauen statistischen Ermittelung völlig entzieht.
Worauf sich die Behauptung von dem zurückgegangenen deutschen Ausfuhrhandel mit China gründet, ist uns deshalb unerfindlich. Der übliche Hinweis auf die im Auswärtigen Amte aufgespeicherten Acten dürfte nicht genügen.
Aber gehen wir von dem unerwiesenen Mißstande weiter zu den behaupteten Ursachen dieses Mißstandes.
„Eine Beseitigung dieser Mißstände kann – sagt die Denkschrift wörtlich – nur durch Begründung von Commissionshäusern für den Export in den deutschen Hafenplätzen geschaffen werden.“
Von der Nothwendigkeit der Commissionshäuser hat man auch bereits bei verschiedenen Gelegenheiten so viel erzählt, daß man annehmen sollte, dieselben existirten so viel wie garnicht in Deutschland und verrichteten in anderen Ländern Exportwunder. Thatsächlich besitzen wir bei uns – und nicht nur in Hamburg und Bremen, sondern auch in Berlin, Leipzig und anderen großen Firmenplätzen – eine große Anzahl Commissionshäuser. Daß die Entwicklung derselben aber nicht die Bedeutung erlangt, wie sie in Denkschriften als wünschenswerth empfohlen wird, das liegt zur Hauptsache daran, daß die Commissionshäuser durch vollkommenere Verkehrs-Einrichtungen mehr und mehr abgelöst werden. Gerade der Handel mit China zeigt diese Entwicklung. Das überseeische Haus bedient sich keines Commissionärs, weil es engere Geschäftsfreunde, in der Regel einen Associé, in Deutschland besitzt, welcher den Einkauf der europäischen Artikel besorgt. Man wünscht einen Dritten nicht darüber zu informieren, was man absetzt und wohin der Export geht, und man weiß seine Interessen bei dem Theilhaber naturgemäß besser gewahrt als bei einem dritten Vermittler.
Die Tendenz des modernen Handels, die Zwischenglieder immer mehr auszustoßen, macht sich in dieser Weise auch rücksichtlich der in der Denkschrift so gepriesenen Commissionshäuser geltend.
Die falschen Schlüsse unserer heutigen Wirthschaftspolitik sind überhaupt nicht zum Wenigsten dadurch veranlaßt, daß die tief einschneidende, vorzugweise durch Dampfschiff und Kabel hervorgerufene Umwandlung der ganzen Art des Welthandelsbetriebs innerhalb der letzten 15 Jahre auch nicht annähernd in ihrer vollen Bedeutung erkannt wird.
Schon in der öffentlichen Discussion über die Zollanschlußfrage trat dies in bedauerlicher Weise hervor, indem man von den Hansestädten die Anlegung von Exportlägern forderte, welche vor Decennien der Ausfuhr zum Vortheil gereichten, heute dagegen ein überflüssiger Zopf sind, den alle exportirenden Länder im Begriff stehen abzuschneiden.
Nicht ganz so steht es mit den geforderten Commissionshäusern: sie können von Nutzen sein, wo nichts Vollkommeneres existirt, aber das Vollkommenere bildet sich bereits heraus und zwar gerade im Verkehr mit China.
In dem Augenblicke, wo wir diese Zeilen schreiben, wickelt sich z. B. ein sehr großer von China nach Deutschland gelangter Auftrag ab und zwar in folgender Weise, welche für eine ganze Reihe ähnlicher Fälle typisch ist:
Das deutsche Haus in China telegraphirt heute an seinen eingeweihten Geschäftsfreund in Deutschland: „Wir haben Verwendung von deutschen Manufacturwaaren (es folgt die ganz bestimmte Angabe der Sorte, Qualität, Farbe &c), welche jedoch nicht mehr als so und soviel kosten dürfen und dann und dann hier sein müssen. Der Adressat wendet sich dann sofort an die verschiedenen für den Absatz in Frage kommenden Fabriken, die Offerten laufen morgen ein. Uebermorgen ist eventuell das Geschäft abgeschlossen, die Lieferungszeit vereinbart und vor Ablauf der Woche weiß die Firma in China, wann sie die gewünschte Waare im chinesischen Hafen erwarten darf.
Um ein solches Geschäft rasch machen zu können, bedarf es naturgemäß eines im chinesischen Geschäft bewanderten und mit umfassenden Befugnissen ausgerüsteten Geschäftsfreundes bezw. Theilhabers. Commissionshäuser können Gleiches nicht leisten und deshalb wird man durch Gründung von Commissionshäusern auf den Exporthandel mit China nicht wesentlich heben, noch weniger aber natürlich durch die einfache Empfehlung in einer Denkschrift, doch gefälligst Commissionshäuser gründen zu wollen.
Gehen wir jetzt zu dem zweiten großen Mangel im Ausfuhrhandel nach China über. Die Denkschrift sagt darüber: „Zur erfolgreichen Reform des deutschen Exporthandels nach China wäre ferner die Begründung einer Bank zur Vermittlung des Geldverkehrs erfolgreich.“
Wer wollte bezweifeln, daß die Gründung einer leistungsfähigen deutschen Bank in Ostasien für den deutschen Handel mit China eine Annehmlichkeit wäre. Auch wir bedauern, dass der seitens der „Deutschen Bank“ in dieser Beziehung gemachte Versuch gescheitert ist. Hätte die „Deutsche Bank“ ihre Agenturen nicht nach den ersten stärkeren Verlusten zurückgezogen, so würde sie voraussichtlich ähnliche günstige Resultate erzielt haben, wie die in der Denkschrift angezogene Hongkong- und Shanghai-Bank, deren Verwaltung, nebenbei bemerkt, wesentlich mit in deutschen Händen liegt. Durchaus verkehrt ist es jedoch, mit der Denkschrift zu glauben, „daß ohne die Hülfe eines deutschen Geldinstituts der deutsche Handel größere Dimensionen nicht annehmen kann.“ Es giebt in Deutschland Privatbankiers genug, welche die Geldvermittelung für ein Billiges jederzeit vorzunehmen bereit sind. Die großen deutschen Firmen in China, welche in Deutschland ihren Vertreter haben, machen derartige Geschäfte fortlaufend und für eine Provision, welche nicht über die Höhe der üblichen Bankprovisionen hinausgeht.
Ferner ist wohl zu berücksichtigen, daß häufig auf London gezogen wird, weil das Geld in England billiger ist.
Wenn die Denkschrift ferner meint, daß aus diesem Umwege über London „wie aus der längeren, vier bis sechs Monate betragenden Sichtzeit“ dem deutschen Fabrikanten wesentliche Extraverluste entstehen, so scheint uns hier aus der Mücke ein Elephant gemacht zu sein. Außerdem pflegt bei Sicht-Rimessen die Prima direct nach London zu gehen und die Secunda nach Deutschland, so daß die Behauptung von der längeren Sichtzeit ebenfalls der Correctheit entbehrt. Trotzdem geben wir gern zu, daß eine deutsche Bank in Ostasien eine sehr schöne Sache wäre, und wenn nur die Regierung ihre Hände davon läßt, so wird der Gedanke hoffentlich über kurz oder lang auch in verständiger Weise realisirt werden.
Wogegen wir protestiren, das ist nur die maßlose Ueberschätzung der Bedeutung einer solchen Gründung, und wir möchten wohl die in der Denkschrift erwähnten „competenten Beurtheiler“, welche „die Hauptursache des reißenden Aufschwungs, den das continentale Seidengeschäft nimmt, in der durch die Etablirung einer französischen Bank gegebenen Erleichterung der Finanzierung erblicken“, einmal einem Kreuzverhör unterzogen sehen. Wir würden den competenten Beurtheilern dann die Frage vorlegen, ob nicht die Eröffnung des Suezcanals, wodurch Marseilles als Importhafen für chinesische Producte einen großen Vorsprung gewann, - ob nicht der starke in Lyon concentrirte Seidenverbrauch, die für den Lyoner Markt so vortheilhafte Börse der außerordentlich viel Seide consumirenden Schweiz und dergleichen Ursachen ganz andere Zugkraft besessen haben, als die Etablirung einer französischen Bank in Ostasien. Wir würden uns dabei auf die letzte Zolltarif-Enquete in Frankreich stützen und glauben, die competenten Beurtheiler würden sich doch etwas anders äußern, wie sie es den Verfassern der Denkschrift gegenüber gethan haben.
Aber kommen wir zu dem dritten und angeblichen Hauptmangel des Ausfuhrhandels mit China, der mangelnden Dampferverbindung. Das thema probandum der Denkschrift ist die Unmöglichkeit, in unserer Zeit ohne Dampfer-Subventionen einen Exporthandel zu führen.
Wir wurden beim Lesen dieses Abschnitts der Denkschrift sehr lebhaft an Herrn Allain-Targé erinnert, der im vergangenen Jahre bei Berathung der Schifffahrtsprämien in der französischen Deputirtenkammer emphatisch ausrief: Est-il possible d’espérer, que nous aurons une navigation sans subvention? Personne ne le croit, personne ne l’a dit, et le contraire est admis dans tous les ports, il n’y a pas un homme compêtent dans les choses de la marine, qui ose dire, qu’une entreprise maritime puisse se fonder sans une subvention, sans un secours, sans un aide.
Wie man sieht, kennt man in Frankreich auch den „competenten Beurtheiler“, den homme compêtent, welcher im Gegensatz zu den „ältesten Leuten“ der Reporter, welche sich nie einer der berichteten ähnlichen Thatsache erinnern, über Alles Bescheid weiß und wie der große Unbekannte in Criminalprozessen als unfaßbarer Gewährsmann dient.
Wie steht es nun mit den Dampfer-Verbindungen zwischen Deutschland und China? Daß eine Dampferlinie von Hamburg nach Hongkong und Shanghai bereits existirt, ist auch dem Verfasser der Denkschrift nicht entgangen, aber sie ist ihm „ungenügend, schon für den augenblicklichen Verkehr“. Auch sind ihm die Frachtsätze nicht billig genug.
Wir haben bei Kaufleuten, welche nicht in Hamburg wohnen und keine Actien der Hamburger Linie besitzen, Erkundigungen eingezogen, ob sie ebenfalls über die theuren Frachtsätze zu klagen hätten, und haben die Antwort erhalten, daß die Hamburger Linie vortrefflich menagirt werde und so billig fahre, wie man es nur wünschen könne.
Vielleicht hat der Verfasser die theuren Frachtsätze nur aus dem Umstande gefolgert, dass die Actien der bezüglichen Hamburger Gesellschaft im letzten Jahre 11 pCt. Dividende vertheilt haben und z. Z. 158 1/2 stehen. Nicht nothleidend zu sein und keiner Almosen zu bedürfen ist ja anscheinend heute ein Grund, um sofort den Verdacht der Ausbeutung des wirthschaftlich Schwachen auf sich zu lenken. Die genannte Hamburger Linie nennt sich die Kingsin-Linie, zu deutsch die Königs-Linie. Sie läßt acht Dampfer laufen, keiner unter zweitausend Tons, und hat den neunten im Bau. Das Prädikat „Kingsin“ wird die Linie voraussichtlich bald ablegen müssen, denn wenn die Ideen der Denkschrift, der Linie in subventionierten Dampfern eine Conkurrenz zu schaffen, durchgeführt werden, so ist es natürlich mit der Prosperität aus; statt einer gesunden giebt es dann zwei kranke Linien, an denen der christliche Staat das Amt der Krankenpflege versehen könnte.
Oder will man die Hamburger Linie, welche bereits 11 pCt. Dividende giebt, subventionieren? Entweder giebt sie dann noch mehr Dividende, dann war die Subvention ein überflüssiges Geschenk, oder sie vertheilt weniger Dividende, dann war die krampfhafte Poussirung des Verkehrs irrationell. Man lasse doch die Gesellschaft sich selbst entwickeln. Sind genug Frachtgüter vorhanden, so vermehrt sie ihre Schiffe ohne die Hülfe des Staats, wie dies augenblicklich geschieht. Auch wenn die Verbindung, die heute eine sechswöchentliche ist, eine vierwöchentliche oder zweiwöchentliche wird, so werden immer nur Waaren, welche rasch expedirt werden sollen, über fremde Häfen gehen, wo gerade ein Schiff segelfertig liegt.
In ihrer blinden Begeisterung für Staatssubventionen dringt dagegen die Denkschrift darauf, daß irgend wie die Gelder des Staats geopfert werden. Noch auf der ersten Seite, wo sich auch die famose „Subvention durch Auswanderung“ befindet, räth sie dringend, doch die Mittel des Staats nicht zu schonen. Nachdem die Gründe erschöpft sind, werden noch einige patriarchalische Ermahnungen angeknüpft und entschlüpfen bei der Gelegenheit zwei Behauptungen, welche mit den Thatsachen in einem solchen Widerspruch stehen, daß man es wohl nur der wirthschaftspolitischen Erregung zuschreiben darf, daß sie überhaupt geäußert sind.
Eine Staatssubvention sei erforderlich, heißt es, „da ein deutsche nicht subventionirte Dampfschifffahrt mit den subventionirten Linien der andern Nationen nicht concurriren kann“.
Wenn eine Linie 11 pCt. Dividende giebt und ihre Actien 158 1/2 stehen, so scheint uns die Concurrenzfähigkeit einigermaßen gegeben.
Ferner heißt es oben auf Seite 13 der Denkschrift: „Wo heute eine britische Schiffslinie der Staatsstützung ermangelt, da hat sie dieselbe doch Jahre lang nach ihrer Begründung bezogen.“
Zur Orientirung des Verfassers der Denkschrift nur die Thatsache, daß Holt’s line – Glen line – Castle line und verschiedene andere Linien zwischen England und China keinen Pfennig Subventionen bekommen haben und sehr gut prosperiren. Damit genug für diesmal.
z. B.zum Beispiel
etc, etc., &c., &ct.et cetera (lateinisch)
bezw., bzw.beziehungsweise
pC., pCt., p. Ct., p Zt.pro Cent, pro Zent
z. Z., z. Zt.zur Zeit
MABMelchers Archiv, Bremen
MABMelchers Archiv, BremenKasten 16Veröffentlichungen zur Firmengeschichte
Melchers & Co., HongkongDas 1866 durch die Firma C.
Melchers & Co. in Bremen
und die beiden Kaufleute Hermann Melchers und Adolf
André gegründete Unternehmen entwickelte sich rasch zu einem der
grössten deutschen Chinahandelshäuser, das Niederlassungen in Shanghai (seit 1877), Hankou (seit 1884), Kanton (seit 1892), Tianjin (seit 1898), Chinkiang (seit 1901), Ichang (seit 1901), Chunking (seit 1909) und Tsingtau (seit 1910) unterhielt. Melchers
& Co. beteiligten sich an der Hongkong and Shanghai Banking Corporation
(HSBC). 1885 übernahmen Melchers & Co. die Generalvertretung
des Norddeutschen Lloyd
in China und trieben gemeinsam mit
diesem die Entwicklung der Schifffahrt auf dem Jangtsekiang voran. Zu den Teilhabern des Unternehmens gehörte von
1894 bis 1899 auch Gustav
Adolf Melchers, ein Neffe des Mitbegründers. Bei Beginn des Ersten
Weltkriegs betrieben Melchers & Co. mit mehr als 50 Fluss- und
Küstendampfern sowie zehn Überseedampfern insgesamt zwei Haupt- und zwölf
Zweiglinien in Ostasien
und Ozeanien, indem sie
Verbindungen zwischen Hongkong und Neuguinea
sowie den Salomon-Inseln
anboten. Sie beschäftigten zu dieser Zeit mehr als 100 europäische und rund
850 chinesische Angestellte, außerdem waren 3.500 chinesische Arbeiter für das Haus
tätig. - Zur Unternehmensgeschichte liegen einige Selbstdarstellungen und
Jubiläumsschriften, eine knappe Skizze der Entwicklung bis 1918 und die
Ausarbeitungen des langjährigen Mitinhabers Henning Melchers, bisher aber keine
wissenschaftlich fundierte, umfassende Darstellung vor. Vgl.
C. Melchers & Co. Bremen
(1911)
;
150 Jahre C. Melchers & Co. Bremen. 90 Jahre Melchers
& Co. China
;
Treue, C. Melchers & Co.
;
King, Hongkong and
Shanghai Banking Corporation, Bd. 1
, passim;
King, Hongkong and Shanghai
Banking Corporation, Bd. 2
, passim;
Melchers, Geschichte der
Firma Melchers
;
Melchers, China und
Melchers
.
Deutsche Bank (seit 1929: Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft), BerlinDie 1870 gegründete Deutsche Bank in Berlin maß der Finanzierung des deutschen Außenhandels große Bedeutung bei. Ihr Versuch, sich neben den beiden ersten Inlandsfililen in Hamburg und Bremen schon 1872 auch mit jeweils einer Filiale in Shanghai und Yokohama zu etablieren, war allerdings trotz des durchaus erfahrenen Personals, das u. a. vom Comptoir d‛Escompte de Paris angeworbenen wurde, kein dauerhafter Erfolg beschieden. Die beiden Filialen in Ostasien, die Wechsel an- und verkauften, kurzfristige Kredite bewilligten und langfristige Darlehen gegen Sicherheiten gewährten und auch Depositen hereinnahmen, mussten nach nur drei Jahren wieder geschlossen werden. Denn zum einen fielen die Geschäftsmöglichkeiten schwächer aus als erwartet, zum anderen erwies sich die Kapitalausstattung der beiden Filialen mit Silberdotationen angesichts des Verfalls des Silberpreises als problematisch. 1875 wurden die verlustreichen Geschäfte der Filialen Shanghai und Yokohama deshalb auf die im März 1873 etablierte Deutsche Bank London Agency übergeleitet, wo sie nun in Pfund Sterling, einer stabilen Goldwährung, abgewickelt und die hohen Währungsrisiken damit gemildert werden konnten. Die spätere Beteiligung der Deutschen Bank an der Deutsch-Asiatischen Bank war ein weniger riskanter Weg, bei der Finanzierung des deutschen Ostasienhandels, bei Eisenbahn- und Bergbauprojekten sowie bei Emissionsgeschäften in China und Japan mitzuwirken. - Als Überblicksdarstellung zur Geschichte der Deutschen Bank von den Anfängen bis 1914:
Plumpe, Zeitalter der Ersten Globalisierung
.
Hongkong and Shanghai Banking Corporation (HSBC), HongkongDie Hongkong and Shanghai Banking Corporation (HSBC) wurde im März 1865
als Hongkong and Shanghae Banking Company Ltd. von verschiedenen britischen, indischen,
amerikanischen und deutschen Handelshäusern in Hongkong ins Leben gerufen, die sich
auf Initiative von Thomas Sutherland (1834–1922), einem Vertreter der Peninsular & Oriental
Steam Navigation Company zusammengefunden hatten. Zu den
Gründungsmitgliedern gehörte die deutsche Firma Siemssen & Co., die weitere Anteile an
Joh. Berenberg, Gossler &
Co., an Roß, Vidal &
Co. sowie Conrad
Hinrich Donner vermittelte. Die neue Bank verstand sich als eine von den Kaufleuten vor
Ort getragene Einrichtung, die den freien Handel in Ostasien finanzieren und fördern wollte. Noch
im März 1865 eröffnete sie eine Niederlassung in Shanghai und begann, sowohl in Hongkong als auch in Shanghai eigene Banknoten herauszugeben. Im August 1866 wurde
sie von den Behörden offiziell zugelassen, bekam das formelle Recht zur Ausgabe
von Banknoten und zur
Verwaltung von Regierungsgeldern zugesprochen und firmierte um zur Hongkong
and Shanghai Banking Corporation (HSBC). Bald darauf eröffnete sie eine
weitere Niederlassung in Yokohama.
In den 1870er und 1880er Jahren entwickelte sich die HSBC zu einer der
wichtigsten Außenhandelsbanken in Ostasien, die das Vertrauen der Kaufleute vor Ort besaß und sich
gleichzeitig in London refinanzieren
konnte, sodass ihr China- und Japangeschäft fast ausschließlich in Pfund Sterling abgewickelt
wurde, also in einer stabilen Goldwährung. Zu den Kunden der
Bank, die ihr
Niederlassungsnetz in Ostasien kräftig ausbaute, zählten auch zahlreiche
deutsche Firmen, darunter beispielsweise Arnhold, Karberg & Co. sowie Carlowitz & Co., die bis
1914 auch im Board of Directors vertreten waren. 1889 eröffnete die HSBC
eine Niederlassung in Hamburg, die
von Julius Brüssel
geleitet wurde. Im Zweiten Weltkrieg verlagerte die Bank ihren Hauptsitz vorübergehend nach London, kehrte aber schon 1946 nach
Hongkong zurück. Die
kommunistische Machtübernahme in China
beschränkte die erneute Geschäftsausweitung, auch wenn die Niederlassung Shanghai fortbestand und sich
weiterhin der Exportfinanzierung widmen durfte. 1989 änderte die HSBC, die 1959
die Mercantile Bank of India
Ltd. übernommen und danach auf forcierten internationalen
Expansionskurs gegangen war, ihre Rechtsform zur Hongkong and Shanghai
Banking Corporation Ltd. Seit 1991
ist sie eine Tochtergesellschaft der HSBC Holdings plc mit Sitz in London. Vgl. zur
Unternehmensgeschichte die umfassende Darstellung:
King, Hongkong and Shanghai
Banking Corporation
.
Deutsche Dampfschiffs-Rheederei zu Hamburg (Kingsin-Linie)Die 1871 gegründete Deutsche Dampfschiffs-Rheederei zu Hamburg (Kingsin-Linie) war eine private Gesellschaft, die mit ihren
Fracht- und Passagierschiffen
regelmäßig zwischen Hamburg und China verkehrte. 1883 wurde auch Japan in die Routen mit einbezogen. Seit 1887 bot die Kingsin-Linie sogar einen zweiwöchentlichen Post- und Passagierdienst nach Ostasien an. Angesteuert wurden dabei alle großen Häfen in China und Japan, darunter Hongkong und Yokohama. Außerdem beförderte die Kingsin-Linie nun Frachten, die für Ziele in Java, Sumatra, Cochinchina, Siam, China, den Philippinen oder entlang des Amurs (Heilong Jiang) bestimmt waren. 1890 wurde die Kingsin-Linie von der HAPAG übernommen, die nun den regelmäßigen China-Verkehr mit anbot. Vgl.
Eberstein, Hamburg - China
, S. 160, 175;
Seiler, Ostasienfahrt
.
Glen Line (seit 1880: McGregor, Gow & Holland; seit 1910: Glen Line Ltd.), Liverpool / LondonDie 1867 von Alan C. Gow gegründete Reederei der „Glen Line“ stieg nach der Eröffnung des Suezkanals in die Dampfschifffahrt nach Ostasien ein und verlegte ihren Sitz von Liverpool nach London. Seit 1880 führte sie den Namen McGregor, Gow & Co., seit 1910 firmierte sie als Glen Line Ltd., die wiederum 1911 mit der Shire Line zur Firma Glen and Shire Lines verschmolz. Vgl.
Allen/Donnithorne, Western Enterprise in China and Japan
, S. 124;
Reinhardt, Navigating Semi-Colonialism
, S. 86, 326.
Castle Mail Packet Company Ltd. (Castle Line), London Die 1862 gegründete Castle Mail Packet Company Ltd. in London war eine britische Dampfschifffahrtsgesellschaft, deren Schiffe sämtlich nach einem Schloss benannt wurden. 1900 fusionierte sie mit der 1857 gegründetet Union Steamship Company Ltd. zur Union Castle Mail Steamship Company Ltd. und behielt diese Tradition bei.
Melchers
, Henning: Die Geschichte der Firma Melchers 1806–2006, Bremen 2006
Melchers
, Geschichte der Firma Melchers
2006
Maiwald
, Christine: Das schwierige schöne Leben. Ein deutscher Kaufmann in Shanghai 1906 bis 1952, München 2021
Maiwald
, Leben
2021
Fischer
, Wolfram: Der deutsche Zollverein. Fallstudie einer Zollunion, in: Fischer, Wolfram, Wirtschaft und Gesellschaft im Zeitalter der Industrialisierung, Göttingen 1972, S. 110–128
Fischer
, Der deutsche Zollverein
1972
Hahn
, Hans-Werner: Geschichte des Deutschen Zollvereins (Kleine Vandenhoeck-Reihe, 1502), Göttingen 1984
Hahn
, Geschichte des Deutschen Zollvereins
1984
Hahn
, Hans-Werner/
Kreutzmann
, Marko: Der Deutsche Zollverein. Ökonomie und Nation im 19. Jahrhundert, Köln 2012
Hahn/Kreutzmann
, Deutscher Zollverein
2012
Plumpe
, Werner: Im Zeitalter der Ersten Globalisierung 1870–1914, in: Plumpe, Werner/Nützenadel, Alexander/Schenk, Catherine, Deutsche Bank. Die globale Hausbank 1870–2020, München 2020, S. 1–231
Plumpe
, Zeitalter der Ersten Globalisierung
2020
Deutscher Reichstag
Regierung Deutschlands, Deutsches Reich (1871–1918)
Regierung Deutschlands, Deutsches Reich (1871–1918), Auswärtiges Amt
Deutscher Zollverein
Börse von Lyon
Bremen
Cumsing Moon [Ort in China, nahe Hongkong]
China; auch: chinesisches Kaiserreich, chinesisches Reich, chinesische Republik, Reich der Mitte
Australien; auch: Australia (englisch)
Ostasien; auch: East Indies (englisch), Indien, Ostindien, „Osten“Der Begriff Ostasien wird in der vorliegenden Edition in einem ganz weiten Sinne verstanden als Klammer für diejenigen Weltregionen, die für deutsche Kaufleute im langen 19. Jahrhundert auf Segel- und Dampfschiffen durch Umrundung des Kaps der Guten Hoffnung an der Südspitze Südafrikas oder - seit 1869 - nach Durchfahren des Suezkanals über den Indischen Ozean oder durch Umrundung der Südspitze Südamerikas über den Pazifik erreichbar waren. In den historischen Quellen synonym verwendet werden die Begriffe Indien, Ostindien oder einfach „Osten“.
Deutschland; auch: Deutsches Kaiserreich, Deutsches ReichBis zur Gründung des Deutschen Reichs im Jahr 1871 kann von Deutschland nicht im Sinne eines Nationalstaates gesprochen werden. Doch in den Quellen wird der Begriff Deutschland auch zuvor häufig verwendet, wenn es den Urhebern nicht um eine Differenzierung zwischen den verschiedenen deutschen Teilstaaten ging.
Ozeanien; auch: Südsee
Großbritannien; auch: England, Great Britain, United Kingdom of Great Britain and Ireland, Vereinigtes Königreich Großbritannien und IrlandNach dem Zusammenschluss des 1707 gebildeten Königreichs Großbritannien mit dem nur noch formell selbständigen Irland im Jahr 1801 lautete die offizielle Staatsbezeichnung Großbritanniens bis 1927 Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland. Das Staatsgebiet umfasste auf den Britischen Inseln die vier Landesteile England, Wales, Schottland und Irland, hinzu kamen abhängige Territorien auf allen Kontinenten, deren größte Ausdehnung 1922 erreicht war. 1927, mit der Bildung des Irischen Freistaats, wurde die offizielle Staatsbezeichnung verändert zu Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland.
Shanghai (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Schanghai, Shang-hae, Shang-hai, Shanghae, Shanhay
Hamburg
Berlin
Leipzig
HansestädteMit dem Sammelbegriff Hansestädte sind im 19. Jahrhundert in der Regel die drei norddeutschen Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck gemeint.
Lübeck; auch: Lubeck
Yokohama [Stadt in Japan]; auch: Yokuhama
London
Suezkanal; auch: Suez CanalDer von Ferdinand de Lesseps angestoßene und maßgeblich vorangetriebene Bau des Suezkanals in den Jahren 1854/59 bis 1869 erforderte erhebliche finanzielle Mittel und bewirkte eine starke Abhängkeit des bis dahin unter osmanischer Oberherrschaft stehenden Ägyptens von internationalen Anleihen. Formell blieb Ägypten zwar ein selbständiger Staat, doch de facto übernahm die von Großbritannien und Frankreich eingerichtete Staatsschuldenverwaltung die Regierungsgeschäfte. Zudem erwarb Großbritannien die ägyptischen Anteile an der Suezkanal-Gesellschaft und besetzte 1882 schließlich das gesamte Land, um den Seeweg nach Ostasien abzusichern. - Vgl. zum Bau des Kanals und seiner Finanzierung:
Lesseps, Entstehung des Suezkanals
;
Idrissi, Ferdinand de Lesseps
;
Bonin, Suez
. Zu den Auswirkungen auf Ägypten und den Nahen Osten:
Haikal, Lion‛s Tail
;
Huber, Channelling Mobilities
;
Carminati, Seeking Bread
. Zu den Auswirkungen auf die Handelsströme zwischen Europa und Ostasien:
Bogaars, Effect of the Opening
;
Curli, Italy and the Suez Canal
.
Marseille; auch: Marseilles
Lyon
Schweiz
Frankreich
Melchers, HermannHermann MelchersKaufmann11687268318.05.184208.07.1918Hermann Melchers, ein Enkel des Mitbegründers der Firma C. Melchers & Co. in Bremen, Carl Melchers, durchlief eine kaufmännische Ausbildung bei Louis F. Kalkmann & Co. in Bremen, war dann als Gehilfe für Rösing Brothers & Co. in London tätig und ging 1864 nach Hongkong, um dort für die Firma Eduard Schellhaß & Co. zu arbeiten. 1866 gründete er - unterstützt durch das Bremer Stammhaus - gemeinsam mit dem befreundeten Kaufmann Adolf André die Firma Melchers & Co. in Hongkong, die sich zu einem der bedeutendsten deutschen Chinahandelshäuser entwickelte. Zum Jahresende 1873 kehrte Hermann Melchers nach Bremen zurück und übernahm 1874 als Teilhaber eine wichtige Rolle für das Familienunternehmen. 1887 ernannte ihn die Bremer Kaufmannschaft zum Präsidenten der Handelskammer Bremen. Angesichts der Auswirkungen des Ersten Weltkriegs, der zur Enteignung der Firma Melchers & Co. in China führte und den wirtschaftlichen Zusammenbruch Deutschlands mit sich brachte, nahm er sich 1918 das Leben. Vgl.
Treue, „Melchers“
;
Melchers, China und Melchers
, S. 18–51;
Maiwald, Leben
, passim.
Allain-Targé, François Henri RenéFrançois Henri René Allain-Targé (François Allain-TargéPolitiker102110887117.05.183216.07.1902François Allain-Targé gehörte seit 1876 der französischen Abgeordnetenkammer (Deputiertenkammer) an. 1881/1882 amtierte er kurzzeitig als Finanzminister, 1885/1886 kurzzeitig als Innenminister Frankreichs.
Teilhaber; auch: Ahsocié, Associé, Gesellschafter, Partner, Theilhaber, Theilnehmer
Reichskanzler des Deutschen Reichs
Kommissionsgeschäft; auch: Commissions Geschäft, Handel mit Leywaren
Bank; auch: Aktienbank, Bankenwelt, Bankgeschäft, Bankhaus, banking operations (englisch), Geldgeber, Geldinstitut, Geschäftsbank, Großbank, Investmentbank, issuing bank (englisch), merchant bank (englisch), Privatbankhaus
Subvention, staatliche; auch: Bonification, Government support (englisch)Der Begriff Subvention bezeichnet eine staatliche finanzielle Unterstützung, beispielsweise für die Einrichtung von Dampfschifffahrtslinien oder zur Förderung des Exports bestimmter Waren.
Dampfschifffahrt; auch: Dampferlinie, Dampfschifffahrtsgesellschaft
Hafen; auch: free port (englisch), Freihafen, port (englisch), VertragshafenHäfen spielten für den Handel mit und in Ostasien im langen 19. Jahrhundert eine zentrale Rolle, zum einen als „Freihäfen“, wie zum Beispiel Singapur, in denen Waren ein- und ausgeführt werden konnten, ohne mit Zöllen belastet oder durch nichttarifäre Handelshemnisse beschränkt zu werden, zum anderen - und das war die häufigere Form - als „Vertragshäfen“, die zumeist nicht freiwillig, sondern unter Androhung von militärischer Gewalt oder auch erst nach einer militärischen Niederlage von den betreffenden Territorialstaaten, vor allem China und Japan, für den internationalen Handel geöffnet wurden. Dies geschah in der Regel auf der Basis eines mehr oder weniger erzwungenen Handelsvertrages, der keine gleichen Rechte für die Vertragspartner vorsah, sondern in erster Linie den Interessen der ausländischen imperialen Mächte entsprach und deshalb als Ungleicher Vertrag bezeichnet wurde. Über die Vertragshäfen wurde in China, Japan und anderen Ländern Ostasiens eine kommerzielle Revolution mit tiefgreifenden Veränderung für alle Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft in Gang gesetzt. Vgl.
Fairbank, Trade and Diplomacy
;
HAO, Commercial Revolution
;
Hoare, Japan‛s Treaty Ports
;
So/MyersTreaty Port Economy
;
Bickers/Jackson, Treaty Ports
;
Brunero/Villalta Puig, Life in Treaty Port China and Japan
.
Telegramm; auch: Depesche, Kabel
Geschäftskosten; auch: costs (englisch), Handlungs-Unkosten, Kosten, Schiffs-Unkosten, Spesen, Unkosten
Farben; auch: Alizarinfarben, Anilinfarben, Benzofarben, dyes (englisch), Farbstoffe, Katigenfarben
Mark, deutsche [Währungseinheit]; auch: M.Ursprünglich als Begriff für das Gewicht von Gold, Silber und Münzen verwendet, dann als Bezeichnung für verschiedene Münzen, darunter die in den norddeutschen Hansestädten gängige Courantmark, wurde die „Mark“ mit der deutschen Reichsgründung von 1870/1871 zur einheitlichen Währung des Deutschen Reiches. Sie lässt sich in 100 Pfennige aufteilen. Vgl.
Bott, Handwörterbuch des Kaufmanns, Bd. 3
, S. 833;
Junghans, Entwicklungen
.
Associé; auch: Ahsocié, Associe s. auch Teilhaber
Der aus dem Französischen stammende Begriff „associé“ steht für einen geschäftlichen Teilhaber.
Einkauf; auch: Einkaufsgesellschaften
Dampfschiff; auch: Dampfbarkasse, Dampfboot, Dampfer, steamboat (englisch), steamer (englisch)
Kabel; auch: Luftkabel, Seekabel, Telefonverbindung, Telegrafenverbindung, Telegraphenkabel, Telegraphenlinie, Telephonkabel, Untergrundkabel
Telegrafie; auch: Cabeln, Code, Drahten, Private Code (englisch), Special Code (englisch), Telegraph, telegraph (englisch), Telegraphic Address (englisch), TelegraphieNeben Briefen und anderen schriftlichen Nachrichten wurde die Telegrafie im 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Kommunikationsmedium der im Fernhandel tätigen Kaufleute und Reeder. Nachdem die technischen Infrastrukturen geschaffen worden waren, ging es nicht zuletzt darum, neue Routinen und Rhythmen im Umgang mit dem Medium sowie Wege zu finden, eigene Geschäftsgeheimnisse zu schützen. Zu diesem Zweck wandten die Kaufleute in ihrer telegrafischen Geschäftskorrespondenz häufig eigene, speziell entwickelte Codes an, sodass die übermittelten Informationen, etwa sensible Preisinformationen oder Namen von Auftraggebern und Kunden, nicht ohne Weiteres von Dritten mitgelesen werden konnten. Durch Verkürzung der Wortlängen konnten zudem erhebliche Kosten gespart werden. Vgl. hierzu exemplarisch:
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 2
, S. 78f. - Zur generellen Bedeutung der Telegrafie für die wirtschaftliche Globalisierung:
Wenzlhuemer, Connecting the Nineteenth-Century World
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Manufakturwaren; auch: Manufacte, Manufaktur, Manufacturwaaren
Geldwirtschaft; auch: circulatie (niederländisch), Geldmarkt, Geldverhältnisse, Geldverkehr, Geldzirkulation
Silber; auch: Silberladen, Silbermarkt, Silberpreis
Bankier; auch: banker (englisch), Banquier, merchant banker (englisch), Privatbankier
Vertreter, Vertretung; auch: agency (englisch), agent (englisch), Agent, Agentur, Alleinvertretung, Handelsagentur, representation (englisch), representative (englisch), Vertretungsgebiet, Vertretungsvertrag
Provision; auch: provision (englisch), Umsatzprovision
Verlust; auch: loss (englisch), Verlustbeteiligung
Remesse; auch: RimesseEinen Wechsel, der vom Aussteller an den Wechselnehmer geschickt wird, also dem Zweck des Zahlungstransfers dient, nennt man Remesse.
PrimaWird von einem Wechsel ein Duplikat erstellt, so ist das Original als „Prima“ oder „Primawechsel“ zu kennzeichnen. Das Duplikat muss als „Secunda“ oder „Secundawechsel“ gekennzeichnet werden.
SecundaWird von einem Wechsel ein Duplikat erstellt, so ist das Duplikat als „Secunda“ oder „Secundawechsel“ zu kennzeichnen. Das Original muss als „Prima“ oder „Primawechsel“ gekennzeichnet werden.
Seide; auch: Abfallseide, rohe Seide, Rohseide, Seidenhandel, silk (englisch)
Zoll; auch: costums dues (englisch), Differentialabgabe, duty (englisch), measurement duty (englisch), ship duty (englisch), Zollabgaben, Zolltarif
Fracht [Frachtkosten]; auch: Frachtpreis, Frachtrate, Frachtspesen
Aktien; auch: Actien, shares (englisch)
Tonne [Gewichtseinheit]; auch: t., ts., ton (englisch) Die Gewichtseinheit Tonne war im 19. Jahrhundert noch nicht normiert. Sie wurde teilweise auch noch als ein Raummaß verwendet, also etwa für eine Tonne voll Bier, Getreide, Fisch oder Salz mit ganz unterschiedlichem Gewicht. Für die Tonne als Gewichtseinheit setzte sich im 19. Jahrhundert im deutschen Sprachraum das metrische Maß von 1.000 Kilogramm durch. Im angelsäsischen Sprachraum dagegen ist weiterhin zwischen der metrischen Tonne (metric ton), der britischen „long ton“ (~ 1.016 Kilogramm) und amerikanischen „short ton“ (~ 907 Kilogramm) zu unterscheiden.
Fracht [Frachtgut]; auch: Ladung, Schiffsladung
Auswanderung; auch: Emigration