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Nr. 2.3.1.12

Firma E. C. Schramm & Co., Bremen, an Kapitän H. Zinke, Schiff „Susanne“, c/o Firma Melchers & Co., Hongkong, 29. Juni 1882

Geschäftsbrief

Regest:

Die Bremer Firma E. C. Schramm & Co. schreibt dem Kapitän H. Zinke, der mit ihrem Segelschiff „Susanne“ gerade Hongkong erreicht hat, an die dortige Adresse der Firma Melchers & Co., um ihm ihre Überlegungen für die weitere Vercharterung des Schiffes mitzuteilen, die angesichts des scharfen Wettbewerbs mit den leistungsstarken, inzwischen dominierenden Dampfschiffen und niedriger Frachtraten nicht einfach sind. Es lagen bzw. liegen zwar verschiedene Angebote für Frachtfahrten ab Hongkong, ab Hiogo in Japan sowie ab den Philippinen vor, die nach New York, Boston oder San Francisco gehen sollen, doch die Schiffseigentümer geben dem Kapitän - nicht zuletzt, um Telegrammkosten zu sparen - freie Hand, vor Ort selbst zu entscheiden, welchen Auftrag er übernehmen will.

Gedruckter Briefkopf:

E. C. Schramm & Co.

Bremen

Telegramm-Adresse: via Brindisi1N2

Schramm, Bremen


Herrn Capt. H. Zinke, Schiff „Susanne“

Adr. Herren Melchers & Co., Hongkong


Bremen, den 29. Juni 1882

Am 9. dss. erhielten wir Ihr Telegramm:

„object, ich bin hier wohlbehalten angekommen. Meine Reise wurde hauptsächlich durch Windstille so lange verzögert,“

woraus wir uns gern Ihre glückliche Ankunft in Hongkong bemerkten.

Leider konnten wir die „Susanne“, obwohl wir sie verschiedentlich angestellt hatten, nicht vor Ankunft verchartern, namentlich aus dem Grunde, weil das Schiff zu spät von Cardiff gesegelt war, und außerdem war die Grösse auch stellenweise hinderlich. In letzter Zeit haben wir verschiedene Telegramme mit Herren Melchers & Co. durch deren hiesiges Haus, wegen Vercharterung der „Susanne“ gewechselt. Es wurden uns Frachten von dort direct nach London NewYork, sowie ab Hiogo nach Newyork in Aussicht gestellt, doch war uns Erstere zu niedrig, während sich Letztere zerschlagen hat. Ferner können d. H. Melchers & Co. wahrscheinlich bedingen, von zwei Häfen der Philippinen nach Newyork oder Boston 9 Dollars für zwei Drittel Ladung Zucker und 8 Dollars für ein Drittel Ladung Hanf, mit 3 1/2 % Commission an Charterer, sowie ferner eine Fracht nach San Francisco von netto 8550 Gold Dollars.

Wir haben auf diese in Aussicht gestellten Frachten ab Philippinen, und ab dort nach San Francisco, den H. Melchers & Co. keine Antwort zugehen lassen, sondern haben uns entschlossen, Ihnen dort freie Hand zu geben, nicht allein um das auf unsere sehr kostspielige Telegraphiren zu umgehen, sondern auch, weil Sie dort am Platze sich doch am besten über die Frachtenlage orientiren können, und sobald eine annehmbare Fracht zu haben ist, gleich abschließen können, ohne daß durch hin & her Telegraphiren Zeit verloren geht, und dadurch möglicherweise die Fracht nicht zu Stande kommt.

Wir cabelten Ihnen daher am 26. dss. Adresse „Zinke – Hongkong,“

„wander - wir geben Ihnen freie Hand, unser Schiff zu verchartern, oder noch damit zu warten,“

Und haben Sie dies Telegramm denklich richtig erhalten.

Leider trifft es die „Susanne“ dort nicht besonders günstig, doch muß man mit dem vorlieb nehmen, was der Frachtenmarkt bietet, und das Vortheilhafteste herauswählen. Wir hoffen, daß Sie mit Annehmen einer Fracht nicht zu lange zögern, und es Ihnen gelingt eine annehmbare Charter abzuschließen.

Ihrer telegraphischen Vercharterungsanzeige sehen wir gespannt entgegen, & zeichnen, indem wir Ihnen einen ferneren günstigen Verlauf Ihrer Reise wünschen

Mit achtungsvollem Grusse

E. C. Schramm & Co.