|1. Blatt, Vorderseite|
Gedruckter Briefkopf:
E. C. Schramm & Co.
Bremen
Telegramm-Adresse: via BrindisiN
Schramm, Bremen
Herrn Capt. H. Zinke, Schiff „Susanne“
Adr. Herren Melchers & Co., Hongkong
Bremen, den 29. Juni 1882
Am 9. dss. erhielten wir Ihr Telegramm:
„object, ich bin hier wohlbehalten angekommen. Meine Reise wurde hauptsächlich durch Windstille so lange verzögert,“
woraus wir uns gern Ihre glückliche Ankunft in Hongkong bemerkten.
Leider konnten wir die „Susanne“, obwohl wir sie verschiedentlich angestellt hatten, nicht vor Ankunft verchartern, namentlich aus dem Grunde, weil das Schiff zu spät von Cardiff gesegelt war, und außerdem war die Grösse auch stellenweise hinderlich. In letzter Zeit haben wir verschiedene Telegramme mit Herren Melchers & Co. durch deren hiesiges Haus, wegen Vercharterung der „Susanne“ gewechselt. Es wurden uns Frachten von dort direct nach London NewYork, sowie ab Hiogo nach Newyork in Aussicht gestellt, doch war uns Erstere zu niedrig, während sich Letztere zerschlagen hat. Ferner können d. H. Melchers & Co. wahrscheinlich bedingen, von zwei Häfen der Philippinen nach Newyork oder Boston 9 Dollars für zwei Drittel Ladung Zucker und 8 Dollars für ein Drittel Ladung Hanf, mit 3 1/2 %|1. Blatt, Rückseite| Commission an Charterer, sowie ferner eine Fracht nach San Francisco von netto 8550 Gold Dollars.
Wir haben auf diese in Aussicht gestellten Frachten ab Philippinen, und ab dort nach San Francisco, den H. Melchers & Co. keine Antwort zugehen lassen, sondern haben uns entschlossen, Ihnen dort freie Hand zu geben, nicht allein um das auf unsere sehr kostspielige Telegraphiren zu umgehen, sondern auch, weil Sie dort am Platze sich doch am besten über die Frachtenlage orientiren können, und sobald eine annehmbare Fracht zu haben ist, gleich abschließen können, ohne daß durch hin & her Telegraphiren Zeit verloren geht, und dadurch möglicherweise die Fracht nicht zu Stande kommt.
Wir cabelten Ihnen daher am 26. dss. Adresse „Zinke – Hongkong,“
„wander - wir geben Ihnen freie Hand, unser Schiff zu verchartern, oder noch damit zu warten,“
Und haben Sie dies Telegramm denklich richtig erhalten.
Leider trifft es die „Susanne“ dort nicht besonders günstig, doch muß man mit dem vorlieb nehmen, was der Frachtenmarkt bietet, und das Vortheilhafteste herauswählen. Wir hoffen, daß Sie mit Annehmen einer Fracht nicht zu lange zögern, und es Ihnen gelingt|2. Blatt, Vorderseite| eine annehmbare Charter abzuschließen.
Ihrer telegraphischen Vercharterungsanzeige sehen wir gespannt entgegen, & zeichnen, indem wir Ihnen einen ferneren günstigen Verlauf Ihrer Reise wünschen
Mit achtungsvollem Grusse
E. C. Schramm & Co.
bezw., bzw.beziehungsweise
Adr.Adresse
d, d:den [in einer Datumsangabe]
d.der, die, das
H., Hr, Hr., Hrn, Hrn.Herr, Herren, Herrn
MABMelchers Archiv, Bremen
MABMelchers Archiv, BremenKasten 4Berichte, Auskünfte, Korrespondenz, sonstige Geschäftsunterlagen
Melchers & Co., HongkongDas 1866 durch die Firma C.
Melchers & Co. in Bremen
und die beiden Kaufleute Hermann Melchers und Adolf
André gegründete Unternehmen entwickelte sich rasch zu einem der
grössten deutschen Chinahandelshäuser, das Niederlassungen in Shanghai (seit 1877), Hankou (seit 1884), Kanton (seit 1892), Tianjin (seit 1898), Chinkiang (seit 1901), Ichang (seit 1901), Chunking (seit 1909) und Tsingtau (seit 1910) unterhielt. Melchers
& Co. beteiligten sich an der Hongkong and Shanghai Banking Corporation
(HSBC). 1885 übernahmen Melchers & Co. die Generalvertretung
des Norddeutschen Lloyd
in China und trieben gemeinsam mit
diesem die Entwicklung der Schifffahrt auf dem Jangtsekiang voran. Zu den Teilhabern des Unternehmens gehörte von
1894 bis 1899 auch Gustav
Adolf Melchers, ein Neffe des Mitbegründers. Bei Beginn des Ersten
Weltkriegs betrieben Melchers & Co. mit mehr als 50 Fluss- und
Küstendampfern sowie zehn Überseedampfern insgesamt zwei Haupt- und zwölf
Zweiglinien in Ostasien
und Ozeanien, indem sie
Verbindungen zwischen Hongkong und Neuguinea
sowie den Salomon-Inseln
anboten. Sie beschäftigten zu dieser Zeit mehr als 100 europäische und rund
850 chinesische Angestellte, außerdem waren 3.500 chinesische Arbeiter für das Haus
tätig. - Zur Unternehmensgeschichte liegen einige Selbstdarstellungen und
Jubiläumsschriften, eine knappe Skizze der Entwicklung bis 1918 und die
Ausarbeitungen des langjährigen Mitinhabers Henning Melchers, bisher aber keine
wissenschaftlich fundierte, umfassende Darstellung vor. Vgl.
C. Melchers & Co. Bremen
(1911)
;
150 Jahre C. Melchers & Co. Bremen. 90 Jahre Melchers
& Co. China
;
Treue, C. Melchers & Co.
;
King, Hongkong and
Shanghai Banking Corporation, Bd. 1
, passim;
King, Hongkong and Shanghai
Banking Corporation, Bd. 2
, passim;
Melchers, Geschichte der
Firma Melchers
;
Melchers, China und
Melchers
.
Bremen
Hyōgo [Stadt in Japan]; auch: Hiogo;In den ersten japanischen Handelsverträgen mit anderen Staaten wurde die Stadt Hyōgo als Niederlassung für ausländische Kaufleute genannt und ihr Hafen zum 1. Januar 1868 geöffnet. Doch die Niederlassung der ausländischen Kaufleute verlagerte sich aus örtlichen Gründen mehr und mehr in das angrenzende Dorf Kōbe. Dennoch hielten die westlichen Mächte vorerst am Namen Hyōgo fest oder sie verwendeten den der nahegelegenen Stadt Osaka, deren Hafen zum 1. September 1868 ebenfalls zugänglich gemacht wurde.
Japan; auch: Japon (französisch), Jappan
Philippinen
New York; auch: Neuyork, Newyork
Boston
San Francisco
Brindisi
Cardiff [Stadt in Großbritannien]
Kapitän; auch: Capitän, Capitain, captain (englisch), Kapitaen, Schiffscapitän
Vercharterung s. auch Schiffsgeschäft
Der Begriff „Vercharterung“ umschreibt das gewerbliche Vermieten eines eigenen oder fremden Schiffes an Dritte.
Dampfschiff; auch: Dampfbarkasse, Dampfboot, Dampfer, steamboat (englisch), steamer (englisch)
Fracht [Frachtkosten]; auch: Frachtpreis, Frachtrate, Frachtspesen
Frachtfahrt; auch: Befrachtung, Frachtschifffahrt, Verfrachtung
Telegramm; auch: Depesche, Kabel
Auftrag; auch: Bestellung, Order, Ordre
Telegrafie; auch: Cabeln, Code, Drahten, Private Code (englisch), Special Code (englisch), Telegraph, telegraph (englisch), Telegraphic Address (englisch), TelegraphieNeben Briefen und anderen schriftlichen Nachrichten wurde die Telegrafie im 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Kommunikationsmedium der im Fernhandel tätigen Kaufleute und Reeder. Nachdem die technischen Infrastrukturen geschaffen worden waren, ging es nicht zuletzt darum, neue Routinen und Rhythmen im Umgang mit dem Medium sowie Wege zu finden, eigene Geschäftsgeheimnisse zu schützen. Zu diesem Zweck wandten die Kaufleute in ihrer telegrafischen Geschäftskorrespondenz häufig eigene, speziell entwickelte Codes an, sodass die übermittelten Informationen, etwa sensible Preisinformationen oder Namen von Auftraggebern und Kunden, nicht ohne Weiteres von Dritten mitgelesen werden konnten. Durch Verkürzung der Wortlängen konnten zudem erhebliche Kosten gespart werden. Vgl. hierzu exemplarisch:
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 2
, S. 78f. - Zur generellen Bedeutung der Telegrafie für die wirtschaftliche Globalisierung:
Wenzlhuemer, Connecting the Nineteenth-Century World
.
US-Dollar [Währungseinheit]; auch: $, Gold-DollarDer US-Dollar ist seit 1792 die einheitliche Währung der Vereinigten Staaten von Amerika und lässt sich in 10 Dimes bzw. 100 Cents aufteilen.
Zucker; auch: Raffinadezucker, Rohzucker, sugar (englisch), zeeker (niederländisch), zuykar (niederländisch), zuyker (niederländisch)
Kommission, Kommissionsgebühr; auch: commission (englisch), Commission, Commißion
Charterung s. Schiffsgeschäft
Der Begriff „Charterung“ umschreibt das Anmieten eines fremden Schiffes.