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Shanghai, den 28ten. November 1882.
Euerer Durchlaucht verfehle ich nicht ganz gehorsamst zu berichten, daß demnächst ein neues Unternehmen von hervorragender Bedeutung ins Leben treten wird, welches die Ausbeutung des Frachtverkehrs zwischen England und Ostasien zum Gegenstand hat.
Die in der Bildung begriffene Aktiengesellschaft wird den Namen The China Shippers Mutual Steam Navigation Company Limited tragen, in England domizilirt sein und ein in 5000 Aktien à 20 Pfund Sterling zerlegtes Kapital von einer Million Pfund Sterling bei den Agenturen der Hongkong u. Shanghai Bank an sämmtlichen Plätzen Ostasiens ferner in Hamburg, Newyork, Boston und Sanfranzisko sowie bei der London & County Bank in London gleichzeitig bis zum 6. December d. J. zur Zeichnung auflegen. Die Gründer sind angesehene Firmen des
Seiner Durchlaucht
Dem Fürsten von Bismarck.|1. Blatt, 54, Rückseite|
Anglo-Chinesischen Handelsverkehrs, deren eigenes Frachten-Kontingent nach ihrer Angabe bedeutend genug ist, um eine regelmäßige, vierzehntägige Dampferlinie reichlich zu beschäftigen. Weitere Einzelheiten sind aus dem Prospekt, den ich nebst einem darauf bezüglichen Zeitungsausschnitt ehrerbietigst beizulegen nicht unterlasse, ersichtlich.
Das unterscheidende Merkmal des Unternehmens im Gegensatze zu anderen Schiffahrtsgesellschaften besteht in dem Statut, daß nach Abzug einer zehnprozentigen Dividende, die allen Aktionären gleichmäßig zu Gute kommt, nur ein Viertel des etwaigen Ueberschusses vom Nettogewinn in der gleichen Weise vertheilt werden wird, während die übrigen drei Viertel einen ausschließlich den hauptkontribuirenden Aktionären ratenweise zukommenden Bonus bilden. Außerdem werden, obgleich dies nicht ausdrücklich gesagt ist, falls Ueberzeichnung des Kapitals erfolgt, aller Wahrscheinlichkeit nach bei der Zutheilung von Aktien diejenigen Applikanten, von welchen die Zuführung|2. Blatt, 55, Vorderseite| von Frachtverdienst erwartet werden kann, bevorzugt werden.
Die auf solche Weise hergestellte Solidarität der Interessen zwischen den Ver- und Be-frachtern des ostasiatischen Markts ist die Anwendung eines auf anderen Gebieten unseres Verkehrslebens bereits bewährten Systems. So habe ich in dem gehorsamsten Bericht vom 2. April 1881 No. 45 betreffend das See-Assekuranz Geschäft in Shanghai (abgedruckt im Deutschen Handelsrechte 1881 Band I pag. 566) nachgewiesen, wie es hauptsächlich vermöge der strikten Durchführung des Gegenseitigkeitsprinzips zwischen Versicherungs-Nehmer und -Geber den lokalen Gesellschaften gelungen ist, unter ungünstigen Konkurrenzbedingungen den größten Teil des ostasiatischen Assekuranz-Geschäfts an sich zu reißen. Ein anderes Beispiel bietet die Hongkong & Shanghai Bank, welche den hiesigen Geldverkehr beherrscht, indem die vorwiegend aus in China angesiedelten Firmen bestehenden Aktionäre gleichzeitig ihre Kunden|2. Blatt, 55, Rückseite| sind. Die Einführung dieses gleichen fruchtbaren Gedankens in ein neues Wirtschaftsgebiet ist daher eine Thatsache von handelspolitischer Bedeutsamkeit, welche die Beachtung auch der in Deutschland sich etwa neu bildenden Schiffahrts-Unternehmungen, mögen dieselben den Verkehr mit Ostasien oder mit anderen Ländern betreffen, meines Ermessens in höchstem Maße verdient.
Focke
u, u.und
d. J., d Js, d. Js., ds. Js.dieses Jahres
No., N., n.Numero (italienisch)
pag.pagina (lateinisch)
BArch BerlinBundesarchiv Berlin
BArch BerlinBundesarchiv BerlinR 901Auswärtiges Amt, Handelspolitische Abteilung (1869–1920)
Hongkong and Shanghai Banking Corporation (HSBC), HongkongDie Hongkong and Shanghai Banking Corporation (HSBC) wurde im März 1865
als Hongkong and Shanghae Banking Company Ltd. von verschiedenen britischen, indischen,
amerikanischen und deutschen Handelshäusern in Hongkong ins Leben gerufen, die sich
auf Initiative von Thomas Sutherland (1834–1922), einem Vertreter der Peninsular & Oriental
Steam Navigation Company zusammengefunden hatten. Zu den
Gründungsmitgliedern gehörte die deutsche Firma Siemssen & Co., die weitere Anteile an
Joh. Berenberg, Gossler &
Co., an Roß, Vidal &
Co. sowie Conrad
Hinrich Donner vermittelte. Die neue Bank verstand sich als eine von den Kaufleuten vor
Ort getragene Einrichtung, die den freien Handel in Ostasien finanzieren und fördern wollte. Noch
im März 1865 eröffnete sie eine Niederlassung in Shanghai und begann, sowohl in Hongkong als auch in Shanghai eigene Banknoten herauszugeben. Im August 1866 wurde
sie von den Behörden offiziell zugelassen, bekam das formelle Recht zur Ausgabe
von Banknoten und zur
Verwaltung von Regierungsgeldern zugesprochen und firmierte um zur Hongkong
and Shanghai Banking Corporation (HSBC). Bald darauf eröffnete sie eine
weitere Niederlassung in Yokohama.
In den 1870er und 1880er Jahren entwickelte sich die HSBC zu einer der
wichtigsten Außenhandelsbanken in Ostasien, die das Vertrauen der Kaufleute vor Ort besaß und sich
gleichzeitig in London refinanzieren
konnte, sodass ihr China- und Japangeschäft fast ausschließlich in Pfund Sterling abgewickelt
wurde, also in einer stabilen Goldwährung. Zu den Kunden der
Bank, die ihr
Niederlassungsnetz in Ostasien kräftig ausbaute, zählten auch zahlreiche
deutsche Firmen, darunter beispielsweise Arnhold, Karberg & Co. sowie Carlowitz & Co., die bis
1914 auch im Board of Directors vertreten waren. 1889 eröffnete die HSBC
eine Niederlassung in Hamburg, die
von Julius Brüssel
geleitet wurde. Im Zweiten Weltkrieg verlagerte die Bank ihren Hauptsitz vorübergehend nach London, kehrte aber schon 1946 nach
Hongkong zurück. Die
kommunistische Machtübernahme in China
beschränkte die erneute Geschäftsausweitung, auch wenn die Niederlassung Shanghai fortbestand und sich
weiterhin der Exportfinanzierung widmen durfte. 1989 änderte die HSBC, die 1959
die Mercantile Bank of India
Ltd. übernommen und danach auf forcierten internationalen
Expansionskurs gegangen war, ihre Rechtsform zur Hongkong and Shanghai
Banking Corporation Ltd. Seit 1991
ist sie eine Tochtergesellschaft der HSBC Holdings plc mit Sitz in London. Vgl. zur
Unternehmensgeschichte die umfassende Darstellung:
King, Hongkong and Shanghai
Banking Corporation
.
Shanghai (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Schanghai, Shang-hae, Shang-hai, Shanghae, Shanhay
Berlin
Großbritannien; auch: England, Great Britain, United Kingdom of Great Britain and Ireland, Vereinigtes Königreich Großbritannien und IrlandNach dem Zusammenschluss des 1707 gebildeten Königreichs Großbritannien mit dem nur noch formell selbständigen Irland im Jahr 1801 lautete die offizielle Staatsbezeichnung Großbritanniens bis 1927 Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland. Das Staatsgebiet umfasste auf den Britischen Inseln die vier Landesteile England, Wales, Schottland und Irland, hinzu kamen abhängige Territorien auf allen Kontinenten, deren größte Ausdehnung 1922 erreicht war. 1927, mit der Bildung des Irischen Freistaats, wurde die offizielle Staatsbezeichnung verändert zu Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland.
Ostasien; auch: East Indies (englisch), Indien, Ostindien, „Osten“Der Begriff Ostasien wird in der vorliegenden Edition in einem ganz weiten Sinne verstanden als Klammer für diejenigen Weltregionen, die für deutsche Kaufleute im langen 19. Jahrhundert auf Segel- und Dampfschiffen durch Umrundung des Kaps der Guten Hoffnung an der Südspitze Südafrikas oder - seit 1869 - nach Durchfahren des Suezkanals über den Indischen Ozean oder durch Umrundung der Südspitze Südamerikas über den Pazifik erreichbar waren. In den historischen Quellen synonym verwendet werden die Begriffe Indien, Ostindien oder einfach „Osten“.
London
Deutschland; auch: Deutsches Kaiserreich, Deutsches ReichBis zur Gründung des Deutschen Reichs im Jahr 1871 kann von Deutschland nicht im Sinne eines Nationalstaates gesprochen werden. Doch in den Quellen wird der Begriff Deutschland auch zuvor häufig verwendet, wenn es den Urhebern nicht um eine Differenzierung zwischen den verschiedenen deutschen Teilstaaten ging.
Hamburg
New York; auch: Neuyork, Newyork
Boston
San Francisco
China; auch: chinesisches Kaiserreich, chinesisches Reich, chinesische Republik, Reich der Mitte
Reichskanzler des Deutschen Reichs
Aktien; auch: Actien, shares (englisch)
Aktionär; auch: Actionär, Anteilseigner, Interessent, shareholder (englisch)
Schifffahrt; auch: Schifffahrtsbranche, Schifffahrtsgesellschaft
Frachtfahrt; auch: Befrachtung, Frachtschifffahrt, Verfrachtung
Transportversicherung; auch: Seeversicherung, Transport-Versicherung, Transportversicherungsgesellschaft
Bank; auch: Aktienbank, Bankenwelt, Bankgeschäft, Bankhaus, banking operations (englisch), Geldgeber, Geldinstitut, Geschäftsbank, Großbank, Investmentbank, issuing bank (englisch), merchant bank (englisch), Privatbankhaus
Pound Sterling [Währungseinheit]; auch: £, £ st., l., Pfund Englisch, Pfund SterlingDas britische Pound Sterling, üblicherweise abgekürzt mit dem Zeichen £, unterteilt sich in shilling, abgekürzt s oder sh, und pence, abgekürzt d (für „denarius“). Ein Pound Sterling entspricht dabei 20 shilling oder 240 pence (1 shilling = 12 pence).
Kapital; auch: Aktienkapital, Bankkapital, Capital, Einschuß, Gesellschaftskapital, Privat-Capital, Stamm-Capital, working capital (englisch)
Vertreter, Vertretung; auch: agency (englisch), agent (englisch), Agent, Agentur, Alleinvertretung, Handelsagentur, representation (englisch), representative (englisch), Vertretungsgebiet, Vertretungsvertrag
Dampfschifffahrt; auch: Dampferlinie, Dampfschifffahrtsgesellschaft
Gewinn; auch: Avanz, Ayanz, Capital Avance (niederländisch), Gewinn, Gewinnbeteiligung, Gewinnst, Gewinst, Netto-Gewinn, Profit, profit (englisch), profit sharing (englisch), Verdienst
Fracht [Frachtkosten]; auch: Frachtpreis, Frachtrate, Frachtspesen
Versicherung; auch: Assecuranz, insurance (englisch), policy (englisch), Versicherungsgesellschaft, Versicherungspolice, premium (englisch), Versicherungsprämie, Versicherungswesen
Geldwirtschaft; auch: circulatie (niederländisch), Geldmarkt, Geldverhältnisse, Geldverkehr, Geldzirkulation