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Nr. 2.5.1.01

Adolf Langen, Timor Koepang, an Eugen Langen, Köln, betr. den Aufbau eines Sägewerks mit angegliederten Plantagen auf den Key-Inseln, 16. August 1884

Privatbrief

Regest:

Adolf Langen wendet sich mit diesem Brief an seinen Onkel, den Kölner Unternehmer Eugen Langen, um ihn um weitere Unterstützung für den Aufbau eines Sägewerks mit angegliederten Plantagen auf den Key-Inseln in Niederländisch-Indien zu bitten. Neben der bereits erfolgten Entsendung von Mitarbeitern der Firma J. J. Langen & Söhne, an der sein Onkel bis 1883 maßgeblich beteiligt war, geht es ihm nun vor allem um technische Ausrüstung und Maschinen. Ausführlich beschreibt er auch die auf den Key-Inseln verfügbaren Naturprodukte, die für die Verarbeitung und den Export interessant sein könnten. Deutlich wird das Selbstverständnis Adolf Langens als Kolonialunternehmer, der es zu Vermögen und Anerkennung zu bringen hofft.

Timor Koepang 16. Aug 1884

Lieber Onkel Eugen

Deine lieben Briefe 1te vom 26 Dec angefangen bis 2 Febr beendet kam gleichzeitig mit den dort avisirten Herren zu mir d. i. Ende März –

Zunächst vor Beantwortung dieses:

Für die Ubersendung Willys und des Försters besten Dank – das sind ganz andere Kerle als die Schlafmütze Drei-Eichmann – Vor allen Dingen ist Willy ein Hauptkerl, das hat uns allen gut gethan in jeder Hinsicht einmal wieder einen solch frischen Jungen bei uns zu haben. Berninghaus ein sonst ganz Tüchtiger und fleissiger Mann fing schon an etwas zu versauern, Verdriesslichkeiten mit den Maschinisten und Zimmerleuten und etwas Heimweh sind nicht dazu angethan einen das Leben von der vergnügten Seite anzusehn. Inzwischen war uns ein Fliegen und Schmetterlingsfänger zugereist welcher wissenschaftliche Untersuchungen und Sammlungen macht – Derselbe ist ein Deutscher Namens Ribbe aus Dresden – Natürlich nahm ich ihn sofort auf und war ihm in Allem behülflich wogegen ich mir eine vollständige Sammlung d. h. eine Doublette aller seiner auf Key gesammelten Käfer und Fliegen und Schmetterlinge ausbat, was er versprach zu thun und wird derselbe sie dir nach seiner Rückkehr zusenden. Ich bitte dich dieselbe als Anfang eines Colonialmuseums der Langenschen Colonie zu betrachten – Da sehr seltene Exemplare darunter sind, wird sie einen wissenschaftlichen Werth haben – Der Herr ist nun beinahe schon ½ Jahr bei uns, und hat er uns geholfen Cocosnüsse pflanzen. Doch zurück zu unseren Leuten. Willy habe ich zunächst zur Hausmutter gemacht und ihm Küche und Keller übergeben. Zur Buchführung war mir an Stelle Wy. von Herrn Bauermann ein anderer Herr bereits zugesandt worden.

Auch machte mir Küche und Bedienter viel Sorge welcher ich jetzt glücklicherweise einigermassen enthoben bin. Willy trägt nach Frauenart einen mächtigen Schlüsselbund um den Leib und an langem Bande eine lange Schneiderscheere und ist es zum Totlachen ihn mit unserer dicken Köchin zanken zu hören und die Speisen probieren auch ist sein Gesicht eine nette Studie, wenn ihm einmal ein aussergewöhnliches Gericht gut oder schlecht gerathen – Ein jedermann kann zufrieden sein wenn seine Frau nur halb so viel Bescheid weiss – Der Junge ist mir in der kurzen Zeit, dass er bei mir ist bereits an‘s Herz gewachsen und kannst du seiner Familie nur Gutes über ihn berichten.

Er hat sich auch fest an mich geschlossen – Du hättest mir kein besseres Geschenk machen können. Auch körperlich geht es ihm soweit ganz gut. Er ist einer von den Menschen welchen dies Klima besonders gut thut zur körperlichen Entwicklung. Nur darf er mir nicht zu viel in der Sonne herumlaufen ohne Hut auch muss er sich etwas schonen – Willy fasst auch alles mit an, er hat sich schon am Mauern und sonstigen harten Arbeiten betheiligt. Beiliegend findest du die Zeichnungen zu dem Wasserfall, damit du ein besseres Urtheil fällen kannst. Ich bitte dich nun uns unversäumt die Turbine mit nöthigem Wasserleitungsrohr etc. direkt mit dem von Langens erbetenen gecharterten Schiff zusenden zu wollen – gleichzeitig noch ein Gatter und eine grosse Kreissäge – Das Gatter hat sich bewährt und sollte es uns lieb sein ein gleiches zu erhalten um unsere Produktion zu verdoppeln. Die zuerst geschnittenen 8 – 10000 Bretter gebrauchten wir für unsere Häuser – Die Maschine schneidet gegenwärtig 80 – 90 Bretter pro Tag kann im Nothfall 100 schneiden – d. i. 15 bis 16 Balken werden geschnitten – das Holz kostet uns 2 gulden und die aus einem holz geschnittenen Bretter werht 12 gulden – gegenwärtig können wir nun also per Monat 2400 bis 3000 Bretter schneiden, nehmen wir nun an mit Unterbrechungen, Reparaturen etc schneiden wir nur 2000 so macht dies im Jahr 24000 oder 48000 gulden brutto Einkommen das ist zu wenig – Wir müssen wenigstens das doppelte schneiden können. Am meisten Zeitraubend ist das Abspannen des alten und Aufspannen des neuen Holzes, weil die Maschine so lange still liegen muss – Es ist schade dass keine Einrichtung getroffen ist um zwei Wagen für dieselbe Säge gebrauchen zu können, damit man einen fertigstellen kann während der andere in Gebrauch ist – Auch wäre dies zu erreichen durch einen Wagen welcher lang genug ist, um einen Stamm hinter dem anderen auflegen zu können, alsdann könnte man ohne Unterbrechung arbeiten, auch vermeidet man dabei das Aus und Einfahren der Wagen in ein anderes Geleise – Bei dem neu erbetenen Gatter welches mit der Turbine getrieben werden soll – bitte ich daher mir Schinen zu senden von wenigstens 120 fuss länge und Räder Wagentheile Zahnradstangen von wenigstens 60 fuss länge damit ich den Wagen 60 fuss lang machen kann. Auch ist bei dem jetzigen Gatter der Wagen resp. die Theile desselben nicht solid genug, die Schinen können nicht gut festgemacht werden weil ihr unteres Queerstück nicht breitgenug ist auch sind die Wagenräder etwas schmal – das ganze Gatter ist meiner Meinung nach etwas zu leicht gebaut und dürfte sich ein schwereres empfehlen – Ferner bitte mit derselben Gelegenheit eine kleine Bohrmaschine zum Handbetrieb mitzusenden –

Auch gebrauchen wir eine Maschine um in die Bretter eine Seitennuht zu machen (Querschnitt eine an dieser Stelle eingefügte Handzeichnung zeigt eine ausgesparte und eine hervorstehende Seitennuht) dieses wird gebraucht um Bretter dicht an einander zu fügen. In Batavia habe ich eine solche Einrichtung an der Kreissäge angebracht gefunden. Ferner bitte ich dich dir eine Zeichnung einer Maschine zu senden zu lassen um Wagenräder zu machen – eine solche liesse sich gut verwerthen. Ferner bedürfen wir noch 30 Stück Siederohre zum Dampfkessel 2‘‘ engl. Dm., 1,5 Meter lang –

Dann mit demselben Schiffe 30 Fass Cement – 20 Fass Oeltheer.

2000 6füssige gewellte Dachplatten.

Herr Berninghaus wünscht einen Expansionsapparat von Voss und Maack (Flantsche 100 190 mm Ø, Lochweite 65 mm Ø an dieser Stelle fehlt eine schließende Klammer.

Dann Schinengeleise und Schinenräder nebst Achsen um ein Geleise zu legen von Fabrik nach Verschiffungsbrücke länge circa 300 Fuss – – d. i. für 2tes Gatter. Schubkarren resp. [nachträglich eingefügt: 2] Räder.

Mit jeder Mail also 3 monatlich 1 Duzend Europaischer guter solider Lederschuhe, 8 niedrig zum Schnüren 4 höher zum Schnüren – Grösse des Fusses ungefähr wie dein Fuss – deine Stiefel passen mir und die anderen haben einen etwas kleineren Fuss oder denselben – wenige grösser –

Wasserfall Derselbe ist wie aus Zeichnung ersichtlich 12 Meter Gefälle circa 75 Meter Lange bis zum Meer und Wassermenge 1 Cubic Meter per Secunde also hinreichend um alle unsere Arbeit zu thun. Auch lässt sich das Wasser falls nöhtig noch 2 Meter stauen, da es zwischen senkrechten Felswänden durchkommt nur wäre die Arbeit keine leichte bei dem reissenden Wasser – Man kann nicht in demselben auf den Füssen bleiben. Die Quelle des Wassers ist einige hundert Schritt davon entfernt also nicht viel Gefahr vorhanden durch antreibende Baumstämme gehindert zu werden. Eine gute Turbine wäre jedenfalls vorzuziehen. Das Wasser kommt aus einem mit Schlamm angefüllten Kraterloch und ist zu allen Zeiten gleichmässig –

Nun lieber Onkel Eugen gib deinem Faktotum Auftrag so liebenswürdig zu sein und obige Sachen anzuschaffen – und schleunigst mit dem zu charternden Schiff herauszusenden.

Guano – Nach Langens Bericht – nicht zu verrichten – Wünsche aber dass die später gesandten Proben auch einmal Grümlerz gezeigt würden. Es ist dabei unfertiger und fertiger Guano – Oel – Dagegen lauten die Nachrichten über das Oel viel günstiger – angeblich gleichen Werhte mit Olivenoel – Onkel Schleicher in Antwerpen schreibt 1000 francs per 1000 Kilo – dafür können wir arbeiten – Wie bereits früher geschrieben bin ich auf die Nüsse durch einen Herrn de Siso hier in Koepang darauf aufmerksam gemacht worden.

Die Nüsse sind zu 2 1/2 gld. der Pikkel zu haben um 1000 Kilos Oel zu machen sind 64 Pikkel Nüsse erforderlich also Preis des Rohmaterial 160 gulden = circa 350 frs – Fracht Versicherung – circa 120 frs per 1000 Kilos = Verpackung sage 70 frs so bleibt noch eine gute Margin für Geschäftsunkosten und Gewinn. Ich habe mich daher entschlossen die Oelpresse und Kollergang von Key nach Koepang zu bringen, wo uns bereits ein Stück Land von der Regierung ist angewiesen worden – Auch habe ich einen noch wenig benutzen kleinen Kessel mit Dampfmaschine gekauft und hierhergebracht, welcher gross genug ist um den Kollergang und die Pumpen der Presse zu treiben. Diesen Theil des Geschäfts Oelmühle in Koepang werde ich demnach mit Herrn de Siso zu gleichen Theilen oder nach Einlage betreiben – Ohne Herrn Siso kann ich nicht fertig werden, er hat viel Einfluss bei der Bevölkerung und den unabhängigen Rajahs – er vermeint, 32000 Pikkel Nusse jährlich erhalten zu können. Vielleicht nehme ich Willy mit hierher zu meiner Vertretung. Holz zum bauen der Fabrik habe ich bereits hierhergebracht und steht das Lagerhaus für die Nüsse bereits fertig – Die Verpackung des Oels gedenken wir in alten gereinigten Petroleumblechen am zweckmässigsten zu machen.

Sago ich habe an J. J. L & S. eine Kiste Sago gesandt – wie derselbe von den Eingeborenen auf Ceram zu bereitet wir. – Ich hätte nun gerne, dass derselbe einmal einer grösseren Bäckerei (Stollwerk) zur Verfügung gestellt wird – Wir backen ein ausgezeichnetes Brot aus demselben mit Mehl gemischt – Da der Sago ungeheuer aufquillt so ist wenig Mehl erforderlich – es wäre mir lieb die Versuche angestellt zu haben mit Weizen und Roggenmehl. Der Sago muss zuerst in Wasser aufgeweicht werden und alsdann mit Mehl zum Teich verarbeitet werden. Halb Mehl Halb Sago – Vielleicht liesse sich eine Exportartikel aus dem Sago in dieser Form welche für uns die bequemste ist machen – Das mit demselben gemachte Brot ist wirklich äusserst schmackhaft – Auch lässt sich der Sago in dieser Form zu allen Hauszwecken gebrauchen, in Suppe – Puddings etc etc – Bitte in dieser angegebenen Richtung durch eine geeignete Persönlichkeit Versuche anzustellen zu lassen, ob dieser Artikel im Massenbezug commerciell verwendbar ist in dieser Form.

Die alte Guilleaume’sche Stärkefabrik thäte am besten sich mir mit einem tüchtigen Techniker zur Verfügung zu stellen und einem dazu nöhtigen Aktiencapital von 100000 gulden – Der Platz dafür ist Ceram das Land der Sagopalme – Herr Berninghaus behauptet dass der Sago reine Stärke sei, nur gut ausgewaschen wurden müsse resp. centrifugirt und getrocknet werden – Ich selbst kann mich nicht mit dem Betrieb befassen wie du mir auch richtig anräthst

da ich genug zu thun habe, dagegen bin ich imstande Ihnen zu zeigen wie es gehtan werden muss und es ist schade, dass die Maschinen still liegen –

Pferde letzte Ladung nach Samarang ergab 6000 gulden Profit –. nächste Ladung bringe ich selbst nach Batavia in einigen Tagen –

Deine Ermahnungen betreffend meine Stellung zu meinen Mitarbeitern verstehe ich wohl, ist es doch stets mein Bemühen gewesen was du mir anrähtest zu thun, aber ein räudiges Schaaf verdirbt die ganze Herde – Als Capitain habe ich ja genug Erfahrung gesammelt um zu wissen, mit einer handvoll Leuten umzugehen. Zwischen der Insel und dem Schiff ist nicht viel Unterschied. Zuerst Freundlichkeit und Milde – wird solche aber gemissbraucht dann Strenge –

Zucker Betreffend diesen Artikel habe ich die resp. den Herren J. J. L & S. geschrieben – Zucker ist hier überall in Hülle und Fülle – Zuckerpalmen, Zuckerrüben, Zuckerrohr. Aber raffinirt wird keiner auch klagen alle Fabrikanten über zu grosse Abgaben – Macht einmal den kleinen Versuch den ich Langens empfohlen habe aber verfahrt nach Anweisung vielleicht dass grössere Sachen zu machen sind.

Ich bitte in Zukunft die 3 Branchen getrennt zu halten – Holz Key – Oel Koepang – alles andere Batavia.

Zuckerrübe Mit gleicher Post sende ich dir ein kleines Paketchen eines Zuckerrübensamens von Koepang – lass denselben einmal durch einen ordentlichen Gärtner pflanzen und sehe was heraus kommt, die hiesigen Rüben erhalten einen durchmesser von bis 1 – 2 fuss und sind dem Geschmack nach reichhaltiger wie Eure Rüben – Vielleicht kommt sie auch in Europa fort und jedenfalls wäre es zu probieren. Ich habe versucht die Rübe zu trocknen nachdem ich sie zuerst in Scheiben geschnitten, ich dachte das Wasser zu verdampfen und den Zuckergehalt zurückzubehalten. Ich vermeinte vielleicht liesse sich eine solch ausgetrocknete Rübe versenden – aber ich fürchte dass bei dem Austrockenen der Zucker auf der Aussenseite der Schnittflächen als brauner klebriger Schleim aus tritt und durch Ameisen Fliegen etc verzehrt wird – in der ausgetrockneten Scheibe selber ist kein Zucker mehr zu Schmecken.

Melasse der an Langens gesandte Syrup ist der eingedickte Saft der Zuckerpalme – Langens haben denselben als Oel angesehen.

Holz – werde binnen Kurzem vollständige Sammlung unserer Hölzer senden. Der hier zu erzielende Preis is besser wie Europa – Angebot in Europa 100 frs per Cub Meter. Macassar 64 gulden = 125 frs –

Um auf Zucker zurückzukommen glaube ich dass es sich verlohnen würde einen deiner Söhne Neffen oder sonst jemand der dazu fähig ist auf eine Reise nach Australien zu senden – um das dortige Absatzgebiet zu prüfen.

Deine Mittheilungen betreffend Gasmotoren freut mich ungemein ist doch eigentlich der Gasmotor der Anfang deiner Erfolge gewesen und so lange es dem Gasmotor gut geht – so lange wird es dir auch gut gehen. Beiden wünsche das Beste.

Familie

Deine Mittheilungen haben meine volle Theilnahme. Nachrichten von Gottliebs und Fritz Verlobungen bis dato nicht eingetroffen – hat mich aber sehr interessiert (Empfehlungen an den neuen Gouverneur General sehr erwünscht (im Hintergrund Gouvernements Holzlieferungen Schulbänke für Gouvernementsschüler, Barrakkenbauten, Stallplanken – etc etc an dieser Stelle fehlt eine schließende Klammer.1

Die Bräutigämmer und Bräute bitte bestens zu grüssen und Ihnen dabei leise anzudeuten dass es gerade nicht gerathen ist einen indischen Vetter ganz zu vergessen namentlich bei Verlobungs- Hochzeits- Tauf- und anderen Essen, dass es sehr leicht möchlich ist dass ein solcher Vetter da er keine Zeit zum Heiraten hat einmal als indischer Nabob nach dem Tode mehr Gutes thun kann als zu lebzeiten –

(Der mir noch vor Jacob Langen in Greevenbroichs Hochzeit in Aussicht gestellte Korb wird noch immer vergebens erwartet, dagegen erhielten Nachricht von Ankunft des ersten Sprösslings.)

Mehr Chance vom Nabob in spe nicht vergessen zu werden hat dein liebenswürdiges Töchterchen Hedwig – Gib ihr von mir einen herzhaften Kuss und sage ich liesse mich bestens bedanken für den freundlichen Gruss. (Ich werde dir nachstens ein kleines Säckchen allerhand Perlen senden und dann bitte ich nachträglich eingefügt: für Hedwig davon etwas schönes auszusuchen das andere ist für dich und deine liebe Frau.

Gustav hätten wir alle gerne hier gehabt, nur zu gern.

Das kleine Völkchen grüsse von Adolf. Photographien. Sage Hermine dass solche stets von uns angesehen werden und dieselben freude machen wie beinahe ein leibhaftiger Besuch –

Unser Förster ist auch ein netter liebenswurdiger Mensch und passt ausgezeichnet für seine stelle.

Angestellte

Ich finde dass wir einen fehler machen Leute vorläufig auf ein Jahr zu engagiren – die Leute kommen durch andere Plätze, auf welchen Sie hören dass hier und dort so grosse Gehälter gegeben werden. Folge ist dass sie gleich nach Ankunft wissen wollen wie viel ich Ihnen geben kann. Dr. Berninghaus – Er war kaum 5 Monate hier als er mich frug was ich ihm für ein zweites Jahr bieten könne, darauf bot ich ihm 1000 Mark mehr indem ich ihn darauf hinwies dass wir erst am Einrichten wären und man doch einmal erst etwas schaffen müsse und verdienen ehe man an ein Aufbessern der Gehälter denken könne – Berninghaus fand eine Gehaltserhöhung von 1000 Mark nicht genug darauf sagte ich ihm, dass es mir unmöglich sei mehr zu geben resp. in Aussicht zu stellen, und bat ihn, es doch vorläufig auf sich beruhen zu lassen – ich würde an Langens schreiben und deren Ansichten anhören, denn mein Geschäft sei doch eigentlich Langens in Cöln – Die Herren bekommen die Idee in 2 bis 3 Jahren genügend Capital verdient zu haben um nach Hause zurückzukehren – diese Ansicht ist irrig, meine Ausgaben hier ohnedies hoch und ist das Berning. von mir angebotene Gehalt vollkommen genügend. Es wäre mir ungeheuer lieb diese Sachen direkt in Europa geregelt zu sehen – kommt z. B. ein Mann heraus auf 3 Jahre mit einem festen Contract so habe ich nicht diese unangenehmen Erörterungen – Sonst habe ich an Berninghaus einen tüchtigen Gehülfen dem ich auch gerne voranhelfe und habe ich ihm gesagt er solle nur ruhig mit mir gehen, geht es mir gut, solle es ihm auch gut gehen – aber er müsse nicht verlangen dass ich gegen meine Interessen handele, denn in erster Linie wären es die Interessen der Herren J. J. L & S. Ich wies darauf hin, dass ich persönlich in den letzten Jahren keinen Pfennig verdient habe. Schliesslich sagte er dann er wolle vorläufig sein Jahr aushalten und sich dann entscheiden. Ich glaube ein Brief von Dir, mit dem Rahte sich zu beruhigen, dass ich nicht auf Kosten meiner Leute reich werden wolle, dass es aber bei jedem colonialen Unternehmen der eine mit dem anderen steigen und fallen müsse, dass er ruhig sich darauf verlassen kann, dass ich auch ihm voranhelfe sobald ich selbst vorankomme, wird alles sein was nothwendig ist. Da Berninghaus davon sprach dass er auch einmal heiraten wolle – so denke ich wird ein junge Dame vielleicht etwas damit zu thun haben in ihm den Wunsch rege zu machen bald möglichst nach Europa zurückzukehren – In allem anderen ist er ein ausgezeichneter Mensch und tüchtiger Techniker welcher sich schnell sonst eingewöhnt hat. Zu Colonialmenschen taugen eigentlich nur solche welche wie ich seiner Zeit in gewisser Beziehung einmal Schiffbruch gelitten haben –

Viele Grüße an Dich und die Deinen Dein

Adolf