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Nr. 2.5.1.02

Eugen Langen, Köln, an Adolf Langen, Toeal, betr. den Aufbau eines Sägewerks mit angegliederten Plantagen auf den Key-Inseln, 28. Oktober 1884

Privatbrief

Regest:

Der Kölner Unternehmer Eugen Langen antwortet mit diesem Schreiben auf einen Brief seines Neffen Adolf Langen vom 16. August 1884 Dokument Nr. 2.5.1.01, der sich zu dieser Zeit auf den Key-Inseln in Niederländisch-Indien mit einem Sägewerk und angegliederten Plantagen als Kolonialunternehmer selbständig zu machen versucht. Eugen Langen signalisiert ihm weiterhin Unterstützung für das Vorhaben, durch das neue Einkaufs- und Absatzmärkte für die Langen‛schen Unternehmen in Deutschland erschlossen werden könnten, zumal sich die deutsche Regierung in den frühen 1880er Jahren dem Erwerb eigener Kolonien in Afrika und Ozeanien zuzuwenden begann. Eugen Langen mahnt seinen Neffen aber zugleich zu größerer finanzieller Zurückhaltung und betriebswirtschaftlicher Umsicht; außerdem fordert er mehr Präzision bei der Beschreibung der vor Ort benötigten technischen Produkte. Auch Informationen aus dem geschäftlichen und familiären Umfeld in Köln werden übermittelt.

Köln den 28. October 1884


Lieber Adolf [nachträglich von anderer Hand ergänzt: Langen, Capt.]

[Nachträglich von anderer Hand ergänzt: Key-Toeal]

Ich gelangte vor einigen Tagen in den Besitz Deines Briefes von Timor Koepang vom 16. Aug. und beschränke mich vor allem auf dessen Beantwortung da ich voraussetze, dass Dein Brief an die Firma von dieser Erledigung gefunden hat resp. finden wird. Dass Du mit Deinen Gehülfen dort nun zufrieden, freut mich, ich denke, Ihr werdet jetzt wol ein etwas gemütlicheres Leben führen als vordem. Dass Du auf dem Wege zum Nabob, kommt mir noch etwas unwahrscheinlich vor, wenigstens haben wir hier in Köln bisheran davon noch keine klingende Probe gesehen;1 im Gegentheil, will es uns doch sehr scheinen, als ob Du nun bald in der Lage sein solltest, zum allermindesten auf eigenen Füssen zu stehen, so weit es sich um die Pfennige handelt. Wenn ich auch in der Hauptsache dieser Ansicht bin, so ist dieselbe doch bei der Firma J. J. Langen & Söhne eine weit ausgeprägtere, und ich muss manchmal meine Brüder um Geduld für Dich angehen.2 Bitte, sorge also, dass Du Deine kaufmännischen Dispositionen einzurichten vermagst, ohne weiter auf die Tasche oder den Credit von J. J. Langen & Söhne zu sündigen. /

Als ich Deine vielen Wünschen las, überkam es mich auch ungemütlich von wegen des Geldpunktes, denn Summa summarum würde die Befriedigung derselben wieder 15000,- bis 20000,- Mark kosten, falls es möglich wäre, Dir auf die blosse Bezeichnung hin „6füssige gewellte Dachplatten“ zu schicken. Auch das Chartern des Schiffes für Dich wird wieder viel Geld in Anspruch nehmen.

Ich weiss gar nicht, was Du unter diesen Platten verstehst, es ist keine Breite angegeben, nicht angegeben, ob dieselben verzinkt sein sollen oder nicht, auch nicht, wie dick dieselben sein sollen. Auch kann ich gar nicht begreifen, was Du mit 2000 Stück anfangen willst; ist das nicht ein Irrthum? Ueberhaupt sind Deine Bestellungen viel zu wenig eingehend detaillirt. Du musst in Zukunft von jedem Stück, welches Du haben willst, eine Skizze beifügen mit eingeschriebenen Dimensionen unter Angabe der Verwendungsart. Es gilt dies ganz besonders von allen technischen Einrichtungen. So z. B. verlangst Du Schienen, Räder, und Axen. Herr Berninghaus kann doch sehr gut eine kleine Briefskizze dazu machen. Ferner schreibst Du „Schiebkarren resp. Räder“. Ich nehme an, dass Du blos Räder haben willst um die Karren selbst zu machen, deshalb lasse ich Dir 50 Stück Räder mit Pinnen bestellen, muss aber wieder rathen, ob diese Zahl Dir convenirt.

Endlich schreibst du von Maschinen, um Räder zu fabriciren, sagst aber nicht, was für Räder. Eine Skizze solcher Räder verschiedener Art wie Du sie zu machen wünschest würde Aufklärung gegeben haben. Kurz, bei allem was Du bestellst und wünschest, gib uns überflüssig detaillirt jede Einzelheit an, sonst schicken wir Dir unnütze Dinge, und bei der grossen Entfernung und langen Zeit welche die Briefe laufen bis zur erneuerten Aufklärung sind vielleicht Deine Wünsche durch andere Ereignisse überholt.

Wegen der Beschaffung der Turbine u. des zweiten Gatters spreche ich in den nächsten Tagen mit J. J. Langen & Söhne und schreibe Dir dann wie es damit gehalten werden soll und lege ein Verzeichnis bei von allem, was nun für Dich hier besorgt werden soll.

Ich meine Du solltest nun unter allen Umständen Deine Kraft concentriren auf das was Du auf Key hast. Dein Unternehmen auf Timor Oelpresse kommt mir noch sehr ungewis vor.

Ich habe Dein grosses Exposé betreffend Timor noch nicht an irgend Jemanden weiter gegeben, insbesondere nicht in Berlin, weil Herr von Hansemann, dem ich von Dir erzählte mir nicht so warm entgegenkam dass ich mich zu weiteren Mittheilungen besonders hingezogen fühlte.

Was mich immer noch bedrückt, wenn ich an Dich denke ist Dein früheres Verhältnis zu O‘Keefe. Wie sieht es damit eigentlich aus? Ist dasselbe in gesetzlicher Form aufgelöst oder kann O‘Keefe übermorgen kommen und irgendwelche Ansprüche an Dich erheben? Wenn das letztere der Fall wäre, so könnte sich daraus doch die schauderhafteste Verwicklung ergeben, die um so bedenklicher würde, je mehr Dein Wirkungskreis sich ausdehnt, in welchem Umstande eventuell für O‘Keefe ein besonderes Reizmittel liegen würde, Dich aufzusuchen u. sich Dir zu nähern. Wenn ich nicht irre, habe ich in einem früheren Briefe schon die gleiche Frage an dich gerichtet.

Da nun Dreieichmann zurück ist, welcher für den Nothfall eine Vollmacht von J. J. L. & S. hatte, dürfte es sich vielleicht empfehlen, einem anderen eine Vollmacht zu geben. Als Person wäre mir dafür natürlich Willy Müller der Nächststehende. Lass mich wissen, ob Du damit einverstanden u. besorge Du dort, was für diese Vollmacht nöthig u. als Grundlage dienen kann für ihre rechtskräftige Wirkung hier in Europa.

Einliegend 2 Photographien, in welchen Du das jüngste Ehepaar, Gottlieb u. Minna (geb. vom Rath) sowie die Braut von Fritz, Therese Tillmann, findest.

Hans ist Soldat, Gustav in Manchester an den Gasmotoren3 Fritz ist einstweilen in Grevenbroich, Margret aus der Pension zurück, 4‘‘ grösser als ich, Hedwig in die gleiche Pension nach Freiburg abgereist, wird sich über Deinen speciellen Gruss ganz besonders freuen. Das kleinere Volk ist munter, und auch meiner Frau geht es recht gut.

Geschäftlich haben wir uns in Gasmotoren gegen die Patent-Nachmacher zu wehren,4 und mit Zucker geht es miserabel; der Preis desselben netto Steuer war bis auf M 11.–, gegen M 21.– im Vorjahre, gefallen u. hat sich jetzt wieder um M 2.– erholt. Nimmst Du dazu die Exportbonification von M 9.–, welche wir als Rückerstattung der Rübensteuer haben, so stellt sich der Inland-Preis für Rohzucker heute auf etwa M 22.–. Dass dabei nicht verdient, sondern verloren wird, ist leicht fasslich. Ganz so billig bekommst Du nun den Zucker in den Blechbüchsen, welche wir jetzt präpariren, nicht; zunächst beträgt der Unterschied zwischen Raffinade- und Rohzucker-Preis in der Regel M 7.–M 8.– je 50 Kilo, dann aber ist auch die Verpackung eine theuere. Die letztere scheint mir nicht sehr practisch, weil die runden Büchsen viel mehr Raum einnehmen als viereckige. Ich werde Dir ein Paar Centner Würfelzucker in Pergament-Papier mitschicken; wir fabriciren den Zucker in dieser Packung hauptsächlich für Rechnung Bremer Häuser für Süd-Amerika. Ich meine diese handliche kleine Packung sollte sich ganz besonders auch für den Export in Deine Gegend eignen.

Den Hochzeits-Champagner von Jacob in Grevenbroich sowie von Gottlieb sollst Du auch mit der nächsten Sendung haben.

Als neuestes in deutsch-handelspolitischer Beziehung wird Dich interessieren, dass höchst wahrscheinlich unter staatlicher Subvention Schnelldampfer-Linien werden eingerichtet werden von Bremen nach engl. u. holländ. Indien. Eine Linie wird durch die Torres-Strasse nach Brisbane gehen.

Da Du die Wochen-Ausgabe der Köln. Zeitung bekommst, wirst Du schon wissen, dass überhaupt das Deutsche Reich sich regt in der Colonialfrage. Angara Pequena und Caroo–Land am Kongo sind officiell die ersten deutschen Colonien geworden.5

Deine weitergehenden Pläne wegen Timor sind zu sehr verwachsen mit Deinem persönlichen Rufe u. dieser wieder so sehr abhängig von dem Erfolge Deiner bisherigen Unternehmungen, dass ich glaube wohl daran zu thun, einstweilen nicht in weiteren Kreisen davon zu sprechen. Wenn ich jetzt irgendwo hin komme mit dem Ansinnen oder Plane, Dein Geschäft auf der breiteren Basis einer Handelsgesellschaft aufzubauen,6 so ist die erste Frage immer, was Du jetzt treibest, u. wie es Dir gehe – mit andern Worten, ob Du Geld brauchst oder Geld schickst. Du weisst, die Welt urtheilt immer nach dem Erfolge, u. wenn ich in der Lage wäre, in Berlin od. Hamburg od. Bremen Häusern ersten Ranges von Dir eine Bilanz vorzulegen, die mit einem greifbaren Nutzen abschliesst, so ist das ganz etwas anderes als wenn ich den guten Leuten erzähle von einem sehr unternehmenden Herrn Neffen, der mit einer Handvoll anderer ihm nachgeschickten jungen Europäer dort unten in der Südsee eine Niederlassung auf holländischem Gebiete hat. Eine richtige kaufmännische Bilanz mit vernünftiger Inventarisirung von allem was Du besitzest wäre überhaupt ein recht nöthiges und nützliches Instrument zur Beruhigung unserer eigenen Gemüther. Zeit, eine solche aufzumachen, u. Arbeitskräfte dafür hast Du doch nun, wie ich denke ausreichend an dem Kaufmann, welcher Dir durch Bauermann zugewiesen wurde, u. auch an Müller. Ausserdem ist Dir ja auch noch ein junger Mann von hier aus zugesandt worden.

Sehr angenehm war mir das Bildchen, welches Willy von dem Wasserfall gezeichnet; er könnte doch wol in gleicher Weise auch einmal Eure Bauten skizzieren, denn auf die Photographieen warten wir schon lange vergeblich.

Ueberhaupt viel bildliche Darstellungen über alles was Ihr habt u. treibt, und insbesondere – wiederhole ich – über alles was Ihr zu haben wünscht, zu bekommen, ist uns angenehm, und für das letztere nöthig.

Herzlichst Dein

Onkel Eugen Langen