|1. Blatt, Vorderseite|
Köln den 28. October 1884
Lieber Adolf [nachträglich von anderer Hand ergänzt: Langen, Capt.]
[Nachträglich von anderer Hand ergänzt: Key-Toeal]
Ich gelangte vor einigen Tagen in den Besitz Deines Briefes von Timor Koepang vom 16. Aug. und beschränke mich vor allem auf dessen Beantwortung da ich voraussetze, dass Dein Brief an die Firma von dieser Erledigung gefunden hat resp. finden wird. Dass Du mit Deinen Gehülfen dort nun zufrieden, freut mich, ich denke, Ihr werdet jetzt wol ein etwas gemütlicheres Leben führen als vordem. Dass Du auf dem Wege zum Nabob, kommt mir noch etwas unwahrscheinlich vor, wenigstens haben wir hier in Köln bisheran davon noch keine klingende Probe gesehen; im Gegentheil, will es uns doch sehr scheinen, als ob Du nun bald in der Lage sein solltest, zum allermindesten auf eigenen Füssen zu stehen, so weit es sich um die Pfennige handelt. Wenn ich auch in der Hauptsache dieser Ansicht bin, so ist dieselbe doch bei der Firma J. J. Langen & Söhne eine weit ausgeprägtere, und ich muss manchmal meine Brüder um Geduld für Dich angehen. Bitte, sorge also, dass Du Deine kaufmännischen Dispositionen einzurichten vermagst, ohne weiter auf die Tasche oder den Credit von J. J. Langen & Söhne zu sündigen. /
Als ich Deine vielen Wünschen las, überkam es mich |2. Blatt, Vorderseite| auch ungemütlich von wegen des Geldpunktes, denn Summa summarum würde die Befriedigung derselben wieder 15000,- bis 20000,- Mark kosten, falls es möglich wäre, Dir auf die blosse Bezeichnung hin „6füssige gewellte Dachplatten“ zu schicken. Auch das Chartern des Schiffes für Dich wird wieder viel Geld in Anspruch nehmen.
Ich weiss gar nicht, was Du unter diesen Platten verstehst, es ist keine Breite angegeben, nicht angegeben, ob dieselben verzinkt sein sollen oder nicht, auch nicht, wie dick dieselben sein sollen. Auch kann ich gar nicht begreifen, was Du mit 2000 Stück anfangen willst; ist das nicht ein Irrthum? Ueberhaupt sind Deine Bestellungen viel zu wenig eingehend detaillirt. Du musst in Zukunft von jedem Stück, welches Du haben willst, eine Skizze beifügen mit eingeschriebenen Dimensionen unter Angabe der Verwendungsart. Es gilt dies ganz besonders von allen technischen Einrichtungen. So z. B. verlangst Du Schienen, Räder, und Axen. Herr Berninghaus kann doch sehr gut eine kleine Briefskizze dazu machen. Ferner schreibst Du „Schiebkarren resp. Räder“. Ich nehme an, dass Du blos Räder haben willst um die Karren selbst zu machen, deshalb lasse ich Dir 50 Stück Räder mit Pinnen bestellen, muss aber wieder rathen, ob diese Zahl Dir convenirt.
Endlich schreibst du von Maschinen, um Räder|3. Blatt, Vorderseite| zu fabriciren, sagst aber nicht, was für Räder. Eine Skizze solcher Räder verschiedener Art wie Du sie zu machen wünschest würde Aufklärung gegeben haben. Kurz, bei allem was Du bestellst und wünschest, gib uns überflüssig detaillirt jede Einzelheit an, sonst schicken wir Dir unnütze Dinge, und bei der grossen Entfernung und langen Zeit welche die Briefe laufen bis zur erneuerten Aufklärung sind vielleicht Deine Wünsche durch andere Ereignisse überholt.
Wegen der Beschaffung der Turbine u. des zweiten Gatters spreche ich in den nächsten Tagen mit J. J. Langen & Söhne und schreibe Dir dann wie es damit gehalten werden soll und lege ein Verzeichnis bei von allem, was nun für Dich hier besorgt werden soll.
Ich meine Du solltest nun unter allen Umständen Deine Kraft concentriren auf das was Du auf Key hast. Dein Unternehmen auf Timor Oelpresse kommt mir noch sehr ungewis vor.
Ich habe Dein grosses Exposé betreffend Timor noch nicht an irgend Jemanden weiter gegeben, insbesondere nicht in Berlin, weil Herr von Hansemann, dem ich von Dir erzählte mir nicht so warm entgegenkam dass ich mich zu weiteren Mittheilungen besonders hingezogen fühlte.
Was mich immer noch bedrückt, wenn ich an Dich denke ist Dein früheres Verhältnis zu O‘Keefe. Wie sieht es damit eigentlich aus? Ist dasselbe in gesetzlicher|4. Blatt, Vorderseite| Form aufgelöst oder kann O‘Keefe übermorgen kommen und irgendwelche Ansprüche an Dich erheben? Wenn das letztere der Fall wäre, so könnte sich daraus doch die schauderhafteste Verwicklung ergeben, die um so bedenklicher würde, je mehr Dein Wirkungskreis sich ausdehnt, in welchem Umstande eventuell für O‘Keefe ein besonderes Reizmittel liegen würde, Dich aufzusuchen u. sich Dir zu nähern. Wenn ich nicht irre, habe ich in einem früheren Briefe schon die gleiche Frage an dich gerichtet.
Da nun Dreieichmann zurück ist, welcher für den Nothfall eine Vollmacht von J. J. L. & S. hatte, dürfte es sich vielleicht empfehlen, einem anderen eine Vollmacht zu geben. Als Person wäre mir dafür natürlich Willy Müller der Nächststehende. Lass mich wissen, ob Du damit einverstanden u. besorge Du dort, was für diese Vollmacht nöthig u. als Grundlage dienen kann für ihre rechtskräftige Wirkung hier in Europa.
Einliegend 2 Photographien, in welchen Du das jüngste Ehepaar,
Gottlieb u. Minna (geb. vom Rath) sowie die Braut von
Fritz, Therese Tillmann, findest.
Hans ist Soldat,
Gustav in Manchester an den Gasmotoren
Fritz ist einstweilen in Grevenbroich,
Margret aus der Pension zurück, 4‘‘ grösser als ich,
Hedwig in die gleiche Pension nach Freiburg|5. Blatt, Vorderseite| abgereist, wird sich über Deinen speciellen Gruss ganz besonders freuen. Das kleinere Volk ist munter, und auch meiner Frau geht es recht gut.
Geschäftlich haben wir uns in Gasmotoren gegen die Patent-Nachmacher zu wehren, und mit Zucker geht es miserabel; der Preis desselben netto Steuer war bis auf M 11.–, gegen M 21.– im Vorjahre, gefallen u. hat sich jetzt wieder um M 2.– erholt. Nimmst Du dazu die Exportbonification von M 9.–, welche wir als Rückerstattung der Rübensteuer haben, so stellt sich der Inland-Preis für Rohzucker heute auf etwa M 22.–. Dass dabei nicht verdient, sondern verloren wird, ist leicht fasslich. Ganz so billig bekommst Du nun den Zucker in den Blechbüchsen, welche wir jetzt präpariren, nicht; zunächst beträgt der Unterschied zwischen Raffinade- und Rohzucker-Preis in der Regel M 7.–M 8.– je 50 Kilo, dann aber ist auch die Verpackung eine theuere. Die letztere scheint mir nicht sehr practisch, weil die runden Büchsen viel mehr Raum einnehmen als viereckige. Ich werde Dir ein Paar Centner Würfelzucker in Pergament-Papier mitschicken; wir fabriciren den Zucker in dieser Packung hauptsächlich für Rechnung Bremer Häuser für Süd-Amerika. Ich meine diese handliche kleine Packung sollte sich ganz besonders auch für den Export in Deine Gegend eignen.
Den Hochzeits-Champagner von Jacob in|6. Blatt, Vorderseite| Grevenbroich sowie von Gottlieb sollst Du auch mit der nächsten Sendung haben.
Als neuestes in deutsch-handelspolitischer Beziehung wird Dich interessieren, dass höchst wahrscheinlich unter staatlicher Subvention Schnelldampfer-Linien werden eingerichtet werden von Bremen nach engl. u. holländ. Indien. Eine Linie wird durch die Torres-Strasse nach Brisbane gehen.
Da Du die Wochen-Ausgabe der Köln. Zeitung bekommst, wirst Du schon wissen, dass überhaupt das Deutsche Reich sich regt in der Colonialfrage. Angara Pequena und Caroo–Land am Kongo sind officiell die ersten deutschen Colonien geworden.
Deine weitergehenden Pläne wegen Timor sind zu sehr verwachsen mit Deinem persönlichen Rufe u. dieser wieder so sehr abhängig von dem Erfolge Deiner bisherigen Unternehmungen, dass ich glaube wohl daran zu thun, einstweilen nicht in weiteren Kreisen davon zu sprechen. Wenn ich jetzt irgendwo hin komme mit dem Ansinnen oder Plane, Dein Geschäft auf der breiteren Basis einer Handelsgesellschaft aufzubauen, so ist die erste Frage immer, was Du jetzt treibest, u. wie es Dir gehe – mit andern Worten, ob Du Geld brauchst oder Geld schickst. Du weisst, die Welt urtheilt immer nach dem Erfolge, u. wenn ich in der Lage wäre, in Berlin od. Hamburg od. Bremen|7. Blatt, Vorderseite| Häusern ersten Ranges von Dir eine Bilanz vorzulegen, die mit einem greifbaren Nutzen abschliesst, so ist das ganz etwas anderes als wenn ich den guten Leuten erzähle von einem sehr unternehmenden Herrn Neffen, der mit einer Handvoll anderer ihm nachgeschickten jungen Europäer dort unten in der Südsee eine Niederlassung auf holländischem Gebiete hat. Eine richtige kaufmännische Bilanz mit vernünftiger Inventarisirung von allem was Du besitzest wäre überhaupt ein recht nöthiges und nützliches Instrument zur Beruhigung unserer eigenen Gemüther. Zeit, eine solche aufzumachen, u. Arbeitskräfte dafür hast Du doch nun, wie ich denke ausreichend an dem Kaufmann, welcher Dir durch Bauermann zugewiesen wurde, u. auch an Müller. Ausserdem ist Dir ja auch noch ein junger Mann von hier aus zugesandt worden.
Sehr angenehm war mir das Bildchen, welches Willy von dem Wasserfall gezeichnet; er könnte doch wol in gleicher Weise auch einmal Eure Bauten skizzieren, denn auf die Photographieen warten wir schon lange vergeblich.
Ueberhaupt viel bildliche Darstellungen über alles was Ihr habt u. treibt, und insbesondere – wiederhole ich – über alles was Ihr zu haben wünscht, zu bekommen, ist uns angenehm, und für das letztere nöthig.
Herzlichst Dein
Onkel Eugen Langen
Jan., Janr, Janr.Januar
Fasz.Faszikel
Bl.Blatt [einer Akte]
Cap., Capt.Capitel
Aug, Aug.August
resp.respektive
z. B.zum Beispiel
u, u.und
od, od.oder
RWWARheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv, Köln
RWWARheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv, KölnAbt. 7Nachlass Eugen Langen (1833–1895), Unternehmer
J. J. Langen & Söhne, KölnDie Firma J. J. Langen & Söhne in Köln ging aus der Kölner Zuckerraffinerie Schleußner & Heck hervor, die der Zuckerfabrikant Johann Jakob Langen (1794–1869) im Jahr 1845 übernahm, um sie mit mehreren seiner Söhne weiterzuführen. Sein Sohn Eugen Langen trat 1858 als Teilhaber in das Unternehmen ein und führte es seit 1869, als der Vater starb, gemeinsam mit drei Brüdern weiter; 1883 zog er sich aus dem Unternehmen zurück. Durch wirtschaftliche Misserfolge und die Auszahlung von Nachkommen der Teilhaber verschlechterte sich die finanzielle Situation des Unternehmens seit den 1890er Jahren zusehends, bevor es 1910 in Liquidation ging. Vgl.
Oepen-Domschky, Kölner Wirtschaftsbürger
, S. 100.
Gasmotoren-Fabrik Deutz AG, Deutz bzw. Köln-DeutzDie Gasmotor-Fabrik Deutz AG ging 1872 aus der N. A. Otto & Compagnie hervor, die 1864 gemeinsam von Nicolaus Otto und Eugen Langen gegründet worden war, um die Entwicklung eines leistungsfähigen Gasmotors voranzutreiben. Einen solchen Motor hatte man 1867 auf der Weltausstellung in Paris erfolgreich präsentieren können. Der Gasmotoren-Fabrik Deutz AG gelang es, gestützt auf Nicolaus Otto, Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach (1846–1929), einen modernen Viertaktverbrennungsmotor zur Serienreife zu bringen und ihn weltweit zu vermarkten, u. a. durch die Vergabe von Lizenzen nach Manchester, Lüttich und Kopenhagen. Eigene Filialen mit Fertigungskapazitäten wurden nicht nur in Paris, Wien, Mailand und Barcelona, sondern schon 1877 auch in Philadelphia eingerichtet. Vgl.
Goldbeck, Kraft für die Welt
;
Oepen-Domschky, Kölner Wirtschaftsbürger
, S. 107–111.
Langen
, Arnold: Nicolaus August Otto. Der Schöpfer des Verbrennungsmotors, Stuttgart 1949
Langen
, Nicolaus August Otto
1949
Gründer
,
Horst/
Hiery
, Hermann:
Zur Einführung, in: Gründer
,
Horst/
Hiery
, Hermann
(Hgg.), Die Deutschen und ihre Kolonien. Ein
Überblick, Berlin 2018, S. 9–24
Gründer/Hiery
, Einführung
2018
Baumgart
, Winfried: Bismarck und der deutsche Kolonialerwerb, in: Gründer, Horst/Hiery, Hermann (Hgg.), Die Deutschen und ihre Kolonien, Berlin 2018, S. 45–61
Baumgart
, Bismarck
2018
Baumgart
, Winfried (Hg.): Bismarck und der deutsche Kolonialerwerb 1883–1885. Eine Quellensammlung, herausgegeben und bearbeitet von Winfried Baumgart aufgrund der Vorarbeiten von Axel T. G. Riehl (Quellen und Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte, 40), Berlin 2011
Baumgart
, Bismarck und der deutsche Kolonialerwerb
2011
Speitkamp
, Winfried: Die deutschen Kolonien in Afrika, in: Gründer, Horst/Hiery, Hermann (Hgg.), Die Deutschen und ihre Kolonien in Afrika, Berlin 2018, S. 65–88
Speitkamp
, Die deutschen Kolonien in Afrika
2018
Hiery
, Hermann: Die deutschen Kolonien in der Südsee, in: Gründer, Horst/Hiery, Hermann (Hgg.), Die Deutschen und ihre Kolonien, Berlin 2018, S. 89–122
Hiery
, Die deutschen Kolonien in der Südsee
2018
Regierung Deutschlands
Köln; auch: Cöln, Cöln am Rhein, Deutz, Köln-Deutz
Toeal [Ort auf der zu den Key-Inseln gehörenden Insel Doelan]; auch: Key-Toeal (heute: Tual)
Key-Inseln; auch: Key, Key Eilanden, Kii-InselnDie Key-Inseln sind eine Inselgruppe im Pazifik, südöstlich der Molukken und südwestlich Neuguineas gelegen.
Niederländisch-Indien; auch: holländisch Indien (heute: Indonesien)Gestützt auf die Vereenigde Oostindische Compagnie gelang es den Niederländern um 1600, sich sowohl gegenüber den konkurrierenden Portugiesen als auch gegenüber den verschiedenen Inselkönigreichen auf Java, Sumatra, Borneo, Celebes, Neuguinea und zahlreichen anderen Inseln Südostasiens sich als Kolonialherren durchzusetzen. Ausgehend von der Insel Java bauten sie ihre Kolonie Niederländisch-Indien immer weiter aus und behaupteten sie im frühen 19. Jahrhundert trotz zeitweiliger Abtretungen auch gegenüber den Briten. Erst 1949, nach der japanischen Besatzung und einem mehrjährigen, erbittert geführten Unabhängigkeitskampf, erlangte Indonesien schließlich seine staatliche Souveränität. Vgl.
Schulze, Geschichte Indonesiens
.
Afrika
Ozeanien; auch: Südsee
Koepang [Stadt auf der Insel Timor, Niederländisch-Indien]; auch Timor Koepang (heute: Kupang)
Timor [Insel im Pazifik]Die Herrschaft über Timor war zwischen Niederländern und Portugiesen lange Zeit umstritten. 1859 wurde ein Grenzvertrag geschlossen, demzufolge der Westen der Insel zu Niederländisch-Indien gehören, der Ostteil der Insel dagegen unter portugiesischer Herrschaft verbleiben sollte. Im Zweiten Weltkrieg von den Japanern besetzt, wurde der Westen Timors 1949 zu einem Teil des nun unabhängigen Indonesien, während der Osten bis 1975 zu Portugal gehörte, dann von Indonesien besetzt wurde und erst 2002 die staatliche Unabhängigkeit erreichte.
Berlin
Europa; auch: Europe (englisch)
Manchester
Paris
Grevenbroich
Freiburg im Breisgau
Bremen
Südamerika; auch: Süd-Amerika
Britisch-Indien; auch: British India (englisch), Englisch-Indien, Englisch-Ostindien, Hinter-Indien, Indien, Vorder-IndienDie Bezeichnung Britisch-Indien bezog sich im 17., 18. und der ersten Hälftre des 19. Jahrhunderts auf die Besitzungen der East India Company (EIC). Mit deren Auflösung im Jahr 1858 wurde die Kronkolonie Britisch-Indien geschaffen, seit 1876 auch als „Kaiserreich Indien“ bezeichnet. Bei ihrer größten Ausdehnung umfasste Britisch-Indien die heutige Republik Indien sowie die Territorien der heutigen Staaten Myanmar (früher Britisch-Burma), Bangladesch, Bhutan, Nepal und Pakistan sowie diejenigen Teile der Region Kaschmir, die heute zur Volksrepublik China gehören. Nur die Hälfte der Landfläche und etwa zwei Drittel der Bevölkerung Britisch-Indiens standen jedoch unter direkter britischer Herrschaft, denn diese stützte sich auch auf zahlreiche einheimische Fürstendynastien (Maharadschas). - Einen Überblick über die Geschichte Britisch-Indien gewährt:
Stuchtey, Britisches Empire
.
Torres-Straße [Meerenge zwischen der Südküste Neuguineas und der australischen Halbinsel Cape York]
Brisbane [Stadt in Australien]
Angra Pequena [Bucht nahe der Hafenstadt Lüderitz in Namibia]; auch: Angara Pequena, Lüderitzbucht
Caroo-Land [Afrika]
Kongo [Fluss in Afrika]
Osmanisches ReichDas 1299 begründete Osmanische Reich expandierte zunächst nach Europa, dann in den Nahen Osten, auf die arabische Halbinsel und ins nordöstliche Afrika, erlebte gegen Ende des 19. Jahrhunderts aber seinen Niedergang und wurde 1923 von der Republik Türkei als Nachfolgestaat abgelöst.
Vereinigte Staaten von Amerika; auch: United States (US), United States of America (USA), Vereinigte Staaten von Nordamerika
Deutschland; auch: Deutsches Kaiserreich, Deutsches ReichBis zur Gründung des Deutschen Reichs im Jahr 1871 kann von Deutschland nicht im Sinne eines Nationalstaates gesprochen werden. Doch in den Quellen wird der Begriff Deutschland auch zuvor häufig verwendet, wenn es den Urhebern nicht um eine Differenzierung zwischen den verschiedenen deutschen Teilstaaten ging.
Marshallinseln
Hamburg
Langen, Carl EugenCarl Eugen Langen (Eugen Langen)Erfinder, Ingenieur, Unternehmer, Förderer der deutschen Kolonialbewegung11872643909.10.183302.10.1895Eugen Langen war ein Sohn des Zuckerfabrikanten Johann Jakob Langen, absolvierte eine umfassende technische Ausbildung und führte seit 1858 gemeinsam mit seinen beiden Brüdern Otto Langen und Gustav Langen als Teilhaber das Familienunternehmen J. J. Langen & Söhne in Köln; 1883 trennte er sich geschäftlich von J. J. Langen & Söhne. Er war maßgeblich an der Entwicklung von Zuckerfabriken, von Gasmotoren und Schwebebahnen beteiligt und gründete eigene Unternehmen, darunter die Zuckerfabrik Pfeifer & Langen, die Gasmotoren-Fabrik Deutz und die Waggonfabrik Van der Zypen & Charlier. Er suchte neue Absatzmärkte in Übersee und zählte zu den maßgeblichen Förderern der deutschen Kolonialbewegung. Vgl.
Langen, Chronik der Familie Johann Jakob Langen
, S. 42–47.
Goldbeck/Reuß, „Langen, Eugen“
;
Oepen-Domschky, Kölner Wirtschaftsbürger
;
Treins, Eugen Langen
.
Langen, Friedrich AdolfFriedrich Adolf Langen (Adolf Langen)Seemann, Kapitän, Kolonialunternehmer, Versicherungsbeamter03.06.1852nach 1902Adolf Langen war ein Neffe des Kölner Unternehmers Eugen Langen, nämlich ein Sohn von dessen Bruder Otto Langen, absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Kapitän, bevor er sich in den 1880er Jahren mit der Unterstützung seines Onkels und der Firma J. J. Langen & Söhne auf den Key-Inseln in Niederländisch-Indien mit einem eigenen Unternehmen zu etablieren versuchte, was ihm jedoch nicht gelang. Durch den Konkurs zunächst einer Ölmühle auf der Insel Timor, dann eines Sägewerks auf der Insel Toeal verursachte er der Firma J. J. Langen & Söhne einen Verlust in Höhe von 1,2 Millionen Mark. Später wurde er als Versicherungsbeamter in Hamburg tätig. Vgl.
Langen, Chronik der Familie Johann Jakob Langen
, S. 64;
Langen, Die Key- oder Kii-Inseln
;
Oepen-Domschky, Kölner Wirtschaftsbürger
, S. 169f.
Hansemann, Adolph (seit 1872: von)Adolph Hansemann Unternehmer, Bankier11870142827.07.182609.12.1903Adolph Hansemann durchlief eine kaufmännische Ausbildung und war als Geschäftsführer einer Tuchfabrik tätig, bevor er 1857 in die von seinem Vater gegründete Disconto-Gesellschaft in Berlin eintrat, die sich unter seiner Leitung zur größten deutschen Geschäftsbank mit Verbindungen in alle Welt entwickelte. 1872 wurde Adolph Hansemann in den Adelsstand erhoben. Er gehörte zahlreichen Aufsichtsräten von Montanunternehmen an und engagierte sich für den Eisenbahnbau. Seit den 1880er Jahren unterstützte er die deutschen kolonialen Bestrebungen in Ozeanien, Asien und Afrika und gehörte beispielsweise schon 1882 zu den Mitbegründern des Neuguinea-Konsortiums. 1889 wurde auf seine Initiative die Deutsch-Asiatische Bank (DAB) gegründet, über deren Konsortium für Asiatische Geschäfte sich die Disconto-Gesellschaft maßgeblich an der Schantung-Eisenbahn-Gesellschaft (SEG) und der Schantung-Bergwerks-Gesellschaft (SBG) in der Provinz Shandong in China beteiligte. Vgl.
Münch, Hansemann
;
Achterberg, „Hansemann, Adolph von“
;
Reitmayer, Bankiers im Kaiserreich
, passim.
O‛Keefe
Otto, Nicolaus AugustNicolaus August Otto (Nicolaus Otto)Kaufmann, Erfinder, Unternehmer11859085510.06.183226.01.1891Nicolaus Otto, der sich schon länger mit der Entwicklung eines modernen, leistungsfähigen Gasmotors beschäftigt hatte, gründete 1864 gemeinsam mit Eugen Langen die Firma N. A. Otto & Compagnie, die nur drei Jahre später auf der Weltausstellung in Paris erfolgreich einen solchen Gasmotor (Flugkolbenmotor) präsentieren konnte. Aus der Firma N. A. Otto & Compagnie ging 1872 die Gasmotoren-Fabrik Deutz AG hervor. Gemeinsam mit Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach trieb Nicolaus Otto in diesem Unternehmen die Entwicklung eines serienreifen Viertaktgasmotors voran, der unter dem Namen „Otto‛s Neuer Motor“ weltweit vermarktet wurde und bis ins 21. Jahrhundert hinein die Grundlage für den Bau von Verbrennungsmotoren darstellte. Da auch andere Erfinder zur Entwicklung des Verbrennungsmotors beigetragen hatten, sahen sich Nicolaus Otto bzw. die Gasmotoren-Fabrik Deutz AG später mit Patentstreitigkeiten konfrontiert. Vgl.
Seherr-Thoß, „Otto, Nicolaus“
;
Langen, Nicolaus August Otto
.
Wissmann, Katharina Hedwig von, geb. LangenKatharina Hedwig von Wissmann (Hedwig von Wissmann)08.12.18671949Hedwig von Wissmann, geb. Langen, war eine Tochter des Kölner Unternehmers Eugen Langen und vermählte sich im November 1894 mit dem deutschen Afrikaforscher und Kolonialoffizier Hermann von Wissmann. Sie war Namensgeberin des Dampfschiffes „Hedwig von Wissmann“, das in Hamburg gebaut worden war, in seine Einzelteile zerlegt und unter großem Aufwand und mit hohen menschlichen Verlusten an den Tanganyika-See in Afrika transportiert wurde, wo es am 20. September 1900 vom Stapel lief. Vgl.
Langen, Chronik der Familie Johann Jakob Langen
, S. 101;
Bechhaus-Gerst, „Hedwig von Wissmann“
.
Kolonialunternehmer, Kolonialunternehmen
Sägewerk; auch: Bandsäge, Gatter, Kreissäge, Säge, Sägeblätter, Sägegatter
Plantage; auch: Cultur, Estates-Geschäft, Pflanzung, Plantagengeschäft, Plantagengesellschaft
Kapitän; auch: Capitän, Capitain, captain (englisch), Kapitaen, Schiffscapitän
NabobDer aus Indien stammende Begriff „Nabob“ bezeichnete im Mogulreich einen Abgesandten des Kaisers. Später wurde er auch für indische Provinzgouverneure verwendet. Im 19. Jahrhundert kam eine weitere Bedeutungsebene hinzu: Als Nabob wurden nun auch Europäer bezeichnet, die es in Ostasien zu Vermögen gebracht hatten, bevor sie nach Europa zurückkehrten.
Pfennig, deutscher [Währungseinheit]; auch: Pf.Die deutsche Mark lässt sich in 100 Pfennige aufteilen.
Geld; auch: Baares, Geldmittel, Kassa-System, money (englisch), Verkehrsmittel, Zahlungsmittel
Mark, deutsche [Währungseinheit]; auch: M.Ursprünglich als Begriff für das Gewicht von Gold, Silber und Münzen verwendet, dann als Bezeichnung für verschiedene Münzen, darunter die in den norddeutschen Hansestädten gängige Courantmark, wurde die „Mark“ mit der deutschen Reichsgründung von 1870/1871 zur einheitlichen Währung des Deutschen Reiches. Sie lässt sich in 100 Pfennige aufteilen. Vgl.
Bott, Handwörterbuch des Kaufmanns, Bd. 3
, S. 833;
Junghans, Entwicklungen
.
Fuß [Längenmaß]; auch: ‘ (Symbol)Anders als das englische Längenmaß „foot“, das noch heute gebräuchlich ist und mit 30,4788 Centimetern angesetzt wird, wurde das deutsche Längenmaß „Fuß“ mit seinen regional sehr unterschiedlich ausgeprägten Längen, die zwischen 25,00 und 33,33 Centimetern schwankten, bereits durch den Norddeutschen Bund aufgegeben und 1875verbindlich durch das Metermaß ersetzt.
Schienen; auch: Geleis, Gleis, Schinen, Schinengeleise
Rad; auch: Schinenrad, Wagenrad
Achse; auch: AxeGemeint ist eine Achse zur Verbindung von Rädern für Waggons und Fahrzeuge.
Maschinen und Anlagen; auch: Apparat, Apperrat, machinery (englisch), Maschinenanlage
Fotograf, Fotografie; auch: Photograph, Photographie, photographische Produkte
Motor; auch: Benzinmotor, Gasmotor, Verbrennungsmotor
Zoll [Längenmaß]; auch: ‘‘ (Symbol) Das englische Längenmaß „Zoll“ entspricht einem „inch“, umgerechnet 2,5399 Centimeter.
Patent; auch: Patentrecht, Patentschutz
Zucker; auch: Raffinadezucker, Rohzucker, sugar (englisch), zeeker (niederländisch), zuykar (niederländisch), zuyker (niederländisch)
Preis; auch: Außenhandelspreis, Bruttopreis, Einkaufspreis, Facturapreis, Kaufpreis, Listpreis, Preisentwicklung, Preisverfall, price (englisch), Selbstkostenpreis, value (englisch), Verkaufspreis, Waarenwerth, Weerth, Wert, Werthbemessung
Subvention, staatliche; auch: Bonification, Government support (englisch)Der Begriff Subvention bezeichnet eine staatliche finanzielle Unterstützung, beispielsweise für die Einrichtung von Dampfschifffahrtslinien oder zur Förderung des Exports bestimmter Waren.
Blechdosen; auch: Blechbüchsen
Verpackung; auch: Emballage, Holzkiste, Kiste, Korb
Zentner [Gewichtseinheit]; auch: CentnerWährend in den deutschen Staaten vor der Gründung des Deutschen Zollvereins unterschiedlich schwere Zentner zu jeweils 100 Pfund existierten, legte der Zollverein 1858 eine einheitliche Definition fest: Demnach entspricht ein Zentner stets 100 Pfund zu genau 500 Gramm, mithin 50 Kilogramm. In vielen anderen Ländern auf dem europäischen Kontinent wird der Zentner hingegen mit 100 Kilogramm angesetzt, was im deutschen Verständnis einem Doppelzentner entspricht. Das angelsächsische Hundredweight entspricht nicht genau, aber in etwa dem deutschen Zentner.
Papier; auch: Pergament-Papier, Reispapier, Steindruckpapier, Zeitungspapier
Rechnung; auch: account (englisch), Factur, Factura, Faktur
Importe nach Niederländisch-Indien
Dampfschifffahrt; auch: Dampferlinie, Dampfschifffahrtsgesellschaft
Kölnische ZeitungDie seit 1798 erscheinende „Kölnische Zeitung“ war eine Tageszeitung, die sich als bürgerlich-liberal verstand und im 19. Jahrhundert rasch überregionale Bedeutung erlangte. 1945 musste sie ihr Erschienen einstellen.
„Pachtgebiet“; auch: KonzessionsgebietIm 19. Jahrhundert kam es in Ostasien, insbesondere in China, vermehrt zur Einrichtung von so
genannten „Pachtgebieten“. Dabei übernahm ein ausländischer Staat, etwa
weil er an der Errichtung eines Flotten- oder Handelsstützpunktes
interessiert war, die Oberhoheit über ein bestimmtes Gebiet innerhalb
eines anderen Staates. Die zu diesem Zweck geschlossenen Pachtverträge
zwischen den imperialen Großmächten und den souveränen ostasiatischen
Staaten kamen oft durch massiven politischen Druck und Androhung
militärischer Gewalt zustande und wurden für unterschiedlich lange
Zeiträume abgeschlossen. Deutschland beispielsweise schloss 1895 einen
Pachtvertrag mit China für ein Konzessionsgebiet in Hankow und erzwang zwei Jahre später durch
die Besetzung
der Bucht von Kiautschou im März 1898 einen weiteren
Pachtvertrag für das „Pachtgebiet Kiautschou“, der auf 99 Jahre
abgeschlossen wurde; die von Großbritannien und Russland im selben Jahr mit China geschlossenen Pachtverträge für Weihaiwei
bzw.
Port Arthur wurden dagegen
nur auf 25 Jahre abgeschlossen. Die Verwaltung eines Pachtgebietes, das
auch als Konzessionsgebiet bezeichnet wurde, ähnelte der einer Kolonie,
eines Protektorates oder eines Schutzgebietes, weshalb die Begriffe
häufig auch synonym verwendet wurden. - Aus juristischer Perspektive
sind dabei allerdings Unterscheidungen zu treffen. Vgl.
Zollmann, „Schutz“,
„Protektorat“, „Kolonie“
.
Bilanz; auch: balance sheet (englisch), bilanzieller Status
Europäer, Europäerin; auch: Westländer
Inventur; auch: Inventario, Inventarisirung
Kaufmann, Kaufleute; auch: Händler