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Nr. 2.5.1.03

Adolf Langen, Key-Inseln, an Eugen Langen, Köln, betr. die Schwierigkeiten beim Aufbau eines Sägewerks mit angegliederten Plantagen auf den Key-Inseln, 16. Juni 1885

Privatbrief

Regest:

Adolf Langen wendet sich mit diesem Brief erneut an seinen Onkel, den Kölner Unternehmer Eugen Langen, dem er bereits am 16. August 1884 geschrieben Dokument Nr. 2.5.1.01 und der ihm am 28. Oktober 1884 auch geantwortet hatte Dokument Nr. 2.5.1.02. Diesmal berichtet Adolf Langen ausführlich über die praktischen Schwierigkeiten beim Aufbau eines Sägewerks mit angegliederten Plantagen auf den Key-Inseln in Niederländisch-Indien. Er beschwert sich über die angebliche Inkompetenz und Unbotmäßigkeit einiger seiner Mitarbeiter, die ihm von der Firma J. J. Langen & Söhne zur Verfügung gestellt worden waren, die er nun aber maßgeblich für den ausbleibenden Erfolg seines eigenen Kolonialunternehmens verantwortlich macht. Dennoch bittet er um weitere, vor allem auch finanzielle Unterstützung durch seinen Onkel bzw. dessen Fürsprache bei J. J. Langen & Söhne.

Gedruckter Briefkopf:

L A N G E N & C o.
STOOM HOUTZAGERIJ „TOEAL“
CONTRACTANTEN VOOR ALLE SOORTEN HOUTWERKEN.
Key Eilanden
EN
Batavia



KEY EILANDEN, 16 Juni 1885

Mein lieber Onkel Eugen.

Mit letzter Post sandte ich an dich einen kurzen Bericht welcher gewiß unangenehm war nämlich, daß ich mich genöthigt gesehen hatte die technische Leitung selbst zu übernehmen und die Maschinen neu aufzubauen. In einem deiner Privatschreiben an mich in welchem du Herrn Berninghaus als Ingenieur empfiehlst schriebst du, wie du dich vielleicht erinnerst, daß in meinem richtigen Verhalten diesem Herrn gegenüber du eine Garantie sähest für das Gelingen des Unternehmens. Ich empfing Herr B. mit voller Freude und habe ihn stets freundschaftlich behandelt, wie auch kein hartes Wort zwischen uns gefallen ist. Zugleich aber verstand ich in obiger Andeutung auch zugleich einen Fingerzeig den Herrn B. selbständig arbeiten zu lassen zu dem Zwecke gab ich ihm den Posten als technischer Direktor und ließ ihm plein pouvoir alles nöthige zu thun, indem ich ihn auf keine Weise beschränkte hinsichtlich Arbeiter Material – Anordnung der Aufstellung der Maschinen etc – zudem mußte ich nach Koepang Batavia u. s. w. um für uns Aufträge zu sammeln. Ich wußte schon nicht recht was ich denken sollte, als Herr B. mir schrieb nach Macassar, daß die Maschine zu schwach sei um außer dem Gatter noch die Kreissäge zu treiben. Das Gatter bedarf vielleicht 4 Pferdekräfte und eine Kreissäge wie die unsere 2. Als ich nun nach fünfmonatlicher Abwesenheit nach Key kam, fand ich alles in einem solchen Zustande, daß ich mir sagen mußte, 1. können wir so nichts verdienen u 2tens ist Alles so liederlich zusammengestellt, daß binnen kurzer Zeit Alles ruinirt sein muß. Es gibt eben nur 3 Möglichkeiten entweder hat Herr B. aus irgend welchem Grunde uns ruiniren wollen resp. mich oder er hat auf meine Unkenntniß spekulirt um möglichst faul zu sein, oder er ist ein ganz unpraktischer Mensch, dem die Theorie nur in den Büchern sitzt. Da stand ich in einem keineswegs beneidenswerthen Dilemma. Ich hatte den Herren Langen Söhne geschrieben: jetzt muß die Karre laufen – und da lag sie im Dreck festgefahren. Nun ich kenne zwar eine Dampfmaschine habe auch vor 10 Jahren ein Examen in Maschinenkunde bestanden jedoch erstreckte sich dies nur auf Dampfschiffsmaschinen – so war mir ungefähr damals zu Muthe wie vor 6 Jahren als ich als Capitain einer Brigg in Nacht und Nebel im Sturm in die Nähe der Küste trieb und die Brandung hörte, so daß ich gezwungen war ein Maneuver auszuführen welches entweder Rettung oder sicheren Untergang bringen mußte, nämlich versuchen aufzukreuzen und deswegen dem Schiff eine Segelpressung zu geben wie der alte Kasten wohl noch nicht gehabt hatte – doppelt gefährlich

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im Nebel – alle 10 Minuten wenden und hätte in jener Nacht ein Tau gerissen oder eine Stange wäre gebrochen, so säß ich jetzt nicht hier. So zu Muthe war es mir als ich mich entschloß die Maschinen wegzunehmen u neu aufzusetzen. Herr B. ein studirter Ingenieur von den Herren L & S eigens herausgesandt dagegen stand allein mein gesunder Menschenverstand. Traute ich mir zu viel zu, so hätte es gehießen warum ließest du dein Finger nicht davon. Niemals habe ich heißer gewünscht dich einen Augenblick hier zu haben und ich hatte einen harten Kampf in meinem Innern zu bestehen ob ich es wagen dürfe auf mich zu nehmen. Da es aber immer schlechter ging, das ganze Gebäude zitterte resp. wackelte wenigstens 1 Centimeter und mit ihm das anpostierte Wohngebäude und Comptoir – die Antwort des Herr Berninghaus war die Riemen geben so viel nach, das schadet nichts. Das Fundement der Säge hob und senkte sich mit jeder Umdrehung bis zu 2 Centimeter – die Antwort des Herrn B. war, das schadet nichts, trotz dem ihm bereits einmal der Rahmen mit seinen Gleitstücken über die Führungsleisten gesprungen war – trotz dem ihm bereits mehrere Sägen gesprungen waren und die Führungsleisten in unglaublich kurzer Zeit ausschlissen und stets warm liefen. Das liegt am Oelen die Leute passen nicht auf waren die Antwort des Herr B. und doch würde täglich mehrere Liter Oel gebraucht. Mit 120 Pfund Druck würde gearbeitet der Exkavator1 stand immer sperr weit offen. Die Maschine mußte 120 Umdrehungen machen und doch war der Dampf nicht ausreichend, denn die Maschine mußte häufiger Stunden weise stille stehen, ehe Dampf genug da war – der Kessel ist zu klein heißt es von Herrn B. und trotz dem gebrauchte er 4 Cubicmeter Holz in den 12 Stunden resp. 16 Stunden Arbeitszeit der Cubicmeter kostete 2 1/2 Gulden – dazu 6 Mann beständig am Holz hacken und 2 Mann am Asche tragen, jeder mit einem Gulden Gehalt. Dabei war der Kessel warm 9 Zoll gesunken alles war krumm und schief. Die Bretter wurden unegal geschnitten. Wellenförmige Streifen es folgt eine Handzeichnung zu den wellenförmigen Streifen augenscheinlich eine Folge der Bewegung des Fundaments aber nein das lag am Holze – sagte Herr B. Es war nicht möglich einen Balken rechtwinkelig zu schneiden, das lag am Auflegen und Festschrauben derselben sagte Herr B. Als ich 14 Tage hier war fiel der Ofen zusammen – nachdem er 5 Wochen gebrannt resp. benutzt worden war dies war der 5te Ofen im halben Jahr. – Da setzte ich die Maschine still und sagte dem Herrn Berninghaus, ich werde einige Umänderungen machen

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und da er doch nachher beim Wasserfall thätig sein würde, wäre es mir lieb, falls er bereits dorthin ginge um die nöthigen Vorkehrungen zu treffen, auch wäre es mir darum zu thun selbst zu sehen wie ich mit Winkhaus auskomme, ob derselbe später allein die Fabrik beaufsichtigen könne. Ich wurde somit zum Entschluß gedrängt und ließ alles mit Ausnahme der Dampfmaschine wegnehmen. Ich baute neue Steinfundamente, mag sein daß ich einige Fässer zuviel Cement gebraucht setzte das Gatter und Kreissäge aufs neue auf zog eine Mauer unter den Kessel der auf einem zu Staub gebrannten Balken gelegen hatte und baute einen neuen Ofen. Der zusammengefallene war aus Ziegelsteinen mit Kalkmörtel gebaut gewesen. Er war weiter nichts als ein ausgemauertes Loch in die Erde mit mehreren zehn Luftlöchern und oben ein Loch zum hineinwerfen des Holzes und unten zum herausziehen der Asche – noch durch einen gemauerten Canal mit dem Kessel direct verbunden daß ein Reinigen des Kessels d. h. des Hauptrohres nicht möglich war. Da mir ein derartiger Feuer und Wärmeerzeuger welcher mehr wie ein Meiler arbeitete als wie ein Gasofen zu primitiv war und ich eine halbe Schiffsladung Holzkohle vorfand welche nicht mehr verwendbar war und eine Schiffsladung Sägemehl und Holzsplitter, Rinde Abfall beim Holzhacken des Brennholzes (die Kreissäge konnte nicht laufen) nahm ich den mir von dir geschenkten Muspratt2 zur Hand und fand unter Feuer und Heizungsstoffen einen Ofen beschrieben zur Holzfeuerung einen sogenannten Pultofen, welcher gleich hinter der Beschreibung des Langenschen Rostes steht und mit demselben einigermaßen verglichen wird. Herr B. schien denselben gar nicht zu kennen, ich entschloß mich aber einen solchen zu bauen, machte mir eine Zeichnung wobei ich jeden Stein einzeichnen musste um die untersten Lagen richtig anzufangen, ich habe den selben wie nebenstehende Skizze mit 2 Bogen im inneren und 2 Gängen zum Hauptcanal welche überwölbt sind gebaut. Dazu zum völligen verbrennen der Kohle einen mit dem Pultofen in Verbindung stehenden Rostofen.

Es folgt eine detaillierte Zeichnung des von Adolf Langen gebauten Ofens

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Ich weiß nicht ob du aus der Zeichnung klug wirst: das Innere des ganzen Ofens ist 1,3 Meter breit und sind rechts und links aufrecht stehende Mauern mit je einer Regulirthür versehen (Schiebethüre) parallel mit diesen sind 2 Bogen ausgeführt – auf diese Bogen und einen Ansatz der Mauern rechts und links in gleicher Höhe kommt das Holz zu liegen welches von oben immer zugefüllt wird. Das Feuer des Holzes welches zwischen den beiden Bogen durchgeht zieht direkt durch den Hauptcanal in das Kesselflammrohr. Das Feuer welches zwischen Bogen und Seitenmauer durchgeht zieht durch überwölbte Seitengänge in den Hauptcanal und so ins Flammrohr an einer Wand ist von außen ein einlegbares Loch gelassen zum Reinigen der Gänge –gleichfalls im Hauptcanal dem Flammrohr gegenüber zum Reinigen des letzteren. Wenn das Holz oben d. h. die unteren Lagen soweit durchgebrannt sind daß die glühenden Kohlen herunterfallen gelangen dieselben im Feuerraume zur Verbrennung. Je nach Stellung der unteren Regulirthüren ist der Zug mithin die Verbrennung des oberen Holzes eine größere oder geringere und mit richtiger Wartung gelangt alle Kohle unten zur vollständigen Verbrennung. Zum Bau des Ofens sind beinahe 6000 Steine gegangen und habe ich Lehmmörtel gebraucht und oben wo der Ofen mit der Luft in Berührung kommt habe ich Lehm mit Cement gebraucht. Hinter dem Raum wo die glühende Kohle zur Verbrennung kommt ist ein durchgehender überwölbter Raum welcher mit dem Hauptofen in Verbindung steht durch eine Öffnung. In diesem Raum liegt ein Rost und da jeden Sonnabend der Ofen gründlich gereinigt werden muß, da wir Sonntags still stellen, so wird alsdann die herausgezogene Asche und Kohle auf diesen Rost geworfen, auf welchem sie langsam zur Asche verbrennt und ihre Wärme noch an den Ofen zum großen Theil abgiebt. Hier verbrennt alles innerhalb der Woche zu weißer Asche, welche wir in letzter Zeit zur Seifenbereitung für eigenen Bedarf benutzt haben. Es wird also am Samstag zunächst die Asche ein grauer Staub aus dem Rostofen genommen, dann das klein gebrannte Feuer und Asche aus dem Hauptofen in den Rostofen gethan und der Hauptofen in Canälen und Flammenrohren gereinigt. Sonntags Nachts wird um 12 Uhr in den Hauptofen unten kleines Holz geworfen und oben die Feuerungsöffnung mit Holz dichtgelegt. Durch die im Rostofen enthaltene Hitze wird das untere Holz in Brand gesteckt und es entsteht ein Zug im Kessel und Kamin, nach einiger Zeit entzündet sich die unterste Lage des oberen Holzes und brennt nach unten etwaige Kohlen fallen bei der fortgeschrittenen Verbrennung auf den treppenförmigen Abfall in den unteren Theil des Ofens – Ich habe den Ofen mit Absicht etwas groß gebaut denn die Öffnung zum Holz einlegen konnte ich immer ein kleiner machen und habe ich sie jetzt auf des richtige Maaß gebracht 70 centim. lang 1.30 breit, und gebrauche ich gegenwärtig 1/2 cubicmeter Holz

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innerhalb 12 Stunden. Zur Zeit des Herrn B. wurde Morgens 1/2 Stunde und Mittags 1 Stunde stillgesetzt – was es heißt einen Kessel mit 120 Pfund Druck stillsetzen durch Aufmachen der beiden Thüren welche in den Raum zwischen den Siederohren und dem Kamine den Luftzutritt gestatten, kannst du denken und wenn du ferner bedenkst, daß gerade über dem Kessel ein Vorwärmer angebracht war des Speisewassers, welcher stets leckte gerade auf den Dom, so kannst du auch wohl begreifen, daß ein solcher Kessel stark leiden mußte um so mehr weil er nicht gereinigt werden konnte. Der Dom leckte auch an zwei Stellen – auf meine Fragen ob nichts geschehen könne um diese Lecke zu stoppen sagte Herr B. Nein das ginge nicht, wenn man sich einmal ans Stopfen gäbe so würde es immer schlimmer. Hinter meinem Rücken sagte er mit einem solchen Kessel dürfe man nicht in Europa arbeiten. Vor 14 Tagen nun bekam ich erst die Zeit selbst einmal daranzugehen, nachdem ich vorher den Winkhaus habe daran dichten lassen, derselbe konnte aber nichts zu Stande bringen sondern machte es nur noch schlimmer mit seinem Stemmen gestand auch daß er nichts davon verstehe. Da gab ich mich denn selbst vor 14 Tagen Sonntags ans Stemmen wie man neue eiserne Schiffe stemmt und siehe da mit ein wenig Geduld und Spucke war an dem Sontag die eine Hälfte und am anderer Sonntag die andere Hälfte ganz dicht und hielt beim Kaltwasserdruck einen Druck von 120 Pfund aus ohne zu lecken.

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Kurz und gut der Kessel ist wieder ganz in Ordnung.

Den Hauptfehler des Herrn B. glaubte ich aber in der Ubertragung der Kraft suchen zu müssen und da ich sah, daß er eine falsche Antriebswelle und -riemscheibe hatte, so machte ich ihn darauf aufmerksam, daß die Maschine zu schnell laufen müsse weil seine Ubertragung nicht die richtige – Geschwindigkeit ist Kraft war die weise Antwort – Natürlich nahm ich die Welle herunter brachte die richtige Welle und Scheibe an und da zeigte sich daß dies der Hauptfehler war. Die Welle soll 150 Touren machen um Gatter Kreissäge alle richtig zu treiben. Die Dampfmaschine war berechnet auf 82–85 Touren und die Antriebsscheiben waren demgemäß berechnet, zugleich hatte ich doppelten Antrieb der Sicherheit halber machen lassen entweder vom Schwungrad mit Nuten, welches einen Durchmesser hat von 1.82 Meter auf Seilscheibe zu 0.98 Meter oder Riemscheibe 0.91 auf Riemscheibe 0.49 Meter – Statt letztere Scheibe hatte er ein von es folgt ein freigelassener, nicht genutzter Wortzwischenraum … M Durchmesser. Natürlich lief alles viel zu langsam und was thut Herr B. er nimmt den Regulator ganz weg – (später ließ er eine Holzscheibe aufsetzen – ) und läßt die Maschine 120 Touren machen. Der Cylinder ist 0.51 Meter Cub bei 0.24 innerem Durchmesser also lang und schmal und soll der Dampf mit Expansion arbeiten. Um nun diesen Cylinder 120 Touren machen zu lassen gebrauchte derselbe eine Masse Dampf. Um genug Dampf zu bekommen mußte mit 100 Pfund mindestens gearbeitet werden weil der Exkavator beständig am Blasen bleiben mußte und beinahe ebenso viel Dampf gebrauchte wie die Dampfmaschine – Da ists kein Wunder wenn täglich 4 Cubicmeter Holz verprasst worden sind. Auf meine Frage warum Herr B. die Seilscheibe nicht mit aufgesetzt erhielt ich zur Antwort, daß die Nuten eine ganz veraltete unbrauchbare Form hätten. Nun ist ein Riemen nicht immer zu haben wohl aber kann ich von jedem Schiff ein Stück Tau bekommen, so daß es mir leid that, daß es nichts taugen sollte, beschloß aber die Geschichte zu prüfen und probiren. Also nachdem Fundamente neu gelegt die Maschinen neu aufgesetzt der Kessel restaurirt der neue Ofen gebaut, die richtige Antriebswelle eingelegt mit Riem- und Seilscheibe ließ ich nachdem ich den Ofen hatte 3 Wochen austrocknen lassen endlich mit bangem Herzklopfen Feuer anlegen. 2 Seile hatte ich eingespleißt und aufgelegt und als nun Alles klappte und das Fabrikgebäude sich nicht mehr bewegte, ich hatte es durch diagonale Verbindungen gestärkt – da endlich athmete ich auf. Das Resultat war folgendes:

früher 4 Cubicmeter Holz jetzt 1/2 Cubicmeter täglich
früher 4 Cubicmeter Holzkohle ausgezogen jetzt keine
früher kein Mehl verbrannt jetzt alles Mehl verbrannt
früher 6 Mann Holzhacken jetzt Kreissäge 1/2 Stunde Arbeit
früher 12 Stunden Arbeit, darin 1 1/2 Stunden Freizeit & 2 Stunden kein Dampf jetzt 24 Stunden ununterbrochene Arbeit

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Ich habe 2 Chinesen und 4 Inländer an der Säge welche sich gegenseitig alle 6 Stunden ablösen, auch 2 Heizer. Alle diese Leute habe ich selbst angelernt und kann sie jetzt alleine arbeiten lassen.

Ferner wurden früher täglich mindestens 6 manchmal 8 Sägeblätter gebraucht und waren mehrere Hundert Feilen verbraucht worden. Ich fand beim Mann welcher die Sägen durch Feilen zu schärfen hatte 20 Duzend neue und an die 500 alte resp. einmal gebrauchte, zu jeder Säge eine neue Feile eine Art Controlle bestand gar nicht. Die Fabrik war ein Schweinestall, nichts gereinigt, die Reservetheile des neuen Gatters habe ich unter dem alten Eisen hervorgesucht – Von 4 Rahmen war der letzte in Gebrauch und nichts reparirt worden – keine Ordnung kein System, Faullenzen und Saufen das war Tagesordnung gewesen. Vielleicht hat Herr Müller eins und anderes dir mitgetheilt in der Zeit meiner Abwesenheit. Hätte ich damals Willy nicht hier gehabt ich hätte den Muth verloren. Der liebe Junge suchte mir zu helfen wo er konnte aber er ist keiner der Stärksten und mußte ich es ihm verbieten. Jeden Stein des Fundaments und Ofens habe ich selbst hingelegt resp. legen müssen – und kein einziger der Herren der zu mir gekommen wäre und hätte gesagt kann ich ihnen nicht etwas helfen, langsam ging es nur voran wenn ich auch ununterbrochen arbeitete – Ich litt dabei an Mundfäule und Rheumatismus, bekam auch die Wasserpocken und starkes Fieber aber stärker noch war meine Aufregung ob es auch gelingen solle. Nun Gott sei Dank die Zeit ist mal wieder vorbei und habe ich mal wieder reine Luft geschafft – Herr B. und Herr Lührs zusammen mit einem gewissen Baum aus Cöln welcher vor 3 Monaten hier ankam um als Volontair zu arbeiten habe ich verabschiedet. Das Saufen und Spektakeln war immer schlimmer geworden, eines Abends nachdem ich schon längere Zeit hindurch Nachts war gestört worden war auch wieder wie gewöhnlich Abends große Sauferei mit Singen resp. Brüllen. Ich war 3 mal aufgestanden und hatte mich wieder gelegt um zu versuchen zu schlafen. Es war aber nicht möglich bei dem Geschrei und Gebrüll. Als ich nun nach der Uhr sah und es halb eins war schickte ich meinen Jungen (inländischen Bedienten) mit meiner Tafel herauf zu den Herrn und hatte ich auf dieselbe geschrieben: ich bitte die Herren freundlichst einige Rücksicht auf meine Nachtruhe zu nehmen. Langen. Als Antwort schickte mir Herr Berninghaus die in 100 Stücke gebrochene Tafel zurück und Herr Lührs kam ½ Stunde später noch einmal heraus und brüllte ein Lied mir zum Hohn. Am anderen Tage sagte ich Nichts bis nach 8 Uhr, rief dann die Herren zusammen und frug sie ob es recht wäre mir eine solche Antwort zu geben wie sie es gestern gethan, und daß ich erwartet hätte ein Wort der Entschuldigung zu hören.

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Daß ich doch glaube, sie seien mir einige wenige Rücksicht schuldig. Darauf erwiederte Herr Berninghaus, daß er als ältester Angestellter hier glaube eingreifen zu müssen, daß nichts Unanständiges wäre vorgefallen und er seine persönliche Freiheit gewahrt wissen wolle – ich antwortete ihm daß wir in diesem Falle nicht mehr zusammen arbeiten könnten und ich ihn ersuche mit nächster Post Key zu verlassen. Herr Smith bat um Entschuldigung. Herrn Lührs dagegen und Herrn Baum verabschiedete ich auch. Die Herren zogen es vor einige Tage später mit einem kleinen Fahrzeuge3 nach Banda zu fahren anstatt hier die Mail4 abzuwarten. Als es endlich ruhig geworden fühlte ich wieder neue Lust zur Arbeit und so habe ich noch eine Bandsäge gebaut und eine Holzdrehbank. Zum Antrieb benutze ich eine der Spinnmaschinen welche ich umgeändert habe um zu gleich auch die Schmiergelscheibe, welche ich zum Schärfen der Sägeblätter gebrauche anstatt feilen zu treiben – ferner habe ich einen Fußboden gelegt 3 Lagerräume gebaut und etwas Ordnung in das ganze gebracht – Herr Kugeler hat die Bücher welche auch sehr nachlässig geführt wurden übernommen und letzte Woche haben wir endlich zum erstenmale eine ordentliche Aufnahme gemacht – Als Verlust sehe ich an den durch Ocean Pearl erlittenen circa 20000 Gulden und circa 30000 Gulden welche sich aus Unkosten zusammen setzen die das Geschäft durch europäische Employés gehabt – also eigentlich nicht zum Verlust gerechnet werden dürfen sondern zum Werthe der aufgestellten Gebäude und Maschinen hinzugefügt werden müssen. Dieselben sind nur zum Selbstkostenpreis aufgeführt i e. Ankaufspreis Fracht u Versicherung – . Der Verlust Ocean Pearl muß durch Reperatur und Bau anderer Fahrzeuge ersetzt werden. Nun nach dem vorgesagten wirst du einsehen, weshalb noch bis jetzt keine Erträge aufzuweisen sind. So lange ihr an eurer Zuckerfabrik bautet konntet ihr doch nicht erwarten etwas zu verdienen, Alles was bis jetzt exportirt worden ist die Passage „Alles was bis jetzt exportirt worden ist wurde nachträglich unterstrichen sind circa 1200 Balken die Worte „1200 Balken“ wurden nachträglich unterstrichen und einige Hundert Bretter – und dabei haben die sauberen Herren die Passage „einige Hundert Bretter – und dabei haben die sauberen Herren“ wurde nachträglich unterstrichen in meiner Abwesenheit die Bestellung von Dehli nach Koepang und das für Koepang bestellte nach Delhi geschickt – (sie waren betrunken) so daß ich die Posten mit dem Postdampfer umwechseln mußte mit Unkosten. Dabei konnte nichts verdient werden. Jetzt läuft die Säge Tag und Nacht ohne Stillstand ich habe einen Hängewagen gebaut, so daß die 2 Leute welche die Säge bedienen auch den schweren Balken auflegen können – ich habe 2 chinesische Sägemeister und 2 Heizer angelernt, unsere Unkosten sind um vieles reducirt, ich arbeite mit 40 Pfund Dampfdruck (24 Pfund ist genug für das Gatter – für Gatter und Kreissäge 30 – beide mit Bandsäge, Schleifstein, Schmiergelstein und Drehbank für Eisen und Drehbank für Holz – 40 Pfund – Holzverbrauch zur Feuerung 1/2 Cubicmeter für 12 Stunden = 1 ¼ Gulden
[8. Blatt, Rückseite, rechter Rand: Anstreichung durch den Empfänger über mehrere Zeilen von „Alles was…“ bis „…sauberen Herren“
]

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Früher Unkosten des Feuerungsmaterials inclusive Kleinhacken 16 Gulden. In der Nacht wird dasselbe geleistet wie am Tage wir haben kürzlich da wir nur 3 centimeter dicke Bretter schnitten am Tage 106 und Nachts 108 geschnitten – Nun lieber Onkel wartet das Ende des Jahres ab und ich bin überzeugt eine besser Bilanz zu machen. Allerdings habt ihr viel Geld auf dem Spiele stehen aber ich habe meinen gute Namen meine Zukunft meine Ehre auf dem Spiele stehen und ich setze die besten Jahre meines Lebens ein, hätte ich kein begründetes Vertrauen zur Sache, hätte ich längst aufgehört, denn mehr Arbeit mehr Ärger und Verdruß, mehr Ankämpfen gegen Hindernisse glaub ich nicht leicht anderswo zu finden – und ich bin dabei zufrieden, nur mußt du mir dein Zutrauen bewahren – ich habe wahrhaftig Nichts aufgeschnitten oder etwas schlimmer gemacht oder übertrieben um mich herauszustreichen. Wenn ich nicht eher schrieb, so geschah dies um meiner Sache ganz sicher zu sein und die Onkel nicht unnöthig zu beunruhigen. Jedenfalls habe ich vom Herrn Berninghaus gelernt wie man Maschinen nicht aufstellen soll, allerdings ist das Lehrgeld ein theueres gewesen, es wird aber seine Früchte tragen. Von Anfang Febr. bis Ende Mai hat die Fabrik stillgestanden. Von Batavia für 12000 Eisenbahnschwellen bestellt aus Macassar 700 Brückenplanken. Planken für Anlegebrücke und Holz zum Kirchenbau. Dergleichen wird von Delhi wieder um Holz angefragt. Der Oberst der Genie5 hat sich nach uns erkundigt und Holzmuster erbeten. Verkaufen d. h. Absatz finden soll ich schon, nur müssen wir arbeiten können. Ich bin ungeheuer froh, daß Gottfried und Herr Zeltz endlich die Passage „Gottfried und Herr Zeltz endlich“ wurde nachträglich unterstrichenangekommen – Gottfried scheint sich für das Unternehmen sehr zu interessiren und laß ich ihn zuerst den Betrieb lernen, er hat sich gleich gut hineingefunden und werde ich mehr an ihm haben als an Herrn B. Herr K unser Buchhalter liebt wohl ein Gläschen im Stillen aber nicht im Ubermaaß, ist ein methodisch arbeitender Mann, scheint guter Buchhalter zu sein und wenn er auch nicht zum Chef taugt ist er jedenfalls eine brauchbare Thatkraft die wir nöthig haben. Im September muß ich nach Koepang und Batavia wo meine Anwesenheit nöthig wird. Bis dahin wird Gottfried genügend sich eingearbeitet haben. Korperlich geht es uns allen soweit gut. Im Dorfe sind die Masern ausgebrochen auch mein Pflegesohn Jaerbus6 und meine Dienstboten haben die Krankheit. Viele Grüße an deine liebe Frau und alle Kinder

Dein

Adolf