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Der Dampferverkehr Europas nach dem Osten war noch sehr knapp entwickelt, und besonders die deutsche Flagge war sehr kärglich vertreten, hauptsächlich durch die Hamburger Kingsin Linie, die der Witz im Osten aber „Sinking Line“ betitelte, weil sie häufig Schiffsverluste zu erleiden hatte. Unser sehnlichster Wunsch|2. Seite, 81| ging dahin, selbst die Vertretung einer regelmäßigen Dampferlinie zu gewinnen, und uns wurde schließlich 1886 die Erfüllung dieser Sehnsucht zuteil, indem die Reichspostdampferlinie des Norddeutschen Lloyd errichtet und die Vertretung uns übertragen. Vorher (1885) betraute uns schon die Navigacione Generale Italiana mit der Vertretung der Dampferlinie Genua–Bombay–Singapore; ferner hatten wir angefangen, selbst Segler und Dampfer für die Heimreise vom Singapore und Penang nach Marseille, Holland und Hamburg zu chartern, so daß uns jetzt mehrfach monatliche Ablademöglichkeiten zur Verfügung standen und uns erlaubten, unsere Ausfuhr von Landesprodukten erheblich zu steigern. Mir als shipping clerk oblag die Pflicht, die Ladung für die Schiffe zu beschaffen, und ich erinnere deutlich, wie derzeit das Gefühl, der vaterländischen Flagge und Wirtschaft dienstlich und nützlich zu sein, meine Schritte beflügelte. … Im Jahre 1886 hatte ich die Aufgabe zu lösen, dem Norddeutschen Lloyd den jährlichen Transport großer Mengen Rohtabak der Deliplantagen von Sumatra nach Amsterdam zu sichern, welcher Verfuhr bis dahin in den Händen der Ocean Steamship Company, Liverpool, war. Ich reiste mit dem Lokaldampfer dieser Konkurrenzlinie nach Deli und schloß Verträge für die jährliche Verfrachtung von ca. 75.000 Ballen Tabak ab, welches Quantum auch im Verlaufe weiterer 25 Jahre dem Norddeutschen Lloyd erhalten blieb. Zunächst musste aber unsere Firma obige Verfrachtung für gemeinschaftliche Rechnung mit dem Norddeutschen Lloyd übernehmen, da dessen Postdampfer nur einmal monatlich fuhren und nicht genügend Raum für das kontrahierte Quantum hatten. Wir mussten also monatlich mindestens einen Extra-Dampfer chartern für gemeinschaftliche Rechnung, welcher dann außer mit Tabak auch mit Straits-Produkten gefüllt wurde. Wir bevorzugten für diese Charter natürlich die deutsche Flagge und haben so jahrelang viele Dampfer Hamburger und Bremer Reedereien für unsere Zwecke gechartert, häufig 2 bis 3 Dampfer monatlich, darunter viele von Robert M. Sloman & Co.s Australfahrt, und solche der Herren B. Wenke Söhne sowie D. H. Wätgen & Co., Bremen.
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ca, ca.circa (lateinisch)
Behn, Meyer & Co. (seit 1906: Ltd.), SingapurDas 1840 von Theodor August Behn und Valentin Lorenz Meyer gegründete Handelshaus Behn, Meyer & Co. in Singapur entfaltete eine rege Geschäftstätigkeit, vor allem in Südostasien, geriet 1857 jedoch in eine schwere Krise, die vor allem dank Arnold Otto Meyer, eines jüngeren Bruders von Valentin Lorenz Meyer, der seit 1851 zu den Teilhabern zählte und außerdem kurz zuvor eine eigene Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg etabliert hatte, bewältigt werden konnte. In den 1880er und 1890er Jahren engagierte sich die Firma Behn, Meyer & Co. verstärkt im Schiffsgeschäft und übernahm die Vertretung namhafter Dampfschifffahrtsgesellschaften, darunter seit 1887 der Norddeutsche Lloyd in Bremen, seit 1890 die Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft in Hamburg und seit 1897 die Hamburg-Amerika-Linie in Hamburg. Treibende Kraft in diesem Geschäftsfeld war Franz Heinrich Witthoefft, der seit 1900 neben Eduard Lorenz Meyer und Adolf Laspe zu den drei Teilhabern zählte. 1891 wurde eine erste Niederlassung in Penang eröffnet, die sich dem Handel mit Zinn zuwandte. Im Jahr 1900 versuchte man auf den Philippinen Fuß zu fassen, 1901 wurde eine weitere Niederlassung in Sandakan (Britisch-Nordborneo) eröffnet, die zugleich als Agentur der Chartered Bank of India, Australia and China fungierte. 1906 wurde die Firma in eine britische Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt, die Behn, Meyer & Co. Ltd. mit Sitz in Singapur. Alleinige Aktionäre blieben die drei bisherigen Teilhaber, die sich künftig auf die Leitung der „Schaltzentrale“ Hamburg konzentrierten und sich in Singapur nicht länger auf Teilhaber, sondern auf angestellte Manager stützten. 1906 wurden zudem neue Niederlassungen in Cebu, Zamboanga und Ilo Ilo auf den Philippinen eröffnet sowie eine Beteiligung an der Singapore Rubber Company Ltd. in Singapur erworben, um am „Rubberboom“ partizipieren zu können. 1907 kam eine weitere Niederlassung in Bangkok (Siam) hinzu. Im Jahr darauf erfolgte die Übernahme der Handelsgesellschaft vorheen Helfferich & Rademacher mit Niederlassungen in Batavia, Surabaya, Telok Betong und Samarang in Niederländisch-Indien. 1913 gab es bei Behn, Meyer & Co. Ltd. mehr als einhundert europäische Angestellte. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam 1914 noch eine Niederlassung in Rangun (Britisch-Burma) hinzu. Vgl. ausführlich zur Unternehmensgeschichte, die aufgrund erhalten gebliebenen Überlieferungen eingehend untersucht werden kann:
Arnold Otto Meyer, Hamburg (Behn, Meyer & Co., Singapore, Penang, Manila und Sandokan)
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Sieveking, Anfänge des Hauses Behn-Meyer & Co.
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Sieveking, Behn-Meyer & Co.
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Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 1
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Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 2
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Kleinsteuber, Merchants
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Yacob, Trans-generational Renewal
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Yacob, Rising of the Phoenix
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Fiedler, Von Hamburg nach Singapur
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Arnold Otto Meyer, HamburgDie Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg wurde 1857 von dem in die Hansestadt zurückgekehrten Arnold Otto Meyer gegründet, der zuvor einige Jahre in dem von Theodor August Behn gemeinsam mit seinem älteren Bruder Valentin Lorenz Meyer etablierten Handelshaus Behn, Meyer & Co. in Singapur tätig gewesen war. Die neue Firma in Hamburg sollte die Interessen von Behn, Meyer & Co. in Deutschland und Europa wahrnehmen. Arnold Otto Meyer trug durch seine persönliche Präsenz in Hamburg maßgeblich dazu bei, dass die Firma Behn, Meyer & Co. mit ihren internationalen Verflechtungen die Weltwirtschaftskrise von 1857 weitgehend unbeschadet überstand, denn es gelang ihm, ihre Gläubiger in Hamburg, Bremen und London zu einem langfristigen Zahlungsaufschub zu bewegen. Da er im Sommer 1862 zur Überwindung der Krisenfolgen nochmals für einige Jahre nach Singapur zurückkehrte, spielte die von ihm gegründete Firma Arnold Otto Meyer zunächst nur eine untergeordnete Rolle. Das änderte sich, als Arnold Otto Meyer 1864 nach Hamburg zurückgekehrt war und die Geschicke der beiden Schwesterfirmen nun von Hamburg aus als deren führender Kopf zu lenken begann. Mit den anderen Teilhabern von Behn, Meyer & Co. in Singapur stand er in einem intensiven brieflichen Austausch. Als er sich zur Jahrhundertwende aus den beiden Schwesterfirmen zurückzog, um ihre Geschicke künftig nur noch als stiller Gesellschafter zu begleiten, übernahmen sein Sohn Eduard Lorenz Meyer, Adolf Laspe und Franz Heinrich Witthoefft die verantwortliche Leitung der Geschäfte. Unter ihrer Führung entwickelte sich die Firma Arnold Otto Meyer zur eigentlichen Schaltzentrale des Handelshauses Behn, Meyer & Co. in Singapur, das 1906 in eine Aktiengesellschaft britischen Rechts umgewandelt wurde und nun stark expandierte. Die Firma Arnold Otto Meyer selbst eröffnete vor dem Ersten Weltkrieg keine Niederlassungen in Ostasien, beteiligte sich aber an einigen Gesellschaften, so beispielsweise an dem 1910 gegründeten Straits und Sunda Syndikat, das in die Plantagenwirtschaft Südostasiens investierte. Vgl.
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 1
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Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 2
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Kleinsteuber, Merchants
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Deutsche Dampfschiffs-Rheederei zu Hamburg (Kingsin-Linie)Die 1871 gegründete Deutsche Dampfschiffs-Rheederei zu Hamburg (Kingsin-Linie) war eine private Gesellschaft, die mit ihren
Fracht- und Passagierschiffen
regelmäßig zwischen Hamburg und China verkehrte. 1883 wurde auch Japan in die Routen mit einbezogen. Seit 1887 bot die Kingsin-Linie sogar einen zweiwöchentlichen Post- und Passagierdienst nach Ostasien an. Angesteuert wurden dabei alle großen Häfen in China und Japan, darunter Hongkong und Yokohama. Außerdem beförderte die Kingsin-Linie nun Frachten, die für Ziele in Java, Sumatra, Cochinchina, Siam, China, den Philippinen oder entlang des Amurs (Heilong Jiang) bestimmt waren. 1890 wurde die Kingsin-Linie von der HAPAG übernommen, die nun den regelmäßigen China-Verkehr mit anbot. Vgl.
Eberstein, Hamburg - China
, S. 160, 175;
Seiler, Ostasienfahrt
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B. Wencke Söhne, Bremen / HamburgDie von Bernhard Wencke 1839 in Bremen gegründete Werft wurde von seinen Söhnen Friedrich Wencke und Heinrich Wencke weitergeführt, 1851 nach Hamburg verlagert und um eine Reederei erweitert, die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer der größten in Hamburg entwickelte. Der Werftbetrieb wurde um 1900 verkauft, die Reederei nach dem Tod Friedrich Wenckes im Jahr 1906 aufgelöst.
Bessell
, Georg: Norddeutscher Lloyd: 1857–1957. Geschichte einer bremischen Reederei, Bremen 1957
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Witthöft
, Hans Jürgen: Norddeutscher Lloyd [zuerst: 1973], Hamburg 1997
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, Norddeutscher Lloyd
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, Reinhold: Die Geschichte des Norddeutschen Lloyd 1857–1970 in fünf Bänden, Bd. 1: 1857–1883 (2001), Bd. 2: 1884–1899 (2002), Bd. 3: 1900–1919 (2003), Bd. 4: 1920–1945 (2004), Bd. 5: 1945–1970 (2005), Bremen 2001 bis 2005
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, Geschichte des Norddeutschen Lloyd
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Ostersehlte
, Christian: Der Reichspostdampferdienst des Norddeutschen Lloyd, in: Roder, Hartmut (Hg.), Bremen - Ostasien. Eine Beziehung im Wandel. 100 Jahre Ostasiatischer Verein Bremen, Bremen 2001, S. 215–220
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, Christian: Der Liniendienst des Norddeutschen Lloyd nach Ostasien, in: Roder, Hartmut (Hg.), Bremen - Ostasien. Eine Beziehung im Wandel. 100 Jahre Ostasiatischer Verein Bremen, Bremen 2001, S. 223–226
Ostersehlte
, Liniendienst des Norddeutschen Lloyd
2001
Singapur, auch: Sincapore, Singapore
Hamburg
London
Penang [Insel in der Straße von Malakka]; auch: Prince of Wales Island (englisch), Pulo Pinang (malaiisch)
Europa; auch: Europe (englisch)
Sumatra [Insel in Niederländisch-Indien]
Bremen
Ostasien; auch: East Indies (englisch), Indien, Ostindien, „Osten“Der Begriff Ostasien wird in der vorliegenden Edition in einem ganz weiten Sinne verstanden als Klammer für diejenigen Weltregionen, die für deutsche Kaufleute im langen 19. Jahrhundert auf Segel- und Dampfschiffen durch Umrundung des Kaps der Guten Hoffnung an der Südspitze Südafrikas oder - seit 1869 - nach Durchfahren des Suezkanals über den Indischen Ozean oder durch Umrundung der Südspitze Südamerikas über den Pazifik erreichbar waren. In den historischen Quellen synonym verwendet werden die Begriffe Indien, Ostindien oder einfach „Osten“.
Genua
Bombay
Marseille; auch: Marseilles
Niederlande; auch: Holland
Deli [Sultanat im Norden der Insel Sumatra]
Amsterdam
Liverpool
Teilhaber; auch: Ahsocié, Associé, Gesellschafter, Partner, Theilhaber, Theilnehmer
Vertreter, Vertretung; auch: agency (englisch), agent (englisch), Agent, Agentur, Alleinvertretung, Handelsagentur, representation (englisch), representative (englisch), Vertretungsgebiet, Vertretungsvertrag
Schiffsgeschäft; auch: Chartergeschäft, Charterung, shipping (englisch), VercharterungDer Begriff Schiffsgeschäft umschreibt das gewerbliche Vermieten von eigenen oder fremden, selbst angemieteten Schiffen an Dritte.
Dampfschiff; auch: Dampfbarkasse, Dampfboot, Dampfer, steamboat (englisch), steamer (englisch)
Charterung s. Schiffsgeschäft
Der Begriff „Charterung“ umschreibt das Anmieten eines fremden Schiffes.
Auftrag; auch: Bestellung, Order, Ordre
Tabak; auch: Rohtabak, Taback
Postverkehr; auch: Landverbindung, overland mail (englisch), Overlandmail, Postdampfer, Postschifffahrt, Postverlauf, Sattelkurier, Ueberlandweg
Reederei; auch: Rederei, Rhederei
Rechnung; auch: account (englisch), Factur, Factura, Faktur
Shipping clerk (englisch)Ein Sachbearbeiter für das Schiffsgeschäft wurde im langen 19. Jahrhundert auch in deutschen Handelshäusern in China als „Shipping clerk“ bezeichnet.
Dampfschifffahrt; auch: Dampferlinie, Dampfschifffahrtsgesellschaft
Flagge; auch: flag (englisch), Flaggenstock, Nationalflagge, SchiffsflaggeDie in der Regel aus Tuch bestehende Flagge eines Schiffes dient der Übertragung von Informationen auf weite Sicht. Dabei geht es zumeist um die Zugehörigkeit zu einer Reederei oder zu einem Staatswesen, in deren Schiffsregister das Schiff eingetragen ist; in letzterem Fall müssen weder die Eigner noch der Kapitän und die anderen Mitglieder der Schiffsmannschaft zwangsläufig ihren Sitz in dem betreffenden Staat haben. Die Nationalflaggen der Europäer wurden im 18. und 19. Jahrhundert in Ostasien auch vermehrt an Land gehisst, etwa vor den ausländischen Faktoreien im chinesischen Kanton oder auf Konsulatsgebäuden.
Plantage; auch: Cultur, Estates-Geschäft, Pflanzung, Plantagengeschäft, Plantagengesellschaft
Frachtfahrt; auch: Befrachtung, Frachtschifffahrt, Verfrachtung
Ballen [Gewichtseinheit]; auch: bale (englisch)„Ballen“ ist eine vor allem für Baumwolle und Tuchwaren verwendete Gewichtseinheit, wobei ein Ballen etwa 100 englischen Pfund entspricht.