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Abschrift.
C. Illies & Co.
Yokohama, Tokio, Hiogo,
Hamburg
(Gr. Bleichen 9.)
Hamburg, Juli 22. 1890
An
den löblichen Vorstand
der Handelskammer
zu
Hamburg.
Auf Grund der mir gefälligst zur Einsicht übergebenen Berichte des Kaiserl. Generalkonsulats zu Yokohama, dd. 24. Februar und der Kaiserl. Gesandtschaft zu Tokio, dd. 10. März, die Nippon Yusen Kaisha (japanische Dampfschiffahrtsgesellschaft) und die Ankäufe ihrer Materialien und Schiffe betreffend, beehre ich meine Ansicht dahin abzugeben, daß diese Dampfschiff-Gesellschaft trotz Regierungsreserven einer Privatgesellschaft gleicht und wie angegeben nach England lehnt, so sehr, daß sie fast den Eindruck einer englischen Gesellschaft macht und daß schon deshalb schwerlich in die Geschäfte derselben hineinzukommen ist, weil, wenn auch deutsches Material dem englischen nicht nachsteht, man durch die langen Jahre doch an letztere gewöhnt ist und alles Nicht-Englische nicht allein mit scheelen Augen ansehen, sondern mit den vielen englischen Beamten in den Bureaus und an Bord der Schiffe hierin noch bestärkt werden wird, besonders nachdem vor einigen Jahren so prononcirt die englische Handelswelt auf die deutsche Concurrenz aufmerksam gemacht worden ist.
Soll trotzdem der Versuch gemacht werde, in das Geschäft|1. Bogen, 2. Seite| der gedachten Gesellschaft seitens deutscher Fabrikanten hineinzukommen, so ist nicht etwa die englisch-schottische Einkaufstelle mit Offerten aus Deutschland zu versehen, denn diese würden nur zur eigenen Information verwandt werden, und dem deutschen Interesse mehr schaden als nützen (es sei denn, daß man nach häufig unberücksichtigt gebliebenen Offerten und nicht beantworteten Anfragen die Gelegenheit benutzt, um auch Klagen bei der japanischen Regierung vermittelst der deutschen Gesandtschaft über ungehörige Bevorzugung der Engländer und entsprechende Benachtheiligung der japanischen Geldinteressen einen Druck auszuüben, eine Enquête herbeizuführen, mit anderen Worten die japanischen Beamten aufzustöbern und so das englische Monopol in‘s Wanken zu bringen) sondern es muß schon mit Mustern und Preisen in Japan selbst vorgegangen werden. Erst wenn durch Vergleiche seitens gelegentlich einmal selbständig denkender japanischer Angestellter in der Gesellschaft die Güte neben der Preiswürdigkeit des deutschen Materials festgestellt ist, wird es möglich werden, eventuell dadurch, daß auch in der Nippon Yusen Kaisha das jetzt in den Regierungsämtern beliebte Submissionsverfahren angenommen wird, Gleichberechtigung zu erzielen, vielleicht freilich auch dadurch, daß schließlich die englisch-schottische Einkaufstelle von Japan aus gezwungen wird, Deutschland zur Concurrenz zuzulassen und die Beweise für ihre Einkäufe beizubringen.
Neben der im Gesandtschaftsbericht genannten Firma Lobnitz & Co., Glasgow, waren mir früher die Herren Matheson & Co., London, – Agentur für Jardine Matheson & Co. in China und Japan – als Einkäufer für die Nippon Yusen|1. Bogen, 3. Seite| Kaisha bekannt. Vor diesen und zwar für die Mitsu Bishi & Co., aus der die N. Y. K. zum Theil hervorgegangen ist, waren die Einkäufer die Eastern Agency in London, Chef Bosman, die jedoch eingegangen ist. Herr Bosman ist jetzt bei einem Herrn James Whittall, früheren China-Chefs von Jardine Matheson & Co., und es ist nicht unmöglich, daß er den Einkäufen für die Yusen Kaisha indirekt wiederum nicht ferne steht.
Ich empfehle, daß hervorragende deutsche Fabrikanten in obgedachter Art den Versuch machen, in die Geschäfte hineinzukommen, in die Augen fallende Muster je nach dem nach England / Schottland oder nach Japan senden und dieselben mit dringlichen, ganz kurz und klar gehaltenen, englisch geschriebenen Briefen und c. i. f. Preisen begleiten, – Alles mit englischen Maaßen resp. Gewichten ausfertigen und dies periodenweise wiederholen. Wird schließlich ein Erfolg erzielt, wird, wie die Berichte es beabsichtigen, Bresche in das Monopol gelegt, so kann das Resultat für den deutschen Absatz ein recht bedeutendes werden, denn es geht in die Millionen von Mark per Jahr.
Für Schiffe im Besonderen ist wohl der Weg nach England und die nachher folgende, sicher nöthige Reklamation im oben gedachten Sinne das Richtigste.
Ich empfehle mich
mit Hochachtung
(gez:) C. Illies|1. Bogen, 4. Seite: blanco|
Kaiserl.Kaiserlich
dd.datierend den
cif, c. i. f.cost, insurance, and fright [Preisberechnungsmethode im Außenhandel]
resp.respektive
gez., gez:gezeichnet
AHKHArchiv der Handelskammer Hamburg
AHKHArchiv der Handelskammer Hamburg95.D.10.18Allgemeines über Schiffahrt und Hafenwesen, Schiffsbautätigkeit in Japan
C. Illies & Co., Yokohama / Hamburg (japanischer Firmenname: Irisu Shōkai)Das von Louis Kniffler
unter der Firma L. Kniffler &
Co. aufgebaute und seit April 1880 von Carl Illies sen. unter der Firma C. Illies & Co. mit Sitz
in Yokohama fortgeführte
Unternehmen stützte sich auch weiterhin auf eine Niederlassung in Kōbe und eine Niederlassung in Düsseldorf, letztere bis 1888
sogar unter dem Firmennamen L. Kniffler & Co.; erst nach dem Tod von Louis Kniffler wurde sie
nach Hamburg verlagert und in das
Handelshaus C. Illies & Co. integriert, das sich nun zu einem von Carl Illies sen. geprägten Familienunternehmen wandelte. In Japan, wo bereits 1885 eine weitere Niederlassung in Tokio eröffnet worden war, rückten die
Importe von Maschinen,
Motoren, Pharmazeutika, Chemikalien und Farben sowie Investitionsgütern für den Infrastrukturausbau zur Modernisierung
und Rüstung Japans in den Mittelpunkt.
C. Illies & Co. übernahmen in die Vertretung namhafter deutscher
Industrieunternehmen, darunter beispielsweise Friedr. Krupp. Doch Carl Illies sen. betrieb zugleich eine
bewusste „Japanisierung“ seines Unternehmens, was in der Verwendung eines
japanischen Firmennamens und der Ernennung japanischer Repräsentanten, die
bis in die höchsten gesellschaftlichen Kreise hinein vernetzt waren, zum
Ausdruck kam, um sich Aufträge von japanischen Regierungs- und
Behördenvertretern zu sichern. Nicht nur die Konkurrenz mit
britischen, französischen und amerikanischen sowie neuen deutschen Firmen,
etwa H. Ahrens & Co., M. Raspe & Co. und Carl Rohde & Co., war
ausgeprägt; hinzu kamen neue japanische, von den dortigen Behörden
bevorzugte Firmen. Die Firmenzentrale von C. Illies & Co. wurde im Mai
1898 nach Hamburg verlagert. In Japan wurden zusätzliche Filialen in
Shimonoseki
bzw.
Moji, Osaka (1900) sowie Kure
(1912/1913) eröffnet, die aber nur als Stützpunkte dienten und personell schwach
besetzt waren. C. Illies & Co. gelang es nun, immer zahlreichere
Vertretungsaufträge von deutschen Industrieunternehmen zu erlangen, die Maschinen und Anlagen
nach Japan lieferten, darunter nun
auch Felten &
Guilleaume. Die Konkurrenz durch andere deutsche und europäischen
Handelsfirmen war allerdings auch gewachsen und zudem hatten sich japanische
Firmen in Hamburg angesiedelt, die
einen wachsenden Anteil des japanischen Exports abwickelten, der um
1900 nur noch zu rund 60 Prozent über ausländische Firmen lief, während es
um 1892 noch rund 80 Prozent gewesen waren. Um die Tendenz zur Etablierung
von Werksvertretungen deutscher Industrieunternehmen in Japan abzuschwächen, wie sie auch von Felten & Guilleaume
erwogen wurde, gründeten C. Illies & Co. vermehrt eigene technische
Abteilungen, z. B.
die Farben-, die Eisen-
sowie die Ingenieur- und Maschinenabteilung. Sinkende Gewinnspannen im Handel
führten dazu, dass man auch den Einstieg in Finanzierungs- und
Beteiligungsgeschäfte erwog, was aber als sehr risikoreich erkannt und
deshalb zurückgestellt wurde. Nach 1905 vermittelte die Firma allerdings
vermehrt japanische Unternehmensanleihen an ausländische Investoren. Ob eine anvisierte engere
Kooperation mit der Deutschen
Bank in diesem Bereich zustande kam, ist mangels überlieferter
Quellen aber fraglich. Als Carl
Illies sen. 1910 verstarb, übernahm sein Sohn Carl Illies jun. die zu dieser Zeit
gut florierenden Geschäfte. Vgl.
Molsen, C. Illies & Co.
;
Bähr/Lesczenzki/Schmidtpott, C. Illies &
Co.
.
Lobnitz, Coulburn & Co., RenfrewDie Schiffswerft Lobnitz, Coulburn & Co. in Renfrew wurde 1874 gegründet. Sie ging aus einer Fusion verschiedener kleinerter Firmen hervor und war auf den Bau von Baggerschiffen spezialisiert.
Jardine, Matheson & Co., Kanton / Hongkong (chinesischer Firmenname: Ewo, Yee-Wo)Das 1828 von William Jardine und James Matheson durch Übernahme der Firma Magniac & Co. gegründete und 1832 zu Jardine, Matheson & Co. umfirmierte Handelshaus in Kanton entwickelte sich zu einem der bedeutendsten europäischen Ostasienhandelshäuser, das sich vor allem im Opiumhandel, aber auch in vielen anderen Bereichen des Im- und Exports, der Vercharterung von Schiffen und Schiffsdocks sowie in der Handelsfinanzierung betätigte. - Grundlegend zur Unternehmensgeschichte, die angesichts der Bedeutung des Handelshauses schon mehrfach Gegenstand umfangreicherer Darstellungen war:
Greenberg, British Trade
;
LeFevour, Western Enterprise
;
CHEONG, Mandarins and Merchants
;
Blake, Jardine Matheson
.
Mitsubishi-Konzern, JapanDer Mitsubishi-Konzern, benannt nach den „drei Rauten“ des Firmensignets, geht auf eine Eisengießerei und Werft zurück, die 1857 in Dejima bei Nagasaki von dort ansässigen Niederländern gegründet wurde, 1868 teilweise in staatliche Hand überging und 1870 von IWASAKI Yatarō (1835–1885) um eine private Schifffahrtsgesellschaft erweitert wurde. Auch wenn der Einfluß der Familie IWASAKI auf die Unternehmensgruppe weiter wuchs, kam 1873 der abstrakte Firmenname Mitsubishi in Gebrauch und setzte sich durch. Seit 1885 geleitet von IWASAKI Yanosuke, des jüngeren Bruders von IWASAKI Yatarō, wurde der Konzern immer weiter ausgebaut, nicht zuletzt durch die Dampfschiffahrtsgesellschaft Nippon Yūsen Kaisha, aber auch Bergbaubetriebe und Banken. Vgl.
Japan. An Illustrated Encyclopedia
, S. 642, 980.
Eastern Agency, LondonDie Eastern Agency in London betätigte sich bis etwa 1890 als Einkaufsagentur für japanische Firmen wie beispielsweise Mitsubishi & Co.. 1890 bestand jedoch nicht mehr.
Gesandtschaft, deutsche
Generalkonsulat des Deutschen Reichs
Regierung Japans
Verwaltung, japanische; auch: japanische Behörden
Hamburg
Yokohama [Stadt in Japan]; auch: Yokuhama
Tokio [Stadt in Japan]; auch: Edo (bis 1868), Jedo (bis 1868), Jeddo (bis 1868), Tokyo, Yeddo (bis 1868)
Hyōgo [Stadt in Japan]; auch: Hiogo;In den ersten japanischen Handelsverträgen mit anderen Staaten wurde die Stadt Hyōgo als Niederlassung für ausländische Kaufleute genannt und ihr Hafen zum 1. Januar 1868 geöffnet. Doch die Niederlassung der ausländischen Kaufleute verlagerte sich aus örtlichen Gründen mehr und mehr in das angrenzende Dorf Kōbe. Dennoch hielten die westlichen Mächte vorerst am Namen Hyōgo fest oder sie verwendeten den der nahegelegenen Stadt Osaka, deren Hafen zum 1. September 1868 ebenfalls zugänglich gemacht wurde.
Japan; auch: Japon (französisch), Jappan
Deutschland; auch: Deutsches Kaiserreich, Deutsches ReichBis zur Gründung des Deutschen Reichs im Jahr 1871 kann von Deutschland nicht im Sinne eines Nationalstaates gesprochen werden. Doch in den Quellen wird der Begriff Deutschland auch zuvor häufig verwendet, wenn es den Urhebern nicht um eine Differenzierung zwischen den verschiedenen deutschen Teilstaaten ging.
Großbritannien; auch: England, Great Britain, United Kingdom of Great Britain and Ireland, Vereinigtes Königreich Großbritannien und IrlandNach dem Zusammenschluss des 1707 gebildeten Königreichs Großbritannien mit dem nur noch formell selbständigen Irland im Jahr 1801 lautete die offizielle Staatsbezeichnung Großbritanniens bis 1927 Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland. Das Staatsgebiet umfasste auf den Britischen Inseln die vier Landesteile England, Wales, Schottland und Irland, hinzu kamen abhängige Territorien auf allen Kontinenten, deren größte Ausdehnung 1922 erreicht war. 1927, mit der Bildung des Irischen Freistaats, wurde die offizielle Staatsbezeichnung verändert zu Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland.
Glasgow
London
China; auch: chinesisches Kaiserreich, chinesisches Reich, chinesische Republik, Reich der Mitte
Illies, Carl, sen.Bernhard Christian Carl Ludwig Illies (Carl Illies sen.)Kaufmann, Konsul13622131906.12.184001.02.1910Carl Illies sen. war seit 1866 für die Firma Louis Kniffler & Co. in Japan tätig und übernahm, als der Firmengründer Louis Kniffler Ende 1865 nach Europa zurückkehrte, die Leitung der Niederlassung in Yokohama, zu der sich inzwischen der Hauptsitz verlagert hatte. Carl Illies sen. blieb in Japan und übernahm von 1870 bis 1872 die Verwaltung des deutschen Konsulats in Yokohama. Als Louis Kniffler sich 1880 aus seiner Firma zurückzog, trat Carl Illies sen. als alleiniger persönlich haftender Gesellschafter in sie ein und änderte ihren Namen zu C. Illies & Co.. Er selbst kehrte 1890 nach Deutschland zurück und verlagerte den Hauptsitz des Unternehmens 1898 nach Hamburg. Hier gehörte er im Jahr 1900 zu den Mitbegründern des Ostasiatischen Vereins. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Carl Illies jun. die Leitung des Unternehmens und führte es unter gleichem Namen fort. Vgl.
Hieke, „Illies, Carl“
;
Bähr/Lesczenzki/Schmidtpott, C. Illies & Co.
, passim.
Teilhaber; auch: Ahsocié, Associé, Gesellschafter, Partner, Theilhaber, Theilnehmer
Reederei; auch: Rederei, Rhederei
Dampfschiff; auch: Dampfbarkasse, Dampfboot, Dampfer, steamboat (englisch), steamer (englisch)
Einkauf; auch: Einkaufsgesellschaften
Briten; auch: British (englisch), Britons (englisch), Engländer, English (englisch), Englishmen (englisch)
Dampfschifffahrt; auch: Dampferlinie, Dampfschifffahrtsgesellschaft
Angestellter; auch: Beamter (Privatbeamter), Employé
Geschäftsraum; auch: Büro, Bureau, Comptoir, Comtoir
Monopol; auch: Handelsmonopol, Herstellungsmonopol
Warenmuster; auch: Muster, sample (englisch)
Preis; auch: Außenhandelspreis, Bruttopreis, Einkaufspreis, Facturapreis, Kaufpreis, Listpreis, Preisentwicklung, Preisverfall, price (englisch), Selbstkostenpreis, value (englisch), Verkaufspreis, Waarenwerth, Weerth, Wert, Werthbemessung
Qualität; auch: Güte, Produktqualität, Qualitätsgarantie
SubmissionDie Unterbreitung eines geschäftlichen Angebots wurde auch Submission genannt.
Vertreter, Vertretung; auch: agency (englisch), agent (englisch), Agent, Agentur, Alleinvertretung, Handelsagentur, representation (englisch), representative (englisch), Vertretungsgebiet, Vertretungsvertrag
Mark, deutsche [Währungseinheit]; auch: M.Ursprünglich als Begriff für das Gewicht von Gold, Silber und Münzen verwendet, dann als Bezeichnung für verschiedene Münzen, darunter die in den norddeutschen Hansestädten gängige Courantmark, wurde die „Mark“ mit der deutschen Reichsgründung von 1870/1871 zur einheitlichen Währung des Deutschen Reiches. Sie lässt sich in 100 Pfennige aufteilen. Vgl.
Bott, Handwörterbuch des Kaufmanns, Bd. 3
, S. 833;
Junghans, Entwicklungen
.