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Nr. 2.4.2.04

Franz Heinrich Witthoefft, Teilhaber der Firma Behn, Meyer & Co. in Singapur, aus Penang, an Arnold Otto Meyer, Teilhaber der Firmen Behn, Meyer & Co. in Singapur und Arnold Otto Meyer in Hamburg, nach Hamburg, betr. die Zinn-Affäre in Penang, 16. Juli 1896

Geschäftsbrief

Regest:

Franz Heinrich Witthoefft, Teilhaber der Firma Behn, Meyer & Co. in Singapur, legt in diesem Brief an Arnold Otto Meyer, Teilhaber der Firmen Arnold Otto Meyer in Hamburg sowie Behn, Meyer & Co. in Singapur, ausführlich dar, welche Maßnahmen zur Bewältigung der sogenannten Zinn-Affäre in der bisher selbständig geführten en Niederlassung Penang der Firma Behn, Meyer & Co. er bereits ergriffen hat, äußert sich außerdem zu den Verantwortlichkeiten der dortigen leitenden Angestellten und stellt Berechnungen über die künftige Profitabilität der Niederlassung Penang an. Durch die lange Zeit unentdeckt gebliebenen, systematischen Unterschlagungen des chinesischen Lagerverwalters LOW Chang sind ganz erhebliche Verluste eingetreten, die nicht nur die Frage nach personalpolitischen Konsequenzen aufwerfen, sondern auch eine Reorganisation der Niederlassung Penang nahelegen, wenn sie nicht gleich ganz geschlossen werden soll. Die Entscheidung darüber liegt, wie Witthoefft deutlich macht, bei Arnold Otto Meyer.

Gedruckter Briefkopf

BEHN, MEYER & CO.
Singapore and Penang
A. B. C., Scott’s & Watkin’s Codes used.
TELEGRAMS: BEHN


Penang, 16. Juli 96.

E 19 Aug

B 19 Aug


Sehr geehrter Herr Meyer!

Ihre freundlichen Zeilen vom 19. Juni sind mir geworden; ich danke Ihnen dafür. Dieselben waren geschrieben unter dem ersten Eindruck meiner Depesche, daß Penang £ 35,000 -, - verlieren würde. Die Geschichte ist ja an und für sich ganz schauderhaft, aber wir dürfen doch noch immer ganz vertrauensvoll in die Zukunft sehen & uns der Erwartung mit voller Berechtigung hingeben, daß die beiden Firmen in Singaporeund Penang zusammen bei vorsichtigem Management den Verlust in höchstens 3 Jahren wieder wettmachen. Ueber die Aussichten unserer Geschäfte in Singapore habe ich Ihnen vor vier Wochen ausführlich berichtet, und seitdem ich hier in Penang weile, habe ich mir alle Mühe gegeben, Allem auf den Grund zu kommen.

In erster Linie habe ich Alles nach Singapore Muster eingerichtet und verbessert, von der Buchhaltung bis zu den Hülfsbüchern & Calculationen. Den Import habe ich strict vom Export und Shipping separirt, so daß Jeder im Geschäft seinen

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bestimmten Wirkungskreis hat. Im Import arbeiten fortan die Herren Engler, Ziege & Oechsle, im Export die Herren Sielcken & Asmus, die Buchhaltung besorgt Herr Bergmann.

Um nun der Erwerbsfähigkeit unserer Penang Firma auf die genaue Spur zu kommen, habe ich nach den Büchern genaue Aufstellungen gemacht & komme zu folgenden Resultaten.

Wenn Export und Shipping, sowie Import sich in bisheriger Weise weiter vorwärts bewegen, so dürfen wir für Penang auf +/- $ 88,000 -. Brutto Gewinn rechnen. Die Ausgaben für Salaire, Miethen etc. etc., incl. hamburger Charges berechne ich auf jährlich +/- $ 48000.-, das würde also +/- $ 40,000 .- Netto Gewinn abwerfen.

Unser Import entwickelt sich erfreulicher Weise. Es ist hier allerdings nicht dasselbe große & gleich gut zahlende Geschäft zu machen, wie in Singapore, weil wir noch nicht lange genug im hiesigen trade sind und daher keine so gut eingeführten Marken hier haben, wie in Singapore. Nehmen Sie z. B. nur das Schlüsselbier, das bringt uns ja allein ca. $ 10,000.-. ein.1 So etwas können

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wir hier erst im Laufe der Jahre bekommen. Engler ist ein guter Importmann & giebt sich außerordentliche Mühe, den Import hoch zu bringen. Im Laufe der Zeit hat er den hiesigen Platz kennen gelernt & wird Fehler zu vermeiden wissen, welche ihm früher passirt sind. Wenn ich ihm das Wort rede, so geschieht es nur in seiner Eigenschaft als Importmann, und wenn Ihnen vielleicht der Gedanke kommen sollte, ich spreche etwas pro domo, so versichere ich Sie dessen aufs Wort, es ist nicht so, Geschäft ist Geschäft, und weil ich verdienen will und durch einen Wechsel im Import die Chance laufe, bei diversen Bankrotten hineinzufliegen & durch die allgemeine Geschäftsführung im Import auf +/- Null zu kommen, sage ich, wir müssen Engler halten & so stellen, daß ihm die Lust zum Geschäft nicht in eine aufgezwungene Last verwandelt wird. Aus meinem Telegramm vom 11. ds. werden Sie entnommen haben, daß Engler Willens ist, seinen Antheil mit zu dem durch die Zinn Affaire entstandenen Schaden zu tragen. Sein Haushalt wird ihn $ 600.-. bis $ 700.-. monatlich kosten. Er konnte nach seinem bisherigen

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Contract darauf rechnen, außer seinem Salair von $ 300.-. monatlich noch ca. $ 10.000.-. jährlich Tantiemen zu machen. Für 1895 und 1896 bekommt er nichts an Tantiemen, aber für die folgenden Jahre muss er doch jedenfalls so viel haben, daß er ohne die drückende Sorge leben kann, von heute auf morgen in seinen Finanzen ganz und gar weiter zurückzukommen. Es ist ja Alles ganz gut und schön zu sagen: „Engler war der verantwortliche Mann in Penang, unter dessen Management die schauerliche Zinn Geschichte passirte“, aber, so sage ich mir: „Laspe war im Februar auch hier, Sielcken, der immer zweifelte an Lowchang’s Thun und Treiben, war zugegen. Hat Lowchang es nicht verstanden, auch diese beiden Herren zu täuschen? Wie er ihnen das Tin dross am Lungei Penang vorschmolz, hat er ihnen ganz sicher etwas vorgemacht, das giebt Sielcken jetzt selber zu, denn damals bekam Lowchang 75 % Zinn aus dem dross heraus, während die Taxation jetzt auf $ 8.-. kommt & wir dazu kaum werden verkaufen können.“ Diejenigen, welche ich für die wirklich Schuldigen an der ganzen Affaire erachte, gab ich Ihnen mit meinem

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Brief vom 28. Juni, und seitdem hat sich meine Ueberzeugung ins nichts geändert. – Hasenbalg war ein Mann, der durch seine Vertrauensseligkeit Alle beeinflusst hat, in erster Linie auch Engler, und daß Letzterer Hasenbalg in seiner Meinung schließlich folgte, ist der moralische Antheil an der Schuld, die ihn trifft. – Das gesteht Engler auch in fairer Weise zu, er erklärt sich bereit, dafür mitzubüßen und mitzutragen, aber, sagte er, „ich kann unmöglich auf ganz unbestimmte Zeit durch ein neues Arrangement verpflichtet werden, welches mir nicht mehr einbringt, als ich zum Leben nöthig habe; ich bin jetzt 14 Jahre hier & werde in geraumer Zeit fertig sein für die Tropen.“ Ich schlage daher vor, Engler vom 1. Juli d. J. ab monatlich $ 700.-. Salair, ohne jede Tantieme, zu gewähren, bis zum 31. Dez. 1899. Dann müssen wir weiter sehen. Während seines Urlaubs, der für Engler im nächsten Jahr in Aussicht genommen ist, und den er haben muß, weil er desselben, infolge der durch die Zinn Affaire geschaffenen Aufregungen mehr denn je bedarf, würde ich evtl. Biedermann von Singapore nach hier kommen lassen. Wir müssen hier dann ein nicht so großes

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Geschäft machen & von Singapore gute Controlle halten. Sie werden ein erstes Salair von $ 700.-. vielleicht reichlich hoch finden, aber ich will, daß Engler nicht den freudigen Schaffensmuth verliert. In dieser Beziehung penny wise zu sein, würde uns sehr schaden können. Biedermann ist noch nicht lange genug hier, der muß sich erst einmal mehr Erfahrung sammeln. Zur Aushülfe ist er gut, aber noch nicht zum permanenten Management.

Wenn mein Vorschlag Ihr Billigung findet, so werden sich die Unkosten für den Import ungefähr folgendermaßen stellen:

Salaire: Engler $ 700.-
Ziege 135.-.
Oechsle 125.-.
Cashier 100.-
Cranus & Sambico 150.-.
1/2 Bergmann & Cranus 100.-.
Rents 300.-.
Fire insu. etc. 190.-.
$ 1800.-.

Eine weitere, nachträglich angestellte und am Rand notierte Überschlagsrechnung ist nicht nachvollziehbar

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Rechnen Sie zu dieser Summe noch vermuthlich $ 200.-., als halben Antheil an den Hamburger Charges für Import, so kommen Sie auf ca. $ 2000.-. per Monat. Die Ergebnisse des letzten Jahres nun zeigen im Durchschnitt über $ 3200.-. Gewinn per Monat am Import Geschäft, und da diese Branche sich, wie gesagt, entwickelt, so ist ein netto Verdienst an Importen von $ 15,000.-. bis $ 20,000 per Jahr ziemlich wahrscheinlich.

Was nun den Export und das Shipping angeht, so ist Sielcken einverstanden mit einem monatlichen Salair von $ 300.-. und 10 % vom Brutto Gewinn auf Exporten und Shipping. Darunter wurde verstanden der Ueberschuß auf Charges an. & Commission an., abzüglich irgendwelcher Verluste, resp. zuzüglich irgendwelcher Gewinne auf Produce an. & Verschiffungen für eigene Rechnung. – Nach den letzten sechs Monaten zu urtheilen haben wir im Durchschnitt auf Charges an. $ 1000.-. & auf Comm. an. $ 2600.-. über gehabt. Man darf also wohl per Jahr auf +/- $ 40,000.-. Brutto Profit für Export & Shipping rechnen. Von dieser Zahl ausgehend,

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komme ich auf folgende Unkosten Liste für den Export etc. per Monat:

Salair Sielcken $ 300.-.
Divd.2 340.-.
Asmus 155.-.
1/2 Bergmann & Cranus 100.-.
Storekeeper etc. 320.-.
Rents 450.-.
Sundries 135.-.
$ 1800.-.

Eine weitere, nachträglich angestellte und am Rand notierte Überschlagsrechnung ist nicht nachvollziehbar

Nehmen Sie auch dazu vermuthlich $ 200.-. als halben Antheil an den Hamburger Charges für Export und Shipping, so kommen Sie auf monatliche Unkosten von ca. $ 2000.-., das würde uns auch für Export und Shipping auf einen jährlichen Netto-Verdienst von +/- $ 20,000.-. bringen.

Für Interessen3 werden wir in Zukunft 1/2 % in u/ Facturen berechnen, für Telegramme 1 %. Diese Ansätze, welche sich ganz gut durchhalten lassen, werden Interest an. & Telegraph an. am Ende des Jahrs ziemlich square erscheinen lassen.

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Definitive Abmachungen habe ich weder mit Engler noch mit Sielcken getroffen, aber ich zweifle nicht, daß Sie meine Vorschläge gutheißen werden. Ich soll hier Alles wieder in’s richtige Geleise bringen, daher bedarf ich Leute, auf welche ich mich für ihre früher ganz unbedingte verlassen kann. Es wird mir daher lieb sein, wenn Sie mir nach Empfang dieser das Wort

Ludwig

drahten, falls Sie meine Dispositionen genehmigen. Ich wiederhole nochmals, ich will nicht die Verantwortlichkeit laufen das penny wise and pound foolish practisch durch knickrige Maßnahmen zu demonstriren.

Hasenbalg kann ich weder hier noch in Singapore gebrauchen, sein Salair muß ihm bis ulto Dez. 1896 ausgezahlt werden, das ist Alles, was er von uns erwarten kann.

Ich schreibe morgen und folgende Tages Weiteres & verbleibe inzwischen mit den freundschaftlichsten Grüßen

Ihr aufrichtig ergebene

FHWitthoefft