|1. Blatt, Vorderseite, 16|
Abschrift.
Deutsch Asiatische Bank.
Tientsin, den 10. November 1905.
Hochverehrter Herr Minister!
Ich komme soeben von einer Unterhaltung mit dem Zolltautai Liangtungyen. Er gab nicht zu, dass er im Auftrage des Vizekönigs spreche. Letzterer sei vor seiner Abreise so beschäftigt gewesen, dass er zu eingehenden Instruktionen wohl die Zeit nicht mehr gefunden habe. Er, Liang Tautai, kenne aber die Auffassung des Vizekönigs genau. Sie laufe darauf hinaus, dass er die Bahn mit unserem Geld bauen wolle. Das Geld solle von uns im Wege der Staatsanleihe aufgebracht und es sollten uns gewisse Zugeständnisse bezüglich des Engagements von Ingenieuren etc. gemacht werden. Die Bahn und ihre Einkünfte sollten als Sicherheit für die Anleihe dienen, die natürlich auch von der chinesischen Regierung garantiert werde.
Und die Bestimmungen des Präliminarvertrages? sagte ich. Der Präliminarvertrag, sagte Liang, sei unter den heutigen Verhältnissen nach Yuanshihkai’s Meinung – die übrigens von allen kompetenten chinesischen Beamten geteilt werde – nicht mehr ausführbar. Je eher wir das einsähen, desto besser sei das für die Förderung des wichtigen und aussichtsvollen Bahnbaus. Die Bahn müsse von Chinesen gebaut werden. Ich wandte ein, dass wir unter diesen Bedingungen das Geld im europäischen Markte nicht würden aufbringen können. Dann, meinte Liang lächelnd, möchte doch unsere Regierung, nach den Vorgängen der englischen Regierung im Falle der Canton-Hankau Bahn, mit ihrem Kredit das Geld schaffen. Unsere Regierung scheine doch ein Interesse an dem Bahnbau zu haben. Ich wies auf den Unterschied der mit englischem Geld von den Amerikanern zurückgekauften Bahnkonzession mit dem vorliegenden Falle hin und betonte, dass unsere Regierung insofern ein Interesse an dem Bahnbau habe,|1. Blatt, Rückseite, 17| als sie die Beschützerin des deutschen Handels sei und jedes deutsche Unternehmen und zumal ein für die deutsche Finanz und den kleinen Kapitalisten so bedeutendes Geschäft zu fördern suche.
Auf eine Detaillierung der Vorstellungen, welche Yuanshihkai sich von dem mit uns abzuschliessenden Vertrage machte, wollte Liang Tautai sich aus Mangel an näherer Kenntnis der Akten nicht einlassen
Ich habe mir gestern abend und heute früh die Protokolle von Ende 1903 noch einemal durchgelesen und denke, dass wir vielleicht auf der Basis der s. Zt. von den chines. Unterhändlern überreichten Gegenvorschläge etwas erreichen könnten. Vielleicht findet sich während der jetzt in Peking eröffneten chinesisch-japanischen Unterhandlungen über die Mandschurei ein günstiger Moment.
Ich denke morgen abend mit meinen Akten nach Peking zu kommen und würde Herrn Minister für gütige Gewährung einer Unterredung an einem der nächsten Tage zu grossem Danke verpflichtet sein.
Schlussformel.
Gez: Heinrich Cordes.
etc, etc., &c., &ct.et cetera (lateinisch)
s. Z., s. Zt., s. Zeitseiner Zeit
chin., chines.chinesisch
gez., gez:gezeichnet
PA AAPolitisches Archiv des Auswärtigen Amts, Berlin
PA AAPolitisches Archiv des Auswärtigen Amts, BerlinRZ 201Deutsches Reich, Zentrale, Abt. IA
Deutsch-Asiatische Bank (DAB), Shanghai / BerlinDie Deutsch-Asiatische Bank wurde 1889 auf Wunsch und mit Unterstützung der deutschen Regierung durch ein von der Disconto-Gesellschaft in Berlin geführtes Konsortium gegründet, dem insgesamt dreizehn deutsche Aktienbanken sowie Privatbankhäuser angehörten, überwiegend aus Berlin und Frankfurt am Main. Neben der Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank waren das die Häuser S. Bleichröder (Berlin), Berliner Handels-Gesellschaft KGaA, Bank für Handel und Industrie (Darmstädter Bank), Robert Warschauer & Co. (Berlin), Mendelssohn & Co. (Berlin), Jacob S. H. Stern (Frankfurt am Main), M. A. von Rothschild & Söhne (Frankfurt am Main), Norddeutsche Bank AG (Hamburg), Sal. Oppenheim jr. & Cie. (Köln), die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank AG (München) und die Preußische Seehandlung (Staatsbank). Die Leitung der Hauptniederlassung in Shanghai übernahm Ferdinand Rinkel. Die ursprüngliche Absicht der Gründungsbanken, sich umgehend an der Finanzierung von Eisenbahnprojekten in der Provinz Shandong zu beteiligen, ließ sich nicht umsetzen. Doch nach Überwindung anfänglicher Schwierigkeiten, die u. a. aus dem Verfall des Silberpreises resultierten, konnte sich die DAB in einem von scharfem Wettbewerb geprägten Umfeld in China als eine der führenden Auslandsbanken etablieren, die in allen Bereichen des Bankgeschäfts tätig war, in der wechselbasierten Handelsfinanzierung, im
Einlagen- und Kreditgeschäft
, im Devisenhandel, in der Notenausgabe sowie bald auch im internationalen Emissionsgeschäft. Der Durchbruch in diesem Bereich gelang durch enge Kooperation mit der Hongkong and Shanghai Banking Corporation (HSBC). Weitere Niederlassungen der DAB wurden 1896 in Kalkutta (Britisch-Indien), vor allem aber in China eröffnet: 1897 in Hankou (zunächst als Agentur, 1910 zur Filiale aufgewertet), 1898 in Tsingtau, 1900 in Hongkong, 1904 in
Tsinan
, 1905 in Peking (zunächst als Repräsentanz, 1910 zur Filiale aufgewertet) und 1910 in Kanton. In Japan konnte die DAB 1905 mit der Eröffnung einer Filiale in Yokohama ebenfalls Fuß fassen, 1906 folgte eine weitere Filiale in Kōbe. Noch im gleichen Jahr wurde außerdem eine Niederlassung in Singapur eröffnet. Durch den Ersten Weltkrieg kamen die Geschäftsaktivitäten der DAB weitgehend zum Erliegen, lebten in der Zwischenkriegszeit wieder auf, wurden aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit der schrittweisen Neuordnung der Eigentümerstrukturen und der Überführung in die zur European Bank’s International Company (EBIC) gehörende European Asian Bank auf eine neue Grundlage gestellt. Vgl.
Müller-Jabusch, Deutsch-Asiatische Bank
;
Bauert-Keetman, Unternehmens-Chronik
;
Barth, Hochfinanz
;
Moazzin, Foreign Banks
;
Historische Gesellschaft der Deutschen Bank, Deep Roots
.
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Eisenbahnamt, chinesisches; auch: Imperial Chinese Railway Administration, seit 1897: Imperial Railways of North China, 1901/1902: British Railway Administration, seit 1902 wieder: Imperial Railways of North China, seit 1910 auch: Peking-Mukden-Railway (chinesisch: Jing-Feng Tielu) Das chinesische Eisenbahnamt ging 1892 aus der seit den späten 1880er Jahren so genannten China Railway Company hervor, die wiederum auf die schon in den frühen 1880er Jahren gegründete Kaiping Railway Company zurückging. Verantwortlicher Engineer in Chief blieb bis in die späten 1890er Jahre der Brite Claude William Kinder, dann setzte ein heftiger innerchinesischer Machtkampf um die Leitungspositionen in dieser Institution ein. Durchsetzen konnte sich schließlich SHENG Xuanhuai, der HU Yufen mit dem wichtigsten Posten in der Direktion der Imperial Railways of North China betraute. Der weitere Streckenausbau in Richtung Norden wurde 1898 und 1899 mit Unterstützung der British and Chinese Corporation (Limited) vorangetrieben, hinter der die Hongkong and Shanghai Banking Corporation (HSBC) sowie das Handelshaus Jardine, Matheson & Co. standen. Vgl. hierzu das Abkommen vom 18. Mai 1899, an dem auch die Deutsch-Asiatische Bank beteiligt war (Dok.-Nr. 5.2.05). Dies lief jedoch russischen Interessen zuwider, die ihren eigenen Einfluss auf die Mandschurei und die Chinese Eastern Railway ausdehnen wollten. Der Boxeraufstand von 1900/1901 beendete vorerst alle weiteren Ausbaupläne und brachte die stark beschädigten Strecken der Imperial Railways of North China vorübergehend unter die britische militärische Kontrolle der British Railway Administration. Im September 1902 wurde die Institution wieder in chinesische Hände zurückgegeben, wobei zugleich der frühere Engineer in Chief Claude William Kinder in seine Position zurückkehrte. In den folgenden Jahren wurde insbesondere der Ausbau der Hauptstrecke nach Mukden vorangetrieben, sodass sich um 1910 allmählich der Name „Peking-Mukden-Railway“ durchsetzte. Obwohl die Linie profitabel betrieben werden konnte, blieben die erhofften wirtschaftlkichen Effekte auf die Belebung von Landwirtschaft und Industrie weitgehend aus. Vgl.
Rosenbaum, China‛s First Railway
;
Rosenbaum, Railway Enterprise
;
Crush, Imperial Railways
. Zur Bedeutung der Eisenbahnen für die weitere chinesische Entwicklung:
Köll, Railroads
.
Regierung Chinas
Regierung Deutschlands, Deutsches Reich (1871–1918)
Regierung Großbritanniens
Tianjin (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Tien-tsin, Tientsin
Beijing (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Pekin (englisch), Peking
Zhenjiang (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Chinkiang, Tschinkiang, Tšin-Kian
China; auch: chinesisches Kaiserreich, chinesisches Reich, chinesische Republik, Reich der Mitte
Zhili (Pinyin) [Provinz in China]; auch: Chihli (heute: Hebei)In der Provinz Zhili lag auch die Hauptstadt Chinas, Peking, weshalb das Amt des Gouverneurs der Provinz Zhili als besonders einflussreich und prestigeträchtig galt.
Kanton [Stadt in China]; auch: Canton, Guangzhou (Pinyin)
Hankou (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Han-kau, Hankau, Hankow
Mandschurei; auch: Manzhou (Pinyin)Die Mandschurei, eine Landschaft im Nordosten Chinas, war im 19. Jahrhundert und 20. Jahrhundert eine zwischen China, Russland und Japan heftig umstrittene Region.
YUAN Shikai; auch: YUAN Shik-k‛ai, Yuanshikai, YÜAN Shik-k‛aiYUAN ShikaiOffizier, Politiker, Staatsmann12897686116.09.185906.06.1916YUAN Shikai, von 1900 bis 1901 Gouverneur der Provinz Shandong und seit 1901 Generalgouverneur von Zhili sowie Minister der nördlichen Häfen Chinas trat für wirtschaftliche Reformen Chinas ein. Seit 1902 war er außerdem Minister für Beiyang (eine Region, die die heutigen Provinzen Liaoning, Hebei und Shandong umfasst) und baute als solcher die sogenannte Beiyang-Armee auf, die als leistungsfähigste ganz Chinas galt. Wegen seiner wachsenden Macht und seine Vorschläge für eine Verfassungsreform nach britischem Vorbild fiel er am Kaiserhof jedoch in Ungnade und verlor 1908 alle Ämter. In der Chinesischen Revolution spielte er eine wichtige mäßigende Rolle, indem er einerseits von den Qing die Wiedererlangung hoher Ämter für sich forderte und andererseits als Anführer der Beiyang-Armee die Revolutionäre zu Verhandlungen mit der kaiserlichen Regierung zwang. Am 14. Februar 1912 wurde YUAN Shikai, der den jungen Kaiser PU YI zur Abdankung veranlasste, mit dem Einverständnis des Anführers der Revolutionäre und eigentlich bereits gewählten Übergangspräsidenten SUN Yat-sen zum ersten offiziellen Präsidenten der Republik China ernannt. Vgl.
FANG, „YÜAN Shik-k‛ai“
;
CH‛EN, Yuan Shik-k‛ai
;
Young, Presidency of Yuan Shik-k‛ai
;
MacKinnon, Power and Politics
;
Shan, Yuan Shikai
.
ZHANG Zhidong; auch: CHANG Chih-tungZHANG ZhidongBeamter, Reformpolitiker11898062902.09.183704.10.1909ZHANG Zhidong amtierte in den 1880er Jahren als Gouverneur der chinesischen Provinz Shanxi und als Generalgouverneur der Provinzen Guangdong und Guangxi, bevor er 1889 zum Generalgouverneur der Provinzen Hubei und Hunan ernannt wurde, ein Amt, das er bis 1907 inne hatte. Er war ein starker Befürworter des Eisenbahnbaus, um China zu modernisieren. Als Vertreter der chinesischen Regierung verhandelte er u. a. das vorläufige Abkommen zum Bau der Tientsien-Chinkiang-Eisenbahnlinie vom 18. Mai 1899 (vgl. Dok.-Nr. 5.2.05). Vgl.
Cameron, „Chang Chih-tung“
, S. 27–32;
MacMurray, Treaties and Agreements
, S. 694;
Baur, China um 1900
, passim;
Moazzin, Foreign Banks
, passim.
Gesandter des Deutschen Reichs
Daotai (Pinyin); auch: tao tai, taotai, Taoutai, ZolltautaiDer aus dem Chinesischen stammende Begriff „Daotai“ bezeichnete im 19. und frühen 20. Jahrhundert einen lokalen chinesischen Beamten, der in einer Stadt für das Gericht, die Zivilverteidigung, die Kanäle und/oder die Zolleinnahmen verantwortlich war.
Eisenbahn; auch: Eisenbahnbau, Eisenbahngesellschaft, Eisenbahnlinie, Eisenbahnprojekt, Eisenbahnschienen, Eisenbahnschwellen, Eisenbahnverwaltung, Eisenbahnwerkstätte, Eisenbahnwesen, line (englisch), moderne Verkehrseinrichtung, railway (englisch), rollendes Material, rolling stock (englisch)
Geld; auch: Baares, Geldmittel, Kassa-System, money (englisch), Verkehrsmittel, Zahlungsmittel
Ministerresident, deutscher
Boxeraufstand (1900–1901); auch: BoxerkriegDer gewaltsame Kampf der chinesisch-nationalistischen Verbände der „Fäuste der Gerechtigkeit und der Harmonie“ (Yihetuan), deren Angehörige in traditionellen Kampftechniken ausgebildet waren und deshalb auch als „Boxer“ bezeichnet wurden, gegen christliche Missionare, zum Christentum übergetretene Chinesen und Ausländer in China, eskalierte im Sommer 1900 zu einem bewaffneten Konflikt Chinas mit den europäischen Großmächten, den USA und Japan. Die Belagerung des Botschaftsviertels in Peking durch die Boxer und die chinesische Armee rief eine Allianz von acht Nationen auf den Plan, die Truppenverbände nach China entsandten, um die Belagerten zu befreien. Die Boxer wiederum erhielten zunächst Unterstützung von der Qing-Regentin Cixi, die den ausländischen Invasionstruppen den Krieg erklärte. Doch die kaiserliche Armee wurde von den alliierten Invasionstruppen besiegt, der Boxeraufstand niedergeschlagen und die Belagerten befreit, wobei es zu wilden Plünderungen und wahllosen Hinrichtungen kam. Mit dem Boxerprotokoll vom 7. September 1901 wurde das Ende der Kämpfe besiegelt, die Stationierung ausländischer Truppen in Peking verfügt und China zudem zu hohen Entschädigungszahlungen an die acht Nationen verpflichtet. - Eine knappe und prägnante Darstellung des Boxeraufstands findet sich in:
Mühlhahn, Geschichte des modernen China
, S. 198–206.
Kontrolle; auch: Aufsicht, Controlle
Generalgouverneur, chinesischer (Provinzebene); auch: Gouverneur, Vice-König, Vizekönig
Ingenieur; auch: engineer (englisch), Chefingenieur, Engineer in Chief (englisch)
Ertrag; auch: Erwerb, Erlös, verdiente Gelder, Nutzen
Sicherheit [für Vorschüsse, Kredite, Darlehen und Anleihen]; auch: security (englisch)
Garantie, staatliche; auch: guarantee (englisch)
Beamter, chinesischer; auch: officer (englisch)
Chinesen; auch: Chinese (englisch)
Amerikaner; auch: Americans (englisch)
Investor; auch: Capitalist, Financier, Kapitalist
Vertrag [gewerblicher Vertrag]; auch: Abkommen, Uebereinkommen, Vereinbarung