|1. Blatt, Vorderseite|
Nachträglich handschriftlich ergänzt: Abschrift
London den 21. November nachträglich handschriftlich rot unterstrichen:
1905.
Savoy Hotel.
Nachträglich handschriftlich rot unterstrichen:
Japaner von 1905
Lieber Freund!
Ich telegrafirte heute an Ihre Firma, dass die deutsche Gruppe bestehend aus der Deutsch Asiatischen Bank Gruppe und ihren Freunden, sowie aus unserem Hause , bei obigem Geschäft ihr – wie gewünscht – die viertel Millionen Pfund zu Original Bedingungen cedirt. – Mir macht dieses Arrangement umso mehr Freude, als die hiesigen Herren sowol, wie die Pariser, in kleinlicher und engherziger Weise sich nicht zu dem gleichen Vorgehen entschliessen konnten, und weil andererseits als Unterbeteiligte bei unserer deutschen Gruppe diesmal die Firma Speyer nicht erscheint, wol aber Ihr Haus.
Das Bild war dieses Mal gegenüber den Verhandlungen bei der letzten Anleihe in so fern ein verändertes, als der Einfluss des Herrn Koch von Panmure Gordon ein überwiegend starker geworden war. In sehr geschickter Weise hat Koch es verstanden, die pariser Firma Rothschild hinzuzuziehen, und zwar gingen die Vorbesprechungen über Herrn Leviter mit den hiesigen Rothschilds; das Geschäft wurde schliesslich durch Baron James Armand von Rothschild abgeschlossen, dem früheren Volontär unserer Firma. Dadurch, dass Koch die Rothschilds herbeigebracht hat, hatte er natürlich bei Herrn Takahashi einen sehr grossen Einfluss gewonnen, was ich im Allgemeinen für kein Glück halte; Herr Koch, obgleich sehr geschickt, ist durch und durch broker; die Würde eines ersten Bankhauses kennt er nicht, weitsichtige Erwägungen, das Erhalten der Freundschaft eines Landes und die Würdigung früher geleiteter Dienste sind ihm fremd. Unter diesem Einfluss stehen nicht nur Panmure Gordon, sondern auch die Parr‛s Bank & ihre Genossen. – In Newcourt ist ja leider schon seit Langem jeder weitgehende Finanzblick verschwunden, und ich|2. Blatt, Vorderseite| schreibe Ihnen dies nur darum so ausführlich, damit Sie begreifen, dass die £ 60 000, welche in gleicher Weise nur zu sehr zubekommen wären, schliesslich hier zurückbehalten wurden. – Dadurch, dass die Parr‛s Bank so eifersüchtig ist, durfte ich unsere guten Beziehungen zu Newcourt und Baron James Armand aber nicht ausnutzen, sondern musste bescheiden im Hintergrund bleiben. – Ein Ausgleich ist mit der Parr‛s Bank zu recht ; es ist zwar nicht direct zu Grobheiten zwischen ihnen gekommen, aber sie haben sich mehrmalig sehr ihre Meinung gesagt, hauptsächlich aus dem Grunde, weil … (?) haben, als sie officiell in die Gruppe haben eintreten wollen. Dieser Umstand hat natürlich die Vertretung der Interessen Ihrer Firma nicht verbessert, obgleich ich ausdrücklich betonen muss, dass Lord Revelstock in den letzten Tagen sich alle erdenkliche Mühe gegeben hat. Ganz besonders aber Takahashi (welcher gestern extra in die City gekommen war, um in Newcourt und mit der Parr‛s Bank Rücksprache zu nehmen) versucht, eine gerechtere Verteilung der Quoten zu erzielen; die schliessliche Antwort des Lord Rothschild war, dass er bereit sei, auf den Vorschlag zu einzugehen, falls die japanische Regierung ihm diesen Wunsch zum Ausdruck bringen würde. Dieses hat Takahashi nicht geglaubt, verantworten zu können, nachdem der Contract mit Frankreich schon gezeichnet war. Sir Ernest ist der Ansicht, dass er richtiger solches hätte tun sollen, ich persönlich habe die Überzeugung, dass Takahashi sehr gewichtige Bedenken dagegen gehabt hat, da seine Stellung wenn er jetzt nach Japan zurückkehrt, trotz der grossen Dienste, die er dem Lande erwiesen hat, doch stark kritisirt wird und viele Neider hat. Die Hauptargumente der Parr‛s Bank waren, dass einerseits von Newyork aus telegrafirt worden wäre, die Anleihe könnte in Amerika zu den jetzigen Bedingungen nicht gehen, und man sich andererseits mit dem Vorschlag einverstanden erklärt hat, nachdem Paris|3. Blatt, Vorderseite| 12,5 Mill. £ bekommen hat, sei ja nunmehr durch die Rückgabe von Deutschland die ganze halbe Million nach Amerika gelangt. – Ich glaube daher trotz der kitzlichen Lage, in der ich mich befand, alles erreicht zu haben, was möglich war. Ich konnte ja leider dadurch, dass ich die Deutschen zu vertreten hatte, und die Vertretung Ihrer Firma in den bewährten Händen von Barings lag, nur sehr vorsichtig agiren, und ich halte es schliesslich für eine sehr gute Politik, dass Sie unter Protest acceptirt haben und aus der diesmaligen Quotenverteilung keinen Precedenzfall schaffen. –
Lord Revelstock ist der Ansicht, dass die Art und Weise, wie die japanischen Geschäfte jetzt hier gehandhabt werden, nicht so bleiben könne, und auch Sir Ernest teilt diese Meinung. Es sollte mich daher nicht wundern, wenn das nächste Mal die Quotenverteilung wiederum eine andere werden wird, obgleich die alte Gruppe, nachdem Rothschild eingetreten sind und in Paris wohl kaum jemand – da man sich allgemein über das Wieder-erwachen von Rothschild freut – gegen rue Laffitte eine Concurrenz bilden wird, ja eine wesentlich stärkere geworden ist.
Die Anleihe ist hier bereits mit 1 1/2 % Agio, in Paris mit 2 1/3 % Agio gehandelt worden, und ich glaube, dass die Emission wieder ein grosser Erfolg wird. Es wurde natürlich sehr besprochen, dass grosse Beträge auf dem Arbitrage-Wege von dort nach hier fliessen; ich persönlich habe immer drauf hingewiesen, dass in keinem Lande die Tendenz so schnell wechselt, wie in Amerika, und dass dort in kurzer Zeit – wie schon einmal es der Fall war – wieder lebhafte Nachfrage nach den bonds herrschen kann. Aber alle meine schönen Argumente, die keiner widerlegen konnte, blieben erfolglos infolge des grossen Einflusses von Koch.
Ich hoffe den Contract morgen zu zeichnen. – Wir verdienen bei diesem Geschäft – wenn auch weniger als das letzte Mal – wieder sehr gut, und möchte ich Ihnen auch|4. Blatt, Vorderseite| bei dieser Gelegenheit aufrichtig und herzlichst danken. Es ist dies ja bereits das dritte japanische Kind.
Auf die Details des Titres und des Prospektes gehe ich nicht weiter ein, da ich annehme, dass Lord Revelstock Ihnen hierüber eingehend berichtet haben wird.
Der Trust
Ich war gestern Abend bei Sir Ernest allein zu Tische und habe bei dieser Gelegenheit sehr eingehend über Vieles gesprochen. U. A. sagte ich ihm auch, dass ich jetzt nach Paris ginge, um ev. durch Günzburg einen Trust zu versuchen, und dass Sie wünschten, dass er selbstverständlich dabei beteiligt würde.
Er besprach sehr eingehend das Projekt mit mir und hielt ein Zusammengehen von Paribas, Societe Generale, Bouvierbank, Günzburg u. s. w. für sehr wünschenswert, aber auch für sehr schwierig. Da er auch auf einige Tage nach Paris geht stellt er mir ganz spontan seine Dienste in dieser Angelegenheit zur Verfügung. Unter besseren Auspicien kann ich jedenfalls nicht in Paris arbeiten, umsomehr, als der Einfluss von Sir Ernest bei der Paribas ein recht grosser geworden ist. Hoffentlich haben wir also Erfolg!
Mit den besten Wünschen für Sie, lieber Freund, sowie für Ihre lieben Associes, bin ich stets Ihr treu und dankbar ergebener
gez. Jacob H. Schiff,
Neuyork
Mill.Million, Millionen
u. a., u. A., U. A.unter anderem, unter anderen
ev., event., eventl., evtl.eventuell
u. s. w., usw., & s. w.und so weiter
gez., gez:gezeichnet
SWAStiftung Warburg Archiv, Hamburg
SWAStiftung Warburg Archiv, HamburgFMax M. Warburg, Korrespondenz mit Albert BallinF-10100b
Kuhn, Loeb & Co., New YorkDie 1867 gegründete Investmentbank Kuhn, Loeb & Co. in New York beteiligte sich in wachsendem Maße an der amerikanischen Industriefinanzierung und konnte dabei dank der guten Verbindungen ihres Teilhabers Jakob Heinrich Schiff auch auf den deutschen Kapitalmarkt zugreifen. Schiff stieg zur Führungspersönlichkeit der Bank auf, unter dessen Leitung sie sich nicht nur zu einer der größten amerikanischen Investmentbanken entwickelte, die sich insbesondere im Eisenbahnbau engagierte, sondern auch an internationalen Finanzierungskonsortien beteiligt war, insbesondere für japanische Staatsanleihen. Vgl.
Kuhn, Loeb & Co.
;
Roberts, Jewish Bankers
;
Gower, Jacob Schiff
.
Bankhaus M. M. Warburg & Co., HamburgDas Bankhaus M. M. Warburg & Co., gegründet 1798 von Moses Marcus Warburg (1763–1830) und Gerson Warburg (1765–1825) in Altona, entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einer der bedeutendsten deutschen Privatbanken. Sie pflegte enge Geschäftsbeziehungen zu den Überseekaufleuten und Reedern der Hansestadt Hamburg, zu anderen renommierten Bankiers in Deutschland, Europa und den USA und sie beteiligte sich nach der Gründung des Deutschen Reichs am auflebenden Wertpapierhandel ebenso wie an internationalen Emissionsgeschäften. Vor allem Moritz M. Warburg, der 1891 als Prokurist in die Bank eintrat, prägte ihre weitere, in die Weltwirtschaft eingebundene Entwicklung, etwa durch den Aufbau enger Geschäftsbeziehungen zu Albert Ballin und der HAPAG, durch sein Enagement für die deutschen kolonialen Bestrebungen und durch seinen wachsenden Einfluss als internationaler Finanzdiplomat. Vgl.
Vagts, M. M. Warburg & Co.
;
Rosenbaum/Sherman, Bankhaus M. M. Warburg & Co.
;
Kleßmann, M. M. Warburg & CO
.
Nippon Ginkō, Tokio; auch: Bank von JapanDie Bank von Japan wurde 1882 durch den Zusammenschluss der vier, nach der 1871 erfolgten Einführung des Yen als einheitlicher Währung ins Leben gerufenen japanischen Nationalbanken gegründet und zog nun das Privileg zur Notenausgabe an sich. Sie war eine halbstaatliche Einrichtung, an der auch privates Kapital beteiligt war. Das wichtigstes Ziel der neu etablierten Zentralbank bestand darin, die Inflation zu dämpfen, die von den vier Nationalbanken durch großzügige Ausgabe nichtkonvertierbarer Banknoten beflügelt worden war. Die Bank von Japan emittierte erstmals im Mai 1885 eigene Banknoten. 1897 übernahm sie die Verpflichtung, Banknoten in Gold einzutauschen, übernahm also den Goldstandard. Neben der neuen Zentralbank bestand die 1879 etablierte Yokohama Specie Bank (Yokohama Shōkin Ginkō) weiter, die sich der Finanzierung des Außenhandels widmete; sie unterhielt eine Niederlassung in London, die als japanische Zentralbank in Europa fungierte. Vgl.
TAMAKI, Japanese Banking
.
Deutsch-Asiatische Bank (DAB), Shanghai / BerlinDie Deutsch-Asiatische Bank wurde 1889 auf Wunsch und mit Unterstützung der deutschen Regierung durch ein von der Disconto-Gesellschaft in Berlin geführtes Konsortium gegründet, dem insgesamt dreizehn deutsche Aktienbanken sowie Privatbankhäuser angehörten, überwiegend aus Berlin und Frankfurt am Main. Neben der Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank waren das die Häuser S. Bleichröder (Berlin), Berliner Handels-Gesellschaft KGaA, Bank für Handel und Industrie (Darmstädter Bank), Robert Warschauer & Co. (Berlin), Mendelssohn & Co. (Berlin), Jacob S. H. Stern (Frankfurt am Main), M. A. von Rothschild & Söhne (Frankfurt am Main), Norddeutsche Bank AG (Hamburg), Sal. Oppenheim jr. & Cie. (Köln), die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank AG (München) und die Preußische Seehandlung (Staatsbank). Die Leitung der Hauptniederlassung in Shanghai übernahm Ferdinand Rinkel. Die ursprüngliche Absicht der Gründungsbanken, sich umgehend an der Finanzierung von Eisenbahnprojekten in der Provinz Shandong zu beteiligen, ließ sich nicht umsetzen. Doch nach Überwindung anfänglicher Schwierigkeiten, die u. a. aus dem Verfall des Silberpreises resultierten, konnte sich die DAB in einem von scharfem Wettbewerb geprägten Umfeld in China als eine der führenden Auslandsbanken etablieren, die in allen Bereichen des Bankgeschäfts tätig war, in der wechselbasierten Handelsfinanzierung, im
Einlagen- und Kreditgeschäft
, im Devisenhandel, in der Notenausgabe sowie bald auch im internationalen Emissionsgeschäft. Der Durchbruch in diesem Bereich gelang durch enge Kooperation mit der Hongkong and Shanghai Banking Corporation (HSBC). Weitere Niederlassungen der DAB wurden 1896 in Kalkutta (Britisch-Indien), vor allem aber in China eröffnet: 1897 in Hankou (zunächst als Agentur, 1910 zur Filiale aufgewertet), 1898 in Tsingtau, 1900 in Hongkong, 1904 in
Tsinan
, 1905 in Peking (zunächst als Repräsentanz, 1910 zur Filiale aufgewertet) und 1910 in Kanton. In Japan konnte die DAB 1905 mit der Eröffnung einer Filiale in Yokohama ebenfalls Fuß fassen, 1906 folgte eine weitere Filiale in Kōbe. Noch im gleichen Jahr wurde außerdem eine Niederlassung in Singapur eröffnet. Durch den Ersten Weltkrieg kamen die Geschäftsaktivitäten der DAB weitgehend zum Erliegen, lebten in der Zwischenkriegszeit wieder auf, wurden aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit der schrittweisen Neuordnung der Eigentümerstrukturen und der Überführung in die zur European Bank’s International Company (EBIC) gehörende European Asian Bank auf eine neue Grundlage gestellt. Vgl.
Müller-Jabusch, Deutsch-Asiatische Bank
;
Bauert-Keetman, Unternehmens-Chronik
;
Barth, Hochfinanz
;
Moazzin, Foreign Banks
;
Historische Gesellschaft der Deutschen Bank, Deep Roots
.
Bankhaus Lazard Speyer-Elissen, Frankfurt am MainDas 1838 von Lazarus Joseph Speyer (1810–1876) gegründete Manufacturwaren- und Speditionsgeschäft Lazard Speyer-Elissen in Frankfurt am Main widmete sich vermehrt auch dem Bankgeschäft und stieg rasch zu einem der führenden deutschen Privatbankhäuser auf. Bei der Abwicklung internationaler, vor allem transatlantischer Transaktionen konnten sich Lazard Speyer-Elissen auf gute Verbindungen nach New York und London stützten, zum einen auf die von Philipp Speyer (1815–1876), einem Bruder Lazarus Joseph Speyers, 1845 gegründete Firma Philipp Speyer & Co. in New York (seit 1876: Speyer & Co.), zum anderen auf die von Gustav Speyer (1825–1883), einem weiteren Bruder von Lazarus Joseph Speyer, 1861 in London etablierte Bank Speyer Brothers. Seit 1902 wurde das Haus Lazard Speyer-Elissen von dem in die Familie eingeheirateten Eduard Beit (1860–1933) geführt, der 1910 mit dem Prädikat „von Speyer“ in den erblichen Adelsstand erhoben wurde, um der Bank den Familiennamen zu erhalten. Zur Geschichte der Familie Speyer und der von ihr geführten Bankhäuser:
Eisenbach, „Speyer“
;
Emden, Money Powers
, S. 274–277.
Baring Brothers & Co., LondonDie 1806 aus dem ursprünglichen Handelsgeschäft des Bremer Kaufmanns Johann Baring hervorgehende Bank Baring Brothers & Co. in London betätigte sich im 19. Jahrhundert vor allem in der Regierungsfinanzierung. Durch die Zahlungsschwierigkeiten Argentiniens, in dessen Anleihen Baring Brothers & Co. im großen Umfang investiert hatten, geriet die Bank 1890 ins Wanken, konnte aber durch ein von der Bank of England zusammengebrachtes Konsortiums vor dem Untergang gerettet werden: Aus der Konkursmasse der Baring Brothers & Co. ging die Baring Brothers & Co. Ltd. hervor. Vgl.
Ziegler, Sixth Great Power
;
Austin, Baring Brothers
.
Banque de Paris et des Pay-Bas (Paribas),
ParisDie Banque de Paris et des Pay-Bas, kurz Paribas, mit Sitz in Paris, ging 1872 aus einer Fusion der 1869 gegründeten Banque des Paris mit der schon 1863 in Amsterdam ins Leben gerufenen Banque de crédit et de dépôt des Pays-Bas hervor. Vgl.
Pohl, Europäische Bankengeschichte
, passim.
Bouvierbank, Paris
Regierung Japans
New York; auch: Neuyork, Newyork
London
Hamburg
Paris
Frankreich
Japan; auch: Japon (französisch), Jappan
Vereinigte Staaten von Amerika; auch: United States (US), United States of America (USA), Vereinigte Staaten von Nordamerika
Deutschland; auch: Deutsches Kaiserreich, Deutsches ReichBis zur Gründung des Deutschen Reichs im Jahr 1871 kann von Deutschland nicht im Sinne eines Nationalstaates gesprochen werden. Doch in den Quellen wird der Begriff Deutschland auch zuvor häufig verwendet, wenn es den Urhebern nicht um eine Differenzierung zwischen den verschiedenen deutschen Teilstaaten ging.
Schiff, Jakob Heinrich bzw. Schiff, Jacob HenryJakob Heinrich Schiff bzw. Jacob Henry SchiffBankier, Philanthrop11723211410.01.184725.09.1920Jakob Heinrich Schiff entstammte einer deutsch-jüdischen Bankiersfamilie, absolvierte eine kaufmännische Lehre in Frankfurt am Main und emigrierte 1865 nach New York, wo er als Wertpapierhändler tätig wurde. Das von ihm mitbegründete Brokerhaus Budge, Schiff & Co. erwies sich jedoch als wirtschaftlich nicht erfolgreich, sodass er 1872 nach Deutschland zurückkehrte. In Frankfurt am Main lernte er nun Abraham Kuhn kennen, den Mitbegründer der Investmentbank Kuhn, Loeb & Co. in New York, der ihn zur Rückkehr in die USA bewegte; zum 1. Januar 1875 trat er dort in die Dienste dieser Bank, um sie bei der Beschaffung deutschen Kapitals für Investitionen in amerikanische Eisenbahn- und andere Industrieunternehmen zu unterstützen. Jacob Henry Schiff, wie er sich jetzt nannte, stieg bei Kuhn, Loeb & Co. rasch in verantwortliche Positionen auf. Unter seiner Leitung beteiligte sich die amerikanische Investmentbank mit Niederlassung u. a. in London vermehrt auch an internationalen Emissionsgeschäften und verfolgte dabei die Strategie, durch die bewusste Einbeziehung deutscher Partner wie M. M. Warburg & Co., die führende Rolle der Londoner Banken in Frage zu stellen. Mit der erfolgreichen Platzierung japanischer Staatsanleihen zur Finanzierung des Russisch-Japanischen Krieges (1904–1905) erregte Schiff besondere Aufmerksamkeit, auch weil er seine dezidiert pro-japanische Haltung mit dem Antisemitismus im zaristischen Russland begründete. Nach dem Ersten Weltkrieg zog sich Schiff aus dem Bankgeschäft zurück und betätigte sich in erster Linie als Philantroph. Vgl.
Adler, Jacob Henry Schiff
;
Hock, „Schiff, Jacob Henry“
;
Gower, Jacob Schiff
. - Die von Cyrus Adler herausgegebene Korrespondenz Jacob Henry Schiffs bietet auch in Hinblick auf die Ostasiengeschäfte von Kuhn, Loeb & Co. viel Material, aber keine genauen Belege für die präsentierten Dokumente. Vgl.
Adler, Jacob H. Schiff
.
Warburg, Max MoritzMax Moritz Warburg (Max M. Warburg)Bankier11880617305.06.186726.12.1946Max M. Warburg absolvierte eine internationale Banklehre, u. a. bei N. M. Rothschild & Sons in London, und trat 1893 als Teilhaber in das von seinem Vater gegründete Bankhaus M. M. Warburg & Co. in Hamburg ein. Er baute die Bank zu einer der führenden deutschen Privatbanken aus, die sich an bedeutenden Emissionen in Europa und Übersee beteiligte und zudem im Kreditgeschäft für Handel und Industrie eine wichtige Rolle spielte. Gemeinsam mit Werner von Melle trieb Max M. Warburg 1908 die Gründung des Hamburgischen Kolonialinstituts voran, aus dem später die Universität Hamburg hervorging. 1910 übernahm er die alleinige Leitung des Bankhauses und betätigte sich seither vermehrt auch als Berater Kaiser Wilhelm II. Nach Beginn der Chinesischen Revolution im Herbst 1911 nahm Max M. Warburg als Repräsentant einer amerikanischen Bankengruppe, die sich zuvor an der Emission chinesischer Staatsanleihen beteiligt hatte, an verschiedenen internationalen Interbanken-Konferenzen teil. Von 1903 bis 1919 gehörte er als Mitglied der Nationalliberalen Partei der Hamburgischen Bürgerschaft an, wandte sich dann aber der Deutschen Volkspartei zu. Gemeinsam mit seinem Teilhaber Carl Melchior gehörte Max M. Warburg zur deutschen Delegation bei den Versailler Friedensverhandlungen. Vgl.
Warburg, Aufzeichnungen
;
Kopper, „Warburg, Max Moritz“
;
Hoffmann, Max M. Warburg
.
TAKAHASHI KorekiyoTAKAHASHI KorekiyoPolitiker, Staatsmann13359737727.07.185426.02.1936TAKAHASHI Korekiyo studierte in Japan, Großbritannien und den USA die englische Sprache und amerikanische Kultur. Nach seiner 1875 erfolgten Rückkehr nach Japan war er in verschiedenen japanischen Schulen, Behörden und Ministerien tätig. 1891 wurde er zum Vizepräsidenten, später zum Präsidenten der Bank von Japan ernannt. Zugleich hatte er wichtige Positionen bei der für den Außenhandel zuständigen Yokohama Specie Bank inne, für die er seit 1895 als Manager, seit 1896 im Range eines Direktors und seit 1897 als Vizepräsident tätig war, bevor er in Personalunion zum Präsidenten der Yokohama Specie Bank und der Bank von Japan ernannt wurde. 1904 entsandte ihn die japanische Regierung in die USA und nach Großbritannien, um mit Vertretern amerikanischer und britischer Banken über japanische Anleihen zur Finanzierung des Russisch-Japanischen Krieges zu verhandeln. 1913 wurde TAKAHASHI Korekiyo erstmals, 1918 nochmals zum japanischen Finanzminister ernannt. Im November 1921 übernahm er das Amt des japanischen Premierministers, trat aber schon im Juni 1922 wieder zurück. Von 1931 bis 1936 amtierte er dann erneut als japanischer Finanzminister und erwarb sich in der Weltwirtschaftskrise von 1929 den Ruf eines profunden Finanzexperten, der sich auf die Lehren von John Maynard Keynes stützte. Im Februar 1936 fiel er einem politischen Mord zum Opfer. Vgl.
Smethurst, Foot Soldier
.
Cassel, Ernest (seit …: Sir)Ernest CasselBankier11764828003.03.185221.09.1921Ernst Cassel stammte aus einer deutsch-jüdischen Bankiersfamilie, absolvierte selbst eine Banklehre in Köln und ging 1869 nach Großbritannien. 1870 kurzzeitig für die Anglo-Egyptian Bank in Paris tätig, kehrte er bald nach Großbritannien zurück, wo er eine Stellung in dem angesehenen Bankhaus Bischoffsheim & Goldschmidt fand, die es ihm erlaubte, Verbindungen in einflussreiche Kreise in Hochfinanz, Politik und Adel zu knüpfen und zugleich ein privates Vermögen aufzubauen. Ernst Cassel nahm um 1900 offiziell den Namen Ernest Cassel an, wurde mit zahlreichen Orden ausgezeichnet, darunter das GCVO, und stieg zum Finanzberater und Mitzglied des PC des britischen Königs Edward VII auf. Vgl.
Emden, Money Powers
, S. 331–342.
Rothschild, James Armand Edmond de; auch: Rothschild, Jimmy deJames Armand Edmond de Rothschild bzw. Jimmy de RothschildPolitiker, Mäzen11931461401.12.187807.05.1957James Armand Edmond de Rothschild war der älteste Sohn des Pariser Bankiers und Zionisten Edmond de Rothschild. Seinen Anteil am Bankhaus De Rothschild Frères ließ er sich jedoch auszahlen, wurde also nicht selbst als Bankier tätig. Er wandte sich vielmehr der Politik und der Förderung der zionistischen Bewegung zu. Seit 1920 war er britischer Staatsbürger.
Teilhaber; auch: Ahsocié, Associé, Gesellschafter, Partner, Theilhaber, Theilnehmer
Bank; auch: Aktienbank, Bankenwelt, Bankgeschäft, Bankhaus, banking operations (englisch), Geldgeber, Geldinstitut, Geschäftsbank, Großbank, Investmentbank, issuing bank (englisch), merchant bank (englisch), Privatbankhaus
Emission; auch: Begebung, EmissionsgeschäftDer finanztechnische Fachbegriff „Emission“ bezeichnet das Herausbringen und Platzieren von Wertpapieren bei bestimmten Investoren oder an der Börse.
Makler; auch: broker (englisch)
Pound Sterling [Währungseinheit]; auch: £, £ st., l., Pfund Englisch, Pfund SterlingDas britische Pound Sterling, üblicherweise abgekürzt mit dem Zeichen £, unterteilt sich in shilling, abgekürzt s oder sh, und pence, abgekürzt d (für „denarius“). Ein Pound Sterling entspricht dabei 20 shilling oder 240 pence (1 shilling = 12 pence).
Telegrafie; auch: Cabeln, Code, Drahten, Private Code (englisch), Special Code (englisch), Telegraph, telegraph (englisch), Telegraphic Address (englisch), TelegraphieNeben Briefen und anderen schriftlichen Nachrichten wurde die Telegrafie im 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Kommunikationsmedium der im Fernhandel tätigen Kaufleute und Reeder. Nachdem die technischen Infrastrukturen geschaffen worden waren, ging es nicht zuletzt darum, neue Routinen und Rhythmen im Umgang mit dem Medium sowie Wege zu finden, eigene Geschäftsgeheimnisse zu schützen. Zu diesem Zweck wandten die Kaufleute in ihrer telegrafischen Geschäftskorrespondenz häufig eigene, speziell entwickelte Codes an, sodass die übermittelten Informationen, etwa sensible Preisinformationen oder Namen von Auftraggebern und Kunden, nicht ohne Weiteres von Dritten mitgelesen werden konnten. Durch Verkürzung der Wortlängen konnten zudem erhebliche Kosten gespart werden. Vgl. hierzu exemplarisch:
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 2
, S. 78f. - Zur generellen Bedeutung der Telegrafie für die wirtschaftliche Globalisierung:
Wenzlhuemer, Connecting the Nineteenth-Century World
.
Deutsche; auch: Germans (englisch)
Vertreter, Vertretung; auch: agency (englisch), agent (englisch), Agent, Agentur, Alleinvertretung, Handelsagentur, representation (englisch), representative (englisch), Vertretungsgebiet, Vertretungsvertrag
AgioDie aus dem Italienischen stammende Bezeichnung „agio“ steht für einen Aufschlag auf den Nennwert oder die reine Wechselkursparität einer Münze, Banknote oder eines Wertpapiers.
Anleihevertrag; auch: Contract, loan agreement (englisch)
Auspicien Der Begriff „Auspicien“ leitet sich von den beiden lateinischen Worten avis (zu deutsch: Vogel) und spectare (zu deutsch: schauen) ab, steht wörtlich also für „Vogelschau“. Gemeint ist die von den Etruskern und Römern praktizierte Beobachtung und Deutung des Vogelflugs, um die Zeichen der Götter zu erkennen und dadurch ihre erhoffte Zustimmung zu wichtigen Vorhaben erkennen zu können.
Associé; auch: Ahsocié, Associe s. auch Teilhaber
Der aus dem Französischen stammende Begriff „associé“ steht für einen geschäftlichen Teilhaber.