|1. Blatt, Vorderseite, 162|
Abschrift
Berlin, den 9. Juli 1906.
An Direction der Disconto-Gesellschaft hier
An Deutsche Bank, hier
An S. Bleichröder, hier
An Berliner Handels-Ges., hier
An Bank f. Handel & Ind., hier
An Deutsch-Asiat. Bank, hier
An Dresdner Bank, hier
An Nationalbank f. Deutschland, hier
An A. Schaaffhausen‛schen Bankverein, hier
An Born & Busse, hier
An Jacob S. H. Stern, Frankfurt a/M.,
An Nordd. Bank in Hamburg, Hamburg
An Sal. Oppenheim jr. & Co., Cöln (Rhein)
An L. Behrens & Söhne, Hamburg.
Tientsin-Yangtze betr.
Der der letzte Bericht, welcher den Gesellschaftern im Juni v. J. erstattet wurde, ging von einer Gesamtsumme der Anleihe in Höhe von £ 8 500 000 aus, wovon als erste Serie £ 6 000 000 übernommen und emittiert werden sollten, während man £ 2 500 000 späteren Verhandlungen überlassen wollte. Dabei war ein Teilungsverhältnis zwischen den Deutschen und Engländern von 65 : 35 ins Auge gefasst. |1. Blatt, Rückseite, 162|
Als die Vertreter des deutschen und des englischen Konsortiums instruiert worden waren, auf dieser Basis ihre Verhandlungen wieder zu eröffnen, trat der englische Gesandte, welcher [nachträglich ergänzt: ebenso] wie der deutsche Gesandte bei den Verhandlungen in Peking zur Unterstützung hinzugezogen worden war, mit verschiedenen Forderungen auf Aenderung des Vertragsentwurfes hervor, von denen einige nach Benehmen mit den Chinese Central Railways abgelehnt, andere abgeändert und wieder andere acceptiert wurden. Es handelte sich in der Hauptsache um folgende Punkte:
I.) Zu § 5 ist ein Absatz hinzuzufügen, nach welchem die Gesamt-Netto-Einnahmen beider Linien zusammen geworfen werden sollen, um hieraus in erster Reihe die Erfordernisse des Dienstes der Anleihe zu decken, während der alsdann verbleibende Ueberschuss nach Verhältnis der kilometrischen Längen verteilt werden sollte. (Dieses Verhältnis ist in dem Abdruck des Vertragsentwurfes noch mit 65 : 35 angegeben, während sich nach den genaueren Vorarbeiten für die deutsche Linie eine geringere kilometrische Zahl ergeben hat, so dass sich jetzt ein Verhältnis von 63 : 37 ergibt).
II. Der die Zweiglinien betreffende Satz in § 22 sollte nach der Forderung des englischen Gesandten eine Fassung erhalten, wonach die darin bezeichneten Linien an das|2. Blatt, Vorderseite, 163| Deutsch-Englische Syndikat eventuell zu vergeben seien.
Da wir diese Linien als in die deutsche Interessensphäre fallend erachteten, so konnten wir uns hiermit nicht einverstanden erklären und gaben daher lieber zu, den Satz ganz zu streichen.
III. Der englische Gesandte verlangte, dass nur ein board für die ganze Linie stipuliert werde. Wir einigten uns mit den Engländern aber dahin, zwei boards bestehen zu lassen und dagegen dem § 16 einen Satz hinzuzufügen, wonach die Regulative für beide boards identisch sein sollen und den Durchgangsverkehr sichern.
IV. Es wurde verlangt, dass wir uns verpflichten, den Bau der deutschen Linie von Tsinanfu ab nach Norden und nach Süden gleichzeitig mit dem Bau der englischen Linie beginnen zu lassen, was wir, da es durchaus in der diesseitigen Absicht lag, zugegeben haben.
V. Man verlangte eine Weglassung des § 33, welcher die Ratifikation des Vertrages durch ein Kaiserliches Edikt vorsah; an Stelle dieses Paragraphen, dessen wichtige Bestimmungen wird nicht aufgeben konnten, ist der § 34 getreten, in welchem die Unterzeichnung von der bereits geschehenen Autorisation durch ein Kaiserliches Edikt abhängig gemacht wird, wodurch der in dem alten § 33 beabsichtigte Zweck erfüllt wird. |2. Blatt, Rückseite|
VI. Der englische Gesandte verlangte, dass der Gesamtbetrag der Anleihe angegeben werde.
Wir haben uns hiermit einverstanden erklärt, in der Erwägung, dass uns nötigen Falles der § 14 die Handhabe für die Emission einer Zusatz-Anleihe gibt.
Die erwähnten Forderungen des englischen Gesandten motivirte derselbe auf die Anfrage unseres Vertreters damit, dass er nicht nur die Interessen der englischen Finanzgruppe, sondern auch diejenigen des britischen Publikums zu vertreten habe, dem nur eine auf durchaus gesunder Basis beruhende Anleihe angeboten werden könne.
Als Zwischenfall ist sodann zu registrieren, dass Herr Cordes Anfang September v. J. uns als eine Darstellung der damaligen Situation, nicht als einen Ratschlag, mitteilte, dass, wenn wir eine schnelle Erledigung des Eisenbahnbaues betreiben wollten, der einzige Weg dazu die Emission einer reinen Staats-Anleihe, unter Aufhebung des Präliminarvertrages sein würde, während unsererseits zu verlangen wäre: Ersatz unserer Kosten und Zugeständnis einer gewissen Kontrolle über Bau und Betrieb.
Ein Vorbild hierfür war in der Ablösung der amerikanischen Kanton-Hankau-Konzession vorhanden.
Diese Idee ist unsererseits abgelehnt worden: |3. Blatt, Vorderseite, 165|
a.) Im Hinblick darauf, dass eine ohne jede Garantie auszugebende chinesische Anleihe nicht genügend gesichert erscheinen und daher nicht einen leichten Absatz finden würde,
b.) in der Erwägung, dass die Schantung Eisenbahn Gesellschaft nur auf die sogenannte Schantung Mittel-Linie unter der Bedingung verzichtet hat, dass der geplante deutsch- englische Vertrag zu stande kommt,
c.) im Hinblick auf die Schädigung, welche das deutsche Ansehen im allgemeinen in China durch dieses Verfahren leiden würde,
d.) im Hinblick darauf, dass der deutschen Industrie trotz etwaiger, immerhin nur loser, Abmachungen, nicht der ihr gebührende Anteil bei dem Bahnbau zufallen würde,
e.) in der Erwägung, dass die uns im Präliminarvertrag vorbehaltene Gewinn-Beteiligung aus dem Betriebe verloren gehen würde und
f) im Hinblick darauf, dass der Schantung Eisenbahn-Gesellschaft vermutlich die beim Bau zu erhoffenden Transporte ganz oder teilweise entgehen würden.
Uebrigens erklärten unsere englischen Freunde, an die wir eine diesbezügliche Frage richteten, sich durchaus mit unserem Standpunkt einverstanden.|3. Blatt, Rückseite, 166|
Ende vorigen Jahres traten sodann die chinesischen Unterhändler mit der Forderung auf, lediglich auf Grund ihrer Vorschläge vom Jahre 1903 verhandeln zu wollen.
Wir setzten uns über diese Vorschläge mit unseren englischen Freunden ins Einvernehmen und gaben, mit der in der Sitzung des Konsortiums vom 6. Dezember 1906 erhaltenen Genehmigung desselben, in folgenden Punkten den chinesischen Wünschen teilweise nach:
1.) Das Rückkaufsrecht der chinesischen Regierung soll statt nach 30 Jahren bereits nach 20 Jahren, eventuell nach 15 Jahren, eintreten, in letzterem Falle aber eine Rückzahlung der Anleihe-Obligationen zu 102 1/2 % bedingt werden,
2.) der Gewinn-Anteil der Syndikats wird von 20 % auf 10 % herabgesetzt,
3.) die boards of commissioners werden, aus zwei Europäern und zwei Chinesen bestehend, konstituiert.
Diese drei Punkte wurden indessen unseren Unterhändlern mit dem Bemerken übergeben, dass sie nur zugestanden werden sollten, wenn sie hierdurch auch wirklich einen Abschluss erwarten zu können glaubten.
Darauf trat wiederum eine längere Pause in den Verhandlungen ein, bis im März d. J. die chinesischen|4. Blatt, Vorderseite, 167| Unterhändler erklärten, die Ziffern des Voranschlages besitzen zu müssen.
Die speziellen Vorarbeiten unserer Linie waren damals noch nicht eingegangen; wir mussten sie erst abwarten und haben uns alsdann wiederum mit den Engländern in Verbindung gesetzt und gemeinsam mit ihnen den Finanzplan aufgestellt, welchen Sie aus den beiliegenden Ziffern zu ersehen belieben.
Hiernach wird der Gesamtbetrag der Anleihe von £ 7 400 000 in zwei Serien zu emittieren sein, wovon die zweite Serie, entsprechend den Bedürfnissen des Arbeitsprogrammes, nach 2 Jahren ausgegeben werden soll.
Das Einverständnis zu den im Vorstehenden bezeichneten Aenderungen ist, soweit es nicht bereits durch vorangängige Entschliessungen vorhanden war, in der Sitzung der Gesellschafter vom 27. Juni 1906 erteilt worden, worüber näheres in dem über diese Sitzung beschlossenen Protokoll zu ersehen ist.
Wir fügen einen neuen Abdruck des letzten Vertragsentwurfes vom Datum des 10. Februar 1906 bei und bemerken, dass in dieses Druckexemplar noch nicht die sämtlichen, Ihnen mitgeteilten Aenderungen eingefügt worden sind; so bestehen in § 5 Absatz 2 noch die Ziffern 65 : 35 anstatt 63 : 37 und in|4. Blatt, Rückseite, 168| § 17 sind in Klammern noch die Worte: „besides the engineers in chief“ vorhanden, zu deren Streichung unsere Vertreter ermächtigt sind.
Hochachtungsvoll
Deutsch-Chinesische Eisenbahn-Gesellschaft
(gez.) Fischer (gez.) Erich.
u. a., u. A., U. A.unter anderem, unter anderen
Handelsges.Handelsgesellschaft
f.für
Ind.Industrie
Asiat.asiatisch
betr.betreffend
v. J.vorigen Jahres
d. J., d Js, d. Js., ds. Js.dieses Jahres
gez., gez:gezeichnet
PA AAPolitisches Archiv des Auswärtigen Amts, Berlin
Deutsch-Asiatische Bank (DAB), Shanghai / BerlinDie Deutsch-Asiatische Bank wurde 1889 auf Wunsch und mit Unterstützung der deutschen Regierung durch ein von der Disconto-Gesellschaft in Berlin geführtes Konsortium gegründet, dem insgesamt dreizehn deutsche Aktienbanken sowie Privatbankhäuser angehörten, überwiegend aus Berlin und Frankfurt am Main. Neben der Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank waren das die Häuser S. Bleichröder (Berlin), Berliner Handels-Gesellschaft KGaA, Bank für Handel und Industrie (Darmstädter Bank), Robert Warschauer & Co. (Berlin), Mendelssohn & Co. (Berlin), Jacob S. H. Stern (Frankfurt am Main), M. A. von Rothschild & Söhne (Frankfurt am Main), Norddeutsche Bank AG (Hamburg), Sal. Oppenheim jr. & Cie. (Köln), die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank AG (München) und die Preußische Seehandlung (Staatsbank). Die Leitung der Hauptniederlassung in Shanghai übernahm Ferdinand Rinkel. Die ursprüngliche Absicht der Gründungsbanken, sich umgehend an der Finanzierung von Eisenbahnprojekten in der Provinz Shandong zu beteiligen, ließ sich nicht umsetzen. Doch nach Überwindung anfänglicher Schwierigkeiten, die u. a. aus dem Verfall des Silberpreises resultierten, konnte sich die DAB in einem von scharfem Wettbewerb geprägten Umfeld in China als eine der führenden Auslandsbanken etablieren, die in allen Bereichen des Bankgeschäfts tätig war, in der wechselbasierten Handelsfinanzierung, im
Einlagen- und Kreditgeschäft
, im Devisenhandel, in der Notenausgabe sowie bald auch im internationalen Emissionsgeschäft. Der Durchbruch in diesem Bereich gelang durch enge Kooperation mit der Hongkong and Shanghai Banking Corporation (HSBC). Weitere Niederlassungen der DAB wurden 1896 in Kalkutta (Britisch-Indien), vor allem aber in China eröffnet: 1897 in Hankou (zunächst als Agentur, 1910 zur Filiale aufgewertet), 1898 in Tsingtau, 1900 in Hongkong, 1904 in
Tsinan
, 1905 in Peking (zunächst als Repräsentanz, 1910 zur Filiale aufgewertet) und 1910 in Kanton. In Japan konnte die DAB 1905 mit der Eröffnung einer Filiale in Yokohama ebenfalls Fuß fassen, 1906 folgte eine weitere Filiale in Kōbe. Noch im gleichen Jahr wurde außerdem eine Niederlassung in Singapur eröffnet. Durch den Ersten Weltkrieg kamen die Geschäftsaktivitäten der DAB weitgehend zum Erliegen, lebten in der Zwischenkriegszeit wieder auf, wurden aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit der schrittweisen Neuordnung der Eigentümerstrukturen und der Überführung in die zur European Bank’s International Company (EBIC) gehörende European Asian Bank auf eine neue Grundlage gestellt. Vgl.
Müller-Jabusch, Deutsch-Asiatische Bank
;
Bauert-Keetman, Unternehmens-Chronik
;
Barth, Hochfinanz
;
Moazzin, Foreign Banks
;
Historische Gesellschaft der Deutschen Bank, Deep Roots
.
Deutsche Bank (seit 1929: Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft), BerlinDie 1870 gegründete Deutsche Bank in Berlin maß der Finanzierung des deutschen Außenhandels große Bedeutung bei. Ihr Versuch, sich neben den beiden ersten Inlandsfililen in Hamburg und Bremen schon 1872 auch mit jeweils einer Filiale in Shanghai und Yokohama zu etablieren, war allerdings trotz des durchaus erfahrenen Personals, das u. a. vom Comptoir d‛Escompte de Paris angeworbenen wurde, kein dauerhafter Erfolg beschieden. Die beiden Filialen in Ostasien, die Wechsel an- und verkauften, kurzfristige Kredite bewilligten und langfristige Darlehen gegen Sicherheiten gewährten und auch Depositen hereinnahmen, mussten nach nur drei Jahren wieder geschlossen werden. Denn zum einen fielen die Geschäftsmöglichkeiten schwächer aus als erwartet, zum anderen erwies sich die Kapitalausstattung der beiden Filialen mit Silberdotationen angesichts des Verfalls des Silberpreises als problematisch. 1875 wurden die verlustreichen Geschäfte der Filialen Shanghai und Yokohama deshalb auf die im März 1873 etablierte Deutsche Bank London Agency übergeleitet, wo sie nun in Pfund Sterling, einer stabilen Goldwährung, abgewickelt und die hohen Währungsrisiken damit gemildert werden konnten. Die spätere Beteiligung der Deutschen Bank an der Deutsch-Asiatischen Bank war ein weniger riskanter Weg, bei der Finanzierung des deutschen Ostasienhandels, bei Eisenbahn- und Bergbauprojekten sowie bei Emissionsgeschäften in China und Japan mitzuwirken. - Als Überblicksdarstellung zur Geschichte der Deutschen Bank von den Anfängen bis 1914:
Plumpe, Zeitalter der Ersten Globalisierung
.
Bank für Handel und Industrie (Darmstädter Bank), Darmstadt / BerlinZur Unternehmensgeschichte der 1853 in Darmstadt als Aktiengesellschaft gegründeten Bank für Handel und Industrie, die sich schwerpunktmäßig der Finanzierung des Eisenbahnbaus widmete und ihren Sitz 1871 nach Berlin verlegte:
Böhme, Gründung und Anfänge
.
A. Schaaffhausen‛scher Bankverein, Köln / BerlinDer A. Schaaffhausen‛sche Bankverien in Köln geht zurück auf das 1791 von Abraham Schaaffhausen unter seinem Namen gegründete Handelshaus, das auch Bankgeschäfte betrieb und im 19. Jahrhundert verstärkt in die rheinisch-westfälische Montan- und Schwerindustrie zu investieren begann. Durch Immobilienspekulationen 1848 in eine schwere Krise geraten, wurde die Bank von anderen Bankiers und Kaufleuten mit Hilfe staatlicher Garantiezusagen aufgefangen, um einen Zusammenbruch und negative Folgen für ihre zahlreichen Geschäftspartner in der Industrie, darunter beispielsweise auch J. J. Langen & Söhne, zu verhindern. Im Zuge der Rettungsaktion wurde die Bank in eine Aktiengesellschaft umgewandelt; sie war die erste Bank in Preußen überhaupt, die als Aktiengesellschaft zugelassen wurde und konnte sich in den folgenden Jahren rasch erholen und wieder stabilisieren. Sie betätigte sich erneut vor allem in der Industriefinanzierung. Nach 1900 begann der Aufbau eines Filialnetzes. Vgl.
Pohl, Europäische Bankengeschichte
, passim.
Bankhaus Born & Busse, BerlinDas 1868 gegründete Bankhaus Born & Busse in Berlin beteiligte sich an der Industrie- und Immobilienfinanzierung und gehörte seit den frühen 1890er Jahren zu den Konsortialbanken der Deutsch-Asiatischen Bank (DAB) in Shanghai. 1906/07 fusionierte das Bankhaus mit der Nationalbank für Deutschland. wurde 1868 gegründet
Bankhaus Jacob S. H. Stern, Frankfurt am MainDas Bankhaus Jacob S. H. Stern in Frankfurt am Main geht auf die 1778 von Samuel Hayum Stern (1760–1819) und die 1799 von seinem Sohn Jacob Samuel Hayum Stern (1780–1833) gegründeten Weinhandlungen zurück, die 1819 zusammengelegt und unter dem Namen Jacob S. H. Stern fortgeführt wurden. Das Handelshaus wandte sich immer mehr auch dem Bankgeschäft zu und spezialisierte sich schließlich, gestützt auf Niederlassungen in Paris, London und Berlin, auf internationale Emissionsgeschäfte, was dem privaten Bankhaus einen ausgezeichneten Ruf und die enge Zusammenarbeit mit anderen namhaften Geschäftsbanken und Unternehmen einbrachte. So war Jacob S. H. Stern u. a. an der Gründung der Deutsch-Asiatischen Bank und der Schantung-Eisenbahn-Gesellschaft und an der Emission japanischer Staatsanleihen beteiligt. Vgl.
Emden, Money Powers
, S. 256–277;
Kirchholtes, Jüdische Privatbanken
, passim;
Gower, Jacob Schiff
, S. 260–262;
Brötel, Kosmopolitische Finanzeliten
, passim.
Norddeutsche Bank AG bzw. KGaA, HamburgDie 1856 von Kaufleuten und Privatbankiers gegründete Norddeutsche Bank AG entwickelte sich
rasch zur größten Geschäftsbank
Hamburgs. Zu ihren Mitbegründern
zählten u. a. die Handelshäuser J. C. Godeffroy & Sohn,
Ross, Vidal & Co.
sowie F. J. Tesdorpf &
Sohn. Die Aktienbank erhielt zwar nicht, wie anfangs erhofft, das Recht zur Ausgabe
von Banknoten,
betätigte sich aber sehr erfolgreich im Emissionsgeschäft und in der Industriefinanzierung. Sie brachte nicht nur öffentliche und
private Anleihen, sondern
auch Aktien auf den Markt,
darunter die der HAPAG.
Die enge Zusammenarbeit mit der Disconto-Gesellschaft in Berlin auf dem Gebiet der Industriefinanzierung führte 1895 zur Übernahme durch die Berliner
Großbank, die der Norddeutschen Bank in der Rechtsform einer Kommanditgesellschaft auf Aktienbasis jedoch weiterhin ein recht
selbständiges Agieren ermöglichte. Max von Schinckel, der bisherige erste
Direktor der Norddeutschen Bank trat bei der Übernahme als Geschäftsinhaber
in die Disconto-Gesellschaft ein. 1929 gingen beiden Banken schließlich in der
Deutschen Bank und Disconto-Gesellschaft auf. Vgl.
Wulff, Norddeutsche
Bank
;
Schmidt, Bankwesen
.
Bankhaus L. Behrens & Söhne, HamburgDie 1806 von Levy Behrens gemeinsam mit zweien seiner Söhne gegründete Firma L. Behrens & Söhne in Hamburg betätigte sich nicht nur im Tuchwarenhandel, sondern auch als Bank, war also eine klassische Merchant Bank, die mit dem 1815 von einem der beiden Söhne, Salomon Levy Behrens, in Manchester errichteten Firma S. L. Behrens & Co. in enger Verbindung stand und in den 1850er Jahren - gestützt auf die Zusammenarbeit mit den
Rothschilds
in London und Frankfurt am Main - zu einem der führenden privaten Bankhäuser Hamburgs aufstieg. 1938 wurde das Bankhaus an nichtjüdische Eigentümer verkauft, also „arisiert“. Vgl.
Chapman, Merchant Banking
, S. 19, 123.
Schantung-Eisenbahn-Gesellschaft (SEG), BerlinNach der deutschen Besetzung der Bucht von Kiautschou im Herbst 1897 und dem Abschluß eines Vertrages für das „Pachtgebiet“ Kiautschou vom 6. März 1898, mit dem sich das Deutsche Reich sowohl Eisenbahn- als auch Bergbaukonzessionen im Norden Chinas gesichert hatte, konstituierte sich 1899 unter Führung der Deutsch-Asiatischen Bank (DAB) ein Syndikat interessierter deutscher Unternehmen für den Eisenbahn- und Bergbau in der Provinz Shandong, an dem die Schwerindustrie des Ruhrgebiets, der Maschinenbau in Nürnberg, die Reedereien in den Hansestädten, der Großgrundbesitz in Preußen ebenso beteiligt waren wie die Firma Carlowitz & Co. in China. Um die industrielle Entwicklung Chinas voranzutreiben, gründeten sie im Juni 1899 zum einen Schantung-Bergbau-Gesellschaft (SBG), zum anderen die Schantung-Eisenbahn-Gesellschaft (SEG), der vom Auswärtigen Amt die Eisenbahnkonzessionen übertragen wurden. Vgl.
Betz, wirtschaftliche Entwicklung
;
Schmidt, Eisenbahnpolitik
;
MI, Deutscher Eisenbahnbau
;
Davis, Railway Imperialism in China
;
Plumpe, Deutsche Bank in Ostasien
, S. 41–61;
Mühlhahn, Herrschaft und Widerstand
, S. 112–184. Eine Auswahl an Dokumenten zur Gründung und weiteren Entwicklung der Schantung-Eisenbahn-Gesellschaft findet sich in:
Leutner/Mühlhahn, „Musterkolonie Kiautschou“
, S. 381–428.
Eisenbahnamt, chinesisches; auch: Imperial Chinese Railway Administration, seit 1897: Imperial Railways of North China, 1901/1902: British Railway Administration, seit 1902 wieder: Imperial Railways of North China, seit 1910 auch: Peking-Mukden-Railway (chinesisch: Jing-Feng Tielu) Das chinesische Eisenbahnamt ging 1892 aus der seit den späten 1880er Jahren so genannten China Railway Company hervor, die wiederum auf die schon in den frühen 1880er Jahren gegründete Kaiping Railway Company zurückging. Verantwortlicher Engineer in Chief blieb bis in die späten 1890er Jahre der Brite Claude William Kinder, dann setzte ein heftiger innerchinesischer Machtkampf um die Leitungspositionen in dieser Institution ein. Durchsetzen konnte sich schließlich SHENG Xuanhuai, der HU Yufen mit dem wichtigsten Posten in der Direktion der Imperial Railways of North China betraute. Der weitere Streckenausbau in Richtung Norden wurde 1898 und 1899 mit Unterstützung der British and Chinese Corporation (Limited) vorangetrieben, hinter der die Hongkong and Shanghai Banking Corporation (HSBC) sowie das Handelshaus Jardine, Matheson & Co. standen. Vgl. hierzu das Abkommen vom 18. Mai 1899, an dem auch die Deutsch-Asiatische Bank beteiligt war (Dok.-Nr. 5.2.05). Dies lief jedoch russischen Interessen zuwider, die ihren eigenen Einfluss auf die Mandschurei und die Chinese Eastern Railway ausdehnen wollten. Der Boxeraufstand von 1900/1901 beendete vorerst alle weiteren Ausbaupläne und brachte die stark beschädigten Strecken der Imperial Railways of North China vorübergehend unter die britische militärische Kontrolle der British Railway Administration. Im September 1902 wurde die Institution wieder in chinesische Hände zurückgegeben, wobei zugleich der frühere Engineer in Chief Claude William Kinder in seine Position zurückkehrte. In den folgenden Jahren wurde insbesondere der Ausbau der Hauptstrecke nach Mukden vorangetrieben, sodass sich um 1910 allmählich der Name „Peking-Mukden-Railway“ durchsetzte. Obwohl die Linie profitabel betrieben werden konnte, blieben die erhofften wirtschaftlkichen Effekte auf die Belebung von Landwirtschaft und Industrie weitgehend aus. Vgl.
Rosenbaum, China‛s First Railway
;
Rosenbaum, Railway Enterprise
;
Crush, Imperial Railways
. Zur Bedeutung der Eisenbahnen für die weitere chinesische Entwicklung:
Köll, Railroads
.
Regierung Chinas
Berlin
Frankfurt am Main
Hamburg
Köln; auch: Cöln, Cöln am Rhein, Deutz, Köln-Deutz
Tianjin (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Tien-tsin, Tientsin
Zhenjiang (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Chinkiang, Tschinkiang, Tšin-Kian
China; auch: chinesisches Kaiserreich, chinesisches Reich, chinesische Republik, Reich der Mitte
Jangtsekiang [Fluss in China]; auch: Changjiang (Pinyin), Jangtse, Yang-tze-Keang, Yangtse, Yangtsye, Yangtsze, Yangtzi, Yangzijiang
Beijing (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Pekin (englisch), Peking
Jinan [Stadt in China]; auch: Tsinan, Tsinanfu
Kanton [Stadt in China]; auch: Canton, Guangzhou (Pinyin)
Hankou (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Han-kau, Hankau, Hankow
Shandong (Pinyin) [Provinz in China]; auch: Shantung
YUAN Shikai; auch: YUAN Shik-k‛ai, Yuanshikai, YÜAN Shik-k‛aiYUAN ShikaiOffizier, Politiker, Staatsmann12897686116.09.185906.06.1916YUAN Shikai, von 1900 bis 1901 Gouverneur der Provinz Shandong und seit 1901 Generalgouverneur von Zhili sowie Minister der nördlichen Häfen Chinas trat für wirtschaftliche Reformen Chinas ein. Seit 1902 war er außerdem Minister für Beiyang (eine Region, die die heutigen Provinzen Liaoning, Hebei und Shandong umfasst) und baute als solcher die sogenannte Beiyang-Armee auf, die als leistungsfähigste ganz Chinas galt. Wegen seiner wachsenden Macht und seine Vorschläge für eine Verfassungsreform nach britischem Vorbild fiel er am Kaiserhof jedoch in Ungnade und verlor 1908 alle Ämter. In der Chinesischen Revolution spielte er eine wichtige mäßigende Rolle, indem er einerseits von den Qing die Wiedererlangung hoher Ämter für sich forderte und andererseits als Anführer der Beiyang-Armee die Revolutionäre zu Verhandlungen mit der kaiserlichen Regierung zwang. Am 14. Februar 1912 wurde YUAN Shikai, der den jungen Kaiser PU YI zur Abdankung veranlasste, mit dem Einverständnis des Anführers der Revolutionäre und eigentlich bereits gewählten Übergangspräsidenten SUN Yat-sen zum ersten offiziellen Präsidenten der Republik China ernannt. Vgl.
FANG, „YÜAN Shik-k‛ai“
;
CH‛EN, Yuan Shik-k‛ai
;
Young, Presidency of Yuan Shik-k‛ai
;
MacKinnon, Power and Politics
;
Shan, Yuan Shikai
.
ZHANG Zhidong; auch: CHANG Chih-tungZHANG ZhidongBeamter, Reformpolitiker11898062902.09.183704.10.1909ZHANG Zhidong amtierte in den 1880er Jahren als Gouverneur der chinesischen Provinz Shanxi und als Generalgouverneur der Provinzen Guangdong und Guangxi, bevor er 1889 zum Generalgouverneur der Provinzen Hubei und Hunan ernannt wurde, ein Amt, das er bis 1907 inne hatte. Er war ein starker Befürworter des Eisenbahnbaus, um China zu modernisieren. Als Vertreter der chinesischen Regierung verhandelte er u. a. das vorläufige Abkommen zum Bau der Tientsien-Chinkiang-Eisenbahnlinie vom 18. Mai 1899 (vgl. Dok.-Nr. 5.2.05). Vgl.
Cameron, „Chang Chih-tung“
, S. 27–32;
MacMurray, Treaties and Agreements
, S. 694;
Baur, China um 1900
, passim;
Moazzin, Foreign Banks
, passim.
Teilhaber; auch: Ahsocié, Associé, Gesellschafter, Partner, Theilhaber, Theilnehmer
Aktionär; auch: Actionär, Anteilseigner, Interessent, shareholder (englisch)
Eisenbahn; auch: Eisenbahnbau, Eisenbahngesellschaft, Eisenbahnlinie, Eisenbahnprojekt, Eisenbahnschienen, Eisenbahnschwellen, Eisenbahnverwaltung, Eisenbahnwerkstätte, Eisenbahnwesen, line (englisch), moderne Verkehrseinrichtung, railway (englisch), rollendes Material, rolling stock (englisch)
Vertrag [gewerblicher Vertrag]; auch: Abkommen, Uebereinkommen, Vereinbarung
Ertrag; auch: Erwerb, Erlös, verdiente Gelder, Nutzen
Chinesen; auch: Chinese (englisch)
Briten; auch: British (englisch), Britons (englisch), Engländer, English (englisch), Englishmen (englisch)
Pound Sterling [Währungseinheit]; auch: £, £ st., l., Pfund Englisch, Pfund SterlingDas britische Pound Sterling, üblicherweise abgekürzt mit dem Zeichen £, unterteilt sich in shilling, abgekürzt s oder sh, und pence, abgekürzt d (für „denarius“). Ein Pound Sterling entspricht dabei 20 shilling oder 240 pence (1 shilling = 12 pence).
Deutsche; auch: Germans (englisch)
Vertreter, Vertretung; auch: agency (englisch), agent (englisch), Agent, Agentur, Alleinvertretung, Handelsagentur, representation (englisch), representative (englisch), Vertretungsgebiet, Vertretungsvertrag
Konsortium; auch: Consortium, great financial group (englisch), Syndikat
Gesandter des Deutschen Reichs
Emission; auch: Begebung, EmissionsgeschäftDer finanztechnische Fachbegriff „Emission“ bezeichnet das Herausbringen und Platzieren von Wertpapieren bei bestimmten Investoren oder an der Börse.
Geschäftskosten; auch: costs (englisch), Handlungs-Unkosten, Kosten, Schiffs-Unkosten, Spesen, Unkosten
Kontrolle; auch: Aufsicht, Controlle
Garantie, staatliche; auch: guarantee (englisch)
Gewinn; auch: Avanz, Ayanz, Capital Avance (niederländisch), Gewinn, Gewinnbeteiligung, Gewinnst, Gewinst, Netto-Gewinn, Profit, profit (englisch), profit sharing (englisch), Verdienst
Europäer, Europäerin; auch: Westländer
Staatshaushalt; auch: Staatsfinanzen, Staatsbudget
Ingenieur; auch: engineer (englisch), Chefingenieur, Engineer in Chief (englisch)