|1. Seite, 175|
Das Kapitel „Die Rehabilitierung“, dem die folgenden Passagen entnommen sind, beginnt mit einer kritischen Reflexion Emil Helfferichs über die verlustreichen Pfefferspekulationsgeschäfte, die zur Übernahme der Firma Helfferich & Rademacher in Batavia / Telok Betong durch Behn, Meyer & Co. Ltd. in Singapur führten. Vgl. Dokument Nr. 2.4.2.09; Dokument Nr. 2.4.2.10
Anders lagen die Verhältnisse bei Kopra, die einen großen Konsumartikel mit weiten Produktions- und Absatzmöglichkeiten darstellte. Dieses Produkt war dadurch viel beweglicher, und ein Festfahren wie bei Pfeffer ausgeschlossen. Hier konnte man mit gutem Gewissen etwas wagen. Aber auch hier kam es auf die Führung und Organisation des Geschäftes an. Sowohl Batavia und Surabaya mit Tjilatjap, als auch Singapore, Penang, Makassar und Menado handelten Kopra in grossen Mengen. Wenn dieses Geschäft unter einheitlicher Leitung zusammengefaßt wurde, konnte daraus etwas ganz Großes werden. Bisher lag, wie gesagt, die Geschäftsinitiative individuell bei den einzelnen Firmen draußen. Diese offerierten nach Hause oder nahmen herausgedrahtete Orders an bezw. lehnten sie ab. Arnold Otto Meyer handelte lediglich als Zwischenmann und gab hin und wieder mit einem dicken Privatcode allgemeine Marktindikationen nach draußen, wie z. B. „Market strong, looks like going higher“ u. dgl. Von einer Bestimmtheit oder gar einem Kommando war ebenso wenig die Rede, wie von einem gemeinsamen Handeln der östlichen Firmen.
Mein Plan war nun, eine völlige Umgestaltung des Geschäfts herbeizuführen, und zwar von Kopra ausgehend. Die Initiative für das große Geschäft soll zukünftig in eine Hand, nach Hamburg, gelegt werden. Zu diesem Zwecke sollte das ganze Koprageschäft von Arnold Otto Meyer / Behn, Meyer & Co. Ltd. gepoolt werden mit einer bestimmten Quote für jeden Beteiligten. Daneben sollte den Firmen draußen im kleinen Rahmen eigene Bewegungsfreiheit gelassen werden. Sache der Leitung, also Arnold Otto Meyer‛s, würde es dann sein, erstens alle Informationen zu sammeln und auszuwerten, zu diesem Zwecke mit allen Absatzmärkten und Produktionsgebieten die engste Fühlung zu halten, ferner das Kommando zu übernehmen, d. h. zu entscheiden, ob und welche Orders ausgeführt und ob in welchem Ausmaße für eigene Rechnung (Pool-Rechnung) gekauft oder verkauft werden sollte, kurz: die Tendenz, das Interesse und den Umfang des Geschäfts zu bestimmen. Außerdem sollten nicht nur reine Abladegeschäfte, sondern auch Arbitragegeschäfte gemacht werden. Eine laufende Übersicht über die Vorräte und Anlieferungen bei den einzelnen Firmen sollte in Hamburg konzentriert werden. Finanziell müßte der Pool so fundiert sein,|2. Seite, 176| daß auch ein längeres Durchhalten eines größeren Interesses möglich wäre. Ich hatte für die Pool-Codes bereits Entwürfe gemacht und mich dadurch in die künftige Praxis des Geschäftes vertieft. Ich war gewiß, daß es ein Erfolg sein würde, und bereit, bei Arnold Otto Meyer die Leitung des Pools zu übernehmen.
Aber Herr Witthoefft war für mich nicht zu sprechen. Der Monat August 1908 war vorbei. September 1908 neigte sich seinem Ende zu. Ich war inzwischen bei Herrn Laspe gewesen und eiskalt empfangen worden. Man habe mit mir weiter nichts zu tun. So hatten wir nicht gewettet. Ich hatte der Welt gegenüber die ganze Schuld für die Pfeffertransaktion auf mich genommen. Aber Hamburg war mitschuldig. Nicht nur, daß sie uns jungen Kaufleuten den Sporn in die Weichen gedrückt hatten anstatt uns zu zügeln, sondern Hamburg war in der Tendenz mitgegangen, hatte uns bestärkt, war über einen großen Teil unseres Pfefferinteresses unterrichtet gewesen, und zwar über den teuersten Teil. Die weiteren Käufe, die die billigeren waren, hatte ich auf meine Kappe genommen. „Kommen Sie nach Hamburg, dort sprechen wir weiter,“ war nicht grundlos gesagt. Und jetzt verschlossene Türen. Ich hatte alle Unterlagen – Telegramme, Briefe und Aufstellungen – von Batavia mitgebracht und stellte jetzt die Geschichte der großen Pfeffertransaktion zusammen. Als ich damit fertig war und ein letzter Versuch, Witthoefft zu sprechen, mißlang, schrieb ich Arnold Otto Meyer einen langen, klaren Brief. Ich setzte darin alles auseinander und schloß damit, dass ich erwartete, eine Gelegenheit zur Rehabilitierung zu bekommen, sonst hätte auch ich keine Rücksichten mehr zu nehmen.
Es folgen Ausführungen über die persönlichen Lebensverhältnisse, die Anbahnung einer Verständigung mit der Firma Arnold Otto Meyer und den Abschluss eines Vertrages zwischen Arnold Otto Meyer und Emil Helfferich am 15. Januar 1909 zur Umsetzung des Pool-Plans, der am 6. April 1909 in Kraft trat.
|3. Seite, 181|
Ich hatte die allgemeine Leitung der Geschäfte, also das Kommando, bestimmte die Tendenz, Kauf- und Verkaufspreise, den Umfang der Käufe und Verkäufe sowie die Höhe des jeweiligen Interesses. Ebenso führte ich die Statistiken sowie die Korrespondenz mit draußen. Die ganze Technik des heimischen Geschäfts, der Verkehr mit den Maklern und die Korrespondenz mit unseren Agenten und Kunden erledigte Schmeisser. Die Telegramme nach drüben gingen alle durch mich. Es war Vorsorge getroffen, daß die Telegramme von drüben, die gewöhnlich vormittags oder mittags eintrafen, Herrn Schmeisser noch an Börse zugesprochen wurden. Um vier Uhr nachmittags wurden die Telegramme nach drüben aufgemacht und vor fünf Uhr abgefertigt. Die Arbeitsteilung arbeitete glänzend, und wir hatten bald Zug im Kontor.
Es folgen Ausführungen zur Zusammenarbeit mit Adolf Laspe
In kurzer Zeit hatten wir in Europa alle Verbindungen für ein großes Koprageschäft hergestellt. Nicht nur mit den Ölmühlen in Hamburg, Bremen und Magdeburg, sondern auch mit den Märkten in Amsterdam, Liverpool und Marseille, sowie mit den Großabnehmern in St. Nazaire, Petersburg und Odessa waren wir in ständigem Kontakt. Von draußen erhielten wir laufend Informationen über Marktlage, Ernteaussichten, Ankünfte, über die Transaktionen unserer Konkurrenten usw. Nach draußen gingen unsere Kabel: Kauft oder verkauft. Neben dem Abladegeschäft wurde das Arbitragegeschäft gepflegt. Wir kauften z. B. in|4. Seite, 182| Amsterdam und verkauften an Batavia. Der große Geschäftsumfang und die vielen Positionen auf den verschiedenen Plätzen erlaubten uns, alle Chancen auszunutzen. Eine der wesentlichen Hilfen bei dem Geschäft war für mich die laufende Statistik über Vorräte, Anlieferungen und offene Kontrakte von allen Plätzen der Poolbeteiligten. Da konnte man disponieren wie ein Generalstäbler. Auch Mohrmann & Co. in Makassar und Menado hatten wir in unseren Interessenkreis einbezogen, ohne sie allerdings in den Pool aufzunehmen. In der Tendenz lagen wir von Anfang an richtig, auch bewährte sich meine Annahme, dass man ausklarieren konnte, wenn man wollte. Wir lagen à la hausse. In einem Stockungsmoment hielten wir einmal 5000 tons Kopra unverkauft. Das bedeutete wenig gegenüber einem monatlichen Umsatz von 7000 tons, den wir durchschnittlich erreicht hatten, und es hielt auch nicht schwer, das Interesse wieder zu reduzieren. Es war ein ganz großes Geschäft, das wir machten, und es wurde gut verdient. In kurzer Zeit waren wir führend in Kopra, und sind es auch weiterhin geblieben.
bezw., bzw.beziehungsweise
z. B.zum Beispiel
u, u.und
dergl., dgl.dergleichen
d. h. das heißt
u. s. w., usw., & s. w.und so weiter
BMABehn Meyer Archiv, Hamburg
Arnold Otto Meyer, HamburgDie Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg wurde 1857 von dem in die Hansestadt zurückgekehrten Arnold Otto Meyer gegründet, der zuvor einige Jahre in dem von Theodor August Behn gemeinsam mit seinem älteren Bruder Valentin Lorenz Meyer etablierten Handelshaus Behn, Meyer & Co. in Singapur tätig gewesen war. Die neue Firma in Hamburg sollte die Interessen von Behn, Meyer & Co. in Deutschland und Europa wahrnehmen. Arnold Otto Meyer trug durch seine persönliche Präsenz in Hamburg maßgeblich dazu bei, dass die Firma Behn, Meyer & Co. mit ihren internationalen Verflechtungen die Weltwirtschaftskrise von 1857 weitgehend unbeschadet überstand, denn es gelang ihm, ihre Gläubiger in Hamburg, Bremen und London zu einem langfristigen Zahlungsaufschub zu bewegen. Da er im Sommer 1862 zur Überwindung der Krisenfolgen nochmals für einige Jahre nach Singapur zurückkehrte, spielte die von ihm gegründete Firma Arnold Otto Meyer zunächst nur eine untergeordnete Rolle. Das änderte sich, als Arnold Otto Meyer 1864 nach Hamburg zurückgekehrt war und die Geschicke der beiden Schwesterfirmen nun von Hamburg aus als deren führender Kopf zu lenken begann. Mit den anderen Teilhabern von Behn, Meyer & Co. in Singapur stand er in einem intensiven brieflichen Austausch. Als er sich zur Jahrhundertwende aus den beiden Schwesterfirmen zurückzog, um ihre Geschicke künftig nur noch als stiller Gesellschafter zu begleiten, übernahmen sein Sohn Eduard Lorenz Meyer, Adolf Laspe und Franz Heinrich Witthoefft die verantwortliche Leitung der Geschäfte. Unter ihrer Führung entwickelte sich die Firma Arnold Otto Meyer zur eigentlichen Schaltzentrale des Handelshauses Behn, Meyer & Co. in Singapur, das 1906 in eine Aktiengesellschaft britischen Rechts umgewandelt wurde und nun stark expandierte. Die Firma Arnold Otto Meyer selbst eröffnete vor dem Ersten Weltkrieg keine Niederlassungen in Ostasien, beteiligte sich aber an einigen Gesellschaften, so beispielsweise an dem 1910 gegründeten Straits und Sunda Syndikat, das in die Plantagenwirtschaft Südostasiens investierte. Vgl.
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 1
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 2
;
Kleinsteuber, Merchants
.
Helfferich & Rademacher, Batavia / Telok BetongDie 1903 von Emil
Helfferich, Georg
Rademacher und Albert
Paulmann gegründete Firma Helfferich & Rademacher in Batavia widmete sich - gestützt auf
eine von Helfferich schon
zwei Jahre zuvor eingerichtete Niederlassung in Telok Betong im Süden Sumatras sowie eine von Rademacher geleitete neue Niederlassung
in Surabaya – insbesondere dem
Export von Pfeffer und
Kopra. Das
prosperierende Unternehmen wurde Anfang 1907 zum Zweck einer Beteiligung von
Arnold Otto Meyer in
eine Aktiengesellschaft niederländischen Rechts überführt, die
Handelsvereeniging voorheen Helfferich & Rademacher, die sowohl von Arnold Otto Meyer als auch
von verschiedenen anderen Firmen großzügige Kredite eingeräumt bekam und zudem mit der Vertretung des Norddeutschen Lloyds
beauftragt wurde. Durch den unerwarteten Verfall der Pfefferpreise
geriet die Firma noch im gleichen Jahr in wachsende finanzielle
Schwierigkeiten und wurde schließlich im Februar 1908 von der Firma Behn, Meyer & Co. Ltd. in
Singapur im Stillen aufgekauft.
Rademacher und Paulmann blieben als
Leiter der Filialen von Behn, Meyer
& Co. Ltd. in Surabaya
und Telok Betong tätig, Helfferich schied zunächst
aus. Vgl.
Helfferich,
Ein Leben
, S. 106–172;
Helfferich, Behn, Meyer
& Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 2
, S. 108–111.
Behn, Meyer & Co. (seit 1906: Ltd.), SingapurDas 1840 von Theodor August Behn und Valentin Lorenz Meyer gegründete Handelshaus Behn, Meyer & Co. in Singapur entfaltete eine rege Geschäftstätigkeit, vor allem in Südostasien, geriet 1857 jedoch in eine schwere Krise, die vor allem dank Arnold Otto Meyer, eines jüngeren Bruders von Valentin Lorenz Meyer, der seit 1851 zu den Teilhabern zählte und außerdem kurz zuvor eine eigene Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg etabliert hatte, bewältigt werden konnte. In den 1880er und 1890er Jahren engagierte sich die Firma Behn, Meyer & Co. verstärkt im Schiffsgeschäft und übernahm die Vertretung namhafter Dampfschifffahrtsgesellschaften, darunter seit 1887 der Norddeutsche Lloyd in Bremen, seit 1890 die Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft in Hamburg und seit 1897 die Hamburg-Amerika-Linie in Hamburg. Treibende Kraft in diesem Geschäftsfeld war Franz Heinrich Witthoefft, der seit 1900 neben Eduard Lorenz Meyer und Adolf Laspe zu den drei Teilhabern zählte. 1891 wurde eine erste Niederlassung in Penang eröffnet, die sich dem Handel mit Zinn zuwandte. Im Jahr 1900 versuchte man auf den Philippinen Fuß zu fassen, 1901 wurde eine weitere Niederlassung in Sandakan (Britisch-Nordborneo) eröffnet, die zugleich als Agentur der Chartered Bank of India, Australia and China fungierte. 1906 wurde die Firma in eine britische Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt, die Behn, Meyer & Co. Ltd. mit Sitz in Singapur. Alleinige Aktionäre blieben die drei bisherigen Teilhaber, die sich künftig auf die Leitung der „Schaltzentrale“ Hamburg konzentrierten und sich in Singapur nicht länger auf Teilhaber, sondern auf angestellte Manager stützten. 1906 wurden zudem neue Niederlassungen in Cebu, Zamboanga und Ilo Ilo auf den Philippinen eröffnet sowie eine Beteiligung an der Singapore Rubber Company Ltd. in Singapur erworben, um am „Rubberboom“ partizipieren zu können. 1907 kam eine weitere Niederlassung in Bangkok (Siam) hinzu. Im Jahr darauf erfolgte die Übernahme der Handelsgesellschaft vorheen Helfferich & Rademacher mit Niederlassungen in Batavia, Surabaya, Telok Betong und Samarang in Niederländisch-Indien. 1913 gab es bei Behn, Meyer & Co. Ltd. mehr als einhundert europäische Angestellte. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam 1914 noch eine Niederlassung in Rangun (Britisch-Burma) hinzu. Vgl. ausführlich zur Unternehmensgeschichte, die aufgrund erhalten gebliebenen Überlieferungen eingehend untersucht werden kann:
Arnold Otto Meyer, Hamburg (Behn, Meyer & Co., Singapore, Penang, Manila und Sandokan)
;
Sieveking, Anfänge des Hauses Behn-Meyer & Co.
;
Sieveking, Behn-Meyer & Co.
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 1
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 2
;
Kleinsteuber, Merchants
;
Yacob, Trans-generational Renewal
;
Yacob, Rising of the Phoenix
;
Fiedler, Von Hamburg nach Singapur
.
J. Mohrmann & Co., MakassarDie von dem Hamburger Kaufmann Julius Mohrmann 1847 gegegründete Firma Julius Mohrmann & Co. in Makassar auf der Insel Celebes in Niederländisch-Indien unterhielt auch eine Niederlassung in Menado und stand in geschäftlicher Verbindung zu Behn, Meyer & Co. in Singapur. In den späten 1890er Jahren übernahm sie die Vertretung der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft (DADG). 1901 erfolgte die Umwandlung in die Handelsvereeniging voorheen J. Mohrmann & Co., eine Aktiengesellschaft niederländischen Rechts, an der sich nun auch die Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg beteiligte; sie war insbesondere an der Zulieferung von Kopra interessiert. 1921 wurde die Beteiligung wieder verkauft. Vgl.
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 1
, S. 101;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 2
, passim.
Börse von Hamburg
Hamburg
Singapur, auch: Sincapore, Singapore
St. Nazaire
St. Petersburg
Odessa
Batavia [Stadt auf der Insel Java]
Telok Betong [Ort auf der Insel Sumatra]
Surabaya [Stadt auf der Insel Java]; auch: Soerabaiya, Soerabaya, Sourabay, Sourabaya
Tjilatjap [Ort auf der Insel Java]
Penang [Insel in der Straße von Malakka]; auch: Prince of Wales Island (englisch), Pulo Pinang (malaiisch)
Makassar [Stadt auf der Insel Celebes]; auch: Macassar
Menado [Ort auf der Insel Celebes in Niederländisch-Indien]
Europa; auch: Europe (englisch)
Bremen
Magdeburg
Amsterdam
Liverpool
Marseille; auch: Marseilles
Helfferich, EmilEmil HelfferichKaufmann, 12436165X17.01.187822.05.1972Emil Helfferich stammte - wie sein ältester Bruder Karl Theodor Helfferich und fünf weitere Geschwister - aus Neustadt an der Bergstraße, durchlief eine kaufmännische Lehre in Hamburg und gründete 1903 gemeinsam mit Georg Rademacher und Albert Paulmann die Firma Helfferich & Rademacher in Batavia / Telok Betong. Er selbst übernahm die Leitung der Niederlassung in Telok Betong. Als die 1907 mit Unterstützung von Arnold Otto Meyer in Hamburg in eine Aktiengesellschaft umgewandelte Firma bald darauf durch Pfefferspekulationen in finanzielle Schwierigkeiten geriet und im Februar 1908 von Behn, Meyer & Co. Ltd. in Singapur aufgekauft wurde, schied er zunächst aus, betätigte sich jedoch bald darauf als Berater für die Neuorganisation des Produktengeschäfts von Arnold Otto Meyer. Gemeinsam mit Franz Heinrich Witthoefft trat er für verstärkte deutsche Investitionen in die Plantagenwirtschaft
Südostasiens ein und zählte zu den treibenden Kräften für die Gründung des Straits und Sunda Syndikats, an dem deutsche und belgische Investoren beteiligt waren. Er blieb bis 1928 in Niederländisch-Indien, übernahm nach seiner Rückkehr nach Deutschland politische und wirtschaftliche Ämter, etwa als Hamburgischer Staatsrat, als Vorsitzender des Ostasiatischen Vereins und als Vorsitzender des Aufsichtsrats der HAPAG. 1932 engagierte er sich im sogenannten Keppler-Kreis, dessen Mitglieder Reichspräsident Paul von Hindenburg aufforderten, Adolf Hitler zum Reichskanzler zu berufen. 1933 trat er der NSDAP bei. Vgl.
Helfferich, Ein Leben
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 2
, passim;
Kemper/Rentschler, Handlungsspielräume
, S. 273–281.
Witthoefft, Franz HeinrichFranz-Heinrich WitthoefftKaufmann, Wirtschaftsvertreter, Politiker13011735819.11.186306.07.1941Franz Heinrich Witthoefft absolvierte eine kaufmännische Lehre bei der Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg und war von 1885 bis 1896 als leitender Angestellter für deren Schwesterfirma Behn, Meyer & Co. in Singapur tätig. 1896 stieg er zum Teilhaber des Unternehmens auf und blieb es bis 1905. Von 1900 bis 1941 war er zudem Teilhaber der Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg und übernahm zahlreiche Ämter in Wirtschaft und Politik (u.a. als Aufsichtsratsvorsitzender der Commerz- und Privatbank, als Präses der Handelskammer Hamburg, als Präsidiumsmitglied des Hansa-Bundes für Gewerbe, Handel und Industrie, als Vorsitzender des Wirtschaftsrats der Hansestadt Hamburg, als Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft und im Senat der Hansestadt Hamburg). Ausführlicher zum beruflichen und politischen Wirken Witthoeffts:
Krause, „Witthoefft, Franz Heinrich“
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 1
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 2
.
Angestellter; auch: Beamter (Privatbeamter), Employé
Spekulation, Spekulationsgeschäft; auch: Differenzgeschäft, Speculation
Einkauf; auch: Einkaufsgesellschaften
Kopra; auch: Copra, CoprahUnter der Bezeichnung „Kopra“ wurden im 19. Jahrhundert große Mengen des in Südostasien und Ozeanien produzierten, getrockneten Kokosnussfleisches nach Europa verbracht, wobei zwischen den beiden Varianten „Sundried“ (in der Sonne getrocknet und von höherer Qualität) und „Kilndried“ (im Ofen getrocknet und von niedrigerer Qualität) unterschieden wurde. In Europa wurde Kopra vor allem zu Kokosnussöl verarbeitet. - Vgl. zu den Arbeits- und Lebensbedingungen in der Kopraerzeugung auf Samoa:
Droessler, Coconut Colonialism
.
Konsum; auch: Consumption, Consumtion, Konsument, Verbrauch, Verbraucher
Pfeffer; auch: Black Java, Black Pepper, Lampong, peeper (niederländisch), White Muntok
Telegrafie; auch: Cabeln, Code, Drahten, Private Code (englisch), Special Code (englisch), Telegraph, telegraph (englisch), Telegraphic Address (englisch), TelegraphieNeben Briefen und anderen schriftlichen Nachrichten wurde die Telegrafie im 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Kommunikationsmedium der im Fernhandel tätigen Kaufleute und Reeder. Nachdem die technischen Infrastrukturen geschaffen worden waren, ging es nicht zuletzt darum, neue Routinen und Rhythmen im Umgang mit dem Medium sowie Wege zu finden, eigene Geschäftsgeheimnisse zu schützen. Zu diesem Zweck wandten die Kaufleute in ihrer telegrafischen Geschäftskorrespondenz häufig eigene, speziell entwickelte Codes an, sodass die übermittelten Informationen, etwa sensible Preisinformationen oder Namen von Auftraggebern und Kunden, nicht ohne Weiteres von Dritten mitgelesen werden konnten. Durch Verkürzung der Wortlängen konnten zudem erhebliche Kosten gespart werden. Vgl. hierzu exemplarisch:
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 2
, S. 78f. - Zur generellen Bedeutung der Telegrafie für die wirtschaftliche Globalisierung:
Wenzlhuemer, Connecting the Nineteenth-Century World
.
Auftrag; auch: Bestellung, Order, Ordre
Rechnung; auch: account (englisch), Factur, Factura, Faktur
Quantität; auch: Produktmenge
Telegramm; auch: Depesche, Kabel
Preis; auch: Außenhandelspreis, Bruttopreis, Einkaufspreis, Facturapreis, Kaufpreis, Listpreis, Preisentwicklung, Preisverfall, price (englisch), Selbstkostenpreis, value (englisch), Verkaufspreis, Waarenwerth, Weerth, Wert, Werthbemessung
Makler; auch: broker (englisch)
Vertreter, Vertretung; auch: agency (englisch), agent (englisch), Agent, Agentur, Alleinvertretung, Handelsagentur, representation (englisch), representative (englisch), Vertretungsgebiet, Vertretungsvertrag
Kontor; auch: Contor, Privat Contor
Ölmühle [Speiseöl]; auch: Oelfabrik, oil mill (englisch)
Vertrag [gewerblicher Vertrag]; auch: Abkommen, Uebereinkommen, Vereinbarung
HausseDer aus dem Französischen stammende Begriff „Hausse“ bezeichnet das forlaufende Steigen der Preise oder Kurse an einem Markt.
Tonne [Gewichtseinheit]; auch: t., ts., ton (englisch) Die Gewichtseinheit Tonne war im 19. Jahrhundert noch nicht normiert. Sie wurde teilweise auch noch als ein Raummaß verwendet, also etwa für eine Tonne voll Bier, Getreide, Fisch oder Salz mit ganz unterschiedlichem Gewicht. Für die Tonne als Gewichtseinheit setzte sich im 19. Jahrhundert im deutschen Sprachraum das metrische Maß von 1.000 Kilogramm durch. Im angelsäsischen Sprachraum dagegen ist weiterhin zwischen der metrischen Tonne (metric ton), der britischen „long ton“ (~ 1.016 Kilogramm) und amerikanischen „short ton“ (~ 907 Kilogramm) zu unterscheiden.
Umsatz, Umsatzentwicklung