|1. Blatt, Vorderseite|
Gedruckter Briefkopf, oberste Zeile durch Wasserschaden zerstört:
Telegramm-Adresse:
Deutschbank Bremen
Für Übersee:
Deutshbank Bremen
Deutsche Bank, Berlin
Kapital und Reserven 303,7 Millionen Mark.
Zweig-Niederlassungen:
Augsburg, Bremen, Dresden, Frankfurt a. M., Hamburg,
Leipzig, London, München, Nürnberg, Wiesbaden.
Bremen, den 10. Juli 1909
Herrn
Direktor Heinemann
Deutsche Bank
Berlin
Sehr geehrter Herr Heinemann!
Ich empfing Ihr gefl. Schreiben vom 8. crt., die Gründung eines deutschen Instituts für die Straits und Niederländisch-Indien betreffend, und gestatte mir darauf folgendes zu erwidern.
An und für sich würde es mir äusserst zu sympathisch sein, wenn die Deutsche Bank ihren Wirkungskreis auf den Osten ausdehnen und ich dadurch Gelegenheit bekommen würde, mit meinen in 19jähriger Tätigkeit in Singapore erworbenen Erfahrungen der Deutschen Bank von Nutzen sein zu können. Es giebt auch ganz sicher Unternehmungen und Gebiete, wo deutsches Kapital sich mit gutem Erfolg betätigen könnte, mehr wohl in den Straits wie in Holländisch-Indien, wo man dem Eindringen fremden Einflusses feindlicher gegenübersteht. Bereits am 5. September 1905 gab ich Herrn Lücke ein Exposé über die Möglichkeiten, welche der Osten bietet und wies speciell auch auf Rubber hin. Bald darauf trat die Firma Arnold Otto Meyer bezw. Herr Witthoefft wegen einer Beteiligung an der zu gründenden Singapore Rubber Co. an Herrn Victor Koch und mich heran. Die Hamburger Filiale placirte $. 40 000.– Actien, die Bremer $. 60 000.–; das Unternehmen ist jetzt in London unter für die Actionäre recht vorteilhaften Bedingungen neu „gegründet“ worden.
Ich glaube nicht, dass der jetzige Colonial-Enthusiasmus deutscher Kreise sich allzu gern Gründungen in englischen und|2. Blatt, Vorderseite| holländischen Colonien Beschädigung des Papiers von Bremen aus viel Kapital in Sumatra Beschädigung des Papiers Taback-Plantagen investirt und schliesslich, meist durch Unkenntnis der Verhältnisse, Leichtgläubigkeit und Ungeschicklichkeit verloren wurde, so lag neben dem Reiz, selbst Plantagen-Besitzer im Auslande zu sein, ein lebhaftes Interesse vor, Artikel die für Bremen von Bedeutung sind und denen sich die grössten hiesigen Firmen widmen, mehr nach Bremen zu ziehen.
Den Emissions-Credit der Deutschen Bank vor den geplanten „Investment Trust“ zu spannen halte ich für sehr bedenklich und sehe diese Bedenken
in der Sache selbst,
vor allem aber in der Personalfrage.
Die Tätigkeit des „Investment Trust“ in den Straits würde sich aller Voraussicht nach in erster Linie auf Financirung von
Rubber Estates,
Uebernahme bestehender Pflanzungen und Ausbau derselben sowie Gründung von neuen Rubber
Gesellschaften beschränken. Das Vorbild hierfür giebt wohl der in London in der Gründung begriffene oder
bereits gegründete Rubber
Trust ab. Daneben mögen Zinn-Minen und Plantagen anderer Straits-Exportartikel in Frage kommen,
doch hat Herr Witthoefft wie
ich vor meinem Eintritt in die Deutsche Bank zu meinem eigenen Schaden erfuhr, in allem, was er in
dieser Beziehung unternommen hat, eine unglückliche Hand gehabt.
Es dürfte Ihnen bekannt sein, dass der Boom in Rubber seit etwa Jahresfrist ein ganz gewaltiger ist, und Londoner Kreise sich mit Macht auf Gründung von Rubber-Gesellschaften in Ceylon, den Straits Settlements, Sumatra, Borneo etc. geworfen haben. In Deutschland hat man weniger Interesse dafür gezeigt, sondern vielfach die gegenwärtige Hausse benutzt, um seine Investirungen nach London abzustossen. Bei dem grossen Bedarf, den die Industrie für Rubber hat und haben wird, halte ich es durchaus für möglich, dass die Hausse-Bewegung|3. Blatt, Vorderseite| für Rubber Beschädigung des Papiers auch wenn im Laufe der nächsten 5 Jahre stark steigen und Borneo an Plantagen Rubber absorbirt werden wird. Immerhin glaube ich, dass der Höhepunkt innerhalb der nächsten Jahre liegt und dann auch mal kräftige Fluctuationen nach unten vielleicht auch ein Krach einsetzen wird.
Herr Mühlinghaus, dessen Plantagen laut Ihrem Brief vom 23. Juni an Herrn Victor Koch als aussichtsreiches Object für den „Investment Trust“ genannt werden, kenne ich als einen ausserordentlich zielbewussten, in den Straits sehr erfolgreichen Herrn, der bislang seine Rubber-Estates ganz für eigene Rechnung, unter Ausschluss der ihm von anderer Seite angebotenen Beteiligungen, gründete und fortführte, jetzt aber doch auch den Moment für gekommen zu erachten scheint, um seine Unternehmungen „gründen“ zu lassen und ganz gewiss nicht ohne sehr bedeutende Avance auf die von ihm investirten Gelder, bei grösserer Barauszahlung. Auch Herr Witthoefft hat es vorgezogen, den grösseren Teil des Besitzes der Singapore Rubber Co. zu veräussern, anstatt das Unternehmen allein auf die in dem Artikel selbst ruhenden Chancen hin fortzuführen.
Ich komme deshalb zu dem Schluss, dass es zu spät geworden sein dürfte, um das geplante Unternehmen auf Rubber – und um diesen Artikel wird es sich in der Hauptsache handeln – aufzubauen, es sei denn, dass man sich darauf beschränkte, financiell schwache Unternehmen zu stützen und bis zur Ertragsfähigkeit zu bringen, was gewiss mit Vorteil geschehen könnte.
Was nun die viel wichtigere Personalfragen angeht, so teile ich die Ansicht des Herrn Victor Koch durchaus, dass man sich ganz in den Händen der Herren Behn, Meyer & Co. Ltd. bezw. der Firma Arnold Otto Meyer, Hamburg, befinden würde, es sei denn, dass die Deutsche Bank selbst Persönlichkeiten aufbringt, die mit den einschlägigen Verhältnissen durchaus vertraut sind und es verstehen, allzu grossem|4. Blatt, Vorderseite| Optimismus zu bremsen. Die Erfahrungen der betr. Herren im Plantagen-Betrieb, besonders [nachträglich handschriftlich ergänzt: diejenige]] der Leiter der östlichen Niederlassungen, schätze ich nicht sehr hoch ein. Behn, Meyer & Co. sind Anfang 1906 eine Limited Co. nach englischem Colonialrecht geworden. Besitzer des Aktienkapitals sind die Teilhaber der Firma Arnold Otto Meyer, Hamburg; die die jetzt ca. 15 Niederlassungen im Osten leitenden „Directoren“ kenne ich wohl noch sämtlich persönlich; es sind darunter sehr tüchtige, fleissige Leute, grösstenteils aber noch zu jung und unerfahren, um die Tragweite grösserer Operationen beurteilen zu können, zumal sie in den letzten Jahren gewöhnt worden sind, ausschliesslich nach Anweisung der Firma Arnold Otto Meyer, Hamburg, zu arbeiten und jede eigene, auf Kenntnis der sich im Osten schnell ändernden örtlichen Verhältnissen basirte Meinung unterdrückt worden ist. Das Jahr 1907 soll für Behn, Meyer & Co. Ltd. ein mässiges, 1908 ein recht ungünstiges gewesen sein.
In der Firma Arnold Otto Meyer, Hamburg, ist Herr Witthoefft der einzigste, der befähigt ist, das Ganze zusammenzuhalten, sodass ich unseren Herren der Hamburger Filiale bereits mehrfach angedeutet habe, dass mit einem eventl. Ausscheiden des Genannten eine Einschränkung des der Firma seitens der Hamburger Filiale gewährten Credites ratsam werden könnte. Herr Witthoefft ist ein äusserst gewiegter aber auch, wie Herr Victor Koch anführt, sehr „heller und gerissener“ Geschäftsmann, der die alte Firma Behn, Meyer & Co. während seines Aufenthalts im Osten zu grosser Blüte gebracht hat und zweifelsohne auch Grosses für den „Investment Trust“ leisten würde, wenn er selbst dauernd die Leitung an Ort und Stelle übernahm das Wort „übernahm“ wurde nachträglich handschriftlich geändert zu „übernimmt“. Das wird er aber bestimmt nicht tun, und von Hamburg aus die ganze Sache leiten zu wollen, halte ich für ein Unding, wenn absolut zuverlässiges, der eignen Verantwortung sich voll bewusstes Personal draussen fehlt. Das hat sich auch bei der erwähnten Singapore Rubber Co. gezeigt, wo viel Geld|5. Blatt, Vorderseite| verplempert sein soll Beschädigung des Papiers die in Singapore eingesetzten Directoren schliesslich mismütig wurden und resignirten.
Ob die Firma Arnold Otto Meyer mit den Provisionen, welche Behn, Meyer & Co. Ltd. bei dem Einkauf von Estates Bedürfnissen und dem Verkauf der Produkte verdienen sollen, zufrieden sein wird, weiss ich nicht. Jedenfalls ist es im Osten recht gebräuchlich, dass bei „Gründungen“ der Verkäufer dem Vermittler einen recht erheblichen meist geheimen Zwischen-Gewinn sicherstellt und ist mir ein diesbezüglicher Präzedenzfall die Firma Arnold Otto Meyer betreffend von Leuten, die es wissen müssen, bekannt gegeben.
Ich bitte höfl., diese letzteren Mitteilungen discret behandeln zu wollen, und stehe im Uebrigen gern mit weiteren Auskünften zur Verfügung.
Mich Ihnen bestens empfehlend
Ihr sehr Ergebener
AvRössing
[Nachträglich handschriftlich ergänzt: Das mir gesandte Material lege ich wieder bei.]
[Nachträglich maschinenschriftlich ergänzt: Soeben erhalte ich noch von Hamburg das von der Firma Arnold Otto Meyer eingelieferte Material, und werde mir erlauben, nach Durchsicht darauf zurückzukommen.]
gefl.geflissentlich
crt.courant [in Datumsangaben: des laufenden Monats]
bezw., bzw.beziehungsweise
etc, etc., &c., &ct.et cetera (lateinisch)
betr.betreffend
ca, ca.circa (lateinisch)
ev., event., eventl., evtl.eventuell
höfl.höflich
HADBHistorisches Archiv der Deutschen Bank, Frankfurt am Main
HADBHistorisches Archiv der Deutschen Bank, Frankfurt am Main SSekretariat
Deutsche Bank (seit 1929: Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft), BerlinDie 1870 gegründete Deutsche Bank in Berlin maß der Finanzierung des deutschen Außenhandels große Bedeutung bei. Ihr Versuch, sich neben den beiden ersten Inlandsfililen in Hamburg und Bremen schon 1872 auch mit jeweils einer Filiale in Shanghai und Yokohama zu etablieren, war allerdings trotz des durchaus erfahrenen Personals, das u. a. vom Comptoir d‛Escompte de Paris angeworbenen wurde, kein dauerhafter Erfolg beschieden. Die beiden Filialen in Ostasien, die Wechsel an- und verkauften, kurzfristige Kredite bewilligten und langfristige Darlehen gegen Sicherheiten gewährten und auch Depositen hereinnahmen, mussten nach nur drei Jahren wieder geschlossen werden. Denn zum einen fielen die Geschäftsmöglichkeiten schwächer aus als erwartet, zum anderen erwies sich die Kapitalausstattung der beiden Filialen mit Silberdotationen angesichts des Verfalls des Silberpreises als problematisch. 1875 wurden die verlustreichen Geschäfte der Filialen Shanghai und Yokohama deshalb auf die im März 1873 etablierte Deutsche Bank London Agency übergeleitet, wo sie nun in Pfund Sterling, einer stabilen Goldwährung, abgewickelt und die hohen Währungsrisiken damit gemildert werden konnten. Die spätere Beteiligung der Deutschen Bank an der Deutsch-Asiatischen Bank war ein weniger riskanter Weg, bei der Finanzierung des deutschen Ostasienhandels, bei Eisenbahn- und Bergbauprojekten sowie bei Emissionsgeschäften in China und Japan mitzuwirken. - Als Überblicksdarstellung zur Geschichte der Deutschen Bank von den Anfängen bis 1914:
Plumpe, Zeitalter der Ersten Globalisierung
.
Arnold Otto Meyer, HamburgDie Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg wurde 1857 von dem in die Hansestadt zurückgekehrten Arnold Otto Meyer gegründet, der zuvor einige Jahre in dem von Theodor August Behn gemeinsam mit seinem älteren Bruder Valentin Lorenz Meyer etablierten Handelshaus Behn, Meyer & Co. in Singapur tätig gewesen war. Die neue Firma in Hamburg sollte die Interessen von Behn, Meyer & Co. in Deutschland und Europa wahrnehmen. Arnold Otto Meyer trug durch seine persönliche Präsenz in Hamburg maßgeblich dazu bei, dass die Firma Behn, Meyer & Co. mit ihren internationalen Verflechtungen die Weltwirtschaftskrise von 1857 weitgehend unbeschadet überstand, denn es gelang ihm, ihre Gläubiger in Hamburg, Bremen und London zu einem langfristigen Zahlungsaufschub zu bewegen. Da er im Sommer 1862 zur Überwindung der Krisenfolgen nochmals für einige Jahre nach Singapur zurückkehrte, spielte die von ihm gegründete Firma Arnold Otto Meyer zunächst nur eine untergeordnete Rolle. Das änderte sich, als Arnold Otto Meyer 1864 nach Hamburg zurückgekehrt war und die Geschicke der beiden Schwesterfirmen nun von Hamburg aus als deren führender Kopf zu lenken begann. Mit den anderen Teilhabern von Behn, Meyer & Co. in Singapur stand er in einem intensiven brieflichen Austausch. Als er sich zur Jahrhundertwende aus den beiden Schwesterfirmen zurückzog, um ihre Geschicke künftig nur noch als stiller Gesellschafter zu begleiten, übernahmen sein Sohn Eduard Lorenz Meyer, Adolf Laspe und Franz Heinrich Witthoefft die verantwortliche Leitung der Geschäfte. Unter ihrer Führung entwickelte sich die Firma Arnold Otto Meyer zur eigentlichen Schaltzentrale des Handelshauses Behn, Meyer & Co. in Singapur, das 1906 in eine Aktiengesellschaft britischen Rechts umgewandelt wurde und nun stark expandierte. Die Firma Arnold Otto Meyer selbst eröffnete vor dem Ersten Weltkrieg keine Niederlassungen in Ostasien, beteiligte sich aber an einigen Gesellschaften, so beispielsweise an dem 1910 gegründeten Straits und Sunda Syndikat, das in die Plantagenwirtschaft Südostasiens investierte. Vgl.
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 1
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 2
;
Kleinsteuber, Merchants
.
Behn, Meyer & Co. (seit 1906: Ltd.), SingapurDas 1840 von Theodor August Behn und Valentin Lorenz Meyer gegründete Handelshaus Behn, Meyer & Co. in Singapur entfaltete eine rege Geschäftstätigkeit, vor allem in Südostasien, geriet 1857 jedoch in eine schwere Krise, die vor allem dank Arnold Otto Meyer, eines jüngeren Bruders von Valentin Lorenz Meyer, der seit 1851 zu den Teilhabern zählte und außerdem kurz zuvor eine eigene Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg etabliert hatte, bewältigt werden konnte. In den 1880er und 1890er Jahren engagierte sich die Firma Behn, Meyer & Co. verstärkt im Schiffsgeschäft und übernahm die Vertretung namhafter Dampfschifffahrtsgesellschaften, darunter seit 1887 der Norddeutsche Lloyd in Bremen, seit 1890 die Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft in Hamburg und seit 1897 die Hamburg-Amerika-Linie in Hamburg. Treibende Kraft in diesem Geschäftsfeld war Franz Heinrich Witthoefft, der seit 1900 neben Eduard Lorenz Meyer und Adolf Laspe zu den drei Teilhabern zählte. 1891 wurde eine erste Niederlassung in Penang eröffnet, die sich dem Handel mit Zinn zuwandte. Im Jahr 1900 versuchte man auf den Philippinen Fuß zu fassen, 1901 wurde eine weitere Niederlassung in Sandakan (Britisch-Nordborneo) eröffnet, die zugleich als Agentur der Chartered Bank of India, Australia and China fungierte. 1906 wurde die Firma in eine britische Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt, die Behn, Meyer & Co. Ltd. mit Sitz in Singapur. Alleinige Aktionäre blieben die drei bisherigen Teilhaber, die sich künftig auf die Leitung der „Schaltzentrale“ Hamburg konzentrierten und sich in Singapur nicht länger auf Teilhaber, sondern auf angestellte Manager stützten. 1906 wurden zudem neue Niederlassungen in Cebu, Zamboanga und Ilo Ilo auf den Philippinen eröffnet sowie eine Beteiligung an der Singapore Rubber Company Ltd. in Singapur erworben, um am „Rubberboom“ partizipieren zu können. 1907 kam eine weitere Niederlassung in Bangkok (Siam) hinzu. Im Jahr darauf erfolgte die Übernahme der Handelsgesellschaft vorheen Helfferich & Rademacher mit Niederlassungen in Batavia, Surabaya, Telok Betong und Samarang in Niederländisch-Indien. 1913 gab es bei Behn, Meyer & Co. Ltd. mehr als einhundert europäische Angestellte. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam 1914 noch eine Niederlassung in Rangun (Britisch-Burma) hinzu. Vgl. ausführlich zur Unternehmensgeschichte, die aufgrund erhalten gebliebenen Überlieferungen eingehend untersucht werden kann:
Arnold Otto Meyer, Hamburg (Behn, Meyer & Co., Singapore, Penang, Manila und Sandokan)
;
Sieveking, Anfänge des Hauses Behn-Meyer & Co.
;
Sieveking, Behn-Meyer & Co.
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 1
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 2
;
Kleinsteuber, Merchants
;
Yacob, Trans-generational Renewal
;
Yacob, Rising of the Phoenix
;
Fiedler, Von Hamburg nach Singapur
.
Bremen
Berlin
Hamburg
Niederländisch-Indien; auch: holländisch Indien (heute: Indonesien)Gestützt auf die Vereenigde Oostindische Compagnie gelang es den Niederländern um 1600, sich sowohl gegenüber den konkurrierenden Portugiesen als auch gegenüber den verschiedenen Inselkönigreichen auf Java, Sumatra, Borneo, Celebes, Neuguinea und zahlreichen anderen Inseln Südostasiens sich als Kolonialherren durchzusetzen. Ausgehend von der Insel Java bauten sie ihre Kolonie Niederländisch-Indien immer weiter aus und behaupteten sie im frühen 19. Jahrhundert trotz zeitweiliger Abtretungen auch gegenüber den Briten. Erst 1949, nach der japanischen Besatzung und einem mehrjährigen, erbittert geführten Unabhängigkeitskampf, erlangte Indonesien schließlich seine staatliche Souveränität. Vgl.
Schulze, Geschichte Indonesiens
.
Singapur, auch: Sincapore, Singapore
Augsburg
Dresden
Frankfurt am Main
Leipzig
London
München
Nürnberg
Wiesbaden
Ostasien; auch: East Indies (englisch), Indien, Ostindien, „Osten“Der Begriff Ostasien wird in der vorliegenden Edition in einem ganz weiten Sinne verstanden als Klammer für diejenigen Weltregionen, die für deutsche Kaufleute im langen 19. Jahrhundert auf Segel- und Dampfschiffen durch Umrundung des Kaps der Guten Hoffnung an der Südspitze Südafrikas oder - seit 1869 - nach Durchfahren des Suezkanals über den Indischen Ozean oder durch Umrundung der Südspitze Südamerikas über den Pazifik erreichbar waren. In den historischen Quellen synonym verwendet werden die Begriffe Indien, Ostindien oder einfach „Osten“.
Sumatra [Insel in Niederländisch-Indien]
Ceylon [Insel in Britisch-Indien]; auch: Ceilon
Borneo [Insel in Südostasien, teils britisch, teils niederländisch beherrscht]
Deutschland; auch: Deutsches Kaiserreich, Deutsches ReichBis zur Gründung des Deutschen Reichs im Jahr 1871 kann von Deutschland nicht im Sinne eines Nationalstaates gesprochen werden. Doch in den Quellen wird der Begriff Deutschland auch zuvor häufig verwendet, wenn es den Urhebern nicht um eine Differenzierung zwischen den verschiedenen deutschen Teilstaaten ging.
Rössing, Alexander vonAlexander von RössingAngestellterAlexander von Rössing war ein Angestellter der Firma Behn, Meyer & Co. in Singapur, verantwortlich für den Export. 1894 erhielt er Prokura, 1902 stieg er zum Teilhaber auf. Nachdem er Ende 1905 vorzeitig ausgeschieden und nach Europa zurückgegangen war, trat er in die Deutsche Bank ein und wurde Direktor der Niederlassung Bremen. Vgl.
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 2
, S. 91, 98.
Heinemann, ElkanElkan HeinemannBankangestellter17.01.185919.09.1941Elkan Heinemann durchlief seine Lehrjahre vermutlich in Antwerpen und Brüssel und trat 1886 in die Deutsche Bank in Berlin ein, die ihm 1893 Prokura erteilte und bald darauf mit der Leitung des Sekretariats betraute, von dem das internationale
Emissions- und Konsortialgeschäft
der Bank abgewickelt wurde. Von 1906 bis 1923 gehörte er dem Vorstand der Deutschen Bankan und war weiterhin für das Sekretariat verantwortlich. Er galt als Mann, der riskante Geschäfte zu vermeiden versuchte, was sich auch bei der Anbahnung der Beteiligung der Deutschen Bank an dem 1910 von Hamburger Handelshäusern ins Leben gerufenen Straits und Sunda Syndikat zeigte. Nach seinem Ausscheiden aus der Bank in 1920er Jahren siedelte Elkan Heinemann nach Frankreich über, wo er 1941 verstarb. Vgl.
Plumpe, Zeitalter der Ersten Globalisierung
, S. 141 (Foto) sowie passim.
Witthoefft, Franz HeinrichFranz-Heinrich WitthoefftKaufmann, Wirtschaftsvertreter, Politiker13011735819.11.186306.07.1941Franz Heinrich Witthoefft absolvierte eine kaufmännische Lehre bei der Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg und war von 1885 bis 1896 als leitender Angestellter für deren Schwesterfirma Behn, Meyer & Co. in Singapur tätig. 1896 stieg er zum Teilhaber des Unternehmens auf und blieb es bis 1905. Von 1900 bis 1941 war er zudem Teilhaber der Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg und übernahm zahlreiche Ämter in Wirtschaft und Politik (u.a. als Aufsichtsratsvorsitzender der Commerz- und Privatbank, als Präses der Handelskammer Hamburg, als Präsidiumsmitglied des Hansa-Bundes für Gewerbe, Handel und Industrie, als Vorsitzender des Wirtschaftsrats der Hansestadt Hamburg, als Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft und im Senat der Hansestadt Hamburg). Ausführlicher zum beruflichen und politischen Wirken Witthoeffts:
Krause, „Witthoefft, Franz Heinrich“
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 1
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 2
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Koch, Victor vonVictor von KochAngestellter13608423018481911Victor von Koch war um 1909 Direktor der Filiale Hamburg der Deutschen Bank.
Mühlinghaus, Hermann; auch: Muhlinghaus, MulinghausHermann MühlinghausAngestellter, Kaufmann, Unternehmer, InvestorHermann Mühlinghaus war zunächst für die Schweizer Firma Volkhart Brothers in Britisch-Indien tätig, dann Teilhaber der Firma D. Brandt & Co. in Singapur, bevor er sich 1887 gemeinsam mit dem Schotten James Sword an der Gründung der Straits Trading Company in Singapur beteiligte, der ersten modernen Zinnschmelze in Südostasien. Er zählte zudem zu den ersten deutschen Unternehmern, die in den 1890er Jahren in die Kautschukplantagen Südostasiens zu investieren begannen, zunächst auf der Malayischen Halbinsel. Er ließ sich später in Wiesbaden nieder. Vgl.
Tregonning, Modern Sabah
, S. 86–93;
Helfferich, Ein Leben
, S. 190;
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 2
, S. 50, 59f.
Emission; auch: Begebung, EmissionsgeschäftDer finanztechnische Fachbegriff „Emission“ bezeichnet das Herausbringen und Platzieren von Wertpapieren bei bestimmten Investoren oder an der Börse.
KonsortialgeschäftDas von Banken nicht allein, sondern gemeinsam mit anderen Banken oder sonstigen Unternehmen betriebene Kredit- und Beteiligungsgeschäft wird auch Konsortialgeschäft genannt.
Trust; auch: Investment-Trust, Rubber TrustDer aus dem Englischen stammende Begriff des „Trusts“ wird benutzt, um einen zweckgebundenen Zusammenschluss von Investoren zu bezeichnen, die dadurch ihre rechtliche Selbständigkeit nicht verlieren.
Plantage; auch: Cultur, Estates-Geschäft, Pflanzung, Plantagengeschäft, Plantagengesellschaft
Kautschukplantage; auch: Hevea, Hevea Anpflanzung, Kautschukbaum, Kautschukkultur, Kautschukpflanze, Rubber Cultur, rubber estate (englisch)
Personal, Personalpolitik; auch: Hilfspersonal, Leitungspersonal
Telegrafie; auch: Cabeln, Code, Drahten, Private Code (englisch), Special Code (englisch), Telegraph, telegraph (englisch), Telegraphic Address (englisch), TelegraphieNeben Briefen und anderen schriftlichen Nachrichten wurde die Telegrafie im 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Kommunikationsmedium der im Fernhandel tätigen Kaufleute und Reeder. Nachdem die technischen Infrastrukturen geschaffen worden waren, ging es nicht zuletzt darum, neue Routinen und Rhythmen im Umgang mit dem Medium sowie Wege zu finden, eigene Geschäftsgeheimnisse zu schützen. Zu diesem Zweck wandten die Kaufleute in ihrer telegrafischen Geschäftskorrespondenz häufig eigene, speziell entwickelte Codes an, sodass die übermittelten Informationen, etwa sensible Preisinformationen oder Namen von Auftraggebern und Kunden, nicht ohne Weiteres von Dritten mitgelesen werden konnten. Durch Verkürzung der Wortlängen konnten zudem erhebliche Kosten gespart werden. Vgl. hierzu exemplarisch:
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 2
, S. 78f. - Zur generellen Bedeutung der Telegrafie für die wirtschaftliche Globalisierung:
Wenzlhuemer, Connecting the Nineteenth-Century World
.
Kapital; auch: Aktienkapital, Bankkapital, Capital, Einschuß, Gesellschaftskapital, Privat-Capital, Stamm-Capital, working capital (englisch)
Mark, deutsche [Währungseinheit]; auch: M.Ursprünglich als Begriff für das Gewicht von Gold, Silber und Münzen verwendet, dann als Bezeichnung für verschiedene Münzen, darunter die in den norddeutschen Hansestädten gängige Courantmark, wurde die „Mark“ mit der deutschen Reichsgründung von 1870/1871 zur einheitlichen Währung des Deutschen Reiches. Sie lässt sich in 100 Pfennige aufteilen. Vgl.
Bott, Handwörterbuch des Kaufmanns, Bd. 3
, S. 833;
Junghans, Entwicklungen
.
Aktien; auch: Actien, shares (englisch)
Aktionär; auch: Actionär, Anteilseigner, Interessent, shareholder (englisch)
Investor; auch: Capitalist, Financier, Kapitalist
Kautschukgesellschaft; auch: rubber company (englisch), Rubber Gesellschaft
Zinnmine; auch: tin mine (englisch), Zinnminengesellschaft
Exporte aus den Straits Settlements
Teilhaber; auch: Ahsocié, Associé, Gesellschafter, Partner, Theilhaber, Theilnehmer
HausseDer aus dem Französischen stammende Begriff „Hausse“ bezeichnet das forlaufende Steigen der Preise oder Kurse an einem Markt.
Gewinn; auch: Avanz, Ayanz, Capital Avance (niederländisch), Gewinn, Gewinnbeteiligung, Gewinnst, Gewinst, Netto-Gewinn, Profit, profit (englisch), profit sharing (englisch), Verdienst
Zahlung; auch: Auszahlung, Barzahlung, Bezahlung, Disbursement, Einzahlung, Geldüberweisung. Giro Verkehr, payment (englisch), Rückzahlung, Vorausbezahlung, Zahlungsanweisung, Zahlungsausfall, Zahlungsbedingungen, Zahlungsbereitschaft, Zahlungsmethode, Zahlungsmodus, Zahlungsschwierigkeit, Zahlungsverkehr, Zahlungsverweigerung, Zahlungsverzögerung
Risiko; auch: Risico, Risikokontrolle
Plantagenverwalter; auch: Plantagenbetreiber
Kredit; auch: Anleihen an dritte Personen, Ausleihung von Geldern, Blanco Credit, Credit, credit (englisch), Darlehen, Kreditgeschäft
Geld; auch: Baares, Geldmittel, Kassa-System, money (englisch), Verkehrsmittel, Zahlungsmittel
Provision; auch: provision (englisch), Umsatzprovision
Einkauf; auch: Einkaufsgesellschaften