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Nr. 2.4.2.14

Emil Helfferich, Angestellter der Firma Arnold Otto Meyer, Hamburg, an Karl Helfferich, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bank, Zentrale Berlin, betr. die Gründung eines Investmenttrusts für Plantagengesellschaften in den Straits Settlements und Niederländisch-Indien, 2. August 1909

Privatbrief auf Geschäftspapier

Regest:

Emil Helfferich, Angestellter der Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg, schreibt seinem älteren Bruder Karl Helfferich, der dem Vorstand der Deutschen Bank angehört, um ihn über einen beabsichtigten persönlichen Besuch von Franz Heinrich Witthoefft, des führenden Kopfs der Firma Arnold Otto Meyer, in Berlin zu informieren, in dem es nochmals um die Beteiligung der Deutschen Bank an der Gründung eines Investmentstrusts für Plantagengesellschaften in den Straits Settlements und Niederländisch-Indien gehen soll. Emil Helfferich legt nochmals dar, wovon er seinen Bruder schon mündlich informiert hat, dass inzwischen nicht nur eine belgische Investorengruppe, sondern - anstelle der zögerlichen Deutschen Bank - deren schärfste Konkurrentin, die Disconto-Gesellschaft in Berlin, Interesse an einer Beteiligung zeige. Die von der Deutschen Bank geäußerten Bedenken in Hinblick auf rechtliche und personalpolitische Aspekte betrachtet Emil Helfferich als nicht stichhaltig.1 Man könne das Vorhaben sicher auch ohne die Deutsche Bank umsetzen, doch er hoffe noch immer auf eine günstige Wendung.

Gedruckter Briefkopf:

ARNOLD OTTO MEYER

Telegramm-Adresse:

MEIROTT.

Fernsprecher: Amt V, No. 4253.


Produkten-Abteilung


Hamburg, den 2.8.09.

Glockengiesserwall 25/26


[Nachträglich handschriftlich ergänzt: ad acta]

Lieber Karl,

Gestatte mir, dass ich Dir heute nochmals – und zwar zum letzten Mal – in Sachen des Investment Trust näher trete. Herr Witthoefft schreibt mir aus Marienbad, dass er beabsichtigt, am 12. ds. in Berlin bei der Deutschen Bank vor zu sprechen und hofft Herrn Director Heinemann dort anzutreffen.

Inzwischen hat sich, wie ich Dir bereits schrieb, eine belgische Gruppe an uns gewandt. Ich sende Dir einliegend Copie unserer Korrespondenz mit diesen Leuten. An der Spitze der Belgier steht de Bary – ein sehr guter Name. Obwohl die Belgier bereit sind, den ganzen Syndicat Fonds zu übernehmen, die Mittel also von vornherein sicher gestellt sind, liegt uns daran, deutsche Capitalisten zur Hälfte zu beteiligen.2 Auf deutscher Seite kommen in Betracht: Commerz- & Disconto Bank, Warburg, Deutsch-Asiatische Bank, Berenberg Gossler, Münchmeyer, Arnold Otto Meyer und ferner die Deutsche Bank oder die Disconto Gesellschaft die Passage „oder die Disconto Gesellschaft“ wurde nachträglich handschriftlich unterstrichen. Die beiden erstgenannten Institute sind, wie du weisst, bereit mitzumachen. Mit den andern ist die Sache bereits angeregt und wird dieser Tage endgültig Rücksprache genommen. Der Standpunkt der Deutschen Bank ist uns bekannt. Die Bedenken soweit sie Director Koch, hier, ja neulich äusserte liegen

1) in der Deutschen Gesetzgebung für Actiengesellschaften.

2) in der Personalfrage.

Die Mobilisierung von Capital, welche Du mir s. Zt. als Grund

Gedruckter Briefkopf

dagegen anführtest, hat Dir Koch nicht erwähnt, weil er seinerseits wohl auch der Ansicht ist, dass der Trust marktfähige und börsengängige Werte schaffen wird und die Shares des Trust in kurzer Zeit in derselben Art mobil sein werden.

Zu Punkt I erwähne ich, dass schliesslich, wenn juristische und praktische Bedenken bestehen, den Trust in Deutschland zu sedieren, er eben in England oder Belgien [handschriftlich ergänzt: oder Holland] nach dortigen Gesetzen gegründet werden kann. Vom nationalen Gesichtspunkten ausgehend, sollte man allerdings den Sitz der Gesellschaft in Deutschland trotz einiger Umständlichkeiten befürworten. Jedenfalls bietet dieser Punkt keine unüberwindliche Schwierigkeit.

2). In der Personalfrage sollte die Garantie der Herren Behn Meyer & Co. Ltd. resp. Arnold Otto Meyer für eine sachkundige und fachmännische Leitung genügen. Dieser Concern hat ein Estates Department und eine technische Abteilung. Ich persönlich habe während meines Aufenthaltes im Osten Erfahrung besonders auch bezüglich Plantagen gesammelt. Ich würde evtl. für die vorbereitenden Arbeiten des Trust draussen –, welche in Gemeinschaft mit dem Belgischen Vertrauensmann und holländischen und englischen Experten – zu erfolgen hätten, zur Verfügung stehen, um dann späterhin die Geschäfte des Trust in Deutschland zu leiten, während für die Vertretung und Leitung draussen ein tüchtiger Mann aus dem B. M. & Co. Concern in Aussicht genommen ist.

Meines Erachtens sollten sich damit die von Herrn Director Koch geäusserten Bedenken erledigen.

Was aber mit beredten Worten für die Beteiligung deutscher

Gedruckter Briefkopf

Capitalisten und Grossbanken spricht, das ist das wachsende Interesse, dass Holland, England, Belgien und Frankreich an der Entwicklung draussen nehmen und das ist im Speciellen der Gang des Rubbermarktes in der letzten Zeit. Es würde sich für Euch vielleicht verlohnen von [handschriftlich ergänzt: un] interessirter Seite einmal einen Bericht über die Entwicklung und die Aussichten der malayischen und niederl. indischen Rubberwerte von London einzufordern. Deutschland ist sehr häufig in der Welt zu spät gekommen und das wird in der Entwicklung [handschriftlich ergänzt: des Ostens] und besonders der Rubber Cultur wiederum der Fall sein, wenn das deutsche Grosscapital die Zeit nicht erkennt und die Führung nicht übernimmt.

Du schriebst mir neulich, dass Du mir reinen Wein über die geringen Aussichten bei der D. B. einschenktest, damit wir uns andere Chancen nicht entgehen lassen sollten. Gut. Wie Du siehst, sind uns die Chancen durch das belgische Syndicat mit 100 % garantirt und gerade, weil wir nicht darauf angewiesen sind, kommen wir der Deutschen Bank nochmals mit unseren Vorschlägen.

Meiner Ansicht nach sprechen genug Gründe dafür, dass die Deutsche Bank eine Beteiligung am Studien Syndicat, welche vorerst zu nichts weiter als zur Zahlung der Syndicats Quote verpflichtet, nicht ausschlagen sollte.

Ich habe Dir alle Details betreffs der Belgier gegeben, damit Ihr Euch, falls erwünscht, über die Leute bis zum Eintreffen Witthoeffts erkundigen könnt.

Ich erhoffe immer noch eine günstige Wendung auf Seiten der D. B., denn mir persönlich würde es äusserst leid tun,

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wenn durch Eure Ablehnung die Sache an die Disconto Gesellschaft gehen würde.

Mit herzlichem Grusse

Handschriftlich: Dein Emil


P. S. Ich sandte Dir neulich die Notiz aus der Frankfurter Zeitung betreffs Gründung der „Société financière des Caoutchoucs“ in Antwerpen. Wie Du daraus ersehen haben wirst, handelt es sich um eine ähnliche Sache wie unseren Trust, wobei u. A. der Schweizer Bankverein, Van der Heydt-Kersten & Söhne, die Nederlandsche Handel Mij., der Kongo Staat und verschiedene französische und belgische Banken beteiligt sind.