|1. Blatt, Vorderseite|
Gedruckter Briefkopf:
ARNOLD OTTO MEYER
Telegramm-Adresse:
MEIROTT.
Fernsprecher: Amt V, No. 4253.
Produkten-Abteilung
Hamburg, den 2.8.09.
Glockengiesserwall 25/26
[Nachträglich handschriftlich ergänzt: ad acta]
Lieber Karl,
Gestatte mir, dass ich Dir heute nochmals – und zwar zum letzten Mal – in Sachen des Investment Trust näher trete. Herr Witthoefft schreibt mir aus Marienbad, dass er beabsichtigt, am 12. ds. in Berlin bei der Deutschen Bank vor zu sprechen und hofft Herrn Director Heinemann dort anzutreffen.
Inzwischen hat sich, wie ich Dir bereits schrieb, eine belgische Gruppe an uns gewandt. Ich sende Dir einliegend Copie unserer Korrespondenz mit diesen Leuten. An der Spitze der Belgier steht de Bary – ein sehr guter Name. Obwohl die Belgier bereit sind, den ganzen Syndicat Fonds zu übernehmen, die Mittel also von vornherein sicher gestellt sind, liegt uns daran, deutsche Capitalisten zur Hälfte zu beteiligen. Auf deutscher Seite kommen in Betracht: Commerz- & Disconto Bank, Warburg, Deutsch-Asiatische Bank, Berenberg Gossler, Münchmeyer, Arnold Otto Meyer und ferner die Deutsche Bank oder die Disconto Gesellschaft die Passage „oder die Disconto Gesellschaft“ wurde nachträglich handschriftlich unterstrichen. Die beiden erstgenannten Institute sind, wie du weisst, bereit mitzumachen. Mit den andern ist die Sache bereits angeregt und wird dieser Tage endgültig Rücksprache genommen. Der Standpunkt der Deutschen Bank ist uns bekannt. Die Bedenken soweit sie Director Koch, hier, ja neulich äusserte liegen
1) in der Deutschen Gesetzgebung für Actiengesellschaften.
2) in der Personalfrage.
Die Mobilisierung von Capital, welche Du mir s. Zt. als Grund|2. Blatt, Vorderseite|
Gedruckter Briefkopf
dagegen anführtest, hat Dir Koch nicht erwähnt, weil er seinerseits wohl auch der Ansicht ist, dass der Trust marktfähige und börsengängige Werte schaffen wird und die Shares des Trust in kurzer Zeit in derselben Art mobil sein werden.
Zu Punkt I erwähne ich, dass schliesslich, wenn juristische und praktische Bedenken bestehen, den Trust in Deutschland zu sedieren, er eben in England oder Belgien [handschriftlich ergänzt: oder Holland] nach dortigen Gesetzen gegründet werden kann. Vom nationalen Gesichtspunkten ausgehend, sollte man allerdings den Sitz der Gesellschaft in Deutschland trotz einiger Umständlichkeiten befürworten. Jedenfalls bietet dieser Punkt keine unüberwindliche Schwierigkeit.
2). In der Personalfrage sollte die Garantie der Herren Behn Meyer & Co. Ltd. resp. Arnold Otto Meyer für eine sachkundige und fachmännische Leitung genügen. Dieser Concern hat ein Estates Department und eine technische Abteilung. Ich persönlich habe während meines Aufenthaltes im Osten Erfahrung besonders auch bezüglich Plantagen gesammelt. Ich würde evtl. für die vorbereitenden Arbeiten des Trust draussen –, welche in Gemeinschaft mit dem Belgischen Vertrauensmann und holländischen und englischen Experten – zu erfolgen hätten, zur Verfügung stehen, um dann späterhin die Geschäfte des Trust in Deutschland zu leiten, während für die Vertretung und Leitung draussen ein tüchtiger Mann aus dem B. M. & Co. Concern in Aussicht genommen ist.
Meines Erachtens sollten sich damit die von Herrn Director Koch geäusserten Bedenken erledigen.
Was aber mit beredten Worten für die Beteiligung deutscher|3. Blatt, Vorderseite|
Gedruckter Briefkopf
Capitalisten und Grossbanken spricht, das ist das
wachsende Interesse, dass
Holland, England, Belgien und Frankreich an
der Entwicklung draussen nehmen und das ist im Speciellen der Gang des Rubbermarktes in der
letzten Zeit. Es würde sich für Euch vielleicht verlohnen von [handschriftlich ergänzt: un] interessirter Seite einmal einen
Bericht über die Entwicklung und die Aussichten der malayischen und niederl. indischen Rubberwerte von London einzufordern. Deutschland ist sehr häufig in der Welt zu spät
gekommen und das wird in der Entwicklung [handschriftlich ergänzt: des Ostens] und besonders der Rubber Cultur wiederum der Fall sein,
wenn das deutsche Grosscapital die Zeit nicht erkennt und die Führung nicht
übernimmt.
Du schriebst mir neulich, dass Du mir reinen Wein über die geringen Aussichten
bei der D. B. einschenktest, damit wir
uns andere Chancen nicht entgehen lassen sollten. Gut. Wie Du siehst, sind uns
die Chancen durch das belgische Syndicat mit 100 % garantirt und gerade, weil
wir nicht darauf angewiesen sind, kommen wir der Deutschen Bank nochmals mit unseren
Vorschlägen.
Meiner Ansicht nach sprechen genug Gründe dafür, dass die Deutsche Bank eine Beteiligung am Studien Syndicat, welche vorerst zu nichts weiter als zur Zahlung der Syndicats Quote verpflichtet, nicht ausschlagen sollte.
Ich habe Dir alle Details betreffs der Belgier gegeben, damit Ihr Euch, falls erwünscht, über die Leute bis zum Eintreffen Witthoeffts erkundigen könnt.
Ich erhoffe immer noch eine günstige Wendung auf Seiten der D. B., denn mir persönlich würde es äusserst leid tun,|4. Blatt, Vorderseite|
Gedruckter Briefkopf
wenn durch Eure Ablehnung die Sache an die Disconto Gesellschaft gehen würde.
Mit herzlichem Grusse
Handschriftlich: Dein Emil
P. S. Ich sandte Dir neulich die Notiz aus der Frankfurter Zeitung betreffs Gründung der „Société financière des Caoutchoucs“ in Antwerpen. Wie Du daraus ersehen haben wirst, handelt es sich um eine ähnliche Sache wie unseren Trust, wobei u. A. der Schweizer Bankverein, Van der Heydt-Kersten & Söhne, die Nederlandsche Handel Mij., der Kongo Staat und verschiedene französische und belgische Banken beteiligt sind.
No., N., n.Numero (italienisch)
ds., dss.dieses [Monats, Schreibens etc.]
s. Z., s. Zt., s. Zeitseiner Zeit
resp.respektive
ev., event., eventl., evtl.eventuell
niederl.niederländisch
P. S.post scriptum (lateinisch)
u. a., u. A., U. A.unter anderem, unter anderen
HADBHistorisches Archiv der Deutschen Bank, Frankfurt am Main
HADBHistorisches Archiv der Deutschen Bank, Frankfurt am Main SSekretariat
Arnold Otto Meyer, HamburgDie Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg wurde 1857 von dem in die Hansestadt zurückgekehrten Arnold Otto Meyer gegründet, der zuvor einige Jahre in dem von Theodor August Behn gemeinsam mit seinem älteren Bruder Valentin Lorenz Meyer etablierten Handelshaus Behn, Meyer & Co. in Singapur tätig gewesen war. Die neue Firma in Hamburg sollte die Interessen von Behn, Meyer & Co. in Deutschland und Europa wahrnehmen. Arnold Otto Meyer trug durch seine persönliche Präsenz in Hamburg maßgeblich dazu bei, dass die Firma Behn, Meyer & Co. mit ihren internationalen Verflechtungen die Weltwirtschaftskrise von 1857 weitgehend unbeschadet überstand, denn es gelang ihm, ihre Gläubiger in Hamburg, Bremen und London zu einem langfristigen Zahlungsaufschub zu bewegen. Da er im Sommer 1862 zur Überwindung der Krisenfolgen nochmals für einige Jahre nach Singapur zurückkehrte, spielte die von ihm gegründete Firma Arnold Otto Meyer zunächst nur eine untergeordnete Rolle. Das änderte sich, als Arnold Otto Meyer 1864 nach Hamburg zurückgekehrt war und die Geschicke der beiden Schwesterfirmen nun von Hamburg aus als deren führender Kopf zu lenken begann. Mit den anderen Teilhabern von Behn, Meyer & Co. in Singapur stand er in einem intensiven brieflichen Austausch. Als er sich zur Jahrhundertwende aus den beiden Schwesterfirmen zurückzog, um ihre Geschicke künftig nur noch als stiller Gesellschafter zu begleiten, übernahmen sein Sohn Eduard Lorenz Meyer, Adolf Laspe und Franz Heinrich Witthoefft die verantwortliche Leitung der Geschäfte. Unter ihrer Führung entwickelte sich die Firma Arnold Otto Meyer zur eigentlichen Schaltzentrale des Handelshauses Behn, Meyer & Co. in Singapur, das 1906 in eine Aktiengesellschaft britischen Rechts umgewandelt wurde und nun stark expandierte. Die Firma Arnold Otto Meyer selbst eröffnete vor dem Ersten Weltkrieg keine Niederlassungen in Ostasien, beteiligte sich aber an einigen Gesellschaften, so beispielsweise an dem 1910 gegründeten Straits und Sunda Syndikat, das in die Plantagenwirtschaft Südostasiens investierte. Vgl.
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 1
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 2
;
Kleinsteuber, Merchants
.
Deutsche Bank (seit 1929: Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft), BerlinDie 1870 gegründete Deutsche Bank in Berlin maß der Finanzierung des deutschen Außenhandels große Bedeutung bei. Ihr Versuch, sich neben den beiden ersten Inlandsfililen in Hamburg und Bremen schon 1872 auch mit jeweils einer Filiale in Shanghai und Yokohama zu etablieren, war allerdings trotz des durchaus erfahrenen Personals, das u. a. vom Comptoir d‛Escompte de Paris angeworbenen wurde, kein dauerhafter Erfolg beschieden. Die beiden Filialen in Ostasien, die Wechsel an- und verkauften, kurzfristige Kredite bewilligten und langfristige Darlehen gegen Sicherheiten gewährten und auch Depositen hereinnahmen, mussten nach nur drei Jahren wieder geschlossen werden. Denn zum einen fielen die Geschäftsmöglichkeiten schwächer aus als erwartet, zum anderen erwies sich die Kapitalausstattung der beiden Filialen mit Silberdotationen angesichts des Verfalls des Silberpreises als problematisch. 1875 wurden die verlustreichen Geschäfte der Filialen Shanghai und Yokohama deshalb auf die im März 1873 etablierte Deutsche Bank London Agency übergeleitet, wo sie nun in Pfund Sterling, einer stabilen Goldwährung, abgewickelt und die hohen Währungsrisiken damit gemildert werden konnten. Die spätere Beteiligung der Deutschen Bank an der Deutsch-Asiatischen Bank war ein weniger riskanter Weg, bei der Finanzierung des deutschen Ostasienhandels, bei Eisenbahn- und Bergbauprojekten sowie bei Emissionsgeschäften in China und Japan mitzuwirken. - Als Überblicksdarstellung zur Geschichte der Deutschen Bank von den Anfängen bis 1914:
Plumpe, Zeitalter der Ersten Globalisierung
.
Compagnie Commerciale Belge anciennement H. Albert de Bary & Co., AntwerpenHeinrich Albert de Bary (1847–1929) stammte aus einer belgischen Familie, die im 16. Jahrhundert als Hugenotten aus Glaubensgründen nach Frankfurt am Main übersiedelte. Er selbst wurde in Barmen geboren, ging 1870 nach Argentinien, um das Handels- und Bankgeschäft zu lernen, kehrte 1875 nach Europa zurück und ließ sich in Antwerpen nieder. Hier übernahm er die Leitung des Handelshauses Nottebohm Frères, das die Vertretung des Norddeutschen Lloyds wahrnahm, dessen Schiffe aus Ostasien und Australien den Hafen von Antwerpen anliefen. Außerdem gründete Heinrich Albert de Bary verschiedene Kapitalgesellschaften, um sich an internationalen Immobilienfinanzierung zu beteiligen, darunter die Compagnie Commerciale Belge anciennement H. Albert de Bary & Co. in Antwerpen, die sich 1910 gemeinsam mit dem Handelshaus Arnold Otto Meyer und weiteren deutschen und belgischen anderen Investoren an der Straits und Sunda Syndikat mbH beteiligte. Vgl. Bernd A. Wilken. Zur Geschichte des Bankhauses H. Albert de Bary & Co. N. V., Amsterdam, 1919–1993, Hamburg 1993, unveröffentlichtes Manuskript, in: HADB;
Sattler, Risky Business
.
Bankhaus M. M. Warburg & Co., HamburgDas Bankhaus M. M. Warburg & Co., gegründet 1798 von Moses Marcus Warburg (1763–1830) und Gerson Warburg (1765–1825) in Altona, entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einer der bedeutendsten deutschen Privatbanken. Sie pflegte enge Geschäftsbeziehungen zu den Überseekaufleuten und Reedern der Hansestadt Hamburg, zu anderen renommierten Bankiers in Deutschland, Europa und den USA und sie beteiligte sich nach der Gründung des Deutschen Reichs am auflebenden Wertpapierhandel ebenso wie an internationalen Emissionsgeschäften. Vor allem Moritz M. Warburg, der 1891 als Prokurist in die Bank eintrat, prägte ihre weitere, in die Weltwirtschaft eingebundene Entwicklung, etwa durch den Aufbau enger Geschäftsbeziehungen zu Albert Ballin und der HAPAG, durch sein Enagement für die deutschen kolonialen Bestrebungen und durch seinen wachsenden Einfluss als internationaler Finanzdiplomat. Vgl.
Vagts, M. M. Warburg & Co.
;
Rosenbaum/Sherman, Bankhaus M. M. Warburg & Co.
;
Kleßmann, M. M. Warburg & CO
.
Deutsch-Asiatische Bank (DAB), Shanghai / BerlinDie Deutsch-Asiatische Bank wurde 1889 auf Wunsch und mit Unterstützung der deutschen Regierung durch ein von der Disconto-Gesellschaft in Berlin geführtes Konsortium gegründet, dem insgesamt dreizehn deutsche Aktienbanken sowie Privatbankhäuser angehörten, überwiegend aus Berlin und Frankfurt am Main. Neben der Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank waren das die Häuser S. Bleichröder (Berlin), Berliner Handels-Gesellschaft KGaA, Bank für Handel und Industrie (Darmstädter Bank), Robert Warschauer & Co. (Berlin), Mendelssohn & Co. (Berlin), Jacob S. H. Stern (Frankfurt am Main), M. A. von Rothschild & Söhne (Frankfurt am Main), Norddeutsche Bank AG (Hamburg), Sal. Oppenheim jr. & Cie. (Köln), die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank AG (München) und die Preußische Seehandlung (Staatsbank). Die Leitung der Hauptniederlassung in Shanghai übernahm Ferdinand Rinkel. Die ursprüngliche Absicht der Gründungsbanken, sich umgehend an der Finanzierung von Eisenbahnprojekten in der Provinz Shandong zu beteiligen, ließ sich nicht umsetzen. Doch nach Überwindung anfänglicher Schwierigkeiten, die u. a. aus dem Verfall des Silberpreises resultierten, konnte sich die DAB in einem von scharfem Wettbewerb geprägten Umfeld in China als eine der führenden Auslandsbanken etablieren, die in allen Bereichen des Bankgeschäfts tätig war, in der wechselbasierten Handelsfinanzierung, im
Einlagen- und Kreditgeschäft
, im Devisenhandel, in der Notenausgabe sowie bald auch im internationalen Emissionsgeschäft. Der Durchbruch in diesem Bereich gelang durch enge Kooperation mit der Hongkong and Shanghai Banking Corporation (HSBC). Weitere Niederlassungen der DAB wurden 1896 in Kalkutta (Britisch-Indien), vor allem aber in China eröffnet: 1897 in Hankou (zunächst als Agentur, 1910 zur Filiale aufgewertet), 1898 in Tsingtau, 1900 in Hongkong, 1904 in
Tsinan
, 1905 in Peking (zunächst als Repräsentanz, 1910 zur Filiale aufgewertet) und 1910 in Kanton. In Japan konnte die DAB 1905 mit der Eröffnung einer Filiale in Yokohama ebenfalls Fuß fassen, 1906 folgte eine weitere Filiale in Kōbe. Noch im gleichen Jahr wurde außerdem eine Niederlassung in Singapur eröffnet. Durch den Ersten Weltkrieg kamen die Geschäftsaktivitäten der DAB weitgehend zum Erliegen, lebten in der Zwischenkriegszeit wieder auf, wurden aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit der schrittweisen Neuordnung der Eigentümerstrukturen und der Überführung in die zur European Bank’s International Company (EBIC) gehörende European Asian Bank auf eine neue Grundlage gestellt. Vgl.
Müller-Jabusch, Deutsch-Asiatische Bank
;
Bauert-Keetman, Unternehmens-Chronik
;
Barth, Hochfinanz
;
Moazzin, Foreign Banks
;
Historische Gesellschaft der Deutschen Bank, Deep Roots
.
Münchmeyer & Co., HamburgDie Firma Münchmeyer & Co. in Hamburg wurde 1855 von Hermann Münchmeyer (1815–1909) als Großhandelsunternehmen gegründet, das sich dem Im- und Export sowie der Finanzierung des Handels widmen sollte. Er etablierte damit ein Familienunternehmen, das von seinen Nachkommen, darunter sein Enkel Hermann Münchmeyer (1875–1950) fortgeführt wurde und bis 1968 Bestand hatte. Dann erfolgte eine Aufspaltung in ein Handelsunternehmen und ein Bankhaus, die bis 1972 bzw. 1997 selbständig blieben.
Behn, Meyer & Co. (seit 1906: Ltd.), SingapurDas 1840 von Theodor August Behn und Valentin Lorenz Meyer gegründete Handelshaus Behn, Meyer & Co. in Singapur entfaltete eine rege Geschäftstätigkeit, vor allem in Südostasien, geriet 1857 jedoch in eine schwere Krise, die vor allem dank Arnold Otto Meyer, eines jüngeren Bruders von Valentin Lorenz Meyer, der seit 1851 zu den Teilhabern zählte und außerdem kurz zuvor eine eigene Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg etabliert hatte, bewältigt werden konnte. In den 1880er und 1890er Jahren engagierte sich die Firma Behn, Meyer & Co. verstärkt im Schiffsgeschäft und übernahm die Vertretung namhafter Dampfschifffahrtsgesellschaften, darunter seit 1887 der Norddeutsche Lloyd in Bremen, seit 1890 die Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft in Hamburg und seit 1897 die Hamburg-Amerika-Linie in Hamburg. Treibende Kraft in diesem Geschäftsfeld war Franz Heinrich Witthoefft, der seit 1900 neben Eduard Lorenz Meyer und Adolf Laspe zu den drei Teilhabern zählte. 1891 wurde eine erste Niederlassung in Penang eröffnet, die sich dem Handel mit Zinn zuwandte. Im Jahr 1900 versuchte man auf den Philippinen Fuß zu fassen, 1901 wurde eine weitere Niederlassung in Sandakan (Britisch-Nordborneo) eröffnet, die zugleich als Agentur der Chartered Bank of India, Australia and China fungierte. 1906 wurde die Firma in eine britische Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt, die Behn, Meyer & Co. Ltd. mit Sitz in Singapur. Alleinige Aktionäre blieben die drei bisherigen Teilhaber, die sich künftig auf die Leitung der „Schaltzentrale“ Hamburg konzentrierten und sich in Singapur nicht länger auf Teilhaber, sondern auf angestellte Manager stützten. 1906 wurden zudem neue Niederlassungen in Cebu, Zamboanga und Ilo Ilo auf den Philippinen eröffnet sowie eine Beteiligung an der Singapore Rubber Company Ltd. in Singapur erworben, um am „Rubberboom“ partizipieren zu können. 1907 kam eine weitere Niederlassung in Bangkok (Siam) hinzu. Im Jahr darauf erfolgte die Übernahme der Handelsgesellschaft vorheen Helfferich & Rademacher mit Niederlassungen in Batavia, Surabaya, Telok Betong und Samarang in Niederländisch-Indien. 1913 gab es bei Behn, Meyer & Co. Ltd. mehr als einhundert europäische Angestellte. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam 1914 noch eine Niederlassung in Rangun (Britisch-Burma) hinzu. Vgl. ausführlich zur Unternehmensgeschichte, die aufgrund erhalten gebliebenen Überlieferungen eingehend untersucht werden kann:
Arnold Otto Meyer, Hamburg (Behn, Meyer & Co., Singapore, Penang, Manila und Sandokan)
;
Sieveking, Anfänge des Hauses Behn-Meyer & Co.
;
Sieveking, Behn-Meyer & Co.
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 1
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 2
;
Kleinsteuber, Merchants
;
Yacob, Trans-generational Renewal
;
Yacob, Rising of the Phoenix
;
Fiedler, Von Hamburg nach Singapur
.
Société Financière des Caoutchoucs, Antwerpen
Schweizerischer Bankverein, BaselDer Schweizerische Bankverein in Basel entstand 1897 durch die Fusion der Schweizerischen Unionbank, der Basler Depositenbank sowie des Basler und Zürcher Bankvereins (der wiederum 1895 durch Fusion des 1872 gegründeten Basler Bankvereins mit dem Zürcher Bankverein entstanden war). Vgl.
Pohl, Europäische Bankengeschichte
, S. 228, 281, 415, 417, 552.
Nederlandsche Handel-Maatschappij, AmsterdamDie Nederlandsche Handel-Maatschappij mit Sitz in Amsterdam wurde 1824 gegründet, um nach dem Ende der Napoleonischen Kriege und der Klärung der territorialen Ansprüche Großbritanniens und der Niederlande in Ostasien den Handel zwischen den Niederlanden und Niederländisch-Indien neu zu beleben. Sie wurde von der niederländischen Regierung mit zahlreichen Handelsprivilegien ausgestattet, sodass sie quasi eine Monopolstellung erlangen konnte. 1826 eröffnete sie ein Büro in Batavia, seit 1858 war sie auch in Singapur vertreten, seit 1888 in Penang, seit 1889 in Hongkong und seit 1920 dann auch in Bombay und Kalkutta. Schon seit 1870 betätigte sie sich zunehmend auch im Bankgeschäft. Vgl.
Mansvelt, Nederlandsche Handel-Maatschappij
;
Jonker/Sluyterman, At Home on the World Markets
, passim;
Claver, Dutch Commerce
.
Sattler
, Friederike: Risky Business: The Straits and Sunda Syndicate (1910–1945). German Investments in the Plantation Economy of Southeast Asia, in: Huber, Marie et al. (Hg.), Security Strategies in International Business History: German Companies in Asia in the 20th Century, Abingdon 2025 (im Druck)
Sattler
, Risky Business
2025
Hamburg
Berlin
Niederländisch-Indien; auch: holländisch Indien (heute: Indonesien)Gestützt auf die Vereenigde Oostindische Compagnie gelang es den Niederländern um 1600, sich sowohl gegenüber den konkurrierenden Portugiesen als auch gegenüber den verschiedenen Inselkönigreichen auf Java, Sumatra, Borneo, Celebes, Neuguinea und zahlreichen anderen Inseln Südostasiens sich als Kolonialherren durchzusetzen. Ausgehend von der Insel Java bauten sie ihre Kolonie Niederländisch-Indien immer weiter aus und behaupteten sie im frühen 19. Jahrhundert trotz zeitweiliger Abtretungen auch gegenüber den Briten. Erst 1949, nach der japanischen Besatzung und einem mehrjährigen, erbittert geführten Unabhängigkeitskampf, erlangte Indonesien schließlich seine staatliche Souveränität. Vgl.
Schulze, Geschichte Indonesiens
.
Marienbad
Deutschland; auch: Deutsches Kaiserreich, Deutsches ReichBis zur Gründung des Deutschen Reichs im Jahr 1871 kann von Deutschland nicht im Sinne eines Nationalstaates gesprochen werden. Doch in den Quellen wird der Begriff Deutschland auch zuvor häufig verwendet, wenn es den Urhebern nicht um eine Differenzierung zwischen den verschiedenen deutschen Teilstaaten ging.
Großbritannien; auch: England, Great Britain, United Kingdom of Great Britain and Ireland, Vereinigtes Königreich Großbritannien und IrlandNach dem Zusammenschluss des 1707 gebildeten Königreichs Großbritannien mit dem nur noch formell selbständigen Irland im Jahr 1801 lautete die offizielle Staatsbezeichnung Großbritanniens bis 1927 Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland. Das Staatsgebiet umfasste auf den Britischen Inseln die vier Landesteile England, Wales, Schottland und Irland, hinzu kamen abhängige Territorien auf allen Kontinenten, deren größte Ausdehnung 1922 erreicht war. 1927, mit der Bildung des Irischen Freistaats, wurde die offizielle Staatsbezeichnung verändert zu Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland.
Belgien
Niederlande; auch: Holland
Ostasien; auch: East Indies (englisch), Indien, Ostindien, „Osten“Der Begriff Ostasien wird in der vorliegenden Edition in einem ganz weiten Sinne verstanden als Klammer für diejenigen Weltregionen, die für deutsche Kaufleute im langen 19. Jahrhundert auf Segel- und Dampfschiffen durch Umrundung des Kaps der Guten Hoffnung an der Südspitze Südafrikas oder - seit 1869 - nach Durchfahren des Suezkanals über den Indischen Ozean oder durch Umrundung der Südspitze Südamerikas über den Pazifik erreichbar waren. In den historischen Quellen synonym verwendet werden die Begriffe Indien, Ostindien oder einfach „Osten“.
Frankreich
London
Antwerpen
Belgisch-Kongo [belgische Kolonie in Afrika]Die belgische Kolonie Belgisch-Kongo ging aus dem von 1885 bis 1908 bestehenden Kongo-Freitstaat hervor.
Helfferich, EmilEmil HelfferichKaufmann, 12436165X17.01.187822.05.1972Emil Helfferich stammte - wie sein ältester Bruder Karl Theodor Helfferich und fünf weitere Geschwister - aus Neustadt an der Bergstraße, durchlief eine kaufmännische Lehre in Hamburg und gründete 1903 gemeinsam mit Georg Rademacher und Albert Paulmann die Firma Helfferich & Rademacher in Batavia / Telok Betong. Er selbst übernahm die Leitung der Niederlassung in Telok Betong. Als die 1907 mit Unterstützung von Arnold Otto Meyer in Hamburg in eine Aktiengesellschaft umgewandelte Firma bald darauf durch Pfefferspekulationen in finanzielle Schwierigkeiten geriet und im Februar 1908 von Behn, Meyer & Co. Ltd. in Singapur aufgekauft wurde, schied er zunächst aus, betätigte sich jedoch bald darauf als Berater für die Neuorganisation des Produktengeschäfts von Arnold Otto Meyer. Gemeinsam mit Franz Heinrich Witthoefft trat er für verstärkte deutsche Investitionen in die Plantagenwirtschaft
Südostasiens ein und zählte zu den treibenden Kräften für die Gründung des Straits und Sunda Syndikats, an dem deutsche und belgische Investoren beteiligt waren. Er blieb bis 1928 in Niederländisch-Indien, übernahm nach seiner Rückkehr nach Deutschland politische und wirtschaftliche Ämter, etwa als Hamburgischer Staatsrat, als Vorsitzender des Ostasiatischen Vereins und als Vorsitzender des Aufsichtsrats der HAPAG. 1932 engagierte er sich im sogenannten Keppler-Kreis, dessen Mitglieder Reichspräsident Paul von Hindenburg aufforderten, Adolf Hitler zum Reichskanzler zu berufen. 1933 trat er der NSDAP bei. Vgl.
Helfferich, Ein Leben
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 2
, passim;
Kemper/Rentschler, Handlungsspielräume
, S. 273–281.
Helfferich, Karl Theodor (seit 1894: Dr.)Karl Theodor Helfferich (Karl Helfferich)Wirtschaftswissenschaftler, Bankier, Politiker11877382822.07.187223.04.1924Karl Helfferich stammte - wie sein jüngerer Bruder Emil Helfferich und fünf weitere Geschwister - aus Neustadt an der Bergstraße, studierte Rechts- und Staatswissenschaften, wurde 1894 in Straßburg promoviert und 1899 in Berlin mit einer Arbeit über „Die Reform des deutschen Geldwesens nach der Gründung des Reiches“ habilitiert. Nach einer mehrjährigen Tätigkeit in der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes wurde er 1906 zum Direktor der Anatolischen Eisenbahn in Konstantinopel berufen und trat 1908 in den Vorstand der Deutschen Bank ein. Von 1915 bis 1916 amtierte er als Staatssekretär im Reichsschatzamt, von 1916 bis 1917 als Staatssekretär im Reichsamt des Innern sowie zugleich als Stellvertreter des Reichskanzlers. Seit 1918 gehörte er der Deutschnationalen Volkspartei an, seit 1920 zudem dem Deutschen Reichstag. Vgl.
Born, „Helfferich, Karl Theodor“
;
Plumpe, Januskopf
.
Witthoefft, Franz HeinrichFranz-Heinrich WitthoefftKaufmann, Wirtschaftsvertreter, Politiker13011735819.11.186306.07.1941Franz Heinrich Witthoefft absolvierte eine kaufmännische Lehre bei der Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg und war von 1885 bis 1896 als leitender Angestellter für deren Schwesterfirma Behn, Meyer & Co. in Singapur tätig. 1896 stieg er zum Teilhaber des Unternehmens auf und blieb es bis 1905. Von 1900 bis 1941 war er zudem Teilhaber der Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg und übernahm zahlreiche Ämter in Wirtschaft und Politik (u.a. als Aufsichtsratsvorsitzender der Commerz- und Privatbank, als Präses der Handelskammer Hamburg, als Präsidiumsmitglied des Hansa-Bundes für Gewerbe, Handel und Industrie, als Vorsitzender des Wirtschaftsrats der Hansestadt Hamburg, als Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft und im Senat der Hansestadt Hamburg). Ausführlicher zum beruflichen und politischen Wirken Witthoeffts:
Krause, „Witthoefft, Franz Heinrich“
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 1
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 2
.
Heinemann, ElkanElkan HeinemannBankangestellter17.01.185919.09.1941Elkan Heinemann durchlief seine Lehrjahre vermutlich in Antwerpen und Brüssel und trat 1886 in die Deutsche Bank in Berlin ein, die ihm 1893 Prokura erteilte und bald darauf mit der Leitung des Sekretariats betraute, von dem das internationale
Emissions- und Konsortialgeschäft
der Bank abgewickelt wurde. Von 1906 bis 1923 gehörte er dem Vorstand der Deutschen Bankan und war weiterhin für das Sekretariat verantwortlich. Er galt als Mann, der riskante Geschäfte zu vermeiden versuchte, was sich auch bei der Anbahnung der Beteiligung der Deutschen Bank an dem 1910 von Hamburger Handelshäusern ins Leben gerufenen Straits und Sunda Syndikat zeigte. Nach seinem Ausscheiden aus der Bank in 1920er Jahren siedelte Elkan Heinemann nach Frankreich über, wo er 1941 verstarb. Vgl.
Plumpe, Zeitalter der Ersten Globalisierung
, S. 141 (Foto) sowie passim.
Koch, Victor vonVictor von KochAngestellter13608423018481911Victor von Koch war um 1909 Direktor der Filiale Hamburg der Deutschen Bank.
Angestellter; auch: Beamter (Privatbeamter), Employé
Trust; auch: Investment-Trust, Rubber TrustDer aus dem Englischen stammende Begriff des „Trusts“ wird benutzt, um einen zweckgebundenen Zusammenschluss von Investoren zu bezeichnen, die dadurch ihre rechtliche Selbständigkeit nicht verlieren.
Plantage; auch: Cultur, Estates-Geschäft, Pflanzung, Plantagengeschäft, Plantagengesellschaft
Investor; auch: Capitalist, Financier, Kapitalist
Personal, Personalpolitik; auch: Hilfspersonal, Leitungspersonal
Telegrafie; auch: Cabeln, Code, Drahten, Private Code (englisch), Special Code (englisch), Telegraph, telegraph (englisch), Telegraphic Address (englisch), TelegraphieNeben Briefen und anderen schriftlichen Nachrichten wurde die Telegrafie im 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Kommunikationsmedium der im Fernhandel tätigen Kaufleute und Reeder. Nachdem die technischen Infrastrukturen geschaffen worden waren, ging es nicht zuletzt darum, neue Routinen und Rhythmen im Umgang mit dem Medium sowie Wege zu finden, eigene Geschäftsgeheimnisse zu schützen. Zu diesem Zweck wandten die Kaufleute in ihrer telegrafischen Geschäftskorrespondenz häufig eigene, speziell entwickelte Codes an, sodass die übermittelten Informationen, etwa sensible Preisinformationen oder Namen von Auftraggebern und Kunden, nicht ohne Weiteres von Dritten mitgelesen werden konnten. Durch Verkürzung der Wortlängen konnten zudem erhebliche Kosten gespart werden. Vgl. hierzu exemplarisch:
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 2
, S. 78f. - Zur generellen Bedeutung der Telegrafie für die wirtschaftliche Globalisierung:
Wenzlhuemer, Connecting the Nineteenth-Century World
.
Telefon; auch: Apparat, call (englisch), Gruppenstellen-Apparat, Telefonapparat, Telefonzentrale, Telephon, Telephon-Amt, Telephon-Apparat, Telephon-Centrale, Telephon-Verkehr
Handelshaus, innere Organisation
Belgier; auch: Belgians (englisch)
Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
Kapital; auch: Aktienkapital, Bankkapital, Capital, Einschuß, Gesellschaftskapital, Privat-Capital, Stamm-Capital, working capital (englisch)
Aktien; auch: Actien, shares (englisch)
Estates Department (englisch)In der Firma Behn, Meyer & Co. in Singapur wurde in den späten 1880er Jahren eigens ein „Estates Department“ eingerichtet, eine Abteilung zur Verwaltung von Plantagen.
Bank; auch: Aktienbank, Bankenwelt, Bankgeschäft, Bankhaus, banking operations (englisch), Geldgeber, Geldinstitut, Geschäftsbank, Großbank, Investmentbank, issuing bank (englisch), merchant bank (englisch), Privatbankhaus
Preis; auch: Außenhandelspreis, Bruttopreis, Einkaufspreis, Facturapreis, Kaufpreis, Listpreis, Preisentwicklung, Preisverfall, price (englisch), Selbstkostenpreis, value (englisch), Verkaufspreis, Waarenwerth, Weerth, Wert, Werthbemessung
Kautschukplantage; auch: Hevea, Hevea Anpflanzung, Kautschukbaum, Kautschukkultur, Kautschukpflanze, Rubber Cultur, rubber estate (englisch)
Frankfurter ZeitungDie „Frankfurter Zeitung“ geht auf die 1856 von Leopold Sonnemann (1831–1909) und Heinrich Bernhard Rosenthal (1829–1876) gegründete Tageszeitung „Frankfurter Geschäftsbericht“ zurück, die für eine liberale Wirtschaftspolitik eintrat und mehrfach ihren Namen änderte. Von 1866 bis 1943 erschien sie unter dem Namen „Frankfurter Zeitung“. Gedruckt wurde sie in der Frankfurter Societäts-Druckerei.