|1. Blatt, Vorderseite|
Yokohama, 1. Sept. 1910
No. 12
Carlswerk
Mülheim-Rhein
Eingangsstempel des Empfängers:
C. S. 17. Sep. 1910
Antw.: 1/10/10
Allgemeines über das Japan-Geschäft.
Ich beziehe mich auf mein Schreiben No. 10 vom 25. August.
Der Bedarf an technischen Artikeln und Maschinen ist in diesem Lande groß. Viehzucht ist unbedeutend, daher kein Bedarf an Einzäunungsmaterial. Auf den Feldern wird vorwiegend Reis gezogen, daneben Thee und Tabak. Große Gebirgszüge, Binnenseen und gelegentliche Ueberschwemmungen stellen besonders den Ingenieuren beim Eisenbahnbau interessante Aufgaben: zwischen Tsuruga und Tokyo passirten wir in einer halben Stunde 17 Tunnels und ebensoviele Brücken. In Tokyo fährt bereits eine elektrische Eisenbahn, andere Strecken sollen gleichfalls elektrischen Betrieb erhalten. Es giebt eine Menge Erz- und Kohlenbergwerke, Fabriken aller Art, Schiffswerften, Eisenbahn-Werkstätten, projektirte Hafenbauten, Arsenale u. s. w.
Daß die bezüglichen Anfragen alle an Raspe gelangen sollten ist natürlich nicht zu erwarten, zumal die eine oder andere Firma bei diesem oder jenem Unternehmen interessirt|2. Blatt, Vorderseite| ist oder persönliche Beziehungen zu maßgebenden Leuten hat. So sehr rührig und tüchtig also auch Raspe‘s sein mögen, wir sollten sehen, mehr als bisher auch neben Raspe’s unser Teil am hiesigen großen Bedarf zu haben wohl für Carlswerk als, vielleicht mehr noch, für Dynamowerk.
Von Regierungsgeschäften bezw. öffentlichen Submissionen sehe ich ab, da können wir nur durch den Vertreter offeriren. Anders bei den Privat-Unternehmungen. Wie bereits in m/ No. 10 gesagt, gelten Raspes als Konkurrenten der übrigen Importfirmen; sie können zwar in eiligen Fällen Informationen geben, event. auch mit Hülfe unserer Special-Codes telegraphisch zu Hause Anfrage halten im Allgemeinen fürchten die Firmen aber, ihrem Konkurrenten eine Fährte zu geben mittelst der dieser dann selbst dem betreffenden Geschäft nachgehen könne. Man fragt dann lieber in London oder Hamburg an und überläßt dem dortigen Hause von welcher Fabrik es die Preise einholt, auf diese Weise werde wenigstens kein Konkurrent herangezogen.
Ich möchte also empfehlen, solche über London, Hamburg oder Berlin kommende Anfragen stets seriös zu behandeln, selbst wenn sie auch von Raspe & Co vorliegen und eventuel |3. Blatt, Vorderseite| überall hin gleiche Preise zu stellen.
Am bedeutendsten für solche Lieferungen ist unstreitig Mitsui, der seine Hände überall hat. Die Leute haben unermeßliche Kapitalien, haben eigene Bergwerke, sind Bankiers und haben eigene Bureaux in New York, London, Hamburg &c.
Von Berlin ab fuhr ich mit Herrn Noelke von Mitsui zusammen. N. ist außer einem alten Engländer der einzige europäische Angestellte der Firma. Er hatte uns vor ca. 2 Jahren in Mülheim besucht und war mir durch die damalige arrogante Art seines Auftretens – er wollte wissen, wie viel wir in einzelnen Artikeln mit R & Co umschlügen &c. – nicht in gerade angenehmer Erinnerung. Auch hat er damals eine Schrift veröffentlicht, worin er Mitsui & Co als das alleinige Heil für den europäischen Fabrikanten hinstellte und die hiesigen andern Importfirmen herunterriß. Die „Deutsche Japan-Post“ hat damals darauf erwidert. Bei den hier ansässigen Deutschen hat er naturgemäß wenig Sympathien, man sagte mir er sei früher Maschinist auf einem Dampfer gewesen und werde wohl über kurz oder lang von Mitsui, nachdem diese ihn ausgenutzt, an die Luft gesetzt werden. Ich selbst halte ihn für mehr anmaßend als bedeutend.
|4. Blatt, Vorderseite|
Mit diesem Herrn N. nun hatte ich im Bureau der Mitsui Gesellschaft eine längere Unterredung und ich muß sagen es wäre wohl wünschenswert wenn wir mit diesem hervorragenden Concern zu einer regen Geschäftsverbindung kämen. Ich sehe dabei über die Person des Herrn N. hinweg.
Wie N. mir sagte, brauche seine Firma einen besondern Typ einer großen Dynamomaschine, aber wenn sie diese einführten so wollten sie nicht daß Raspe ihnen in’s Gehege kämen, denn für diese sei es dann leicht, sich die Nachlieferungen zu sichern. Herr Direktor Astfalck habe ihm gewisse Zusicherungen gemacht, aber er wünsche das schwarz auf weiß, vorher könne er nichts anfangen.
Auch dürften wir Raspe keine Provision zahlen denn er wünsche nicht daß er so viel mehr zahlen solle damit seine Konkurrenten fett würden. Ich bat ihn, den letztern Punkt aus der Debatte zu lassen da es sich um eine interne, sich jeder Diskussion mit unserer Kundschaft entziehende Angelegenheit handle. Was dagegen die andere Sache beträfe so wolle ich gern darüber nach Hause berichten, ich könnte ihm sogar sagen daß ich persönlich eine engere Verbindung mit seiner Firma befürworten würde, ob freilich das in obiger Angelegenheit und in der von ihm vorgeschlagenen Weise möglich sei, könne
Am linken Rand findet sich eine nachträgliche, unleserliche Ergänzung in blau. |5. Blatt, Vorderseite| ich nicht sagen. Auf meine Frage, ob seine Firma event. auch ihrerseits die Verpflichtung übernähme, nur von uns zu kaufen, antwortete er unbestimmt. Es könne ja sein daß ein anderes Fabrikat verlangt würde &c.
Nölcke will übrigens selbst in der Sache noch an Frankfurt schreiben.
Daß es für Raspe natürlich eine heikle Sache sein würde wenn sie die Vertretung hätten und gewisse Maschinen nicht liefern dürfen ist einleuchtend. Ich möchte sagen, ein solches Abkommen sei undenkbar. Vielleicht wäre es möglich, durch Raspe an Mitsui zu liefern und dann ein solches Abkommen zu treffen daß Mitsui’s Interessen geschützt werden. Daß Raspe unter allen Umständen ausgeschlossen sein sollen ist wohl mehr auf die persönlichen Neigungen Nölcke's zu setzen. Letzterer sprach übrigens von großen Bestellungen die er Dynamowerk bereits erteilt hätte. –
Mehr kann ich zu der Sache nicht sagen, da ich die betreffenden Geschäfte und ihre Bedeutung für Dynamowerk nicht kenne. Mit Raspe habe ich natürlich nicht darüber gesprochen. Wiederholen möchte ich nur, daß Mitsui sehr bedeutend sind und daß sie jedenfalls ganz hervorragende Konsumenten bezw. Vermittler sind.
Hochachtungsvoll!
Heinrich Jülich
Abt.Abteilung
Nr., Num.Nummer
Fasz.Faszikel
Bl.Blatt [einer Akte]
No., N., n.Numero (italienisch)
C. S.Central Sekretariat
Sep., Sept, Sept., Septb., Septr., Septbr, Septbr.September
Antw.Antwort
u. s. w., usw., & s. w.und so weiter
bezw., bzw.beziehungsweise
m., m/meiner, mit
ev., event., eventl., evtl.eventuell
etc, etc., &c., &ct.et cetera (lateinisch)
RWWARheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv, Köln
RWWARheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv, KölnAbt. 11Felten & Guilleaume Energietechnik AG, Köln (1850–1990)
Felten & Guilleaume Carlswerk AG, Mülheim am RheinDie 1826 gegründete Firma Felten & Guilleaume in Köln widmete sich zunächst vor allem der Herstellung von Hanf- und Drahtseilen, in den 1850er Jahren kamen ummantelte Telegraphenkabel hinzu. Mit dem Carlswerk in Mülheim am Rhein wurde 1874 ein zusätzlicher, langfristig ausbaufähiger Produktionsstandort eröffnet, zu dem nach und nach auch die meisten der älteren Fertigungskapazitäten aus der Stadt Köln verlagert wurden. 1899 erfolgte die Umwandlung des Carlswerkes in eine Aktiengesellschaft, die Felten & Guilleaume Carlswerk AG in Mülheim am Rhein. Deren 1. Generaldirektor wurde Emil Guilleaume. Mit Drahtseilen und Kabeln, darunter Telegraphen-, Telefon- und Starkstromkabel, machte sich das Unternehmen weltweit einen Namen. Dazu trug insbesondere die Verlegung des ersten transatlantischen Telefonkabels von Deutschland (Greetsiel) nach New York bei, das im Carlswerk hergestellt worden war. Durch die schon 1895 erfolgte Übernahme der Firma J. Obermeier in Nürnberg, aus der eine Niederlassung der Felten & Guilleaume Carlswerk AG in Nürnberg hervorging, wurden Produktionskapizitäten für Telefonapparate aufgebaut. Die 1899 von der Felten & Guilleaume Carlswerke AG gemeinsam mit der Deutsch-Atlantischen Telegraphengesellschaft gegründeten Norddeutschen Seekabelwerke (NSW) in Nordenham konzentrierten sich ganz auf die Produktion von Seekabeln. 1905 kam es außerdem zu einer engeren Kooperation mit der Elektrizitäts-AG vorm. W. Lahmeyer & Co. in Frankfurt am Main, die ein Dynamowerk unterhielt, in dem auch Elektromotoren produziert wurden. Diese Zusammenarbeit führte zur vorübergehenden Umfirmierung des Gesamtunternehmens: Die Felten & Guilleaume Lahmeyerwerke AG bestand allerdings nur bis Ende 1910, danach kehrte man zum Firmennamen Felten & Guilleaume Carlswerk AG zurück. Ausführlicher zur Unternehmensgeschichte:
Feldenkirchen, Fernostgeschäfte
;
Vogt, Überseebeziehungen von Felten & Guilleaume
;
Widdig, Felten & Guilleaume
.
M. Raspe & Co., KobeDas von Max Raspe 1877 in Kobe gegründete Handelshaus M. Raspe & Co. widmete sich zunächst vor allem dem Import von Maschinen und dem Export von Textilien. 1885 wurde eine Vertretung in Hamburg eingerichtet, deren Leitung zunächst Georg Kleinwort übernahm, später trat Hans Rudolph Raspe, ein jüngerer Bruder von Max Raspe, an seine Stelle. Auch in Japan expandierte das Unternehmen, so wurden Niederlassungen in Yokohama, Tokio, Shimonoseki und Nagasaki eröffnet. Zum Schwerpunkt entwickelte sich der Import von
Textil- und Eisenwaren
, Chemikalien, Farben und Medikamenten nach Japan. M. Raspe & Co. übernahmen die Vertretung namhafter deutscher Exportfirmen, darunter beispielsweise bis zur Fusion mit Siemens die Firma Schuckert & Co. Ende 1901 schloss auch die Kölner Firma Felten & Guilleaume einen Vertretungvertrag mit M. Raspe & Co. für Japan, was nicht zuletzt zur Erlangung von begehrten japanischen Regierungsaufträgen genutzt werden sollte. 1903 wurde eine Niederlassung in Hamburg eröffnet, 1911 eine weitere in London. Nach dem Ersten Weltkrieg gelang es nicht, die Geschäfte wieder aufzubauen, die Firma ging 1918 in Liquidation. Vgl.
Lepach, Meiji-Porträts
. - Speziell zum Vertretungsvertrag mit Felten & Guilleaume: Vgl.
Vogt, Überseebeziehungen von Felten & Guilleaume
, S. 236–239, 242–246, 253.
MITSUI-Konzern, JapanDer Familie MITSUI, die
zu den traditionsreichen japanischen Kaufmannsfamilien zählt, gelang in
der Zeit der Meiji-Restauration ein Familienunternehmen zu begründen,
das nicht nur im Bankgeschäft und im Handel tätig war, sondern auch eigene Bergwerke unterhielt,
eine sogenannte Zaibatsu. Erst 1892 kam es zur endgültigen Trennung von Familie und den
eigentlichen Geschäftbereichen, die nun sämtlich als Partnerschaften
mit beschränkter Haftung
konstituiert wurden, darunter die schon 1876 gegründete Mitsui & Co. Ltd., in der die
Handelsaktivitäten gebündelt wurden. Die Gesamtleitung übernahm als
Generalmanager NAKAMIGAWA Hikojirō. Er strebte größere Unabhängigkeit von
Regierungsaufträgen an und begann, forciert in industrielle
Unternehmungen zu investieren. Oberhaupt der Familie war von 1900 bis 1945
MITSUI Takaharu, der als ein Deutschland sehr verbundenen Mann galt. Aus der Zaibatsu ging zwischen
1947 und 1950 die Mitsui-Keiretsu hervor, die heute als Mitsui Group
international tätig ist. Ein knappes Unternehmensporträt findet sich in:
Japan. An Illustrated
Encyclopedia
, S. 982–984. Vgl. außerdem:
Russell, Das Haus
Mitsui
;
Roberts, Mitsui
.
Elektrizitäts-AG vorm. W. Lahmeyer & Co., Frankfurt am MainDie 1893 aus einer Fusion hervorgehende Elektrizitäts-AG vorm. W. Lahmeyer & Co. in Frankfurt am Main befasste sich in erster Linie mit dem Bau und Betrieb von Elektrizitätswerken und Straßenbahnen.
Jülich
, Heinrich: Reisen nach dem Fernen Osten und nach Argentinien 1910–1914, herausgegeben von Amelie Berres und Thomas Berres, Münster 2003
Jülich
, Reisen nach dem Fernen Osten
2003
Nölke
, H.: Japan als Absatzgebiet für die deutsche Maschinenindustrie, in: Technik und Wirtschaft 1 (1908), S. 241–253 und S. 301–306
Nölke
, Japan als Absatzgebiet
1908
Mülheim am Rhein (heute: Köln-Mülheim)
Yokohama [Stadt in Japan]; auch: Yokuhama
Tokio [Stadt in Japan]; auch: Edo (bis 1868), Jedo (bis 1868), Jeddo (bis 1868), Tokyo, Yeddo (bis 1868)
Ostasien; auch: East Indies (englisch), Indien, Ostindien, „Osten“Der Begriff Ostasien wird in der vorliegenden Edition in einem ganz weiten Sinne verstanden als Klammer für diejenigen Weltregionen, die für deutsche Kaufleute im langen 19. Jahrhundert auf Segel- und Dampfschiffen durch Umrundung des Kaps der Guten Hoffnung an der Südspitze Südafrikas oder - seit 1869 - nach Durchfahren des Suezkanals über den Indischen Ozean oder durch Umrundung der Südspitze Südamerikas über den Pazifik erreichbar waren. In den historischen Quellen synonym verwendet werden die Begriffe Indien, Ostindien oder einfach „Osten“.
Japan; auch: Japon (französisch), Jappan
China; auch: chinesisches Kaiserreich, chinesisches Reich, chinesische Republik, Reich der Mitte
Niederländisch-Indien; auch: holländisch Indien (heute: Indonesien)Gestützt auf die Vereenigde Oostindische Compagnie gelang es den Niederländern um 1600, sich sowohl gegenüber den konkurrierenden Portugiesen als auch gegenüber den verschiedenen Inselkönigreichen auf Java, Sumatra, Borneo, Celebes, Neuguinea und zahlreichen anderen Inseln Südostasiens sich als Kolonialherren durchzusetzen. Ausgehend von der Insel Java bauten sie ihre Kolonie Niederländisch-Indien immer weiter aus und behaupteten sie im frühen 19. Jahrhundert trotz zeitweiliger Abtretungen auch gegenüber den Briten. Erst 1949, nach der japanischen Besatzung und einem mehrjährigen, erbittert geführten Unabhängigkeitskampf, erlangte Indonesien schließlich seine staatliche Souveränität. Vgl.
Schulze, Geschichte Indonesiens
.
Colombo [Stadt auf der Insel Ceylon in Britisch-Indien]; auch: Columbo
Ceylon [Insel in Britisch-Indien]; auch: Ceilon
Tsuruga [Stadt in Japan]
London
Hamburg
Berlin
New York; auch: Neuyork, Newyork
Frankfurt am Main
NoelkeNoelkeAngestellterNoelke war um 1910 ein deutscher Mitarbeiter im Mitsui-Konzern in Japan.
Angestellter; auch: Beamter (Privatbeamter), Employé
Industrialisierung Japans
Vertreter, Vertretung; auch: agency (englisch), agent (englisch), Agent, Agentur, Alleinvertretung, Handelsagentur, representation (englisch), representative (englisch), Vertretungsgebiet, Vertretungsvertrag
Regierungsaufträge, japanische
Provision; auch: provision (englisch), Umsatzprovision
Maschinen und Anlagen; auch: Apparat, Apperrat, machinery (englisch), Maschinenanlage
Tee; auch: tea (englisch), Teehandel, TheeTee und Teehandel sind wegen ihrer großen Bedeutung für die Export- wie die Importländer im 19. Jahrundert schon häufiger Gegenstand eingehender wirtschaftshistorischer Untersuchungen gewesen. Aus der jüngeren Forschungsliteratur seien nur zwei Studien hervorgehoben:
Rappaport, Thirst for Empire
;
LIU, Tea War
.
Tabak; auch: Rohtabak, Taback
Ingenieur; auch: engineer (englisch), Chefingenieur, Engineer in Chief (englisch)
Eisenbahn; auch: Eisenbahnbau, Eisenbahngesellschaft, Eisenbahnlinie, Eisenbahnprojekt, Eisenbahnschienen, Eisenbahnschwellen, Eisenbahnverwaltung, Eisenbahnwerkstätte, Eisenbahnwesen, line (englisch), moderne Verkehrseinrichtung, railway (englisch), rollendes Material, rolling stock (englisch)
Bergwerk; auch: Erzbergwerk, Kohlebergwerk
Werft; auch: Schiffswerft
Hafen; auch: free port (englisch), Freihafen, port (englisch), VertragshafenHäfen spielten für den Handel mit und in Ostasien im langen 19. Jahrhundert eine zentrale Rolle, zum einen als „Freihäfen“, wie zum Beispiel Singapur, in denen Waren ein- und ausgeführt werden konnten, ohne mit Zöllen belastet oder durch nichttarifäre Handelshemnisse beschränkt zu werden, zum anderen - und das war die häufigere Form - als „Vertragshäfen“, die zumeist nicht freiwillig, sondern unter Androhung von militärischer Gewalt oder auch erst nach einer militärischen Niederlage von den betreffenden Territorialstaaten, vor allem China und Japan, für den internationalen Handel geöffnet wurden. Dies geschah in der Regel auf der Basis eines mehr oder weniger erzwungenen Handelsvertrages, der keine gleichen Rechte für die Vertragspartner vorsah, sondern in erster Linie den Interessen der ausländischen imperialen Mächte entsprach und deshalb als Ungleicher Vertrag bezeichnet wurde. Über die Vertragshäfen wurde in China, Japan und anderen Ländern Ostasiens eine kommerzielle Revolution mit tiefgreifenden Veränderung für alle Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft in Gang gesetzt. Vgl.
Fairbank, Trade and Diplomacy
;
HAO, Commercial Revolution
;
Hoare, Japan‛s Treaty Ports
;
So/MyersTreaty Port Economy
;
Bickers/Jackson, Treaty Ports
;
Brunero/Villalta Puig, Life in Treaty Port China and Japan
.
Hafen; auch: free port (englisch), Freihafen, port (englisch), VertragshafenHäfen spielten für den Handel mit und in Ostasien im langen 19. Jahrhundert eine zentrale Rolle, zum einen als „Freihäfen“, wie zum Beispiel Singapur, in denen Waren ein- und ausgeführt werden konnten, ohne mit Zöllen belastet oder durch nichttarifäre Handelshemnisse beschränkt zu werden, zum anderen - und das war die häufigere Form - als „Vertragshäfen“, die zumeist nicht freiwillig, sondern unter Androhung von militärischer Gewalt oder auch erst nach einer militärischen Niederlage von den betreffenden Territorialstaaten, vor allem China und Japan, für den internationalen Handel geöffnet wurden. Dies geschah in der Regel auf der Basis eines mehr oder weniger erzwungenen Handelsvertrages, der keine gleichen Rechte für die Vertragspartner vorsah, sondern in erster Linie den Interessen der ausländischen imperialen Mächte entsprach und deshalb als Ungleicher Vertrag bezeichnet wurde. Über die Vertragshäfen wurde in China, Japan und anderen Ländern Ostasiens eine kommerzielle Revolution mit tiefgreifenden Veränderung für alle Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft in Gang gesetzt. Vgl.
Fairbank, Trade and Diplomacy
;
HAO, Commercial Revolution
;
Hoare, Japan‛s Treaty Ports
;
So/MyersTreaty Port Economy
;
Bickers/Jackson, Treaty Ports
;
Brunero/Villalta Puig, Life in Treaty Port China and Japan
.
ArsenalDer aus dem Französischen stammende Begriff „Arsenal“
bezeichnet eine Einrichtung, in der vor allem Waffen und Rüstungsgüter aufbewahrt, gewartet
und repariert werden. Aber auch Maschinen und Anlagen sowie
Forschungseinrichtungen, die zu militärischen Zwecken genutzt werden,
können zu den Beständen eines Arsenals zählen. Das 1865 eingerichtete
„Jiangnan-Arsenal“ in Shanghai
beispielsweise war einer der ersten großen chinesischen
Industriebetriebe, in dem nicht nur moderne Waffen und Schiffe gebaut wurden, sondern
das auch eine Übersetzungsabteilung für wissenschaftlich-technische
Handbücher westlicher Provenienz und eine Schule für Ingenieure unterhielt. Vgl.
Staiger, Shanghais
Entwicklung
, S. 30;
WU, Zheng Guanying
, S. 66.
SubmissionDie Unterbreitung eines geschäftlichen Angebots wurde auch Submission genannt.
Telegrafie; auch: Cabeln, Code, Drahten, Private Code (englisch), Special Code (englisch), Telegraph, telegraph (englisch), Telegraphic Address (englisch), TelegraphieNeben Briefen und anderen schriftlichen Nachrichten wurde die Telegrafie im 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Kommunikationsmedium der im Fernhandel tätigen Kaufleute und Reeder. Nachdem die technischen Infrastrukturen geschaffen worden waren, ging es nicht zuletzt darum, neue Routinen und Rhythmen im Umgang mit dem Medium sowie Wege zu finden, eigene Geschäftsgeheimnisse zu schützen. Zu diesem Zweck wandten die Kaufleute in ihrer telegrafischen Geschäftskorrespondenz häufig eigene, speziell entwickelte Codes an, sodass die übermittelten Informationen, etwa sensible Preisinformationen oder Namen von Auftraggebern und Kunden, nicht ohne Weiteres von Dritten mitgelesen werden konnten. Durch Verkürzung der Wortlängen konnten zudem erhebliche Kosten gespart werden. Vgl. hierzu exemplarisch:
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 2
, S. 78f. - Zur generellen Bedeutung der Telegrafie für die wirtschaftliche Globalisierung:
Wenzlhuemer, Connecting the Nineteenth-Century World
.
Preis; auch: Außenhandelspreis, Bruttopreis, Einkaufspreis, Facturapreis, Kaufpreis, Listpreis, Preisentwicklung, Preisverfall, price (englisch), Selbstkostenpreis, value (englisch), Verkaufspreis, Waarenwerth, Weerth, Wert, Werthbemessung
Bankier; auch: banker (englisch), Banquier, merchant banker (englisch), Privatbankier
Geschäftsraum; auch: Büro, Bureau, Comptoir, Comtoir
Deutsche Japan-Post. Wochenzeitung für die deutschen Interessen in JapanDie „Deutsche Japan-Post“ erschien von 1902 bis 1914 und hatte sich zum Ziel gesetzt, der als deutsch-feindlich wahrgenommenen Stimmung in der japanischen Bevölkerung entgegenzutreten. An ihrer Finanzierung waren deutsche Industrieunternehmen, wie zum Beispiel die Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co. beteiligt.
Maschinist, Maschinenmeister
Dampfschiff; auch: Dampfbarkasse, Dampfboot, Dampfer, steamboat (englisch), steamer (englisch)