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Nr. 2.4.1.14

Heinrich Jülich, Angestellter der Firma Felten & Guilleaume Carlswerk AG in Mülheim am Rhein, aus Kobe, an die Firma Felten & Guilleaume Carlswerk AG, Mülheim am Rhein, betr. Abschiedsbesuch bei KOMATSU Kenjiro, Direktor der japanischen Post- und Telefonbehörde, 11. September 1910

Geschäftsbrief

Regest:

Im vorliegenden Brief berichtet Heinrich Jülich, der am 11. September 1910 von Yokohama nach Kobe weitergereist war, der Firma Felten & Guilleaume Carlswerk AG über seinen Abschiedsbesuch in der japanischen Post- und Telefonbehörde und den erreichten Stand der dort seit Anfang August 1910 geführten Verhandlungen über die Wiederzulassung von Felten & Guilleaume Carlswerk AG zu japanischen Regierungsaufträgen. Sie habe noch keine abschließenden Ergebnisse erbracht, offenkundig aber die richtigen Anstöße gegeben, sodass es nicht aussichtlos scheine, künftig in den Bau einer anvisierten Telegrafenverbindung zwischen Japan und Deutschland via Tsingtau einbezogen zu werden. Ferner legt Jülich seine Überlegungen zur künftigen Zusammenarbeit mit den beiden Handelshäusern M. Raspe & Co. sowie H. Ahrens & Co. Nachf. dar, bei der berücksichtigt werden müsse, dass sich immer häufiger auch japanische Firmen als direkte Geschäftspartner anboten. Zu den vorausgegangenen und nachfolgenden Gesprächen und Verhandlungen vgl. Dokument Nr. 2.4.1.10; Dokument Nr. 2.4.1.12; Dokument Nr. 2.4.1.13.

Kobe, 11. Sept 1910

No. 171

Eingangsstempel des Empfängers:

Ausland 5

Eing.: 29 Sep. 1910

Antw.: 1/10/10


Carlswerk

Mülheim-Rhein

Am 9. 7. machte ich beim Communication Dept. Abschiedsbesuche, nahm Abends an einem zu Ehren Dernburgs von der Deutsch-Ostas. Gesellschaft2 veranstalteten Festessen teil und lernte bei dieser Gelegenheit auch Herrn Kessler von S-S-W. kennen.

K. fährt in einigen Wochen wieder nach Haus. Ueber den Zweck seiner Hierherkunft habe ich noch nichts erfahren können. –

Telephonkabel. Die Herren, die ich am 9. noch sah waren Direktor Oi, Exzellenz Komatsu und der Ingenieur Nakayama. Die Conferenz wegen Wiederzulassung unserer Firma kann, weil jetzt die Zeit der Ferien, noch nicht stattfinden, alle Herren aber, die ich sprach, sicherten mir zu, daß sie zu unsern Gunsten den Zwischenfall behandeln würden.3 Demnach kann ich nichts mehr in der Sache tun.

Wegen der Abnahmen auf dem Werk sprach ich ebenfalls mit Oi nochmal, ohne aber bestimmte Antwort zu erhalten. Er wolle sich die Sache überlegen.4

Letzter Absatz: Am rechten Rand von anderer Hand doppelt angestrichen

Telegraphenkabelverbindung Japan-Deutschland. Herr Komatsu bittet uns, die Sache mit eingehenden Details brieflich zu behandeln. Er möchte darüber unterrichtet sein, was Japan zu einer solchen Verbindung beizusteuern habe, ob nur das Landungsrecht oder Beteiligung bezw. Subventionen oder Garantien &c. Ob man dem Plan sympathisch oder nicht gegenüberstehe könne er erst sagen wenn er alle Einzelheiten kenne, auch wie man

Letzter Absatz: Nachträglich von anderer Hand komplett gestrichen

Von Jap oder Tsingtau später weitergehen wolle. Einstweilen hätten sie ja 2 Verbindungen nach China und eine nach Amerika.

Letzter Absatz: Nachträglich von anderer Hand komplett gestrichen

Das was in Ihrem Brief stand, habe ich dem Herrn gesagt. Ich glaube, die Sache interessirt ihn, aber er ist bange, zu viel bezw. überhaupt etwas zu erwidern, das muß erst hier eingehend besprochen werden und dazu erbittet er sich briefliche Unterlagen.

Letzter Absatz: Nachträglich von anderer Hand komplett gestrichen

Deutsche Botschaft. Ich sprach auf der Botschaft Graf Montgelas und Dr. Ort und dankte nochmals für die derzeitigen Bemühungen um Zulassung zu den Telegraphenkabel-Submissionen. Man sagte mir, man stehe gern zu unserer Verfügung, wir möchten aber immer im Auge behalten, daß die Japaner sehr stolz seien und die Intervention fremder Behörden leicht unfreundlich aufgenommen würde. Durch Hintertüren sei meist mehr zu erreichen als durch offizielle Schritte.

H. Ahrens & Co. Nachf. Es ist ein sehr vornehmes Haus und die Herren dort waren von großer Liebenswürdigkeit. Ich lernte Herrn Temme, den Teilhaber, und Herrn A. Reimers, den Einkäufer, kennen.

Ich hörte, daß man die Telegraphendraht-Order, die man uns hin und wieder überschreibt, in regelrechter Submission erhält. Man schreibt durch eine japanische Firma ein und da Fracht- und sonstige Spesen vom Einen so und vom Andern anders gerechnet würden so erkläre es sich, daß sie manchmal den Auftrag erhielten und Raspe leer ausgingen.

Wenn Sie berücksichtigen daß wir Raspe cif-5 und Ahrens fob-Preise6 stellen so können Sie sich erklären, daß solche Differenzen vorkommen, obwohl Ahrens bezw. die japanische Firma noch ihre Commission auflegt.

Jedenfalls, glaube ich, tun wir gut, Ahrens auf ihre Anfragen Preise zu geben, die natürlich nie unter denjenigen von Raspe sein dürfen. Erhalten wir dann durch Ahrens die Bestellung so kann uns Raspe keinen Vorwurf machen und ich glaube auch nicht daß unser Ansehen bei der hiesigen Verwaltung leidet, wenn unsere Ware gelegentlich durch eine andere Firma angeboten wird. Natürlich dürfen es nur gelegentliche Orders sein, die wir auf diese Weise erhalten, andernfalls würde unser Vertreter doch an seinem Ansehen einbüßen. –

A. E. G. Hiesige Zeitungen bringen die Meldung von der zwischen AEG und uns geschlossenen Interessen-Gemeinschaft. Die Nachricht wird hier verschiedentlich kommentiert. Herr Oberlein drängte mich, Ihnen zu telegraphiren. Ich habe dies unterlassen in der Annahme, daß Sie mir telegraphirt hätten, wenn Sie solches für opportun gehalten hätten. –

Weiterreise. Ich empfing inzwischen Ihren Brief wegen Muschter und dem event. Besuch Holl. Indiens. Auch ich halte einen Besuch in Batavia für sehr angebracht. Vielleicht haben Sie oder Dynamowerk auch an dem einen oder andern der britisch-indischen Plätze die Worte „britisch-indischen Plätze“ wurden nachträglich von anderer Hand unterstrichen und am linken Rand doppelt angestrichen etwas mitzuerledigen, in welchem Falle ich mir Ihre Weisungen nach Shanghai erbitte.7

Morgen gedenke ich Ihnen zu telegraphiren wann ich voraussichtlich nach Shanghai fahre. Ich denke es kann gegen den 26. ds. geschehen, ich möchte

hierüber aber erst mit Herrn Rehfardt , dem hiesigen Teilhaber von Raspe & Co. sprechen, da ich die Verbindungen nach den hier noch zu besuchenden Plätzen nicht kenne.

Neuer Zollvertrag.8 Ich habe hier nichts mit Bezug auf den Vertrag erfahren können. Der Schwerpunkt liegt ja auch bei der heimischen Industrie und erst in zweiter Linie bei hiesigen Importfirmen.

Hochachtungsvoll!

Heinrich Jülich