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Kobe, 11. Sept 1910
No. 17
Eingangsstempel des Empfängers:
Ausland 5
Eing.: 29 Sep. 1910
Antw.: 1/10/10
Carlswerk
Mülheim-Rhein
Am 9. 7. machte ich beim Communication Dept.
Abschiedsbesuche, nahm Abends an einem zu Ehren Dernburgs von der Deutsch-Ostas. Gesellschaft veranstalteten Festessen teil und
lernte bei dieser Gelegenheit auch Herrn
Kessler von S-S-W. kennen.
K. fährt in einigen Wochen wieder nach Haus. Ueber den Zweck seiner Hierherkunft habe ich noch nichts erfahren können. –
Telephonkabel. Die Herren, die ich am 9. noch sah waren Direktor Oi, Exzellenz Komatsu und der Ingenieur Nakayama. Die Conferenz wegen Wiederzulassung unserer Firma kann, weil jetzt die Zeit der Ferien, noch nicht stattfinden, alle Herren aber, die ich sprach, sicherten mir zu, daß sie zu unsern Gunsten den Zwischenfall behandeln würden. Demnach kann ich nichts mehr in der Sache tun.
Wegen der Abnahmen auf dem Werk sprach ich ebenfalls mit Oi nochmal, ohne aber bestimmte Antwort zu erhalten. Er wolle sich die Sache überlegen.
Letzter Absatz: Am rechten Rand von anderer Hand doppelt angestrichen
Telegraphenkabelverbindung Japan-Deutschland. Herr Komatsu bittet uns, die Sache mit eingehenden Details brieflich zu behandeln. Er möchte darüber unterrichtet sein, was Japan zu einer solchen Verbindung beizusteuern habe, ob nur das Landungsrecht oder Beteiligung bezw. Subventionen oder Garantien &c. Ob man dem Plan sympathisch oder nicht gegenüberstehe könne er erst sagen wenn er alle Einzelheiten kenne, auch wie man
Letzter Absatz: Nachträglich von anderer Hand komplett gestrichen
|2. Blatt, Vorderseite|
Von Jap oder Tsingtau später weitergehen wolle. Einstweilen hätten sie ja 2 Verbindungen nach China und eine nach Amerika.
Letzter Absatz: Nachträglich von anderer Hand komplett gestrichen
Das was in Ihrem Brief stand, habe ich dem Herrn gesagt. Ich glaube, die Sache interessirt ihn, aber er ist bange, zu viel bezw. überhaupt etwas zu erwidern, das muß erst hier eingehend besprochen werden und dazu erbittet er sich briefliche Unterlagen.
Letzter Absatz: Nachträglich von anderer Hand komplett gestrichen
Deutsche Botschaft. Ich sprach auf der Botschaft Graf Montgelas und Dr.
Ort und dankte nochmals für die derzeitigen Bemühungen um Zulassung zu
den Telegraphenkabel-Submissionen. Man sagte
mir, man stehe gern zu unserer Verfügung, wir möchten aber immer im Auge
behalten, daß die Japaner
sehr stolz seien und die Intervention fremder Behörden leicht unfreundlich
aufgenommen würde. Durch Hintertüren sei meist mehr zu erreichen als durch
offizielle Schritte.
H. Ahrens & Co. Nachf. Es ist ein sehr vornehmes Haus und die Herren dort waren von großer Liebenswürdigkeit. Ich lernte Herrn Temme, den Teilhaber, und Herrn A. Reimers, den Einkäufer, kennen.
Ich hörte, daß man die Telegraphendraht-Order, die man uns hin und wieder überschreibt, in regelrechter Submission erhält. Man schreibt durch eine japanische Firma ein und da Fracht- und sonstige Spesen vom Einen so und vom Andern anders gerechnet würden so erkläre es sich, daß sie manchmal den Auftrag erhielten und Raspe leer ausgingen.
Wenn Sie berücksichtigen daß wir Raspe cif- und Ahrens fob-Preise stellen so können Sie sich|3. Blatt, Vorderseite| erklären, daß solche Differenzen vorkommen, obwohl Ahrens bezw. die japanische Firma noch ihre Commission auflegt.
Jedenfalls, glaube ich, tun wir gut, Ahrens auf ihre Anfragen Preise zu geben, die natürlich nie unter denjenigen von Raspe sein dürfen. Erhalten wir dann durch Ahrens die Bestellung so kann uns Raspe keinen Vorwurf machen und ich glaube auch nicht daß unser Ansehen bei der hiesigen Verwaltung leidet, wenn unsere Ware gelegentlich durch eine andere Firma angeboten wird. Natürlich dürfen es nur gelegentliche Orders sein, die wir auf diese Weise erhalten, andernfalls würde unser Vertreter doch an seinem Ansehen einbüßen. –
A. E. G.
Hiesige Zeitungen bringen die
Meldung von der zwischen AEG und uns
geschlossenen Interessen-Gemeinschaft. Die Nachricht wird hier verschiedentlich
kommentiert. Herr Oberlein drängte
mich, Ihnen zu telegraphiren. Ich habe dies unterlassen in der Annahme, daß Sie mir
telegraphirt hätten,
wenn Sie solches für opportun gehalten hätten. –
Weiterreise. Ich empfing inzwischen Ihren Brief wegen Muschter und dem event. Besuch Holl. Indiens. Auch ich halte einen Besuch in Batavia für sehr angebracht. Vielleicht haben Sie oder Dynamowerk auch an dem einen oder andern der britisch-indischen Plätze die Worte „britisch-indischen Plätze“ wurden nachträglich von anderer Hand unterstrichen und am linken Rand doppelt angestrichen etwas mitzuerledigen, in welchem Falle ich mir Ihre Weisungen nach Shanghai erbitte.
Morgen gedenke ich Ihnen zu telegraphiren wann ich voraussichtlich nach Shanghai fahre. Ich denke es kann gegen den 26. ds. geschehen, ich möchte
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hierüber aber erst mit Herrn Rehfardt , dem hiesigen Teilhaber von Raspe & Co. sprechen, da ich die Verbindungen nach den hier noch zu besuchenden Plätzen nicht kenne.
Neuer Zollvertrag. Ich habe hier nichts mit Bezug auf den Vertrag erfahren können. Der Schwerpunkt liegt ja auch bei der heimischen Industrie und erst in zweiter Linie bei hiesigen Importfirmen.
Hochachtungsvoll!
Heinrich Jülich
Abt.Abteilung
Nr., Num.Nummer
Fasz.Faszikel
Bl.Blatt [einer Akte]
Sep., Sept, Sept., Septb., Septr., Septbr, Septbr.September
No., N., n.Numero (italienisch)
E, E., Eing.Eingang
Antw.Antwort
Dept.Department (englisch)
ostas.ostasiatisch
bezw., bzw.beziehungsweise
etc, etc., &c., &ct.et cetera (lateinisch)
Jap, jap., japan.Japan, japanisch
Dr.Doktor
cif, c. i. f.cost, insurance, and fright [Preisberechnungsmethode im Außenhandel]
fob free on board [Preisberechnungsmethode im Außenhandel]
ev., event., eventl., evtl.eventuell
holl., holländ.holländisch
ds., dss.dieses [Monats, Schreibens etc.]
RWWARheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv, Köln
RWWARheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv, KölnAbt. 11Felten & Guilleaume Energietechnik AG, Köln (1850–1990)
Felten & Guilleaume Carlswerk AG, Mülheim am RheinDie 1826 gegründete Firma Felten & Guilleaume in Köln widmete sich zunächst vor allem der Herstellung von Hanf- und Drahtseilen, in den 1850er Jahren kamen ummantelte Telegraphenkabel hinzu. Mit dem Carlswerk in Mülheim am Rhein wurde 1874 ein zusätzlicher, langfristig ausbaufähiger Produktionsstandort eröffnet, zu dem nach und nach auch die meisten der älteren Fertigungskapazitäten aus der Stadt Köln verlagert wurden. 1899 erfolgte die Umwandlung des Carlswerkes in eine Aktiengesellschaft, die Felten & Guilleaume Carlswerk AG in Mülheim am Rhein. Deren 1. Generaldirektor wurde Emil Guilleaume. Mit Drahtseilen und Kabeln, darunter Telegraphen-, Telefon- und Starkstromkabel, machte sich das Unternehmen weltweit einen Namen. Dazu trug insbesondere die Verlegung des ersten transatlantischen Telefonkabels von Deutschland (Greetsiel) nach New York bei, das im Carlswerk hergestellt worden war. Durch die schon 1895 erfolgte Übernahme der Firma J. Obermeier in Nürnberg, aus der eine Niederlassung der Felten & Guilleaume Carlswerk AG in Nürnberg hervorging, wurden Produktionskapizitäten für Telefonapparate aufgebaut. Die 1899 von der Felten & Guilleaume Carlswerke AG gemeinsam mit der Deutsch-Atlantischen Telegraphengesellschaft gegründeten Norddeutschen Seekabelwerke (NSW) in Nordenham konzentrierten sich ganz auf die Produktion von Seekabeln. 1905 kam es außerdem zu einer engeren Kooperation mit der Elektrizitäts-AG vorm. W. Lahmeyer & Co. in Frankfurt am Main, die ein Dynamowerk unterhielt, in dem auch Elektromotoren produziert wurden. Diese Zusammenarbeit führte zur vorübergehenden Umfirmierung des Gesamtunternehmens: Die Felten & Guilleaume Lahmeyerwerke AG bestand allerdings nur bis Ende 1910, danach kehrte man zum Firmennamen Felten & Guilleaume Carlswerk AG zurück. Ausführlicher zur Unternehmensgeschichte:
Feldenkirchen, Fernostgeschäfte
;
Vogt, Überseebeziehungen von Felten & Guilleaume
;
Widdig, Felten & Guilleaume
.
M. Raspe & Co., KobeDas von Max Raspe 1877 in Kobe gegründete Handelshaus M. Raspe & Co. widmete sich zunächst vor allem dem Import von Maschinen und dem Export von Textilien. 1885 wurde eine Vertretung in Hamburg eingerichtet, deren Leitung zunächst Georg Kleinwort übernahm, später trat Hans Rudolph Raspe, ein jüngerer Bruder von Max Raspe, an seine Stelle. Auch in Japan expandierte das Unternehmen, so wurden Niederlassungen in Yokohama, Tokio, Shimonoseki und Nagasaki eröffnet. Zum Schwerpunkt entwickelte sich der Import von
Textil- und Eisenwaren
, Chemikalien, Farben und Medikamenten nach Japan. M. Raspe & Co. übernahmen die Vertretung namhafter deutscher Exportfirmen, darunter beispielsweise bis zur Fusion mit Siemens die Firma Schuckert & Co. Ende 1901 schloss auch die Kölner Firma Felten & Guilleaume einen Vertretungvertrag mit M. Raspe & Co. für Japan, was nicht zuletzt zur Erlangung von begehrten japanischen Regierungsaufträgen genutzt werden sollte. 1903 wurde eine Niederlassung in Hamburg eröffnet, 1911 eine weitere in London. Nach dem Ersten Weltkrieg gelang es nicht, die Geschäfte wieder aufzubauen, die Firma ging 1918 in Liquidation. Vgl.
Lepach, Meiji-Porträts
. - Speziell zum Vertretungsvertrag mit Felten & Guilleaume: Vgl.
Vogt, Überseebeziehungen von Felten & Guilleaume
, S. 236–239, 242–246, 253.
H. Ahrens & Co. (seit 1886: H. Ahrens & Co. Nachf.), TokioDie Firma H. Ahrens & Co. in Tokio wurde 1869 von Hinrich Ahrens gegründet, der 1867 von Südamerika nach Japan gekommen war. Gestützt auf die Zusammenarbeit mit dem Teilhaber Martin Michael Bair wuchs die Firma H. Ahrens & Co. zu einem der größten deutschen Japanhandelshäuser heran. 1872 wurde eine Niederlassung in Yokohama eröffnet, 1876 eine weitere in Kobe. 1879 trennten sich Hinrich Ahrens und Martin Michael Bair, auch weil Bair die Geschäftspolitik stärker auf die Übernahme japanischer Regierungsaufträge ausrichten wollte als Ahrens; sie führten ihre Geschäfte künftig unter den getrennten Firmen H. Ahrens & Co. einerseits, Bair & Co. andererseits fort. Nachdem Hinrich Ahrens 1886 gestorben war, übernahmen drei seiner früheren Mitarbeiter - Theodor Hake, Georg Rudolph Mosle und Emil Wismer - die Firma und führten sie unter dem Namen H. Ahrens & Co. Nachf. als ihre eigene weiter, zogen sich allerdings recht bald daraus zurück, Take bereits 1889, Mosle 1892 und Wismer 1907. 1925 wurde die Firma von der I. G. Farbenindustrie AG übernommen. Vgl.
Lepach, Meiji-Porträts
;
Reimers, „Zeit ist Geld“
, passim.
Siemens-Schuckertwerke GmbH, Berlin1903 durch die Firmen Siemens & Halske in Berlin und die Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vormals Schuckert & Co. in der Rechtsform einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung gegründet, um die Starkstromabteilungen der beiden Gründungsunternehmen zu bündeln und sich dem Bau von Elektroautos zu widmen, firmierten die Siemens-Schuckertwerke 1927 zu einer Aktiengesellschaft um. Vgl.
Feldenkirchen, Siemens
.
F. Schwartzkopf & Co., Qingdao s. auch
Bei der Firma F. Schwarzkopf & Co. in Qingdao handelt es sich offenkundig um eine Niederlassung des Handelshauses F. Blackhead & Co., das sich schon in den 1860er Jahren in Hongkong etablieren konnte.
F. Blackhead & Co., Hongkong s. auch F. Schwarzkopf & Co.Die Firma F. Blackhead & Co. konnte sich in den 1860er Jahren in Hongkong etablieren. Unter dem deutschen Firmennamen F. Schwarzkopf & Co. errichtete sie später eine Niederlassung in Qingdao im deutschen „Pachtgebiet“ Kiautschou.
Siemssen & Co., Kanton / HongkongDas 1846 von Georg Theodor
Siemssen etablierte Handelshaus Siemssen & Co. in Kanton war nach Wm. Pustau & Co. sowie
Carlowitz, Harkort &
Co. die dritte deutsche Firmengründung in China überhaupt. Das Unternehmen wurde rasch in
der chinesischen
Küstenschifffahrt aktiv, denn die in Hamburg gebauten, für Siemssen
& Co. fahrenden Segelschiffe waren den traditionellen chinesischen Dschunken technisch
überlegen, vor allem weil sie gegen den Wind kreuzen konnten, und sie
profitierten zudem vom Versicherungsschutz europäischer
Gesellschaften. Siemssen & Co. arbeiteten anfangs besonders eng
mit Behn, Meyer & Co. in
Singapur sowie Metzendorff & Wilmans in Batavia zusammen, knüpften aber
rasch ein eigenes Handelsnetzwerk, das bis nach Siam und in die USA reichte. Neben einem rechtlich
eigenständigen Kontor in Fuzhou, das
sich unter dem Namen Siemssen & Co. Fuzhou dem Teehandel widmete, wurde 1855 eine Niederlassung in
Hongkong eröffnet, 1856
eine weitere in Shanghai. Da der
Standort Kanton mit dem Zweiten
Opiumkrieg weiter an Bedeutung verlor, wurde der Hauptsitz der
Firma 1858 nach Hongkong
verlagert. Im Jahr darauf kehrte der Firmengründer Georg Theodor Siemssen nach Hamburg zurück und etablierte dort
die Schwesterfirma G. T.
Siemssen, die sich den europäischen und amerikanischen
Geschäftsverbindungen widmete. In China entwickelte sich Nikolaus August Siebs, der seit 1864
für Siemssen & Co. tätig war und 1881 zum Teilhaber aufstieg, zur zentralen
Persönlichkeit des Unternehmens, das 1865 zu den Mitbegründern der Hongkong and Shanghai Banking
Corporation zählte, sich an der Hongkong & Whampoa Union Dock
Company beteiligte und sowohl im Handel wie im Shipping weiter
expandieren konnte. Weitere Konsortial- und Tochtergesellschaften sowie
eigene Niederlassungen wurden in Hankou, Xiamen, Ningbo sowie Tianjin und Qingdao etabliert. Mit dem Ersten Weltkrieg gingen sämtliche
Niederlassungen in China verloren.
Doch mit Hilfe der Hongkong
and Shanghai Banking Corporation gelang ein Neustart: Siemssen
& Co. erlebten in Zwischenkriegszeit sogar ihre bis dahin größten
geschäftlichen Erfolge, vor allem durch den Export deutscher Mascinen, etwa
der Firmen DEMAG, Deutz, Rheinmetall-Borsig, Orenstein & Koppel,
Junkers, Dynamit etc. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg knüpften Siemssen
& Co. bald wieder Geschäftsbeziehungen nach Ostasien an. Vgl. Ernst
Hieke, Über die Anfänge des deutschen Handels mit Ostindien. Das
hamburgische Handelshaus Ross, Vidal & Co. und die Vorgeschichte von
Siemssen & Co., unveröffentlichtes Manuskript, in: Staatsarchiv Hamburg (StAH), 622-1/506, 27;
Möring, Siemssen &
Co.
.
Freudenberg & Co., ColomboDie 1873 von dem Bremer Kaufmann Philipp Freudenberg (1843–1911) in Colombo auf Ceylon gegründete Firma Freudenberg & Co. unterhielt dort eigene Kaffeeplantagen, mit deren Rohkaffee bevorzugt Abnehmer in Bremen beliefert wurden. Der Befall der Plantagen durch eine Pilzkrankheit machte dieses Geschäft bald zunichte, sodass Freudenberg sich umorientieren musste und Chinarinde anzubauen begann, was sich geschäftlich jedoch nicht bewährte. Freudenberg, der 1876 zum deutschen Konsul in Colombo berufen worden war, nutzte seine politischen Kontakte und Verbindungen zur deutschen Presse, um sich für die Einbeziehung Ceylons in den Linienverkehr des Norddeutschen Lloyds nach Ostasien einzusetzen, was ihm auch gelang. Die Firma Freudenberg & Co. übernahm die Vertretung des Norddeutschen Lloyds und wurde damit zu einem wichtigen Anlaufpunkt für deutsche Schiffe und Kaufleute. Auch andere Firmen, wie zum Beispiel Felten & Guilleaume übertrugen Freudenberg & Co. ihre Vertretung für Teile Britisch-Indiens. Freudenberg selbst übernahm die Leitung einer Kokosnussölmühle, die er wenig später für seine Firma Freudenberg & Co. erwarb und mit neuen Maschinen ausstattete. Daneben widmete sich das Unternehmen dem Import von Kunstdünger für die Plantagen Ceylons und dem Anbau von Tabak samt des Betriebes einer eigenen Zigarrenfabrik. Philipp Freudenberg stieg zu einem angesehenen Kaufmann auf, seine Firma kam mit dem Ersten Weltkrieg jedoch zum Erliegen. Erst in den 1930er Jahren gelang den Nachfahren ein Neuanfang auf Ceylon. Vgl.
Arretz, Freudenberg & Co.
;
Vogt, Überseebeziehungen von Felten & Guilleaume
, S. 233.
Jülich
, Heinrich: Reisen nach dem Fernen Osten und nach Argentinien 1910–1914, herausgegeben von Amelie Berres und Thomas Berres, Münster 2003
Jülich
, Reisen nach dem Fernen Osten
2003
Vogt
, Helmut: Die Überseebeziehungen von Felten & Guilleaume (1874–1914). Eine Fallstudie zur Absatzstrategie der deutschen elektrotechnischen Industrie im Kaiserreich (Beiträge zur Wirtschaftsgeschichte, 11), Stuttgart 1979
Vogt
, Überseebeziehungen von Felten & Guilleaume
1986
Post- und Telefonbehörde, japanische; auch: Bureau of Communication, Communication Department
Deutsch-Asiatische Gesellschaft (DAG)Die Deutsch-Asiatische Gesellschaft (DAG) wurde 1901 in Berlin gegründet, um die deutschen Interessen in Asien zu fördern. Dieses Ziel sollte durch die Veranstaltung von Vortragsabenden und wissenschaftlichen Symposien sowie die Herausgabe einschlägiger Schriften erreicht werden. Präsident der Gesellschaft war von 1901 bis 1916 Freiherr Colmar von der Goltz-Pascha. Das wichtigstes Organ der Gesellschaft, die monatlich erscheinende Zeitschrift „Asien“, gab Max Vosberg-Rekow heraus. Vgl.
Steen, Deutsch-chinesische Beziehungen
, S. 328, 407, 444.
Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (OAG), TokioDie Initiative zur Gründung der Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (OAG) am 22. März 1873 ging auf Max von Brandt zurück, den langjährigen preußischen Gesandten in Japan, der 1871 die Leitung der Kaiserlichen Deutschen Mission in Tokio übernommen hatte. Mehr als zwei Drittel der Gründungsmitglieder der OAG, die sich zum einen der Erkundung und Erforschung Ostasiens, zum anderen der Verbreitung der gewonnen Erkenntnisse widmen wollte, waren Kaufleute, etwa ein Drittel Naturwissenschaftler und andere Gelehrte, darunter zunächst nur wenige Japaner, deren Zahl aber stieg. Max von Brandt wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt und steuerte zahlreiche Beiträge zu den Veröffentlichungen der OAG bei. Vgl.
Schinzinger/Weegmann, Geschichte der OAG
;
Wippich, Gründung der OAG
;
Spang/Wippich/SaalerDeutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde
.
Deutsche Botschaft in Tokio
Mülheim am Rhein (heute: Köln-Mülheim)
Yokohama [Stadt in Japan]; auch: Yokuhama
Japan; auch: Japon (französisch), Jappan
Deutschland; auch: Deutsches Kaiserreich, Deutsches ReichBis zur Gründung des Deutschen Reichs im Jahr 1871 kann von Deutschland nicht im Sinne eines Nationalstaates gesprochen werden. Doch in den Quellen wird der Begriff Deutschland auch zuvor häufig verwendet, wenn es den Urhebern nicht um eine Differenzierung zwischen den verschiedenen deutschen Teilstaaten ging.
Qingdao (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Tsingtau, Tsingtao
Ostasien; auch: East Indies (englisch), Indien, Ostindien, „Osten“Der Begriff Ostasien wird in der vorliegenden Edition in einem ganz weiten Sinne verstanden als Klammer für diejenigen Weltregionen, die für deutsche Kaufleute im langen 19. Jahrhundert auf Segel- und Dampfschiffen durch Umrundung des Kaps der Guten Hoffnung an der Südspitze Südafrikas oder - seit 1869 - nach Durchfahren des Suezkanals über den Indischen Ozean oder durch Umrundung der Südspitze Südamerikas über den Pazifik erreichbar waren. In den historischen Quellen synonym verwendet werden die Begriffe Indien, Ostindien oder einfach „Osten“.
China; auch: chinesisches Kaiserreich, chinesisches Reich, chinesische Republik, Reich der Mitte
Niederländisch-Indien; auch: holländisch Indien (heute: Indonesien)Gestützt auf die Vereenigde Oostindische Compagnie gelang es den Niederländern um 1600, sich sowohl gegenüber den konkurrierenden Portugiesen als auch gegenüber den verschiedenen Inselkönigreichen auf Java, Sumatra, Borneo, Celebes, Neuguinea und zahlreichen anderen Inseln Südostasiens sich als Kolonialherren durchzusetzen. Ausgehend von der Insel Java bauten sie ihre Kolonie Niederländisch-Indien immer weiter aus und behaupteten sie im frühen 19. Jahrhundert trotz zeitweiliger Abtretungen auch gegenüber den Briten. Erst 1949, nach der japanischen Besatzung und einem mehrjährigen, erbittert geführten Unabhängigkeitskampf, erlangte Indonesien schließlich seine staatliche Souveränität. Vgl.
Schulze, Geschichte Indonesiens
.
Colombo [Stadt auf der Insel Ceylon in Britisch-Indien]; auch: Columbo
Ceylon [Insel in Britisch-Indien]; auch: Ceilon
Berlin
Tokio [Stadt in Japan]; auch: Edo (bis 1868), Jedo (bis 1868), Jeddo (bis 1868), Tokyo, Yeddo (bis 1868)
Amerika; auch: America (englisch), Nord-, Mittel- und Südamerika
Batavia [Stadt auf der Insel Java]
Britisch-Indien; auch: British India (englisch), Englisch-Indien, Englisch-Ostindien, Hinter-Indien, Indien, Vorder-IndienDie Bezeichnung Britisch-Indien bezog sich im 17., 18. und der ersten Hälftre des 19. Jahrhunderts auf die Besitzungen der East India Company (EIC). Mit deren Auflösung im Jahr 1858 wurde die Kronkolonie Britisch-Indien geschaffen, seit 1876 auch als „Kaiserreich Indien“ bezeichnet. Bei ihrer größten Ausdehnung umfasste Britisch-Indien die heutige Republik Indien sowie die Territorien der heutigen Staaten Myanmar (früher Britisch-Burma), Bangladesch, Bhutan, Nepal und Pakistan sowie diejenigen Teile der Region Kaschmir, die heute zur Volksrepublik China gehören. Nur die Hälfte der Landfläche und etwa zwei Drittel der Bevölkerung Britisch-Indiens standen jedoch unter direkter britischer Herrschaft, denn diese stützte sich auch auf zahlreiche einheimische Fürstendynastien (Maharadschas). - Einen Überblick über die Geschichte Britisch-Indien gewährt:
Stuchtey, Britisches Empire
.
Shanghai (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Schanghai, Shang-hae, Shang-hai, Shanghae, Shanhay
Singapur, auch: Sincapore, Singapore
Penang [Insel in der Straße von Malakka]; auch: Prince of Wales Island (englisch), Pulo Pinang (malaiisch)
Europa; auch: Europe (englisch)
Frankfurt am Main
Remscheid
Kalkutta, auch: Calcutta
Madras [Ort an der Ostküste Indiens]
Dernburg, Bernhard Jakob LudwigBernhard Jakob Ludwig Dernburg (Bernhard Dernburg)Bankier, Kolonialpolitiker, Politiker11867786117.07.186514.10.1937Dernburg war als Bankier und Unternehmenssanierer tätig, bevor er 1906 die Leitung der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts übernahm, die wenig später zum Reichskolonialamt erhoben wurde. Als Staatssekretär im Reichskolonialamt stieß er 1907 eine grundlegende Reform der deutschen Kolonialpolitik an, die sich künftig von „Zerstörungsmitteln“ wie Waffen und Drogen fernhalten und stattdessen stärker auf „Erhaltungsmittel“ wie die Mission, die Wissenschaft und die Eisenbahn setzen sollte. Seine Personalpolitik und die großen Kapitalgesellschaften zugesprochene Rolle in der Kolonialpolitik rief teils heftigen Widerstand hervor und führte 1910 zu seinem Rücktritt als Staatssekretär. Vgl.
Ritter, „Dernburg, Bernhard Jakob Ludwig“
;
Schiefel, Bernhard Dernburg
.
Reimers, AlfredAlfred ReimersAngestellterAlfred Reimers entstammte der Hamburger Kaufmannsfamilie Reimers, die seit den späten 1860er Jahren im Handel mit Japan tätig war, wobei sich die Brüder C. F. Reimers, Adolph Reimers und auch Alfreds Vater Otto Reimers entschlossen hatten, selbst nach Japan zu gehen, und kam nach seiner Ausbildung 1907 ebenfalls nach Japan, um für die Firma H. Ahrens & Co. Nachf. in Tokio tätig zu werden; er wurde in der Niederlassung Yokohama eingesetzt und zählte auch 1910 noch zu deren Angestellten. Vgl.
Lepach, Meiji-Porträts
.
Angestellter; auch: Beamter (Privatbeamter), Employé
Regierungsaufträge, japanische
Telegrafie; auch: Cabeln, Code, Drahten, Private Code (englisch), Special Code (englisch), Telegraph, telegraph (englisch), Telegraphic Address (englisch), TelegraphieNeben Briefen und anderen schriftlichen Nachrichten wurde die Telegrafie im 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Kommunikationsmedium der im Fernhandel tätigen Kaufleute und Reeder. Nachdem die technischen Infrastrukturen geschaffen worden waren, ging es nicht zuletzt darum, neue Routinen und Rhythmen im Umgang mit dem Medium sowie Wege zu finden, eigene Geschäftsgeheimnisse zu schützen. Zu diesem Zweck wandten die Kaufleute in ihrer telegrafischen Geschäftskorrespondenz häufig eigene, speziell entwickelte Codes an, sodass die übermittelten Informationen, etwa sensible Preisinformationen oder Namen von Auftraggebern und Kunden, nicht ohne Weiteres von Dritten mitgelesen werden konnten. Durch Verkürzung der Wortlängen konnten zudem erhebliche Kosten gespart werden. Vgl. hierzu exemplarisch:
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 2
, S. 78f. - Zur generellen Bedeutung der Telegrafie für die wirtschaftliche Globalisierung:
Wenzlhuemer, Connecting the Nineteenth-Century World
.
Kabel; auch: Luftkabel, Seekabel, Telefonverbindung, Telegrafenverbindung, Telegraphenkabel, Telegraphenlinie, Telephonkabel, Untergrundkabel
Ingenieur; auch: engineer (englisch), Chefingenieur, Engineer in Chief (englisch)
FabrikabnahmeUnter Fabrikabnahme versteht man die Kontrolle und Übernahme maßgefertigter Produkte durch den Besteller in der Fabrik des Herstellers.
Subvention, staatliche; auch: Bonification, Government support (englisch)Der Begriff Subvention bezeichnet eine staatliche finanzielle Unterstützung, beispielsweise für die Einrichtung von Dampfschifffahrtslinien oder zur Förderung des Exports bestimmter Waren.
Garantie, staatliche; auch: guarantee (englisch)
SubmissionDie Unterbreitung eines geschäftlichen Angebots wurde auch Submission genannt.
Japaner; auch: Japanesen, japanische Unterthanen
Teilhaber; auch: Ahsocié, Associé, Gesellschafter, Partner, Theilhaber, Theilnehmer
Fracht [Frachtkosten]; auch: Frachtpreis, Frachtrate, Frachtspesen
Preis; auch: Außenhandelspreis, Bruttopreis, Einkaufspreis, Facturapreis, Kaufpreis, Listpreis, Preisentwicklung, Preisverfall, price (englisch), Selbstkostenpreis, value (englisch), Verkaufspreis, Waarenwerth, Weerth, Wert, Werthbemessung
Geschäftskosten; auch: costs (englisch), Handlungs-Unkosten, Kosten, Schiffs-Unkosten, Spesen, Unkosten
Versicherung; auch: Assecuranz, insurance (englisch), policy (englisch), Versicherungsgesellschaft, Versicherungspolice, premium (englisch), Versicherungsprämie, Versicherungswesen
Zoll; auch: costums dues (englisch), Differentialabgabe, duty (englisch), measurement duty (englisch), ship duty (englisch), Zollabgaben, Zolltarif
Kommission, Kommissionsgebühr; auch: commission (englisch), Commission, Commißion
Presse; auch: Tageszeitung, Wochenzeitung, Zeitung
Handelsvertrag; auch: commercial treaty (englisch), convention of commerce (englisch), Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag, Handelsabkommen, Handels- und Schifffahrtsvertrag, Schifffahrtsvertrag, Tractat, Zollvertrag